Pissing in the Rhine

Ihre Mischung aus Mainstream-Rock und Humba-Punk macht die amerikanische Band The Hooters in deutschen Landen volksfesttauglich. Zur Bekräftigung solcher Massenausrichtung haben die Johlgesellen im Jahre 2010 einen Song in etwa in deutscher Sprache eingespielt, der mit einiger normativer Kraft des Faktischen ausgestattet „Wein“ auf „allein“ auf „Rhine“, „hier“ auf „Bier“ und „Küsse“ auf „Gewissensbisse“ reimt, dazwischen eine vermutlich dadaistisch beeinflußte, sicherlich aber romantisch grundierte Story um „sieb`n Dutzend Rosen“ aufbaut, die, wohl nebst um Volkes auch um Feuilletongunst bemüht, sogar einen fast versteckten modernen Verweisreim auf eine einst vieldiskutierte deutsche Punkrockband enthält, und in einem weiteren Schachzug das Dilemma menschlicher Ahnungslosigkeit thematisiert, nur um in der nächsten Zeile so optimistisch wie kategorisch wieder absolute Gewißheit zu vermitteln – was alles in allem genug Rüstzeug zur nationalen Gröhlhymne scheint. „Pissing in the Rhine“ lautet folgerichtig der Titel des Songs mit den, je nach Stimmungslage, überaus trost- bis verdrußspendenden Endzeilen: „Ich bin nicht allein / Du bist nicht allein / Wir sind nicht allein“, und es gibt auf Youtube bereits einige Mitschnitte von Live-Performances dieses neuen Glanzstücks rheinischen Liedguts.

Nietzsche schreibt doch was von der Via Mala

“Ich empfinde die düstere Großartigkeit der Via mala als Widerschein meines eigenen Wesens.” Gefolgt von einer kurzen Meditation über Widerschein, Schluchtendunkel und Seelenabgründe. So zu hören in Thomas Kaisers knapp halbstündigem Film “Das grosse Staunen” über die Via Mala, der dreigeteilt auf Youtube (hier gehts zum ersten Teil) verfügbar ist und in dem Schauspieler Jaap Achterberg, zunächst, für unser Empfinden, etwas kammerspielhaft-überdramatisch, dann zunehmend ruhiger, einen wunderbaren Mix aus etlichen, oft wenig bekannten kulturellen Zeugnissen zur/teils in der Schlucht rezitiert (darunter Nicolin Sererhards kräftige Schilderung der Mordtat eines Pfarrers) – von vielen beeindruckenden, auch historischen Aufnahmen bebildert.

Schikos Rhein (3)

Via-MalaNoch ein schluchtiger Hinterrhein: bekannt wurde die Via Mala meiner Generation hauptsächlich über den im deutschen Fernsehen ausgestrahlten gleichnamigen, eindrucksvollen Dreiteiler von 1985 mit Mario Adorf und Maruschka Detmers nach dem Roman von John Knittel. Aus einer älteren Verfilmung (von 1961, mit Gert Fröbe und Christine Kaufmann) sind schluchtenvernebelte Anfangsminuten auf Youtube zu finden – der zu hinterquerende Wasserfall der Sequenz scheint jedoch jener aus der Rofla.

Rheinfallvideos

Aufm Känzeli am Rheinfall stand ich bisher zweimal gern und lang. Der zum Greifen nahe Wassersturz bietet einen überwältigenden Anblick, vor allem früh unter der Woche, wenn die Plattform noch nicht von Touristen überschwemmt ist und die Morgensonne die imposanten Fälle mindestens eine Spur gewaltiger erscheinen läßt als etwa zur Mittagszeit. Auf Youtube mehren sich inzwischen weit überwiegend amateurhafte Privataufnahmen der Location, die ich in einem meiner die diesbezügliche Historie abgleichenden Rheinfallgedichte etwas lax als „gottes spaetwerk“ bezeichnet habe. Hier ein adäquat verrauschtes Video, das den tatsächlichen Eindruck vorort annähernd widergibt. Nicht alle Besucher des Känzelis belassen es beim Stehen und Staunen: ein paar wild boys „gehen baden in der schlagsahne des betagten stroms“ – und dann gibt es Sportsfreunde, die sich die 23 Höhenmeter mit ihren Kajaks hinabstürzen: hier eine Aufnahme mit Bordkamera (es gibt auch welche vom Känzeli aus, Youtube bietet einige verwandte Links).