Sie kämmt ihr goldenes Haar

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Unverkennbar: die Loreley. Die Screenshots entstammen einem Trickfilm aus einem Schulworkshop an der rheinfernen Gesamtschule Busecker Tal.

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Die charmante Verfilmung von Heines Versen bietet einen singenden rheinischen Oktopus im Wellengewoge, einen funkelnden Bergesgipfel, freien sehnsüchtig-schwanken Möwenflug im goldnen Abendsonnenschein und nicht zuletzt die lang vermißte Männer-Streichliste der traurigen Schönheit.

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Das Video dauert etwa dreieinhalb Minuten und ist anzuschauen bei Youtube.

Paul Linckes Rhein

Als kleine Reminiszenz an unsere gegenwärtige Residenz am Paul-Lincke-Ufer spielen wir Paul Linckes Festmarsch Vater Rhein aus seiner Operette Fräulein Loreley aus dem Jahre 1900 in einer grammafonischen Youtube-Version.

The girl on a motorcycle (2)

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Alain Delon als Daniel, motorradfahrender, pfeiferauchender Jungdozent, hier bei der Arbeitsvorbereitung in einem luftigen Pavillon hoch über dem Neckar. Der Unterricht seiner vier Studenten findet in einem mondänen Ledersesselclub statt: “Das am meisten mißverstandene Wort auf der Welt ist… Liebe.” Dementsprechend verläuft seine Beziehung mit Rebecca (Marianne Faithfull), die sich verzweifelt an Daniel heranwirft und während ihrer Motorradpendelei zwischen Ehemann und Geliebtem ihre knappe, aber komplexe Lebensgeschichte aufarbeitet. Immer wieder rastet Rebecca auf ihren Touren zu/von Daniel im badischen Wald, Inspirationsquelle für zeittypische Exkurse etwa zum Soldatendasein (”ich frage mich, ob sie wissen, wie man Liebe macht”) oder zum Sonnenaufgang (”rise quickly, burn me”). Auf Rebeccas Wegen liegt der

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Grenzübergang Neulauterburg, ein vertrautes Bild unserer Jugend. Die Filmstory steuert indessen auf die längst anzunehmende Katastrofe hin. Bei einer weiteren Durchfahrt beschimpft Rebecca in Karlsruhe die Passanten (”Bastards! Bastards!”), ihre Instabilität tritt offener und offener zutage, in einer badischen Gaststube mit berlinerndem (”Mensch Meier, kiek ma die!”) Altherreninventar und einer rigoros herumschnauzenden Wirtin (”Frühstück? Kaffee?”) schreitet

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Rebecca bei zwei Kirsch zur inneren Abrechnung mit ihren Männern, die sie noch ein letztes Mal verwerfen wird. The girl on a motorcyle ist derzeit bei Youtube in der Originalversion eingestellt.

Wie Siegfried den Drachen erschlug

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Unverkennbar der Drachenfels zu Zeiten als es noch Drachen gab, mit nordisch-knapp prächristlich-mythischem Heiligenschein-Regenbogen. Mit dieser Einstellung beginnen Die Nibelungen von Fritz Lang nach dem Skript seiner damaligen Frau Thea von Harbou. Youtube bietet derzeit eine knapp fünfstündige Vollversion mit englischen Zwischentiteln.

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Mime, der Schmied und Siegfrieds Lehrmeister, gespielt von Georg John, der auch die Rolle des Alberich mimt. Unter den Nazis erhielt John, der 1924 in diesem großen Filmepos der Deutschen mit expressivem Spiel aufwartete, Berufsverbot.

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Siegfried in gleißendem Blond. Einer der größten Superhelden der Geschichte. Gespielt von Paul Richter, einem Österreicher. Im folgenden Bild wird er im Blute des sabbernden Drachens (einem höchst sehenswerten Filmmonster) baden, da ihm ein Vöglein von verblüffenden Nebenwirkungen des Drachenblutbadens zwitscherte.

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Zu sehen ist hauptsächlich Siegfrieds schöner Rücken. Rechts oben der Drachenblutduschstrahl. Zwischen den Schulterblättern des Helden klebt ein fatales Laubblatt. Und hier noch der Drache:

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Tauchervideos vom/im Hochrhein

Die meisten TV-Dokus über den Rhein vernachlässigen die Taucherperspektive zugunsten von Luftaufnahmen. Dabei lassen sich unter Wasser mindestens ebenso sehenswerte Aufnahmen einfangen. Bei Youtube gibt es einige innerrheinische Videos, die nahelegen, daß insbesondere der Hochrhein ein lohnenswertes Tauchrevier darstellt. Wir möchten gerne auf zwei Kurzfilme hinweisen, die exemplarisch für spezifische Tauchgänge stehen mögen. Einen stellenweise leicht gespenstischen Nachttauchgang bei Wagenhausen im Thurgauischen dokumentiert dieses Video (4:12 Minuten). Das Licht stammt aus einer Stablampe. Wir sehen offenbar schlafende/aus dem Schlaf aufgescheuchte Fische über grundbestrüppten Unterwasserwüsteneien. (Die illustrierende Musik läßt sich bei Bedarf ausschalten.) Hochwertige Tagaufnahmen an einer nicht näher bezeichneten Stelle des Hochrheins bietet dieses Video (7:02 Minuten) zu streckenweise recht passenden, den Unterwasservorgängen synchronen Haydnklängen. In wunderbaren Farben strömende, fischbewohnte Kleindschungel aus Ofeliahaar lassen an ein perfekt inszeniertes Aquarium denken. In den Verwandtschaftsspalten finden sich weitere Rheintaucher-Videos, etwa zum Strömungstauchen bei Schaffhausen: darin sehr gut ersichtlich die Flußgeschwindigkeit.

Die Harald Schmidt Show zu Gast auf Vater Rhein

Allerjüngste Rheindokus warben und werben mit angeblich sensationell neuen Luftaufnahmetechniken (wir berichteten). Aufnahmen, die sich gegen Gewohntes deutlich abgehoben hätten, blieben in den Endprodukten bisher eher rar. Womöglich ist die jeweils neueste Luftaufnahmetechnik bereits seit Anbeginn des Luftaufnahmezeitalters Produktionsgrund für die jeweils neueste Rheindokumentation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im September 2003 veranstaltete Harald Schmidt seine Show, damals auf Sat. 1, über rund drei Stunden auf dem Rhein. Sicherlich ein Höhepunkt der fernsehgeschichtlichen Beschäftigung mit dem Fluß. Schmidt füllt den Niedrigwasser führenden Rhein („Ist das nicht hochtoxisch, das Wasser?“ (Anke Engelke)) ua symbolisch mit kohlensäurefreiem Mineralwasser auf und chefentläßt, knapp an den Schiffsschrauben vorbei, satte Aale in die liebe Wasserheimat. Wir bekommen grandios gescheiterte Sketche der deutschen Unterhaltungselite geboten, Megafonansprachen an die Bewohner der Ufernester, auf dem Gipfel des Privatfernsehens zieht sich der Moderator nackich aus, um, sobald der Gipfel überwunden ist, das Deck zu schrubben.

Aber sehen Sie selbst: nebst dem Schiff, auf dem die Show stattfand, charterte Schmidts Team auch einen Begleithubschrauber, um Show, Landschaft und Rheinatmosfäre von oben einzufangen. Nun sollten wir ein Showformat natürlich nicht mit Dokumentationen vergleichen, und Livebilder nicht mit solchen, die einen längeren Produktionsprozeß durchlaufen. Wo wirs insgeheim dennoch tun, möchten wir geneigten Lesern die Möglichkeit nicht vorenthalten, sich selbst ein Bild machen zu können: „Vater Rhein und Mutter Elbe – ist für viele fast dasselbe.“

Nebenbei: wie lange dieser Link zum Ziel führen wird, können wir nicht sagen/garantieren. Auf rheinsein existieren mittlerweile eine ganze Reihe toter Links. Die durchschnittliche Lebenserwartung haltbarer Netzseiten ist nicht nur auf Youtube eine niedrige. Insbesondere Videodateien tauchen nach ihrem Ableben in Zombiemanier häufig wieder aus ihren Gräbern auf, bis sie erneut in die Gruft versenkt werden. Die toten Links auf rheinsein betrachten wir als historische Abbruchszeugnisse und überlassen dem gewitzten Surfer, der es immer wieder auf unsere Seite schafft, das evtl Wiederauffinden der Inhalte gekappter Links in den unfaßbaren Kulturräumen des Netzes.

rheinsein unterwegs im September

rheinsein war im September als Gast bei drei Abendveranstaltungen auf der Bühne, zwei davon in Museen im liechtensteinischen Vaduz.

Im sehenswerten Kunstmuseum Liechtenstein fand zu Monatsbeginn unser erster Gemeinschaftsauftritt mit Helena Becker statt, die für Das Lachen der Hühner die Dorfansichten (hier ein Beispiel) geschnitten hatte. Mithilfe projizierter Screenshots der Website stellten wir rheinsein als multiple Projektform vor, moderierten unsere kleine, randseitige, von den Postkartenständern der Vaduzer Innenstadt jedenfalls deutlich abweichende liechtensteinische Fotokollektion – und brachten Texte zum Vortrag, welche die nicht allzufernen Quellregionen und das Fürstentum selbst betrafen, darunter natürlich auch Gedichte aus Das Lachen der Hühner, zu denen Helena eine neue Papierschnittserie angefertigt hatte, welche nun Motive aus den Sonetten auf- und sich an den Museumswänden prächtig ausnahm.
Das Lachen der Hühner, vor anderthalb Jahren bei der parasitenpresse herausgekommen, befindet sich mittlerweile in der dritten Auflage; derzeit laufen Verhandlungen über eine limitierte Sonderedition mit Helenas im Kunstmuseum erstmals präsentierten neuen Schnitten an. Der Auftritt fand anderntags Niederschlag in der Printausgabe des Liechtensteiner Vaterlands.

Schräg gegenüber des Kunstmuseums Liechtenstein befindet sich das ebenfalls sehenswerte Liechtensteinische Landesmuseum. Während der Termin im Kunstmuseum ein gutes halbes Jahr im voraus feststand, ergab sich der Termin im Landesmuseum vorort ganz kurzfristig zwischen zwei Gläsern Wein. Über die Vernissage zur Bleuler-Ausstellung hatten wir seinerzeit kurz berichtet, nun kamen wir im Gespräch mit Rainer Vollkommer, dem neuen Direktor des Landesmuseums überein, rheinsein mit dem Bleuler-Konvolut des Museums zu kombinieren: nicht mit den Originalen, denn die sind derzeit in Baden-Baden zu sehen, sondern mit Diaprojektionen, die Bleulersche Spätromantik in einer textlichen Zeitreise zu spiegeln, von präromantischen Ausschnitten über damals zeitgenössische bis hin zu aktuellen, über Städte wie Leverkusen etwa, die es zu Bleulers Zeit noch garnicht gab. Vlado Franjević kreierte aus unserem Auftritt drei kurze Videos für das Museum: ein Interview vor der Veranstaltung, sowie Mitschnitte eines seefiebrigen Textes über Konstanz und eines Rhein-Gedichts aus Das Lachen der Hühner, die nun auf Youtube zu finden sind. Sehenswert für alle Liechtensteininteressierten ist sicherlich Vlados Interviewserie mit Besuchern aus aller Welt, zu finden in der Verwandtschaftsspalte.

Zurück in Köln präparierten wir uns sogleich für einen alpinen Abend mit Hartmut Abendschein und Egon Zähringer im überaus netten kleinen kunstraum dellbrück weit draußen auf der Bergisch-Gladbacher-Straße (also fast schon in Polen), welche alles in allem eine der sehenswertesten Straßen Deutschlands, wenn nicht der ganzen Welt vorstellt. Der Abend stand unter dem Motto „es ist fast gar keine Stimmung vorhanden“ – eine Zeile aus unserem Nendeln-Gedicht. Die Markgräfler Weinbatterien des Kunstraums jedoch schufen zunehmend Stimmung, Hartmut zeigte seine Flooksbooks, las aus seiner Neuerscheinung Dranmor über Dranmor, einen Berner Randgänger, Egon Zähringer jodelte und sang deutsch-schweizer Wirtschaftsnachrichten zum Örgeli, das für den Abend geborgte Murmeltier unseres Sohnes sorgte für Ordnung im Stall und alles in allem ging wieder einmal eine knappe halbe Auflage über den Tresen. Ein paar Bilder der Veranstaltung gibt es bei Hartmut Abendschein.

Neues aus dem Sommerloch (3)

Die Nachrichtenlage nähert sich in hiesigen Gefilden bereits seit Mitte Mai mit Ansage ihrer alljährlichen Sauregurkenzeit, dem gefürchteten Sommerloch, weswegen der Rhein als Themengenerator wieder stärker in den Fokus der Tagespresse gerät. Da werden plötzlich exotische Tiere im Fluß ausgemacht, die eigentlich schon recht lange zugewandert sind. Krokodile, die sich alsbald als hölzerne erweisen, sind bisher noch keine drunter. (Dabei wurde bereits im März bei Duisburg-Mündelheim, taktisch wohl etwas zu früh, ein solches gefilmt und auf Youtube eingestellt.) In einem Artikel „Darum ist es am Rhein nicht so schön“ konstatiert der Kölner Stadt-Anzeiger nach all den Jahren längst in vielfältigen Publikationen von uns bedichtete Fänomene wie die Graffiti an der Zoobrücke, die vermüllten Pfade, die verwilderte Uferböschung und darüberhinaus noch (bisher von uns unbedichtete) Blumenbeete ohne Blumen. Die Autoren beziehen sich dabei aber nicht auf unsere Texte, sondern auf die deutlich älteren Kollegen Adolf von Bergsattel und Franz Suppan, die in den 1920ern in ihrem populären gleichnamigen Lied fragten „Warum ist es am Rhein so schön?“. Darin heißt es unter anderem „weil die Mädel so lustig / und die Burschen so durstig / darum ist es am Rhein so schön“. Diese wiederum altbekannten rheinischen Tugenden beklagt ein weiterer Artikel desgleichen Blattes, übertitelt „Ballermann am Rhein“, der nun erstmals von der ebenfalls seit Jahren und Jahrzehnten in der Stadt zu beobachtenden Entwicklung zum Ganzjahreskarneval handelt, indem er die Junggesellenabschiede in der Altstadt entdeckt und warnt: „(…) Ein (…) Risiko gehen die Anbieter von schicken Flusskreuzfahrtschiffen ein, wenn sie sich dafür entscheiden, in Köln gleich am Altstadt-Ufer Station zu machen. Als im neuen Vorzeigeschiff von TUI bei der Jungfahrtfahrt den fein gemachten, zahlenden Gästen das aufwendige Sechs-Gang-Abendessen serviert wurde, turnte ein Junggesellenabschied anderthalb Stunden mit einem aufblasbaren Riesenpenis vor den Panoramascheiben herum. (…)“ Die Rheinische Post wiederum scheint sich, als Rüstzeug für das dräuende Sommerloch, auf Meldungen zum Schiffsverkehr zu konzentrieren: „Es war ein lautes Krachen, das in der Nacht (…) viele Emmericher weckte: Gegen 1 Uhr kollidierte das Tankerschiff „Margaux“ mit dem Passagierschiff „River Concerto“ in Höhe des Segelflughafens aus noch bislang unbekannter Ursache. (…) Die 132 Fahrgäste, die bei dem Unfall aus dem Schlaf gerissen wurden, mussten ihre Kabinen verlassen. In Bademänteln und mit Rettungswesten standen sie mit den 36 Besatzungsmitgliedern an Deck, als das Schiff aus eigener Kraft den städtischen Steiger ansteuerte, damit Rettungskräfte an Bord kommen konnten.“ Die Passagiere wurden dann im Kernwasser-Wunderland Kalkar untergebracht, was bei uns einige Verwunderung darüber auslöste, was unter einem Kernwasser-Wunderland zu verstehen sei. Eine weitere Meldung der Rheinischen Post betraf den Düsseldorfer Hafen, in dem ein Kohlefrachter aus Rotterdam auf Grund gelaufen war und für mehrere Stunden die Einfahrt blockierte. Das Schiff hatte für den niedrigen Wasserstand zuviele Kohlen geladen, weshalb die Hafeneinfahrt für einen Tag gesperrt werden mußte. Conclusio: „Von der Sperrung waren jedoch nur zwei Binnenschiffe betroffen.“

Rheinischer Traum

“Heute Nacht am Niehler Ufer, in den Schlaf gewiegt von den Rheinwellen und dem Verkehrsrauschen, hatte ich einen Traum von einem besseren Leben. Beim Morgenkaffee im Internetcafé fand ich völlig überrascht einen Ausschnitt daraus, “den stummen Schrei der Volksmassen”, als hätte man mir meinen Traum abgefilmt, in meinem Posteingang. Ein mir unbekannter Absender namens Leyton84 hatte mir einen Link zu Youtube geschickt. Der Link enthielt dieses Video:

Im Traum konnte ich den Handlungsort nicht bestimmen. Die Angaben zum Video verorten meinen Traum wie folgt: Puerta del Sol, Madrid, 0.00 Uhr. Aber könnte sich mein Traum nicht dennoch überall sonst abgespielt haben?”

(Eine zur Freigabe versendete Mail von Jochen Meier, hier in Ausschnitten wiedergegeben. Den Link haben wir mittels Einbetten des bezeichneten Videos ersetzt.)

Das Nashorn vom Rhein

Das Nashorn vom Rhein war (nebst Wasserbüffel und Flußpferd) eines von drei frühen Schubschiffen der Reederei Raab Karcher und wurde zum Star eines wunderbaren Lehrfilms des Museums der deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg-Ruhrort. Der gleichnamige Film zeigt aus Kapitänswarte die Einfahrt eines Schubverbands mit vier Leichtern à 1500 Tonnen Verfassungsvermögen in den Rotterdamer Hafen, das dortige Aufnehmen von Schwedenerz für die Hüttenwerke am Niederrhein und die weitere Bergfahrt, „in Gottes Namen“, vor allem durch die schwierige Passage am Binger Loch, mit Ruhrkohle für das Badenwerk in Karlsruhe. Der Kapitän erklärt Schiff, Leichter und Manöver und weist auf die herrlichen Landschaften des Stroms, für die er angeblich keine Blicke haben darf. Auf Youtube ist der knapp viertelstündige Film gestückelt, hier geht es zu Teil 1 und hier zu Teil 2.

Appenzell (6)

Wir haben uns an dieser Stelle bereits mehrfach kurz mit dem berühmten Käsekanton Appenzell befaßt. Appenzell liegt eigentlich nicht direkt am Rhein. Sondern vom Rhein aus gesehen hinter den Bergkuppen. Wohl gibt es den einen und vielleicht auch anderen Abfluß klaren appenzellischen Bergwassers, der sich letztlich im Rhein einfindet. Insgesamt aber handelt es sich bei Appenzell um ein weitgehend rheinabgewandtes, leicht vertracktes und in sich geschlossenes System, das soviele kulturelle Eigenheiten aufweist, daß wir sie einfach nicht ignorieren können und Appenzell, auch gegen seinen Willen, kurzerhand unserem Sujet, den rheinischen Regionen zuschlagen. Die appenzellischen Besonderheiten fangen damit an, daß Appenzell eigentlich nicht Appenzell heißt, sondern „die beiden Appenzell“: eines rechtgläubig (Innerrhoden, s. Foto), das andre reformiert (Ausserrhoden). Anders als in den babylonischen Welten moderner Urbanität scheint uns eine solche glaubensgerichtete Aufteilung in einer Bergregion von maßgeblicher Bedeutung für den Alltag – wir konnten diese einigermaßen billige Vermutung allerdings bisher nicht in der Praxis untersuchen und freuen uns über geflissentlichen Aufklärungsbeistand aufmerksamer Leser.

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Fakt ist: jedesmal, wenn wir vom Rheintal aus das Felsbollwerk betrachten, hinter dem sich Appenzell verbirgt, fragen wir uns, was wohl gerade dort oben abgeht. Es ist von archaischen Morden die Rede, motiviert durch Hexerei. Ebenso von einer saftigen Freitodrate. Von großen Ansammlungen approbationsloser Heiler, denen Appenzell als behütendes Stammland gilt. Von Himmels-, Berg- und Erdstrahlen in hoher Konzentration. Vom Käsen, viel vom Käsen. Von seit Jahrtausenden betriebenen Fingertänzen. Insgesamt von vordergründig naiven Ausdrucksweisen, hinter denen sich vielfältige Belastungen offenbaren. Immer wieder gerne fällt im Zusammenhang mit Appenzell die Bemerkung, daß dessen männliche Bevölkerung sich am längsten von allen helvetischen Stämmen gegen das Frauenwahlrecht gestemmt habe. Die Appenzeller Sportart ist Schwingen, eine Variante des Ringkampfs: um im Schwingen zu bestehen, muß man mindestens zwei Meter lang sein und auch zwei Meter breit. Am besten zusätzlich noch zwei Meter tief. Frauen sind nicht zugelassen. Auch nicht beim Silvesterchlausen. Bei diesem Brauchtum sind zwar Frauenkostüme zu erblicken, die auch erwähnten Schwingermindestmaßen (ca acht Kubikmeter) sich annähern: in den Kostümen aber steckt ausschließlich Mannsvolk. Die Kostüme scheiden sich in Schöne, Schö-Wüeschte und Wüeschte. In jedem Dorf zieht eine Chlausentruppe von Hof zu Hof, um ein gutes neues Jahr zu wünschen. Das übrigens auch nach dem alten julianischen Kalender, am heutigen 13. Januar. Die Beglückwunschungen gehen nach festen (Kuhschellen-)Ritualen vonstatten, dabei kommt es zu einem harmonischen wellenähnlichen Gejodel, Zauern genannt. Wer das noch nicht kennt: auf Youtube gibt’s ein paar Videos, ein ganz besonderes unter Stichwort: „Silvesterkläuse im Ochsen Schönengrund“ (Wirtshausszene mit zauernden Nadelbäumen).

In Germany before the war

Randy Newmans Song “In Germany before the war” ist inspiriert von Peter Kürten, der sich als Serienmörder den Beinamen “Vampir von Düsseldorf” verdiente, indem er Schwanenblut (nebst Menschen zählten auch Tiere zu seinen Opfern) getrunken haben soll. Newman nimmt es in seinem Song mit den historischen Fakten nicht genau. Die Zeile “I`m looking at the river / but I`m thinking of the sea” ist dabei in all ihrer Schlichtheit eine der ergreifendsten und hinterrücks komplexesten, die bis dato über den Rhein bzw seine Anwohner geschrieben wurden.

Fiebrig durch Konstanz (2)

Von brennenden Ghettos schreibt Jochen Kelter in seinem Konstanz-Gedicht „Ruderer“ von 1982 und von acht Mann, die sich auf dem Seerhein ranlegen, als wollten sie übers schilpende Wasser bis Stein oder Rotterdam, während überm Ried der Mond mit der Republik seine Schärpe tauscht. Kräftige Bilder, an deren Entschlüsselung wir noch arbeiten. Das Konstanzer Ghetto ist auf unseren fiebrigen Erkundungsgängen nicht zu entdecken, wahrscheinlich ist es mittlerweile überbaut oder versteckt sich im Internet. Tatsächlich hat ein User auf Youtube einen Konstanzer Ghettorap eingestellt, in dem es unter anderem heißt: „Konstanz, diese Psychostadt ist krank / vor ihr hat sogar der Teufel Angst (…) Aufgewachsen bin ich in dunklen Gassen / wo Freunde dich verraten und eigentlich hassen (…) Abschaum City (…)“ Der relativierende Refrain: „Diese eine Stadt, in der ich aufgewachsen bin / diese eine Stadt, in der ich immer bleiben will / Das ist nicht nur Ghetto, sondern auch ein guter Shop“ Lyrische Zeilen über Konstanz, mutmaßen wir, sowohl von uns auf andere schließend, als auch aufgrund solcher Fremdzeilen, unterliegen offenbar, solang sie in der Gegend selbst entstanden sind, unmittelbar den Ausdünstungen des Seewassers. Deren Schwingungen versetzen nicht nur den Körper in erhöhte Temperatur, sondern auch den Geist in matschbirnigen Frohmut: „Durch die Gitter meiner Zelle / grüßt der See mich jeden Tag. / Lächelt mir mit jeder Welle, / und vergessen ist die Plag`“ schreibt Hans Arnold 1885 einen „Gruß aus dem Konstanzer Amtsgefängnis“. Der See wirkt also schon länger. Und die von ihm ausgelösten Fieberwellen bewirken, daß wir uns vorstellen müssen, wie es früher, als alles noch viel größer war, der See das Rheintal bis weit in die Alpen hinauf füllte, zugegangen sein mochte: welche Sorte Saurier wohl an seinen Ufern sich tränkten und fraßen, welche Urfelchen ihre Traumräume vom Landgang, vom Fortflug gar, verwoben, welche Außerirdischen die Gegend damals besuchten, um Bodenproben zu entnehmen und schicke abenteuerliche Postkartenmotive ausfindig zu machen, welche Grundschulkinder – jedoch nur in hirngewebeähnlicher Spontanmanifestation eines letztlich materielosen kugelblitzförmigen Welt/Geistes – in aus damaliger Sicht ferner Zukunft die brennenden Ghettos von Konstanz in Wasserfarben zu bannen hätten. Wir wollen uns solche Szenen nicht vorstellen, wir müssen es. Das Seefieber zwingt uns dazu. Die Wasseroberfläche säuselt – oder surrt wie eine Stechmücke, ganz nah am Ohr. Vielleicht meint Jochen Kelter mit seinen acht Ruderern heroische Kämpfer, die sisyfotisch versuchen, die Wasseroberfläche zu erschlagen. Vielleicht angelehnt bei den Sieben Schwaben, die ursprünglich einmal neun gewesen sein sollen. Und von denen einer Seehas geheißen haben soll. Wie man heuer die Konstanzer nenne oder diese sich selbst oder die Friedrichshafener sich oder andere am See. Weil der Hase ja (bei den Sieben Schwaben) ein Ungeheuer und als Seehas in Fisch-Hasen-Mischform… Es gibt eine Pille gegen das Seefieber. Wer die einwirft, hat für 24 Stunden davor Ruhe. Und vor allem anderen auch. Der dämmert weg in wohlige Welten, während am Horizont das leise Geknister und die Rauchzeichen brennender Vorstädte mit der Unerheblichkeit ausgestorbener, noch dazu niemals bekannter Randvölker und ihrer Dialekte vor sich hinwerkeln und nuscheln: aus Weltraumsicht, elf hoch fümmunzwanzig Galaxien weit entfernt von der Erde.

Rheintochter (2)

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Die letzten Tage wagnerianisch geprägt: Rheintöchter noch und noch, der Ring des Nibelungen kleingestückelt auf Youtube, Lesung in der Kölner Richard-Wagner-Straße, kaum in Freiburg angekommen: wird dort der Ring gegeben. Allerdings bereits ausverkauft. Große Kartenkontingente gingen an Japaner, Koreaner und sonstige Interkontinentalwagnerianer. Als Ersatz grüßt uns diese dem ewigen Schwung lustvollen Shoppens entsprungene Freiburger Rheintochter von der Straße ins Zimmerfenster, dh, natürlich ist sie als Schwarzwaldmädel ein wenig mehr Berg- als Rheintochter, vereint dabei jedoch aufs Vorzüglichste Tradition mit Moderne und eskortiert uns standesgemäß zum vorübergehenden Ausgang aus dem Wagner-Wahn.

Rheintochter

Wikipedia bietet im Artikel zu obiger Rheintochter aktuell weitere voll- bis starkdeutsche Komposita: Flugkörper, Flugabwehrrakete, Brenndauer, Treibsatz, Durchmesser, Leitflosse, Gefechtskopf, Berstscheibe, Flüssigkeitstriebwerk, Brennschlußgeschwindigkeit, Truppenerprobung, Jägernotprogramm, Überschallgeschwindigkeit.

Der Rhein stank – Rolf Dieter Brinkmann packt sich das Internet

In den 60ern und bis zu seinem Tod am Piccadilly Circus* Mitte der 70er Jahre lebte Rolf Dieter Brinkmann in Köln. Das Haus in der Engelbertstraße, in dem er zur Miete wohnte, ist bis heute, wo dort weder eine Tafel angebracht ist, noch angeblich irgendjemand vom berühmten Vorbewohner weiß, beliebter Pilgerort für junge Schriftsteller. Mit Super 8-Kamera oder Tonband ausgerüstet schweifte Brinkmann seinerzeit durch die Stadt und formulierte, was er dabei sah, in einer Radikalität, die für Köln gänzlich untypisch erscheint und für deren Entstehen es wohl zwangsläufig einen Zugewanderten brauchte. So entstanden Dokumente aus Wut, Ekel, Distanz und Teilnahme zugleich. Ein vor klaren Worten strotzendes Beispiel eines solchen Original-Tondokuments findet sich mittlerweile unter dem Titel Fratzen in der Straßenbahn auf Youtube: Brinkmann ledert ab über „den stinkenden Rhein“ und „die schmierigen Rheinländer“: „Ich brauch mir die Kölner bloß in Kantinen angucken, da kriegt man das Kotzen.“ Und weiter im Fetzenstil: „Fette, schlampige, schweinsfüßige Kölnerinnen.“ „Pfusch, Gemuschel, Gemauschel, überall Durchwinseln und Arschkriechen, das tun sie hier.“ Brinkmann erregt sich über „kölnische Fressen“, ihre „Pellkartoffelmentalität“, brandmarkt ihre rheinischen „Muffwörter“, indem er anhand der Veedelsnamen meditiert: „Kölnische schleimische Wörter: Sülz, Sülze, Wackelpeter, schmierige Glibbermasse: Köln-Sülz“. Wiederkehrende Erregungen, wie sie durch allfällige Skandale in wechselnden, doch nahezu voraussehbar kurzen Intervallen für Köln charakteristisch sind, bringt Brinkmann darin ein für alle Mal auf den Punkt, im Grunde eine (weitgehend ungenutzte) Standardantwort bzw -absage an die rheinische Mentalität, seine finale Betrachtung der Stadt: „Zum Weggehen. Was ich tun werde. Was ich tue“ mengte sich schließlich am Piccadilly Circus ins allgemeine Weltenschicksal.
Etwas zurückhaltender, doch nicht weniger aussagestark tönt eine weitere Stadtbetrachtung unter dem Titel Köln. Montag, den vierzehnten Mai 1973 aus den Tagebüchern – beide Sequenzen von einem Nutzer namens Das Laken verfügbar gemacht.

* Gerüchten zufolge sollen seine letzten Worte eine Schimpfkanonade auf die zurückhaltende Art der Briten gewesen sein.

Schweiz ohne Schweiz

„Schweiz ohne Schweiz“ lautet der für manchen wohl leicht provokante, wir würden sagen: lustige Titel einer Kunstausstellung, die derzeit und noch bis zum 26. September 2010 im Schaffhauser Museum zu Allerheiligen läuft, und sich, wie der Beititel „Alpenlose Landschaften“ nahelegt, jener wenig bekannten Schweiz diesseits bzw jenseits der Alpen widmet, wie sie sich ua in unmittelbarer Rheinnähe zwischen Basel und Bodensee findet. Kuratiert hat die Ausstellung Markus Stegmann, bis vor Kurzem eine virtuelle Bekanntschaft aus gemeinsamen Zeiten im Forum der 13, der für den Ausstellungskatalog, welcher neben Abbildungen ausgewählter Exponate einige literarische, insbesondere lyrische Texte versammelt, auch bei Rheinsein fündig wurde: Rheinfallgedichte von Mörike und lafleur, eine freundliche Gegenüberstellung schwäbisch-euforischen Scheinbiedermeiers und badisch-bodenständigen Hochleistungstrashs, von genau den wuchtigen Wasserstürzen, deren Sinn und Kraft zur jeweils herrschenden Zeit die Gedichte in Worte zu fassen suchen, umbildert. Ansichten vom Rheinfall markieren denn auch den ersten und thematisch kompaktesten Schwerpunkt der Ausstellung, von klassischer Landschaftsmalerei bis hin zu Michael Lios spektakulärem, an ein Youtube-Still erinnernden Foto eines Känzeligumpers, der sich kopfüber in die schäumenden Wasser stürzt. Desweiteren zu sehen: entidyllisierte Idyllen, Agglomerationscharme, alleinerziehende Natur, himbeerfarbene Wälder, ein verwirrendes Servelatpicknick und ein ziemlich überraschender Otto Dix.

Pissing in the Rhine

Ihre Mischung aus Mainstream-Rock und Humba-Punk macht die amerikanische Band The Hooters in deutschen Landen volksfesttauglich. Zur Bekräftigung solcher Massenausrichtung haben die Johlgesellen im Jahre 2010 einen Song in etwa in deutscher Sprache eingespielt, der mit einiger normativer Kraft des Faktischen ausgestattet „Wein“ auf „allein“ auf „Rhine“, „hier“ auf „Bier“ und „Küsse“ auf „Gewissensbisse“ reimt, dazwischen eine vermutlich dadaistisch beeinflußte, sicherlich aber romantisch grundierte Story um „sieb`n Dutzend Rosen“ aufbaut, die, wohl nebst um Volkes auch um Feuilletongunst bemüht, sogar einen fast versteckten modernen Verweisreim auf eine einst vieldiskutierte deutsche Punkrockband enthält, und in einem weiteren Schachzug das Dilemma menschlicher Ahnungslosigkeit thematisiert, nur um in der nächsten Zeile so optimistisch wie kategorisch wieder absolute Gewißheit zu vermitteln – was alles in allem genug Rüstzeug zur nationalen Gröhlhymne scheint. „Pissing in the Rhine“ lautet folgerichtig der Titel des Songs mit den, je nach Stimmungslage, überaus trost- bis verdrußspendenden Endzeilen: „Ich bin nicht allein / Du bist nicht allein / Wir sind nicht allein“, und es gibt auf Youtube bereits einige Mitschnitte von Live-Performances dieses neuen Glanzstücks rheinischen Liedguts.

Nietzsche schreibt doch was von der Via Mala

“Ich empfinde die düstere Großartigkeit der Via mala als Widerschein meines eigenen Wesens.” Gefolgt von einer kurzen Meditation über Widerschein, Schluchtendunkel und Seelenabgründe. So zu hören in Thomas Kaisers knapp halbstündigem Film “Das grosse Staunen” über die Via Mala, der dreigeteilt auf Youtube (hier gehts zum ersten Teil) verfügbar ist und in dem Schauspieler Jaap Achterberg, zunächst, für unser Empfinden, etwas kammerspielhaft-überdramatisch, dann zunehmend ruhiger, einen wunderbaren Mix aus etlichen, oft wenig bekannten kulturellen Zeugnissen zur/teils in der Schlucht rezitiert (darunter Nicolin Sererhards kräftige Schilderung der Mordtat eines Pfarrers) – von vielen beeindruckenden, auch historischen Aufnahmen bebildert.

Schikos Rhein (3)

Via-MalaNoch ein schluchtiger Hinterrhein: bekannt wurde die Via Mala meiner Generation hauptsächlich über den im deutschen Fernsehen ausgestrahlten gleichnamigen, eindrucksvollen Dreiteiler von 1985 mit Mario Adorf und Maruschka Detmers nach dem Roman von John Knittel. Aus einer älteren Verfilmung (von 1961, mit Gert Fröbe und Christine Kaufmann) sind schluchtenvernebelte Anfangsminuten auf Youtube zu finden – der zu hinterquerende Wasserfall der Sequenz scheint jedoch jener aus der Rofla.