Presserückschau (März 2013)

Der März war arm an rheinspezifischen Meldungen. Die aufregendste Nachricht, nämlich daß Google Maps den Rhein gegen die Ruhr vertauschte, haben wir an anderer Stelle bereits dokumentiert. Schließlich tauschte Google den neuen Ruhrverlauf so zügig wieder zurück gegen den des alten Rheins, daß vielen Zeitungen, die darüber berichteten, nicht einmal mehr der  Screenshot-Beweis gelang. Hier die restliche Auswahl unserer Pressedurchsicht:

1
Von rheinischen Hauptbaumarten und Ahorn-Sechsern im Waldlotto kündet der Bonner General-Anzeiger: „(…) Das Holz aus den Wäldern zwischen Siebengebirge und Kottenforst hat bundesweit einen sehr guten Ruf. Die sogenannte Wertholzversteigerung Rheinland war in diesem Jahr geprägt durch eine gute Nachfrage und stabile Preise. 23 Bieter gaben Angebote für 508 Stämme von 19 verschiedenen Baumarten (insgesamt 713 Festmeter Holz) ab. (…) Die Eiche war die Hauptbaumart, die zur Versteigerung kam. (…) Dieses Mal gab es allerdings keinen Stamm, der sich preislich von der Masse absetzen konnte. Im Vorjahr hatte ein Ahorn bei der Versteigerung 7650 Euro erzielt.“

2
Über die Wittelsbacher-Ausstellung in Speyer befindet der Deutschlandfunk: „Die berühmtesten Pfälzer der näheren Zeitgeschichte sind Fritz Walter und Helmut Kohl. Sie finden sich, allerdings nur als Pappmaschee, in einer Art Walhalla großer Söhne (und einiger Töchter) der Pfalz am Ende der Ausstellung. Dort sieht man auch Max Slevogt und Ernst Bloch, den BASF-Gründer Friedrich Engelhorn und Henry John Heinz, der als Kind pfälzischer Einwanderer in den USA die segensreiche Ketchupsoße erfand. Diese doch eher virtuelle Versammlung pfälzischer Persönlichkeiten macht auch schon das Grundproblem der Ausstellung deutlich: Es war unheimlich schwer, Exponate zu finden. Eigentlich soll die Zeit der Wittelsbacher bebildert werden, also jenes Jahrhundert zwischen 1816 und 1918, in dem die linksrheinische Pfalz von Bayern aus regiert wurde.“

3
Warum der Rhein auf dem Landeswappen von Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten in die falsche Richtung fließt erklärt die Rheinische Post: „Die Landesflagge von Nordrhein-Westfalen hat (…) grün-weiß-rote Querstreifen. Das wurde (…) so in einem Gesetz festgelegt. Es ist vor 60 Jahren, am 10. März 1953, in Kraft getreten. Die FDP wollte damals Schwarz-Rot-Gold auch für NRW, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Das Grün, so wurde im Landtag erläutert, stehe für das Rheinland und das Rot für die rote Erde Westfalens. Das Gesetz von 1953 bestätigt zugleich die Gestaltung des Landeswappens: Es zeigt im linken Feld einen “linksschrägen” silbernen Wellenbalken, der den Rhein symbolisiert. Dass der Flusslauf in die falsche Richtung weist, nämlich von Südwest nach Nordost, ist keine Schludrigkeit des Wappengestalters, sondern den Regeln der Heraldik geschuldet. Im rechten Feld ist das traditionelle westfälische Ross zu sehen und unten im Wappenschild die lippische Rose.“

4
„Der Kies im Rhein soll wieder rollen“ titelt die Badische Zeitung in Anlehnung an einen berühmten Bob Dylan-Song. Der „Masterplan Geschiebe“ soll dafür sorgen, das Geschiebe am Hochrhein wieder in Gang zu bringen und damit die Lebensgrundlagen für Fische und Kleintiere im Rhein zu erhalten: „Mit dem Bau der insgesamt elf Kraftwerke am Hochrhein habe der Rhein einen großen Teil seiner Selbstreinigungskraft verloren, nur noch bei den kleineren Kraftwerken funktioniere sie einigermaßen. Vor dem Stau sei durch die natürliche Strömung das sogenannte Geschiebe – Kies – ständig über den Flussboden gerollt und habe dabei die Sedimente aufgewirbelt. Nach dem Stau sei es damit insbesondere bei den großen Kraftwerken vorbei gewesen, Kies und Sedimente verbacken, den Fischen fehlen Laichmöglichkeiten. Das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt etwa sei eine regelrechte Geschiebefalle. Dort liege eine regelrechte Schlammwand. Es könne nur helfen, wenn jetzt an geeigneten Stellen Kies ans Ufer geschüttet und bei Hochwasser immer wieder etwas davon mitgeschwemmt werde.“

5
Tierische Sensation am Hochrhein: „Die Welt der Romane hat Moby Dick, den weißen Wal; Freunden des Katastrophenfilms bleibt der weiße Hai auf ewig unvergessen. Weil am Rhein hat nun sein weißes Reh.“ Der sportliche Leiter, Platzwart und Jugendtrainer des FV Haltingen hat es auf einem Bolzplaz entdeckt und gefilmt, schreibt die Badische Zeitung und erklärt: „Nach Ansicht der Fachzeitschrift “pm”, die sich dem Thema “Albinos” ausführlich gewidmet hat, ist es wahrscheinlicher vom Blitz getroffen zu werden, als ein solches Tier zu Gesicht zu bekommen.“

Daß Papst Franziskus einst als Jorge Mario Bergoglio in Boppard die deutsche Sprache erlernte und daß auf der Rheinfähre Kaiseraugst-Herten nun Käsefondue angeboten wird, beschließt die Meldungen für diesen Monat.

Presserückschau (Dezember 2012)

Zum Jahreswechsel passend erscheint auf unserem Screen die Frage, ob nicht eigentlich immer wieder dasselbe in der Zeitung stehe? Für die Presserückschau dürfte eine Bejahung dieser Frage bedeuten, daß sie fortzuführen ab einem gewissen Grad an Themenabdeckung überflüssig würde. In der Vergangenheit haben wir tatsächlich den ein oder anderen Zeitungsartikel nur unwesentlich verändert oder ganz identisch zu verschiedenen Zeitpunkten an verschiedenen Stellen vorgefunden. Würden zigtausende Rheinmeldungen aus hundert Jahren überblendet/auf Schnittmengen untersucht, was wären die zentralen/häufigsten Begriffe/Themen? Folgt eine Nachricht der Aktualität nicht nur, sondern nimmt sie die Aktualität auch vorweg, sodaß sie beinahe blind, ihrem konkreten Anlaß weitgehend entkoppelt lanciert werden könnte?

1
“Warum gibt es im Rhein keine Aale mehr?“ fragt die Badische Zeitung und schildert ihre Vorort-Recherchen: „Für Sekunden zuckt der Aal im grünen Netz. Dann schlägt der Schwanz geschmeidig nach hinten aus, der glitschige Fisch landet im aufgewühlten Wasser des Grand Canal d’Alsace bei Kembs. Er trägt einen Sender unter der weißen Bauchhaut. Er ist einer von 50 Akteuren. Französische Forscher wollen herausfinden, warum die Aalbestände in Europa und besonders am Rhein dramatisch zurückgegangen sind. Über die Ursachen wird spekuliert: Wasserkraftanlagen und Stauwehre, Umweltverschmutzung, Pilzkrankheiten oder Überfischung in manchen Flussmündungen? (…) “Gesichert ist, dass es innerhalb weniger Jahre in den 80er-Jahren zu einer Zäsur gekommen ist”, erklärt Sébastien Manné vom Amt für Wasser und Wasserlebensraum, er überwacht das Forschungsprogramm. Die Zahl der Aale ging danach um 95 Prozent zurück.“ Am Niederrhein wiederum wird der Aal fleißig gefangen, jedoch vor seinem Verzehr gewarnt, weil der Fisch zuviele Schadstoffe aus chemischen Altlasten am Rheingrund enthalte.

2
Über ein dreijähriges deutsch-niederländisches Projekt, an dem auch die Hochschule Rhein-Waal beteiligt war und das nun 81 Buchseiten abwirft, schreibt die Rheinische Post. In der Publikation „Genießen im Grünen – Groen genieten in der Region Rhein-Waal“ seien die Vorzüge der wenig bekannten „grünen Insel“ zwischen den Ballungsräumen Rhein-Ruhr und Randstad Holland dargestellt: „Wunderschön wird der Niederrhein in all seinen typischen Facetten dem Leser vor Augen geführt. So sieht man große Heuballen vor der Silhouette der Schwanenburg: „Selbst in Städten wie Kleve ist es am Niederrhein nie allzu weit bis zum nächsten Acker.“ Ein weiteres Kapitel befasst sich mit der Produktion: „Das Ackern liegt dem Niederrheiner im Blut“. Auch Grünkohl, Eier von frei laufenden Hühnern, Weizenanbau, Äpfel mit roten Backen oder Käseerzeugnisse sind Wirtschaftszweige der Zukunft.“

3
„Die Leverkusener Rheinbrücke ist für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen gesperrt worden. Enorme Schäden hätten diese Maßnahme notwendig gemacht, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Ob die Mängel überhaupt zu reparieren sind, ist unklar.“ (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
„Cette semaine, le projet commun des neuf ports du Rhin Supérieur a été lancé – le «corridor européen multimodal du Rhin Supérieur» devient ainsi une réalité, constituant un maillon central du transport fluvial sur l’axe Rotterdam – Gênes. L’Europe des transports est en train de se constituer et le Rhin Supérieur fait partie des éléments centraux donnant en même temps un exemple d’une coopération tri-nationale réussie“, teilt das euroJournal mit. Dem „multimodalen Korridor“ gehören die Häfen von Straßburg, Colmar, Kehl, Karlsruhe, Ludwigshafen, Mannheim, Basel, Mülhausen und Weil am Rhein an.

5
Von einer halbwegs höllischen Passagierkonzentration auf der Bellriva berichtet die Frankfurter Rundschau: „Auf einem Rhein-Kreuzfahrtschiff vor Wiesbaden sind in der Nacht zum Samstag mindestens 54 Reisende an schwerem Brechdurchfall erkrankt. Weil die Ursache dafür zunächst völlig unklar war, wurde das Hotelschiff unter Quarantäne gestellt – niemand durfte von Bord.“ Als Verursacher wird der Norovirus vermutet, die Feuerwehr sei ihm bereits auf der Spur. Die größte Gefahr beim Norovirus bestünde in Dehydration. (Wahnsinnsidee: Ein Süßwasserschiff voller Dehydrierender, die sich in üblen Schwällen die Seele aus dem Leib treiben. Hieronymus Boschs Visionen als Wirklichkeit vor Wiesbaden.) Ein Fluch scheint auf der Bellriva zu liegen: „Das Schiff war erst im Frühjahr dieses Jahres in die Schlagzeilen geraten, nachdem es bei Karlsruhe von einem Lotsen auf Grund gesetzt und dabei fast versenkt worden war.“

6
Ein Zusammenschluß namens „Trinationale Metropolregion Oberrhein“ betreibt „das touristische Leuchtturmprojekt “Upper Rhine Valley”“, meldet baizer.ch, das Portal des Wirteverbands Basel-Stadt: „Neue Vorhaben, die auch in der Region wirken und dort die Wahrnehmung stärken, sind die Entwicklung und Installation von Schildern, die den Eintritt ins “Upper Rhine Valley” an allen Autobahnen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz kennzeichnen, die Entwicklung und Kennzeichnung grenzüberschreitender Ein- und Mehrtagesradtouren sowie die Verbindung der Weinstrassen links und rechts des Rheines zu einer gemeinsamen “Oberrheinweinstrasse”.“

7
Hat das die Loreley getan? Eine Meldung aus der Frankfurter Rundschau: „Ein mit Stahl beladenes Güterschiff ist (…) auf dem Rhein bei Sankt Goar nahe der Loreley auf Grund gelaufen. (…) Ursache der Havarie sei ein Fehler des Schiffsführers gewesen.”

8
„Am 26. März 2013 organisiert das grenzüberschreitende Forschungskonsortium Neuro-Rhine im Plenarsaal des Conseil Régional d’Alsace in Straßburg einen internationalen Kongress für Experten und Praktiker der Neurogenese und der Neuroprotektion“, verkündet rmtmo.eu, das Portal der offenbar anglofilen „Trinationalen Metropolregion Oberrhein“ (siehe 6) bereits jetzt: „Neuro-Rhine ist ein Konsortium von 10 Partnern aus der Trinationalen Metropolregion Oberrhein und Umgebung: Universitätsklinikum Freiburg, SATT CONNECTUS Alsace, Centre National de Recherche Scientifique (CNRS), Région Alsace, Association Neurex Alsace, Universität Basel, Universität des Saarlandes, Land Baden-Württemberg, Land Rheinland-Pfalz.“

Ansonsten jede Menge Berichte zu den Hochwasserständen (”der Rhein ist für die Schifffahrt gesperrt”; “der Rhein darf wieder von Schiffen befahren werden” etc etc), die in ihrer schubartigen Häufung zeitgeraffte Plastiken in unserer Imagination hervorrufen: eine Art holografischer Tischrhein zum Selberbedienen, dessen Vorbild eine Kreuzung aus Modelleisenbahn und Strömungsbecken mit lyrischen Unterständen sein könnte.

Presserückschau (September 2012)

Schreckensnachricht in der Welt: “Ein gefräßiger Chinese wütet am Rhein”. Gemeint ist vorderhand der Asiatische Laubholzbockkäfer, der bereits vor sieben Jahren in Bonn eingefallen ist und dort mit seiner Guerillataktik den alten Ahornbestand bedroht. Die militärische Berichterstattung über die Invasion derselben Käferart in Weil scheint unterdessen zu ruhen. Weitere ausgewählte Nachrichten des Septembers:

1
Über das in Basel populäre Rheinschwimmen berichtet ausführlich die Zeit und holt aus, daß der Fluß in den 80er Jahren auch und insbesondere in Basel als Kloake galt: „Luftaufnahmen aus dieser Zeit zeigen drei Farbströme im Wasser: einer aus den Chemieanlagen, einer aus den Haushalten und einer von der Schlachterei.“ Rhodamin hieß der fluoreszierende rote Farbstoff, der bei der Sandoz-Katastrofe 1986 nebst tonnenweise Giften mit dem Löschwasser der Feuerwehr in den Rhein gelangte.

2
François Hollande kündigt die Stillegung Fessenheims, des ältesten Atomkraftwerks Frankreichs für 2016 an. „Erst am Mittwoch vergangener Woche hatte es wieder einen Zwischenfall gegeben. Bei Routinearbeiten mit nicht radioaktivem Wasserstoffperoxid kam es nach Angaben des Betreibers EDF zu einer Dampfentwicklung, die einen Brandalarm auslöste. Zahlreiche Sicherheitskräfte und die Feuerwehr rückten aus. Im April war in einem Maschinenraum des Reaktors II ein Feuer ausgebrochen.“ (Welt)

3
Irischer Rhein: „Nach jetzt fünf Jahren bekommt dieses Festival in der Region einen immer besseren Namen und großen Bekanntheitsgrad.“ (lokalkompass.de) Die frohe Ankündigung handelt vom „Irish Rhine Festival“ am letzten Septemberwochenende im Keekener Schützenhaus. Für irische Stimmung sollte u.a. der zweimalige niederländische (!) Meister im Dudelsack(!)spiel, Ewald Verhoeven sorgen, nebst „Guinness und Whisky sowie Cider“ und „einem besonderen Leckerli (!)“ (Niederrhein Nachrichten)

4
Eine Reportage über den kleinen Gernsheimer Hafen, den einzigen Rheinhafen Hessens, brachte die FAZ. Täglich knapp ein Schiff landet in Gernsheim an, ca anderthalb könnten derzeit gleichzeitig beladen/gelöscht werden.

5
Eine Bilanz nach 20 Jahren Rhein-Main-Donau-Kanal zieht nordbayern.de: Das Stahlwerk Maxhütte in der Oberpfalz gäbe es nun nicht mehr, ebensowenig die großen Kohlekraftwerke in Erlangen und Nürnberg, hingegen geblieben seien trocken gefallene Natur und eine Maximierung des Betons – soweit der Bund Naturschutz. Die zuständigen bayerischen Ministerien sehen das erwartungsgemäß anders. Bundesverkehrsminister Volker Hauff (SPD) immerhin meinte seinerzeit zum CSU-geführten Durchstich zwischen Main und Donau: „Das ziemlich dümmste Projekt seit dem Turmbau zu Babel“. (Welchen er letztlich ebenfalls nicht genehmigt hatte.)

6
„Die Regierungsgeschäfte von the Rhine, ehemals Deutschland, wurden im Frühling 1990 durch den Regenten Jefka übernommen. Beobachter klassifizieren den mittelgroßen Staat als progressive neoliberale Parteiendemokratie, bekannt für seine hohe Verdienstmöglichkeit und die niedrige Kriminalität. Die Mehrzahl der gebildeten und vernünftigen Bewohner ist glücklich mit den Verhältnissen. Sie genießen den Ruf, sportlich und freiheitsliebend zu sein, und erfreuen sich einer hervorragenden Infrastruktur. Der größte Unterschied zu anderen Ländern besteht im Bereich Zuwanderung. Der Regent konnte seinen Einfluss gegenüber dem Vorjahr steigern. the Rhine ist nicht Mitglied in einem Bündnis.“ (ars regendi)

7
„Nach 35 Jahren gibt es jetzt wieder eine direkte Fährverbindung zwischen Monheim und Dormagen (…). Im September wird das Piwipper Böötchen samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr im Testbetrieb über den Rhein pendeln. Es können bis zu zehn Personen mitfahren. Die Überfahrt ist kostenlos, Spenden sind erbeten.“ (lokalkompass.de) Ein Userkommentar: „mit der piwipp sind wir schon als schulkinder rübergefahren und nach zons gegangen, zurück haben wir den kapitän geärgert indem wir alle auf einer seite standen und die piwipp in schräglage brachten.“

8
Der Brand in Krefeld dürfte es bis in die Tagesschau geschafft haben: „Eine riesige Rauchwolke ist (…) über mehrere Städte am Niederrhein und im Ruhrgebiet hinweggezogen. Entstanden war sie durch einen Großbrand in einer Krefelder Düngemittelfabrik. Im betroffenen Gebiet wurden die Bewohner gewarnt, ihre Häuser zu verlassen, Krisenstäbe tagten, kilometerweit war Sirenengeheul zu hören.“ (Rheinische Post) “Der Rhein wurde wegen der starken Rauchentwicklung zwischen Düsseldorf und Duisburg auf einer Strecke von fast 40 Kilometern zeitweise für den Schiffverkehr gesperrt, ebenso eine wichtige Rheinbrücke zwischen Krefeld und Duisburg. Der Flugverkehr war leicht beeinträchtigt (…)” (Süddeutsche Zeitung)

Presserückschau (August 2012)

Nachdem noch im Juli die DLRG verschiedentlich gemeldet hatte, daß Schwimmen im Rhein nirgendwo sicher sei, veranstaltete sie im August wieder ihre traditionellen Rheinschwimmen zwischen Heidenfahrt und Ingelheim (136 Teilnehmer, Erbsensuppe), in Rheinfelden (44 Naturfreaks, ein Biber), und in Kooperation mit den Schweizer Kollegen zwischen Mumpf und Bad Säckingen (327 Schwimmbegeisterte, Fischessen): Hasardeure! Die weiteren Meldungen des Augusts:

1
Die Dreiländerbrücke (zwischen den Partnerstädten Huningue und Weil; Anm.: rheinsein) ist mit 248 Metern die längste Radfahrer- und Fußgängerbrücke der Welt“, konstatiert die Badische Zeitung und befragt Passanten zu ihren Nachbarschaftsgefühlen. Nicole Kebel (79) aus Saint Louis: “Ich (mache) fast jeden Tag einen Spaziergang auf der Brücke und trinke dann in Weil einen Kaffee. Ich habe den Krieg erlebt, diese Partnerschaft hat eine sehr starke Bedeutung für mich. Sogar wenn ich auf der Brücke gehe, bin ich sehr gerührt.” Hingegen Audrey Allgeyer (31) aus Village-Neuf: “Wir mögen die Stadt Weil am Rhein und die Läden dort nicht, deshalb ist es uns egal, wenn es Veranstaltungen gibt und dass Weil am Rhein und Huningue Partnerstädte sind.”

2
Die ortsansässige Schildkröte Rheini wurde von einem Mann aus dem Konstanzer Rheinstrandbad gestohlen, berichtet der Südkurier: „Der Unbekannte sei bei seiner Tat beobachtet worden. Trotz Protests der Badegäste habe er sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen. Die Rheini-Fans bitten ihn darum, das Tier wieder zurückzubringen, sonst werde Strafanzeige gestellt. Schließlich sei es nicht erlaubt, einfach ein wildes Tier nach Hause zu nehmen.“ Die Hintergründe dürften in einem Streit um artgerechte Tierhaltung liegen, wie die Kommentarspalte vermuten läßt.

3
Am Gotthardpass ist der Vier-Quellen-Weg, eine Wanderroute, welche die Quellen von Rhein, Reuss, Rhône und Ticino berührt/verbindet, eröffnet, meldet der Tagesanzeiger. Zur Einweihung sprach Ueli Maurer. „Der Gotthard, das zentrale Massiv der Strecke, stehe für Freiheit, den Gründungsgedanken der Eidgenossenschaft und die direkte Demokratie. Der Bundesrat hofft, dass Wanderer entsprechende Emotionen durchleben werden.“ (Aber hallo, das muß unbedingt ausprobiert werden! Gilt das auch für Ausländer?)

4
Bizarre Tiernachricht aus den Tiefen des Sommerlochs: Weil er seine Mischlingshündin mit Paketschnur an den Vorderfüßen gefesselt in den Rhein geworfen habe, wurde ein Kölner wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe verurteilt, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Das Tier indes überlebte. „Winselnd, das Fell völlig durchnäßt“ wurde Bonnie von einer Passantin am Stammheimer Ufer entdeckt. (Wir fühlten uns umgehend an die (durchaus noch ein Quentchen bizarrere) Hundeszene in Guy Helmingers Etwas fehlt immer erinnert und gedachten für einen weiteren Moment der so oder so zustandegekommenen Gequältheit diverser Gottesgeschöpfe.)

5
Es war wohl wenig los im August. Bei Lorch lief das 105 Meter lange Schiff Karola auf Grund. Der Frachter hatte Eisenplatten geladen (SWR). Beim U-Bahn-Bau in der Düsseldorfer Innenstadt trat ein Mammut-Stoßzahn zutage – bei weitem nicht der erste in der Gegend (Rheinische Post). Weil also wenig passierte, verlegte sich die Presse stärker auf Ankündigungen: „178-Millionen-Euro-Projekt: Die neue Schiersteiner Brücke soll in zwei Abschnitten bis 2018 entstehen. Sie wird fast 1,3 Kilometer lang und 44 Meter breit sein.“ (FAZ) Ab 9. September wird das große Binger Weinfest unter dem Motto “Schon Hildegard von Bingen lobte den Wein – drum lasst beim Winzerfest am Wein uns erfreun” eröffnet (business-on). Und nicht zuletzt: „Gedichte sollen den Rheinuferweg bei Basel säumen“ – was für Gedichte genau, werde sich noch herausstellen (Tageswoche).

6
Schließlich erregte noch eine Meldung von einer jungen Schweizerin größeres Aufsehen, die von der Karlsruher Wasserschutzpolizei aus der Iffezheimer Schleuse gefischt wurde (ka-news, Focus): in ihrem Schlauchboot, das sie mit Schwimmflossen an den Beinen manövrierte. Besondere Erwähnung gewährte die Presse ihrer Kopfbedeckung, einer Kapitänsmütze. Seit Biel (Aare) hatte die 26jährige innert 14 Tagen bereits über 200 km in dieser Fortbewegungsart absolviert, gab das Schlauchbootflosseln nach einer polizeilichen Gefahrenaufklärung jedoch auf und will nun versuchen, per Schiffsanhalterin an ihr Ziel, die Nordsee, zu gelangen.

Was tun, wenn ein möglicherweise ausländischer Storch in den deutschen Rhein fällt und aus eigener Kraft nicht mehr hinauskommt?

Eine Tragödie mit bühnenreifen Elementen ereignete sich einer Meldung der Badischen Zeitung zufolge vor wenigen Wochen am Märkter Stauwehr. Passanten hatten dort einen hilflos im Rhein zappelnden Storch gesichtet. Mittels einer – aufgrund der schwierigen Geländelage und ihres seltenen Umgangs mit Störchen offenbar von Slapstickeinlagen gespickten – Gemeinschaftsaktion holten sie das Tier an Land. Da lag es dann. Also telefonierte, um weitere Procedere-Optionen in Erfahrung zu bringen, eine der Storchenretterinnen mit Polizei, Tierärzten, Tierschutzvereinen der nahen Städte Weil und Lörrach, „am Ende auch mit dem Forstamt“, wobei sie sich „vorgekommen (sei) wie der Buchbinder Wanninger in dem gleichnamigen Sketch von Karl Valentin“, da sie, unter anderem mit der Gegenfrage, ob es sich gegebenenfalls um einen französischen Storch, für den dann die Behörden des Nachbarstaats zuständig seien, ergebnislos von einer Stelle zur nächsten durchgereicht wurde. Schließlich half (sieh da!) das Internet. Über eine elsässische Naturschutzorganisation fand sich der grenzüberschreitende Hinweis auf eine erfahrene Märkter Storchenbetreuerin. Welche sogleich herbeieilte, den Storch in ein Tuch wickelte und zu einem Tierarzt brachte, der den Geretteten schließlich einschläferte, weil er ein Bein gebrochen hatte. Über die Nationalität des Storches wurde über seinen Tod hinaus nichts weiter bekannt.
Die abgewiesene Passantin, berichtete die Zeitung, erwäge seither die „Einrichtung einer dreisprachigen Internetseite, auf der die Leute, die einen verletzten Storch finden, genau erfahren, an wen sie sich wenden können.”

Wir hingegen erwogen nach dieser berührenden Meldung, wie häufig wohl Störche in den Rhein geraten mochten, ohne sich wieder aus dem Fluß befreien zu können. Wir wogen hin und wogen her und bisweilen wollte uns scheinen, daß hier ein Präzedenzfall vorliegen könne, der nicht allzu häufig sich zu wiederholen drohe. Doch dann wieder bildeten sich vor unserem Auge bizarre Scharen hilfloser Störche, mit den Beinen aus dem Rhein ragend, luftstaksend, flügelschlagend, um Hilfe klappernd. Eine solche Vision zog uns stracks ans Riehler Gestade. Dort trafen wir einen Tourenpaddler, den wir fragten, ob er auf seiner Tour Rheinstörche gesehen habe. Und jetzt kommts: er hatte! Und er hat sie sogar fotografiert:

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Diese Störche flankierten erst kürzlich den Rhein knapp nordöstlich von Worms auf der hessischen Seite. Welches Idiom sie babbelten bleibt unklar.

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Falls jemand die Tiere kennt: die Störche sollten auf jeden Fall vor den Gefahren des Rheins gewarnt werden.

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rheinsein regt hiermit die Öffentlichkeit an, zum Wohl der Störche über folgende Punkte nachzudenken: Nummernschildpflicht für Störche (inkl. Länderkennzeichen). Weitere Punkte: Rauchverbot (auch Verrauchverbot) für Störche (aktiv, passiv, Starkstrom) an öffentlichen Plätzen, die auch von Menschen frequentiert werden (könnten); „Nervgebühren“ für Rhein-/Badeunfälle nur simulierende Störche (Posingsteuern); Versammlungsregulierung (Gruppenstorchabkommen); Schutzräume für storchische Wildrosengebete am Eliza Day; (…)

rheinsein dankt dem Tourenpaddler (Karlsruhe-Köln) Stefan Mittler für seine Aufklärung über rheinische Storchvorkommen und die zahlreichen, uns freundlicherweise zur Verfügung gestellten, aussagekräftigen Fotos aus Faltboot-Paddlersicht, von denen wir nach und nach einige an dieser Stelle präsentieren dürfen/werden.

Der asiatische Laubholzbockkäfer attackiert den Friedlinger Hafen

Aus Weil am Rhein wird heute von der Badischen Zeitung eine Invasion des asiatischen Laubholzbockkäfers gemeldet. Als trojanisches Pferd stehen fremde Holzkisten mit Granitsteinen aus „einem Importcontainer“ in Verdacht. Der feindliche Käfer eroberte die Platane auf dem Mitarbeiterparkplatz der Rheinhafengesellschaft mitten im Hafengebiet. Ob der Feind weitere Stellungen bezogen hat, ist noch unklar. Das Landratsamt ordnete an, unverzüglich die Überwachung des Gebiets zu intensivieren und stellte rigides Vorgehen in Aussicht: „In der Europäischen Union und in der Schweiz hat der Laubholzbockkäfer den Status eines Quarantäneschädlings, das heißt, daß seine Ausbreitung im europäischen Raum strikt verhindert werden muß.“ Ein mögliches Horrorszenario: Die Larven des Laubholzbockkäfers bohren sich in gesunde Laubbäume und bringen sie zum Absterben. „Bei ungehemmter Ausbreitung können die Bohrlöcher sogar dazu führen, daß Äste abbrechen und so Personen gefährden.“ Um das Killerinsekt ist bereits eine Quarantänelinie gezogen, doch die Taktik des Schädlings stiftet offenbar Verwirrung: „Die Zone soll einen Radius von zwei Kilometern haben, möglicherweise ist aber ein Durchmesser von zwei Kilometern gemeint, also ein Radius von nur einem Kilometer.“ Das Landratsamt als untere Landwirtschaftsbehörde will, ist aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu erfahren, in Kürze eine „Allgemeinverfügung zur Verhinderung der Verbreitung“ des Schädlings veröffentlichen. Das dreifache „-ung“ der Formulierung lasse auf höchste Behördenaktivitäten schließen. Das Frontgebiet umschließt nach aktuellem Stand einen Großteil des Stadtteils Friedlingen mit dem Rheinpark an der Dreiländerbrücke. Im Osten endet die Kampfzone noch vor der Bahnlinie. Der Haltinger Grünschnittannahmeplatz beim Rumänenfriedhof liege „definitiv nicht mehr im Quarantänegebiet“. Streng ausgebildete Gehölzaufklärer aus der Pflanzenbeschaudivision des Regierungspräsidiums sind seit dem frühen Morgen im Einsatz. Die Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten, etwaige Sichtungen des Feindkäfers unverzüglich zu melden. Befallene Bäume sind behördlich zur Sofortrodung freigegeben.