Wahlergebnis aus der Surselva

Weltweit gilt sie als vorbildlich: die teils sehr direkte Demokratie der Schweiz. Daß Schweizer eher langsame Menschen seien: kaum mehr als ein böses Gerücht. Komplexe Präzisionsvorgänge wie etwa Stimmauszählungen brauchen einfach ihre Zeit. Ein Beispiel von den just erfolgten Bündner Kantonalwahlen, aus einem Bericht von Die Südostschweiz: „Offiziell war die Schlusskontrolle für die Daten aus Chur bereits um 14.35 Uhr erledigt. Bekannt gegeben wurden die Resultate allerdings erst Stunden später. (…) Die 39 Einwohner zählende Gemeinde St. Martin in der Surselva war (…) die letzte von 178 Gemeinden, deren Daten noch fehlten. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatten die Verantwortlichen offensichtlich Mühe bekundet, die Resultate via Internet nach Chur zu übermitteln.“ Abgestimmt hätten in St. Martin nur ca acht Prozent der Stimmberechtigten, summa summarum: zwei Bürger. Während die Anzahl der angeblich stimmberechtigten Bürger St. Martins in verschiedenen Pressemeldungen vergleichsweise heftig (von 24 bis 39) schwankt – womöglich werden sie ja gerade noch kopfgenau erfaßt – sind sich alle Medien darin einig, daß aus St. Martin zwei Stimmen tatsächlich abgegeben wurden und daß niemand wisse, weshalb die übrigen Bürger St. Martins, das keine eigene Verwaltung besitze, sondern in Vals administriert werde, der Wahl ferngeblieben seien.

Einfalte Delineation (2)

Bammelin
„Im Vazer See giebts neben den Forellen eine Art kleiner Fischen, deren die größte kaum über zwei Zoll breit in der Länge haben, sind gestaltet wie die Forellen, an den Seiten silberfärbig und sauber gedüpfelt, haben aber sonderlich im Frühling, wann sie im Leich sind und sich aus dem See in die Ried Gräben hinaus lassen, zinober farbe Bäuchlein. Mann nennet sie Bammelin. Im May und Juny lassen sie sich aus dem See in die dem See anligenden Riedtgräben in solcher Quantitaet aus, daß wann man in den Graben einen Sak einspannet, und sie mit Steken durch den Graben dem Sak zujagt, so fangt man in einem Fang viel hundert auf einmahl. Man kan sie auch essen ohne ausnemmen (dann zu excentriren sind sie zu klein), ein wenig in fein Mähl gerührt und in Schmalz gebaken sind sie am besten, und doch nicht sonderlich gustevol. Gegen den Herbst lassen sie sich wieder alle in den See, dz man nicht eins mehr in den Gräben findt.
Diese Fischlein sind sehr gut den Kindern, wann sie den Ettig haben, wie wir es nennen, oder den Miteßer, morgens in aller Frühe lebendig auf das Herz-Grüblein zu binden, wie ichs selbsten an meinem ältern Sohn probirt habe.“

Steinböke
„Valß hat vier Nachbarschaften (…). Es ist auch allda ein kleines Thal, da man hinüber in das welsche Thal Breniam kommet, um diese Rivieren gibts gerne, wie Sprecherus schreibet, Steinböke oder Gamßthiere, wie auch im Pargell, Obern Engadin, Puschlav, Flimß und an manchen andern Orten unsers Lands mehr, da sie herdenweiß auf den Klippen herum hupfen.
NB. Was hier von den Steinböken gemeldet wird, ist eigentlich nur von den Gamßböken zu verstehen, dann das Geschlecht der rechten Steinböken in unserm Land schon längsten gänzlich ausgerottet. – Es möchten villeicht noch etwelche wenige Reliquien davon im Waliser Land oder in den Piemontesischen Thälern zu finden seyn – wann an diesen Orten keine mehr zu finden, werden sie in Europa wohl so rarum quid werden, als die Einhörn und ein Phoenix.“

Die Schaaner Commendatoren

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Ganz Liechtenstein wird beschützt von zwei Ordensrittern der Künstlerin Anna Chromy. Nachempfunden sind sie nur den mächtigsten Gestalten der erweiterten Erdgeschichte (wie etwa Darth Vader, den Dementoren aus dem Geiste Joanne K. Rowlings oder den Nazgûl aus Tolkiens Mittelerde-Saga), und plaziert hinter Gebüschen der Buchser Einfallstraße nach Schaan (bzw der Schaaner Ausfallstraße nach Buchs), einer rechts, einer links, doch beide gleich sinister an Ausstrahlung und Verstand. Nachts atmen sie schwärzeste Schwärze (Sterne prallen an ihnen ab), tags schaun sie einfach nur introvertiert-bös und versenden im Aktivfall heftige, gebündelte Rheinwellen. Als meditative Meister zielgerichteter Absorption trinken sie nebst jenen Seelen, die dem Vaterlande schaden, ausschließlich mit Kohlensäure versetztes Mineralwasser aus Vals, das sie, anders als die Seelen, die sie auf immer und schwer zerdrängt bei sich behalten, völlig schamlos am Orte ausscheiden – auf welchem Wege sie es beziehen, ist bis dato unbekannt. Ansonsten brüten sie meist einsam-zweisam vor sich hin – es ist alles andere als ratsam sich ihnen zu nähern; viele haben es jedenfalls nicht versucht und die kennt niemand mehr. Die seltenen Bilder der beiden im Volksmund „Licht“ und „Stein“ genannten Landeswächter stammen aus Sicherheitsgründen von einem mit Periskopkamera ausgestatteten Satelliten. Um sie ins Internet stellen zu können, leider bekomm ich sie nicht direkt gegenübergestellt, wurden sie zuvor sorgfältig römisch-katholisch-elektronisch exorziert.