ein galoppirendes, oft dämonisches Leben

Wer im Frühling die Alpen besucht und sieht, wie von allen Schneefeldern, über alle Felsen, aus jeder Bergfurche kleinere oder größere Bächlein niederströmen, wird sich einen Begriff von der unendlichen Wassermasse bilden, die aus dem ganzen, gewaltigen Alpengebiete in das Tiefland geht und dort so vielfach zur Bedingung der Fruchtbarkeit und des Verkehres wird. Am mächtigsten ist aber der Wasserabgang zu Zeit der heißen Fönwinde und warmen Regenniederschläge. Ueberall entstehen dann neue Wasseradern; kleine Kieselbäche werden zu trüben, tobenden Strömen; die Abtropfbretter der Gletscher sind von hundert sprudelnden Rinnsalen durchzogen. Der heiße Wind des Südens, der die Thier- und Menschenwelt lähmt, erweckt in der Pflanzen- und Wasserwelt ein galoppirendes, oft dämonisches Leben. Wie viel Millionen Eimer Wassers das Rheinbett jede Minute aus den Hochgebirgen entführt, mag man ahnen, wenn man sich erinnert, daß zur Zeit der Schneeschmelze das dreiunddreißig Quadratstunden haltende Bodenseebecken 8-10 Fuß steigt, im Jahr 1770 aber um 20-24 Fuß sich gehoben hat. Bei manchen Strömen ist es schwer, die eigentliche Quelle anzugeben; ja diese eigentliche Quelle ist da blos illusorisch, wo mehrere Bäche von ungefähr gleicher Stärke zusammentreffen und nicht Eine Bachader als Stamm des Flusses sich heraushebt. So entsteht z. B. der Vorderrhein aus mehrern Bächen, von denen jeder „Rhein“ mit einer Localbezeichnung heißt. Die Quellen dieses berühmten 190 Meilen langen Stromes, der auf seinem Laufe 12,283 Flüsse und Bäche aufnimmt, liegen alle in der Alpenregion, die des Vorderrheins im Tomasee (7240′ ü. M.) und Krispalt (6710′ ü. M.), des Mittelrheines im Scursee (6670′ ü. M.), des Hinterrheines am Rheinwaldgletscher (5760′ ü. M.). Dabei gilt der Grundsatz, daß den eigentlichen Quellbächen stets vor den bloßen Gletscherabflüssen der Vorzug gegeben wird. Die drei Quellenbäche der Rhone empfangen vom Rhonegletscher zwei Eisabflüsse, die wol mit zwanzigmal reichern Massen aus den Eishöhlen hervorsprudeln, und doch haben nicht diese den Namen der Rhonequellen und verdienen auch nicht, da sie nicht eigentliche Quellwasser sind. Damit stimmt ganz die Verachtung zusammen, welche so häufig die Alpenbewohner gegen die „wilden“ Gletscherwasser bezeugen, und ihre Verehrung vor den „lebendigen“ Quellen. Und doch haben manche Ströme nur solche gering angesehene Gletscherquellen; so wird gerade die Aare durch die starken Bäche des Oberaar-, Finsteraar- und Lauteraargletschers gebildet, die bei ihrer Vereinigung 6270′ ü. M. liegen. Der einzige Bach, der lange durch die Alpenzone strömt und in ihr zum Flusse wird, ist der Inn; doch auch die Aare gewinnt rasch eine bedeutende Stärke durch die Zuflüsse aus allen den finstern Eisthälern, die sie in wildem, tobenden Gange durchströmt; dann geht sie ruhig durch das trostlos öde Aarbodenthal unter dem Grimselhospize weg, einer engen Schlucht zu, durch die sie von Stufe zu Stufe fällt und dem Röterisboden (4880′ ü. M.) entgegeneilt, bis sie oberhalb der Handecksennhütte einen hübschen Fall, unterhalb derselben aber (4260′ ü. M.) mit dem Aarlenbach zwischen den Granitfelsen in einen hundert Fuß tiefen Abgrund stürzend, den berühmten Handeckfall bildet, den einzigen großen Wasserfall der Alpenregion.

„Da ragen zwei mächtige Felsenkolosse
So dicht aneinander aus gähnendem Schlund;
Die Häupter bekränzet der Tannen Gesprosse,
Die Füße verbirgt der umnachtete Grund.

Und vor mir, hinab in die schaurige Hölle,
Ergießt sich der breite, gewaltige Fluß!
Wie zischen die Schäume, wie fliegt das Gerölle,
Wie stürmen die Wogen mit donnerndem Schuß!

Und siehe von grünender Höhe zur Linken,
Da rauschet der Arle zerstäubender Bach,
In schäumenden Güssen, mit silbernem Blinken,
Hinab in die Schlucht, in die klaffende, jach.“

Kurz nach diesem köstlichen Salto mortale tritt sie aus der Alpenregion hinaus. Die übrigen Wasserfälle der letzern sind nicht besonders wasserreich, da sie den Quellen zu nahe liegen, dafür aber sehr zahlreich und oft außerordentlich kühn. In allen höhern Revieren sieht man diese schwankenden Schaumfäden an den Felsen hängen, oder hört die jungen Bäche über die großen Felsenstufen ihrer Schluchten hinunterkommen; die Zahl der kleinern Wasserfälle unsers Alpengürtels übersteigt wol tausend.

(aus: Friedrich von Tschudi – Das Thierleben der Alpenwelt, Leipzig 1853)

Wie freudig blutet` hier der Edelknecht

Der Rhein.

O Sohn der Alpen, in krystallnen Wiegen
Genährt von Gletscherbrüsten, heil`ger Rhein,
Wenn du dem blauen Schweizersee entstiegen
Dich jauchzend warfst vom schroffen Felsgestein,
Und glorreich nun, ein Held nach frühen Siegen,
Das Thal durchwallst im laub`gen Kranz von Wein,
Zur Lust den Völkern und der Flur zum Segen:
Wie schlägt dir hoch das deutsche Herz entgegen!

Und traun, mit Fug. Denn deutschen Lebens Bild
Und Zeuge bist du, seit von süßen Zähren
Auf deinen Höh`n der Rebstock feurig schwillt:
All um dich her erwuchsen unsre Ehren;
Du sahst zuerst erhöht des Reiches Schild,
Des Reichs, nach dem wir fromm noch heut begehren,
Wir Waisen, nun im eignen Vaterlande
Ruhmlos zertheilt wie du zuletzt im Sande.

Den Kaisern warst du werth; die Starken zog
Der Starke, daß, was gleich, zusammenwohne;
Hier stand der Stuhl des großen Karl, hier bog
Konrad das Haupt vor Konrad, eine Krone
Mit Lächeln missend; hier im Festgewog
Schied der im rothen Bart vom ehrnen Sohne;
Siegestrunken mocht` er deinen Wirbeln lauschen,
Nicht ahnend, daß sein Tod bald solches Rauschen,

Auf deinen Burgen horstet` ein Geschlecht
Frei, wild und mild; es wohnt` in seinem Sinne
Von deiner Traub` ein Anflug, zum Gefecht
Befeuernd wie zu Harfenschlag und Minne.
Wie freudig blutet` hier der Edelknecht,
Wenn aus der Herrin Blick von hoher Zinne
Ein Gruß als erster, ach, und letzter Dank
Auf sein verströmend Leben niedersank!

Und Städte sahn voll Trotz in deine Welle,
Wo unterm Krummstab Bürgerfreiheit sproß
Und Füll` und Kunst, und wo dann morgenhelle
Die neue Zeit ihr Kinderaug` erschloß.
Denn war`s zu Mainz nicht, wo in stiller Zelle
Ein andrer Dädalus die Flügel goß,
Die stark das Wort in alle Winde tragen?
Ward nicht zu Worms die Geisterschlacht geschlagen?

Und heut! Welch reich Gewühl umbraust noch heut
Die Rebenufer, wo vom breiten Riffe,
Die Veste droht, und weit im Thal zerstreut
Die Essen rastlos sprühn! Mit grellem Pfiffe
Durchkeucht das Dampfgespann des Doms Geläut,
Und durch die Fluten wandeln Feuerschiffe,
Wie schwarze Riesenschwäne; Flaggen winken,
Und Winzerjubel schallt und Römer blinken.

Gebrochen sind die Burgen. Ihre Zeit
Ging aus. Doch sitzt an ihrer Thürme Scharten
Die Sage harfend noch, die Wundermaid,
Und lallt im Traum von Chriemhilds Rosengarten,
Vom Drachenstein und von der Nonne Leid.
Und stießt das Mondlicht um die Felsenwarten:
Da singt die Loreley und aus dem Dunkel
Der grünen Wasser glimmt des Horts Gefunkel.

Gruß dir mein Rhein! Wie leicht bei dir einst flossen
Die Lieder mir, die jedes Tags Gewinn!
Mein Sternbild stand im Aufgang; noch im Sprossen
Wie Laub um Pfingsten grünte frisch mein Sinn,
Gruß euch, die ihr mir damals wart Genossen
In Leben und Gesang! – Wo seid ihr hin?
Ach, auseinander weit seit jenen Tagen,
Zu weit hat uns der Kampf der Zeit verschlagen.–

(Emanuel Geibel)

Einfalte Delineation (4)

Rheinursprung
„Der andere Hof ist das Tawetscher Thal, eine Wildnus. Die ältesten Einwohner allhier hießen Aetuatii. Hier findet man die rudera des Schlosses Pultmenga, item die Nachbarschaften: 1. St. Jakob, 2. Selva, 3. St. Vigili, 4. Cumanils, 5. Cimunt, quasi cima del munt in Rhaetischer Sprach. Das ist der höchste Gipfel des Bergs, trifft auch schier ein, dann hier besteigt man den allerhöchsten Berg, der so zu sagen in der Welt zu finden, und komt man zum Ursprung des vordern Rheins aus dem Berg Crispalta, an welchem auf der einten Seiten Ursulen und der Gotthard, auf der andern Seiten der Berg Bicornus oder die Furken anstosen. Dieser überaus hoche Berg, aus deme der Rhein entspringet, wird sonsten auch genennet Badus. Auf dem Gipfel dieses Bergs ist ein See. Einige beschreiben diesen See groß, so gar dz etwelche in die Welt schreiben dörfen, er sey zwei Meilen lang und eine breit, – als wie Castelberg, Pfarrer in Tavetsch, deme es Escharbotj, französischer Dollmetsch, nachgeschrieben. Andere aber, denen mehr zu glauben und mit dergleichen einem ich auch selbst geredt, beschreiben diesen See klein, allso daß er kaum 1/4 Stund lang und breit in der Circumferenz.
Under diesem See entspringt der Rhein aus einem harten Felsen, formirt sogleich einen schönen Wasserfall und senkt sich mit praßlen und Geräusch eine gewaltige Tiefe hinunder, von welchem Fall in dieser Gegne auch im warmen Sommer ein so kalter rauchender Dampf erreget wird, dz die sich herzunachende selbigen keineswegs vertragen können. Bey bemeltem Berg Crispalta passirt man Sommerszeit über hoche Alpen auf Ursulen.
Auf der andern Seiten dieses Bergs, aus der Furka entspringt der Rhodanus, so Wallis durchströhmet, aus dem Grimsel, so ein Ast der Furka ist, entspringt die Aar, welche durch die Schweiz hinfließt. Allso, daß die Distanz der Quellen dieser drei Hauptflüssen nach geometrischer Ausrechnung nicht über 20 000 Schritt ausragt.
Zwischen der Aar und dem Rhein entspringet aus dem Gotthard auch die Reuß, und gegenüber auf der italiänischen Seiten entspringt der Thesin, item der Aracer, die Madian etc. und nicht weit davon die Muesa. Ist allso dieses fünfspizige Kreuzwerk in der Höche dieses Gebirgs gleichsam ein hydrophilacium, oder Wasserkammer, aus welcher sich viel Haubtflüsse in ganz weit von einander zertheilte Ende der Welt ergießen.“

Nolla
„Der Bach Nolla hat diese Eigenschaft, dz er über Jahr immer trüb komt, mehrentheils Zeit ist er recht schwarz, gleichsam wie Dinten. Das rührt daher, weil oberhalb under Tschoppina ein faul Gebirg ist, von welchem immerhin etwas von blauem Leim und Erden in den Bach reißet. Deßwegen dieses Bachwasser auch von sonderbarer Schwere ist – also dz wann ein starker Mann in diesen Bach fiele, auch wann er klein gehet, und seine Kleider damit benezte, so wäre es ihm ohnmöglich, sich allein ohne Jemands Hilf heraus zu wikeln, weil seine Kleider an ihm nicht anderst sind als wie ein bleyerner Mantel, allso dz er seine Glieder kaum regen kan. Die Proben sind schon mehrmalen gemacht. Dieser Bach wütet zu Zeiten erschreklich und verursachet bisweilen ziemlich Schaden. Von diesem Bach ist auch dieses curieuses zu annottiren, dz er das gemeinlich jederzeit ganz klare oder helle Wasser des hindern Rheins von seiner Vereinigung an bis hinab under der Fürstenauer Zoll Bruk bis an seine Hälfte tingirt, allso dz der hindere Rhein einen guten Strich under Thusis hinab halb weiß und halb schwarz anzusehen, weil sich das schwere, schwarze Nollawasser nicht sogleich durchaus mit dem Rheinwasser vermischet.“

Via Mala
„Vor Zeiten gienge die Landstraß neben Ronggellen den gächen und hohen Berg hinauf bis auf die Höche desselben, und von danen wieder einen weiten Weg hinab bis in die Ebene von Schammß. Vor Jahren aber hat man durch Anwendung vieler Unkosten und Sprengung vieler Felsen die Landstraß durch Viamala, oder das sehr enge rauche gräßliche Felsen Thal hinein gemacht bis in Schamß. Dieses enge Thal hat auf beiden ganz gäche Wolken hoche Felsen neben sich, under sich fließt der Hinderrhein durch eine ungeheure tiefe Kluft hinunter gegen Thusis, da die Felsen an theils Orten zusammen ragen, und beynache an einandern stoßen, dz man nichts vom Rhein sehen mag, an theils Orten machen sie auch eine Oeffnung, dz man in einen entsezlichen abyssum hinunder sehen kan, wie der Rhein mit seinem Anputschen an die enge Felsen einen weisen Schaum zeiget, und einen Wasserstaub von sich wirft. Man kan nicht wohl ohne Grausen und Schwindel durch diese Felsenklüfte hinunder sehen.“

Iso Camartin

Bin ich Europäer? fragt sich der als Rätoromane zumindest sprachlich, aber auch (ab)flußtechnisch mit den besten Voraussetzungen fürs Europäat aufgewachsene Iso Camartin in seinem gleichnamigen Essay-Band, untertitelt: eine Tauglichkeitsprüfung, und wählt, „natürlich“ bin ich geneigt zu unterstellen, den Rhein zum Motiv, von dessen Klängen er beginnt, genauer von den Zuflüssen, den reins, des Vorderrheins, die in seiner Erinnerung je ihren eigenen Klang besessen hätten (was ich ihm stante pede abnehme) und fügt eine sprechende Anekdote an: „An der Rheinquelle im Tomasee traf man ab und zu Holländer, die nahe an einer der Rheinmündungen in die Nordsee wohnten. Ich erinnere mich, daß ein Holländer einen Freudentanz über dem kleinen Rinnsal vollführte, das den Tomasee verläßt. Er konnte nicht aufhören, von einem Bein aufs andere hüpfend, fassungslos auszurufen: „Das ist der Rhein! Das ist der Rhein!“ Als er sich wieder beruhigt hatte, hörte ich zum ersten Mal das weiche Gleitgeräusch, mit dem das Wasser sich vorsichtig auf die Wanderschaft macht (…). Es ist zunächst ein wunderbar leises Fließen, das nur durch kleine Unebenheiten im schmalen Bett etwas lauter wird. Bis das Gelände steiler abzufallen beginnt und die Stimme des Baches laut wird.“ Der Tavetscherrhein birgt, kurz vor seinem Zusammenfluß mit dem Medelserrhein, einer Stelle, die bereits von Römern, Karolingern, Staufern, Sarazenen etc passiert wurde, Geisterstimmen und Geschichten aus den menschlichen Zeiten der alten Welt. Als dritten Ort nennt Camartin den Zusammenfluß bei Reichenau: „Es ist eine stille Vereinigung, die da vor sich geht (…). Nur entdeckt man jetzt, daß etwas Mächtiges entsteht. Das Wasser hat durch diese Verbindung geheimnisvoll an Tiefe gewonnen. Nixen und Wasserfrauen kann man sich oberhalb von Reichenau im Rhein eigentlich nicht vorstellen. Das Wasser ist zu transparent dafür, das Flußbett zuwenig tief für Geheimnisse. Hier aber beginnt sie: die ganz neue Dimension eines Stromes, mit den rätselhaft lockenden Wesen, die ihn bewohnen. (…) Die Loreley läßt grüßen.“ Hier bin ich geneigt zu widersprechen: zwar fließen beide Rheine tatsächlich mit beinahe beängstigender Ruhe, gleichsam als Symbol für Einigkeit und Friede, für beider Machbarkeit, ineinander, doch die Geräuschkulisse wird deutlich beherrscht vom Straßen- und Schienenverkehr, intervallartig gar so sehr, daß mitten aus dem Zusammenfluß beizeiten virtuelle Schrottskulpturen wild eintauchender Autos und Eisenbahnwaggons aufragen, um wieder in Licht und unterschwellige Stille zu verfallen. Und schwer erklärbare Wasserwesen habe ich in den Rheinen oberhalb Reichenau mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Händen berührt.

Rheinquellen

Erquickend zu sehen, wie der Rhein bei Wikipedia verläuft. Die Informationen zum Thema wachsen und werden zunehmend differenzierter dargestellt. Bei Rheinseins letztem Wikipedia-Besuch sah die Informationslage zur Rheinquelle lediglich den Tomasee vor. Mittlerweile steht dort eine Beschreibung des Wassersystems aus zahlreichen Quellflüssen, wie sie klarer formuliert (und dazu noch kostenlos!) andernorts kaum zu haben sein dürfte. Zu erfahren ist nun also, daß die Entfernung der oberhalb des Tomasees liegenden Quelle des den Tomasee durchfließenden Rein da Tuma (der nach einem Keltenfürst benannt sein soll) bis zum Zusammenfluß von Vorder- und Hinterrhein etwa 71 Kilometer betragen soll. Sowohl im Vorder- als auch im Hinterrheingebiet existieren jedoch einige mündungsfernere Quellen: Rein da Medel, im Mittellauf auch Froda, in seinem Tessiner Oberlaufgebiet Reno di Medel genannt (etwa 76 Kilometer); Rein da Maighels (etwa 75 Kilometer); Rein da Curnera (etwa 74 Kilometer); Rein da Nalps (etwa 71 Kilometer); die beiden von den Gebieten Puozas und Milez (in der Nähe des Oberalppasses) herunterkommenden Quellbäche (etwa 70 Kilometer); der aus dem Val Val herunterkommende Quellarm (etwa 70 Kilometer). Ganz hervorragend die vagen Kilometerangaben, tragen sie doch der Beweglichkeit ihrer Objekte/Subjekte Rechnung. Im Gebiet des Hinterrheins, vereint mit dem Albula-Landwasser-System, kommen hinzu: Dischmabach (etwa 72 Kilometer); Flüelabach (etwa 70 Kilometer); desweiteren die in der Regel etwas kürzeren Totalpbach, Julia, Madrischer Rhein und der Albula-Quellarm Ava da Ravaisch. Auch die Aare, die bei ihrem späten Zusammenfluß mit dem Rhein die deutlich größere Abflußmenge aufbringt, wird nun im Artikel „Rheinquelle“ bedacht. „Die Rheinquellen“ lautet ein weiterer, der sich jedoch einer gleichnamigen Bündner Zeitung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts widmet. Nach den Literaten (s. Spescha, s. Rheinsein) kommen nun also auch die Wikipedianer zum Schluß, daß bei der Rheinherkunft von deutlich mehr als zwei Quellen gesprochen werden kann, darf, muß. Die weiteren Aussagen des Artikels beziehen sich eher trocken auf Abflußmengen, Einzugsgebietsgrößen und Subsysteme.

52 Tage bis zum Meer

Eine Filmdoku von Anke Riedel und Carsten Linder bereist den Rhein von den Quellen bis zur Mündung, unter Berücksichtigung wie auch Aussparung so manch interessanten Fleckens, in knapp einer halben Stunde – während der Strom selbst etwa 52 Tage für die berühmte Strecke benötigt. Die Kamera startet vom Hubschrauber aus überm Tomasee und landet recht bald im Wasser. Das flott das Vorderrheintal hinab und zügig auch in den Bodensee schießt und dabei jede Menge alpiner Kleinstlebewesen mit sich trägt. Im Bodensee faulenzt der Rhein zwölf schöne Urlaubstage lang, als Hochrhein zieht er weiter, fällt, fängt sich und schon befinden wir uns im Taubergießen und verweilen einen Moment beim Flutenden Hahnenfuß. Nebenan im Kanal schütten Kies-Schuten das Bett des regulierten Laufes zwischen den Staustufen auf, 400.000 Tonnen jedes Jahr. Rekorde, Rekorde: Europas größter Fischpaß bei Iffezheim, ein künstlicher Wildbach aus Beton. Unterm Loreleyfels erreicht der Strom seine Höchstgeschwindigkeit, was durch Zeitrafferaufnahmen von den Mythenklotz umfahrenden Containerschiffen veranschaulicht wird. Roboterisierte Häfen. Auf der Landzunge zwischen Nederrijn und Waal grasen Wildpferde. Rekorde, Rekorde: Das Rheindelta gilt als das am dichtesten befahrene Gewässer der Welt und somit größte europäische Nachreifezone für Normsüdfrüchte.