Presserückschau (Januar 2016)

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Das hinterste Eck Deutschlands verortet die Welt am Rhein anbetrachts eines Aufsehen erregenden Sexualdelikts: “”Ein Center zum Verlieben” – mit diesem Slogan wirbt das Rhein Center im Stadtteil Friedlingen von Weil am Rhein. Das ockergelbe Shoppingparadies schmiegt sich direkt an die Schweizer Grenze, im Westen, auf der anderen Rheinseite, beginnt dann auch gleich schon Frankreich. Es ist eine abgeschiedene Hafen- und Handelsgegend, mit viel Logistikfirmen und Industrie. 88 Prozent der Einwohner in dem sozial schwachen Stadtteil haben Migrationshintergrund, schon lange klagt Friedlingen über Probleme mit Kriminalität und Verwahrlosung. In diesem hintersten Eck von Deutschland gibt es vor allem für junge Leute nicht viel zu tun und zu erleben. Ein McDonald’s, ein kleiner Park, ein Sportplatz, ein kleines Kulturzentrum, das war’s.”

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Vage vom Fischfang inspiriert erscheint ein Bericht des Leverkusener Anzeigers über den Fund einer Rheinleiche: “Ein Angler hat (…) am Wiesdorfer Rheinufer eine Wasserleiche gefunden. Etwa bei Kilometer 702, nahe der Schiffsbrücke Wuppermündung, hatte der Mann in Ufernähe in etwa gummistiefel-tiefem Wasser einen leblosen Körper bemerkt und die Polizei alarmiert. Der Einsatzleiter der Feuerwehr sagte, der Angler habe den dümpelnden Körper im Auge behalten und den Notruf gewählt. Er soll später selbst beim Bergen des Toten geholfen haben. Die Leiche zog man an einer Buhne aus dem Strom. Der Einsatzleiter sagte, es handele sich wahrscheinlich um einen Mann, nicht mehr ganz jung, und dass es ihm schien, dass der Körper nicht nur kurze Zeit im Wasser gelegen habe.” Bei der Leiche handelte es sich schließlich um eine seit Tagen als vermißt geltende ältere Frau aus dem Ruhrgebiet.

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Rheinfluchten: zwei Kriminaltouristen aus Frankreich, schreibt die Aargauer Zeitung, haben sich in Basel auf eine halsbrecherische Flucht vor der Polizei begeben: “Sie rasten durch Quartierstrassen und missachteten ein Rotlicht. Die Polizei verzichtete auf eine Verfolgung, um nicht noch mehr andere Autos zu gefährden (…). Auch durch eine Sperre an der Grenze zu Deutschland liessen sich die beiden nicht aufhalten. Die Barriere, die Grenzwächter beim Zollamt Grenzach-Wyhlen aufstellten, durchbrachen sie und setzten ihre Flucht in Rheinfelden auf deutscher Seite mit stark übersetzter Geschwindigkeit weiter (…). Als sie in Warmbach in einer 30er-Zone ein deutsches Polizeiauto erblickten und bremsen wollten, verlor der Lenker aber die Kontrolle über sein Auto. Es kam zum Zusammenstoss mit zwei parkierten Autos und einem Gebäude. Ein letzter Versuch zu entkommen, unternahmen die Männer zu Fuss. Einer der beiden sprang gar in den kalten Rhein.” Parallel dazu sprang auch in Köln ein Mann auf der Flucht in den Fluß, wie der WDR berichtet: “In Köln ist (…) ein Mann nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in den Rhein gesprungen. Der 28-Jährige hatte im Stadtteil Deutz versucht, ein Haus in Brand zu stecken. Ein Augenzeuge hatte die Polizei gerufen. Daraufhin war der Mann zu Fuß vor den Beamten zum Rhein geflohen und dort ins Wasser gesprungen. Die Besatzung eines Feuerwehrbootes fischte ihn aus dem Rhein.”

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Am Tag vor Silvester war ein Spaziergänger nahe der Neckarmündung auf große Blutlachen gestoßen. Die Frankfurter Rundschau berichtet, daß es sich dabei um Hinterlassenschaften eines Gewaltverbrechens handelte: “Vier Wochen nach dem Fund von Blut am Neckarufer in Mannheim hat die Polizei am Sonntag in Südhessen eine tote Frau aus dem Rhein geborgen. Eine Untersuchung habe die genetische Übereinstimmung ergeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Mannheim mit. Die 31 Jahre alte Frau aus Mannheim sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Das ergebe sich aus dem Verletzungsmuster. Das Polizeipräsidium habe eine Sonderkommission mit 40 Beamten unter dem Namen “Basalt” gebildet.”

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Dem Plastikanteil des Rheins wenden sich immer mehr Studien zu, die Auswirkungen der zunehmenden Plastikbelastung stehen unter Beobachtung: “Im Rhein bei Düsseldorf schwimmt jede Menge Plastik in kleinster Form. Wissenschaftler haben dort eine hohe Anzahl an Mikropartikeln gemessen. Das sind Teilchen, die bis zu fünf Millimeter im Durchmesser groß sind. (…) In Düsseldorf-Flehe wurde eine Konzentration von rund vier Partikeln pro Kubikmeter Wasser gemessen. In Bad Honnef liegen die Werte noch unter einem Partikel, an der Ruhrmündung bei Duisburg bereits bei über 160. (…) Die derzeitige Untersuchung lässt hingegen offen, wie gefährlich die Plastikpartikelchen für die Gesundheit von Mensch und Tier sind. (…) Im Rhein finden sich in vielfacher Zahl natürliche Partikel ähnlicher Größe, die von dort lebenden Tieren verschluckt werden. (…) Strategien zur Reinigung sind bislang Fehlanzeige: Die Klärwerke können die Konzentration der Teilchen im Fluss nicht verringern. (…) Am hilfreichsten sei es, Plastik wo es geht im Vorfeld zu vermeiden.” (Westdeutsche Zeitung)

Presserückschau (November 2013)

Nach einem (für die Jahreszeit ungewöhnlichen) Flautemonat spülte der November nun wieder zahlreiche hübsche Pressemeldungen von den Rheingestaden ins Netz. Unsere Auswahl, heute aus bosporidischer, dem Rhein durchaus verschwisterter Ferne zusammengestellt:

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Dem Windsurfing auf dem Rhein in der Mittelheimer Bucht widmet die FAZ eine Reportage: “Der Wind muss aus Südwest kommen. Nur dann bläst er genau entgegengesetzt zur Fließrichtung des Stroms. Nur dann bilden sich die richtigen Wellen mit Schaumkrönchen, die bis zu einem Meter hoch werden. Und nur dann können die Windsurfer den Rhein kreuzen, ohne an Höhe zu verlieren. Von Oestrich nach Ingelheim und zurück, immer und immer wieder, am liebsten den ganzen Tag.”

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Ebenfalls die FAZ begleitet die Vorarbeiten zur möglichen Wiederaufnahme der Erdölförderung am Rhein: “Ein Hauch von Denver und Dallas weht durch Südhessen: Nach rund 20 Jahren Pause könnte eine Erdölquelle in der Region wieder sprudeln. Eine Probebohrung der Firma Rhein Petroleum GmbH auf einem früheren Erdölfeld bei Riedstadt-Crumstadt im Süden des Landes sei erfolgreich gewesen, teilte das Heidelberger Unternehmen am Donnerstag mit.”

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Eine schöne Nachricht, die keine ist und obendrein veraltet, verbreitet Die Welt: “Auf dem Deck eines Rheindampfers bei Koblenz stand der Honda S500 bei seinem ersten Deutschland-Besuch im August 1963. In leuchtendem Rot und mit geöffnetem Verdeck, sodass jeder sehen konnte, dass der japanische Roadster sein Lenkrad ausnahmsweise auf der linken Seite hatte. Das war Teil der perfekt inszenierten Werbeveranstaltung, an der sogar Soichiro Honda, der Gründer des Unternehmens, teilnahm. (…) Den Preis für den Roadster gab Honda anfangs noch nicht bekannt. Stattdessen platzierte das Unternehmen eine Werbung als Quiz. Die Japaner sollten den Kaufpreis des S500 erraten. Mehr als fünf Millionen Preisvorschläge wurden gezählt, am häufigsten die Summe von 485.000 Yen. Nach dem aktuellen Kurs wären das 3650 Euro. Kurz darauf nannte Honda den tatsächlichen Preis: Der Zweisitzer sollte 459.000 Yen kosten. Möglicherweise wollte die Marketingabteilung mit diesem Quiz nur herausfinden, was die Bevölkerung bereit gewesen wäre, für ein Auto von Honda auszugeben. Trotz der eindrucksvollen Präsentation auf dem Rheindampfer wurde der Roadster nie auf dem deutschen Markt angeboten. Es sollte noch vier weitere Jahre dauern, bis mit dem S800, einer Weiterentwicklung des S500, der erste Honda in Deutschland verkauft wurde.”

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Von hochrangigen Barbaren unter dem Industriepark von Obernai im Elsaß berichtet Der Spiegel in einem Wissenschaftsartikel mit Grabungsleiter Clément Féliu: “Im frühen 5. Jahrhundert war die Völkerwanderungszeit im vollen Gange. Ganze Völker und Stämme verließen ihre Heimat und zogen in neue Gebiete – was bekanntermaßen nicht immer friedlich ablief. Um die Grenzen zu sichern, holten die Römer oft Hilfe vom einen Ende des Reiches ans andere. “Es handelt sich bei den Toten aus Obernai vielleicht um eine kleine Gruppe östlicher Barbaren, die von den Römern hierher geholt wurden, um den Limes zu bewachen.(…) Es ist jedenfalls das erste Mal, dass wir einen ganzen Friedhof von Sarmaten, Alanen oder Hunnen im Elsass gefunden haben.”"

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Daß der erste Eindruck des Rheins an vielen Stellen vor allem ein lauter ist, bestätigt (abermals) die FAZ: “Täglich passieren rechtsrheinisch 180 bis 200 Güterzüge innerhalb von 24 Stunden das Mittelrheintal, linksrheinisch sind es 70 Güterzüge. Der Dauerschallpegel liegt nach Messungen des hessischen Umweltministeriums in der Nacht bei fast 80 Dezibel.” Der Bund, die angrenzenden Länder und einige Bürgerinitiativen wollen dem nun mit einer Untersuchung, wie der Lärm zu reduzieren sei, entgegenwirken, nachdem die Kanzlerin im Zuge des Wahlkampfs geäußert hatte, daß “man da etwas machen müsse”.

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“Das Herz der deutschen Wirtschaft schlägt am Rhein”, meint der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD). Daß mehr Güterverkehr auf den Rhein umgelegt werden soll, darüber sind sich die vier deutschen Rhein-Bundesländer einig: “Ein Binnenschiff könne immerhin 150 Lkw-Ladungen befördern. Der technische Zustand der Infrastruktur in Deutschland mit seinen Straßen-, Schienen- und Wasserstraßennetzen sei besorgniserregend (…). Die zusammen mit Bayern erarbeitete “Düsseldorfer Liste” enthält 36 Schlüsselprojekte – davon zehn Ausbauprojekte an Wasserstraßen sowie je 13 zentrale Verbindungsprojekte zu Häfen über Schiene und Straßen. Auf der Liste stehe unter anderem der Ausbau einiger Schiffschleusen mit einer zweiten Kammer, die Erneuerung und Verlängerung der Neckarschleusen und die Vertiefung des Rheins, damit er an einigen Stellen auch bei niedrigem Wasserstand befahren werden kann. Im Bereich der Straßenprojekte sei etwa die Rheinquerung Wörth-Karlsruhe aufgenommen worden, die Erneuerung der Hochstraße in Ludwigshafen und die Erweiterung der Biewerbachtalbrücke an der A 64 bei Trier (…).” (SWR)

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Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. So berichtet der Remscheider General-Anzeiger bereits jetzt über die Ankunft der “Seherin vom Rhein” Lilo von Kiesenwetter in Remscheid, die für Anfang Januar geplant ist: “Am 2. Januar (…) kommt die Wahrsagerin in voller Montur (…) ins (Allee-)Center: Drei Tage lang residiert sie in einem Zelt neben der Rolltreppe – und wird von ihrem goldenen Thron aus den Remscheidern die Zukunft vorhersagen.”

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Das Bornheimer Rheinufer droht abzustürzen, meldet der Kölner Stadt-Anzeiger: “Auf einer Länge von zwei Kilometern ist in Bornheim der Rheinuferhang nicht sicher. In einem Treffen mit der Bezirksregierung und Vertretern des Rhein-Sieg-Kreises wurden der Bornheimer Stadtverwaltung sofortige Maßnahmen vorgeschlagen, um das Risiko für Fußgänger und Anwohner des Rheinufers zwischen Rheinuferweg und Rheinterrassen zu minimieren. Bereits veranlasst wurde eine Sperrung des Leinpfads zwischen der Böschung und dem Ufer selbst.”