Sohn und Vater

sohn und vater_2Von der Kölner Südbrücke fotografierte unser Korrespondent Roland Bergère das abnehmende Hochwasser direkt am Hochwasserpumperk Schönhauser Straße. Dabei stachen ihm zwei Personen im Wasser ins Auge, die sich bei näherem Heranzoomen aufgrund ihrer in Pose verharrenden Reglosigkeit und Quadratschädel leicht als Skulpturen identifizieren ließen.
sohn und vater_3In den vergangenen Jahren tauchten mehrfach Meldungen über wilde, menschenähnliche Skulpturen an den Rheinufern des Kölner Südens auf: artifizielle Menschenansammlungen im Gebüsch etwa, deren Anblick teils Furcht und Schrecken ausgelöst haben soll. Auch die Skulptur, die unser Korrespondent erblickte, gehört zu den wilden, ohne offizielle Genehmigung angebrachten, vom Kölner Kulturdezernat jedoch mit Duldungsattest versehenen Interventionen im öffentlichen Raum (wie etwa unser Sprechstein im Stadtgarten). Die Skulptur, die bei Normalpegel trockenen Fußes am Ufer steht, hält sich seit vorvergangenem Jahr an Ort und Stelle und trägt den Titel “Sohn und Vater”. Ihr Erschaffer verbirgt sich hinter dem auf dem Ensemble angebrachten Kürzel eXX99.

von der südbrücke

reiher in formation ein keil
durch den angedunsteten
himmel schwingen folgen
dem wasserlauf rhein auf
diese brücke ist mein ort
sagt die begleiterin jeder
sollte einen ort haben für
sich entdecken vermerken
meiner ist da wohin ich
ziehe erwidere ich solange
ich diesen ort nicht kenne
gehört er mir wir streifen
die schuhe ab sind uns
lehne unsere füße baumeln
wo der morgen in den
schnäbeln verschwindet

(aus: Achim Wagner – vor einer ankunft, yedermann, München 2006. Mit freundlicher Genehmigung des Autors. Näheres zum Buch und Bestellmöglichkeit: hier klicken!)