Wie Elvis posthum noch zu einem Rheinkieselanzug gelangte

“Ja wie denn nun? Und wo? Bei welcher Gelegenheit? Besaß er zu Lebzeiten keinen?”
“Fangen wir von hinten an. Der King trug schon sehr ausgefallene Anzüge und viele, ja die meisten davon sind dokumentiert. Von einem Rheinkieselanzug ist der Elvisforschung bis dato allerdings nichts bekannt. Was natürlich trotz aller bedeutenden Errungenschaften dieses Forschungszweigs nicht zwingend heißen muß, daß er keinen besaß. Bilder von Elvis in einem Rheinkieselanzug sind bisher jedenfalls nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Posthum in den Besitz eines Rheinkieselanzugs gelangte Elvis anläßlich des Afrika-Poesiefestivals, das dieser Tage in Köln stattfindet.”
“Aha, ein lyrischer Rheinkieselanzug sozusagen.”
“Ja und nein.”
“Ja, wie denn nun?”
“Der Rheinkieselanzug ist tatsächlich ein Produkt lyrischer Quadratur. In einem ausufernd-interkontinentalen, englischsprachigen Gedicht von Charl-Pierre Naudé aus Südafrika, das in der durchaus, wenngleich eher randständig, noch als rheinisch zu bezeichnenden Metropole Antwerpen seinen Ausgang nimmt, tauchte unter anderem ein Anzug mit Knöpfen aus “rhinestone” auf, ein Begriff, der eigentlich “Straß” bedeutet, der für das Kölner Festival, womöglich aus lokalpatriotischen Gründen, womöglich aus Unkenntnis dieses “false friend” mit “Rheinkiesel” übersetzt wurde, eine Übersetzung mithin, die ihre Wirkung nicht verfehlte, indem sie die Herzen des rheinischen Publikums erwärmte und vor dem inneren Auge einiger Vertreter der zahlreich anwesenden lokalen Dichterschaft sich zu einem symbolträchtigen, in nicht all zu ferner Ferne womöglich als historisch zu bezeichnenden Bild entwickelte. Die Kölner Lyrikproduktion jedenfalls wird künftig kaum um das neue Ornat eines königlichen Rheinkieselanzugs herumkommen.”
“…?!”
“Mhm.”

Pessoa am Rheinfall

pessoa3 pessoa6Von abwesender Anwesenheit und der Liebe zu den Werken Fernando Pessoas samt all seiner Pseudonymgestalten sprechen die Foto- und Siebdrucke des Lissaboner Grafikers Rafaleo Amarei. Angesichts des Rheinfalls schmerzte Amarei die Tatsache, daß sein literarischer Held, außer in den Jahren, die er in Südafrika verbrachte, Portugal niemals verlassen hatte und entschloß sich, um seiner einsetzenden saudade würdigen Sinn zu verleihen, den Dichter posthum am Naturwunder des Rheinfalls teilhaben zu lassen. Der Ibis war das Logo von Pessoas Verlag, der nur wenige Monate existierte, auf dem 100 Escudos-Schein ist der Dichter abgebildet, dem auch die Brille zweifelsfrei zuzuordnen ist.

Flaschenpost (6)

Die Schweizer Medien berichten dieser Tage von einer Flaschenpost, die von Oberriet im St. Galler Rheintal bis nach Südafrika gelangte. Ob sie dafür wirklich “via Bodensee, Rheinfall, Rhein sowie Nord- und Südatlantik nach Kapstadt trieb”, wie die Artikel behaupten, ist zwar gut vorstellbar, aber keinesfalls gesichert. Die Flasche könnte schließlich dem Strom frühzeitig entnommen und auf anderen Wegen weitertransportiert worden sein. Für eine Seereise spricht die Reisedauer. Denn auf den flüssigen Postweg gegeben wurde die Flasche bereits vor  30 Jahren – von Werner Kühnis aus Oberriet. Der hatte seine Wurfsendung von einst längst vergessen, als er nun kurz nach Weihnachten Antwort erhielt: “30 Jahre später wurde die Flaschenpost am Strand von Kapstadt gefunden. Die Frau (gemeint ist die Finderin, Anm.: rheinsein) kann aber kein Deutsch. Sie suchte eine deutschstämmige Kollegin auf, die ihr half. Da Werner Kühnis noch heute in Oberriet wohnt, einen Steinwurf von seinem Elternhaus entfernt, gelang es den Frauen mithilfe des Internets, den Absender der Flaschenpost ausfindig zu machen.”
Von den bekannten (aufgetauchten) rheinischen Flaschenpostbriefen dürfte diese einen gesamtrheinischen Streckenrekord aufgestellt haben. Ob sie auch ordnungsgemäß im Mainzer Flaschenpostamt registriert wurde, gaben die Artikel nicht preis.