Presserückschau (Dezember 2017)

1
Faule Vögel
“Schon die Kraniche hatten sich in diesem Herbst viel Zeit gelassen. Die Zugunruhe, in die sich die Vögel hineinsteigern, wenn sie sich in Massen sammeln und die sich natürlich durch den Futterdruck verstärkt, wenn zu viele Schnäbel an der gleiche Stellen nach Nahrung suchen, hat auch einen Temperaturregler. Der Thermostat klemmt, und die Vögel sind sich unschlüssig. Statt mit einem großen Startschuss gemeinsam in gewaltigen Formationen aufzubrechen, die uns am Boden staunen lassen, tröpfeln sie in kleineren Marschkolonnen über Land. Da kommt auch beim Beobachter nicht das typische Fernweh und die Herbstwehmut auf, die die „Schneegänse“ früher auslösten. (…) Am Niederrhein überwintern vor allem die Blässgänse, die in der europäischen und sibirischen Tundra brüten. Die auch bei uns als Brutvogel eingesessenen Graugänse hingegen, die früher an den Guadalquivir, nach Tunesien oder Algerien verzogen, machen jetzt gerade noch die Tour bis Holland. Die Saatgans macht schon Pause an der Ostseeküste, verstärkt aber auch die großen Winterpopulationen in Holland und am Niederrhein. Man merkt an dieser Aufstellung schon, dass man bei uns eigentlich nur mit der Graugans rechnen kann, und die ist zugfaul geworden.”
(Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Schiffsunfall
“Auf dem Rhein bei Duisburg hat ein Hotelschiff eine Autobahnbrücke gerammt. Fast 30 Menschen wurden verletzt (…). Während des zunächst unübersichtlichen Großeinsatzes hatte es zuvor unterschiedliche Angaben über die Zahl der Verletzten gegeben. (…) Die 129 Menschen an Bord des Hotelschiffs „Swiss Crystal“ stammten (…) mehrheitlich aus Benelux-Staaten. Demnach war das Schiff in Richtung Niederlande unterwegs. (…) Das Schiff wurde bei dem Aufprall am Bug beschädigt. Ein zweites Passagierschiff kam der havarierten „Swiss Crystal“ zu Hilfe und nahm die 26 Besatzungsmitglieder und 103 Passagiere an Bord. Der Unfall sei angesichts der vielen Menschen an Bord vergleichsweise glimpflich ausgegangen, sagte ein Polizeisprecher in Duisburg.” (Handelsblatt)

3
50 Jahre San Bernardino-Tunnel
“Vor fünfzig Jahren wurde der San-Bernardino-Tunnel eröffnet. Es war damals mit 6,6 km der längste Tunnel durch die Alpen. Er veränderte das Leben im Dorf Hinterrhein nachhaltig. (…) Augenzeugen erinnern sich an die siebenjährige Bauzeit und daran, wie das Verkehrsaufkommen ständig zugenommen hat. (…) Auch das Postauto verkehrte nun häufiger, und so war es möglich, mal nach Thusis zum Einkaufen oder nach Bellinzona in den Ausgang zu gehen oder im Nachbartal eine Lehre zu machen. (…) Doch schon nach wenigen Jahren wich die Begeisterung der Ernüchterung. Die Autobahn brachte nämlich auch viel Lärm und Gestank. Die meisten Reisenden brausten an den Dörfern vorbei auf dem Weg ins Tessin oder ans Mittelmeer. Besonders in Hinterrhein erfüllte sich die Hoffnung auf eine neue goldene Ära des Tourismus nicht. Denn dort führt die Autobahn unmittelbar am Dorf vorbei. Wer mit offenem Fenster schlafen will, braucht Ohrstöpsel. Das Bild des idyllischen Bergdorfs ging so verloren.” (SRF)

4
Rheinwald
“Per 1. Januar 2019 werden die Gemeinden Hinterrhein, Nufenen und Splügen eine neue Gemeinde mit dem Namen Rheinwald bilden. An den (…) in den Gemeinden Hinterrhein, Nufenen und Splügen gleichzeitig stattfindenden Gemeindeversammlungen sagten die Stimmbürger sämtlicher drei Gemeinden Ja zur Fusion. Während in Hinterrhein 31 für und 7 Stimmberechtigte, bei einer Enthaltung, gegen den Zusammenschluss votierten, sagten in Splügen 70 Ja und nur zwei Nein. Sogar die mit Spannung erwartete Zitterpartie in Nufenen blieb aus, obwohl der Gemeindevorstand sich im Vorfeld der Abstimmung gegen eine Fusion starkgemacht hatte und in der Botschaft der Bevölkerung ein Nein zum gemeinsamen Weg empfahl. Nichtsdestotrotz sagte dennoch die Mehrheit der Nufner, nämlich 39:21, Ja zur Gemeinde Rheinwald.” (Südostschweiz)

5
Das einzige Dreiländer-Tram der Welt
“Alles ging schnell an der Landesgrenze (…): Der Basler Baudirektor (…) und weitere Honoratioren durchschnitten das obligate blaue Band. Nebenan hinter Gittern schwenkten ein paar elsässische Autonomisten von “Unser Land” rot-weisse Fahnen; ein Transparent hiess “Willkomma em Elsass”. Und dann ging’s in drei Sonder-Trams über das jungfräuliche Schienenpaar auf Elsässer Boden weiter: Vorbei am sanften Schutzwall zur Reha-Klinik, wo auch Wachkoma-Patienten liegen, einer EBM-Energiezentrale, dem Lycée Jean Mermoz in eleganten Winkeln bis zum Bahnhof der Stadt St-Louis. Knallkörper, leuchtende Raketen, ein poetisches Stelzenballet grüssten die rund 300 Offiziellen, die bei der Einfahrt auf den Bahnhofplatz, wo sich die Wendeschlaufe befindet, von zahlreichen nostalgisch kostümierten Passanten und einer Seifenblasen-Kanone empfangen wurden.” (Onlinereports)

6
Gänseprobleme
“Im Zusammenhang mit den Gänseproblemen an Rhein und Neckar haben sich jetzt auf Einladung der Stadt Ladenburg (…) Vertreter betroffener Gemeinden und beteiligter Behörden zu einem Informationsaustausch getroffen. (…) Auslöser der Problematik in Ladenburg, Hemsbach sowie in zahlreichen weiteren Städten und Gemeinden, ist eine Zunahme der Populationen invasiver Nil- und Kanadagänse und damit einhergehend eine Verkotung der Sport- und Freizeitanlagen sowie Fraßschäden auf landwirtschaftlichen Flächen mit zum Teil erheblichen finanziellen Auswirkungen. Dazu kommt noch die Verdrängung heimischer Wasservögel.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

7
Echte Seilbahn
“Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich für eine Seilbahn zwischen Altstadt und Messe ausgesprochen. Ihr würde es gefallen, „wenn wir eine echte Seilbahn über den Rhein bauen würden“, sagte Reker (…). Neben einer weiteren Gondel-Strecke sei auch eine Fußgängerbrücke über den Rhein im Gespräch. Zwischen dem Kölner Zoo und dem Rheinpark auf der gegenüberliegenden Flussseite gibt es bereits eine Seilbahn. Im Sommer hatte sich dort eine Gondel verkeilt. 65 Menschen musste von Höhenrettern aus den stillstehenden Kabinen geholt werden. Seitdem ist die Seilbahn außer Betrieb.” (General-Anzeiger)

8
Ali-Kurt-Weg
“Die Tat ist unvergessen. Sie war heldenhaft und endete tragisch. Mit letzter Kraft versuchte Familienvater Ali Kurt (47) die damals sechsjährige Claudette aus dem Rhein zu ziehen (…) – dafür bezahlte der Familienvater mit seinem eigenen Leben. Jetzt erinnert eine Straße, die zum Rheinufer führt, an das Drama und den selbstlosen Kölner, Vater von drei Kindern. (…) Fast vier Jahre nach dem tödlichen Drama, das gleich zwei Familien ins Unglück stürzte, wurde nun ein Teil der Wiesdorfer Straße zu seinen Ehren in „Ali-Kurt-Weg“ umbenannt.” (Express)

Rhein vs. Mississippi

The Mississippi is the American Rhine, Weser, Elbe, and Oder all combined. It furnishes the best American comparison with the Rhine and perhaps an occasion for applying the lessons in waterway transportation which the Rhine has to teach. Both Rhine and Mississippi flow through the heart of a rich continent; each represents nature’s route of communication between its own fertile valley and the outside world. In their history the streams present a striking parallel up to the period 1860-70; then transportation on the Rhine is modernized and the river takes its place as the greatest waterway in the world, while the Mississippi retains its ancient form of transportation and goes down under the competition of the American railroads.
We saw that the early railroads in Germany were built perpendicular to the Rhine and were considered as feeders to it. When the short railroad lines had begun to be connected up, and the through routes began to compete with, the Rhine, the change in the nature of the traffic between the Rhine Valley and foreign parts was already one that signified a preponderance of bulk goods: coal, iron ore, lumber, wheat, petroleum. Not only did these goods clamor for lower rates than the railroads could give, the cost of loading these goods into the huge river barges at Rotterdam and of unloading them at the river port was also far smaller than the corresponding operation in the case of the little standard 10-ton Dutch and German cars. The spill and scoop principle at the basis of this handling of bulk goods is one whose advantage obviously increases with the size of the transporting unit. (…)

Up to 1860 the history of traffic on the Mississippi is similar to the history of the Rhine, excepting that the American river was not burdened by river tolls which it took half a century to remove. During the first half of the nineteenth century the exports of most of the country west of the Allegheny Mountains were drained off to New Orleans by means of the magnificent system of waterways at the disposal of that port. Staples of commerce were corn, lard, bacon, whiskey, apples, potatoes, hay, etc. — lumped under the name of “western produce,” which supplied the southern plantations and were exported from New Orleans. The southern states added cotton, tobacco, and molasses to the downstream trade. Planters in northern Alabama sent their cotton down the Tennessee River to the Ohio, down the Ohio and Mississippi to New Orleans. In 1860 New Orleans saw 3500 river steamers arrive, bringing cargo to the value of 185 million dollars.’New Orleans was accounted the fourth seaport in the world — after London, Liverpool, and New York — and handled in 1860 27 per cent of our exports. In 1907 her percentage was 9 per cent.
In the Mississippi region, as along the Rhine, railroads at first served primarily as short lines connecting inland communities with waterways; for example, the Madison and Indianapolis, the Evansville and Crawfordsville, the Louisville and Frankfort. The Pennsylvania Railroad for some time after reaching Pittsburg was dependent on the Ohio packets for westward connection. But the railway lines did not long regard themselves as feeders to the waterways. In 1858 there were two through rail connections between Chicago and the eastern seaboard. These, in conjunction with the water route formed by the Great Lakes and the Erie Canal, were already drawing off to the Atlantic coast our exports of western produce.
The Civil War suspended navigation on the lower Mississippi. In the meantime the transcontinental railroads, north of the line of operations, extended their connections and services and got the exports of the West once for all in their grasp. When the war was over the channel of the Mississippi had gone wild, after five years of neglect. At the end of the war New Orleans found her channel to the sea too narrow for large steamers to enter. This evil has been remedied and the Mississippi has been given a lowwater depth of 9 feet for 840 miles (up to Cairo), a depth of 8 feet for 1000 miles (to St. Louis). We need not look to find the inferiority of the American river in the insufficiency of its channel. The Rhine has a channel of only 6 1/2 feet at low water and that for only 350 miles upstream from Rotterdam.

(aus Edwin J. Clapp: The Navigable Rhine, Boston/New York 1911)

Melville in Koblenz

“Monday Dec: 10th 1849. Coblentz. Embarked last night about 9 1/2 PM for Coblentz. But before so doing went out after tea to take a final stroll thro` old Cologne. Upon returning to the hotel, found a large party assembled, filling up all the tables in the Dining Saloon. Every man had his bottle of Rhenish, and his cigar. It was a curious scene. I took the tall spires of glasses for castles & towers, and fancied the Rhine flowed between. I drank a bottle of Rudenshimer (?) (Anm: oder Rusheshiemer?). When the boat pushed off it was very dark, & I made my way into the 2d cabin. There I encountered a German, who was just from St: Louis in Missouri. I had a talk with him. From 9 1/2 P.M. till 5. A.M., I laid down & got up, shivering by turns of the cold. Thrice I went on deck, & found the boat gliding between the tall black cliffs & crags. – A grand sight. At last arrived at Coblentz in the dark, & got into a bed at the “Giant Hoff” near the quay. At ten o`clock in the morning descended to breakfast, & after that took a valet de place & crossed the Bridge of Boats to the famous Quebec fortress of Ehrbrincedstein. A magnificient object, truly. The view from the summit is superb. Far away winds the Rhine between its castellated mountains. Crossed the river again, & walked about the town – entering the curious old churches – half Gothic, half Italian – and crossed the Moselle at the stone bridge – near where Prince Metternich was born. Singular that he was born so near the great fortress of Germany – Still more curious that the finest wine of all the Rhine, is grown right under the guns of Erhbreistein. At one´o´clock dined at “The Giant” at the table d`hote. There were some six or eight English present, two or three ladies & many German officers. The dinner was very similar to the dinner at the Hotel de Cologne yesterday. After dinner, walked out to the lower walls & into the country along the battlements. The town is walled entirely. At dinner I drank nothing but Moselle wine – thus keeping the counsel of the “Governor of Coney Island” whose maxim it is, “to drink the wine of the country in which you may be travelling.” Thus at Cologne on the banks of the Rhine, & looking at the river thro` the window opposite me – what could I imbibe but Rhenish? And now, at Coblentz – at the precise junction of the Moselle – what regale myself with but Moselle? – The wine is blueish – at least tinged with blue – and seems a part of the river after which it is called. At dusk I found myself standing in the silence at the point where the two storied old rivers meet. Opposite was the frowning fortress – & some 4000 miles was America & Lizzie. – Tomorrow I am homeward-bound! Hurrah & three cheers!”