Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg (2)

(…) Viel der Najaden bewohnen des Gotthards wolkige Scheitel.
Dort auch sind die verborgenen Hallen des Siebengeschwisters,
Weitgepriesen und herrlich vor allen Najaden des Alplands.
Jede gebahr einen mächtigen Strom; es wallet der eine
Unter Hesperiens Myrthen dahin; nach Gallien wandte
Rhodan den Lauf, und Rhenus, der stärk`re, zum Land der Germanen.
Nymphe des Rheines, du liebtest das Land des kühneren Mannes;
Zu ihm leitest du nieder dein lauteres Felsengewässer,
Dass er stähle den nervigten Arm im Bad deiner Wellen.
O, dess` preise dich teutscher Gesang! — Erhabne, vernimm mich
Von der entlegenen Flur, und tönet auch schwach nur die Harfe,
Wie der Bach meines Thals in der Stille des feiernden Haines.

Auf meine heimische Flur sank einst der Abend hernieder,
Und die Stille bezog des Haines umdämmerte Lauben;
Friedlich tönte des Baches Gemurmel, (die still`re Najade
Windet ihn sanft durch die Moose und Blumen und zitternde Schilfe.)
Hocherglühtes Gewölk entschwebte allmälig dem Meere;
Hinter dem goldenen Schleier entschlüpfte die Göttin des Tages,
Und dann thürmte das Wolkengebirge mit flammendem Saume
Kühn seine Nebelgebilde empor zu dem schimmernden Aether,

O, da fühlt` ich den Busen umfangen von glühender Sehnsucht,
Und gezogen zum Lande, wo Tellus zum Himmel hinaufstrebt,
Und ihr strahlenbekränztes Haupt tief badet im Lichtmeer.
Zwiefach fühlt ich ihn da, den Schmerz der gebundenen Psyche.
Plözlich vernahm ich des Genius Wink — und Schlummer umfing mich,
Und er gab mir die Schwingen des Traumes; — da sah ich des Alplands
Purpurglühende Höhen und dich, gewaltiger Gotthard.
Aber ich forschte vor allem nach dir, o verborgene Nymphe,
Dir Erhabnen, ein Opfer zu bringen, nicht ohne Begeist`rung —
Und es ward mir gewähret, des Rhenus Najade zu schauen,
Wie sie gelehnt an den schattenden Felsen, mit sinnendem Antliz,
Doch voll göttlicher Milde, bükt auf der Wellen Gesprudel.
Perlen bethauen den Kranz an der Stirn und die zarten Gewände.
In der kristallenen Grotte entwallt der gefülleten Urne
Lieblich tönend die silberne Fluth, des himmlischen Thaues
Zarte geläuterte Tropfen. Es streuet dann goldene Perlen
In das Gewässer die Hand der Najade und bindet des Aethers
Flüchtige Stoffe, dem Strome verleihend belebende Kräfte.

Ach, es fielen auch Thränen der Nymphe hinab in die Wellen;
Denn sie gedachte des nahmlosen Jammers und wilder Verwüstung
Unter der furchtbaren Hand der Erinnen in friedlichen Thälern.
Weithin sah sie Verheerung am Strome, die schönen Gestade
All` ihres Schmuckes beraubt und bedekt mit unendlicher Trümmer.
Aräs durchflog die Gefilde mit wildem Gespanne, die Lanze
Tief getaucht in das Blut der Erschlagnen; es stampfen die Rosse
Sprühende Lohe zum Himmel empor auf schreklicher Brandstätt.
Durch Helvetia`s Thäler schleichet der siechende Hunger,
Und es stöhnet des Jammers Gewinsel herauf aus den Thälern.
Trauer erfüllte die Brust der milden Najade, die sorgsam
Fluren zu segnen sich mühet, indess` die verheerende Zwietracht
Weithin schleudert die Fackel des Krieges, und Menschen bethöret,
Dass sie verblendet die Werke wohlthätiger Götter zerstören.
Zürnend verhüllte die Nymphe das Haupt, sich wendend zur Grotte.
Und ich erwachte vom Schlummer, geschreckt von verhassten Gestalten.
Friedlich rollte der Bach seine Wellen im Schimmer des Spätroths,
Doch bald werden auch ihn Orkane empören, es rollen
Schwere Wetter dumpftobend herauf, und stürmender Hagel
Wird seine Fläche zerschlagen, den Spiegel der stillen Seläne.

Ja hienieden ist ewiger Kampf! Es binden und lösen
Sich im ewigen Wechsel die ringenden Stoffe, es gehen
Neue Gestalten hervor; dem Tode entkeimet das Leben,
Rastlos wirkt die Natur, doch ewig nach weisem Gesezze;
Formend zerrüttet sie immer — sie regelt und ordnet auch wieder,
Zieret ihr Wundergebäude mit unvergänglicher Schöne,
Und der Ernährerin Hand ist immer geöfnet zum Geben.
Tausend bei tausend Begehrenden reicht sie aus ewiger Fülle.

Dem sie so vieles gewähret, — nur ihn ersättigt sie nimmer,
Ihn, dem wilde Begierden verderblich den Busen entzünden.
Wo sie bauet und ordnet, und segnet mit gütigen Händen,
Da zerstöret der Wilde, getrieben vom Fluch der Erinnen,
Und entblättert ihn selber den lieblichsten Kranz seiner Freuden;
Denn er trägt sie nicht lange, des Friedens beglückende Ruhe.

Rhenus, es zeuge dein Ufer! — Ich stimme die Harfe zur Wehmut,
Wende den traurenden Blick hinweg vom entstellten Gestade!
Fluch der verwegenen Hand, die so deines Schmucks dich beraubte!
Zehnmal trat nun der Frühling, der Blumenumkränzte, vergebens
Hin zu deinem Gestade; den Teppich der Flora zerstampfen
Donnernde Hufe der stöhnenden Rosse im Schlachten-Gewühle.
Ceres, Autumnus, Pomona, und Fülleverleihende Götter —
Zehnmal traten sie nun vergebens mit reichen Geschenken
Auf die rheinische Flur, — sie scheuchte des Krieges Getümmel
Und die vertilgenden Donner der Schlachten hinweg von dem Blutfeld.

Eilest du zürnend hinab, o Rhenus, zum heiligen Weltmeer,
Fliehend die Greuel des Krieges, dich dort in der Tiefe zu bergen?
Dort auch wirst du ihn finden den streitbegehrenden Menschen;
Auch des Ozeanus weite Behausung hat Aräs beflecket.
Stolze Geschwader belasten die wallende Fläche und schleudern
Kühnbeflügelt die Flammen des Krieges von Ufer zu Ufer.

Nenne Gesang die Heroen, auf welche die Völker nun hoffen.
Unter dem Schirm der Aegide durchwandelt der Eine das Schlachtfeld,
Und es grünt in der Rechten dem Andern ein friedlicher Oelzweig.

Furchtbar wüthete Aräs, im Männervertilgenden Kampfe,
Da entführten ihn eilends die Götter dem blutigen Schlachtfeld,
Dass er die Welt nicht veröde, der unersättliche Krieger;
Und sie gaben des Gottes Gespann einem menschlichen Helden.
Bonaparte, du führest seitdem die Lanze des Aräs,
Zügelst sein wildes Gespann, doch unter dem Erz der Aegide
Schlägt dir ein menschliches Herz. — O, könnte mein Lied dich erreichen!
Du aus der Vorwelt Wundertagen erstandener Heros,
Bist du des Hannibal Geist? — Des Grösten von allen Achäern?
Franke, dir weichen sie alle! — Du unbezwungener Krieger
Bist an dem Busen der Kühnheit gesäugt, dir gaben die Götter
Weisheit, und sicher wägenden Blick zu schneller Entscheidung,
Und den besonnenen Geist, den ruhigen unter Gefahren,
Roma`s Genius selbst und des heldenberühmten Achaja
Haben dich heimlich erzogen und selber gerüstet zu Thaten.
Glorreich hast du vollendet; — der Sieger entsaget dem Kampfe!

Neben dir ragt er hervor, der glücklichen Brennen Beherrscher.
Grösse mit Waffen errungen, wie leicht entnimmt sie das Schicksal!
Friedrich Wilhelm die deine ward nicht mit dem Blut der Gefallnen,
Nicht mit Thränen erkauft, sie kündet kein Donner der Feldschlacht;
Dir ist das glückliche Land der weite Tempel des Ruhmes.
Du mit dem zügelnden Ernst, du Ordner nach weisem Gesezze,
Wandelst so prunklos und einfach, mir hold der lauteren Warheit,
Festen Schrittes voll Spartischem Geist, und schaffest mit Weisheit;
Und es reifen viel Früchte des emsigen Fleisses dem Lande
In Saturnischen Tagen. — Ihm Heil, dem Herrscher der Brennen!
Ihm erblühe der Kranz seines Ruhmes auf glücklichen Fluren!

Tretet ihr Göttergeliebte voran, zwei Boten des Friedens,
Dass Irene dem Himmel entschwebe, und senke den Oelzweig
In des Schlachtfelds graunvolle Oede, damit sie der Nachwelt
Alle die Trümmer verdecke, aus Tagen entarteter Menschen,
Wo wildtobende Völker das Recht und die Warheit verschmähten,
Und die Freien sich dünkten durch jeglicher Tugend Entsagung.

Heimathlos durchirren nun viele die Wüste des Lebens,
Und ein unendlicher Schmerz hat tief das Leben verwundet!-
Viel sind der Edlen gefallen — auch viel der verworfenen Menschen!
Tobende Völker, wie habt ihr gewüthet — Du himmlischer Friede
Wecke nun mildres Gefühl in dem Busen und heile vom Wahne.

Bald so nahet die lezte der Horen des stolzen Jahrhundert! —
O, wie wähnte der Mensch, er habe den Gipfel erstiegen,
Wo er entbunden und frey, und kühn die Wahrheit umfasse!
Aber den Stolzen verliess die zürnende Göttin der Weisheit;
Von Phantomen getäuscht, entsank er der schwindelnden Höhe,
Und nun steht er voll Wunden und blutet, der sterbliche Halbgott.

Du, der Menschheit Genius, bist du zürnend entwichen?
Neige dich hin zu dem armen Geschlecht, und heb` den Gefallnen.
Gieb ihn nicht ewig der Thorheit zum Sklaven, entbind` ihn vom Irthum,
Reife doch endlich den Geist, und stärke des Schwankenden Tritte,
Dass er regle die irrenden Wünsche, im Kampf der Begierde.
Und Eunomia herrsche hinfort und Themis und Dike,
Dass ein glüklich Geschlecht bewohne den heiligen Erdkreis.

Nymphe des Rheines, ermüde du nimmer die Fluren zu segnen,
Lass sie der Urne entströmen, die lebenernährenden Wasser.
Zürne du Göttliche nicht, wenn Undank lohnt deine Milde.
Leichter entartet der Mensch, je reicher die Fülle ihm zuströmt!
Harre der besseren Tage, wo einst in friedlicher Ruhe
Menschen voll Warheit und Treue dein liebliches Ufer umwohnen.

(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)

Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg

Der Rhein.

Rhenus, gepriesener Strom, ich trage zu deinem Gestade,
Zu dem Hall deiner Wogen, zuerst die Harfe, und horche
Auf der Wellen melodisches Spiel an dem klingenden Felsen,
Dass mich hebe dein stürmender Gang zu kühnerem Fluge.

Felsgebohrner, dich hat die Najade zum Schuzze gebettet
An die Schwelle des Landes, und längs Germania`s Fluren
Streckest du hin den Riesenarm, mit donnerndem Fusstritt
Niederstürmend ins Thal von dem bebenden Felsengebirge.
Hoch in der Wolken Umschattung gebahr dich die mächtige Nymphe,
In der entlegenen Grotte nicht lange den Liebling verbergend.
Segnend sandte sie dich hinab zu dem heiligen Weltmeer.

Eh` du die Bahn dir geebnet, da tobte die Kraft der Vulkane,
Wo nun Trauben sich sonnen, und stämmte Gebirg` an Gebirge;
Aber almälig erloschen die quellenden Gluthen; dann sprengtest
Du mit eilendem Fusse die Pforten der hemmenden Felsen

Also sprach, da einst dich gebahr die milde Najade:
„Auf, und belebe die schweigende Oede des Thales! — Entschlüpfe
„Muthig der Grott` und dem Hochgebirge von Klippe zu Klippe.
„Wenn du zur Ebne gekommen, dann läutre von neuem die Welle
„Dort in dem ruhigen See, und tritt mit dem silbernen Fusse
„Auf der Germanier Flur; dann wandle du Starker vom Alpland
„Unter melodischem Rauschen zum strömeversammelnden Meere.
„Hemmen dich Felsen im Lauf und dränget die Schlucht deine Seiten,
„Dann bestürme du kühn und unablässig die Klippe;
„Du bezwingest almälig den Fels mit der nagenden Woge.
„Wenn du Ozeanus nahest, wird banges Erstaunen ihn fassen,
„Hört er den stürmenden Drang deiner Wogen, — und fürchtend, du mögtest
„Ihm die Behausung erschüttern, erhebt er das Haupt aus den Wellen;
„Rufend den Nereiden, gebietet dann also der Meergott:”‘

„Seht, dort braust mit verheerender Stärke der Rhenus vom Hochland!
„Ihn erzogen die Nymphen der Berge, — der kühne erschüttert
„Fels und Land mit unendlicher Kraft, und eilet zum Meere,
„Gleich als wollt` er mich selber versuchen, und meine Behausung
„In der Tiefe zertrümmern und wild mir die Wogen empören.
„Hemmt ihn im stürmenden Lauf, und zähmt mir den kühnsten der Ströme,
„Dass er Ozeanus Herrschaft erkenne, und alle die Ströme
„Ferner sich scheuen mit wildem Getös` meine Wogen zu drängen.”

„Hemmen wird er dich dann, der stärkre, im fröhlichen Tanze;
„Flaches Vorland breitet er hin, da wirst du mit Mühe,
„Mit ermattetem Fusse die sandigen Pfade durchschleichen,
„Und des Ozeanus weite Behausung still wandelnd betreten,

„Doch dies kümmre dich nicht, — die Kraft von jeglichem Strome
„Löset Ozeanus auf — sprach weiter die milde Najade;
„Wirst du doch glorreich vollenden, und Fluren und Völker erfreuen,
„In dem Schmuck der Gestade, vor jeglichem Strome verherrlicht.

„Ferne Wanderer kommen und staunen dem Sturz deiner Wasser,
„Weit erschallet der Ruhm des lieblich umuferten Rheines.
„Ceres, Pomona, Dryaden und Flora und freundliche Nymphen,
„Werden zu deinem Gestade sich wenden; dort dringen die Halme
„Schlanker empor, der Flora Teppich ist reicher, Pomona
„Sammelt da schönere Früchte, es heben weitschattende Eichen
„Kühner zum Himmel das Haupt, wo du die Fluren bewässerst.

„Zahlreich werden die Völker dein reicheres Ufer umlagern,
„Mit vielschaffendem Fleiss die lachenden Fluren zu bauen.
„Wildniss hauset nicht lang an dem Bett` der belebenden Ströme!
„Die in den Wellen des Rhenus sich spiegeln, die zahllosen Städte —
„Wer vermögte sie alle zu nennen? — Der Nachen Gewimmel
„Gleitet hinab und hinauf, und decket die wogende Strombahn.

„Steig` hinab vom Gebirge, du König der Ströme, und herrsche
„Ueber des Thales Gewässer, und bringe den darbenden Fluren
„Der Najaden Geschenke, die sorgsam aus Wolken wir sammeln.,,

So die unsterbliche Nymphe, und du entschlüpftest der Urne.
Rhenus, erfüllt ist der Mutter Verheissung — dein Tempel vollendet!

Erst umruhte dich einsame Still` an dem wilden Gestade
Unter den Trümmern zerspaltener Klippen von Dornen umwuchert.
Nur das Toben der Stürme, Geheul raubspähender Thiere
Und der Fittig des Adlers durchtönte die nachtvolle Waldung.
Heerden wandelten nicht vom Hügel, am Strome zu trinken.
Nirgend ein Rebengewinde, wo wild nur rankte der Epheu.

Aber es trat der Germane bald näher zum lockenden Ufer;
Nieder legt er den Speer, entsagend den mühvollen Jagden
Tritt er in schwankende Nachen und zehrt von den Gaben des Stromes.
Bald so reihen sich Hütten an Hütten auf freierem Ufer;
Goldene Halme durchwogen die Niedrung, an grünenden Höhen
Wandeln und ruhen gesättigte Heerden im Schatten der Buche;
An dem sonnigen Hügel, von glühenden Trauben umhangen
Weilet Liäus, der fröhliche Gott, den Winzer belehrend.
Völker drängen sich dichter zusammen im lieblichen Rheinthal.
Welch` ein bethürmtes Gestade zur Rechten und Linken! Es ragen
Kühne Vesten gen Himmel; es hallet der zahllosen Städte
Reges Gewühl von Ufer zu Ufer; es furchet die Fichte
Reichbeladen und rastlos die Wogen, nicht scheuend die Brandung.
Wenn dann Luna den Felsen erklimmt, entsteigen der Tiefe,
Die dein Gewässer bewohnen, und spielen auf silberner Fläche,
Und es lauschen Dryaden und Nymphen vom waldigen Ufer
Hin nach dem Tanze der stillen Seläne auf wallender Strombahn.

Reicht mir den duftenden Becher, den Nectar der rheinischen Traube,
Dass in die heiligen Fluthen ich träufl` ein Opfer der Nymphe!
Die du thronst unter goldenem Saum des bestrahlten Gewölkes,
Und in des Gotthards Klüften kristallene Hallen bewohnest,
Rinnende Perlen mit fleissiger Hand in die Urne dir sammelst, —
O, wohlthätige Nymphe, dich preisen die Töne des Liedes,
Beben sie schwach nur hinauf zu dir von dankenden Lippen!

Doch, wer zeigt mir die Bahn zu dem Wolkensiz der Najade?
Mich gelüstet die Hehre zu schauen, damit ich sie singe!
Komm, o Genius, leite den Sänger zum hohen Gebirgspfad!
Wo die Kette der stolzen Graniten im Gaue der Urner
Näher dem Himmel sich thürmet, von Donnergewölken umgürtet,
Ewigen Kampf mit den Stürmen besteht und den spaltenden Blitzen,
Ruhet des Gotthards weitgespreitetes Riesengebäude,
Schwerbelastet vom nimmerzerrinnenden, wachsenden Eismeer,
Stets umdampft von den streifenden Nebeln des hohen Gewölkes.
Eine der Seiten strekt er Hesperiens Frühling entgegen,
Rauherem Norden die andere. Klippe streichet an Klippe
Tiefgespalten zum Abgrund nieder, voll grausigem Dunkel.
Furchtbar donnern die Ströme hinunter von bebenden Felsen,
Und es dampfen in Nebel empor die stiebenden Fluthen. (…)

(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)

Otto Bierbaum passiert den Gotthard mit dem Automobil (2)

“(…) An dem berühmten Hospiz fuhren wir ohne Einkehr vorüber, froh, daß es nun im beschleunigten Tempo bergab gehen durfte. Die Bremsen bekamen jetzt scharfe Arbeit, denn das Gefälle nach Norden ist sehr streng. Wir begegneten auf dieser Seite vielen Touristen, während wir auf der Südseite keinen einzigen Rucksack erblickt hatten. Bald erschienen auch Wagen (hinter Andermatt sogar sehr viele), und, was schlimmer war, solche mit Schweizer Kutschern, die es für wichtiger halten, ausgiebig und laut zu schimpfen, statt sich um ihre Pferde zu kümmern. Zum Glück verstanden wir den Sinn ihrer wütenden Expektorationen nicht, da sie urnerdeutsch fluchten, also in einem Dialekt, der dem ans Hochdeutsche gewöhnten Ohre mehr wie eine unbegreifliche Anhäufung von Rachenlauten, denn als eine Abart deutscher Sprache erscheint. Wir beantworteten diese Konglomerate aus Ch-Lauten aufs freundlichste mit dem Gruße: Leben Sie wohl, mein Herr! und gaben uns im übrigen dem Anblick der hier wahrhaft grandiosen Natur hin. So gelangten wir glücklich, ohne irgend ein Pferd des Kantons Uri in ernstliche Verlegenheit gesetzt zu haben, über die Teufelsbrücke und schließlich nach Göschenen. Hier aber ereilte uns unser Geschick. Es hatte die Gestalt eines überlebensgroßen Polizisten, der sich wie ein Turm breitbeinig vor uns aufpflanzte, indem er abwechselnd äußerst laut und mächtig rief: Anhalte! Usschtiege! – Nun bin ich zwar ein Mensch voller Respekt vor der Polizei, zumal, wenn sie in überlebensgroßen Exemplaren auftritt, aber ich lege einigen Wert auf höfliche Behandlung. Und so sagte ich meinesteils: Sehr schön! Aber, bitte, schreien Sie nicht so und erklären Sie mir ruhig und sachlich den Grund Ihrer Aufregung. – Anhalte! Usschtiege! brüllte der Turm. – Wenn Sie so freundlich sein wollen und ruhig die Sachlage betrachten, erwiderte ich mit himmlischer Gelassenheit, so werden Sie unschwer bemerken, daß wir bereits halten, und ich kann Ihnen versichern, daß wir auch aussteigen werden, wenn Sie nur eine Andeutung darüber machen wollten, warum wir hier aussteigen sollen, wo wir keineswegs die Absicht haben, Station zu machen. – Diese längere und wohlgesetzte Rede besänftigte den Riesen von Uri, und er versicherte uns nun, unter deutlichem Ringen nach Höflichkeit, wir hätten nichts von ihm zu befürchten und möchten ihm auf die benachbarte Polizeiwache folgen, wo sich alles schnell schlichten werde. – Meine Frau sah sich schon in Kerkersbanden, Riegel meinte, das Gescheiteste wäre, den Turm umzufahren, ich aber war gerührt von dem Streben des Enaksohnes nach Urbanität und folgte ihm mutigen Schrittes in die Heimstätte der Urner Sicherheitsbehörde (wie meine Frau behauptet, hat es ausgesehen, als würde ein Klippschüler von seinem Lehrer in die Schule geschleppt). Was mir dort eröffnet wurde war dies: Die Polizei von Andermatt hat hierher telegraphiert: “Automobil hier durchgefahren; unmöglich es aufzuhalten” (Aha, dachte ich mir, die Andermatter haben keinen Riesen!) “Stellt es und verfügt nach dem Gesetze.” – Wieso? fragte ich; ist es nicht erlaubt, über den Gotthard zu fahren? – Doch, antwortete der Gewaltige, das ist erlaubt, und es ist auch erlaubt, im Kanton Uri zu fahren. – Na also! – Ja, aber es ist nicht erlaubt, von Andermatt nach Göschenen zu fahren. – Jetzt fängt der Riese an, Witze zu machen, dachte ich mir, denn das sah doch nicht anders, als wie ein Witz aus: Man darf zwar über den Gotthard fahren, muß aber in Andermatt wieder umkehren. Und ich entwickelte diesen Gedankengang ebenso logisch wie bescheiden. Aber weder meine Logik noch meine Bescheidenheit rührte den Mann des bewaffneten Gesetzes. Er sprach, und der Sinn seiner Rede war dies: Das mögen Sie mit dem Kanton Tessin ausmachen, der es erlaubt hat, über den Gotthard zu fahren. Wir in Uri erlauben eben bloß, von Göschenen weiter zu fahren. – Demnach hätte ich, fuhr ich unter andauernder Logik und Bescheidenheit fort, von Andermatt aus, da ja dort keine Eisenbahn ist, ein Ochsengespann mieten und meinen Wagen bis hierher durch die Tiere befördern lassen müssen, deren Kopf das Wappen dieses Freistaates ist? – Das hätten Sie allerdings müssen, antwortete der Turm, der mich selbst sitzend weit überragte, wenn Sie den Gesetzen hätten gehorsam sein wollen. Da Sie es aber nicht getan haben, müssen Sie nach dem Gesetze bestraft werden. – Wieviel kostet es? fragte ich mit schnellem Verständnis. – Zwanzig Fränkli antwortete prompt der Übermensch. – Wie, rief ich, und wegen 20 Fränkli muß ich aussteigen? Das hätten wir doch auch draußen machen können? – Nein, erwiderte der Riese, ich muß Ihnen eine Quittung ausstellen. – Und tats. – Ich empfing meine Quittung, überreichte ihm, zur Einverleibung in das Archiv von Uri, meine Visitenkarte, nahm Stellung, machte kehrt und begab mich in den Wagen, um, so lange wir auf Urner Boden fuhren, Meister Riegel beharrlich zur Langsamkeit zu mahnen, denn diesen Rat hatte mir das riesige Organ der Sicherheit von Uri noch mit auf den Weg gegeben: Schritt fahren, oder in jedem Falle sechs Franken Buße. (…)”

(aus: Otto Julius Bierbaum – Eine empfindsame Reise im Automobil, Berlin 1903. Der gesamte Text der frühen Cabrio-Reise von Berlin nach Sorrent und zurück an den Rhein ist ua im Projekt Gutenberg vorhanden.)

Otto Bierbaum passiert den Gotthard mit dem Automobil

“(…) Der Gotthard war uns als der einzige Schweizer Gebirgspaß bezeichnet worden, dessen Überschreitung mit Motorwagen gestattet sei, und in Bellinzona bestätigte man uns dies mit dem Hinzufügen, diese Erlaubnis sei allerjüngsten Datums, übrigens aber nicht viel wert, weil es sich von selber verbiete. Wenigstens sei ein Herr, des es kürzlich versucht habe, unverrichteter Dinge zurückgekehrt. – Durch solche Erzählungen muß man sich nicht irre machen lassen. Immerhin waren wir, als wir abfuhren, nicht gerade felsenfest überzeugt, daß wir über die 2111 Meter hinüber gelangen würden (…). Aber die Zuversicht siegte, und der Adlerwagen hat sie nicht zuschanden werden lassen. Wir sind um 10 in Bellinzona abgefahren und um 7 in Brunnen angekommen, ohne daß uns der alte Sankt Gotthard auch nur ein einziges Mal Veranlassung gegeben hätte, kleinmütig zu werden; wir haben ihn “glatt genommen”. Allerdings nach der Melodie “Immer langsam voran”, – sonst hätten wir zu 136,4 Kilometer nicht neun Stunden gebraucht. Aber es bleibt für einen einzylindrigen achtpferdigen Motor eine sehr respektable Leistung, einen großen Wagen mit drei Personen und schwerem Gepäck, im ganzen eine Last von 22 Zentnern, über diesen Berg zu schleppen. Bis Airolo geht es ja im allgemeinen ohne allzuscharfe Steigung ab; zwar erhebt sich der Weg von 232 Metern auf 1178 Meter, aber diese Steigung verteilt sich auf 57 Kilometer. Dafür muß dann die Steigung bis zur Paßhöhe, also von 1178 Meter bis zu 2111 Meter innerhalb sechzehn Kilometer genommen werden. Das läßt sich nicht im Galopp machen. Und wenn es sich machen ließe, ich weiß nicht, ob mans täte. Die Fahrt ist so wunderbar schön, daß man durchaus nicht den Wunsch hegt, sie abzukürzen. – Es ist vielleicht die abwechslungsreichste Fahrt gewesen, die wir überhaupt gemacht haben. Sie begann im Bereiche fast südlicher Vegetation in einem üppigen Rebenlande mit Edelkastanien und Feigenbäumen und führte in kahle Höhen, wo noch meterdicke Schichten eisig verhärteten Schnees lagen, senkte sich dann in eine nördliche Gebirgslandschaft mit wunderbaren Nadelholzwäldern und führte schließlich durch das herrliche Seegelände, das die Heimat der Tell-Sage ist. Erst heute haben wir Italien eigentlich verlassen, denn das Land südlich des Gotthards ist italienische Erde, wenn seine italienischen Bewohner auch schweizerische Eidgenossen sind. Doch hat die Zugehörigkeit zur Schweiz in der Tat den Typus etwas verändert. Sie sind schwerfälliger, als ihre Brüder jenseits der rot-weiß-grünen Grenzpfähle. Auch fielen mir die vielen blauen Augen auf, und aus dem Ausdruck dieser Augen, wenn sie unsern Wagen sahen, bildete sich mir das Wort kuhäugiges Erstaunen. Auch war uns auffällig, wie ganz anders sich diese schweizerischen Menschen, die Italiener sowohl wie die Deutschen, unserm Wagen gegenüber verhielten, als alle übrigen Menschen bisher. Wo wir sonst hielten, um Wasser nachzufüllen oder aus sonst einem mit dem Wagen zusammenhängenden Grunde, kamen die Leute von allen Seiten herbei und trachteten, den Motor so nahe und so genau wie möglich anzusehen, wobei sie es nicht unterließen, Fragen an Meister Riegel zu richten, mehr oder weniger lebhaft, je nach dem Temperament. Hier, in der Schweiz, nichts von alledem, obwohl gerade in dieser Gegend Laufwagen noch so gut wie unbekannt sind. Vielleicht, daß sich ein paar ganz junge Leute in fünf, sechs Schritt Entfernung aufstellen und das Ding mit äußerster Befremdung betrachten; das ist aber auch alles. Die anderen gehen mit einem Ausdruck vorüber, als wollten sie sagen: Gottlob, daß wir Enkel des Tell davon entfernt sind, derlei Unfug mitzumachen. Und, fährt man auch noch so langsam durch ein Dorf, stets finden sich einige, die mit Amtsmiene gebieten: Langsam fahren! Es scheint, als ob jeder einzelne sich des Umstandes bewußt wäre, daß es von seiner Stimmabgabe mit abhängt, ob künftig solche Maschinen auf diesem, ihrem Grund und Boden verkehren dürfen. Einen besonderen liebenswürdigen Eindruck macht dies nicht, und es verrät auch nicht übermäßig viel Intelligenz. Wir sollten es aber auch noch ganz direkt erfahren, von welcher Art die Freiheit sein kann, wenn Bauern von ihr schrankenlos Gebrauch machen dürfen. – Vorher ein paar Bemerkungen über die Gotthardstraße. Den Eindruck alter großer Kultur, wie er von der Brennerstraße ausgeht, macht sie nicht. Sie hat ja auch längst nicht deren Alter. Sie ist viel wilder, rauher, und sie erhält in ihren oberen Partien auf dem südlichen Teil noch etwas drohendes durch die Forts, mit denen die Schweiz den Berg gegen Italien befestigt hat. Diese Forts sind nicht etwa malerische Festungsbauten im alten Sinne, sondern höchst typische Erzeugnisse jener modernsten Festungsbaukunst, die mit lauter Faktoren zu rechnen hat, die es ihr geradezu verbieten, malerisch zu sein. Alles ist darauf angelegt, möglichst wenig bemerkt zu werden. Nur daß hie und da eine breite, flache, überaus mächtige Kuppel sichtbar wird, oder in kolossaler Höhe eine wie mit dem Felsen verschmolzene Bastion. Einen wunderlich idyllischen Gegensatz zu diesen ins Gebirge eingelassenen Verteidigungswerken bildete ein Schweizer Gotthardsoldat, der, im vollen Waffenschmuck des Kriegers, Helm auf, Säbel um, dasaß und die Umgebung mit Wasserfarben abmalte. Ein andrer aber, der, wie es schien, dazu befohlen war, verfolgte uns wohl eine halbe Stunde lang, bald vor, bald hinter uns auftauchend, indem er Abkürzungswege benutzte. Im übrigen begegneten wir oben keiner menschlichen Seele, hatten dafür aber Gelegenheit, eine ganze Rindviehprozession über ein Schneefeld zu beobachten. Schnee und Eis gab es überhaupt genug, aber in der Hauptsache nur über den Wasserläufen, nicht mehr auf der Straße selbst. (…)” Fortsetzung folgt.

(aus: Otto Julius Bierbaum – Eine empfindsame Reise im Automobil, Berlin 1903. Der gesamte Text der frühen Cabrio-Reise von Berlin nach Sorrent und zurück an den Rhein ist ua im Projekt Gutenberg vorhanden.)

Aktuell: Rhein-Vierteiler auf ARTE

Auf ARTE läuft seit gestern und noch von heute bis Donnerstag jeweils um 19.30 Uhr erstmals eine vierteilige Dokumentation aus dem vergangenen Jahr über den Rhein. Der erste Teil von Ralf Dilger bot die versprochen hübschen Luftaufnahmen, einige Halbunterwasserbilder und dokutypische Geschichtchen vom Vorder-, Hinter- und Alpenrhein plus ein paar seltenere Informationen. Der Film besitzt seine eigene Website , auf der die DVD zu erwerben ist und die nach einigem Anlaufgeholper zunehmend mit außerfilmischen rheinischen Kuriosa dient, z.B. der Geschichte über den Leuchtturm am Gotthard. Dort geht es auch an der Sedruner Staziun Alpina hinein in den Berg zum jüngst durchstoßenen längsten Eisenbahntunnel der Welt, wir erfahren, daß der für 100 Jahre ausgelegt sei, aber wohl auch 1000 Jahre halten würde, während überall 40°C warmes Gebirgswasser aus den Wänden dringt: das Schwitzen der Berge, ihre Lymfströme, Stein und Wasser, das alte Spiel. Es folgt die Erwähnung von Placidus Speschas „Entdeckungsreisen am Rhein“, ein recht frei stehender Bezug zum touristischen Wiederaufleben der Goldwäscherei bei Disentis, die Sprecherin betont den Ortsnamen auf dem e wie wir auch, bis wir die korrekte lokale (i-betonende) Aussprache vernahmen. Weiter gehts mit einer Gruppe in Neoprenanzüge gekleideter Passagiere der Räthischen Bahn, unterwegs nach Ilanz zum Ruinaulta-Rafting. „Schwarzes Loch“ wird eine dortige Stromschnellenstelle genannt und wir rufen unsere Leser dazu auf, einmal zu zählen, bzw uns davon zu erzählen, wieviele schwarze Löcher der Rhein insgesamt zu bieten hat. Vom Hinterrhein zeigt der Film vornehmlich die Rofflaschlucht. Doris Melchior, die Patronin des dortigen Ausflugslokals, berichtet wie bei Hochwasser das ganze Haus erzittert und führt zu einem bisher geheimen Wasserfall. Den Zusammenfluß bei Reichenau kommentiert Gian Battista von Tscharner, Schloßherr und selbsternannter Hofnarr von Schloß Reichenau: „in ganz Reichenau fließt es“. Der Mann, dessen breiten Rücken wir einst zwischen den Stauden seines Gartens verschwinden sahen, ist auch der erste Winzer am Rhein, die Spezialität unter seinen Rebsorten ist der Spätburgunder, seine Weine seien so dunkel, weil er eine schwarze Seele eigne. Schwarze Löcher, schwarze Seelen, schwarze Weine. Schwärzliche Würste, heißt es in unserm Hörspiel (s. obere Menueleiste). Adlerschwarz. Alpenschwarz. Schwarz ist die Trumpffarbe der alpinen Rheingegenden. Auf den Bodensee zu hält sich der Film bei Werner Wolgensinger auf, einem der wieder zahlreichen Rheinholzer im St. Galler Rheintal. Die Rheinholzer erhielten ähnlich den Goldwäschern zuletzt einige mediale Aufmerksamkeit. Angesichts der technisch eingeleiteten Bodenseemündung fällt schließlich das Wort vom „Kies als eigentlichem Rheingold“, ein hinkender Vergleich, aber besser als gar keiner.

Der Rhein für die gebildeten Stände

Rhein, einer von den Hauptflüssen Deutschlands, der ein schönes, wein- und fruchtreiches Land durchströmt, einen Weg von 190 M. zurücklegt und über 12,200 Flüsse und Bäche dem Oceane zuführt, entspringt in dem helvet. Canton Graubündten aus drei Hauptquellen, welche der vordere, mittlere und hintere Rhein heißen. Der vordere quillt aus dem Gebirge Crispalt, nordöstl. vom Gotthard, und vereinigt sich bei Dissentis mit dem mittlern Rheine, welcher vom Lukmanierberge herabkommt. Diese vereinigten Flüsse vermischen sich bei Reichenau mit dem Hinterrhein, der im Gebirge Adula auf dem Vogelberge aus einem Gletscher sich sammelt und bis Reichenau 20 Stunden weit fließt. Daselbst erhalten diese drei vereinigten Rheinquellen den gemeinschaftlichen Namen Rhein und haben eine Breite von 230 F. In der Gegend von Chur wird er schiffbar; zwischen Rorschach und Fußach stürzt er mit großem Geräusch in den Bodensee, den er zwischen Stiegen und Eschenz wieder verläßt und seinen Lauf nach Schaffhausen und Basel fortsetzt, nachdem er vorher mehre Wasserfälle gebildet hat. Solcher Wasserfälle, vorzugsweise Rheinfälle genannt, gibt es vier: 1) Der Rheinfall, eine Stunde unter Schaffhausen bei den beiden Laufen, wovon das eine (Dorf und Schloß) dicht am Rhein, auf dem Boden des schweizer. Cantons Zürich, und das andere, ein altes Schloß, gegenüber auf einer Insel liegt, ist der bedeutendste und durchaus nicht zu passiren, weshalb die Ladung der Schiffe zur Achse durch Schaffhausen gebracht werden muß und erst unterhalb der Stadt wieder eingeschifft werden kann. Nachdem der Strom ungefähr 500 Schritte oberhalb der beiden Laufen zwischen ungeheuern Felsen, die zum Theil mitten aus seinem Bette hervorragen, eingeengt worden ist, schießt er dann bei immer zunehmendem Abhange in unzähligen Buchten von Fels zu Fels hin und stürzt sich endlich, 80 F. hoch, 300 F. breit, mit einem in der Nähe betäubenden und bei stiller Nacht auf zwei Meilen weit hörbaren Getöse in drei Fällen steil herab, wovon der auf der Südseite, zwischen zwei Felsenpfeilern, der gewaltsamste ist. Die ganze Breite des Sturzes übersieht man aus einem Hause, nicht weit vom Sturze, fast in der Mitte des Flusses, das durch eine Zugbrücke mit dem Ufer verbunden ist; doch kein Bild vermag dieses Schauspiel darzustellen. 2) Der Rheinfall unter Zurzach, bei der Mündung der Wutach, der nur bei hohem Wasserstande die Schiffahrt hindert. Er wird verursacht durch einen quer durch den Strom gehenden Felsendamm, in dessen Mitte eine Lücke sich befindet, durch welche bei niedrigem Wasser die Schiffe passiren. 3) Der Rheinfall bei Laufenburg, der nur in einer Stromschnelle besteht, auf welcher leere Schiffe an Seilen durch Menschen, oft jedoch mit Lebensgefahr, hinuntergelassen werden. 4) Der Rheinfall bei Rheinfelden, der Höllhaken, auch das Gewild genannt. Schon eine Stunde oberhalb Rheinfelden fangen die Felsen im Strome an und streichen bis unter die Brücke dieser Stadt dergestalt fort, daß nur eine schmale Öffnung bleibt, durch welche die Schiffe mit der größten Vorsicht geführt werden müssen.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Einfalte Delineation (4)

Rheinursprung
„Der andere Hof ist das Tawetscher Thal, eine Wildnus. Die ältesten Einwohner allhier hießen Aetuatii. Hier findet man die rudera des Schlosses Pultmenga, item die Nachbarschaften: 1. St. Jakob, 2. Selva, 3. St. Vigili, 4. Cumanils, 5. Cimunt, quasi cima del munt in Rhaetischer Sprach. Das ist der höchste Gipfel des Bergs, trifft auch schier ein, dann hier besteigt man den allerhöchsten Berg, der so zu sagen in der Welt zu finden, und komt man zum Ursprung des vordern Rheins aus dem Berg Crispalta, an welchem auf der einten Seiten Ursulen und der Gotthard, auf der andern Seiten der Berg Bicornus oder die Furken anstosen. Dieser überaus hoche Berg, aus deme der Rhein entspringet, wird sonsten auch genennet Badus. Auf dem Gipfel dieses Bergs ist ein See. Einige beschreiben diesen See groß, so gar dz etwelche in die Welt schreiben dörfen, er sey zwei Meilen lang und eine breit, – als wie Castelberg, Pfarrer in Tavetsch, deme es Escharbotj, französischer Dollmetsch, nachgeschrieben. Andere aber, denen mehr zu glauben und mit dergleichen einem ich auch selbst geredt, beschreiben diesen See klein, allso daß er kaum 1/4 Stund lang und breit in der Circumferenz.
Under diesem See entspringt der Rhein aus einem harten Felsen, formirt sogleich einen schönen Wasserfall und senkt sich mit praßlen und Geräusch eine gewaltige Tiefe hinunder, von welchem Fall in dieser Gegne auch im warmen Sommer ein so kalter rauchender Dampf erreget wird, dz die sich herzunachende selbigen keineswegs vertragen können. Bey bemeltem Berg Crispalta passirt man Sommerszeit über hoche Alpen auf Ursulen.
Auf der andern Seiten dieses Bergs, aus der Furka entspringt der Rhodanus, so Wallis durchströhmet, aus dem Grimsel, so ein Ast der Furka ist, entspringt die Aar, welche durch die Schweiz hinfließt. Allso, daß die Distanz der Quellen dieser drei Hauptflüssen nach geometrischer Ausrechnung nicht über 20 000 Schritt ausragt.
Zwischen der Aar und dem Rhein entspringet aus dem Gotthard auch die Reuß, und gegenüber auf der italiänischen Seiten entspringt der Thesin, item der Aracer, die Madian etc. und nicht weit davon die Muesa. Ist allso dieses fünfspizige Kreuzwerk in der Höche dieses Gebirgs gleichsam ein hydrophilacium, oder Wasserkammer, aus welcher sich viel Haubtflüsse in ganz weit von einander zertheilte Ende der Welt ergießen.“

Nolla
„Der Bach Nolla hat diese Eigenschaft, dz er über Jahr immer trüb komt, mehrentheils Zeit ist er recht schwarz, gleichsam wie Dinten. Das rührt daher, weil oberhalb under Tschoppina ein faul Gebirg ist, von welchem immerhin etwas von blauem Leim und Erden in den Bach reißet. Deßwegen dieses Bachwasser auch von sonderbarer Schwere ist – also dz wann ein starker Mann in diesen Bach fiele, auch wann er klein gehet, und seine Kleider damit benezte, so wäre es ihm ohnmöglich, sich allein ohne Jemands Hilf heraus zu wikeln, weil seine Kleider an ihm nicht anderst sind als wie ein bleyerner Mantel, allso dz er seine Glieder kaum regen kan. Die Proben sind schon mehrmalen gemacht. Dieser Bach wütet zu Zeiten erschreklich und verursachet bisweilen ziemlich Schaden. Von diesem Bach ist auch dieses curieuses zu annottiren, dz er das gemeinlich jederzeit ganz klare oder helle Wasser des hindern Rheins von seiner Vereinigung an bis hinab under der Fürstenauer Zoll Bruk bis an seine Hälfte tingirt, allso dz der hindere Rhein einen guten Strich under Thusis hinab halb weiß und halb schwarz anzusehen, weil sich das schwere, schwarze Nollawasser nicht sogleich durchaus mit dem Rheinwasser vermischet.“

Via Mala
„Vor Zeiten gienge die Landstraß neben Ronggellen den gächen und hohen Berg hinauf bis auf die Höche desselben, und von danen wieder einen weiten Weg hinab bis in die Ebene von Schammß. Vor Jahren aber hat man durch Anwendung vieler Unkosten und Sprengung vieler Felsen die Landstraß durch Viamala, oder das sehr enge rauche gräßliche Felsen Thal hinein gemacht bis in Schamß. Dieses enge Thal hat auf beiden ganz gäche Wolken hoche Felsen neben sich, under sich fließt der Hinderrhein durch eine ungeheure tiefe Kluft hinunter gegen Thusis, da die Felsen an theils Orten zusammen ragen, und beynache an einandern stoßen, dz man nichts vom Rhein sehen mag, an theils Orten machen sie auch eine Oeffnung, dz man in einen entsezlichen abyssum hinunder sehen kan, wie der Rhein mit seinem Anputschen an die enge Felsen einen weisen Schaum zeiget, und einen Wasserstaub von sich wirft. Man kan nicht wohl ohne Grausen und Schwindel durch diese Felsenklüfte hinunder sehen.“

Miss Tschingels Bekannter

W. A. B. Coolidge, eine Neffe der Alpinismus-Pionierin Margret Claudia Brevoort und in jungen Jahren guter Bekannter ihres Beagles Miss Tschingel, welcher beide auf zahlreichen Bergtouren begleitete und dafür die Ehrenmitgliedschaft im britischen Alpine Club zuerkannt bekam, was seinem Frauchen (o tempora, o mores) zeitlebens verwehrt blieb, dieser Coolidge verfaßte, herangereift und aus der Erfahrung seiner tantenbehüteten Gratwanderungen gespeist „The Alps in Nature and History“, darin beschrieben u.a. das sprachlich wie religiös hoch Verwirrende an den Lagen der Dörfer in den Rheinursprungstälern, und, so trocken als irgend möglich, auch die Via Mala, nämlich garnicht sie selbst, sondern die Geschichte ihrer Umgehung: „The San Bernardino (6769 ft.) route, like that of the Splügen, follows the course of the main or Hinter Rhine nearly to its sources, and then turns S. to cross the Alps. Throughout the entire Middle Ages it bore the name of „mons avium,“ „Vogelberg,“ or „Monte Uccello“ (i.e. „the pass of the birds,“ in three languages), and to this day there rises some way to its W. a peak called the Vogelberg, while on the E. the pass is overhung by another point, named the Pizzo Uccello. But some time in the second half of the fifteenth century, this name gave way to the present one, given in honour of San Bernardino of Siena, who had wandered through the N. parts of Lombardy as a missionary preacher and was canonised in 1450 – six years after his death. A chapel on the S. slope of the pass was dedicated to him. It is possible that the left wing of the Frankish army crossed this pass in 590 on its way to attack the Lombards. More certain is that in the winter 941 Willa (wife of Berengar, Marquess of Ivrea), though far advanced in pregnancy, fled across it, to escape from Hugh, king of Italy. Much later, in the winter of 1799, Lecourbe, with a French army, traversed the pass. But no doubt, it, like the Splügen, was kept for long in the background through the difficulties of getting through or round the Via Mala gorge, above Thusis. Probably it served only the traffic between the german-speaking colony at the sources of the Rhine with the Italian bailiwicks held by the Swiss, especially after, in 1496, the Val Mesocco (on its S. slope), came into the hands of the Raetians, who thus had direct access to the St. Gotthard route. In 1818-23 the present fine carriage road was built over the pass, and, like that of the St. Gotthard, lies for its whole length within Swiss territory. Most of the expenses were borne by the king of Sardinia, who wished to secure for himself a road across the Alps, which should not be in the hands of the Habsburgers.“

Von den fliessenden wässern Teütsches lands.

ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.

(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)

Rhein, Düssel, Wahn und Tod: die Persilfrau?

Äußerst rheinbasiert geht es zu in Bernhard Mollers „Historicvm Pro Illvstrissimi Principis“ (Ac Domini, D. Ioannis Guilhelmi Iuliae, Cliuiae Montiumq. Ducis, Marchiae et Rauensburgi Comitis, Domini in Rauenstein, etc. nec non Illvstrissimae Principis Ac Dominae, D. Iacobae Marchionissae Badensis, Comitissae Spanheimen: etc. Ad XVI. mensis Iunii Anno 1585. celebratis nuptiis), seinerzeit verlegt zu Dußeldorpiij – das von der Bayerischen Staatsbiliothek lobenswerterweise digitalisiert und für wissenschaftliche Zwecke zum pdf-Download bereitgestellt wurde. Eine Übertragung ins Deutsche konnte ich bisher nicht finden, der Text deutet, soweit überflogen, auf ein bisher weitgehend übersehenes Zeugnis der Rheinliteratur mit folgendem Beginn:

Rhene Gothardino descendens vertice prodi:
En iterum nostro placidus succure labori.
Tu quoq. Cambyses, Tragico iam carmine plenus,
Nec tamen ad finem laetus ponare seorsim:
Post paucos repetende dies. Non praelia dicam,
Quae contra Dominos populosa rebellio mouit,
Vel Dominos inter disceßio legibus vrsit.
Secretae ferro redeant ad foedera gentes.
Pax animos religet: pax arma releget ad Indos,
Ad Turcas, dederant nondum qui nomina Christo.
(…)

Ein literarischer Kavalierstart in prämotorisierten Zeiten, möchte ich meinen. Nun ja. Räume und Zeiten durchwirken sich, und nehmen sich somit auch vorweg. Götter haben mit ihren Zehennägeln Flußrinnen in die, auf ihren langen Reisen durchs Universum als Jausenstation vorgefundene, Erde geritzt, dann nachlässig ihre Spuren verwischt, ohnehin diesen genuinen Geruch von Göttlichkeit hinterlassen, der sich eben nicht so schnell verzieht. Genauso, wie sie sich vorwegnehmen, schleichen Betrachtensweisen, Methoden und Maßnahmen aber auch sich selbst hinterher, jeder Gewinn an Geschwindigkeit etwa fordert einen Ausgleichsverlust an Wahrnehmungskapazität. Moller langt mit seinem frühgewonnenem, jugendlich frisch durch Geografie und Weltgeschichte katapultierenden Alpenschwung bereits auf Seite 3 bei des Rheines Vermählung mit der Düssel an und somit in der Gegend seines bewidmeten Fürstenpaares (Jahre bevor Jakobe im Düsseldorfer Schloßturm mysteriös ums Leben kam und Jahrhunderte später womöglich als Vorbild für die weiße Persilfrau diente):

(…) subito Rheni subit arua volatu
Pone Diana subit paucis comitata puellis:
Venatu ripas Rheni vestigat vtrasq.
Foecundas Lucina faceis, ceu pronuba gestat
Quid? solito citius se dedunt flumina Rheno?
Miror, qua gelidus se Rheno Dussela nubit,
Dat nitidum castro nomen quoq. Principis vrbi,
Siue latus Rheni dextrum, seu specto sinistrum:
Mista venit Sigenis Agro: venit Eruetis orbe
Nata peregrino: iunctis venit edita syluis
Duna: venit reliquis neq. Dussela tardior vndis.
Omnia concurrunt glomerato flumina nexu;
Nexu circumeunt venerabilis oscula Rheni.
(…)