Presserückschau (September/Oktober/November 2017)

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Etwas ganz Seltsames
“Eigentlich dürften wir den Rhein (…) natürlich nicht zu den Errungenschaften des Abendlandes zählen. Wenn, dann müsste es sich umgekehrt verhalten, denn er ist ja viel älter als dieses. Sucht man nach seinem Ursprung (was übrigens eine original abendländische Vorgehensweise ist), dann landet man im Oligozän, einem eher unromantischen und völlig menschenleeren Zeitalter vor etwa 30 Millionen Jahren. Der Rheingraben entstand damals als Randprozess brutaler Erdplattenverschiebungen, ein Faltenwurf auf dem Grund des Tethysmeers. All das klingt so bizarr, als würde es auf dem Jupiter spielen, und wirklich sind Flüsse, nüchtern betrachtet, etwas ganz Seltsames, das sich schwer festhalten oder (wie wir das im Abendland nennen) definieren lässt: Massen von Wassermolekülen, die sich linienförmig über mineralische Oberflächen hinwegbewegen und dabei, obwohl sich ihre Elemente permanent austauschen, etwas mit sich selbst Identisches bilden, das über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende hinweg besteht und mit einem Namen anrufbar ist, als wäre es ein lebendiger Mensch.” (Die Welt)

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Wasserfontänen
“Jubilare müssen zusammenhalten. Und zusammen feiern. Dieser Devise folgt der Chempark Dormagen. Das Werk am Rhein feiert in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen, die Rheinschifffahrt bei Monheim mit dem Piwipper Böötchen sogar ihr 800-jähriges. Zum Festakt (…) an der Monheimer Fähranlegestelle will die die Werksfeuerwehr einen ganz besonderen Geburtstagsgruß übersenden: Die Kanonen auf ihrem Löschboot werden gigantische Wasserfontänen in die Luft schießen. Bis zu 8000 Liter pro Minute können sie auswerfen, ein beeindruckendes Schauspiel.” (Rheinische Post)

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Ryybutzete
“Über 200 Helfer tragen im und am Wasser dazu bei, dass der Rhein wieder ein grosses Stück sauberer wird. Dass dabei nicht nur der üblichen Müll der ungezogenen Sommergäste des Affenfelsens “auftaucht”, sondern auch zahlreiche kuriose, teils unerklärbare Objekte, geborgen werden, macht die Sache nicht weniger ernst, aber führt immer wieder auch zum Schmunzeln. (…) Bereits am frühen Morgen wurde heute ein vier Meter langer Stahlträger aus der Kleinbasler Rheinseite gehoben (…). Der hat wohl den Seegang auf einem Frachtschiff nicht gut überstanden. In den vergangenen Jahren kam auch einmal ein Kupferkessel voller römischer Sesterzen zum Vorschein. In Anbetracht dessen, dass die Römer nun schon einige Jahre nicht mehr in unserer Region verweilen, ein durchaus merkwürdiger Fund. Das grösste Aufsehen verursachte jedoch eine Tauchergruppe flussaufwärts in Birsfelden. Die fanden doch tatsächlich einen Kleinwagen – wohl auch ein Frachtschiff-Ausreisser.” (Barfi)

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Aliens
“Wie die Wollhandkrabbe sind heute 95 Prozent der größeren wirbellosen Fluss-Tiere des Rheins Einwanderer. Sie stammen ursprünglich aus unterschiedlichen Regionen wie dem Schwarzen Meer, Nordamerika oder Ostasien, von wo sie meist per Schiff in den Rhein gelangten. (…) Die Engländer nennen sie »Aliens« (…) – und für manche heimische Art waren die Neuankömmlinge ähnlich vernichtend wie die Weltraummonster. So haben amerikanische Flusskrebse die europäischen Arten zur Strecke gebracht, weil sie eine gefährliche Krankheit, die Krebspest, mitbrachten, gegen die die heimischen Tiere nicht gewappnet waren. Der Große Höckerflohkrebs kommt aus dem Donaudelta und frisst nun kleinere Arten im Rhein weg.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Gemälde aus Duisburg
“Die neue Ausstellung des Künstlers Michael Vogt in der Galerie Liestmann zeigt „Fluss- und Hafenbilder“. Den Rhein malt Vogt gerne in Duisburg. (…) Seine Gemälde, die den Rhein und den Duisburger Hafen zum Thema haben, sind in der Galerie Liestmann noch bis Anfang Januar zu sehen. (…) In der Galerie sind bekannte Motive wie Deichlandschaften, die Homberger Rheinbrücke, Hafenansichten und der Rhein bei Wittlaer zu sehen. Vogt malt vor Ort, setzt sich an den Rhein oder sucht sich den passenden Platz im Duisburger Hafen. Für die dort angefertigten Bilder finden schnell trocknende Farben Verwendung, großformatige Landschaftsbilder malt Vogt mit Ölfarben.” (WAZ)

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Kostümierte Schwimmer
“Da staunten Spaziergänger, als sie kostümierte Schwimmer im Rhein an sich vorbeiziehen sahen: Dazu eingeladen hatte der “Deutsche Unterwasserclub Köln” (DUC Köln). Die Schwimmer starteten an den Poller Wiesen und waren rund eine Stunde lang stromabwärts nach Merkenich unterwegs. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch, da Schwimmen im Rhein eigentlich verboten ist. Der DUC hatte eigens ein gesondertes Sicherheitskonzept entwickelt. Die Schwimmer trugen alle Neoprenanzüge, eine Marke, Schnorchel und Flossen. Die Wasserschutzpolizei begleitete und umkreiste die Schwimmer mit vielen Booten.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rhein im Rhein
“Die Dienstzeit der 1852 bei der Maschinenbau-Gesellschaft Emil Keßler in Karlsruhe gebauten Dampflokomotive RHEIN hatte noch gar nicht begonnen, da versank sie für nunmehr 165 Jahre bei Germersheim in den Fluten des Rheins. Als sie mit einem Segelboot über den Rhein von Karlsruhe bis Deutz transportiert werden sollte, geriet dieses in einen Sturm – die Lokomotive rutschte von der Ladefläche, und so gilt sie bis heute als verloren. Ein Forscherteam hat sich nun aufgemacht, die wohl älteste erhaltene Dampflokomotive Deutschlands wiederzufinden und hoffentlich auch bald bergen zu lassen. 2012 gelang es ihnen, den genauen Unfallort der Lokomotive mit Hilfe modernster Messtechnologien zu lokalisieren. Prof. Dr. Bernhard Forkmann, Mitautor des Buches “Lok im Rhein”, gewährt in seinem Vortrag Einblicke in die langwierige Suchaktion und die neusten Forschungsergebnisse zur Lokomotive RHEIN.” (Lok Report)

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Sanaziun cumpletta
“La renovaziun totala dals implants da las ovras electricas Hinterrhein SA è terminada. Dapi la fin d’avust èn tut ils implants puspè en funcziun ed ils custs da 300 milliuns francs èn tegnids en, uschia communitgeschan las ovras electricas Rain posteriur. Gia il 2005 han ils responsabels fatg ponderaziuns davart ina sanaziun cumpletta, il 2011 han cumenzà las emprimas lavurs. En tut eran radund 50 interpresas participadas vid il project. Dal temp cun la pli auta activitad da lavur han radund 300 persunas lavurà il medem mument vid la renovaziun.” (RTR)

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Rheinunterquerung
“Auf sieben Brücken kann man in Köln den Rhein überqueren – unterqueren kann man ihn nur an einer Stelle. Rund fünf Meter unter der Rheinsohle befindet sich ein begehbarer Tunnel (…). Zwei große Stahltüren mit mehreren Riegeln muss der Mitarbeiter der Rhein-Energie öffnen, um den Weg ins unterirdische Köln freizugeben. Es geht zu einem hochmodernen Bauwerk unter dem Rhein, der genau an Kilometer 688,6 untertunnelt ist. Der 461 Meter lange Fernwärmetunnel beginnt auf Höhe der Messe, nahe der Hohenzollernbrücke und führt auf direktem Weg auf die andere Seite unter den Musical-Dome.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Bücher als Schlüssel
“Jemanden in der Schule zu erleben, der sechs Sprachen beherrscht, das ist beeindruckend. Und dann noch jemanden zu erleben, dessen Leben in einer slumähnlichen Vorstadt von Lyon begonnen hat und der jetzt Romanautor ist und ehemaliger französischer Minister war, das ist dann richtig beeindruckend. Und so fielen dann auch die Bewertungen von Schülerinnen und Schülern der Graf-Anton-Günther Schule aus, in deren Forum Azous Begag kürzlich zu Gast war, um über sich, seine Bücher und sein Leben zu erzählen. In seinem Leben habe es eine erstaunliche Entwicklung gegeben. Und dafür seien Bücher der Schlüssel gewesen und natürlich die Möglichkeit, sich in so vielen Sprachen verständigen zu können. Sprache wird hier als Schlüssel für den sozialen Aufstieg deutlich, aber auch als Schlüssel für Integration in eine fremde Kultur. „Witzig und locker drauf“ sei er gewesen, meinten zwei Schülerinnen, und das macht wohl auch seinen Erfolg aus, wenn er auch vielleicht etwas zu wenig an seinem für das Abitur in Französisch wichtige Roman „Et tranquille, coule le Rhin“ orientiert hat.” (Nordwestzeitung)

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Rheinspange
“Wenn irgendwo im Land NRW ein neues Stück Straße eröffnet wird, bleibt selten der Hinweis auf die lange Planungsdauer aus. Oft sind 20 Jahre, 30 Jahre, gar 40 Jahre vergangen. Das soll sich ändern – ausgerechnet beim größten Neubauprojekt, das seit Jahrzehnten in der Region ansteht. Die Rede ist von der Rheinquerung, die nun offiziell „Rheinspange“ heißt und als neue Autobahn die A 59 bei Spich mit der A 555 bei Godorf verbinden soll. Die Beteiligung der Öffentlichkeit begann (…), ohne dass die Planer auch nur eine Skizze vorweisen konnten. Genau das ist der neue Ansatz, den das Landesverkehrsministerium und der Landesbetrieb Straßen NRW erstmalig verfolgen: erst reden, dann planen.” (General-Anzeiger)

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Alleinstellungsmerkmal Maislabyrinth
“Aus einer ursprünglich dünnen Tagesordnung ergab sich im Dalheimer Gemeinderat eine grundsätzliche Debatte darüber, wie sich die Gemeinde künftig in Sachen Tourismus ausrichten soll. Vor einem Jahr hatte man, zunächst für zwölf Monate auf Probe, den Beitritt zum Verein Rhein-Selz Tourismus beschlossen. Nun schob Ortsbürgermeister Willhard Leib (FWG) nachträglich die Diskussion über die Fortsetzung der Mitgliedschaft in den Sitzungsplan. Die Mitgliedschaft kostet 50 Cent pro Einwohner, im Falle Dalheims also rund 500 Euro. Dass dafür eine hinreichende Gegenleistung erbracht wird, war im Rat umstritten. Außer dem Maislabyrinth habe man, so Gertrud Henning (BfD), eigentlich wenig zu bieten. „Ich kann den Nutzen für Dalheim nicht erkennen, 500 Euro auszugeben, um einen Hochglanz-Flyer für die Rheinfront zu finanzieren“, hielt René Muth (CDU) fest. Da die Gemeinde nicht allzu solvent sei, tue dieser Betrag bereits weh. „Unser Angebot ist nicht überreich“, stieß der Erste Beigeordnete Engelbert Sauter (CDU) zunächst ins selbe Horn, verwies dann aber neben dem „Alleinstellungsmerkmal“ Maislabyrinth auch auf die Weinbergsrundfahrten, das für den gesamten Landkreis bedeutsame Germania-Denkmal sowie den Multifunktionsplatz. Das alles über die Gemeindegrenzen hinaus zu bewerben, könne durchaus nützlich sein.” (Allgemeine Zeitung)

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Little Britain
“Viele Wanderer im Kasbachtal in der Nähe von Koblenz sind verblüfft. Aus heiterem Himmel kommen sie an roten Telefonzellen, einer lebensgroßen Queen-Figur, einer vollbusigen Hexe mit Wildschweinen an der Leine und einem britischen 52-Tonnen-Panzer vorbei. Das spleenige Privatgelände “Little Britain” in Linz am Rhein, hat schon Landtag und Innenministerium von Rheinland-Pfalz beschäftigt. Nachbarn sind erbost.(…) Der nach Deutschland eingewanderte Brite Gary Blackburn (…) ist 2016 “not amused” bei der Brexit-Entscheidung in seiner Heimat. Als Antwort darauf beginnt er, sein kleines kostenloses Freilichtmuseum auf seinem Betriebsgelände an einem Wanderweg zum Rheinsteig aufzubauen. Die Hütte des legendären Räubers Robin Hood, Palast-Wachsoldaten, ein roter Briefkasten, Ritterrüstungen und alte englische Autos zeugen vom britisch-skurrilen Humor des 53-jährigen Baumchirurgen aus dem Hinterland.” (T-Online)

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R3
“Der Rheinhafen Lauterbourg ist mit einem etwa 40 Hektar großem Gewerbegebiet und neuen Hafenanlagen Standort der neuen trimodalen Logistikplattform R3FLEX des Straßburger Hafens. (…) Diese Investition trägt der steigenden Nachfrage vor allem durch den wachsenden Containerverkehr am Standort Straßburg Rechnung. (…) Am Oberrhein gilt die Erweiterung des Lauterbourger Hafens als eine der letzten Möglichkeiten zum Ausbau von Arealen am Rheinufer. 40 Stunden Schifffahrt von Rotterdam und Antwerpen entfernt haben sich bereits Unternehmen wie Dow Chemicals France, Comptoir Agricole de Hochfelden, Béton Fehr oder auch Eiffage Métal in Lauterbourg angesiedelt. (…) Die Marke R3FLEX unterstreicht durch ihre Namensgebung und die Abkürzung R3 (Rhine, Rail, Road) die Multimodalität des Hafenareals durch die parallele Anbindung an Rhein, Schiene und Straße.” (Pressebox)

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Tender Rhein
“Fünf Monate ist der Tender “Rhein” im Mittelmeer vor der libyschen Küste im Einsatz gewesen – um Menschen zu retten und Schleuserkriminalität zu bekämpfen. (…) 25.000 Seemeilen legte das Schiff während seiner Mission zurück – das entspricht einer Erdumrundung. Die “Rhein” war Teil der humanitären Operation “Sophia”. Die 67-köpfige Besatzung der “Rhein” rettete 2.100 Menschen aus dem Mittelmeer. (…) Die Deutsche Marine hat mit ihren Schiffen in den vergangenen zwei Jahren nach eigenen Angaben mehr als 22.000 Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet.” (NDR)

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Maghrebiner am Rhein
“Maghrebiner stellten römische Kaiser, frühchristliche Denker und waren Wegbereiter eines Wissenstransfers, an dessen Ende die Zeit der Aufklärung in Europa stand. Die scheinbar zusammenhangslos ausgewählten Exponate der Ausstellung (Anm.: „Drucke und Handschriften aus fünf Jahrhunderten. Die Sammlung der Gesellschaft für Kultur und Wissenschaft des Maghreb” im Romaneum zu Neuss) – wertvolle alte Handschriften und Drucke, in lateinischer, deutscher, französischer und arabischer Sprache – stehen in einem großen Sinnzusammenhang: Sie spiegeln den offenen und durchlässigen Kulturraum Maghreb wider, der vermeintlich fremde Elemente absorbierte und dabei in der Lage war, sich selbst neu zu erfinden. Auch in Neuss hat der Maghreb Spuren hinterlassen: Vor fast 2.000 Jahren errichten die ersten Maghrebiner die Erftmündung am Rhein. Die Ala Afrorum, eine ursprünglich aus Nordafrikanern aufgestellte römische Kavallerieeinheit, war Ende des 1. Jahrhunderts im römischen Novaesium stationiert und hatte ihre Wurzeln in Africa proconsularis, dem heutigen Algerien, Tunesien und Libyen.” (neuss.de)

17
Archäologische Sensation
“Eine 9,7 Millionen Jahre alte Entdeckung sorgt für Kopfzerbrechen bei deutschen Wissenschaftlern. (…) Wie das Mainzer Naturhistorische Museum (…) mitgeteilt hat, entdeckten ein Team deutscher Archäologen im ehemaligen Flussbett des Rheins ein rätselhaftes Gebiss. Die Zähne scheinen keiner in Europa oder Asien entdeckten Art zu gehören. Sie ähneln am ehesten denen der frühen Homininskelette von Lucy (Australopithecus afarensis) und Ardi (Ardipithecus ramidus), die in Äthiopien entdeckt wurden. Doch der neue Fund aus Eppelsheim bei Mainz ist mindestens vier Millionen Jahre älter als die afrikanischen Skelette. Diese Tatsache irritierte die deutschen Wissenschaftler dermaßen, dass sie die Veröffentlichung des Fundes zunächst für ein Jahr zurückhielten.” (RT Deutsch)

18
Notlandung
“Es hätte ein kurzer Rundflug zur Loreley werden sollen – und wurde ein ziemliches Abenteuer. Ein vom Flughafen in Finthen gestartetes Klein-Flugzeug mit drei Insassen ist (…) aufgrund eines Defekts auf dem Rhein bei St. Goar notgelandet.” (Allgemeine Zeitung)

19
Irre Verfolgungsjagd
“Auf der Flucht vor der Polizei ist ein 24 Jahre alter Mann in den Rhein gesprungen, um von Frankreich nach Deutschland zu schwimmen. Während ihm ein französischer Polizist in der Dunkelheit nachschwamm, verfolgte ihn ein zweiter Beamter mit einem Kanu, das er am Ufer entdeckt hatte (…). Als die Kräfte des 24-Jährigen nachließen, fasste ihn ein Beamter und brachte ihn auf deutscher Seite bei Weil am Rhein ans Ufer. Dort wurde der unterkühlte Mann vom Notarzt versorgt und danach in eine Klinik nach Frankreich gebracht.” (Berliner Kurier)

20
Jamaika am Rhein
“Am Bonner Hauptbahnhof haben sie das Schild „Bundesstadt Bonn“ durch eines ersetzt, auf dem „Stadt der Vereinten Nationen“ steht. Das bringt mehr fürs Bonner Selbstbewusstsein. Im November findet am Rhein der Klimagipfel statt. Danach aber wäre es höchste Zeit, wieder mal ein neues Schild anzubringen: „Bonn – Hauptstadt von Jamaika“. Wenn im 600 Kilometer entfernten Berlin wirklich eine Koalition aus Union, FDP und Grünen zustande kommt, hat das viel mit der alten Hauptstadt am Rhein zu tun. In der saturierten Bürger- und Studentenstadt haben alle drei Jamaika-Parteien ihre gefestigten Milieus: Grüne und FDP sammelten bei der Bundestagswahl 16 und 14 Prozent der Zweitstimmen, für die CDU blieben da noch 30 Prozent. Im Bonner Rathaus regiert seit 2014 eine Jamaika-Koalition, die ein schwarz-grünes Bündnis ersetzt hat.” (Neue Presse)

21
Rheintote
“Nachdem Ende August Arbeiter im Rhein Teile einer verstorbenen Person gefunden haben, ist die Identität der Toten nun mithilfe eines DNA-Vergleichs geklärt. Die Arbeiter hatten die Leichenteile bei Baggerarbeiten im Rhein bei Rees gefunden.
Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich bei der Frau um eine 72-jährige, in Köln geborene Frau. Die Seniorin war am am 22. Dezember 2016 aus einem Krankenhaus in Dormagen verschwunden war und galt seitdem als vermisst.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Joggerin hat (…) eine Person entdeckt, die im Rhein trieb. Sie löste einen Großalarm aus, bei dem auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam. Doch jede Hilfe kam zu spät. Um 7.35 Uhr habe die Joggerin eine leblose Person im Rhein entdeckt, als sie über die Theodor-Heuss-Brücke lief. Am linken Rheinufer treibe ein Körper im Wasser. Wenig später sei sie aus einem Polizeihubschrauber heraus lokalisiert worden. In Höhe der Rotterdamer Straße sei die Leiche dann auf der linksrheinischen Seite von Feuerwehrleuten in Spezialanzügen aus dem Wasser gezogen worden. Es handelte sich um einen 66-Jährigen aus Düsseldorf. “Er war bekleidet und hatte einen Ausweis dabei”, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Ein Notarzt habe dann um 8.20 Uhr versuchte, den Mann wiederzubeleben. Doch der Arzt konnte nur noch dessen Tod feststellen.” (NRZ)

“Die 91-Jährige Senioren aus Rheinberg, die (…) vermisst wurde, ist (…) im Rhein tot aufgefunden worden. (…) Die Leiche wurde im Rhein bei Ossenberg gefunden. Angaben zur Todesursache konnte die Polizei (…) noch nicht machen. Die Polizei hatte (…) unter anderem mit einem Hubschrauber nach ihr gesucht.” (NRZ)

“Duisburg. Ein Arbeiter (43) ist (…) auf dem Gelände der Hüttenwerke Krupp Mannesmann mit einem Minibagger in den Rhein gestürzt. Zunächst fehlte jede Spur von dem Mann, jetzt ist er tot geborgen worden. Wie die Polizei berichtet sei der Arbeiter der Firma „Buss Imperial“ ins Hafenbecken gestürzt.” (Der Westen)

Loreley im Regen und Deutsches Eck bei Nacht

Petersberg, Drachenfels,
Rolandseck und Oberwinter,
gegenüber Unkel.
Belgisches Frachtschiff “Pecunia”
flußaufwärts nördlich von Remagen, um 16 Uhr 40.
Bad Breisig rast vorbei (IC 2027).
Bei Strom-km 618 ein grauer
Hanomag-Trecker mit roten Rädern.
Namedy ca. zehn vor fünf. Roter
Barth-Traktor auf der Bundesstraße.
“Hotel Leyscher Hof” in weißen Großlettern
an die Uferbefestigung von Leutesdorf gepinselt.
Turm und Kirche von Andernach lassen sich
soeben erblicken, eh ein Güterzug
auf dem Gleis der Gegenrichtung
dazwischeneilt.
Weizen vor der Stadt Weißenthurm.
RWE-Kraftwerksturm, davor winzig wirkende Bagger.
In die Luft ragende Sand- und Kies-Verarbeitungsbänder
und Sand- und Kiesberge. Gemüsefelder,
gelbe Gleisreparaturfahrzeuge.
In Koblenz Hbf umgestiegen in den
RE 4298, Abfahrt 17 Uhr 26, Dieselzug, der nur sonntags fährt,
via Bingen mit Endhalt in Karlsruhe.
Schlösser am Hang,
Kirchen auf Hügeln,
Burgen auf Hügeln
(In den Tagen des Raubrittertums
mussten die Mädchen um ihre Unschuld fürchten,
umso mehr achteten darauf die Kirchen).
Rhensersprudel. Marksburg mit 3 Schornsteinen dahinter
(Blei- und Silberhütte Braubach).
Stromversorgung von Hausdach zu Hausdach.
Grüne Weinberge,
grüne Hügel,
angegrauter Himmel.
Km 574, der Rhein kurvt
südwärts nach links.
Dann Windräder auf Höhen,
eine Seilbahn am Hang,
kurz vor Boppard, genannt die Perle am Rhein.
“Bitte den Türbereich freigeben, damit wir abfahren können.”
“Einsteigen, bitte!”
“Sehr geehrte Fahrgäste, aufgrund von Kundenverhalten wird
sich unsere Abfahrt verzögern. Wir bitten, dies zu entschuldigen.”
Vor Stadtmauerresten die Bopparder Stadthalle. Tennisclub Rot-weiß.
Rechtsrheinisch ggü. weißgetüncht auf Ufermauer “Hotel/ Cafe Rheinkönig”.
Im Blickbereich Strom-km 567 zwei Burgen auf zwei Hügeln rechtsrheinisch.
Minuten später die Burgen Katz und Maus und Rheinfels.

Ausstieg in St. Goar.
Letzte Rückfahrmöglichkeit nach Koblenz um 00 Uhr 40.
Kurz vor 18 Uhr kreist ein ADAC-Hubschrauber
über St. Goarshausen, landet vor der Kirche.
Außengastronomiegäste in St. Goar filmen es mit ihren Smartphones.
Eine Mutter, ihr Kleines auf dem Arm, erklärt,
was ein Hubschrauber ist.
Der Schaufelraddampfer Goethe, 2013 Hundert Jahre
geworden, legt linksrheinisch an.
Beim Ablegen echoschallt
der schwere Schiffshornton vom Berg über
der Kirche St. Goarshausens wieder.
Vier ergraute ZZ Top-Fans.
“…Sitzplatzkarte übern Comjuter. Dat is jar nich’ jut. Ich hab’n
neues Hüftjelenk und muß mich viel bewegen.”
Drüben hebt der Hubschrauber ab, landet
wenige hundert Meter nördlich auf einer Wiese.
Die Goethe hat auf dem Rhein gedreht und
legt nun auch in St. Goarshausen ab.
Mit der Fähre Loreley VI übergesetzt, wobei man ein
rotes Armband bekommt als Nachweis, dass
die Rückfahrt bereits bezahlt ist (zus. 3,60 €).
Nach der Überfahrt einen vor einem Cafe sitzenden
Herrn gefragt, was los gewesen sei – Hubschrauber.
“Do is aner kollabiert, an der Fähr’.
Wor abä net so schlimm.”
Buslinie 535 Shuttlebus Loreley, wobei man ein zweites,
blaues Armband erhält, zum Nachweis, dass die Rückfahrt
bezahlt ist (in summa 5,50 €).
In den Berg rauf, vorbei an Hermannsmühle, Wasserwerk St. Goar,
ein Schild kündet vom kühlen Grunde.
Zwei Polizeikontrollen, 2 x 2 Streifenwagen, lässig stehen
ältere Beamte und eine Beamtin in der Landschaft.
Schon Western-mäßig.
Oben erstmal zu Fuß zur Felsspitze.
Bei Strom-km 554.
193,14 Meter über Normalnull und
125 Meter über dem Rhein, laut Schild.
Exotisches findet sich vor dem Eingang zur Freilichtbühne:
“Jeju Dolharbang”, von der Stadt Jeju in Korea (wohl Süd-?), welche der
“Region Loreley”, so der Gedenkstein, das “Kultursymbol”
“Dolharbang” schenkt, am 28.11.2009,
zwei steinerne Figuren, ein “Paar” aus
Zivilbeamten und “Militäroffizier”, die
zusammen die “Funktion eines Schutzgottes” hätten,
“der ein Dorf bewacht”. Unterzeichnet vom Bürgermeister in Jeju.
Die Figuren sind auch auf den zweiten Blick identisch.
Zu einem dritten bleibt keine Zeit,
da auf der Bühne Status Quo ihren Auftritt beginnen.
Also rein, um meinen Eindruck von vor 31 Jahren zu überprüfen.
Schon 1986 wippte ich, sechzehnjährig, mit, weil das
bei ihrer Art von Rock`n`Roll kaum zu vermeiden ist,
blieb aber eher beeindruckungsfrei. Ich respektiere sie.
Viele verehren sie.
Mit “Rockin’ all over the world” macht man auch alles richtig.
Gestandene Männer mit grauen Haaren und Halbglatze spielen
beseelt Luftgitarre.
Die jüngere Generation leicht in der Unterzahl.
Eher vereinzelt Mobiltelephone über die Köpfe gereckt
zwecks Videodokumentation.
Smartphonefilmen scheint eine Erinnerungstechnik
der Jüngeren zu sein, bis etwa Mitte 40.
Nicht, dass die Älteren keine Smartphones hätten, der Unterschied:
sie bleiben eher in der Tasche.
Mein Anwesenheitsgrund beginnt
staubtrocken
mit
“She got me under pressure,
she got me under preeesure”.
SWR 1 überträgt / zeichnet auf.
Mehrfach fallen mir dunkelhäutige Damen in
den T-Shirts des texanischen Trios auf.
ZZ Top spielen 12 Songs,
bis es weiter südlich überm Rheintal heftig blitzt.
Natürlich dabei “Gimme all your lovin’”
und “I’m bad, I’m nationwide”.
Irgendwann singt Billy F. Gibbons
“I’m shufflin` in Texas sand, but my head`s in Mississippi
on Loreley”
Gitarrentechniker Elwood Francis kommt als Gastmusiker
mit steel guitar auf die Bühne zu einem Song,
den Gibbons als “real country” ankündigt und als
“back to the real USA”.
(Nach Januar 2017 bedarf das kaum weiterer Worte.
Gerade ja auch wertkonservative Republikaner
hadern mit der Personalie der aktuellen Präsidentschaft.)
Bei “Sharp dressed man”,
es sind um die 15 Songs nun,
rücken die Blitze bedenklich näher.
“Legs” (“She’s my baby, she’s my baaaby”),
mit jeweils in weißen Plüsch gekleideten Bass- und Gitarrenkorpus
geht noch. Dann verschwinden die Musiker hinter
der Bühne, was als das übliche Ritual zwischen Gig und Zugabe
interpretiert werden kann.
Die Light Show imitiert sinnig das Wetterleuchten.
Die meisten wollen more,
nicht wenige strömen ob des einsetzenden Regens zum Ausgang.
Die Zugabe ist, natürlich, “La Grange”.
Allein dafür hat sich die Reise gelohnt.
Die Musiker kommen nicht dazu, sich zu verabschieden.
“Danke, ZZ Top. Sie hätten gern noch mehr gespielt.
Räumt jetzt bitte das Festivalgelände. Es kommt ein bißchen was.
Geht in Eure Fahrzeuge. Es geht um Eure Sicherheit.”
Wer nun automobil- bzw. wohnmobilfrei ist,
hätte gut daran getan, Schirme oder Regenzeug mitzubringen.
Die Schlangen vor den Shuttlebussen triefend nass.
Einer will mir meinen Taschenschirm (dm-Standard) abkaufen.
Für einen mittleren zweistelligen Betrag,
Freundlich lehne ich ab.
Letztlich verläuft alles geordnet.
Da ich Zeit habe (die Anschlusszüge nach Wuppertal
gehen erst morgen früh und ich bin auf eine Nachtwanderung
am Koblenzer Rheinufer eingerichtet),
erstmal raus aus der triefenden Menge.
In der Nähe untergestellt.
Eine auf freundliche Weise alkoholisierte Besuchergruppe
mit deren Smartphone fotografiert.
Einem gut abgefüllten Altrocker mit grauer Mähne
und Rauschebart war aufzuhelfen – er ist mit einer
Bierbank umgekippt.
Einige fliehen in eine Art Almhütte mit Ausschank,
der ob des Ansturms das Bier ausgeht.
Ein Tisch gröhlt los: “Wir lagen vor Madagaskar…”,
ein anderer Tisch stimmt lautstark ein.
Maßkrüge donnern auf Holz.
In die vermutlich viertletzte Shuttlebusfahrt
springe ich gerade noch, bekomme auch
die Fähre nach St. Goar.
Bei Regen nachts übern Fluss gesetzt.
Die Fährleute gelassen:
“Schiebt e bißchen. Mir wolle los.”

Den letzten Zug nach Norden bekommen.
Nachts um halb drei am Deutschen Eck
im Regen und das freiwillig.
Poetischer Reichtum.
Die wahre 1%-Gesellschaft.

(Ein Berichtgedicht von GrIngo Lahr vom 09. Juli 2017, exklusiv für rheinsein.)

Wispertal und Loreley

“Adelheid war die liebenswürdigste Wirtin, die Gäste in der besten Laune, und so fragt sich’s, ob die Kammermühle im Wisperthal je wieder eine fröhlichere, poetischere Gesellschaft unter ihrem Dache beherbergt hat. Aber der Abend sollte allem erst noch die Krone aufsetzen. Von Lorch aus fuhr die Gesellschaft, der sich auch Adelheid angeschlossen, im Nachen stromunter. Es war einer der heißesten Tage dieses heißen Sommers gewesen, und nun sank die Sonne in einem Glutmeer von unbeschreiblicher Pracht. Himmel, Berg und Strom, der Nachen und die Menschen drin, die Tropfen, die von den Hudern fielen, alles war eitel Purpur; dahin glitt der Kahn durch die goldne Herrlichkeit, und in andachtsvoller Stille schauten alle hinein. Dann aber machte sich die Begeisterung in lautem Jubel und Gesang Luft. Die Dichter wurden aufgefordert, zu Ehren des unvergleichlichen Abends etwas zu improvisieren und diesem Wunsche wurde auch bereitwillig entsprochen, und Longfellow begann, worauf F. fortfuhr: Die Gläser klangen, und „hoch, hoch!” tönte es von der Lurlei nieder, deren riesige schwarze Masse jetzt über dem kleinen Boote ragte, und da die goldige Beleuchtung längst erloschen war und der mächtige Fels einen unheimlichen Schatten auf den Strom warf, so ergriff es manch zaghaftes Herz im Boote, wenn auch nicht mit „wildem Weh,” so doch mit stillen Grauen. Fest hielt Frau Ida die Hand ihres Gatten, denn für ihn fürchtete sie die Tücke der Lurlei. Aber unbeschädigt stiegen sie alle in St. Goar ans Land, und unvergeßlich blieb ihnen der Tag.“

(Ida Freiligrath über einen Dichterausflug Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihrem Mann Ferdinand und dem amerikanischen Gast Longfellow im Nachen rheinab. Diegleiche Passage bereisten wir im Oktober vergangenen Jahres, weniger dichterisch umgeben und abenteuerlich, doch bietet die berühmte Strecke bis heute prägnante, bleibende Eindrücke.)

Indolente Weinbauern und ein privilegierter Bettler

In Bacharach und Kaub, wo wir ausstiegen und auf einer bedeckten Galerie längs der ganzen Stadtmauer hin an einer Reihe ärmlicher, verfallener Wohnungen fortwanderten, vermehrten die Untätigkeit und die Armut der Einwohner das Widrige jenes Eindrucks. Wir lächelten, als zu Bacharach ein Invalide sich an unsere Jacht rudern ließ, um auf diese Manier zu betteln; es war aber entweder noch lächerlicher, oder, wenn man eben in einer ernsthaften Stimmung ist, empörender, dass zu St. Goar ein Armenvogt, noch ehe wir ausstiegen, mit einer Sparbüchse an das Schiff trat und sie uns hinhielt, wobei er uns benachrichtigte: das Straßenbetteln sei zu Gunsten der Reisenden von Obrigkeitswegen verboten. Seltsam, dass dieser privilegierte Bettler hier die Vorüberschiffenden, die nicht einmal aussteigen wollen, belästigen darf, damit sie nicht auf den möglichen Fall des Aussteigens beunruhigt werden!

In diesem engeren, öderen Theile des Rheintals herrscht ein auffallender Mangel an Industrie. Der Boden ist den Einwohnern allerdings nicht günstig, da er sie auf den Anbau eines einzigen, noch dazu so ungewissen Produktes, wie der Wein, einschränkt. Aber auch in ergiebigeren Gegenden bleibt der Weinbauer ein ärgerliches Beispiel von Indolenz und daraus entspringender Verderbtheit des moralischen Charakters. Der Weinbau beschäftigt ihn nur wenige Tage im Jahr auf eine anstrengende Art; bei dem Jäten, dem Beschneiden der Reben usw. gewöhnt er sich an den Müßiggang, und innerhalb seiner Wände treibt er selten ein Gewerbe, welches ihm ein sicheres Brot gewähren könnte. Sechs Jahre behilft er sich kümmerlich, oder antizipiert den Kaufpreis der endlich zu hoffenden glücklichen Weinlese, die gewöhnlich doch alle sieben oder acht Jahre einmal zu geraten pflegt; und ist nun der Wein endlich trinkbar und in Menge vorhanden, so schwelgt er eine Zeitlang von dem Gewinne, der ihm nach Abzug der erhaltenen Vorschüsse übrig bleibt, und ist im folgenden Jahr ein Bettler, wie vorher.

Ich weiß, es gibt einen Gesichtspunkt, in welchem man diese Lebensart verhältnismäßig glücklich nennen kann. Wenn gleich der Weinbauer nichts erübrigt, so lebt er doch sorglos, in Hoffnung auf das gute Jahr, welches ihm immer wieder aufhilft. Allein, wenn man so räsoniert, bringt man die Herabwürdigung der Sittlichkeit dieses Bauers nicht in Rechnung, die eine unausbleibliche Folge seiner unsicheren Subsistenz ist. Der Landeigentümer zieht freilich einen in die Augen fallenden Gewinn vom Weinbau; denn weil er nicht aus Mangel gezwungen ist, seine Weine frisch von der Kelter zu veräußern, so hat er den Vorteil, dass sich auch das Erzeugnis der schlechtesten Jahre auf dem Fasse in die Länge veredelt, und ihm seinen ansehnlichen Gewinn herausbringen hilft. Man rechnet, dass die guten Weinländer sich, ein Jahr ins andre gerechnet, zu sieben bis acht Prozent verinteressieren, des Misswachses unbeschadet. Es wäre nun noch die Frage übrig, ob dieser Gewinn der Gutsbesitzer den Staat für die hingeopferte Moralität seiner Glieder hinlänglich entschädigen kann?

(Georg Forster. Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich, im April, Mai und Junius 1790, zitiert nach dem Goethezeitportal)

Riesbeck über das Mittelrheintal

Als wir unsre Augen auf dem prächtigen und lachenden Rheingau geweidet hatten, fuhren wir in das Dunkel des engen Tales hin, welches sich unter Bingen öffnet und dessen ganzen Boden der gedrängte Rhein einnimmt. Der Abstich tat unsern Augen unbeschreiblich wohl. Die Berge, welche sturzdrohend in diesem Tal über dem Fluß herhangen, sind bald mit dem mannigfaltigsten Grün bedeckt, bald nackte Felsen, hie und da blauer oder roter Schiefer und oft auch harter Urfels. Ihre Gestalten, ihre Einschnitte, ihre Verkettung, ihre Bekleidung, ihr verschiedener und seltsamer Anbau hie und da und die beständigen Krümmungen des Stromes machen die Aussichten alle Augenblicke abwechseln. Ungeachtet der größern Beschwerden sind die Ufer dieses Tales doch ungleich stärker angebaut und bewohnt als die Ufer der Donau in irgendeiner Gegend. Fast alle Stunde hat man eine Stadt vor sich. Fast jeder Berg ist mit den Trümmern eines alten Schlosses gekrönt, worin ehedem ein deutscher Ritter hausete. Die Lage dieser Städte und Flecken hätte die erhabenste Phantasie nicht romantischer und malerischer angeben können. Wir hatten einen Schottländer bei uns, der über Suez und über Italien aus Ostindien kam. Der Mann tat oft wie rasend. Er hatte hie und da Ähnlichkeiten mit Gegenden seines Vaterlandes gefunden, und da sprang er immer mit gleichen Füßen in die Höhe und schrie: “Das ist die Küste von N.! – Das ist die Bucht von N.!” Und da nennte er allezeit einen Ort im Schottischen Hochland, welcher der Partie der Rheinlandschaft, die wir vor uns hatten, ähnlich sein sollte. Die Liebe zu seinem Vaterland, von dem er zehn Jahre entfernt war und nach welchem er sich so heftig sehnte, griff ihn beim Anblick dieser Ähnlichkeiten wirklich mit gichterischen Zückungen an. Ich hatte Bosheit genug, ihn einigemal zu erinnern, wie weit er noch von seinem Vaterland entfernt sei, welches er auf dem Rhein zu sehen glaubte. Als uns hie und da Weinberge zu Gesicht kamen, fragte ich ihn, ob diese Landschaft auch Ähnlichkeit mit einer Bucht in Schottland hätte. Anfangs tat er böse; endlich ward er sehr beredt darüber, um mir zu beweisen, daß der Anblick der Weinberge der traurigste in der ganzen Gegend wäre, die wir durchfahren hätten. Er behauptete, die Regelmäßigkeit der gepflanzten Weinstöcke und ihre Einförmigkeit habe so was Ekelhaftes und Beklemmendes, daß er die Augen wegkehren müsse, um sie auf den kahlen und abstürzigen Felsen oder dem wilden und dicken Grün der gegenüberstehenden Berge weiden zu lassen. Das verkünstlende Gewühl der Menschenhände, sagt’ er, wäre höchstens nur deswegen in dieser Landschaft zu dulden, um die Reize der schönen und unverzierten Natur umher auffallender zu machen. Ich antwortete ihm auf seine lange Rede mit einem Glas roten Aßmannshäuser, welches ich ihm zubrachte und den er sehr trinkbar fand.

Die schönsten Gegenden in diesem romantischen Land sind die um Bacharach und Kaub, welche Städte beinahe grade einander gegenüberliegen, um St. Goar und um Koblenz. Die Lage von Bacharach ist, wie der Ort selbst, finster und schauerlich schön. Der Berg, an dessen Fuß das Städtchen liegt, hängt senkrecht drüber her und ist zum Teil mit Reben bekleidet, die einen der besten Rheinweine liefern. Die Lage von Kaub ist offener und lachender und macht mit dem entgegengesetzten Bacharacher Ufer einen unvergleichlichen Kontrast, besonders da sich die Häuser dieses Ortes durch ein lichtes Weiß im tiefen Grün seiner Gegend und im Abstich mit der ehrwürdigen Schwärze von Bacharach ungemein stark ausnehmen. Mitten im Rhein zwischen beiden Städten liegt auf einem Felsen, der kaum über die Oberfläche des Wassers emporragt, ein dicker, hoher und fester Turm, die Pfalz genannt, wie er denn auch, samt den beiden Städten, dem Kurfürsten von der Pfalz zugehört und vom gemeinen Volk für das eigentliche Stammhaus der Pfalzgrafen gehalten wird. Eigensinniger und malerischer kann in einer Landschaft nichts gedacht werden als die Lage dieses Turms, wenn man ihn in einiger Entfernung sieht. Die Gegend um St. Goar ist von ganz andrer Natur. Das rechte Ufer des Rheines ist hier ganz wild. Auf einem der hohen und fast senkrecht abgehauenen Berge, die es bilden, der sich durch seine majestätische Gestalt stark ausnimmt, liegt sehr romantisch ein festes Schloß, welches man noch zu erhalten sucht. Das linke Ufer, worauf die Stadt liegt, ist noch steiler, aber zum Teil mit unbeschreiblicher Mühe angebaut. Man hat auf kleinen Terrassen, wie zu Rüdesheim, auf dem abstürzigen Felsen Weinberge angelegt, die eine ungeheure hohe Treppe bilden. Der Raum zwischen dem Strom und den Felsen ist so enge, daß die Einwohner sich zum Teil in den Fels selbst hineinbauen. Über der Stadt ragt die Festung Rheinfels, von welcher ein Ast des hessischen Hauses den Namen trug, die aber nach Absterben desselben samt dem dazugehörigen beträchtlichen Lande dem Landgrafen von Hessen-Kassel zugefallen ist, majestätisch empor. Die Stadt selbst ist ziemlich lebhaft und die beste zwischen Bingen und Koblenz. Die Einwohner scheinen ein sehr fleißiges Volk zu sein. Ein wenig über der Stadt verursachen die kurzen Krümmungen des gedrängten Rheines einen Wirbel, der unter dem Namen der St. Goarer Bank sehr verschrien ist. Von beträchtlichen Unglücksfällen hört man sehr selten; allein wir waren Augenzeugen davon, daß der Ruf dieses Platzes kein leerer Popanz wieder des Donauwirbels ist. Ein großes kölnisches Schiff fuhr eben neben uns herauf. Es hatte von St. Goar einen alten erfahrnen Steuermann mitgenommen, der an der gefährlichen Stelle sehr weit in den Strom hineinstach. Die Pferde zogen stark an. Auf einmal ward der Steuermann von der Gewalt des Stromes so sehr überwältigt, daß das Schiff in einem Augenblick an dem linken Ufer des Flusses lag, ob es schon beinahe 150 Schritt davon entfernt war. Zum Glück stand eben da an der Spitze eines Felsen ein großer Kahn, der wie ein Hut zusammengedrückt ward, ohne den aber das Schiff vielleicht eine große Wunde bekommen hätte. Es saß demungeachtet auf dem Felsen auf und mußte mit Winden und Hebeln gelichtet werden.

(Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder)

Salmhandel

“In dem tiefen Felsenbette des Rheins zwischen Oberwesel und St. Goar wird der beste Rhein-Salm gefangen und damit starker Handel, besonders nach Frankfurt, Mainz und in die Bäder getrieben, im Winter aber, da die Sommerhitze keinen gar weiten Transport erlaubt, auch nach Kassel, Nürnberg, Regensburg und selbst bis Wien. Den Salmen zu fangen und gehörig zu behandeln verstehen nur die Salmenfischer.”

(Johann-Andreas Demian, Neuestes Handbuch für Reisende auf dem Rhein und in den umliegenden Gegenden, Frankfurt/Main 1820)

Loreley (8)

The passage from Oberwesel to St. Goar, is principally amongst steep and craggy hills that are not even adorned with any other ruins than their own. A few fishermen’s huts are placed contiguous to the borders of the Rhine, that the stream may yield nourishment, where the earth refuses it. The hills are so near to the edge of the river, that scarcely is there space left for the horses that draw the vessels against the current, and this is frequently interrupted by the fall of large masses from the summit, and of shivering of flate from the sides of the mountains.
At Luhrley, where the Rhine forms a kind of bay, is a rock celebrated for its echo. It repeats several times very distinctly. From this circumstance it derives its name, the word Luhrley, signifying to resound. Here, as you will suppose, we all of us gave specimens of stentorial powers. Like the members of some disputing clubs, each tried in his turn who could be heard the longest and loudest. We were delighted with the sound of our own voices, and not a little flattered, that the rocks should deign to repeat so frequently every thing we uttered. When our lungs and our ears were tired with this exercise, we solicited of our fair musician to sooth us with some plaintive ditty. She modulated her voice to the full swell of resonance, without the articulation of an echo, and her husband softly breathing a secondo upon the German flute, we were charmed with a duetto. The rocks of Luhrley never assisted at one so good. We repeatedly pronounced it No! Never! And they as repeatedly answered No! Never!

(Thomas Cogan, The Rhine: Or, A Journey from Utrecht to Francfort)

***

Andere Erklärungen für die Bedeutung des Namens Loreley liefert der aktuelle Wikipedia-Artikel (Stand: 14. April 2014): “Die Herkunft des Namens Loreley ist nicht eindeutig geklärt. Unumstritten ist der Zusammenhang mit dem ursprünglich keltischen Ley, mit dem in der Region häufig (Schiefer-) Fels oder Stein bezeichnet wurde. Der erste Teil könnte von dem mittelhochdeutschen luren (lauern) stammen und somit insgesamt „lauernder Fels“ bedeuten. Auch denkbar wäre eine Ableitung von dem mittelhochdeutschen lorren oder lurren, was „heulen“, „schreien“ bedeutet. Somit wäre der Felsen ein schreiender Felsen. Dies könnte man darauf zurückführen, dass am Loreleyfelsen in den gefährlichen Riffen, Felsen und Untiefen viele Schiffer ums Leben kamen. Der Rhein verengt sich an der Loreley auf eine Breite von rund 200 Metern. Zugleich befindet sich hier mit etwa 25 Metern auch die tiefste Stelle des schiffbaren Rheins (bei Rheinfelden in der Schweiz erreicht der Rhein eine Tiefe von 32m, siehe St. Anna-Loch). Eine weitere mögliche Herkunft des Wortes lore ist das rheinische luren, welches „summen“ bedeutet. Dies ließe sich als das Summen des Wassers entlang der Felsenriffe deuten. Auch die Herkunft von dem mittelhochdeutschen lur für „Elfe“ ist möglich. In diesem Falle handelte es sich um einen Elfenfelsen. Für das starke siebenfache Echo wurden zunächst Zwerge, die in dem Felsen hausten verantwortlich gemacht. Das Rauschen des dem Loreleyfels gegenüberliegenden hohen Galgenbach-Wasserfalls und auch das Rauschen der früher an Untiefen und Klippen sich brechenden Rheinströmung wurde als Echo von den vielen Felsüberhängen nach unten reflektiert und erschien so, als ob es von den Felsen herstammte. Schon früh suchte man Erklärungen dafür und machte zunächst in Höhlen des Felsens hausende Zwerge dafür verantwortlich. Vor dem 19. Jahrhundert trug der Ort auch noch seinen männlichen Artikel: der Lurlei, der Lorley oder der Lurleberch (zahlreiche weitere Schreibweisen).”

Des Pudels Kern

vernet_le-chienUnd gleich im Anschluß noch das von Dumas erwähnte Gemälde Vernets: Le chien du régiment. Es zeigt den titelgebenden Regimentsbarbet, wie er im Schlachtgeschehen von zwei Kugeln verwundet von seinen Waffenbrüdern notversorgt wird.
Dumas nahm offenbar den Barbet aus Vernets Gemälde zum Vorbild für seinen St. Goarer Regimentspudel. Grund für die Rassenverschiebung mag gewesen sein, daß der Barbet zu Zeiten Dumas` allmählich aus der Mode gekommen und vom äußerlich recht ähnlichen Pudel abgelöst worden war; ob es sich bei Dumas` literarischer Pudelisierung um Nachlässigkeit, Verwechslung oder bewußte Umdeutung handelt: wir werden es wohl nie erfahren.
An St. Goar erinnert auf Vernets Gemälde desweiteren das, bei Dumas von Pistolenkugeln durchlöcherte, Holzfaß, sonst aber wenig: St. Goar fiel 1794 kampflos an die französischen Revolutionstruppen.
Um ihn mit der Aura des Abenteuers zu umgeben, versetzt Dumas (Vernets Gemälde datiert nach Dumas auf 1809, nach anderer Quelle, die uns wahrscheinlich dünkt, auf 1819) seinen St. Goarer Pudel also literarisch-leichtfertig, gleichsam im Schnelldurchlauf, in die napeoleonische Epoche mit ihren Schlachten und dichtet ihm schließlich den Kältetod auf dem Rückzug des napoleonischen Rußlandfeldzugs an.

Saint Goar le batelier (2)

Effectivement, quelques semaines après le passage de l’empereur, saint Goar reçut les deux objets promis. Tous deux étaient l’ouvrage de l’enchanteur Merlin, et avaient chacun une propriété particulière. Le tonneau, tout au contraire de celui des Danaïdes, était toujours plein, pourvu qu’on n’en tirât le vin que par le robinet ; quant au collier c’était bien autre chose.
Dans l’épanchement du tête-à-tête, saint Goar s’était plaint à Charlemagne de la mauvaise foi des infidèles, qui maintenant qu’ils savaient les habitudes de saint Goar, au lieu d’avouer leur hérésie, répondaient tout bonnement qu’ils étaient chrétiens, traversaient le fleuve, protégés par ce titre, et, quand ils étaient sur l’autre rive, buvaient son vin et s’en allaient en lui faisant des cornes. Il n’y avait pas de remède à cela, rien ne ressemblant à un chrétien comme un infidèle qui fait le signe de la croix.
C’était à cet inconvénient que l’empereur Charles avait promis d’obvier, et c’était pour tenir sa promesse qu’il envoyait le collier préparé par Merlin.
En effet, le collier avait une vertu particulière. À peine avait-il touché la peau qu’il sentait à qui il avait affaire : si c’était à un chrétien, il restait dans son statu quo, et laissait tranquillement passer le vin de la bouche à l’estomac ; si c’était à un infidèle, il se resserrait immédiatement de moitié, de sorte que le buveur lâchait le verre, tirait la langue et tournait de l’oeil. Alors, saint Goar, qui se tenait près de lui avec une tasse pleine d’eau, le baptisait lestement, et la chose revenait au même. C’étaient donc deux cadeaux inappréciables et bien faits pour aller ensemble que celui du tonneau et du collier.
Saint Goar sentit la valeur de ce don ; aussi, non seulement pendant toute sa vie en fit-il usage, mais encore ordonna-t-il aux moines, qui s’étaient réunis à l’entour de lui, et qui de son vivant avaient fondé une abbaye dont il était le supérieur, d’en faire usage après sa mort. Les moines n’y manquèrent pas, et le collier et le tonneau miraculeux traversèrent les siècles en conservant leur puissance.
Malheureusement, en 1794, les Français s’emparèrent de Saint-Goar tellement à l’improviste que les moines n’eurent point le temps de sauver leur tonneau. En entrant au couvent, le premier soin des vainqueurs fut de descendre à la cave, et comme par un seul robinet le vin ne coulait pas à leur soif, ils employèrent l’expédient en usage en pareil cas, et lâchèrent trois ou quatre coups de pistolet dans la bienheureuse futaille, sans se donner la peine de boucher le trou des balles. Le soir, le régiment était ivre, mais la tonne, dont le charme se trouvait rompu, était à tout jamais vide.
Quant au carcan, le tambour-maître l’avait pris pour en faire un collier à son caniche, et les amateurs d’archéologie peuvent le voir tel qu’il était encore en 1809, dans le joli tableau d’Horace Vernet, intitulé le Chien du régiment.
Mais depuis 1812 on ne sait pas ce qu’il est devenu, le pauvre caniche ayant été gelé avec son maître dans la retraite de Russie.

(Alexandre Dumas: Divers contes. Lohnenswerte Quelle: Ebooks libres et gratuits)

Presserückschau (Dezember 2012)

Zum Jahreswechsel passend erscheint auf unserem Screen die Frage, ob nicht eigentlich immer wieder dasselbe in der Zeitung stehe? Für die Presserückschau dürfte eine Bejahung dieser Frage bedeuten, daß sie fortzuführen ab einem gewissen Grad an Themenabdeckung überflüssig würde. In der Vergangenheit haben wir tatsächlich den ein oder anderen Zeitungsartikel nur unwesentlich verändert oder ganz identisch zu verschiedenen Zeitpunkten an verschiedenen Stellen vorgefunden. Würden zigtausende Rheinmeldungen aus hundert Jahren überblendet/auf Schnittmengen untersucht, was wären die zentralen/häufigsten Begriffe/Themen? Folgt eine Nachricht der Aktualität nicht nur, sondern nimmt sie die Aktualität auch vorweg, sodaß sie beinahe blind, ihrem konkreten Anlaß weitgehend entkoppelt lanciert werden könnte?

1
“Warum gibt es im Rhein keine Aale mehr?“ fragt die Badische Zeitung und schildert ihre Vorort-Recherchen: „Für Sekunden zuckt der Aal im grünen Netz. Dann schlägt der Schwanz geschmeidig nach hinten aus, der glitschige Fisch landet im aufgewühlten Wasser des Grand Canal d’Alsace bei Kembs. Er trägt einen Sender unter der weißen Bauchhaut. Er ist einer von 50 Akteuren. Französische Forscher wollen herausfinden, warum die Aalbestände in Europa und besonders am Rhein dramatisch zurückgegangen sind. Über die Ursachen wird spekuliert: Wasserkraftanlagen und Stauwehre, Umweltverschmutzung, Pilzkrankheiten oder Überfischung in manchen Flussmündungen? (…) “Gesichert ist, dass es innerhalb weniger Jahre in den 80er-Jahren zu einer Zäsur gekommen ist”, erklärt Sébastien Manné vom Amt für Wasser und Wasserlebensraum, er überwacht das Forschungsprogramm. Die Zahl der Aale ging danach um 95 Prozent zurück.“ Am Niederrhein wiederum wird der Aal fleißig gefangen, jedoch vor seinem Verzehr gewarnt, weil der Fisch zuviele Schadstoffe aus chemischen Altlasten am Rheingrund enthalte.

2
Über ein dreijähriges deutsch-niederländisches Projekt, an dem auch die Hochschule Rhein-Waal beteiligt war und das nun 81 Buchseiten abwirft, schreibt die Rheinische Post. In der Publikation „Genießen im Grünen – Groen genieten in der Region Rhein-Waal“ seien die Vorzüge der wenig bekannten „grünen Insel“ zwischen den Ballungsräumen Rhein-Ruhr und Randstad Holland dargestellt: „Wunderschön wird der Niederrhein in all seinen typischen Facetten dem Leser vor Augen geführt. So sieht man große Heuballen vor der Silhouette der Schwanenburg: „Selbst in Städten wie Kleve ist es am Niederrhein nie allzu weit bis zum nächsten Acker.“ Ein weiteres Kapitel befasst sich mit der Produktion: „Das Ackern liegt dem Niederrheiner im Blut“. Auch Grünkohl, Eier von frei laufenden Hühnern, Weizenanbau, Äpfel mit roten Backen oder Käseerzeugnisse sind Wirtschaftszweige der Zukunft.“

3
„Die Leverkusener Rheinbrücke ist für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen gesperrt worden. Enorme Schäden hätten diese Maßnahme notwendig gemacht, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Ob die Mängel überhaupt zu reparieren sind, ist unklar.“ (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
„Cette semaine, le projet commun des neuf ports du Rhin Supérieur a été lancé – le «corridor européen multimodal du Rhin Supérieur» devient ainsi une réalité, constituant un maillon central du transport fluvial sur l’axe Rotterdam – Gênes. L’Europe des transports est en train de se constituer et le Rhin Supérieur fait partie des éléments centraux donnant en même temps un exemple d’une coopération tri-nationale réussie“, teilt das euroJournal mit. Dem „multimodalen Korridor“ gehören die Häfen von Straßburg, Colmar, Kehl, Karlsruhe, Ludwigshafen, Mannheim, Basel, Mülhausen und Weil am Rhein an.

5
Von einer halbwegs höllischen Passagierkonzentration auf der Bellriva berichtet die Frankfurter Rundschau: „Auf einem Rhein-Kreuzfahrtschiff vor Wiesbaden sind in der Nacht zum Samstag mindestens 54 Reisende an schwerem Brechdurchfall erkrankt. Weil die Ursache dafür zunächst völlig unklar war, wurde das Hotelschiff unter Quarantäne gestellt – niemand durfte von Bord.“ Als Verursacher wird der Norovirus vermutet, die Feuerwehr sei ihm bereits auf der Spur. Die größte Gefahr beim Norovirus bestünde in Dehydration. (Wahnsinnsidee: Ein Süßwasserschiff voller Dehydrierender, die sich in üblen Schwällen die Seele aus dem Leib treiben. Hieronymus Boschs Visionen als Wirklichkeit vor Wiesbaden.) Ein Fluch scheint auf der Bellriva zu liegen: „Das Schiff war erst im Frühjahr dieses Jahres in die Schlagzeilen geraten, nachdem es bei Karlsruhe von einem Lotsen auf Grund gesetzt und dabei fast versenkt worden war.“

6
Ein Zusammenschluß namens „Trinationale Metropolregion Oberrhein“ betreibt „das touristische Leuchtturmprojekt “Upper Rhine Valley”“, meldet baizer.ch, das Portal des Wirteverbands Basel-Stadt: „Neue Vorhaben, die auch in der Region wirken und dort die Wahrnehmung stärken, sind die Entwicklung und Installation von Schildern, die den Eintritt ins “Upper Rhine Valley” an allen Autobahnen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz kennzeichnen, die Entwicklung und Kennzeichnung grenzüberschreitender Ein- und Mehrtagesradtouren sowie die Verbindung der Weinstrassen links und rechts des Rheines zu einer gemeinsamen “Oberrheinweinstrasse”.“

7
Hat das die Loreley getan? Eine Meldung aus der Frankfurter Rundschau: „Ein mit Stahl beladenes Güterschiff ist (…) auf dem Rhein bei Sankt Goar nahe der Loreley auf Grund gelaufen. (…) Ursache der Havarie sei ein Fehler des Schiffsführers gewesen.”

8
„Am 26. März 2013 organisiert das grenzüberschreitende Forschungskonsortium Neuro-Rhine im Plenarsaal des Conseil Régional d’Alsace in Straßburg einen internationalen Kongress für Experten und Praktiker der Neurogenese und der Neuroprotektion“, verkündet rmtmo.eu, das Portal der offenbar anglofilen „Trinationalen Metropolregion Oberrhein“ (siehe 6) bereits jetzt: „Neuro-Rhine ist ein Konsortium von 10 Partnern aus der Trinationalen Metropolregion Oberrhein und Umgebung: Universitätsklinikum Freiburg, SATT CONNECTUS Alsace, Centre National de Recherche Scientifique (CNRS), Région Alsace, Association Neurex Alsace, Universität Basel, Universität des Saarlandes, Land Baden-Württemberg, Land Rheinland-Pfalz.“

Ansonsten jede Menge Berichte zu den Hochwasserständen (“der Rhein ist für die Schifffahrt gesperrt”; “der Rhein darf wieder von Schiffen befahren werden” etc etc), die in ihrer schubartigen Häufung zeitgeraffte Plastiken in unserer Imagination hervorrufen: eine Art holografischer Tischrhein zum Selberbedienen, dessen Vorbild eine Kreuzung aus Modelleisenbahn und Strömungsbecken mit lyrischen Unterständen sein könnte.

Le Rhin réunit tout

“Saint-Goar, 17 août.

Vous savez, je vous l’ai dit souvent, j’aime les fleuves. Les fleuves charrient les idées aussi bien que les marchandises. Tout a son rôle magnifique dans la création. Les fleuves, comme d’immenses clairons, chantent à l’océan la beauté de la terre, la culture des champs, la splendeur des villes et la gloire des hommes.

Et, je vous l’ai dit aussi, entre tous les fleuves, j’aime le Rhin. La première fois que j’ai vu le Rhin, c’était il y a un an, à Kehl, en passant le pont de bateaux. La nuit tombait, la voiture allait au pas. Je me souviens que j’éprouvai alors un certain respect en traversant le vieux fleuve…

…Ce soir-là… je contemplai longtemps ce fier et noble fleuve, violent, mais sans fureur, sauvage, mais majestueux. Il était enflé et magnifique au moment où je le traversais. Il essuyait aux bateaux du pont sa crinière fauve, sa barbe limoneuse, comme dit Boileau. Ses deux rives se perdaient dans le crépuscule. Son bruit était un rugissement puissant et paisible. Je lui trouvais quelque chose de la grande mer.

Oui, mon ami, c’est un noble fleuve, féodal, républicain, impérial, digne d’être à la fois français et allemand. Il y a toute l’histoire de l’Europe considérée sous ses deux grands aspects, dans ce fleuve des guerriers et des penseurs, dans cette vague superbe qui fait bondir la France, dans ce murmure profond qui fait rêver l’Allemagne.

Le Rhin réunit tout. Le Rhin est rapide comme le Rhône, large comme la Loire, encaissé comme la Meuse, tortueux comme la Seine, limpide et vert comme la Somme, historique comme le Tibre, royal comme le Danube, mystérieux comme le Nil, pailleté d’or comme un fleuve d’Amérique, couvert de fables et de fantômes comme un fleuve d’Asie.

Avant que l’histoire écrivait, avant que l’homme existait peut-être, où est le Rhin aujourd’hui fumait et flamboyait une double chaîne de volcans qui se sont éteints en laissant sur le sol deux tas de laves et de basaltes disposés parallèlement comme deux longues murailles. À la même époque, les cristallisations gigantesques qui sont les montagnes primitives s’achevaient, les alluvions énormes qui sont les montagnes secondaires se desséchaient, l’effrayant monceau que nous appelons aujourd’hui les Alpes se refroidissait lentement, les neiges s’y accumulaient; deux grands écoulements de ces neiges se répandirent sur la terre: l’un, l’écoulement du versant septentrional, traversa les plaines, rencontra la double tranchée des volcans éteints et s’en alla par là à l’Océan; l’autre, l’écoulement du versant occidental, tomba de montagne en montagne, côtoya cet autre bloc de volcans expirés que nous nommons l’Ardèche et se perdit dans la Méditerranée. Le premier de ces écoulements, c’est le Rhin; le second, c’est le Rhône…

…Le Rhin, dans les destinées de l’Europe, a une sorte de signification providentielle. C’est le grand fossé transversal qui sépare le Sud du Nord. La providence en a fait le fleuve-frontière; les forteresses en ont fait le fleuve-muraille. Le Rhin a vu la figure et a reflété l’ombre de presque tous les grands hommes de guerre qui, depuis trente siècles, ont labouré le vieux continent avec ce soc qu’on appelle pépée. César a traversé le Rhin en montant du midi; Attila a traversé le Rhin en descendant du septentrion. Clovis y a gagné sa bataille de Tolbiac. Charlemagne et Bonaparte y ont régné. L’empereur Frédéric-Barberousse, l’empereur Rodolphe de Hapsbourg et le palatin Frédéric Ier y ont été grands, victorieux et formidables. Gustave-Adolphe y a commandé ses armées du haut de la guérite de Caub. Louis XIV a vu le Rhin. Enguien et Condé l’ont passé. Hélas! Turenne aussi. Drusus y a sa pierre à Mayence comme Marceau à Coblenz et Hoche à Andernach. Pour l’œil du penseur qui voit vivre l’histoire, deux grands aigles planent perpétuellement sur le Rhin, l’aigle des légions romaines et l’aigle des régiments français.

…Ce noble Rhin que les Romains nommaient Rhenus superbus, tantôt porte les ponts de bateaux hérissés de lances, de pertuisanes ou de baïonnettes qui versent sur l’Allemagne les armées d’Italie, d’Espagne et de France, ou reversent sur l’ancien monde romain, toujours géographiquement adhérent, les anciennes hordes barbares, toujours les mêmes aussi; tantôt charrie pacifiquement les sapins de la Murg et de Saint-Gall, les porphyres et les serpentines de Bâle, la potasse de Bingen, le sel de Karlshall, les cuirs de Stromberg, le vif-argent de Lansberg, les vins de Johannisberg et de Bacharach, les ardoises de Caub, les saumons d’Oberwesel, les cerises de Salzig, le charbon de bois de Boppart, la vaisselle de fer blanc de Coblenz, la verrerie de la Moselle, les fers forgés de Bendorf, les tufs et les meules d’Andernach, les tôles de Neuwied, les eaux minérales d’Antoniustein, les draps et les poteries de Wallendar, les vins rouges de Taar, le cuivre et le plomb de Linz, la pierre de taille de Kœnigswinter, les laines et les soieries de Cologne; et il accomplit majestueusement à travers l’Europe, selon la volonté de Dieu, sa double fonction de fleuve de la paix, ayant sans interruption sur la double rangée de collines qui encaisse la plus notable partie de son cours, d’un côté des chênes, de l’autre des vignes, c’est-à-dire d’un côté le nord, de l’autre le midi; d’un côté la force, de l’autre la joie…”

(aus: Victor Hugo: Le Rhin, lettre XIV; Hugos Rheinbriefe sind komplett zu finden auf Google Books)

Rheinfische (3)

Dieser vorsommerlichen Tage haben Artikel über die Rheinfauna Konjunktur. So meldete im Laufe der letzten Woche derwesten.de (das Internetportal der WAZ) einiges Wissenswerte und Erstaunliche über Neozoen und Fische am Niederrhein, während das Forschungsschiff Burgund derzeit auf Höhe St. Goar u.a. Wirbellosenproben aus dem Fluß entnimmt, um die sich stets verändernden Bestände der rheinischen Tierwelt zu inventurieren.

Nach dem Amazonas-Gebiet sei der Rhein heuer der größte natürliche Lebensraum für Piranhas, lautete so eine forsche, nicht ganz leicht auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfende Nachricht, ausgegeben von den Duisburger Fischereiverbänden. Nebst dem vor Duisburg lauernden Piranha wanderten auch die Schnappschildkröte und die Donaugrundel in die Gegend ein. Letztere breite sich seit sechs Jahren im gesamten Rhein-Mosel-Gebiet aus, heißt es von der Burgund: ein gedrungener, rund 20 Zentimeter starker Geselle, der in schon fünf verschiedenen Arten aus dem Schwarzmeerraum in den Rhein migrierte und die Machtverhältnisse im Wasser kippte: „Mancher Angler fängt kaum noch einen anderen Fisch.“

Bis zu drei Meter lange Welse hätten sich im Rhein angesiedelt, heißt es desweitern aus Duisburg. Ein Tauchgang in den Tiefen des Stroms mag da leicht zu einer Begegnung der archaischen Art führen – uns erinnert der Riesenwels natürlich sogleich an den Grauer, den rheinischen Urfisch halbmythischer Provenienz, der selten gesehen, dessen orakelnd-erzählendes Blubbern und Murmeln aber schon häufig gehört worden sein soll. Ab wievielen Welsmetern die Weltsprache Anglerlatein beginnt und ab wievielen Welsmetern sie völlig überdehnt zusammenschnalzt, ist bis heute nicht geklärt. Im Dnjepr, lasen wir einst, hätten schon bis fünf Meter lange Welse gelebt.

Was Längen- und sonstige -Mythik betrifft, ist der Wels eher nur ein Häppchen gegen den Stör. Der groteske Knochenfisch gilt im Rhein (bis auf eine Kleinart, den Sterlet) seit den 50er Jahren als „nicht mehr heimisch“. Das hinderte Winfried Kersjes nicht, an Fronleichnam bei Emmerich einen über einen Meter langen Stör aus dem Fluß zu ziehen. „Mich überkam ein Gefühl der Panik, ich konnte es gar nicht glauben. Das ist eine Sensation“, waren die Worte des erfahrenen Anglers auf derwesten.de nachzulesen. Kersjes ließ den Stör nach dem Vermessen und einem Beweisfoto wieder frei. Unterdessen darf gerätselt werden, ob es sich dabei um einen freiwiligen Rückkehrer oder um ein ausgesetztes Tier handelte. Falls es ein Exemplar der größten Störart, des Hausens gewesen sein sollte: diesem Tier werden in der Weltsprache Anglerlatein Körperlängen von bis acht oder neun Metern zugeschrieben.

Die Forscher auf der Burgund berichten darüberhinaus von Neozoen und Alteingesessenen mit poetischen Namen wie Quaggamuschel, Steinkleber (eine Schneckenart) und Hydropsyche (eine Köcherfliegenart). Ihre Schöpf- und Bestimmarbeiten sollen bis Ende Juni dauern, die Ergebnisse an die EU berichtet werden. Vielleicht schenkt ihnen der Grauer bis dahin noch obskure Knöchelchen oder eine weise Redewendung aus seinen Zahnzwischenräumen.

Weitet Loreley ihren Tätigkeitsbereich aus?

Und zwar auf den Schienen- und Straßenverkehr? Die mutmaßlichen Bestrebungen der Ortsikone, Verkehrsunglücke auch außerhalb der Wasserwege selber auszulösen, forderten bisher nur wenige verhaltene Stellungnahmen heraus. Im Zusammenhang mit dem Erdrutsch von vergangenem Sonntag, dem 11. September, der bei St. Goar einen linksrheinischen Intercity entgleisen ließ und auch zur Sperrung der neben der Bahntrasse verlaufenden B9 führte, war der in der Gegend gängige Kommentar „das hat die Loreley getan“ bisher nicht zu vernehmen. Das symbolträchtige Datum solle jedoch unter der Hand für weitläufige Spekulationen gesorgt haben. Die Presse schob den Erdrutsch zügig einem Unwetter zu. Die Bürgerinitiative Pro Rheintal sprach von rein zugverkehrsimmanenten Gefahren wie dem kurvigen Schienenverlauf und „geologischen Voraussetzungen“. Ein Anstieg des Katastrofentourismus wurde nicht vermeldet.

Pictures Of The Rhine

I
The spirit of romance dies not to those
Who hold a kindred spirit in their souls:
Even as the odorous life within the rose
Lives in the scattered leaflets and controls
Mysterious adoration, so there glows
Above dead things a thing that cannot die;
Faint as the glimmer of a tearful eye,
Ere the orb fills and all the sorrow flows.
Beauty renews itself in many ways;
The flower is fading while the new bud blows;
And this dear land as true a symbol shows,
While o`er it like a mellow sunset strays
The legendary splendour of old days,
In visible, inviolate repose.

II
About a mile behind the viny banks,
How sweet it was, upon a sloping green,
Sunspread, and shaded with a branching screen,
To lie in peace half-murmuring words of thanks!
To see the mountains on each other climb,
With spaces for rich meadows flowery bright;
The winding river freshening the sight
At intervals, the trees in leafy prime;
The distant village-roofs of blue and white,
With intersections of quaint-fashioned beams
All slanting crosswise, and the feudal gleams
Of ruined turrets, barren in the light; -
To watch the changing clouds, like clime in clime;
Oh sweet to lie and bless the luxury of time.

III
Fresh blows the early breeze, our sail is full;
A merry morning and a mighty tide.
Cheerily O! and past St. Goar we glide,
Half hid in misty dawn and mountain cool.
The river is our own! and now the sun
In saffron clothes the warming atmosphere;
The sky lifts up her white veil like a nun,
And looks upon the landscape blue and clear; -
The lark is up; the hills, the vines in sight;
The river broadens with his waking bliss
And throws up islands to behold the light;
Voices begin to rise, all hues to kiss; -
Was ever such a happy morn as this!
Birds sing, we shout, flowers breathe, trees shine with one delight!

IV
Between the two white breasts of her we love,
A dewy blushing rose will sometimes spring;
Thus Nonnenwerth like an enchanted thing
Rises mid-stream the crystal depths above.
On either side the waters heave and swell,
But all is calm within the little isle;
Content it is to give its holy smile,
And bless with peace the lives that in it dwell.
Most dear on the dark grass beneath its bower
Of kindred trees embracing branch and bough,
To dream of fairy foot and sudden flower;
Or haply with a twilight on the brow,
To muse upon the legendary hour,
And Roland`s lonely love and Hildegard`s sad vow.

V
Hark! how the bitter winter breezes blow
Round the sharp rocks and o`er the half-lifted wave,
While all the rocky woodland branches rave
Shrill with the piercing cold, and every cave,
Along the icy water-margin low,
Rings bubbling with the whirling overflow;
And sharp the echoes answer distant cries
Of dawning daylight and the dim sunrise,
And the gloom-coloured clouds that stain the skies
With pictures of a warmth, and frozen glow
Spread over endless fields of sheeted snow;
And white untrodden mountains shining cold,
And muffled footpaths winding thro` the wold,
O`er which those wintry gusts cease not to howl and blow.

VI
Rare is the loveliness of slow decay!
With youth and beauty all must be desired,
But `tis the charm of things long past away,
They leave, alone, the light they have inspired:
The calmness of a picture; memory now
Is the sole life among the ruins grey,
And like a phantom in fantastic play
She wanders with rank weeds stuck on her brow,
Over grass-hidden caves and turret-tops,
Herself almost as tottering as they;
While, to the steps of time, her latest props
Fall stone by stone, and in the sun`s hot ray
All that remains stands up in rugged pride,
And bridal vines drink in his juices on each side.

(George Meredith)

In der Sonnengasse

In der Sonnengasse zu St. Goar,
da kämmt sich die Resi ihr schwarzes Haar.
Sie lacht in den Spiegel verstohlenen Blicks,
silbern über ihrem Bett hängt ein Kruzifix;
ihr Pantöffelchen klappert, ihr Schnürleib kracht:
Heute Nacht! Heute Nacht!

In der Sonnengasse zu St. Goar,
da wohnt schräg gegenüber ein junger Scholar.
Der pfropft sich in den Schädel lauter dummes Zeug,
schwarz auf seinem Pult liegt das Pentateuch.
Da streift ihn die Sonne, und sein Leder kracht:
Heute Nacht! Heute Nacht!

(Arno Holz)

Aktuell: Rhein-Vierteiler auf ARTE (2)

Den dritten Teil der ARTE-Rheindoku schauen wir zeit- und regionsverlagert, doch immer noch aktuell, in der Nachmittagswiederholung. Regisseur ist nun Klaus Kafitz und Startpunkt das Computerterminal des Mannheimer Hafens, vor dessen Abfertigungsrobotik wir durchs Filmkameraauge einem Architekturfotografen durchs Fotoobjektiv blicken dürfen: schwarzweiß und becherlastig. Schick beschleunigte und abgebremste Luftaufnahmen folgen dem leicht geschwungen eingefaßten Oberrhein vorbei an Worms zur Altrheinschleife Kühkopf-Knoblochsaue, in der Fisch- und Gewässerkundler Egbert Korte elektrokeschernd den Rhein als Black Box bezeichnet. Wir lernen die Weide als abzeichnungs- und flutungsgeeignetsten Baum Mitteleuropas kennen, sowie Treibholz als Transportmedium für Tierarten und Pflanzensamen. Aufscheint die weithin unterkellerte Ex-Metropole Oppenheim, in deren labyrinthischer Stadt unter der Stadt ein Mithrastempelgewölbe erkannt worden sein will. Rheinhessen und der Inselrhein: geraffte Luftaufnahmen. Eintritt ins weltbekannte Weltkulturerbe, dem schwerlich große Neuigkeiten abzuringen sind. Kafitz versuchts mit einer kleinen Flußinsel mit eigener Weinlage bei Bacharach: Winzer Friedrich Bastian ist zugleich Kammersänger, erklärt die Eigenheiten von kleinklimaausgesetztem Inselwein und knödelt uns eins. Der Rheinburgenweg bietet Mittelrheinalpinismus mit Loreleyblick: wie auch in gefühltermaßen drei bis vier weiteren Rheindokus pro Jahr. Reichlich Filmminuten erhält das St. Goarer/St. Goarshauser Rhein in Flammen-Spektakel über dem für eine Armada aus Fahrgastschiffen reservierten Fluß und wir erfahren, daß die lokalen Feuerwerker bei der letzten Musikfeuerwerksmeisterschaft in Kanada auf dem Siegertreppchen landeten. Insgesamt ein wenig inspirierter Filmteilabschnitt.

A Jewish Family In A Small Valley Opposite St. Goar, Upon The Rhine

Genius of Raphael! if thy wings
Might bear thee to this glen,
With faithful memory left of things
To pencil dear and pen,
Thou would`st forego the neighbouring Rhine,
And all his majesty -
A studious forehead to incline
O`er this poor family.

The mother – her thou must have seen,
In spirit, ere she came
To dwell these rifted rocks between,
Or found on earth a name;
An image, too, of that sweet boy,
Thy inspirations give -
Of playfulness, and love, and joy,
Predestined here to live.

Downcast, or shooting glances far,
How beautiful his eyes,
That blend the nature of the star
With that of summer skies!
I speak as if of sense beguiled;
Uncounted months are gone,
Yet am I with the Jewish child,
That exquisite Saint John.

I see the dark-brown curls, the brow,
The smooth transparent skin,
Refined, as with intent to show
The holiness within;
The grace of parting infancy
By blushes yet untamed;
Age faithful to the mother`s knee,
Nor of her arms ashamed.

Two lovely sisters, still and sweet
As flowers, stand side by side;
Their soul-subduing looks might cheat
The Christian of his pride:
Such beauty hath the eternal poured
Upon them not forlorn,
Though of a lineage once abhorred,
Nor yet redeemed from scorn.

Mysterious safeguard, that, in spite
Of poverty and wrong,
Doth here preserve a living light,
From Hebrew fountains sprung;
That gives this ragged group to cast
Around the dell a gleam
Of Palestine, of glory past,
And proud Jerusalem!

(William Wordsworth)

Der Rhein für die gebildeten Stände (3)

Der Rhein durchfließt zuerst Graubündten, macht die Grenze zwischen dem vorarlbergischen Kreise und dem schweizer. Cantone St.-Gallen, scheidet dann, nachdem er den Bodensee verlassen hat, das Großherzogthum Baden und die Schweiz, von Basel an, wo er sich nördl. wendet, dasselbe Großherzogthum und die franz. Departements des Ober- und Niederrheins, sowie den Rheinkreis des Königreichs Baiern; durchströmt nun das Großherzogthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die preuß. Provinz Rheinland und zuletzt die Niederlande. Die vornehmsten in denselben sich ergießenden Flüsse sind: die Aar, die Jll, die Kinzig, Murg, der Neckar, der Main, die Nahe, Lahn, Mosel, Erft, Ruhr und Lippe. Viele beträchtliche Städte liegen an seinen Ufern, so in der Schweiz und Deutschland: Konstanz, Schaffhausen, Basel, Alt-Breisach, Speier, Manheim, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich. An Fischen ist der Rhein sehr reich. Man fängt darin Salmen, welche im Frühlinge im Hinaufsteigen aus der See Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst wieder nach dem Meere zu wenden, Salmen genannt werden, Rheinstöre, Neunaugen, Hechte, Karpfen, oft zu 20 Pfund schwer u.s.w. An Federwildpret hält sich auf den unzähligen Rheininseln und dessen Ufern eine Menge verschiedener, oft seltener Gattungen auf. Auch führt der Rhein etwas Gold unter seinem Sande, welches theils aus dem Gebirge Helvetiens, theils aus dem des Schwarzwaldes kommt. Eine vorzügliche Wichtigkeit, besonders für das westl. Deutschland, hat der Rhein durch die Schiffahrt. (S. Rheinschiffahrt und Rheinhandel.) Er wird von Chur in Graubündten an befahren; unter Schaffhausen fängt die bequemere Schiffbarkeit des Stromes an; allein die größere Rheinschiffahrt mit schwer beladenen Schiffen beginnt erst bei Speier. Von Strasburg bis Mainz gehen Schiffe, die 2000—2500 Ctr. laden, von Mainz bis Köln Schiffe von 2500—4000 Ctr., und von Köln bis Holland Schiffe, welche 6000 —9000 Ctr. tragen. (S. Flöße.) Außer den Rheinfällen hält man für die Schiffahrt gefährlich: 1) Das Bingerloch, bei Bingen, sechs Stunden unterhalb Mainz. Hier nähern sich die Berge, welche den Rhein einschließen, von beiden Seiten so, daß man bis an das Flußbett hinein den ehemaligen Zusammenhang der gegenseitigen Felsen gewahr werden kann. Diese Felsenwand, die sich von einem Ufer zum andern erstreckte, wurde wahrscheinlich im Laufe von Jahrhunderten durch die Gewalt des Wassers oder durch eine Erdrevolution zum Theil zertrümmert und ließ nun dem Strom eine zwar freie, aber enge Bahn. Karl der Große ließ diese Öffnung erweitern, doch blieb sie noch immer so enge, daß nur ganz kleine Fahrzeuge die Fahrt machen konnten. Erst unter dem Kurfürsten Sigismund von Mainz wurde der Weg für größere Schiffe fahrbar und minder gefährlich. Die einzige Durchfahrt, welche man das Bingerloch nennt, war bis zum J. 1834, wo die preuß. Regierung durch Sprengen dieselbe erweitern ließ, nur 50 F. breit, und auch jetzt ist dieselbe bei niedrigem Wasser nicht ohne Gefahr zu passiren. Daselbst steht auch mitten im Wasser auf einem Felsen Hatto’s Thurm oder der Mäusethurm. (S. Hatto.) 2) Das wilde Gefährt bei Bacharach, wo der Strom im Thalwege mit fürchterlichem Gefälle des Wassers zwischen Felsen und Banken eine Art Trichter bildet. Dasselbe ist nur für die den Strom hinabfahrenden Schiffe gefährlich. 3) Die sogenannte Bank von St.-Goar, wo des Flusses Wellen an eine Gruppe theils sichtbarer, theils verborgener Klippen anprallen und einen Strudel bilden. 4) Der kleine und große Unkelstein bei dem Städtchen Unkel, eine Gruppe Basaltsäulen, die theils unter dem Wasser verborgen sind, theils hervorragen. Die größere Gruppe, der große Unkelstein genannt, ist unter der franz. Herrschaft hinweggeräumt worden, und auch die kleinen Gruppen können bei hohem Wasser von leeren Schiffen überfahren werden.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Der Rheinsteig im Radio

SWR 2 sendet dieser Tage das Wanderweg-Feature „Der Rheinsteig – von Wiesbaden bis ans Deutsche Eck” von Helmut Frei, worauf Rheinseins Hüfingen/Baar-Korrespondent Dr. Lutz Mittler uns dankenswerterweise hinwies. Den ersten Teil gibts bereits als knapp halbstündigen MP3-Download: Niederwalddenkmal, Wacht am Rhein, Drosselgass, Heine, Goethe (in seiner Eigenschaft als Ausflugsdampfer), Bacharach: so weit, so bekannt seit 2000 Jahren. Dann tritt die Reblaus auf den Plan und ihr schärfster Gegner: der pfälzische Winzer, der Sylt beliefert. Auf die Reblaus folgt die Klimaverschiebung – der Riesling verträgt nicht zu viel Hitze – und die gefährdete Brückenlosigkeit des romantisch grundierten Weltkulturerbes: ein Fährmann weist auf die wirklichste aller Rheinwirklichkeiten: den Verkehrslärm. Im Biotop der Dörscheider Heide oberhalb Kaub leben Spanische Fliege, Gottesanbeterin, Gottesanbieterin, Diptam, Abwurz und brennende Büsche. Daß der Fluß früher schmutziger war, belegt eine schöne O-Ton-Stelle: “Hauptberuflich arbeitete Stefan Lauer viele Jahre als Schieferdecker. Grauschwarz waren Hände und Gesicht, wenn er abends nach Hause kam: „Wir konnten also früher ohne weiteres mit dem Kahn hin und her nach Sankt Goar. Das kann man heute einfach nit mehr so, das is teilweise sogar verboten, na, also dieses Fahrwasser zu kreuzen. Ich war immer in nem Beruf, wo ich also sehr schwarz wurde. Dann is mer abends heim gekommen und hat mer en Handtuch und Seife genommen und dann is mer an den Fluss und hat sich gewaschen, is da herumgeschwommen und dann war das gut. Dann nachher, bedingt durch die Industrie, durch die Abwässer und alles so. Der Rhein, der kippte ja fast in den Sechziger Jahre, da wars dann umgekehrt. Wenn mer dann im Rhein schwimmen war, dann musste man sich zuhause duschen. Ich weiß, ich hatte noch mal Fische gehabt und beim Putzen, beim Schrubben und beim Ausnehmen, da kam der Gestank hoch; da hab ich alles zusammen gepackt, hab das wieder dem Rhein übergeben, also das wars dann halt.“” Des Berichts erster Teil schwingt aus mit der im allgemeinen Rheinlärm erzitternden Kesterter Kirsche oder Kesterter Kirche, die einstens in Berlin gesichtet worden sein soll. Teil 2 ist für den morgigen Dienstagvormittag, halb neun angesetzt.