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		<title>Weihnachtshochwasser 1993, beruhigende Rheinstills</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 06:59:45 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern zeigte der WDR eine Doku zum Weihnachtshochwasser von 1993. Besetzung: der später vom Boulevard insignierte Hochwasserpapst (also seinerzeit noch: Hochwasserkardinal) Reinhard Vogt; Schürmann-Bau-Architekt Joachim Schürmann; Kölns Ex-Polizeipräsident Winrich Granitzka; Hochwasseropfer; widerliche Gaffer; der Rhein. Der Film von Meike Hemschemeier zeichnet die Ereignisse des berühmten Hochwassers nach. Anwohner erinnern sich, wie Rheinwasser durch die Steckdosen in ihre Häuser einbrach, wie sie Heilig Abend auf dem Speicher vebrachten und wie eine schöne Wohnungseinrichtung zunichte ging. Der Polizeipräsident bringt dem Leiter der Hochwasserschutzzentrale in höchster Not zwei Teddybären aus dem Präsidium mit, da letzterer im ganzen Brassel keine Zeit erübrigte, seinen Kindern Geschenke zu besorgen. Architekt Schürmann erklärt  unterdessen die Flutung seines unflutbaren Baus zu Bonn. Insgesamt ein Lehrfilm zur kölschen Lebensart: mit rheinvernichteten Existenzen lebt sichs gar nicht so übel, denn echte Fründe stonn zesamme. Et kütt wie et kütt &#8211; un wenn et dä Rhing es. Offene Fragen bleiben offen. Schuld trägt letztlich nur der Nubbel. </p>
<p>***</p>
<p>Gestern beim Zahnarzt. Im Wartezimmer an der Wand und im Behandlungsraum an der Decke sind Monitore angebracht, die im wohlkoordinierten Wechsel Standbilder offerieren, deren Einsatz der Patientenberuhigung dienen soll: Kölner Dom vor Feuerwerk; ein Frachter transportiert ein Space Shuttle oder dergleichen zum Technikmuseum Speyer, etc&#8230; durchgängig also Rheinmotivik, vermischt mit Explosivem und Schallmauerdurchbrechendem, zu mittleren Ewigkeitsanblicken gefroren. Draußen spielt dazu (laut Sprechstundenhilfe: seit Monatsbeginn) ein Leierkastenmann ununterbrochen dasselbe Lied. Drinnen Sirren die Bohrer. </p>
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		<title>Der Rhein für die gebildeten Stände (3)</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Dec 2010 23:03:22 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Rhein durchfließt zuerst Graubündten, macht die Grenze zwischen dem vorarlbergischen Kreise und dem schweizer. Cantone St.-Gallen, scheidet dann, nachdem er den Bodensee verlassen hat, das Großherzogthum Baden und die Schweiz, von Basel an, wo er sich nördl. wendet, dasselbe Großherzogthum und die franz. Departements des Ober- und Niederrheins, sowie den Rheinkreis des Königreichs Baiern; durchströmt nun das Großherzogthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die preuß. Provinz Rheinland und zuletzt die Niederlande. Die vornehmsten in denselben sich ergießenden Flüsse sind: die Aar, die Jll, die Kinzig, Murg, der Neckar, der Main, die Nahe, Lahn, Mosel, Erft, Ruhr und Lippe. Viele beträchtliche Städte liegen an seinen Ufern, so in der Schweiz und Deutschland: Konstanz, Schaffhausen, Basel, Alt-Breisach, Speier, Manheim, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich. An Fischen ist der Rhein sehr reich. Man fängt darin Salmen, welche im Frühlinge im Hinaufsteigen aus der See Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst wieder nach dem Meere zu wenden, Salmen genannt werden, Rheinstöre, Neunaugen, Hechte, Karpfen, oft zu 20 Pfund schwer u.s.w. An Federwildpret hält sich auf den unzähligen Rheininseln und dessen Ufern eine Menge verschiedener, oft seltener Gattungen auf. Auch führt der Rhein etwas Gold unter seinem Sande, welches theils aus dem Gebirge Helvetiens, theils aus dem des Schwarzwaldes kommt. Eine vorzügliche Wichtigkeit, besonders für das westl. Deutschland, hat der Rhein durch die Schiffahrt. (S. Rheinschiffahrt und Rheinhandel.) Er wird von Chur in Graubündten an befahren; unter Schaffhausen fängt die bequemere Schiffbarkeit des Stromes an; allein die größere Rheinschiffahrt mit schwer beladenen Schiffen beginnt erst bei Speier. Von Strasburg bis Mainz gehen Schiffe, die 2000—2500 Ctr. laden, von Mainz bis Köln Schiffe von 2500—4000 Ctr., und von Köln bis Holland Schiffe, welche 6000 —9000 Ctr. tragen. (S. Flöße.) Außer den Rheinfällen hält man für die Schiffahrt gefährlich: 1) Das Bingerloch, bei Bingen, sechs Stunden unterhalb Mainz. Hier nähern sich die Berge, welche den Rhein einschließen, von beiden Seiten so, daß man bis an das Flußbett hinein den ehemaligen Zusammenhang der gegenseitigen Felsen gewahr werden kann. Diese Felsenwand, die sich von einem Ufer zum andern erstreckte, wurde wahrscheinlich im Laufe von Jahrhunderten durch die Gewalt des Wassers oder durch eine Erdrevolution zum Theil zertrümmert und ließ nun dem Strom eine zwar freie, aber enge Bahn. Karl der Große ließ diese Öffnung erweitern, doch blieb sie noch immer so enge, daß nur ganz kleine Fahrzeuge die Fahrt machen konnten. Erst unter dem Kurfürsten Sigismund von Mainz wurde der Weg für größere Schiffe fahrbar und minder gefährlich. Die einzige Durchfahrt, welche man das Bingerloch nennt, war bis zum J. 1834, wo die preuß. Regierung durch Sprengen dieselbe erweitern ließ, nur 50 F. breit, und auch jetzt ist dieselbe bei niedrigem Wasser nicht ohne Gefahr zu passiren. Daselbst steht auch mitten im Wasser auf einem Felsen Hatto&#8217;s Thurm oder der Mäusethurm. (S. Hatto.) 2) Das wilde Gefährt bei Bacharach, wo der Strom im Thalwege mit fürchterlichem Gefälle des Wassers  zwischen Felsen und Banken eine Art Trichter bildet. Dasselbe ist nur für die den Strom hinabfahrenden Schiffe gefährlich. 3) Die sogenannte Bank von St.-Goar, wo des Flusses Wellen an eine Gruppe theils sichtbarer, theils verborgener Klippen anprallen und einen Strudel bilden. 4) Der kleine und große Unkelstein bei dem Städtchen Unkel, eine Gruppe Basaltsäulen, die theils unter dem Wasser verborgen sind, theils hervorragen. Die größere Gruppe, der große Unkelstein genannt, ist unter der franz. Herrschaft hinweggeräumt worden, und auch die kleinen Gruppen können bei hohem Wasser von leeren Schiffen überfahren werden.</p>
<p>(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)</p>
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		<title>Der Rhein für die gebildeten Stände (2)</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 23:08:06 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Bodensee bis Basel, wo der Rhein schon eine Breite von 750 F. erhält, hat er ein felsenreiches Bett. Von Basel aus wird sein Bett von vielen Inseln durchschnitten, die jedoch zum größten Theil blos aus Sand- und Kiesbänken bestehen, welche häufig von einer Seite weggerissen und an der andern wieder angesetzt werden. Von Breisach herab trifft man schon mehre bestaudete und selbst angebaute Inseln. Zwischen Strasburg und Germersheim ist das Bett immer noch sehr inselreich, aber der größte Theil dieser Inseln ist mit Gebüsch bewachsen. Zwischen Strasburg und Speier ist der Rhein 1000—1200 F., bei Mainz 1500—1700 F., und bei Schenkenschanz, wo er in die Niederlande eintritt, 2150 F. breit. Die Tiefe des Rheins beträgt 5—28, bei Düsseldorf sogar 50 F. Bei Schenkenschanz theilt er sich in zwei Arme, wovon der südl. die Waal heißt, zwei Drittheile seines Gewässers nimmt, sich hernach zweimal mit der Maas vereinigt und unter dem Namen Merwe in das deutsche Meer fließt. Der nördl. Arm des Rheins hatte vormals in seinem Laufe nach Arnheim zu mehre Windungen; seit 1720 aber hat man von der Waal aus bei dem Dorfe Pannerden einen Kanal gegraben, wodurch das alte Bett des Stroms nun größtentheils vertrocknet ist. Durch diesen pannerdenschen Kanal fließen jetzt die Gewässer des Rheins fort, nachdem sie sich unterhalb Millingen von der Waal getrennt haben. Ehe dieser Arm des Rheins nach Arnheim kommt, theilt derselbe sich wieder oberhalb Westervoort und bildet die sogenannte neue Yssel. Diese Abtheilung des Stroms ist eigentlich der Kanal, den Drusus graben ließ, indem die Gewässer sich bei Doesburg mit der alten Yssel vereinigen und zuletzt sich in die Zuydersee ergießen. Von da, wo sich  der Drusische Kanal von dem Rheine trennt, wendet dieser letztere sich nach Arnheim und behält seinen Namen, bis er bei Wageningen und Rhenen vorbei ist, wo er Lech heißt und auf Wyk bei Durstede fließt. Von hier floß sonst der Rhein mit vollem Strome nach Utrecht, jetzt ist aber nur noch ein sehr schwacher Arm übrig, der krumme Rhein genannt. Weiterhin, Vianen gegenüber, ist schon vor mehren Jahren aus dem Lech ein Kanal gegraben worden, welcher nach Utrecht geht und gewöhnlich die Vaart genannt wird. Da derselbe mit Schleusen versehen ist, so kommen auf demselben sehr beträchtliche Schiffe nach Utrecht und von da weiter nach Amsterdam. Unterhalb Vianen sondert sich ein kleiner Arm vom Lech ab, den man die Yssel nennt, und der sich eine Meile oberhalb Rotterdam in die Merwe ergießt. Der Lech fließt von Vianen nach Schoonhofen und geht oberhalb Crimpen op de Lek in die Maas. Von den Gewässern des Rheins, die nach Utrecht fließen, geht abermals ein Arm ab, welcher die Vecht genannt wird und sich nach einem achtstündigen Laufe bei Muyden in die Zuydersee ergießt. Der übrige Rhein fließt von Utrecht nach Leyden, wo er beinahe einem Graben ähnlich sieht. Bei Rhynsburg vorbei kommt endlich dessen kleines Gewässer, drei Stunden von Leyden, nach Katwyk op Rhyn, wo derselbe eine halbe Stunde davon sich noch zu Anfange dieses Jahrh. in den Sand verlor. Sonst hatte der Rhein da einen Ausfluß in die See bei Katwyk op Zee. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die alte Mündung wieder zu öffnen, welche durch die entstandenen Dünen verschwunden war, hat man erst seit wenigen Jahren die Schwierigkeiten völlig überwunden, indem man in einem Kanale die in den Sand sich verlierenden Gewässer des Rheins gesammelt hat. Am äußersten Ende desselben befindet sich eine Hauptschleuse, eine zweite inmitten, beim Anfange der Seedünen, eine dritte kleinere beim Ausgang des Kanals aus dem Rhein, und so ist durch Hülfe der Kunst der Ausfluß des Rheins  wiederhergestellt worden. Hierbei hatte man den Hauptzweck, die niedrigen Gegenden der Provinz Holland von dem überflüssigen Wasser zu entledigen und dadurch deren Werth zu erhöhen, welcher Zweck auch in hohem Grade erreicht worden ist.</p>
<p>(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)</p>
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		<title>Jerusalem am Rhein</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 23:48:33 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Schum-Städte lautet ein Sammelbegriff für Speyer, Worms und Mainz, geformt aus den Anfangslauten der hebräischen Namen der Städte. „Schum“: gilt, obgleich die älteste jüdische Siedlung am Rhein in Köln verortet wird, als Geburtsstätte des europäischen Judentums. „Jerusalem am Rhein“ lautet örf (öffentlich-rechtlich-folgerichtig) der Titel eines Films von Dietmar Schulz (aus diesem Jahr für das ZDF) auf den Spuren der Aschkenasim. Die Informationen bleiben spärlich. Der Film nennt Moses ben Kalonymos, Gerschom ben Jehuda und Raschi: Gesetztüftler, Bibelinterpreten, Stammväter der rheinisch-jüdischen Lehre im 10. und 11. Jahrhundert. Mehrfach der Hinweis, daß Juden nicht in Zünfte eintreten durften, daher ihre Synagogen von Christen gebaut wurden und erstere sich hauptsächlich auf Handel und Geldgeschäfte verlegen mußten. Im Vorfeld des ersten Kreuzzugs 1096 kam es zu Pogromen: auf dem Ritt nach Jerusalem übten nordwestfranzösische Kreuzritter das Morden, Plündern und Christianisieren vorab an den jüdischen Schum-Gemeinden. Weitere Pogrome zur großen Pestwelle ab 1300, etc, der lange üble  Bogen zu Reichskristallnacht und Auschwitz. Dann wieder: Programmierer, Historiker, Architekten beim virtuellen Nachbau der alten Synagogen an der TU Darmstadt. Trotz Hightech-Einsatz mäßig erfolgreiche Schriftentzifferer vor uralten jüdischen Grabmälern. Die sehr sehenswerte neue Mainzer Synagoge von Manuel Herz. Gelegentliche Flußwasser-Takes. Das wars. Öffentlich-rechtlicher Dokumentarfilm, wie er ein wenig an Informationsdürre leibt und von trocken eingestreuten Redundanzen lebt. Dafür bleiben die zentralen Informationen umso besser haften. Bildungsfernsehen der alten Schule. Zuletzt noch abrufbar gewesen in der ZDF-Mediathek.   </p>
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		<title>Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben.</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 07:47:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[MJt was grosser müh vnd arbeit / ia kosten vnd verlust die Römer vorzeiten haben gestritten wider das Teütsch land / ist niemand on wissen der echter gelesen hat die alte historien. Es ist jnen gering gewesen vnder jren gewalt zubringen Hispaniam / Galliam / Britanniam / Greciam / Asiam / Egypten / Macedoniam vn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>MJt was grosser müh vnd arbeit / ia kosten vnd verlust die Römer vorzeiten haben gestritten wider das Teütsch land / ist niemand on wissen der echter gelesen hat die alte historien. Es ist jnen gering gewesen vnder jren gewalt zubringen Hispaniam / Galliam / Britanniam / Greciam / Asiam / Egypten / Macedoniam vn ander villänder / aber Teütsch land wolt sich nit also liederlich ergeben / besunder das Teütsch land das der Rhein von occident / vnnd die Tonaw gegen mittag als starcke rinckmauren beschleüßt. Es hat manch tausent man müssen darüber zu grund ghan zu beiden seiten / wie du hören wirst. Dan die Teütschen theten solichen gewaltigen widerstand den Römern vnd allen jren fyenden / das vnder jren nachbauren ein solich sprichwort auß gieng. Will einer übel streiten / so reib er sich an die. Teütschen. Vnd wil einer streich lösen / so fahe er an ein zäck mit den Teütschen. Es habe die grausamme vnnd stäte überfäl der Teütsche gegen jren nachbauren den Römern so vil zu schaffen geben / das sie an eroberug Germanien offtermals verzweifflet / allein understünden jre prouintzen gegen den Teütschen vor überfal zu beschirmen / deshalb sie beide flüß Rhein vnd Tonaw auff jrer seiten mit vil trefflichen stetten vnd befestigungen verwaretend / als dan seind am Rhein / Bingen / Bopparten / Jngelheim / Mentz / Wormß / Speier / Rheinzabern / Seltz / Straßburg / Augst ob Basel / Keyserstul / Costentz / Arbon / vnd an der Tonaw / Augspurg / Regenspurg / Passaw / etc. Durch dies stett habe die Römer verhütet / das die Teütschen mit den jren / noch sie hinwider mit den Teütschen kein gemeinschafft dorffte haben. Der starck vnd namhafftig held Julius der erst keyser / legt sich zum ersten wider die Teütschen / vnd nam jnen die stett so an dem Rhein gelegen waren / die vor zeiten vnder den Galliern waren gewesen / aber durch die Teütsche erobert vnnd den Galliern ab getrungen / alsdann fürhin gemeldet ist / wie die Teütschen mit grossen scharen über den Rhein gefaren / die besten länder yngenommen vnd besessen haben. Do nun die Römer begerten des Rheinstroms vn den mit gewalt jnen zuziehen wolten / haben sich die Teütsche nit gesaumpt / sunder jnen fräuenlichen widerstand gethan. Doch mochte sie den Rheinstrom vo Basel an biß ghen Mentz nit behalten / sunder die Römer brachte jn zeitlich vnder jren gewalt / vnd besetzten alle stett vnd vn wärhafftige flecken mit haupleüten vnd kriegern. Die machten prouintzen darauß vnd vogteien / vnnd gaben den eroberten Teütschen ländern herzliche tittel vnd setzten grauen vnd hertzogen daryn. Die erst vnd gröst prouintz begreifft in jr Heluetiam / Sequanos vnd Rauracos/ das ist / Schweytzerland gegen Burgud / das Sunggöw biß ghen Bisantz vnd Baßler ladschafft biß ghen Colmar. Der hauptman diser prouintz hielt sich zu Bisantz / vnnd der vnder jm ander hauptleüt / vnder welchen einer sich hielt / bey Basel im Hole / der wartet das die Teütschen nitt über Rhein kämen / vnd den Römern in das land fielen. Nach diser prouintz kam Tractus Argentoratensis / das ist der Straßburger strich / vnd fieng an ob Schletstatt vnd gieng biß vnder Straßburg / wölche landschafft wir ietz zumal das vnder Elsaß nennen. Jr vorweser hieß der Straßburger graue / vnd was dem hertzogen zu Mentz vnderworffen. Do gieng an das erst Germania vnd begriff vnder jm das Straßburger land / Speirer land / Wormsser land vn Mentzer land. Die andern nennen es das ober Germaniam / vnd strecket sich biß in Lothringen. Ptolemäus streckt es biß an die Mosel / die er Obrincam nent. Sein oberster vorweser oder hauptman saß zu Mentz / vn her vnder jm eylff vögt / die hatten jre sitz / einer zu Salerion / das ist Seltz / einer zu Zabern / einer zu Vico Julio / jch acht es sey Weyssenburg oder Landaw / einer zu Speier / einer zu Alta ripa vnder Speier / das jetz heißt Altrip / einer zu Worms / einer zu Mentz / einer zu Bingen / einer zu Bodobriga / jetzunt Boppart / einer zu Confluentz oder Cobolentz / vn einer zu Antonaco / jetzunt Andernach. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)</p>
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		<title>De Rynstroom (5)</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 16:06:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Basel]]></category>
		<category><![CDATA[Binger Loch]]></category>
		<category><![CDATA[Erasmus von Rotterdam]]></category>
		<category><![CDATA[Joost van den Vondel]]></category>
		<category><![CDATA[Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Speyer]]></category>
		<category><![CDATA[Themis]]></category>

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		<description><![CDATA[O suivre en blancke Rynmeermin,
Die my tot stervens toe kunt kittlen,
Ghy helpt veel sielen aen gewin,
En menigh Graef aen eeretittlen,
En landen aen een` hoogen naem.
Hoe menigh heeft u overtogen,
En met uw rand bepaelt syn faem?
Hoe dickwils saeght ghy met uw oogen
Het hooghgeboren Hollandsch bloed,
En voelde in `t water synen gloed?
Het sy ick dan mijn ooghen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>O suivre en blancke Rynmeermin,<br />
Die my tot stervens toe kunt kittlen,<br />
Ghy helpt veel sielen aen gewin,<br />
En menigh Graef aen eeretittlen,<br />
En landen aen een` hoogen naem.<br />
Hoe menigh heeft u overtogen,<br />
En met uw rand bepaelt syn faem?<br />
Hoe dickwils saeght ghy met uw oogen<br />
Het hooghgeboren Hollandsch bloed,<br />
En voelde in `t water synen gloed?</p>
<p>Het sy ick dan mijn ooghen sla<br />
Op uw bisschoppelijcke torens:<br />
Of met een lent van vaersen ga<br />
Bevlechten uwe silvre horens:<br />
Of volgh uw` wuften ommeswaey:<br />
Of sing op `t ruisschen van uw baeren:<br />
Of huppel op mijn Keulsche kaey:<br />
Of koom door Bazel afgevaeren,<br />
Daer ghy Erasmus grafste kust,<br />
En wenscht het wijs gebeente rust.</p>
<p>Het sy ghy `s Keysers vierschaer schaeft<br />
Te Spier, dat swart van pleiters grimmelt,<br />
Daer Themis, grijs en afgeslaeft,<br />
Bekommert sit, en `t pleit beschimmelt:<br />
Het zy ghy brult in `t Binger loch:<br />
Of Neerland drenckt met volle vaten,<br />
En groeien doet van wijngersogh,<br />
En ydle en sotte sorgen haeten:<br />
Uw vocht bestelt mijn veder inckt,<br />
Tot datse in zee met u verdrinckt.</p>
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		<title>Der Führer am Rhein</title>
		<link>http://rheinsein.de/2009/09/11/der-fuhrer-am-rhein/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 15:33:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Adelheid von Stolterfoth]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Adolph Waldeck]]></category>
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		<category><![CDATA[Heinrich Heine]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich von Meißen]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Simrock]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad III.]]></category>
		<category><![CDATA[Levin Schücking]]></category>
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		<category><![CDATA[Straßburg]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolfgang Müller]]></category>

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		<description><![CDATA[Von einem fleißigen Leser auf die Existenz eines Fotos von Adolf Hitler mit Rhein aufmerksam gemacht worden. Im Internet war es denn auch vorhanden und bald aufgetrieben, ein fantastisches Bild, nebenbei. Zunächst jedoch spuckte Google einen verheißungsvollen Buchtitel aus &#8211; Adolph (sic!) Waldeck: Der Führer am Rhein von seiner Quelle bis zur Mündung. Ein Handbuch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von einem fleißigen Leser auf die Existenz eines Fotos von Adolf Hitler mit Rhein aufmerksam gemacht worden. Im Internet war es denn auch vorhanden und bald aufgetrieben, ein fantastisches Bild, nebenbei. Zunächst jedoch spuckte Google einen verheißungsvollen Buchtitel aus &#8211; Adolph (sic!) Waldeck: Der Führer am Rhein von seiner Quelle bis zur Mündung. Ein Handbuch für die Freunde der schönen Natur, der Kunst und des Alterthums, mit ausgewählten Balladen und Liedern, Bonn 1844. Eine kleine Mogelpackung. Die ersten, dem Autor wenig bedeutenden Rheinkilometer bis Mainz, werden in gefühlten siebeneinhalb Sätzen abgehandelt, die ebenfalls unbedeutenden Kilometer ab Düsseldorf in ähnlicher Manier. Zuhauf jedoch finden sich die versprochenen Balladen und Lieder, speziell mit historischen Bezügen auf den fokussierten Flußabschnitt, nicht selten schwerfällig anmutende Dichtung zur Hochzeit der Rheinromantik, welche meist Sagenstoffe bündelt. Levin Schückings bildungsbürgerliches Rheinlied macht den Auftakt und enthält ein paar Gran ebenjenes wuchtigen deutschen Ernsts, der Heine mit dazu veranlaßte, dem Volk sein Drittes Reich samt Desaster weiszusagen. Uhlands Straßburger Münstersage wirkt dagegen leichter, mit ihren verwunderten wechselgereimten Vierzeilern. Wolfgang Müllers trutzig-düstere Ballade von „der nächtlichen Erscheinung zu Speier“, gemeint ist die Wiederkehr der alten Kaiser: heute verfaßt, würden solche Zeilen als jene krude Mischung aus Esoterik und Nationalbewußtsein abgetan, die vor rund 80 Jahren in höchster Blüte standen. Fortan fällt in jedem zweiten Lied/Gedicht das Reimpaar Rhein/Wein. Rückert bereimt sauber „Die goldene Luft“, ein einst pestfrei gebliebenes Mainzer Sträßchen, flott sogar sind Kopischs (des Heinzelmännchendichters) Verse über den angeblich wegen niederer Standesherkunft angefeindeten, klugen Bischof Willegis. Adelheid von Stolterfoth äußert sich launisch zu Frauenlobs Tod. Simrock vervierzeilert die Sage von der schönen Gisela und Hans von Brömser, ihrem Vater, „dem Erbauer des Klosters Nothgottes, der auf dem Kreuzzug unter Conrad III. in Palästina nach glänzenden Waffenthaten in Gefangenschaft gerieth“, die Nebenflüße kommen zu Ehren und immer wieder erinnern die Strofen an mehr oder minder solide gemachte Promotion für eine Gegend, in der betuchtere Ausländer seit Mitte des 19. Jahrhunderts darob das deutsche Wesen zu finden hofften, mit Ausläufern bis in die Gegenwart. </p>
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		<title>Karlsruhe und Umgebung (2)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 09:56:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Alt-Dettenheim]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Gottfried Tulla]]></category>
		<category><![CDATA[Karlsruhe]]></category>
		<category><![CDATA[Lorsch]]></category>
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		<category><![CDATA[Rußheim]]></category>
		<category><![CDATA[Speyer]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Rheinkilometer 375 läuft der Strom mit starkem Sog in die Auwälder aus. Schauflug und Schautauchen der Kormorane werden begleitet von Pappelrauschen und silberreinem Rotkehlchensang. Hin und wieder ruft der wilde Kuckuck auf Selbstfindung seinen bezeichnenden Namen durch Gestrüpp und Wipfel. Alt-Dettenheim wurde mitsamt seinen Malariasümpfen im Zuge von Tullas Rheinbegradigung so gut wie ausgelöscht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Rheinkilometer 375 läuft der Strom mit starkem Sog in die Auwälder aus. Schauflug und Schautauchen der Kormorane werden begleitet von Pappelrauschen und silberreinem Rotkehlchensang. Hin und wieder ruft der wilde Kuckuck auf Selbstfindung seinen bezeichnenden Namen durch Gestrüpp und Wipfel. Alt-Dettenheim wurde mitsamt seinen Malariasümpfen im Zuge von Tullas Rheinbegradigung so gut wie ausgelöscht, dh, es besteht noch aus zwei Häusern und einigen ringgebundenen Infotafeln, die von lokalen Fröschen berichten, die sich zur Paarungszeit aus unbekannten Gründen blau verfärben. In Rußheim, das sich im tiefen Tal voll grüner Au hinter einem teichrosenbestandenen Wasserlauf auftut, gibt es eine Herrgottstraße sowie äußerst schmackhafte Himbeer-Zitronenquark-Flechtteilchen, für die sich sicherlich ein schöner Name erfinden ließe, und um Mittag ein plötzliches, fantomartiges Mutterkindaufkommen, das die leergefegten, in eine trügerische Staubdunstschicht gehüllten Straßen für einen halluzinatorischen Moment belebt. Ein somnambuler Flecken, ganz und gar kontrolliert von seiner zeitlupenhaft tickenden, einzig aufs Unterbewußtsein wirkenden Kirchturmuhr. Und auch ich gerate in diesen Rußheimer Zeitstrudel, der sich ganz in der Nähe sogar zu einem Bunkermuseum verdickt, dh in seine abnehmende Quirlbewegung, die auf Stocken und Verharren weist, Speyer werde ich aufgrund dieser Verzögerung nicht mehr erreichen, ein seltsamer Zwang das Krabbeln der Feuerwanzen zu betrachten trägt dazu bei, auch die empfundene Notwendigkeit die Flugkurven gelegentlich und einzeln anfliegender Insekten zu berechnen, nicht wenige steuern direkt auf meinen Mund; dann geht ein Ruck oder ein Riß durch solche Rußheimsche Gefangenschaft, ich finde mich außerhalb Rußheims auf dem Sattel wieder und den Gießgraben querend erreicht Rheinsein das bereits im Lorscher Codex erwähnte Rheinsheim mit seinem Kleintierzuchtverein, seinen gefallenen Weltkriegshelden, seiner auffälligen Sandstein-Muttergottes-mit-dem-Kind vor der domartigen St. Vitus-Kirche, seinem aus scharfen, unübersichtlichen Kurven dringenden Durchfahrtsstraßenlärm und seinen sacht im Wind wippenden Kastanienblüten. Früher Nachmittag dümpelt über dem Ort, ich suche nach Anzeichen für das nahe Kernkraftwerk Philippsburg, ein paar Anwohner streicheln ihre Autos &#8211; nichts Besonderes.</p>
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		<title>Brauweiler</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 18:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Brauweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Adenauer]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Baumgärtner]]></category>
		<category><![CDATA[Nikolaus von Myra]]></category>
		<category><![CDATA[Speyer]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute Nacht bekam ich von Martin Baumgärtner vom Rheinkolleg in Speyer einen Hinweis auf den tausendjährigen Brauweiler Maulbeerbaum &#8211; zu finden im Rahmen der Serie „Geschichten der Verbundenheit“ der Regionale 2010. Später am Tag: das Wetter hübschte unaufhaltsam vor sich hin, dazu passend setzte der Baulärm im Hof nach halbjähriger Pause wieder ein, also schwang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute Nacht bekam ich von Martin Baumgärtner vom Rheinkolleg in Speyer einen Hinweis auf den tausendjährigen Brauweiler Maulbeerbaum &#8211; zu finden im Rahmen der Serie „Geschichten der Verbundenheit“ der Regionale 2010. Später am Tag: das Wetter hübschte unaufhaltsam vor sich hin, dazu passend setzte der Baulärm im Hof nach halbjähriger Pause wieder ein, also schwang ich mich aufs Rad, mir besagten Maulbeerbaum genauer anzuschaun. Um mich rum überall erwachendes Leben: der erste Star hüpfte durchs Gebüsch, die früheste Feuerwanze schleppte ihren grellen Schild übern Asfalt. Ich fuhr ohne Karte, nur an den Gestirnen orientiert, dh, an der Sonne, den Domspitzen und den Kühltürmen der Kraftwerke in der Periferie. So querte ich jede Menge Waldstreifen, Sackgassen, Trampelpfade, Baugruben und immer wieder Industriegebiete mit ihren  lebenspendenden Freßverschlägen: Colonia Imbiss, oder, kreativer: Müllers heiße Kiste. Am Ende gelangte ich schließlich und tatsächlich nach Brauweiler und fand den umgitterten tausendjährigen Maulbeerbaum (Morus nigra) an genau der Stelle, wo ursprünglich die St. Medardus geweihte Holzkapelle stand, die Pfalzgraf Hermann um 980 n. Chr. in Stein erneuern ließ, wie mich eine davor aufgestellte Informationstafel belehrte. Sonderlich tausendjährig sah es nicht aus, das vertrocknete Holzgewure, aus dem es jedoch trotzig knospte und sproß: das Wunder des Frühlings und der Selbstregeneration Gottes heiliger Gewächse. Hummeln im Tiefflug brummten über die Wiesen des Abteiparks. Gelblich-grüner Regen tropfte von aufgeräumten Weidenzweigen, auch die Gänseblümchen schauten wieder halbwegs zufrieden aus den safttankenden Rasenflächen. „Seit 1864 diente das heutige Bürohaus für rund hundert Jahre der Arbeitsanstalt als Frauenhaus für „Arbeitsscheue“, Diebinnen, Prostituierte und Trinkerinnen.“ Noch so eine historische Lehrtafel, unweit des Gedenksteins für die Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt, auch Adenauer soll in einem offenbar nicht mehr existenten Trakt des stark an gängige Schulen erinnernden Gebäudes, von der Gestapo genutzt,  eingesessen haben. Brauweiler, um die zentrale Abtei gruppiert, entpuppt sich als seltsamer Ort einer ewig im Aufbruch befindlichen Moderne, krude Bilderstöcke vis à vis Kondomautomaten, die ortsansässige Gourmet Lounge steht im Zeichen des Dönerkegels, im braunlichten Brauhaus rotieren die Münzspielautomaten, das San Remo bietet exotische Eissorten in chemisch-leuchtenden Farben, der Frauenfußball wird auf hohem Niveau gepflegt. Ich tastete mich dann noch durch den Dämmer der Abteikirche, die wie so viele rheinische Kirchen nach St. Nikolaus benannt ist, naiv gearbeitete Nischenheilige im Foyer, dem Schutzheiligen der Radfahrer steckte ich einen innigen Gruß und machte mich auf den Rückweg entlang der Landstraße.</p>
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