Die Gegend ist dort wirklich dreier Ausrufezeichen werth

Bonn, 7. und 9. Dezember 1864
[...]
Nun ist der Brief doch noch etwas liegen geblieben. So kann ich Dir denn noch vom Abend bei Prof. Schaarschmidt erzählen.
Seine Frau ist eine Holländerin, und wir haben beide zusammen über rheinisches Essen und rheinische Unreinlichkeit geschimpft; sie will mich nächstens einmal zu Holländisch(er) Küche einladen. Der Prof. ist urgemüthlich, Berlinerkind; wir haben ebenso angenehm uns unterhalten als gegessen.
[...]
F.

***

Bonn, 11. und 12. Dezember 1864

Meine liebe Lisbeth,
gar gerne möchte ich als Motto meines Briefes darüber schreiben “interessant und geistreich”, ich gehe nämlich von der Ansicht aus, daß ein Brief immer so ist, wie er aufgenommen wird, und vielleicht darf ich in dieser Beziehung die besten Hoffnungen haben.
Das war ein Posaunenstoß zur Einleitung. Jetzt kommt Schilderung der Situation.
Ich schreibe jetzt, morgens, eben des Bettes mich entwunden habend, zur direkten Widerlegung der Ansicht, daß ich Kater hätte. Du wirst diese geschwänzten Thiere nicht kennen. Gestern war großer Commersabend mit dem feierlichen Landesvater und unendlichen Bowlenströmen; Gäste aus Heidelberg und Göttingen; mehere Professoren, darunter Schaarschmidt waren eingeladen und haben sehr nette Reden geredet. Deussen hielt eine famose Fuchsrede; unendliche Telegramms von allen Weltenden und Burschenschaften, von Wien, Königsberg, Berlin usw. Wir waren über 40 Mann zusammen, die Kneipe war prächtig geschmückt. Ich habe eine sehr angenehme Bekanntschaft gemacht, die des Doktor Deiders, der fabelhafter Schumannfreund ist; wir haben uns unsre gegenseitigen Besuche versprochen; nun habe ich doch endlich einen tüchtigen Musikkenner gefunden. Die gestrige Gemüthlichkeit war eine herrliche, erhebende.
Weißt Du, an solchen Commersabenden herrscht ein allgemeiner Seelenschwung, da giebt es keine Biergemüthlichkeit. Heute Mittag ist großer Auszug durch die Hauptstraßen mit Paradeanzügen und fabelhafter Rennomage. Dann fahren wir mit Schiff nach Rolandseck, dort ist großes Diner in Hotel Croyen, und was weiter folgt, das steht im subjektiven Belieben. – Vorgestern Abend fieng der Commers an, wir tranken bis gegen 2 Nachts, sammelten uns gestern um 11 morgens zu einem Frühschoppen, machten dann einen Markttrottoirbummel, aßen zu Mittag und tranken bei Kley gemeinsam Kaffe. Du siehst, die Thätigkeit und die Anstrengung ist groß – und ich habe Recht, mit erhobenem Bewußtsein sagen zu können: ich habe keinen Kater.
Dies Schilderung der Situation. Jetzt kommt der literarische Briefkasten.
Viele von den Büchern, die Du beschreibst, sind mir nicht ganz unbekannt, die Lebensräthsel habe ich wohl auch einmal gelesen. Ich dächte, mehr noch als die Altejungferstube müßte Dir der junge Professor, der gegen Schluß antritt, gefallen haben. – In Daheim lies doch “Marie und Maria.” Hausse und Baisse, das Du mir vielleicht nicht zu übersetzen brauchst, scheint mir vom philosophischen Katheder herab geschrieben. Durch Kreuz zur Krone und Gott ist mein Heil, wie Morgen und Abend verschieden, wird von der Kreuzzeitung gelobt. Die Problematischen Naturen habe ich auch noch nicht ausgelesen. Wie so ich überhaupt in diesem Semester noch keinen Roman gelesen habe. –
Heute morgen setze ich den Brief fort, und Du bekommst auf diese Weise eine vollständige Schilderung unsres Commerses.
Wir haben ein wunderschönes Wetter gehabt, der Auszug mit schöner Husarenmusik machte großes Aufsehen, der Rhein hatte die schönste blaue Farbe, wir hatten Wein mit auf das Dampfschiff genommen. Wie wir nach Rolandseck kamen, wurden Böller zu unserm Empfang gelöst. Wir tafelten nachher bis gegen 6 Uhr, waren ausnehmend vergnügt und sangen viele selbstverfaßte unsinnreiche Lieder. Draußen war es Dämmrung geworden, der Mondschein lag auf dem Rhein und beleuchtete die Gipfel des Siebengebirgs, die aus dem bläulichen Nebel hervortraten. Nach Tische saß ich mit Gaßmann, vielleicht dem interessantsten Menschen der Frankonia und Bierzeitungsredakteur und Kneipwart zusammen; wir blieben bei einem edlen Rheinwein, während die andern Champagnerbowlen tranken. Die Gegend ist dort wirklich dreier Ausrufezeichen werth, besonders die reizende Insel Nonnenwörth, auf der ein Mädchenpensionat ist; darüber ragt der Drachenfels, diese mächtige steile Felswand. Der Ort macht den Eindruck der tiefsten Ruhe. – Nachher bin ich mit wenigen nach Bonn zurück gefahren, während die andern die Nacht dort geblieben sind und wahrscheinlich heute morgen eine Spritze in das Siebengebirge machen.
Heute morgen bin ich denn sehr froh und munter aufgestanden, denke zuerst an Dich und beendige den Brief, damit er noch zeitig genug eintrifft.
So hast Du denn ein Bild meiner letzten Tage, wunderschönen Tage, die Du Dir mit aller Phantasie ausmalen darfst. Allerdings habe ich bei dieser Ueberfülle des Stoffs Dir nur einiges Thatsächliche mitgetheilt und keine Gelegenheit gehabt, schöne und feine Bemerkungen zu machen. Lebe nun recht wohl und grüße die liebe Tante Rosalie, sowie alle, die sich meiner gern erinnern. Adieu, liebe Lisbeth
Dein Fritz.

(aus: Friedrich Nietzsche, Briefwechsel, Kritische Gesamtausgabe, Erste Abteilung, Zweiter Band, September 1864 – April 1869)

Linz

Auf dem Weg zu Klaus Krumscheids und A. J. Weigonis Atelierlabor im Linzer Rheintor. Die Kölner Verkehrsbetriebe geben ihrer Kundschaft per Lautsprecherdurchsage detaillierte Anweisungen zum Einsteigen, Mitfahren und Aussteigen in und aus ihren Bahnen. Der einsetzende Weihnachtsmarktrummel machts nötig. Am Hauptbahnhof kauert ein Engel an die Wand gelehnt auf dem Fußboden: in dieser Haltung wirkt er wie ein Kontrast zu sich selbst in seinem gleißenden Weiß, mit den blonden Löckchen, den silbrig strahlenden Schwingen. Die Regionalbahn braucht rund eine Stunde bis Linz. Sie quietscht und pfeift und hält dann und wann auf offener Strecke. Die ist gesäumt von Industrien, Siebengebirgen und einem schwer zurückgezogenen Rhein. Eine Dame im Zug spricht vom Schmelzen der Gletscher: „Das ist schon beängstigend. Was machen wir denn, wenn der Rhein verschwindet?“ Erstmal die zahlreichen Blindgänger sprengen, später dann Reibach mit der neu gewonnenen Baufläche, vermutlich. In Linz ist der erste Weg der zum Fluß, der viel von seinem holprigen Schotterbett zeigt. Ein paar containerartige Schnellimbißbuden fallen ins Auge – alle mit Deppenapostrof, alle außer Betrieb. Die Fähre nach Remagen hingegen ist eifrig unterwegs. Flußufer und Städtchen sind in Linz von einer häßlichen Hochtrasse getrennt, unter der sich Parkplätze befinden – und wieder mittels einer Fußgängerunterführung verbunden, von der wir gerne wüßten, wer sie sich ausgedacht hat. Sie führt direkt auf den Rheinturm, durch dessen Tor bereits der Linzer Weihnachtsmarkt grüßt. Ä Tännschen please, heißt eine unübersehbare Saisonaktion der Geschäftsinhaber, welche die stark verfachwerkte und reichlich mit Ritterrüstungen ausstaffierte Linzer Altstadt nun auch noch mit der höchsten Tannenbaumdichte pro Quadratmeter bedenkt, die jemals in Fußgängerzonen zu sehen war. Die Außenlautsprecher des Café Leber (ob dort wirklich Leber serviert wird, konnten wir nicht überprüfen) pusten derart grausige Weihnachtstöne in die Gegend, daß wir unweigerlich den Schritt beschleunigen. Hügelan, es dunkelt bereits, treffen wir auf eine weitere Weihnachtszone mit Büdchen und einer Bühne, auf der eine frierende a cappella-Truppe schlecht ausgesteuerte Medleys anstimmt: “rote Lippen soll man küssen, au-wauwauwau…ti amo…” Flucht auch von diesem Ort. Nur bringt eine Flucht durch die Linzer Straßen einen schnell an die wenigen möglichen Ausgangspunkte zurück. Vor Erreichen derselben queren wir die Straße Auf der Donau, deren Name aber nichts mit der Donau zu schaffen haben soll. Das dort ansässige Spielwarengeschäft führt Kunstobjekte statt Spielwaren. Im Fliehen gelingen noch ein paar Fotos. Ob japanische Touristen sich so fühlen? (Linz besuchen allerdings eher spanische oder Westerwälder Touristen.) Im Rheintor-Labor, einem kleinen Raum, dessen gelbe Innenkachelung noch auf seine einstige Nutzung als Freibank weist, und der (warum auch immer) sofort die Assoziation „Beschleunigungskammer“ in uns weckt, finden sich einige Besucher. Vernissagenherumstehen, Lesung und Verkosten des lokalen Rieslings, denn es gibt welchen – auf 50° 34′ 5” nördlicher Breite nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Außerdem bekommen wir eine Führung von Bernhard Hofers Witwe Gabriele, die den Torturm (mit exzellenten Blicken auf den Fluß und den Weihnachtsmarkt) bewohnt und sich um den künstlerischen Nachlaß ihres Mannes kümmert, dessen Unkeler Kirchenfenster nun auf unserer Besichtigungsliste steht. Dann geht es noch in die kleinste Kneipe von Linz, einen sympathischen Laden, in dem zu zwei festen Terminen pro Jahr das Saustechen, ein skatverwandtes Kartenspiel, das man womöglich nur in Linz kennt, ausgetragen wird. Über dem Spieltisch hängen seit zwanzig Jahren Gäste und Mitspieler im Stile von Leonardos Abendmahl als Karikaturen arrangiert. Der Wirt besaß demnach seinerzeit einiges an äußerlichen Gemeinsamkeiten mit Saddam Hussein. Daß die Linzer, weil sie bei einem mißlungenen Überfall auf die Andernacher einst von deren Bienen vertrieben wurden, für den Bienenstich mitverantwortlich seien, wußten wir bereits. Nicht aber, daß die Linzer Strünzer das “eigentliche Kölsch” sprächen, eine Sichtweise, die jedoch außerhalb von Linz noch kaum Verbreitung fand.

Adolf Clarenbach (2)

Drachenfels

Kennt ihr die sieben Berge,
Das Siebengebirge am Rhein?
Sie ragen und sie blauen
So stolz ins Land hinein,
Und drunten glänzt wie Silber
Der majestätische Strom,
Drin spiegeln sich die Burgen,
Die Städte und der Dom.

`S war Sommer. Die Schiffe zogen
Mit Wimpeln vorbei auf den Well`n,
Sie schleppten schwere Frachten
Für die reichen Kaufherrn in Köln.
Die Mägdlein und die Knaben,
Sie zogen rheinauf, rheinab
Und grüßten die milden Lüfte
Mit Hut und Wanderstab.
Das ist ein Singen und Jauchzen
Im Sommer am grünen Rhein!
Ein fröhlicher Volk auf Erden
Mag nirgend zu finden sein.
Die fernen Hügel klingen
Im Widerhall mit ein
Und wandeln die jubelnden Lieder
In funkelnden goldenen Wein.

Am Ufer bei Königswinter
Zieht eine Studentenschar
Mit Samtbarett und Degen,
Magister und Scholar.
Sie haben die schweren Folianten
Mit Wonne geworfen beiseit,
Denn wiederum ist gekommen
Die goldene Ferienzeit.
Sie schwenken ihre Hüte,
Wie ist die Welt so schön!
Sie singen mit hellen Stimmen
Es schallt hinauf zu den Höhn:

“Eine Stadt liegt drunten am Rheine,
Am großen gewaltigen Strom,
So herrlich weiß ich keine
Mit Kirchen, Türmen und Dom.
Es spiegeln sich Burgen und Masten
Im leuchtenden, grünen Rhein
Es tragen die Schiffe in Lasten
Die Schätze der Erde hinein.

In Sälen sitzen und schwitzen
Die Jünger der Wissenschaft,
Es fliegen die Klingen und blitzen
Voll Mut und Jugendkraft.
Und wandeln die blonden Zöpfe
Und blauen Augen am Rhein,
So verdrehen sie uns die Köpfe,
Wir besingen sie beim Wein.

Die sieben Berge winken
Herüber im Märchenduft,
Des Stromes Wellen blinken,
Und alles zur Freude ruft.
Dann satteln wir die Rosse
Und fliegen ins Land hinein
Und schauen vom trutzigen Schlosse
Hernieder, vom Drachenstein.”

In Königswinter kehren
Im goldenen Anker sie ein
Und löschen aus kühlem Keller
Den Durst mit funkelndem Wein.
Sie sitzen auf hoher Terrasse
Sehn drunten des Stromes Lauf
Und singen die goldenen Lieder
Zum Drachenfelsen hinauf.
Das war ein fröhlich Zechen
Am strömenden heiligen Rhein,
Man sagt, solch fröhliches Trinken
Soll nirgend zu finden sein.
Jetzt ruft beim letzten Humpen
Der lange Peter: “Wohlauf
Ihr lieben Kommilitonen,
Hört an und merket auf:
`S ist heute am samstag der elfte
Im Erntemond August
Den Gott der Herr geschaffen
Der ganzen Welt zur Lust.
Wir ziehen für vier Wochen
In alle Winde hinaus,
Um brave Philister zu werden
Bei Vater und Mutter zu Haus.
Doch heute über vier Wochen
Da finden wir uns fein
Vollzählig, wie wir hier sitzen,
Im goldenen Anker ein.
Und wer dazu sich verbindet,
Besinne sich nicht lang
Und stimme nach Burschensitte
Frisch ein durch Becherklang!”
Da klingen die vollen Römer,
Beendet wird der Schmaus,
Und lustig ziehen die Brüder
In alle Welt hinaus.

***

(aus: Ludwig Schneller – Adolf Clarenbach. Abseits der beschriebenen Szenerie wartet bereits der stille Held Adolf Clarenbach. Er wird sich im Laufe des Epos ritterlichen Prüfungen wie einem Singturnier unterziehen müssen, deren Ausgänge trotz langatmig geschilderter Szenerien so absehbar sind wie die verwendeten Endreime.)

Schikos Rhein (6)

SiebengebirgeDie Kuppen des Siebengebirges im mystischen Dunst, dahinter liegen Fantasiereiche bzw nicht näher bekannte vorpolnische Gebiete. In deren tieferen Tiefen der Fotograf wiederum seine Ahnen vermuten darf. Danke, Schiko!

Auguste Duméril sur les bords du Rhin

Copie d’une lettre que j’ai écrite à Joseph Fabre, après mon voyage sur les bords du Rhin, en 1846, et qui peut servir de journal abrégé de ce voyage.

Le soir du jour où vous m’avez embarqué au chemin de fer, c’est-à-dire, lundi 14 Septembre, je suis arrivé, à 2 h ½ environ, à Bruxelles, et là, suivant le conseil de M. V. Cumont, je me fis immédiatement conduire à la diligence de Namur, qui allait partir, et je me trouvai le lendemain matin à Namur, à 6 h.: à 6 h ½, une autre diligence, se mettant en route pour Liège, je m’installai sur une banquette surnuméraire, adossée au cabriolet de l’impériale, et de là, comme d’un observatoire, d’où ma vue pouvait s’étendre de tous côtés, j’ai parfaitement joui de la vue des bords pittoresques de la Meuse, dont la grande route suit presque constamment le cours, de sorte que je n’aurais pas mieux vu, je crois, à bord du bateau, si j’avais suivi mon premier plan, qui était d’aller par eau, de Namur à Liège, où je ne serais arrivé que le mardi soir, tandis que j’y étais à une heure, et qu’à 5 h, je me trouvais à Aix-la-Chapelle, où je me mis en rapport avec M. Darancourt, qui ne savait pas l’Allemand plus que moi. Nous passâmes notre soirée au café de la source Elise, au théâtre, et à la redoute, où nous ne vîmes pas de joueurs trop acharnés, mais où je pus prendre une idée de ce que sont la Roulette et le 31. Le lendemain matin, nous avons visité l’hôtel de ville, la cathédrale, dont je fus très frappé, car c’était le premier exemple que je voyais de cette architecture byzantine, dont je devais voir de si beaux échantillons à Bonn, mais surtout à Mayence: les fameuses reliques, et la jolie montagne du Louisberg. Ce même jour, nous avons visité Cologne, dont j’ai extrêmement admiré la magnifique cathédrale, malheureusement inachevée, mais pour laquelle on dépense maintenant 500 000 F par an: si elle est jamais achevée, ce sera, je crois, une des plus belles églises gothiques qui se puissent voir. L’Eglise Ste Marie du capitole, curieuse par des restes de constructions romaines; l’église des Jésuites, richement ornée, surtout par un banc de communion, de marbre blanc, couvert de charmante sculpture, et l’église de St Pierre, où se voit le curieux tableau de Rubens, représentant le crucifiement de St Pierre, qui est vu la tête en bas. Le soir de ce même jour, nous vînmes coucher à Bonn. Ici, commence le magnifique spectacle qu’offre le Rhin, et la matinée du jeudi, passée, ainsi que je vais vous le raconter, a été pour moi pleine d’enchantement. Nous prîmes un guide, et après avoir visité, dans la ville, la cathédrale, d’un aspect particulier, et la statue de Beethoven, nous nous dirigeâmes, en voiture, vers le Kreutzberg, montagne élevée, où existe une église, avec un escalier de marbre, qui ne se monte qu’à genoux, et dont un caveau contient des moines momifiés, par la sécheresse du lieu, et l’absence complète pendant des siècles, du contact de l’air extérieur: physiologiquement, c’est un fait, qui ne manque pas d’intérêt: la peau est parfaitement intacte et dure, comme du cuir tanné. De là, la vue est déjà belle, mais elle est plus belle encore, du Godesberg, où nous allâmes ensuite, et où se voient des ruines assez considérables: elle l’est certainement davantage, sur le Rolandseck, où se voient quelques ruines, et d’où la vue plonge sur le Rhin, et sur les îles considérables qui existent dans ce point, et sur l’une desquelles est construit un grand bâtiment qui, de monastère qu’il était autrefois, est devenu un hôpital.

Après être descendus, nous avons traversé le Rhin, en bateau: il a, dans ce point, une largeur extrême: sur l’autre rive, est la haute montagne du Drachenfels, que nous avons également gravie, et d’où nous avons joui du plus admirable point de vue, car on a, autour de soi, les autres monts; qui forment ce que l’on nomme les 7 monts, le Rhin, et, de l’autre côté, les monts qui bordent la rive. En redescendant, on arrive à la petite ville de K, où mon compagnon de voyage me quitte, pour prendre le bateau à vapeur, qui devait le conduire à Coblentz, et moi, je traversai le Rhin, sur un pont volant, pour rejoindre la voiture qui me ramènera à Bonn, que je ne voulais pas quitter sans avoir visité l’Université. Les 6 heures environ passées dans cette ravissante excursion, si elles furent accompagnées d’une assez grande fatigue, qui me dura 2 ou 3 jours, furent vraiment délicieuses, car je n’avais jamais eu encore l’occasion de voir la nature sous un si magnifique et si imposant aspect; mais je ne savais pas encore quels enchantements m’étaient réservés, pour le lendemain. A Bonn, tous les professeurs étaient absents: je visitai cependant avec assez de détails Cl., ancienne résidence d’été des électeurs, où se voient une belle collection d’anatomie, mais surtout, de magnifiques collections d’histoire naturelle, renfermées dans des salles, de l’aspect le plus grandiose. J’ai visité la clinique d’accouchement, composée de 12 lits, d’une collection curieuse de bassins vicieux, et d’instruments d’obstétrique, qui me furent montrés par l’aide de clinique du professeur Kilian. Il y a là une douche ascendante de 2 mètres ½ environ de hauteur, pour les accouchements prématurés: il paraît qu’on obtient de bons résultats de ce procédé, qui n’est jamais mis en usage chez nous, à ce que je crois.

(Quelle: http://correspondancefamiliale.ehess.fr/)

Melville in London

“X X X I last wrote in my journal on the banks of the Rhine – & now after the lapse of a few days, I resume it on the banks of the Thames, in my old chamber that overlooks it, on Saturday the 15th of Dec: `49. – I broke off at Coblentz on Monday night, Dec: 10th. The same night I fell in with a young Englishman at a cigar shop & had a long talk with him. He had been in America, & was related to Cunard of the Steamers. Next morning, Tuesday Dec 11th, I again rambled about the town – saw the artillery-men & infantry exercise on the parade ground. Very amusing indeed. Saw a squadron of drumers. Walked down & up the river, & while waiting for the Cologne boat spent at least two hours standing on a stone peir, at the precise junction of the Rhine & Moselle. At 3 o´clock started for Cologne on a Dusseldorf boat. It was intensely cold. Dined at the table d`hote in the cabin. Fine dinner & wine. Drank Rhenish on the Rhine. Saw Drachenfells & the Seven Mountains, & Rolandseck, & the Isle of Nuns. The old ruins & arch are glorious – but the river Rhine is not the Hudson. In the evening arrived at my old place – Hotel de Cologne. Recognized Drachenfells in a large painting on the wall. Drank a bottle of Steinberger with the landlord, a Rhinelander & a very gentlemanly, well-informed man, learned in wines. At 1/2 past 6 P.M went to the Theatre. Three vaudevilles acted. Audience smoking & drinking & looking on. Stopped in a shop on my way home & made some purchases for presents, & was insidiously cheated in the matter of a breast-pin, as I found out after getting to London, & not before. God forgive the girl – she was not very pretty, either – which makes it the more aggravating.”

Rhein vs Themse

In seiner britisch-perfekten Art ringt Thomas Hood, als recht später der frühen englischen Rheintouristen, der üblichen Rolandseck-Nonnenwerth-Drachenfels-Konstellation ein paar eigene Aspekte ab, stellt den überfälligen Vergleich zur heimatlichen Themse an und entdeckt einige historische Zwerge: „And now, Gerard, could I but write scenery as Stanfield paints it, what a rare dioramic sketch you should have of the thick-coming beauties of the abounding river: – the Romantic Rolandseck – the Religious Nonnenwerth – the Picturesque Drachenfels! But „Views on the Rhine“ are little better than shadows even in engravings, and would fare still worse in the black and white of a letter. Can the best japan fluid give a notion of the shifting lights and shades, the variegated tints of the thronging mountains – of the blooming blue of the Sieben Gebirge? Besides, there is not a river or a village but has been done in pen and ink ten times over by former tourists. Let it be understood then, once for all, that i shall not attempt to turn prospects into prospectuses: „And do all the gentlemen`s seats by the way.“ I must say a few words, however, on a peculiarity which seems to have escaped the notice of other travellers: the extraordinary transparency of the atmosphere in the vicinity of the Rhine. The rapidity of the current, always racing in the same direction, probably creates a draught which carries off the mists that are so apt to hang about more sluggish streams – or to float lazily to and fro with the ebb and flow of such tide rivers as the Thames: certain it is that the lovely scenery of the „arrowy Rhine“ is viewed through an extremely pure medium. To one like myself, not particularly lynx-sighted, the effect is as some fairy euphrasy had conferred a supernatural clairvoyance on the organs of vision. Trees and shrubs, on the crests of the hills, seem made out, in the artist phrase, to their very twigs; and the whole landscape appears with the same distinctness of detail as if seen through an opera-glass or spectacles. To mention one remarkable instance: some miners were at work on the face of a high precipitous mountain near Unkel; – the distance from the steamer was considerable, so that the blows of their sledges and pickaxes were quiet unheard; yet there were the little figures, plying their tiny tools, so plainly, so apparently close to the eye, that it was difficult to believe that they were of the common dimensions of the human race. Had those dwarf miners, the Gnomes of German romance, a material as well as a fabulous existence? Of course not: but I could not help thinking that I saw before me the source whence tradition had derived the Lilliputian mine-hunting elfins of the Wisperthal, who constructed the Devil`s Ladder.“

Rolandsbogen

Alexander von Humboldt soll geäußert haben, daß der Rolandsbogen am Hang des Rodderbergs einen der sieben schönsten Blicke der Welt biete. Die anderen sechs würden mich ziemlich interessieren. Natürlich muß sich der Wanderer einen solch hochrangigen Blick erst erkämpfen. Bei Küchen Lauth in Rolandswerth führt eine Straße auf den dicht bewaldeten Berg, der abenteuerlustige Forscher aber nimmt den bei Regen als Flußbett dienenden Kopfsteinpflasteraufstieg, wobei er durch eine kleine Reihe in ihrer Imposanz sich stufenweise vergrößernder (somit fern ans Babuschkapuppenprinzip erinnernder) Bögen schlüpft, um schließlich nach manchen Mühen am einzig wahren Rolandsbogen zu landen. In der Botanik rechts und links des Pfades lauern zähneknirschende Kleinlinge, liegen zerfressene Kadaver seltsamer Reh-Fuchs-Mischwesen (Rechse, Fouchéen), die aufgrund ihrer je zwei Reh- und Fuchsläufe starker Gefährdung ausgesetzt häufig die bösen bleichen Leichenfliegen locken, die diesen Regenwald, sowieso schon eine Hölle aus Schlamm und Gestank, aus dem überflüssigerweise an einigen Stellen heißer Drachenatem aufsteigt, vollends in ein Gebiet verwandeln, das nur Verrückte und Dichter freiwillig betreten. Die Einheimischen im Kiosk von Rolandseck immerhin hatten mich vorgewarnt: Steile Wege, selten betreten, Suchtrupps keine vorhanden, „Sie schaffen das schon!“ Ohne Zeichen besonderer Unruhe rauchten sie ihre Zigaretten weiter, kniffen ein Auge zu zum Abschied. Ich tat es ihnen gleich. Auf halber Höhe das Freiligrathdenkmal, eine Art mißlungenes Amfitheater, mit einem zivilisierten Rhododendron dabei. Freiligrath, der Dichter des Rolandsbogens! Noch ein paar Meter, dann ist es soweit. Rückseits des Restaurants am Rolandsbogen werden Abfälle per Aufzug aus dessen Eingeweiden transportiert. Dann tritt das ewig dröhnende Rheintal aus den Baumkronen. Durch den Rolandsbogen selbst bietet sich ein perfekter Ausblick auf den Drachenfels, der stark an den Blick vom Drachenfels auf den Rolandsbogen erinnert. Neben dem Bogen steht ein noch von Humboldt dort installiertes Euroskop, mit dem man gegen Münzeinwurf auf das mystisch in Drachendunst gehüllte Circasiebzehngebirge und das anschließende Polen schauen kann. Unten im Rhein streckt sich die unzugängliche Insel Nonnenwerth mit ihrem Kloster und den für die (oder von den?) Nonnen kunstvoll angelegten Beachvolleyball- und Fußballfeldern. Es ist wahrlich ein schöner Blick. Hier oben also stand der Ritter Roland und sann im efeuumrankten Fensterbogen täglich seiner verlorenen Liebe nach, die unten im Kloster Ballspiele betrieb und nicht wieder hinausdurfte, weil Gelübde noch etwas galten zum einen, zum andern auch nicht hinauswollte, weil sie ihren Roland gefallen dachte. Roland also stand hier und sann und mag bisweilen auch mit Kanonen auf Drachen geschossen haben – der Drachenfels lag und liegt in Sicht- bis Schußweite. Hier läßt sich aushalten, der Nieselregen spielt überhaupt keine Rolle mehr, bei diesem geschichtsgetränkten Rheinpanorama. Der Abstieg stimmte denn auch melancholisch, ich hatte noch ein wunderschönes Apollinairegedicht gelesen und die Rutschgefahr war immens.

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(Der Autor beim ca siebtschönsten Blick der Welt. Foto: Roland Bergère)

Übers Siebengebirge auf den Rhein

Zu Dielhelms zweiter Auflage war das Nibelungenlied noch auf ein gutes Jahrzehnt unbekannt bzw verschollen. Der Fund der ersten Handschriften (A und C) zu Hohenems datiert auf 1755 und 1759. So mißt der Rheinische Antiquarius dem Drachenfels auch keine besondere mythische Bedeutung bei. Das komplette Siebengebirge wird sehr knapp abgehandelt: „In selbiger Gegend im Herzogthum Bergen, rechter Seits am Rhein, bemerket man das sogenante Siebengebürge, lat. Mons Siebenus oder Siberius, und ehedessen Mons Rheticus genant. Es erstrekt sich selbiges neben dem Rhein bis gegen Bonn, und besteht eigentlich aus sieben aneinander hangenden Bergen, davon immer einer höher als der andere ist. Oben darauf haben vormals sieben Bürge oder Schlösser gestanden, von denen aber heut zu Tage die mehresten nur noch alte Bruchstücker zerfallener Mauren aufweisen, und Dadenberg, Plankenberg, Löwenburg, und Wolkenberg heissen. Den letzten Berg als den allerhöchen soll man darum also genennet haben, weil er nicht anders anzusehen gewesen, als sties er an die Wolken. Die drey letztern benamet man Drachenfels, Mahlberg und Stromberg. Jetziger Zeit findet man schöne Wiesen und Felder darauf, unten her aber den Wurzeln dieser Berge, und zwar nahe am Rhein sind die schönsten Schiefer= und andere Steinbrüche zu betrachten.“ Vom Drachenfels selbst geht’s klassischerweise auf Trampelpfaden, vorbei am Ulanendenkmal für ein badisches Regiment samt Buchsbaumhecke in Form des Eisernen Kreuzes, vorbei an steilen Weinbauflächen den neuerdings als Rheinsteig ausgewiesenen Weg bergab nach Rhöndorf, wo nebst Adenauer auch der Hund begraben liegt. Immerhin, von dort ist es nicht mehr weit bis zu den Inseln. Überm linken Ufer dreht sich langsam der Rolandsbogen mit der Erdrotation, verengt und verbreitert sein Tor. An der oberirdischen U-Bahn-Haltestelle Bad Honnef-Am Spitzenbach plätschert ein vermutlich gleichnamiges Gewässer in den Rhein. Zur Rheininsel Grafenwerth führt eine Fußgängerbrücke, auf deren Mitte ein freakiger Musikus sein imposantes Keyboard gerollt hat, um das allgemeine Wochenendwandeln treffsicher mit flauen Melodien zu untermalen. Daß er keine Sozialhilfe bekäme, steht auf einem Pappschild und er ein Wanderer sei. Nächst der Insel scheint er wohlbekannt. Auf dem mindestens scheintot wirkenden Rheinarm, der Grafenwerth rechts umfließt(?), dümpelt ein schwarzer Aalschokker, seit ewig und drei Tagen ausrangiert, kompakte kleine Jugendliche tragen eine Kiste Kölsch an den Strand, sie kommunizieren per Zischlauten, auch Buchfinken pfeifen und hüpfen herum, hinterm Rolandsbogen verschwindet die Sonne, nicht ohne sich mit einigen besonders ausgewählten Tönen zur Nacht abzupudern, auf dem Rhein schwimmen romantische Lichtreflexe, verweben sich einander zu etwas, das man sonst nur aus alten Gedichten kennt. Die Gesamtstimmung ist videoüberwacht. Das Leben leicht. Die Beine schwer. Wer auf uns aufpaßt? Irgendwer.

Rheinkrokodil

Der Kölner Künstler und Privatarchivar Roland Bergère versorgt mich seit Jahren mit rheinischen Kuriosa und Trouvaillen. Die folgenden Bilder entnahm Monsieur Bergère einer nicht näher benannten Fernsehsendung, in die er zufällig hineingezappt hatte, und schickte sie mir umgehend weiter. Die beigefügten Informationen waren spärlich, vom Siebengebirge soll in dieser Sendung die Rede gewesen sein und einem Museum. Nachdem vor einigen Jahren ein vermeintliches Rheinkrokodil, das sich später als hölzern-skulpturales Treibgut herausstellte, das Sommerloch nur kärglich stopfte, hier also die eigentliche, von jener namenlosen TV-Sendung verbreitete, Sensation: im berühmten Krisenjahr 1929 gelang Ludwig Fritz, was zuvor und danach niemand zustandebrachte: aus dem Rhein ein veritables Vollkrokodil zu fischen: