Marcel Broodthaers beschäftigt sich mit dem Rhein

(von unserem Korrespondenten Roland Bergère)

Neulich besuchte ich die sehenswerte Marcel Broodthaers-Retrospektive in Düsseldorf. In einer Vitrine lag ein Buch mit dem Titel: „En lisant Lorelei / Wie ich die Lorelei gelesen habe” von 1975. Die aufgeschlagenen Seiten zeigten drei Mal die gleiche Zeichnung (eine Familie vor einem Fernsehgerät versammelt), mit den Legenden: Programme I, Programme II, Programme III. Die Zeichnungen unterscheiden sich voneinander nur dadurch, was auf dem Bildschirm erscheint (schwer zu erkennen, auch im Katalog, alles recht klein gedruckt), bei Programme II steht eine Blumenvase auf dem Fernsehgerät. Auf der rechten Seite sind drei verschiedene Chromolithographien reproduziert, welche drei Ansichten der Lorelei zeigen. Dazu gehört ein textkritischer Apparat. Das Buch „En lisant Lorelei“ wurde 1974 in Basel ausgestellt, in einem gleichnamigen Raum.
Zu sehen waren auch vier „Zeichnungen“. Drei ohne Titel, eine mit der Legende: „Au bord du Rhin“. Drei der vier Zeichnungen stellen Meerjungfrauen dar. Eine, auf einem Felsen stehend, hält eine Baby-Meerjungfrau in ihren Armen, ein Matrose nähert sich dem Felsen mit einem Ruderboot. Die zweite hebt (so scheint es zumindest) die Deckel eines Topfs, welcher womöglich auf einem nicht dargestellten Herd steht. Im Vergleich zu den anderen ist ihr Fischschwanz nur angedeutet. Die dritte trägt einen dampfenden Topf. Die vierte (diejenige mit dem Titel „Au bord du Rhin“) sitzt am Fluß und trinkt eine Tasse Kaffee und hört nachdenklich (dafür spricht die Haltung der rechten Hand, die das Kinn stützt) einer zweiten Frau zu. Die vier Zeichnungen haben verschiedene Größen, sind auf das Jahr 1974 datiert und als Abziehbilder auf Papier bezeichnet, die mit Bleistift und Tusche überarbeitet worden sind.

broodthaers_au bord du rhin

Fotografieren war nicht erlaubt, doch wie eine Wächterin mir flüsterte: „Wenn ich nicht gerade hinschaue, können Sie es versuchen.“ (Später sah ich, wie sie in einem menschenleeren Raum auf die Begleitmusik eines Films Tanzschritte machte). Das Foto zu machen war natürlich nicht einfach. Sie war nicht die einzige Aufpasserin. Die Besucher (in geringerer Anzahl als Wächterinnen vorhanden) wurden von einem Raum zum anderen wortwörtlich verfolgt. Ein Aspekt des aufregenden Museumslebens, über den Broodthaers sich recht amüsieren hätte können.

marcel broodthaers_remonter le rhin

Marcel Broodthaers Werk „Musée d’art moderne – Département des aigles“ (1968-1972) wurde 2015 in Paris ausgestellt (Monnaie de Paris). Am Tag der Eröffnung fand ein Happening statt: ein Frachtkahn fuhr die Seine aufwärts, beladen mit Kisten, Koffern, Palmen, Säcken, usw… die am Ufer abgeladen und in den Ausstellungsräumen plaziert wurden. Die Aktion sollte, laut der Presse-Mitteillung, an zwei nicht realisierte Projekte Broodthaers erinnern: „L’Ile du Musée“ und „Bateau sur le Rhin“ (1971), eine Video-Aufnahme dokumentierte die Aktion.

Im Katalog der Retrospektive steht folgendes zu lesen:
„Die Einladung zur Teilnahme an einer Konferenz im Rahmen von between 6, die im Juni 1971 mit der britischen, nach Düsseldorf eingeladenen Art and Placement Group (APG) stattfand, nutzte Broodthaers zur Präsentation einer hochironischen Variante seiner Museumsidee. Mit dem Collage-Projekt einer unbewohnten Insel im Rhein (“Museumsinsel”) entwickelte er die Vorstellung einer einsamen nahe dem Lorelei-Felsen im Rhein gelegenen Insel als Ort eines Museums, die in größtem Widerspruch zu der von der APG vertretenen Absicht stand, Kunst in der Industriegesellschaft zu verankern und dabei auch vor den Chefetagen nicht Halt zu machen. Broodthaers’ isoliertes Museum entwarf einen Ort der Utopie, das in die Collage eingefügte Cover einer Schallplatte mit Richard Wagners Oper Das Rheingold wies auf die „musikalische Untermalung der Museuminsel hin.“
(Doris Krystof in: Marcel Broodthaers, Eine Retrospektive)

Ein Blog zeigt zwei Fotos, welche eindeutig im Zusammenhang mit der „Museumsinsel“ stehen. Roland Bergère hat sie aus rechtlichen Gründen für rheinsein nachskizziert:

marcel broodthaers_museuminsel_2

marcel broodthaers_museuminsel

Projet pour un musée sur une île déserte (1971)

Presserückschau (November 2016)

1
30 Jahre Sandoz-Katastrofe
“In der Nacht auf den 1. November 1986, kurz nach Mitternacht, ereignete sich die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Basler Pharmaindustrie: In der Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) brach ein riesiges Feuer aus.
Am Morgen heulten die Katastrophensirenen in Basel zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und wurden mit Polizeidurchsagen aufgefordert, ihre Fenster zu schliessen und Radio zu hören. Über 1300 Tonnen hochgiftige Chemikalien verbrannten in jener Nacht. Die Flammen und der orangegefärbte Himmel waren in der ganzen Region sichtbar. (…) Um 5 Uhr am Morgen hatten die Feuerwehrleute den Brand im Griff. (…) Das Löschwasser wurde vom Brandort mitsamt 20 Tonnen Chemikalien direkt in den Rhein geschwemmt. Der Fluss verfärbte sich rot, es kam zum grossen Fischsterben. Bis zur Nordsee war das Wasser vergiftet. Die gesamte Aalpopulation auf einer Länge von 400 Kilometern wurde ausgelöscht. (…) Das frische Wasser aus den Alpen spülte den Strom durch und die meisten Organismen konnten sich innerhalb einiger Monate erholen. (…) Doch der Dreck ist immer noch da. Nach 30 Jahren sind immer noch Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden messbar. (…) 2017 soll entschieden werden, ob die Messungen weitergeführt oder abgeschlossen werden, oder ob zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung vorgenommen werden müssen.” (Blick)

“Sandoz war ein Unglück, in gewisser Hinsicht aber auch ein Glücksfall. Das Bewusstsein für Umweltschutz stieg, Industrie und Politik wurden wachgerüttelt. Ich habe 1971 angefangen zu fischen. Damals roch man den Rhein, bevor man ihn sah. Als ich meinen ersten Fisch nach Hause brachte, sagte meine Mutter: Den essen wir nicht. Die Situation hat sich gebessert. Sandoz war aber ein gewaltiger Einschnitt. Die Äsche, die ganz empfindlich ist, war zum Beispiel schlagartig weg – der Bestand hat sich nie erholt. (…) Sandoz hat die Fischer hart getroffen. Es ging zwei Jahre, bis man wieder fischen konnte.” (Hans-Dieter Geugelin im Interview mit der Badischen Zeitung)

2
Eierstöcke
“Das größte Problem des Rheins sind mittlerweile die diffusen Schadstoffeinträge. Fast alle Pflanzenschutzmittel und gut die Hälfte der Schwermetalle, die im Fluss nachgewiesen werden können stammen aus diffuse Quellen. (…) Es machen sich mehr und mehr Hormone, Antibiotika, Schmerzmittel oder übermäßiges Blutfett, im Oberflächenwasser breit. Ein Teil dieser Wirkstoffe scheidet der Körper unverändert aus und es gelangt so ins Abwasser und in die Flüsse. Obendrein werfen viele Menschen überzählige Pillen in das Abwasser. Prof. Dr. Frank Sirocko vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz verweißt auf männliche Fische in Flüsse, denen Eierstöcke wachsen. Menschen scheinen noch nicht darunter zu leiden, denn im Trinkwasser sind die Dosierungen bislang zu gering für einen nachweisbaren Effekt.” (report-K)

3
Berliner Mauer
“Wegen des Hochwasserrückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört, das voraussichtlich 186 Millionen Euro kosten wird, streitet man derweil schon seit Monaten teilweise leidenschaftlich über die Knackpunkte: In Karlsruhe treibt Bürger vor allem das Vorhaben um, das an den Rhein grenzende Rheinstrandbad bei Daxlanden – ein beliebtes Erlebnisbad mit Rutsche – mit einer vier Meter hohen stählernen Spundwand zu „ummanteln“. Eine solche Wand ist auch für das angrenzende, in den 1930-er Jahren im Bauhausstil gebaute Naturschutzzentrum Rappenwört geplant. Erst im Sommer nannte Robert Mürb, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Waldfreunde, das Vorhaben eine neue Berliner Mauer.” (Stuttgarter Nachrichten)

4
Frankfurt am Rhein
“Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, und irgendwo am Vater Rhein liegt plötzlich Frankfurt/Main.“ So muss man den ollen Schlager von Vico Torriani selig wohl künftig singen. Und in der Commerzbank-Arena, pardon: Natürlich im Waldstadion schallt es künftig von den Rängen: „Eintracht vom Rhein, nur du sollst heute siegen…“ (…) Heutzutage befragt doch jedes Kind und jeder Weltreisende Google zum Beispiel danach, welcher Fluss da gerade an einem vorbeimäandert, während man am Ufer die Seele baumeln lässt, den Kölner Dom im Rücken. Wie also kommt der Rhein hier in den Main? Ganz einfach: Weil ein Online-Reisevermittler offensichtlich einen kleinen Vogel hat. „TravelBird“ heißt das niederländische Unternehmen. Und weil das Internet nun mal ein Dorf ist und Sydney von Santiago de Chile nur ein Klick entfernt, haben sich die Reisevögel aus Amsterdam halt mal im Fluss vertan. Ist nicht so schlimm.” (Frankfurter Neue Presse)

5
Nippeser Volksgarten
“Dass zwischen Nippeser Tälchen und Schillstraße einst ein Weiher lag, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Dieser war aus einer ehemaligen Rheinrinne entstanden, maß etwa 300 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite und wurde vom Grundwasser gespeist. Belegt ist der Teich, der mal größer, mal kleiner war, seit dem 13. Jahrhundert, vermutlich gab es ihn aber schon zur Römerzeit. Lange wurde der Weiher nur als Fischteich genutzt, mitunter brachen im Winter Brauereien Eis aus dem vereisten Gewässer heraus, um ihr Bier zu kühlen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

6
Bürgerliche Kampfschrift
“Die Deichwächter haben ein Buch zur Düsseldorfer Rheinlandschaft herausgebracht. Es dokumentiert deren Schönheit, widmet sich aber vor allem ihrer ständigen Bedrohung – durch ehrgeizige Planer und die Politik. (…) Und so führt das Buch auch durch eine selbst den meisten Düsseldorfern unbekannte Landschaft, die aus Löwenzahn, Storchenschnabel, aus dem Frühlingshungerblümchen dem Wiesenfuchsschwanz und dem Knaulgras besteht. Eine Miniatur-Welt, die das Biotop Rheinwiese bildet, die Grüne Lunge der Stadt Düsseldorf. Der Leser erfährt aber auch, wie die Menschen sich dem Fluss genähert haben und weiter nähern. Die Autoren beschreiben lohnende Ausflugsziele, architektonische Höhepunkte und widmen den Düsseldorfer Brücken ein Kapitel. Sie dokumentieren den Bau der Rheinuferpromenade und des Medienhafens und würdigen noch einmal den Schäfer Gerhard Siegfried, der jahrelang mit seiner Herde von Heerdt nach Lörick zog und 2015 verstarb.” (Rheinische Post)

7
Leistungsfähigerer Rheinkorridor
“„Der Rhein – die europäische Wasserstraße“ war das Leitmotiv der dritten Rheinanliegerkonferenz, auf der Politiker und Experten aus der Hafen- und Logistikbranche in den Düsseldorfer Rheinterrassen über Zukunft des Rheinkorridors für die Transport- und Logistikketten diskutierten. (…) Die Verkehrsminister der Rheinanliegerländer forderten zum verstärkten Ausbau des Rheins als Europas bedeutendste Verkehrs- und Wirtschaftsachse, dass die Infrastrukturprojekte des aktuellen Bundesverkehrswegeplans zügig umgesetzt werden müssten. So seien zur Steigerung der Transportkapazitäten auf dem Rhein vor allem bei Niedrigwasser die Beseitigung von Hindernissen und Untiefen in der Fahrrinne schnellstmöglich anzugehen. Dazu müsse das Planungspersonal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) projektorientiert, das heißt räumlich und zeitlich konzentriert, eingesetzt werden.” (Bundesverkehrsportal)

8
Nilgans
“Die Nilgans, deren ursprüngliche Heimat die afrikanische Fluss- und Binnenseenlandschaft ist, breitet sich in den letzten Jahren immer stärker in Europa aus. Sie gilt als sehr erfolgreiches Neozoen, welches zunehmend heimische Arten aus deren Lebensraum verdrängt. Über die Niederlande und Belgien, wo die Nilgans in Parks und Vogelgehegen gehalten wird, hat sich die Nilgans ausgewildert und verbreitet sich nun sprunghaft, vor allem entlang der Flusslandschaft des Rheins (Südkurier)

9
Seidenstraße
“Die Neue Seidenstraße endet in Duisburg – und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des Rhein-Kreises. Gemeint ist die Schienenverbindung, auf denen Güterzüge mehrmals pro Woche Waren von China nach Europa bringen – und umgekehrt. Die Transportzeit gegenüber dem Schiff wird halbiert, die Preise für Luftfracht deutlich unterboten. Die Neue Seidenstraße ist ein Lieblingsprojekt der chinesischen Regierung, insbesondere von Staatspräsident Xi Jinping, der 2014 eigens nach Duisburg reiste, um den ersten chinesischen Handelszug am Rhein zu begrüßen.” (Rheinische Post)

10
Wilde Schafsjagd
“Eine Herde von 30 Schafen hat (…) von der französischen Seite aus den Rhein in der Nähe des Altenheimer Hafens schwimmend überquert und damit einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Vier der Tiere habe die freiwillige Feuerwehr Neuried mit ihrem Mehrzweckboot retten müssen, berichtete (…) der Pressesprecher der freiwilligen Feuerwehr Neuried. Zwei Schafe konnten die 15 Feuerwehrleute am Wehr in Richtung Kehl nur noch tot bergen. Wieso die Tiere den Rhein überquert haben sei noch nicht bekannt.” (Baden Online)

Oder anders gezählt: “Vier der sechs Tiere konnten die Feuerwehrleute lebend an Land bringen, zwei davon mussten von einer herbeigerufenen Tierärztin wegen mehrerer Knochenbrüche noch am Einsatzort eingeschläfert werden. Außerdem fand die Feuerwehr auf dem Rhein noch zwei weitere tote Tiere.” (Badische Zeitung)

11
Reifenfriedhof
“In einer gemeinsamen Aktion haben die Stadtverwaltung und die Mondorfer Niederlassung des Wasser- und Schifffahrtsamts Köln jetzt zahlreiche Autoreifen beseitigt, die kürzlich im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort entdeckt worden waren. „Acht Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben einen ganzen Arbeitstag benötigt, um rund 150 Reifen aus dem Schlamm des Uferbereichs zu bergen, das sind etwa 80 Prozent der Altreifen, die dort vermutlich liegen“, schildert der städtische Beigeordnete Sebastian Sanders. Auf welche Weise die Reifen an das Niederkasseler Rheinufer gelangt sind, konnte bislang nicht geklärt werden. „Von der Lage der Reifen spricht aber einiges dafür, dass ein Großteil angeschwemmt wurde“, so Sanders. „Der Bereich ist vom Land aus nur schwer zugänglich, wir halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass jemand alte Reifen in größerem Stil vom Land aus in den Fluss entsorgt hat.“” (Kölner Stadt-Anzeiger)

12
Rheintoter
“Der Mannheimer Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder ist tot. Der 59-Jährige war Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. Von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß es, seine Leiche sei am Montagmorgen in Brühl bei Mannheim gefunden worden. Ein Passant hat sie am Rheinufer entdeckt. (…) Die Polizei geht von einem Suizid aus. Die Obduktion habe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll Raufelder in Flammen gestanden haben. Seine Leiche sei weniger Meter von seinem Fahrzeug entfernt gefunden worden.” (n-tv)

Mooder Maas

Pariês det haet zien Seine
In Kölle is de Rien
D’n alde blauwe Donau.
Löp altiêd nog door Wien
Maar waat `t schoënste is
Det weite wéj beslis

Refrein:
Det is ôs Mooder
Jao det is Mooder Maas
Die schoëne Majjem
Die schoëne Mooder Maas
Wie bôks béj liefke
Wie greun béj graas
Zoë huërt béj Venlo
Os Mooder Maas

Merieke hilt van wandele
Maar noëts ens nao de hei
En nao ôs Floddergetske
Krieg ik um auk neet mei
Het zaet: det wetste bes
Ik heb maar ein adres

Mestreech haet ziene Vriethaof
Remund ‘ne “kaoie zit”
In Tegele prônk d’n oêles
En Venlo haet “de Pit”
Maar ein dingk gans allein
Det hebbe wéj gemein

(Als Gegenbild zu Vater Rhein dient Mutter Maas in einem Karnevalslied im Venloer Dialekt aus dem Jahr 1966, der Text stammt von Ad Pollux, die Musik von Fr. Wetjens)

Rheinzitat (34)

“Kyrillisches, Freunde, auch das / ritt ich über die Seine, / ritts übern Rhein.”
(Paul Celan: “Und mit dem Buch aus Tarussa”)

Monsieur Crépon auf den Spuren von Victor Hugo (4)

“Und?” Die Spinne war auf beiden Bildern zu sehen und diente dem Fischfang, nahm ich an. Auf dem Manuskript bedeckte tatsächlich eine weiße Form den Baum. “Erkennen Sie was?” drängte Mr. Prason. Tat ich nicht. “Ein L ist das, nichts anderes.” So betrachtet konnte es ebenso gut ein V sein; ein L gab es, auch wenn darüber spekuliert wurde (18), soweit ich wußte, im hieroglyphischen Alphabet nicht. “Ja, ein L”, fuhr Mr. Prason fort, “und für was steht es?” – “Der zwölfte Buchstabe des Alphabets, und der neunte Konsonant.” – “Nicht nur; als römische Zahl steht L für 50.” Ich ahnte, daß es ein passendes Kapitel hierzu geben mußte, und die entsprechende Erklärung, von der ich mir sicher war, daß ich sie umgehend erhalten würde, kam schneller, als mein Gedanke ausgesprochen werden konnte. “Der Titel des Kapitels L des ägyptischen Totenbuchs lautet: Um der Strafe zu entgehen. (19) Das Kapitel beginnt mit: Meines Halses Wirbel / Hab ich im Himmel sowie auf Erden zusammengefügt (20) und endet mit: Wo bin ich jetzt? Vor den Götterordnungen steh ich. Verstehen Sie jetzt?” – “Nicht wirklich.” Mr. Prason blickte mitleidig auf mich herab, während er einen Zettel bekritzelte.

hugo_09 wohnung

“Die Wohnung Hugos, Place des Vosges, wo er Le Rhin niederschrieb und seinen ersten Tod fand.” – “Seinen ersten Tod?” – “Fällt ihnen nun was ein?” Die Grundrißform war leicht zu erkennen. “Wieder L, Anfangsbuchstabe des Vornamens seiner in der Seine verstorbenen Tochter. Le Rhin erschien 1842, sie starb 1843, 1845 kam schon die zweite Auflage, obwohl die Reaktionen auf die erste trotz geschickter Werbung recht negativ ausgefallen waren (21). Warum dieses zweite Auflage?” Für Mr. Prason bestand kein Zweifel: was zusammen gehörte, passte auch zusammen, jedes Element seiner Überlegungen fügte sich perfekt in eine Art Mosaik, dessen Einzelteile wie Glimmer in der Sonne reflektierten und mich erblinden ließen; ganz zu schweigen von den Kanten, die meinen Verstand in dünne durchsichtige Scheiben schnitten. Was davon übrig blieb, rieselte wie Schneeflocken gemächlich zu Boden. Mme Prason legte schließlich eine Visitenkarte auf den Tisch: “Haben wir beim “Ägypter” gefunden. Alles wurde von dieser Dame bestätigt: die Reise, die Zeichnungen. Schauen sie sich die Fotos an.” Letztere hatte ich noch nicht erwähnt. Am Ende des Buchs waren sie eingeklebt. Verwackelte, unscharfe Aufnahmen, die alles bedeuten und beweisen konnten – ebenso gut wie das Gegenteil. So kam ich auf Mme Sénèth.

Es ist schon viel geschrieben worden, liebes rheinsein, doch wissen wir beide, daß ein vollkommenes Bild nur zu schaffen ist, indem alle Faktoren methodisch, ohne Vorurteil betrachtet und sachlich zusammengefaßt werden. Ich klopfte also auch bei dieser Mme Sénèth – und staunte nicht wenig. Statt einer geheimnisvollen Person (ich hatte an Maria Casarès in ihrer Rolle als Mary Tudor gedacht), hieß mich eine hellhaarige Frau im Chanel-Ensemble willkommen. Wo war die Zigeunerin mit Kopftuch und schwerem Schmuck abgeblieben? Wo die Kristallkugel, die Tarotkarten? Wo Kaffeesatz, ausgestopfter Uhu, blanke Schädel? Wo die Brokatgardinen? Der Raum ähnelte einem Verwaltungsbüro mit Leere erzeugender Innenarchitektur. An der Wand hinter ihrem Rücken hing zwar ein Horoskop, das jedoch wie ein Excel-Tabelle aussah. Eine Kristallkugel entdeckte ich ebenfalls. Sie diente als Briefbeschwerer und die einzige Zukunft, die darin abzulesen war, gehörte der Fratze eines grinsenden Alfred Hitchcock. Ich erklärte wer ich war, wer mich schickte und worüber ich sprechen wollte. Mr. Prason hatte in der Tat bei ihr eine spirituelle Rhein-Reise unternommen, bzw. an der Place Royale (22), wo Victor Hugo sein Werk niedergeschrieben hatte. Diese Reise könnte ich auch machen, und sehen. “Jedermann kann das heute”, sagte sie und setzte mir eine Art Nachtsichtgerät auf den Kopf. “Kommen Sie, gehen Sie…”, flüsterte Madame Sénèth. Schon schritt ich über einen Platz, stieß leicht gegen das Gitter, welches ein Reiterstandbild umrundete, ging unter Arkaden bis an ein großes Tor, das ich aufschob. Rechts im Hauseingang befand sich ein kleiner Flur, möbliert mit einer Theke, auf der Broschüren, Prospekte, Bücher, usw. lagen. Am Ende des Flurs eine zweite Theke, eine leere Garderobe zwischen beiden Theken, Postkarten. Wünschte man zwei davon, kostete es zwei Euro, kaufte man zwei, durfte man zehn Stück mitnehmen – reine Magie. Ich kehrte zum Hauseingang zurück, ging an mit Glasmalerei versehenen Fenstern vorüber braungelblich beleuchtete Treppen hinauf, ein Relief, aus welchem Pegasus entflog, besaß stark dreidimensionale Wirkung. Im zweiten Stock angekommen trat ich in eine Wohnung ein und sah nichts als unstabile Konturen von Möbeln, sfumatöse Gemälde, flüchtige Objekte, Skulpturen, erkannte mit orientalischen Motiven bemalte Holzwanddekorationen, Tellersammlungen, einen Tisch mit vier Tintenbehältern. So ging es weiter, bis ich in einen Raum eintrat und eine Stimme hörte : “Hier wurde es geschrieben.” – “Was?” – “Der Fluß.” – “Ist es möglich einen Fluß zu schreiben?” – “Und wie…”. Ob ich nun im nächsten Zimmer oder noch im gleichen mich befand, kann ich heute nicht mehr sagen. Die Dunkelheit hellte ein wenig auf, ich nahm eine Silhouette wahr, welche über einen hochgebauten Tisch gebeugt war und zu schreiben schien. “Wer sind Sie?” fragte ich vorsichtig. – “Der Größte.”

- Muhammad Ali?
- …
- De Gaulle? Sesostris? Goethe? Bonaparte?
- …
- Der Mount Everest?
- Berge sind Götter, nicht bloße Geister!
- Manitu?
- Warum nicht der letzte Mohikaner? Ich helfe dir: die Kaulquappe eines Erzengels bin ich…
- Sag nichts – Voltaire?
- Dieser teuflische Affe? (23) Sie armer Kretin… Ich bin der, der nachkommt und aufgeht, wenn die anderen in namenlose Konstellationen verschwinden. Ich bin der Gesprächspartner der Weißen Dame und die Rutschbahn der Schwarzen Dame. Ich bin das Eins in Vier, ich bin das Wort und die Tat, der Sonnenstrahl und seine Schatten.
- Hunahpú?
- Ich bin der Fluß und seine vier Ufer.
- Vier Ufer? Wie geht das?
- Zwei habe ich, wenn ich dem Ursprung entgegen blicke, zwei Richtung Mündung.
- Hätte ich mir denken können. Aber wer sind Sie tatsächlich?
- Der, der durch die Luft fließt und schäumt, durchs Wasser weht…
Ich spare Ihnen den Rest des Spielchens und komme direkt auf das Ende. Zermürbt von den Wortfällen fragte ich:
- Wer sind Sie wirklich?
- Das große Krokodil.
- Na also. Kennen Sie Mr. Prason?
- Uirjgrj…

Ich drehte mich um und befand mich erneut bei dem Reiterstandbild, welches sich prompt in ein ausdrucksstarkes Grafito verwandelte. (Fortsetzung folgt)

***

(18) V. Loret, La lettre L dans l’alphabet hiéroglyphique. In : Compte rendus des séances de l’Académie des inscriptions et Belles-Lettres (n°2, 1945)
(19) Auf frz.: “Pour ne pas subir le châtiment.” 1853 publizierte Hugo den Gedichtzyklus “Les Châtiments”, welcher mit der Interpretation Mr. Prasons kaum etwas zu tun hat, worauf mich der “Ägypter” später hinwies.
(20) Davon konnte der kopflose Ritter von Reichenstein nur träumen.
(21) L. Veuillot. Etudes sur Victor Hugo, Le Rhin (février 1842).
(22) Die heutige Place des Vosges.
(23) s. V. Hugo, Regard jeté dans une mansarde (Les rayons et les ombres, 1840).

Un fleuve devrait naître en public

„Que serait la terre sans les fleuves ? Les ponts fluviaux même les plus beaux perdraient les trois quarts de leur charme. On ne saurait plus au-dessus de quoi les bâtir. Louis XIV, au moment de passer le Rhin, se trouverait en face d’un terrain vague. Où se videraient les égouts de Paris ? Ou se suiciderait le comptable infidèle ? Le manque d’eau douce multiplierait les ravages de l’alcoolisme. On ne pourrait plus espérer revoir, comme au bon temps de 1910, le facteur distribuer le courrier en périssoire dans les boîtes de la rue Jacob.
On voit par là l’importance des fleuves. Ils vont tous se jeter dans la mer. C’est pourquoi ils naissent en montagne ; pour n’avoir pas de pente à remonter. On trouve, par exemple, en Haute-Loire, une dizaine de « vraies sources de la Loire ». Une petite fille fut refusée au Puy à son certificat d’études pour avoir dit que la Loire naissait « chez son papa ». C’était pourtant la vérité. La Loire sort dans ce pays d’un robinet d’étable. Il y a là une grosse imprudence de la part du gouvernement. Il suffirait que le propriétaire eut à se venger d’un batelier, disons d’Orléans pour qu’il ferme ce robinet. Voilà un fleuve à sec, le plus important de France. Les bateaux s’échouent dans les sables ; l’eau manque sur l’évier de la cuisine. Les femmes pleurent, les hommes sont aigris. Le gouvernement ne devrait jamais permettre aux fleuves de prendre naissance chez des particuliers. Un fleuve devrait naître en public.
La Seine est un fleuve historique. Et la Providence a voulu qu’elle arrose notre capitale. Si bien que le fleuve le plus célèbre de la France passe par sa plus illustre ville (c’est ce qu’on appelle le miracle français). Elle y coule entre deux remparts de vieilles pierres, de vieux livres et de jeunes peupliers, irisées de tâches de mazout sur lesquelles flotte une épluchure de mandarine.
Sous les ponts, les clochards, à plat ventre, rampent lentement, le bras tendu, vers un litre de rouge. L’eau sent le comptable suicidé.
Le soleil brille.
Et c’est ainsi qu’Allah est grand.“

(Alexandre Viallate, Chroniques de la Montagne 1962-1971)

Alb (2)

Ettlingen stellt sich als Portal und “Pforte zum Lebensraum Albgau” dar. Die Alb ist deutlich präsenter als im benachbarten Karlsruhe, sie berührt und prägt das historische Zentrum, Hochwassermarkierungen an Gebäuden sprechen von Überflutungen vom 16. Jahrhundert bis heute, und der Albtäler, ein Wind, der auf den Seufzer eines Riesen zurückgeführt wird, weht hartnäckig das Flüßchen entlang durch die Stadt. Als Schutzpatron der Rathausbrücke, der wohl am häufigsten frequentierten unter den Ettlinger Albbrücken, wirkt, wie an zahlreichen Stellen des Rheins und seiner Nebenflüsse, der heilige Nepomuk.

Am “alten romantischen Albwehr” mit dem der Fluß einst für den Kanal der Zwingelmühle gestaut wurde, steht, hinter der rückwärtigen Fassade eines Großkaufhauses versteckt und splitternackt, “Der Fischerjunge” auf einer Art Surfbrett und hält seinen Fang, einen nicht näher definierten Fisch, in die Höhe.

Digital StillCamera

Die Anzahl der Paare, die ihre Liebe mit einem Schloß an einer Albbrücke besiegeln, auf daß die Beziehung so lange halten möge wie der Flußgrund den von der Brücke geworfenen Schlüssel bei sich behält, ist marginal – aber es gibt sie. Ein Vorfall wie auf der Pariser Seinebrücke Pont des Arts, deren Geländer vergangenes Jahr unter der Last unzähliger Metallschlösser einbrach, steht in Ettlingen vorerst nicht zu befürchten.

Voltaire über Flüsse

Fleuves

Ils ne vont pas à la mer avec autant de rapidité que les hommes vont à l’erreur.
[...]
Quand Maillet imagina que la mer avait formé les montagnes, il devait dédier son livre à Cyrano de Bergerac. Quand on a dit que les grandes chaînes de ces montagnes s’étendent d’orient en occident, et que la plus grande partie des fleuves court toujours aussi à l’occident, on a plus considéré l’esprit systématique que la nature.
[...]
Le Guadalquivir va droit au sud depuis Villanueva jusqu’à San-Lucar ; la Guadina de même depuis Badajoz. C’est la direction du Rhône, de Lyon à son embouchure. Celle de la Seine est au nord-nord-ouest. Le Rhin depuis Bâle court droit au septentrion ; la Meuse de même depuis sa source jusqu’aux terres innondées ; l’Escaut de même.
Pourquoi donc chercher à se tromper, pour avoir le plaisir de faire des systèmes, et de tromper quelques ignorants? [...] Faut-il traiter aujourd’hui la physique comme les anciens traitaient l’histoire?

(Voltaire, Dictionnaire philosophique)

Le rêve de Bismarck

C’est le soir. Sous sa tente, pleine de silence et de rêve, Bismarck, un doigt sur la carte de France, médite ; de son immense pipe s’échappe un filet bleu.

Bismarck médite. Son petit index crochu chemine, sur le vélin, du Rhin à la Moselle, de la Moselle à la Seine ; de l’ongle, il a rayé imperceptiblement le papier autour de Strasbourg : il passe outre.

À Sarrebruck, à Wissembourg, à Woerth, à Sedan, il tressaille, le petit doigt crochu : il caresse Nancy, égratine Bitche et Phalsbourg, raie Metz, trace sur les frontières de petites lignes brisées, — et s’arrête…

Triomphant, Bismarck a couvert de son index l’Alsace et la Lorraine ! — Oh ! sous son crâne jaune, quels délires d’avare ! Quels délicieux nuages de fumée répand sa pipe bienheureuse !… Bismarck médite. Tiens ! un gros point noir semble arrêter l’index frétillant. C’est Paris. Donc, le petit ongle mauvais, de rayer, de rayer le papier, de ci, de là, avec rage, enfin, de s’arrêter… Le doigt reste là, moitié plié, immobile.

Paris ! Paris ! — Puis, le bonhomme a tant rêvé, l’œil ouvert, que, doucement, la somnolence s’empare de lui : son front se penche vers le papier ; machinalement, le fourneau de sa pipe, échapée à ses lèvres, s’abat sur le vilain point noir…

Hi ! povero ! en abandonnant sa pauvre tête, son nez, le nez de M. Otto de Bismarck, s’est plongé dans le fourneau ardent… Hi ! povero ! va povero ! dans le fourneau incandescent de la pipe…, Hi ! povero ! Son index était sur Paris !… Fini, le rêve glorieux !

Il était si fin, si spirituel, si heureux, ce nez de vieux premier diplomate ! — Cachez, cachez ce nez !…

Eh bien ! mon cher, quand, pour partager la choucroute royale, vous rentrerez au palais [unleserlich] avec des crimes de… dame [unleserlich] dans l’histoire, vous porterez éternellement votre nez carbonisé entre vos yeux stupides!…

[fehlende Zeilen]

Voilà, fallait pas rêvasser !

(Arthur Rimbaud im Alter von 16 Jahren (unter dem Pseudonym Jean Baudry) im November 1870)

Where the Rhine starts

rhein

“The Rhine starts in fact where I come from… -”

rhein_2

“Switzerland, Mont Saint Gothard…”

Der junge, von seiner Klasse leicht überforderte Lehrer, der beim Erklären der Flüsse vom Englischen ins Französische switcht, heißt Raymond. Raymond ist allerdings nur ein Rollenname. Denn beide Szenen entstammen einem Spielfilm aus dem Jahr 1968, den wir in den folgenden Tagen mit weiteren Stills vorstellen möchten. Um welchen Film es sich handelt, soll jetzt noch nicht verraten werden – wir nehmen aber gerne kenntnisreiche oder rein spekulative Kommentare zu seinem Titel entgegen. (Es ist hier noch ein Buchpreis übrig, weil das rheinsein-Preisrätsel bisher ungelöst blieb.)

Zurück zu Raymond: ob seine Schweizer Film-Abstammung für das Klischee des großzügigen, aber biederen Jungehemanns herhalten soll bleibt ebenso ungewiß wie vieles in diesem experimentellen B-Machwerk, das in den Annalen der Filmhistorie bisher offenbar noch nie als das bezeichnet wurde, was es unter anderem auch ist: einer von wenigen bemerkenswerten Spielfilmen mit Hauptspielorten links und rechts des Rheins in seiner Eigenschaft als Grenzlinie zwischen dem schlurig-vernebelten Elsaß und dem schönen Badnerland mit seinen urigen Kirschwasser-Beizen, sowie der kartoffeligen Pfalz.

Interessant auch, daß die Rheinlänge auf der Schultafel 1298 Kilometer beträgt. Leider erwähnt Raymond während seiner etwas turbulenten Unterrichtseinheit nicht, welche Messung dieser Angabe zugrunde liegt. (Für einen sachdienlichen Hinweis, wie die oben zu sehende Kilometerzahl zustande gekommen sein mag, würden wir den Buchpreis ebenfalls springen lassen.)

Le Rhin réunit tout

“Saint-Goar, 17 août.

Vous savez, je vous l’ai dit souvent, j’aime les fleuves. Les fleuves charrient les idées aussi bien que les marchandises. Tout a son rôle magnifique dans la création. Les fleuves, comme d’immenses clairons, chantent à l’océan la beauté de la terre, la culture des champs, la splendeur des villes et la gloire des hommes.

Et, je vous l’ai dit aussi, entre tous les fleuves, j’aime le Rhin. La première fois que j’ai vu le Rhin, c’était il y a un an, à Kehl, en passant le pont de bateaux. La nuit tombait, la voiture allait au pas. Je me souviens que j’éprouvai alors un certain respect en traversant le vieux fleuve…

…Ce soir-là… je contemplai longtemps ce fier et noble fleuve, violent, mais sans fureur, sauvage, mais majestueux. Il était enflé et magnifique au moment où je le traversais. Il essuyait aux bateaux du pont sa crinière fauve, sa barbe limoneuse, comme dit Boileau. Ses deux rives se perdaient dans le crépuscule. Son bruit était un rugissement puissant et paisible. Je lui trouvais quelque chose de la grande mer.

Oui, mon ami, c’est un noble fleuve, féodal, républicain, impérial, digne d’être à la fois français et allemand. Il y a toute l’histoire de l’Europe considérée sous ses deux grands aspects, dans ce fleuve des guerriers et des penseurs, dans cette vague superbe qui fait bondir la France, dans ce murmure profond qui fait rêver l’Allemagne.

Le Rhin réunit tout. Le Rhin est rapide comme le Rhône, large comme la Loire, encaissé comme la Meuse, tortueux comme la Seine, limpide et vert comme la Somme, historique comme le Tibre, royal comme le Danube, mystérieux comme le Nil, pailleté d’or comme un fleuve d’Amérique, couvert de fables et de fantômes comme un fleuve d’Asie.

Avant que l’histoire écrivait, avant que l’homme existait peut-être, où est le Rhin aujourd’hui fumait et flamboyait une double chaîne de volcans qui se sont éteints en laissant sur le sol deux tas de laves et de basaltes disposés parallèlement comme deux longues murailles. À la même époque, les cristallisations gigantesques qui sont les montagnes primitives s’achevaient, les alluvions énormes qui sont les montagnes secondaires se desséchaient, l’effrayant monceau que nous appelons aujourd’hui les Alpes se refroidissait lentement, les neiges s’y accumulaient; deux grands écoulements de ces neiges se répandirent sur la terre: l’un, l’écoulement du versant septentrional, traversa les plaines, rencontra la double tranchée des volcans éteints et s’en alla par là à l’Océan; l’autre, l’écoulement du versant occidental, tomba de montagne en montagne, côtoya cet autre bloc de volcans expirés que nous nommons l’Ardèche et se perdit dans la Méditerranée. Le premier de ces écoulements, c’est le Rhin; le second, c’est le Rhône…

…Le Rhin, dans les destinées de l’Europe, a une sorte de signification providentielle. C’est le grand fossé transversal qui sépare le Sud du Nord. La providence en a fait le fleuve-frontière; les forteresses en ont fait le fleuve-muraille. Le Rhin a vu la figure et a reflété l’ombre de presque tous les grands hommes de guerre qui, depuis trente siècles, ont labouré le vieux continent avec ce soc qu’on appelle pépée. César a traversé le Rhin en montant du midi; Attila a traversé le Rhin en descendant du septentrion. Clovis y a gagné sa bataille de Tolbiac. Charlemagne et Bonaparte y ont régné. L’empereur Frédéric-Barberousse, l’empereur Rodolphe de Hapsbourg et le palatin Frédéric Ier y ont été grands, victorieux et formidables. Gustave-Adolphe y a commandé ses armées du haut de la guérite de Caub. Louis XIV a vu le Rhin. Enguien et Condé l’ont passé. Hélas! Turenne aussi. Drusus y a sa pierre à Mayence comme Marceau à Coblenz et Hoche à Andernach. Pour l’œil du penseur qui voit vivre l’histoire, deux grands aigles planent perpétuellement sur le Rhin, l’aigle des légions romaines et l’aigle des régiments français.

…Ce noble Rhin que les Romains nommaient Rhenus superbus, tantôt porte les ponts de bateaux hérissés de lances, de pertuisanes ou de baïonnettes qui versent sur l’Allemagne les armées d’Italie, d’Espagne et de France, ou reversent sur l’ancien monde romain, toujours géographiquement adhérent, les anciennes hordes barbares, toujours les mêmes aussi; tantôt charrie pacifiquement les sapins de la Murg et de Saint-Gall, les porphyres et les serpentines de Bâle, la potasse de Bingen, le sel de Karlshall, les cuirs de Stromberg, le vif-argent de Lansberg, les vins de Johannisberg et de Bacharach, les ardoises de Caub, les saumons d’Oberwesel, les cerises de Salzig, le charbon de bois de Boppart, la vaisselle de fer blanc de Coblenz, la verrerie de la Moselle, les fers forgés de Bendorf, les tufs et les meules d’Andernach, les tôles de Neuwied, les eaux minérales d’Antoniustein, les draps et les poteries de Wallendar, les vins rouges de Taar, le cuivre et le plomb de Linz, la pierre de taille de Kœnigswinter, les laines et les soieries de Cologne; et il accomplit majestueusement à travers l’Europe, selon la volonté de Dieu, sa double fonction de fleuve de la paix, ayant sans interruption sur la double rangée de collines qui encaisse la plus notable partie de son cours, d’un côté des chênes, de l’autre des vignes, c’est-à-dire d’un côté le nord, de l’autre le midi; d’un côté la force, de l’autre la joie…”

(aus: Victor Hugo: Le Rhin, lettre XIV; Hugos Rheinbriefe sind komplett zu finden auf Google Books)

Bison: River Rhine

“Oh for you to see
All the things that I`ve seen
From these stairs on my own time
By River River Rhine
The River River Rhine
The River River River Rhine”

Warum wir den amerikanisch-großzügigen Blick auf Europa so mögen: versehentlich an der Seine wurde dieses Rheinlied geschrieben, dessen zaubrisch-loreleysche Hommh-ohohooh-Melodik darüber hinwegsehen hilft, daß sich der Texter für seine Klischeezeilen (wine/Rhine) eigentlich ein paar Schritte purgatoriumwärts schämen sollte. Höchste Zeit für uns Europäer, den Mississippi (oder wie dieser Fluß in New York heißt) anzugehen und sein Liedgut auf neue Höhen zu treiben.

Der Rhein

Du heil`ger Strom, gebenedeiter Strand,
Wo ist ein Deutscher, der nicht frommen Dranges,
Ein andachtglüh`nder Pilger an dir stand?
Wo ist ein Schwan germanischen Gesanges,
Deß Flügelschlag nicht über dir gerauscht,
Der nicht dem Säuseln deines Schilfs gelauscht,
Der nicht gewiegt sich auf dem deutschen Ganges?

Du bietest allen deinen Friedenskuß,
Den Landen rings, der Berge blauen Reigen;
Naht nicht mit Euren Schwertern diesem Fluß,
Laßt Eure Fahnen tief sich vor ihm neigen!
Auf dieser Wasser stillem Bette ruht
Des Volkes Stolz – zum Pfühl dient ihm die Fluth
Erweckt ihn nicht, antastet nicht sein Eigen!

Er ruht und träumt-, der Wellen Schlummerlied
Hat eingewiegt den blondgelockten Recken;
Des Wasserspiegels wallend Nebeln zieht,
Des Kaiserlichen Träumers seidne Decken;
Wer will ihm rauben, was er theu`r erkauft,
Was er mit blut`gen Weihungen getauft,
Wer wagts, aus seinem Schlummer ihn zu schrecken?

Der Fluß ist sein! Aus dieser Schale trinkt
Der deutschen Liebe und der Sehnsucht Taube,
Umher in duftigem Gewinde blinkt
Des deutschen Weines feu`rdurchglühte Traube,
Und wo die hohen Kathedralen steh`n,
Versteinte Siegsgesänge der Ideen,
Da wohnt der deutsche Friedensfürst, der Glaube.

Horch, wie den Strom das Läuten überklingt!
Hell singend kommt die Wallerschaar gezogen,
Im leichten Kahn, der mit dem Schaume ringt,
Von blüh`ndem Kranz und weh`ndem Band umflogen;
Auf morschem Erker zagend lauscht das Reh,
Vom Ringeltanz ins Dickicht schlüpft die Fee -
Das ist der deutsche Rhein, das ist sein Wogen!

Der deutsche Rhein! Seit aus des Epheus Blühn
Die grauen Burgen sonnig niederschauen;
Seit vielgethürmte große Städte kühn
Mit ihren Zinnen seine Wellen stauen;
Seit auf der Männer Stirn, ein Paraclet,
Flammenden Hauches der Gedanke steht,
Die stille Andacht auf der Stirn der Frauen:

Seit durchs Portal von diesen Felsenhöh`n
Der neuen Aera Morgengluth gedrungen,
Und unter ihm, in Heller Glorie Wehn,
Der Karol Magnus sein Panier geschwungen;
Seit in den Blenden, überwiegt von Grün,
Wie sinnend grüßende Gestalten blüh`n,
Roland, Fastrade und die Nibelungen;

Seit, dessen Herrlichkeit die Welt umspannt,
Der Barbarossa thronte zu Gerichte,
Als Reichskleinod die Erde in der Hand:
Seit Eschilbach, der Kaiser im Gedichte,
Die goldnen Klänge alter Melodein,
Zur Krone sich verflocht, ist dieser Rhein
Pulsaderstrom germanischer Geschichte.

Sie hütet still und ernst ihr Eigenthum,
Indeß der Dichtkunst Arme sie umranken;
Zu beider Füßen ruht der deutsche Ruhm,
Ein grauer Löwe mit gewalt`gen Pranken,
Der an der Milch der Schlachten aufgenährt,
Den blut`gen Flamberg hütet und das Schwert,
Das wir geschweißt aus ehernen Gedanken.

Derselbe, der den Libanon durchschritt,
Vom Zorn blutgier`ger Feinde wild umschnoben,
Der einst Byzanz und Accon niederstritt,
Der Roma`s Aar ins Banner sich gewoben;
Der grimmig hingestreckt auf seinem Schild,
Dalag in dem Roncalischen Gefild`,
Der Pranken Trutz gen Mailand aufgehoben:

Vor dem Sicllien und das welsche Land
Wie vor des Aetna`s Flammenguß gezittert,
Der von der Seine grünem Hügelland`
Bis zur Loire neulich noch gewittert;
Derselbe Leu: und donnernd tönt sein Ruf:
Weh` über euch, wenn Eurer Rosse Huf
Das Ufer meines Rheines nur erschüttert!

(Levin Schücking, 1840)