Schottland und Rhein

Max Bruch, 1838 in Köln geborener Komponist, nahm sich Mitte des 19. Jahrhunderts als einer von vielen die Loreley als Opernmotiv vor. Die Ouvertüre zur Bruchschen Loreley op. 16 ist auf Youtube verfügbar. Desweiteren von Bruch bekannt ist seine Schottische Fantasie op. 46 für Violine und Orchester, die mit dem Rhein rein garnichts zu schaffen hat, eine geografische Verbindung, die nebst einem seltsamen Schotten bei Riesbeck erst Henri Michaux im 19. Gesang seines Tunnelmarsches herstellen würde:

„Souvenirs! Il s’en retourne à ses souvenirs.
Comme en ses profondes rainures le fond de la mer du Nord garde encore le lit du Rhin, lorsqu’il y a des dizaines de milliers d’années, il s’en venait déboucher au large de l’Ecosse, ayant ramassé en chemin la Somme, la Tamise et de-ci de-là, de moindres rivières.
Souvenirs!
Souvenirs de la race humaine.
Souvenirs pour résister.“

(Henri Michaux : La marche dans le tunnel, chant dix-neuvième – in : Epreuves, exorcismes 1940-1944)

Riesbeck über das Mittelrheintal

Als wir unsre Augen auf dem prächtigen und lachenden Rheingau geweidet hatten, fuhren wir in das Dunkel des engen Tales hin, welches sich unter Bingen öffnet und dessen ganzen Boden der gedrängte Rhein einnimmt. Der Abstich tat unsern Augen unbeschreiblich wohl. Die Berge, welche sturzdrohend in diesem Tal über dem Fluß herhangen, sind bald mit dem mannigfaltigsten Grün bedeckt, bald nackte Felsen, hie und da blauer oder roter Schiefer und oft auch harter Urfels. Ihre Gestalten, ihre Einschnitte, ihre Verkettung, ihre Bekleidung, ihr verschiedener und seltsamer Anbau hie und da und die beständigen Krümmungen des Stromes machen die Aussichten alle Augenblicke abwechseln. Ungeachtet der größern Beschwerden sind die Ufer dieses Tales doch ungleich stärker angebaut und bewohnt als die Ufer der Donau in irgendeiner Gegend. Fast alle Stunde hat man eine Stadt vor sich. Fast jeder Berg ist mit den Trümmern eines alten Schlosses gekrönt, worin ehedem ein deutscher Ritter hausete. Die Lage dieser Städte und Flecken hätte die erhabenste Phantasie nicht romantischer und malerischer angeben können. Wir hatten einen Schottländer bei uns, der über Suez und über Italien aus Ostindien kam. Der Mann tat oft wie rasend. Er hatte hie und da Ähnlichkeiten mit Gegenden seines Vaterlandes gefunden, und da sprang er immer mit gleichen Füßen in die Höhe und schrie: “Das ist die Küste von N.! – Das ist die Bucht von N.!” Und da nennte er allezeit einen Ort im Schottischen Hochland, welcher der Partie der Rheinlandschaft, die wir vor uns hatten, ähnlich sein sollte. Die Liebe zu seinem Vaterland, von dem er zehn Jahre entfernt war und nach welchem er sich so heftig sehnte, griff ihn beim Anblick dieser Ähnlichkeiten wirklich mit gichterischen Zückungen an. Ich hatte Bosheit genug, ihn einigemal zu erinnern, wie weit er noch von seinem Vaterland entfernt sei, welches er auf dem Rhein zu sehen glaubte. Als uns hie und da Weinberge zu Gesicht kamen, fragte ich ihn, ob diese Landschaft auch Ähnlichkeit mit einer Bucht in Schottland hätte. Anfangs tat er böse; endlich ward er sehr beredt darüber, um mir zu beweisen, daß der Anblick der Weinberge der traurigste in der ganzen Gegend wäre, die wir durchfahren hätten. Er behauptete, die Regelmäßigkeit der gepflanzten Weinstöcke und ihre Einförmigkeit habe so was Ekelhaftes und Beklemmendes, daß er die Augen wegkehren müsse, um sie auf den kahlen und abstürzigen Felsen oder dem wilden und dicken Grün der gegenüberstehenden Berge weiden zu lassen. Das verkünstlende Gewühl der Menschenhände, sagt’ er, wäre höchstens nur deswegen in dieser Landschaft zu dulden, um die Reize der schönen und unverzierten Natur umher auffallender zu machen. Ich antwortete ihm auf seine lange Rede mit einem Glas roten Aßmannshäuser, welches ich ihm zubrachte und den er sehr trinkbar fand.

Die schönsten Gegenden in diesem romantischen Land sind die um Bacharach und Kaub, welche Städte beinahe grade einander gegenüberliegen, um St. Goar und um Koblenz. Die Lage von Bacharach ist, wie der Ort selbst, finster und schauerlich schön. Der Berg, an dessen Fuß das Städtchen liegt, hängt senkrecht drüber her und ist zum Teil mit Reben bekleidet, die einen der besten Rheinweine liefern. Die Lage von Kaub ist offener und lachender und macht mit dem entgegengesetzten Bacharacher Ufer einen unvergleichlichen Kontrast, besonders da sich die Häuser dieses Ortes durch ein lichtes Weiß im tiefen Grün seiner Gegend und im Abstich mit der ehrwürdigen Schwärze von Bacharach ungemein stark ausnehmen. Mitten im Rhein zwischen beiden Städten liegt auf einem Felsen, der kaum über die Oberfläche des Wassers emporragt, ein dicker, hoher und fester Turm, die Pfalz genannt, wie er denn auch, samt den beiden Städten, dem Kurfürsten von der Pfalz zugehört und vom gemeinen Volk für das eigentliche Stammhaus der Pfalzgrafen gehalten wird. Eigensinniger und malerischer kann in einer Landschaft nichts gedacht werden als die Lage dieses Turms, wenn man ihn in einiger Entfernung sieht. Die Gegend um St. Goar ist von ganz andrer Natur. Das rechte Ufer des Rheines ist hier ganz wild. Auf einem der hohen und fast senkrecht abgehauenen Berge, die es bilden, der sich durch seine majestätische Gestalt stark ausnimmt, liegt sehr romantisch ein festes Schloß, welches man noch zu erhalten sucht. Das linke Ufer, worauf die Stadt liegt, ist noch steiler, aber zum Teil mit unbeschreiblicher Mühe angebaut. Man hat auf kleinen Terrassen, wie zu Rüdesheim, auf dem abstürzigen Felsen Weinberge angelegt, die eine ungeheure hohe Treppe bilden. Der Raum zwischen dem Strom und den Felsen ist so enge, daß die Einwohner sich zum Teil in den Fels selbst hineinbauen. Über der Stadt ragt die Festung Rheinfels, von welcher ein Ast des hessischen Hauses den Namen trug, die aber nach Absterben desselben samt dem dazugehörigen beträchtlichen Lande dem Landgrafen von Hessen-Kassel zugefallen ist, majestätisch empor. Die Stadt selbst ist ziemlich lebhaft und die beste zwischen Bingen und Koblenz. Die Einwohner scheinen ein sehr fleißiges Volk zu sein. Ein wenig über der Stadt verursachen die kurzen Krümmungen des gedrängten Rheines einen Wirbel, der unter dem Namen der St. Goarer Bank sehr verschrien ist. Von beträchtlichen Unglücksfällen hört man sehr selten; allein wir waren Augenzeugen davon, daß der Ruf dieses Platzes kein leerer Popanz wieder des Donauwirbels ist. Ein großes kölnisches Schiff fuhr eben neben uns herauf. Es hatte von St. Goar einen alten erfahrnen Steuermann mitgenommen, der an der gefährlichen Stelle sehr weit in den Strom hineinstach. Die Pferde zogen stark an. Auf einmal ward der Steuermann von der Gewalt des Stromes so sehr überwältigt, daß das Schiff in einem Augenblick an dem linken Ufer des Flusses lag, ob es schon beinahe 150 Schritt davon entfernt war. Zum Glück stand eben da an der Spitze eines Felsen ein großer Kahn, der wie ein Hut zusammengedrückt ward, ohne den aber das Schiff vielleicht eine große Wunde bekommen hätte. Es saß demungeachtet auf dem Felsen auf und mußte mit Winden und Hebeln gelichtet werden.

(Johann Kaspar Riesbeck: Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder)

Presserückschau (Mai 2014)

Von Gefahr für den Äschenlaich, rheinischem Whisky, einer verdächtigen Ansammlung unter der Severinsbrücke, einem Welsmensch bzw Menschwels, den Hochwasserexperten vom Mekong, und der geplanten Ansiedlung von Wasserbüffeln erzählte der diesjährige Wonnemat am Rhein:

1
Höherstau, Protest und Äschen: “Aus Sorge um den Rhein demonstrierten (…) rund 100 Weidlingfahrer am Ufer bei der Schaarenwiese bei Schlatt. Anlass für die Demonstration ist die Abstimmung vom 18. Mai im Kanton Schaffhausen. Die Revision des Wasserwirtschaftsgesetzes soll das Höherstauverbot des Rheins aufheben. Das soll dem Schaffhauser Kraftwerk den Weg ebnen, das Wasser höher zu stauen – und mehr Strom zu produzieren. Geplant ist ausserdem ein Kraftwerk am Rheinfall. Die Gegner der Höherstauung fürchten um die einzigartige Rheinlandschaft. Die “Aktion Rhy”, die 1973 eine Autobahn über den Rhein beim Schaaren verhindert hatte, ist wieder zum Leben erweckt. Die damaligen (…) zeigten gestern, welche Auswirkungen ein Höherstau von 40 Zentimetern hätte. Unter anderem würde das Naturschutzgebiet Schaaren stark beeinträchtigt. Und im Naturschutzgebiet Petri beim Klostergut Paradies würden bei einem Höherstau die Laichplätze der Äschen zerstört. Gerade auf dem Flussabschnitt zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen lebe eine der grössten Äschenpopulationen des gesamten Rheins.” (Tagblatt)

2
Während die mittelrheinischen Winzer sich mit amerikanischen Weinproduzenten herumschlagen, die Bezeichnungen wie “Rhine” und “Moselle” auf ihre Etiketten drucken, ist schottischen Whiskyproduzenten eine rheinische Produktion Dorn im Auge: “Wie bereits im vergangenen Jahr in Deutschland klagt die Scotch Whisky Association nun auch gegen Ostschweizer Whisky-Produzenten. Beim Whisky der Mosterei Kobelt in Marbach geht den Schotten die Bezeichnung “Glen” gegen den Strich.” “Glen” sei als indirekte geographische Herkunftsangabe für in Schottland hergestellten Whisky aufzufassen: “Das von der Mosterei Kobelt & Co. unter der Bezeichnung vertriebene Produkt stammt nicht aus Schottland”, wie die Thurgauer Zeitung berichtet.

3
Verdächtiges Verhalten am Kölner Rheinufer meldet das Boulevardblatt Express unter dem Titel “Rätsel um Regenschirm-Truppe” und klärt selber auf: “Bei schönstem Wetter steht eine kleine Menschengruppe unter der Severinsbrücke auf der Schäl Sick und alle haben Regenschirme aufgespannt – als wollten sie sich vor neugierigen Blicken schützen. Und das nicht nur mal vorübergehend. Angeblich rühren sie sich seit dem vergangenen Freitag nicht vom Fleck (…). Auch eine Polizeistreife interessierte sich für das Grüppchen und sah sich das Ganze mal aus der Nähe an. Und siehe da: Die Menschen sind gar nicht echt. Es handelt sich um lebensgroße Figuren – offenbar aus einer Art Gummi oder Schaumstoff.”

4
Von ähnlich hintergründigem Kaliber erweist sich eine weitere Express-Meldung. Ein Schwimmer in Not habe am Niehler Ufer in Köln eine großangelegte Rettungsaktion mit Helikopter und Suchbooten ausgelöst. Die alarmierten Rettungskräfte von DLRG, Wasserschutzpolizei und Feuerwehr hätten jedoch keinen Schwimmer ausmachen können und stattdessen den Kadaver eines großen Welses entdeckt, der den Einsatz ausgelöst haben dürfte.

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“Zum ersten Mal trafen Gewässerkundler aus dem Rheineinzugsgebiet auf Fachleute aus den Anliegerstaaten des Mekong. Obwohl beide Einzugsgebiete ca. 9000 km von einander entfernt liegen, gibt es doch große Gemeinsamkeiten bei den Aufgaben aber auch bei den Problemstellungen. (…) Die Präsidenten der Mekong River Commission (MRC), der Internationalen Kommission für die Hydrologie des Rheins (KHR) und der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) sowie Regierungsvertreter und Experten trafen sich (…) in Koblenz zum ersten Rhein-Mekong-Symposium. (…) Das Symposium bestätigte, dass der Klimawandel sowohl am Rhein als auch am Mekong bereits Einfluss auf das hydrologische Regime sowie das Leben und die Wirtschaft an beiden Flüssen genommen hat. In beiden Einzugsgebieten ist ein Anstieg der Temperaturen zu beobachten sowie veränderte Niederschläge. Dies bedeutet erhöhte Niederschläge in der feuchten Jahreszeit, geringere Niederschläge in der trockenen Jahreszeit. Naturkatastrophen, vor allem Hochwasser und Dürren, treten ebenfalls in beiden Regionen auf. Allerdings sind die Risiken in Europa eher ökonomischer Natur, während in Süd-Ost-Asien unmittelbar die Existenzgrundlage der Bevölkerung gefährdet ist”, vermeldet das Netzportal Juraforum. Zum Austausch zwischen Rhein und Mekong paßt auch folgende Meldung:

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“Ein Aussichtsturm als neue Landmarke im Rheinbogen, Wasserbüffel, die in Nähe des Rheinufers weiden, ein ausrangierter Schlepper ankert als Restaurantschiff an der neuen Anlegestelle, der Berliner Ring als grüne Brücke zwischen Rhein und Siedlung. Das sind einige der Ideen aus dem Entwicklungskonzept, mit dessen Hilfe das Rheinvorland zwischen Haus Bürgel im Norden bis zu Gut Blee im Süden aufgewertet werden soll. Dahinter steht das strategische Ziel der Stadt Monheim, ihre Lage direkt am Rhein mehr in den Vordergrund zu rücken.” (Rheinische Post) Ob mit der Kultivierung von Wasserbüffeln am (und somit womöglich auch im) Rhein die Produktion eines speziellen Monheimer Mozzarellas einhergehen soll, verschweigt der Artikel.

Rheinspitz

Der Alte Rhein bei Gaißau stellt sowohl den Grenzübertritt zwischen der Schweiz und Österreich als auch den westlichen Arm des rein österrheinischen (vorarlbergischen) Mündungsdeltas in den Bodensee vor. An seinem Westufer streckt sich, hinter Baum- und Buschwerk versteckt, ebendies Gaißau mit Kläranlage, Häusergruppen, Häfen und an der Mündung: Campingplatz und Gastronomie (hier schön von oben). Direkt hinter der Grenze ankert das imposante Restaurantschiff Hu Bin (ehemalige MS Höri) der chinesischen Familie Hu und beweist einmal mehr Diversität/Internationalität des Stroms selbst an entlegeneren Stellen. Das Ostufer flankiert lieblicher, abseits der Wege auch auf Trampelpfaden begehbarer Auwald, im Unterholz ringelt sich die Natter, Amseln geraten in Dialog mit Meisen, es schniept und schmätzt und kuckuckt, Krähen jagen Greife durchs Blattwerk zum puren Zeitvertreib, hinterm Waldrand schmarotzt blattgrünfrei der Rötliche Schuppenwurz, schmaucht das Pfeifengras den Torf ausm Boden, solls angeblich auch zwergdommeln. Kurz vor Seeeintritt versickert (anders als auf dem Video) der Alte Rhein, das Mündungsufer begrast von schottischen Hochlandrindern, Aromen von Brackwasser. Dem unbekannten Deicharbeiter (Torfstecher? Sumpfkumpel?) gewidmet ragt eine spatenschwingende Metallskulptur meterhoch in den bodenseefarbenen Himmel. Kiesstrand mit Muschelschalen. Die letzten Alpenkiesel mit ihren wilden Zeichnungen und Farben, bewohnt von unsichtbaren Insekten, die winzige Löcher sowohl in die Steine als auch die gesamte Gegend fressen, luftdurchzogene Löcher im ununterscheidbaren Gespiegel zwischen Seeoberfläche und Himmeln, darin Sämtliches, das in die Lüfte sich zu erheben vermag, sich hoffnungslos zwischen den Räumen und ihren täuschenden Grenzen verliert. Auf dem See selbst: Taucher, Säger, Kricker, Kräcker, Kreischer, Knatter und Gurren: ufernahe Wasservögel im Bann binnenozeanischer Weite. Von Osten her scheint in gemessener Entfernung ein weißer Rhein weit in den See hineinzutreiben, das Ufer vertorft und verzuzzelt als Wiese, zurück geht’s in den Auwald und dem vermuteten weißen Rhein des östlichen Mündungsarms entgegen.

Frankensteins Monster am Rhein

In einem fatalen Dialog mit seinem Schöpfer erwähnt Frankensteins Monster u.a. seine mühsamen Erfahrungen mit dem Rhein: “Presently I heard the sound of footsteps along the passage; the door opened, and the wretch whom I dreaded appeared. Shutting the door, he approached me, and said, in a smothered voice – “You have destroyed the work which you began; what is it that you intend? Do you dare to break your promise? I have endured toil and misery: I left Switzerland with you; I crept along the shores of the Rhine, among its willow islands, and over the summits of its hills. I have dwelt many months in the heaths of England, and among the deserts of Scotland. I have endured incalculable fatigue, and cold, and hunger; do you dare destroy my hopes?” “Begone! I do break my promise; never will I create another like yourself, equal in deformity and wickedness.” “Slave, I before reasoned with you, but you have proved yourself unworthy of my condescension. Remember that I have power; you believe yourself miserable, but I can make you so wretched that the light of day will be hateful to you. You are my creator, but I am your master; – obey!” “The hour of my irresolution is past, and the period of your power is arrived. Your threats cannot move me to do an act of wickedness; but they confirm me in a determination of not creating you a companion in vice. Shall I, in cool blood, set loose upon the earth a daemon, whose delight is in death and wretchedness? Begone! I am firm, and your words will only exasperate my rage.” The monster saw my determination in my face, and gnashed his teeth in the impotence of anger. “Shall each man,” cried he, “find a wife for his bosom, and each beast have his mate, and I be alone? I had feelings of affection, and they were requited by detestation and scorn. Man! you may hate; but beware! Your hours will pass in dread and misery, and soon the bolt will fell which must ravish from you your happiness for ever. Are you to be happy, while I grovel in the intensity of my wretchedness? You can blast my other passions; but revenge remains – revenge, henceforth dearer than light or food! I may die; but first you, my tyrant and tormentor, shall curse the sun that gazes on your misery. Beware; for I am fearless, and therefore powerful. I will watch with the wiliness of a snake, that I may sting with its venom. Man, you shall repent of the injuries you inflict.” “Devil, cease; and do not poison the air with these sounds of malice. I have declared my resolution to you, and I am no coward to bend beneath words. Leave me; I am inexorable.” “It is well. I go; but remember, I shall be with you on your weddingnight.” I started forward, and exclaimed, “Villain! before you sign my deathwarrant, be sure that you are yourself safe.” I would have seized him; but he eluded me, and quitted the house with precipitation: in a few moments I saw him in his boat, which shot across the waters with an arrowy swiftness, and was soon lost amidst the waves.”

Dielhelms Vorderrhein (2)

Über frühere Tage des ersten Rheinklosters Disentis weiß der Rheinische Antiquarius die eine und andere Anekdote (- nichts für schwache Nerven!): “Dies Dissentis / lateinisch Disertina, oder Desertum, genannt, ist eine uralte berühmte Benedictiner Mönchs=Abtey, dessen erster Ursprung von dem heiligen Siegbert / einem Schottländer und Jünger Sanct Columbanus hergehohlet wird, welcher im Anfang des siebenden Jahrhunderts nebst Sanct Gallus in die Schweitzerische Lande gekommen seyn, und allda den christlichen Glauben unter den noch meistentheils dem abgöttischen Heydenthum anhangenden Leuten zu predigen und zu pflanzen angefangen haben soll. (Anm.: und wie überall in Berg- und Kluftgegenden stehen jede Menge vermeintlicher, geraunter Kultstätten, Vorstellungen von blutig-orgiastischem Triefen evozierend, eigentlich ganz grau und harmlos im Gelände. Fortschritt durch Christentum.) Dieser Siegbert war ein Liebhaber des Einsiedlerlebens, derohalben er im Jahr 614. sich im Urseler Thal am Gotthardsberge in einer Zelle aufgehalten, und weil es ihm da nicht einsam genug zu seyn schiene, so begab er sich über den Crispaltenberg in die Räthische Gegend, und baute sich eine Zelle an dem Orte, wo jetzt das Kloster Dissentis stehet. Er wurde, sowohl seiner lehrreichen Predigten, als auch seines frommen und strengen Lebens halber, gar bald unter dem herum wohnenden Volke bekannt, bekam auch Jünger, die in seine Fußtappen zu treten verlangten, unter welchen sonderlich Placitus, ein zu Thrums (Anm.: wo immer das sei; womöglich verschwunden) wohnhafter Ritter und Oberherr dieser Landesgegend, war. Von diesem melden die Mönchshistorien und Legenden, daß, als er auf Befehl seines Landsherrn Victors (dessen Tyranney und ärgerliches Leben er gestraft habe) enthauptet worden, das abgeschlagene Haupt aufgehoben, in eine Tuch gewickelt habe, damit fort gewandert sey, solches einer ihm ohngefehr begegnenden Frauen zugeworfen (Anm.: oha, gegen die Damen impulsiv noch dazu, der fromme, strenge Herr!), und also ohne Kopf zu seinem Lehrmeister gekommen sey, welcher ihn mit grossem Schrecken und Herzeleid empfangen, und bey seiner Zelle begraben, eben an dem Orte, wo er, Siegbert / hernach auch hingelegt worden. (Anm.: verwundert nicht übermäßig, vor solcher Kulisse, ein derart freakiger letzter Gang, die Alpen stecken voller ziehendem Nachtvolk, Widergängern, Aufhockern und Kopflosen. Der Rhein als Gespensterrhein auf klösterlichem Terrain.) Lange Zeit darauf wurde alldorten eine Kirche zu Ehren des heiligen Placitus samt einem Kloster erbauet, welches endlich durch Mildthätigkeiten und Beysteuren vermöglicher Leute an Reichthum, und dessen Aebte an Ansehen angewachsen, und in den heutigen blühenden Stand gelanget ist. Der dasige Prälat führet den Titel eines Reichsfürsten, jedoch ohne Sitz und Stimme auf dem Reichstage; Den Bundstägen des obern Grauenbunds wohnet er gemeiniglich in Person bey, und hat bey der Wahl der Aemter und Behandlung der Polizeysachen die erste Stimme, auch das Recht, alle drey Jahre aus dem Hochgerichte Dissentis, den Boten des Grauenbunds drey Personen vorzuschlagen, aus welchen sie einen zum Landrichter und Haupt des Bundes erwählen können; allein auf dem allgemeinen Bundestage der Graubündter hat er keinen Sitz und Stimme, stehet anbey im Graubündtner Land in besonderm Ansehen und Gewalt, und hat die Münzgerechtigkeit. Im übrigen aber besitzet das Kloster vortrefliche Einkünfte, und genieset herrlicher Rechte und Freyheiten. Sonst giebt es in dasiger Gegend große Gebürge, worinnen unterschiedene Kupfer= Eisen= und Kießbergwerke anzutreffen sind, so dem dortigen Abt zuständig, und eine Zeit her fleißig sind gebauet worden. Von dem gemeldeten dasigen großen Gebürge sagt man: Montes hic celsissimi, Valles vero miserrimae, Beati, qui non vident & tamen credunt! Das ist: Hier sind die Berge am höchsten, die Thäler aber am elendesten. Seelig sind, die nichts sehen und doch glauben!” (Ob Spescha den Dielhelm kannte; ähnliche Beschreibungssystematik.)