Presserückschau (Dezember 2016)

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Schifferkirche
“Das weiß gestrichene Boot hat eine lange Reise hinter sich. Und wenn es sprechen könnte, hätte es viel zu erzählen: von den Neugierigen in der Halle des Nordturms des Kölner Doms, als es zwischendurch als Altar beim Gottesdienst an Fronleichnam auf der Domplatte diente, als es vor der Küste Maltas strandete, als es an der Küste Nordafrikas Menschen aufnahm, viel zu viele für das kleine Boot, als das Erzbistum das Boot kaufte und nach Europa, nach Deutschland transportierte.” (Aachener Zeitung)

“Eines der Kunstwerke in Kölns kleinster romanischer Innenstadtkirche ist eine spätgotische Marienfigur, die früher in einer Nische an der Außenfassade stand, wo sie von den Rheinschiffern gesehen und verehrt werden konnte. Nach dieser „Schiffermadonna“ wird das Gotteshaus in der Altstadt auch Schifferkirche genannt. Umso passender ist es, dass dort das Flüchtlingsboot aus Malta Platz gefunden hat, das seit dem 31. Mai im Dom gestanden hatte. (…) Für Kardinal Woelki steht das Boot nicht nur für die Not der Flüchtlinge, sondern soll darüber hinaus Anstoß dazu geben, über die Auswirkungen der Globalisierung und soziale Gerechtigkeit nachzudenken.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Neue Rheinbrücke
“Der Vorderrhein ist um ein Bauwerk reicher. Zwischen Schluein und Castrisch ist (…) eine neue Brücke für den Langsamverkehr eröffnet worden. (…) Mit dem Brückensteg wird zwischen Ilanz und Reichenau bereits die fünfte Langsamverkehrs-Überquerung des Vorderrheins realisiert. (…) Bei der Brücke handle es sich um eine knapp 100 Meter lange und zwei Meter breite Schrägseilbrücke, deren Pylone leicht nach vorne geneigt seien (…). Es wurden unter anderem 95 Tonnen Stahl und 130 Kubikmeter Beton verwendet. (…) Die Brücke wurde heute zwar bereits dem Langsamverkehr übergeben, die letzten Arbeiten werden aber im Verlauf des Frühlings 2017 fertiggestellt. So auch der Rückbau der alten Rohrbrücke. Die offizielle Einweihung ist dann für Mai 2017 geplant.” (Südostschweiz)

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Störmanöver
“Naturschützer hoffen bei Stören als einzige noch nicht in den Rhein zurückgekehrte Fischart langfristig auch hier auf Erfolge. Der «Nationale Störaktionsplan für Deutschland» nimmt zwar wegen günstigerer Voraussetzungen dafür erst die Elbe in den Blick, wie die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) mitteilte. Bei einem dortigen Erfolg solle aber in fernerer Zukunft auch im Rhein flussabwärts von Koblenz eine Wiederansiedlung dieser Fische versucht werden. In den Niederlanden gibt es bereits Versuche. «Der Europäische Stör (Acipenser sturio) ist im Rheineinzugsgebiet in den 1940er/1950er Jahren ausgestorben und gehört zu den am meisten bedrohten Arten weltweit», hieß es weiter. Nach dem massiven Ausbau der Kläranlagen an der einstigen Industriekloake Rhein sind inzwischen alle traditionellen Fischarten in den Fluss zurückgekehrt – nur nicht die sensiblen urtümlichen Störe.” (Frankfurter Rundschau)

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Sinkende Arbeitsplattformen
“Im Rhein auf der Höhe Duisburg-Rheinhausen (…) ist ein sogenanntes Stelzenponton gesunken, eine schwimmende Arbeitsplattform mit Baggervorrichtung. Aus Sicherheitsgründen durften Schiffe hier nicht aneinander vorbei fahren, nur abwechselnd konnte der Verkehr entweder rheinauf- oder rheinabwärts fließen. (…) Fünf Tage blieb die Plattform im Rhein liegen. Aus den Niederlanden musste zunächst ein schwimmender Hebebock geordert werden, denn die Unglücksstelle lag mitten in der Fahrrinne – vom Ufer aus mit Kränen nicht zu erreichen. Auch andere Faktoren wie die Strömung verkomplizierten die Bergung.” (WDR)

“Auf dem Rhein bei Koblenz-Horchheim ist eine schwimmende Arbeitsplattform untergegangen. Der 15 Meter lange Ponton war an einem Motorschiff befestigt, das Richtung Mainz fuhr. Die Plattform riss am Morgen von dem Schiff ab, warum steht noch nicht fest. Nach Auskunft eines Sprechers der Wasserschutzpolizei in Koblenz lief auch Öl aus. Wie viel steht noch nicht fest. Verletzt wurde niemand. Der Ponton konnte bislang noch nicht gehoben werden.” (SWR)

5
Jetski-Nikoläuse
“Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat (…) eine Gruppe von Jetski-Fans auf sich aufmerksam gemacht: Anlässlich von Nikolaus sind 15 Jetski-Fahrer in Nikolaus-Kostümen auf dem Rhein gefahren. „Der Sinn war einfach nur, den Kölnern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt Benedikt Bereuter von der Truppe.” (WDR)

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Barbarenschatz
“Er gilt als kostbares Überbleibsel aus der Römerzeit: Rund 1700 Jahre lang ruhten hunderte Metallobjekte in einem Arm des Altrheins. Küchengerät und Werkzeug, Tafelgeschirr und Waffen – Stücke aus Eisen, Bronze, Kupfer und Silber römischer Bürger, die von 1967 bis 1997 in der Nähe der heutigen Ortschaft Neupotz in Rheinland-Pfalz aus dem Wasser geborgen wurden. Nach langen Querelen um Zuständigkeit und Eigentum hat der “Barbarenschatz von Neupotz”, als der er inzwischen bekannt ist, jetzt eine Dauerbleibe im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte bekommen. (…) Nicht zufällig wird ein Querschnitt der Funde im Bacchussaal des Neuen Museums gezeigt. Lange stand dort einsam der Xantener Knabe, eine römische Bronzestatue, die Fischer 1858 im Rhein bei Xanten entdeckt hatten.” (Berliner Morgenpost)

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Rheintote
“Grausige Überraschung beim Spaziergang am Rhein. Um acht Uhr (…) alarmierte ein Passant den Basler Rettungsdienst: Er sah von der Kleinbasler Seite her, rund zehn Meter vom Ufer weg, eine Leiche im Wasser treiben. Kurz darauf barg die Berufsfeuerwehr gemeinsam mit der Polizei einen toten Mann aus dem Rhein. Laut des Instituts für Rechtsmedizin trieb die Leiche schon seit mehreren Tagen im Wasser.” (Blick)

“(In Speyer) wird auf einer Sandbank bei Rheinkilometer 400 eine Leiche entdeckt. Laut Polizeipräsidium Rheinpfalz hat man den Leichnam einer weiblichen Person gefunden, die nach bisherigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen Suizid begangen hat. Die Kriminalpolizei ist mit der Spurensicherung vor Ort um Beweise zu sichern. Doch ist nicht klar, um wen es sich handelt. Auch, ob es sich um ein Gewaltverbrechen oder einen Unfall handelt, ist unklar.” (Heidelberg24)

Expedition zur Rheinquelle

rheinseins Basis für den Aufstieg zum Tomasee war das sympathische Straßenhotel Rheinquelle in Tschamut, der letzten (bzw ersten) kleinen Ortschaft in der Surselva, dem langgestreckten Tal des Vorderrheins unterhalb des Oberalppasses. Dorthin zu gelangen, mußten diverse Dörfer mit archaisch-wilden romanischen Namen wie Schluein, Rueun, Trun, Vuorz, Rabius, Sumvitg, Zarcuns oder Schnaus passiert werden. (Zarcuns gegen Schnaus, klänge das nicht beinahe noch rabiater als Godzilla gegen Frankenstein Junior?) Gaststätten wie Liug da Fiug und Zimmer für Passanten-Aushänge gingen unterwegs ins rheinsein-Notizbuch ein. Durch die mit teils serpentinischer Rasanz immer tiefer ins Tal vorstoßende Windschutzscheibe ließen sich trefflich Vergleiche zwischen der aktuellen hochsommerlich-grün-kiesgrubigen Talstimmung und der spätherbstneblig-gespenstisch-kiesgrubigen unseres Kurzaufenthalts vor zweieinhalb Jahren anstellen. Es wäre allerdings ungerecht zu behaupten, Kiesgruben beherrschten das Tal. Die Surselva bietet dem Auge nicht minder viele idyllische Winkel.

Am Vortag zum historischen Aufstieg rheinseins zur Quelle am Vormittag des 24. Julis 2012 stand zunächst die Visitation der näheren asfaltierten Umgebung an: Wanderweg-Einstiegschecks, Geissen-Pierres sehenswert antiquierter Straßenrand-Selbstzahlerkühlschrank mit Ziegenhartkäse und Salsiz, ein Schweizer Café Crème direkt an der Paßhöhe, deren Töffli-Sound zu sortieren und den Leuchtturmnachbau aus Rotterdam zu bestaunen, der in einem noch laufenden Projekt in himmelsnahe Höhen verfrachtet wurde, um am Rheinursprung an den Rheinverlauf und das Rheinende zu gemahnen. (Zusätzlich zum Leuchtturm soll noch ein Rheinfrachter auf den Berg gehievt werden.) Am Gestade des Oberalpsees verstreut lagen Fischeingeweide und in seinen kleinen Buchten lungerten fingergroße Fischlein, welche sich sofort auf die Eingeweide stürzten, die wir ins Wasser schnipsten. Ob es sich um einen kannibalischen Akt unter verschiedenen Forellengenerationen oder bei den Fischlein um die legendären Bammelin aus der Einfalten Delineation handelte, ließ sich nicht feststellen.

Als wir genug von der leuchtturmbestandenen Paßhöhe mit ihrer rätselhaften Fischwelt und den ächzenden Radsportlern hatten, die sich in der Säumergastronomie gruppenweise ihre Lungenpäuschen gönnten, verließen wir die Asfaltwelt und stiegen guten Mutes in die ewig-flockig-bockig lockenden Berge der Berge hinan. Plätscherte nicht unweit ein paradiesisch-pluomenumstandenes Pächlein und hörten wir nicht aus sonnigen Fernen die feurigen Fiffe der Chrüter und Munken? Sprang nicht dort droben edles schwerbehörntes Steinwild olympisch von Wolke zu Wolke, während Wolke für Wolke aus schaumigstem Willen und seidigster Flachländer-Vorstellung bestand? Dort wollten wir hin, solang die Beine trügen und das Wetter mitspielte.

diebergederberge

Und wie es gelang: “Camutsch, camutsch” klangs unsichtbar klar aus der Umgebung, die Stergbelze stupfte und zupfte am Wiesenmikro, blau (blau: blau) blühte der Enzian, freche Flatter falteten sich fleißig um unser flackerndes Haupt, um sich heimlich-hinterrücks erfrischt zu entfalten, das Nacktbad im weltverlassenen Steintrog einer wildbachgespeisten Viehtränke kühlte unser Mütchen mit mineralhaltigem Kaltwasser treulich alpinen Geschmacks, das Pater Spescha-Arnikaorchester begleitete unser gumpendes Wandergestiefel mit Yellow as we are, der würzigen Melodie aus den Anfangstagen des Bergfreizeitgedankens und die letzten Schneefelder gaben romantische Metafern wie “`s Häsle wo in Himmel flügt” oder “i bi mi`s Ütr gwöhnt” preis – Momente für die Ewigkeit.

enzianisches-blaulicht

(Fortsetzung folgt)