Presserückschau (Juli 2017)

1
Die Göttin wartet
“In sich ruhend und ganz auf die eigene Person konzentriert sind die Skulpturen von Magorzata Chodakowska. Insofern passen die Werke der polnischstämmigen Künstlerin (…) sehr gut in das Konzept der Stille, dem sich die Hitdorfer Galerie Flowfineart verschrieben hat. (…) Inspiriert vom modernen Ausdruckstanz treibt sie ein Urbedürfnis nach Schönheit und Ästhetik an. Die starke Körperspannung vermittelt das Selbstbewusstsein einer Göttin. Zwei der weiblichen Akte von Magorzata Chodakowska sind diesen Sommer in Hitdorf zu Gast, eine Stehende im Erdgeschoss und eine Sitzende, mit einer Art Handtuchturban auf dem Kopf, liegt im oberen leeren Raum, als warte sie hier auf ihr Bad im Rhein, der in Sichtweite vor dem Fenster vorbei fließt. Die Figuren sind in Holz gearbeitet und anschließend in Bronze abgegossen.” (Rheinische Post)

2
Rosaroter Rhein
“Die Wasserschutzpolizei Mainz konnte (…) schnell Entwarnung geben: Es sind keine Chemikalien, die für die rosafarbenen Schimmer des Rheins gesorgt haben. Die Polizisten sind sich stattdessen sicher, dass die Verfärbung vom Roten Hang in Nierstein kommt. Dort besteht der Boden aus rotem Sandstein, Geologen nennen das „Rotliegend“. (…) Die Wasserschutzpolizei spricht von einem etwa fünf Meter breiten und 50 Meter langen Teppich. Der trieb dann Richtung Mainz, wo er nur noch teilweise gesehen wurde und sich dann auflöste. Die Wasserschutzpolizei sagt, das käme immer wieder mal vor, gerade wenn es lange trocken war und dann kräftig regnen würde.” (SWR)

3
Selfie
“Dieses Selfie wird sie wohl nie mehr vergessen: Eine (…) Touristin ist (…) in Chur während des Abdrückens mit der Handykamera in den Rhein gestürzt. (…) Das Missgeschick geschah unterhalb der Rheinbrücke beim Rheinsand (…). Beim Selfie-Machen verlor die 26-Jährige das Gleichgewicht und fiel in den Fluss. Rund einen Kilometer wurde sie von der Strömung mitgerissen. Bei einer Sandbank konnte sie sich auf einen Felsbrocken in Sicherheit bringen. Ein Rega-Helikopter befreite schliesslich die durchnässte Frau aus ihrer misslichen Lage. (…) Die Touristin wurde nach der ärztlichen Untersuchung an ihr Aufenthaltsdomizil zurückgeführt.” (Thurgauer Zeitung)

4
Synthetischer Strand
“Am Rheinufer in Sürth wurden (…) jede Menge winziger Plastikkügelchen angeschwemmt, höchstens fünf Millimeter groß sind sie im Durchmesser und überwiegend weiß. In einer Bucht nördlich des Godorfer Hafens (…) ist der Granulatstreifen besonders dicht gestreut. Aber auch noch rund fünf Kilometer weiter nördlich in Rodenkirchen liegen die Plastikpellets vereinzelt im Sand; sie sind von kleinen Kieselsteinen kaum zu unterscheiden. (…) Das nahe gelegene Chemieunternehmen Lyondell Basell stellt im Industriegebiet in Wesseling/Godorf solches Kunststoffgranulat her. (…) LB hat nach eigenen Angaben am Rheinufer in der vergangenen Woche eine Granulatprobe genommen und analysiert. (…) Es sei möglich, dass aufgrund der starken Regenfälle auch Plastikpartikel aus den Rückhalteeinrichtungen des Werkes herausgespült worden seien.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Herzlich willkommen zurück
“Ein letztes Mal kehrte er zurück an seinen Sehnsuchtsort: Helmut Kohl, aufgebahrt im Dom zu Speyer. Ein Ort, der Kohl als Privat- und als Staatsmann immer wichtig war. In der Totenmesse (…) im Dom erinnerte auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann an Kohls persönliche Beziehung zu dem Gotteshaus. Sie hatte damit begonnen, dass Kohl hier mit seiner Mutter im Zweiten Weltkrieg Zuflucht vor Fliegerbomben fand. Als Kanzler führte Kohl Staatsgäste aus aller Welt nach Speyer. (…) Zur (…) Totenmesse nach Speyer kam der Sarg (…) mit dem Schiff. Der Leichnam des Altkanzlers wurde mit der “MS Mainz” von Reffenthal über den Rhein gebracht. Eskortiert von mehreren Polizeibooten legte das Schiff (…) am Rheinufer in unmittelbarer Nähe des Speyerer Doms an. Am Zielort warteten schon mehrere Hundert Bürger. “Danke Helmut. Herzlich willkommen zurück in Speyer”, hatte ein 48-jähriger Speyerer mit roter Farbe auf ein weißes Leintuch geschrieben, das er an einer Brücke am Rhein aufgehängt hat.” (SWR)

6
Störfaktor
“Im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg haben am Montag zwei Polizisten den Austausch der Sicherheitsbehörden über Ländergrenzen hinweg als unzureichend kritisiert. “Der Rhein ist ein störender Faktor”, sagte ein 55-jähriger Staatsschützer aus dem rheinland-pfälzischen Ludwigshafen über die Zusammenarbeit mit baden-württembergischen Kollegen. “Was unsere Leute in Baden-Württemberg wissen, wüsste ich auch gerne.”" (Badische Zeitung)

7
Kampf der Giganten
“Seit acht Millionen Jahren kämpfen zwei Giganten im Schwarzwald. Sie ringen langsam, aber stetig und erbarmungslos. Zunächst ging es um das größere Gebiet, mittlerweile geht es um die Existenz. Die Rede ist von Rhein und Donau, (…) die im Schwarzwald den Kampf um die europäische Wasserscheide austragen. Experten räumen der Donau schlechte Chancen ein, denn der Rhein gräbt ihr beständig die Zuflüsse und Quellgebiete ab. Wer beim Wandern die Augen offen hält, kann mancherorts Schauplätze dieses Kampfes erkennen. (…)” (Badische Zeitung)

8
Seilbahn-Drama
“Nach der Rettung von 65 Menschen aus der Kölner Seilbahn sollen (…) die Untersuchungen zu dem Notfall beginnen. (…) Eine Gondel der Seilbahn hatte sich (…) verkeilt. Die Kölner Feuerwehr startete eine spektakuläre Rettungsaktion. Da ein Großteil der Kabinen über dem Rhein festhing, mussten zahlreiche Fahrgäste aus großer Höhe auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt werden. Andere Passagiere wurden über Drehleitern vom Ufer oder der Zoobrücke aus der beängstigenden Lage gerettet.” (Spiegel)

9
Rheintote
“Der nach dem Schwimmen im Rhein vermisste 18-Jährige ist tot. Er sei in Höhe des Mainzer Rathauses am Donnerstag aus dem Fluss geborgen worden, teilte die Polizei (…) mit. Der 18-Jährige hatte (…) mit anderen Jugendlichen und Betreuern einer Hilfeeinrichtung für unbegleitete Flüchtlinge einen Ausflug an den Rhein unternommen. Als ein Binnenschiff vorbei fuhr, ging er im Wasser unter. Eine Obduktion soll nun die genaue Todesursache klären.” (Hessenschau)

“(Speyer) Schrecklicher Fund (…) im Rhein: Beim Angeln wird im Hafenbecken eine männliche Leiche (41) im Wasser entdeckt! (…) Nur ein paar hundert Meter weiter befindet sich auch das Großaquarium „Sea Life“. Nach der Bergung durch die Feuerwehr kann der hinzugezogene Notarzt nur noch den Tod des Mannes feststellen. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt (…) mitteilt, handelt es sich bei dem Toten um einen 41-jährigen Mann aus Bellheim. Er konnte eindeutig anhand seines Personalausweises identifiziert werden. Aufgrund des Zustands der Leiche, ist von einer kurzen Verweildauer im Wasser auszugehen (…). Während die Kriminalpolizei die Ermittlungen vor Ort aufgenommen hat, wurde die Leiche sichergestellt und in ein Bestattungsinstitut gebracht. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat die Obduktion der Leiche angeordnet.” (Mannheim24)

“Ein Mann (54) ist (…) im Rhein ertrunken. Er war zusammen mit sieben weiteren Männern auf einem Motorboot auf dem Fluss unterwegs, als dieses (…) in der Nähe von Schaffhausen kenterte. Alle acht Passagiere fielen ins Wasser. Sieben Männer konnten sich selbstständig ans Ufer retten und blieben unverletzt (…). Der 54-Jährige blieb jedoch im Rhein zurück und konnte erst nach umfangreicher Suche mit Polizeitauchern nur noch tot aus dem Rhein geborgen werden. Gefunden wurde die Leiche (…) rund 1,5 Kilometer flussabwärts bei der Feuerthalen-Brücke (…). Der Unfall geschah offenbar bei einem Anlegemanöver, wie die Polizei in einer Mitteilung schreibt. Beim Bootsführer wurde eine Blut- und Urinprobe angeordnet.” (Blick)

“In Höhe des Fähranlegers bei Rheinberg-Orsoy ist (…) eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt und geborgen worden. Die Identität der Person ist noch unklar. (…) Neben der Wasserschutzpolizei, dem Rettungsdienst und der Rheinberger Feuerwehr (Löschgruppe Orsoy) war auch der Rettungshubschrauber Christoph 9 am Einsatzort. Die Feuerwehr konnte die Leiche von einem Boot aus bergen. Ob es sich um eine männliche oder um eine weibliche Leiche handelt, war noch nicht zu erfahren.” (Rheinische Post)

“Traurige Gewissheit zum Schicksal des Mannes, der (…) von der Mülheimer Brücke in den Rhein gesprungen war: Im Duisburger Stadtteil Alt-Walsum haben Passanten seinen toten Körper im Rhein treibend entdeckt. Die Wasserleiche ist (…) bereits obduziert und auch identifiziert worden. Es handelt sich um einen 38-Jährigen aus Köln.” (Express)

Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

10
König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

11
Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Die Germania und die Billigbombe

Dimanche 26 juin. Rüdesheim. J’attrape de justesse le bateau, sur l’embarcadère de la Compagnie Köln-Düsseldorf. Je suis le dernier sur la passerelle. Il est 10 heures quand le Deutschland s’éloigne du quai.
Au-dessus de Rüdesheim s’aperçoit, dressée sur les hauteurs couvertes de vignobles, la statue de la Germa­nia du monument du Niederwald. Lothar Baier me racontait que des anarchistes francfortois avaient voulu profiter de son inauguration par Guillaume II, en 1893, pour assassiner l’empereur. Mais « en bons protestants allemands », dixit Lothar, ils avaient acheté pour leur bombe la mèche la moins chère qu’ils aient pu trouver. Or il plut ce jour-là et la mèche ne fonctionna pas. Ils furent arrêtés, condamnés à mort et exécutés. Lothar voyait là une nouvelle preuve par l’absurde de l’incapa­cité des Allemands à réussir une révolution.
La présence de ce monument en ces lieux, parmi les vignobles, loin de Berlin la capitale, est exemplaire de l’extraordinaire dissémination des monuments symboli­ques de l’unité nationale dans ce pays. Le Walhalla de 1842, construit sous Louis Ier de Bavière pour servir « au renforcement et à l’accroissement du sens allemand », se trouve au sud de Regensburg. A Cologne est la cathédrale dont l’achèvement, à partir de 1840, devait annoncer « une grande et puissante Allemagne ». A Mayence, l’érection, en 1837, d’un monument à Gutem-berg symbolisait « la conscience que nous avons une patrie commune, une langue commune, les mêmes lois, les mêmes espoirs et le même but ». A Leipzig se dresse, gigantesque, le monument témoin de la renaissance nationale, celui de la « Bataille des Peuples » contre Napoléon. Le monument symbole de la puissance germanique, celui qui commémore la victoire de Her­mann sur les Romains, se trouve près de Bielefeld, dans la Teutoburger Wald. Dans l’île de Norderney est la pyramide faite des pierres de toutes les villes alleman­des. Et à Berlin, bien sûr, sont quelques monuments « d’intérêt national », mais finalement guère plus qu’ail­leurs.
La Germania est un peu la cousine allemande de Marianne. Mais celle-ci est chrétienne lorsque, dans la mémoire nationale, elle se confond avec Jeanne d’Arc, porteuse de révolte et de liberté quand elle grimpe avec Gavroche sur les barricades. La Germania n’est pas cela, mais une réminiscence de légendes germaniques, une resucée de Walkyrie. Elle est grave et massive, grise et guerrière. Elle sert le prince et non la liberté, et le prince s’en sert pour tuer la liberté. A Rüdesheim, elle est tournée vers l’ouest et provoque la France. Elle monte la garde sur le Rhin.
Il n’y a qu’une société d’Allemands du troisième âge sur le bateau, ils restent vissés à leurs table, étroitement assis, et il m’est impossible de trouver leur compagnie. Les autres touristes sont des Japonais et des Français, deux groupes de chaque, et quelques Américains.
Passé Rüdesheim, le Rhin circule dans les méandres encaissés du massif schisteux rhénan. Son lit parfois est si étroit qu’il a dû être élargi pour les bateaux modernes, comme, après-guerre, à Bingen. A l’approche du rocher de la Lorelei, le bateau s’emplit, via les haut-parleurs, d’un mâle chœur chantant le poème de Heine mis en musique par Sucher. Les touristes se ruent à bâbord et photographient un morceau de la falaise qui les sur­plombe. A son sommet, à 132 mètres, flotte le drapeau allemand : ce bout de rocher est lui aussi monument national.
La légende de la Lorelei n’est que l’une des nombreu­ses légendes que ce fleuve charrie depuis toujours. On trouve de tout sur ces rives et ces îlots, « dans cette vague superbe qui fait bondir la France, dans ce murmure profond qui fait rêver l’Allemagne », comme l’écrit Hugo dans Le Rhin. Sous tous ces burgs dont les silhouettes déchiquetées accompagnent le voyage, se jouent des histoires odysséennes, comme celle, juste­ment, de la Lorelei, cette Circé germanique dont les longs cheveux d’or appellent les marins à fracasser leurs barques à ses pieds ; apparaissent des empereurs de légende, comme Frédéric Barberousse qui, à Pfalz, fait triompher l’amour, deus ex machina, au terme d’une histoire compliquée d’amoureux empêchés ; se mêlent christianisme et paganisme, comme dans la légende du Drachenfels, près de Bonn, où une jeune vierge livrée à un dragon se sauve par sa foi. Les mythes sont souvent effroyables et nocturnes : la parure d’or de la Lorelei ne se voit qu’à la nuit ; dans sa « tour aux souris » de Bingen, le méchant archevêque est bouffé tout vivant par les rats. On songe à ce que, dans De l’Allemagne, Heine dit des « légendes de l’Allemagne, ces tristes enfantements pétris de sang et de nuages, dont les formes sont si grises et si blafardes, et l’aspect si cruel ! ». Pourtant ici, sur ce fleuve, les monstres sont vaincus par la justice et par l’amour, le seul monstre triomphant, finalement, est la belle Lorelei qui tue insolemment.
La force et l’importance du Rhin sont d’abord en lui-même avant que d’être dans les rêveries des hommes. Ce fleuve, plus qu’aucun autre, est fluidité, mobilité, communication, trait d’union. Il fait définitivement échapper le pays qui le borde à cette Bodenständigkeit, cette « fixation au sol » tellement forte ailleurs et dérangeante. Son lit semble boire, autant qu’à l’eau venue des chutes de Schaffhausen, à celle, dorée, qui court en vert déferlement sur ses pentes somptueuses et qui, gavée de soleil et de sucre, rendra, muée en vin, tout le pays aimable. La douceur est vertu du Rhin malgré les sombres légendes et les orgueilleux monu­ments de la puissance de Guillaume, de Ruedesheim et de Coblence, qui paraissent ici ridicules et obscènes. C’est cette douceur aussi qui fait que, de la plus terrible et de la plus froide des légendes, Heine ne retient dans son chant qu’indicible tristesse : « Ich weiss nicht,/ Was soll es bedeuten,/ Dass ich so traurig bin. »

(aus: Patrick Démerin, Voyage en Allemagne (Paris 1989))

Marcel Crépon vom Rheinfall (2)

Mein Begleiter kannte das Panorama auswendig und legte sich im Schatten der Station zum Schlafen nieder; was also tun, außer die 360°-Einladung anzunehmen? Herrlich war es! Wenn nicht gerade von Wolken retuschiert. Berge, überall Berge, ein Meer von Bergen… graue, blaue, grüne Gesteinswellen, aufgestapelte Sedimente, geschrumpfte Gletscher, in nördlicher nebeliger Ferne kreisten Zeppeline und ich sah: den Bodensee. Ahnte zu sehen, wäre richtiger. Denn soweit sehen meinen Augen längst nicht mehr. Immerhin stimmte die Richtung! Nun, ich besuche oft genug Ihre Seiten, um zu wissen, dass der Rhein in den Bodensee fließt, und aus dem See heraus. Was dazwischen mit ihm geschieht, wissen Sie besser als ich. Doch vielleicht auch nicht ganz genau? Ich entschied mich, der Sache auf den Grund zu gehen, obwohl ich weder des Schwimmens noch Tauchens mächtig bin. Ob das eine Rolle spielen würde? Velle parum est; cupias, ut re potiaris, oportet. (1) Mein Begleiter schlief, ich träumte weiter, und ging. Kam irgendwann auch an, bereit für den nächsten Anschluss. Auf den Gleisen fiel mir eine Frau auf. In der rechten Hand hielt sie einen Eimer, in der linken nichts. Beide, Eimer und Nichts, mussten sehr schwer gewogen haben, denn sie schien erschöpft, schleppte sich gebeugt und seufzend dem Wagen zu. Sie war wie die Uhr am Bahnhof: zeigerlos.

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Auf “Visionssuche” war sie in den Bergen gewesen, hatte nichts gefunden und sogar ihre Begleitung aus den Augen verloren. Mit unauffälliger, doch fester Dialektik lenkte ich die Unterhaltung auf etwas mir Vertrauteres: den Eimer, den sie auf ihrem Schoß festhielt, während der Zug um den Bodensee baumelte.
Von weit her hatte sie ihn herbeigetragen: von Emmerich. Schaffhausen war ihre nächste Etappe. Auf dem Berg war das visionäre Versprechen fehlgeschlagen, doch vermochte sie dort etwas wahrzunehmen wie: “Schaffhausen, Schaffhausen, schaff es nach Hause, Schaffhausen, wo alles sich offenbaren wird”. Ich verstand kein einziges Wort, außer Schaffhausen, also Rheinfall. Die Frau stotterte etwas über die nur vermutete Herkunft des Eimers auf dem niederrheinischen Stadtwappen, und wie sie in der Turbulenz der Fälle genaueres erfahren sollte. Ich erwiderte nichts, doch war natürlich sofort dabei, und schon marschierten wir den Fluß entlang. Die Hitze. Das brueghelgrüne Wasser. Die Frau. Sie psalmodierte vor sich hin, als ob sie die Wand der Wirklichkeit durchbrechen wollte, sich in Trance versetzen… Warum? Bald kamen wir auf die Höhe eines Holzbaus… “Was ist das?”, fragte sie. Ich: “Da drin werden die todessüchtigen Romantiker aufgesammelt, damit sie nicht am Wasserfall als aufgedunsene Leichen auftauchen und den Anblick zerstören…” Das bis jetzt recht langsam fließende Wasser schien auf einmal in Eile zu geraten, die Oberfläche bewegte sich auf und ab in kleinen sich multiplizierenden Wellen. Sterne funkelten. Darunter ondulierten Algen (wenn Ihnen der Film Die Nacht des Jägers in Erinnerung geblieben ist, können Sie das Bild vervollständigen – schon hallte die Stimme Robert Mitchums über uns hinweg: leaning… leaning…), vielleicht war es das Haar der erwähnten Romantiker? Oder Süßwasserjungfrauen? Meine Fragen ließ die Frau unbeantwortet, sie erhöhte das Tempo ihrer Mantras und Schritte unter nicht zu übersehendem Schweißverlust, den sie mit dem Leeren von Falkenbier-Dosen auszugleichen wusste. Abgesehen von tanzenden Wellen war nichts zu sehen, doch kündigten sich die baldigen Fälle an.

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Plötzlich schien das Wasser vor sich selbst zu fliehen, oder von unsichtbaren Kräften angezogen zu werden. Der Weg, den wir bis jetzt allein gegangen waren, wurde lebendiger, einzeln oder in Gruppen vermehrten sich die Spaziergänger in sich steigernder Polyphonie. Manche folgten hoch gehaltenenen Wimpeln, manchen bevölkerten die Bahnbrücke. Das Getöse wurde lauter, mit zunehmender Nervosität klatschte das Wasser gegen die Pfeiler, dann die Felsen und man bekam den Eindruck, es höre einfach auf. Wo es hätte weiterfließen müssen, war nichts außer einer breiten Öffnung, dann entdeckte man es wieder, seinen Lauf fortsetzend. Da waren wir also. Besucher selfierten, mit Stab, ohne, als hormonell gedopte junge Paare oder halb mumifizierte Greise und alles, was noch dazwischen lebte. (Fortsetzung folgt)

***

(1) Dt.: Wollen reicht nicht. Man muß begehren, damit eine Sache gelingt.

Jacques Boucher de Perthes am Rheinfall

À peine débarqué à Schaffouse que je me réserve de voir au retour, je prends l’omnibus qui conduit à la chûte du Rhin. La route est très-accidentée et, en raison de la montée, demande une demi-heure. On a une très-belle vue à gauche, et je reconnais la place où je me suis promené avec mes frères en 1815. Depuis quarante-quatre ans, rien n’y est changé ; mais il n’en est pas de même à la chûte : on y a bâti, il y a environ vingt ans, un bel hôtel dont le nom, Schweizerhof, est difficile à prononcer pour un Français. Heureusement que celui du maître, F. Wegenstein, l’est un peu moins. De la maison, placée sur la cime de la montée, on domine le fleuve et le paysage.

En entrant dans le salon, je fus frappé de la magnificence du spectacle : c’est de ce point et de la terrasse qui est devant que la chûte apparaît dans toute sa splendeur. En face est le château de Laufen, nommé aujourd’hui la maison Bleuler, nom du peintre qui l’a acheté et réparé, et qui a obtenu du gouvernement l’autorisation de percevoir un franc sur chaque visiteur étranger, et soixante centimes sur le visiteur suisse. Le nombre de ces voyageurs s’élève annuellement de trente à quarante mille. Le peintre est mort. Sa veuve, devenue propriétaire, est Française et n’a qu’une fille. La dame, à sa perception, a ajouté un magasin de gravures représentant les vues et curiosités du pays, et des ouvrages qui les décrivent.

De la chambre où je suis logé, la vue est presqu’aussi belle que du salon ; mais je me demande si, dans cette chambre, on peut dormir, car, à ses beautés, la chûte joint un vacarme épouvantable ?

Le jardin de l’hôtel, qui s’étend jusqu’au bord du Rhin, n’est pas à cent pas de la cascade ; cependant je veux profiter de ce qui reste de jour pour la voir de plus près encore, et malgré une pluie battante, je descends la côte pour gagner la rive. De là, un bateau me conduit dans le remous du tourbillon où nous nous laissons balancer, recevant à la fois la pluie et les éclaboussures de la chûte.

Guidé par un domestique, j’escalade la rampe qui conduit à la maison Bleuler. Une entrée assez mesquine mène à une petite porte sur laquelle est inscrit le nom de la propriétaire. J’y suis reçu par un homme aux cheveux et aux yeux noirs, de taille moyenne, d’environ trente ans, bien mis et bien fait, mais à la mine des plus rébarbatives, ce qui ne l’empêche pas d’être fort poli : c’est, me dit mon conducteur, l’associé et, croit-on, le gendre futur de la maîtresse du logis.

Arrivé sur la terrasse, je m’y trouve en compagnie d’un cavalier, voyageur comme moi, et d’une femme fort élégante qui paraît être la sienne. De là, l’œil plonge sur la chûte, mais trop rapproché, on en perd les alentours. De ce point, elle me semble moins belle que de l’hôtel et du bateau. Une éclaircie nous apporte les rayons du soleil couchant, et vient égayer la scène un peu sévère.

D’un autre balcon, la vue est plus étendue, et gagne ainsi beaucoup.

Pour arriver au troisième balcon, on traverse un magasin où Mme Bleuler elle-même vous fait offre de ses dessins et de ses livres. Son air est plus riant que celui de son associé.

Nous pénétrons alors dans un pavillon où des verres de couleurs nous montrent la cascade sous divers aspects : nuit, jour, aurore, hiver, etc. Le soleil, qui se révèle encore, aide beaucoup à ces effets bien connus, mais qui plaisent toujours.

Nous descendons ensuite, en traversant le jardin, à un quatrième balcon au moyen duquel la cascade est vue en dessous ; enfin à un cinquième, plus bas encore, où l’on est en quelque sorte sous la cascade même. Le bruit est intolérable, et l’on reçoit pas mal d’eau. Là, on est tout près des trois roches à pic qui partagent le fleuve, et dont l’une semble prête à tomber, ce qui ne peut manquer d’arriver tôt ou tard. La veille, le domestique qui m’accompagne a passé, en se servant d’une échelle, d’une roche à l’autre, aidé par ce même batelier qui venait de me conduire. C’était la première fois qu’on tentait ce passage, opération fort inutile et imprudente. Le grand danger était de placer l’échelle par le poids de laquelle on pouvait être entraîné.

L’éclaircie n’ayant pas duré, nous repassons le Rhin par une pluie battante. Je rentre à l’hôtel passablement mouillé, mais moins que la jeune femme que j’avais rencontrée avec son mari, et dont le parapluie ne pouvait couvrir la crinoline.

Je n’avais, de toute la journée, pris qu’un petit pain ; il était six heures et demi, et je mourais de faim. On m’annonce que la table d’hôte est servie. Bonne nouvelle ! Je m’y rends. Il y a peu de monde. Je me trouve en face d’une Anglaise grande et belle, pompeusement vêtue, buvant du vin du Rhin à l’aide d’une pipette et abondamment.

Un peu plus loin, deux Anglais à figures distinguées se disputaient en français avec un garçon d’hôtel pour ne payer que vingt francs une voiture qui devait, cette nuit même, les conduire à quelques lieues de là, course dont on voulait vingt-cinq francs. Nos gentlemens, avec cette ténacité anglaise qui leur fait tenir à honneur de ne pas revenir sur un mot dit, ne voulurent jamais céder ; ils se remirent à table, et préférèrent rester à l’hôtel en dépensant probablement vingt francs ou plus pour cette prolongation de séjour, et ceci pour ne pas en payer cinq.

Bientôt entre une jeune femme assez petite et coiffée d’un chapeau rond à plume noire. Elle-même était vêtue de noir. Tout était bizarre dans sa toilette d’ailleurs très-fraîche et qui, quoique simple, annonçait la richesse. Mais l’étrangeté de ce costume n’était rien à côté de celle de sa figure : sans être belle, je n’en ai jamais vu de plus mobile et en même temps de plus expressive. Elle avait quelque chose de fascinateur qui attirait et qui effrayait. Ses sourcils noirs et épais, se joignant au-dessus d’yeux plus noirs encore, lui donnaient l’air, quand elle les fronçait, d’une conspiratrice ou d’une magicienne.

Un moment après, entra un jeune homme. Dès que je l’aperçus, je me dis qu’il ne pouvait être que l’amant, le frère ou l’époux de cette femme. Tout était en harmonie dans leurs costumes et leurs figures. Ils se mirent à table en parlant une langue qui m’était inconnue et que j’étais disposé à prendre pour un argot, car elle ne ressemblait à rien. En ce moment paraît un nouveau personnage de très-bonne mine. Celui-ci était un Français, on ne pouvait s’y tromper. Il connaissait la dame et son compagnon, car il les salua en français et lui répondirent de même, mais avec un accent étranger très-prononcé.

Bientôt une discussion s’élève entre ce nouveau venu et les Anglais sur le prince russe Demidoff. Le Français prétendait qu’il était fils d’un esclave ; les Anglais soutenaient le contraire, et le mari de la dame au chapeau était de leur avis. Comme, dans ma jeunesse, j’avais eu occasion de voir le père du prince actuel et que je connaissais aussi le fils dont M. de **, mon parent, avait épousé une sœur, je pris la parole. Les Anglais riaient sous cape en me voyant si bien renseigné, et ce fut un triomphe pour eux, surtout lorsqu’un autre Français, qu’à sa tournure je reconnus pour un militaire, se joignit à moi pour soutenir l’ancienne origine des Demidoff. Cet officier avait connu M. de ** et M. R**, dont il faisait un grand éloge. Il me donna sa carte, je lui présentai la mienne, et la connaissance fut ainsi faite : c’était le colonel de Prebois.

Le dîner était excellent, la conversation des plus animées. La dame noire et son mari étaient grecs de Constantinople. Ils voyageaient en touristes ; ils avaient vu la meilleure société de Paris et de l’Italie qu’ils connaissaient parfaitement. Nous causâmes jusqu’à dix heures et demie, et chacun fut se coucher.

Je passai une mauvaise nuit. Le bruit assourdissant de cette chûte qui tombe sous mes fenêtres, la pluie qui les bat de son côté, le vent qui s’en mêle, forment une cacophonie terrible qui me dit que le sommeil, s’il est possible ici, est au moins assez difficile. Cependant la fatigue l’emporte : par instant, je m’endors, mais ce n’est pas pour longtemps. Bientôt je me réveille en sursaut, croyant que la maison s’écroule et qu’une poutre me tombe sur la tête. Je m’apprêtais à gagner la campagne, quand je me rappelle que je suis dans un lit, à cent pas d’une cascade, et que la poutre n’est autre qu’un édredon trop chaud pour la saison et qui, en m’étouffant, m’a donné le cauchemar.

(Jacques Boucher de Perthes, Voyage à Aix-Savoie, Turin, Milan, retour par la Suisse, en 1859, Jung-Treuttel 1867)

Keine Haie im Rhein

Kantonspolizei_Rhein_Plakatsujet_WiffeAn uns vorüber ging anno 2014 die Präventionskampagne der Schweizer Polizei. Um den Gefahren des Sommerlochs zu begegnen, haben wir sie für unsere Leserschaft, frisch wie am ersten Tag, aus dem Netz gefischt.

Victor Hugo, Walter Benjamin und rheinsein

Eine ausführliche Reaktion auf den vorangegangenen Eintrag erschien auf acheronta movebo, dem Blog von Chris Bader. Ausgehend von Victor Hugos Zitat einer lautmalerisch niedergelegten Speisekarte zu Schaffhausen, assoziiert Bader nun auf acheronta movebo über das Flußmotiv, Sprachbrodeln und Lebensnarben und vergleicht rheinsein “in Hinblick auf die Materialfülle sowie auf Lafleurs erfrischendem Mix von Gestern und Heute, “High” and “Low”" mit dem Passagen-Werk Walter Benjamins, das von der Kritik als “Notizenfragment” und “Buch, das es nicht gibt” beschrieben wurde: “In seinem Blog zitiert Stan Lafleur den zitierenden Victor Hugo. Deshalb – weil er viel zitiert – hatte auch Walter Benjamin Victor Hugo gerne zitiert. Alle drei – Stan Lafleur, Walter Benjamin, Victor Hugo zitieren allerdings transparent: Sie zitieren in Achtung und Nennung der Quellen. Lesen also fremdes Material auf, kennzeichnen es als fremdes Material, integrieren es in ihr literarisches Mix: Damit outen sich alle Drei – Lafleur, Benjamin, Hugo (…) als Literatur-, Philosophie- und Quellen-DJs, die den alten Materialien einen neuen und jetzigen Kon-Text stiften, eine jetzige und heutige Ästhetik und damit Verdaulichkeit verleihen.” Daß rheinsein in Einzelteilen oder zur Gänze wahlweise als ausschnitthafte bis umfängliche Allegorie auf das menschliche Leben aufgefaßt werden kann, läßt sich zwischen den Zeilen und vollständig unter dem sprechenden Titel: “IN THE MIX: Schweizerisch-französische Onomato-Omelette-Poetik, gefunden von Stan Lafleur bei Victor Hugo. – Notizen zum Motiv der “Narbe” und zum Motiv “Fluss”” nachlesen.

Victor Hugo befindet sich seit ein paar Stunden in Schaffhausen und bestellt ein seltsames Abendessen

Je suis à Schaffhouse depuis quelques heures. écrivez Schaffhausen, et prononcez tout ce qu’il vous plaira. Figurez-vous un Anxur suisse, un Terracine allemand, une ville du quinzième siècle, dont les maisons tiennent le milieu entre les chalets d’Unterseen et les logis sculptés du vieux Rouen, perchée dans la montagne, coupée par le Rhin, qui se tord dans son lit de roches avec une grande clameur, dominée par des tours en ruine, pleine de rues à pic et en zigzag, livrée au vacarme assourdissant des nymphes ou des eaux, ― nymphis, lymphis, transcrivez Horace comme vous voudrez, ― et au tapage des laveuses. Après avoir passé la porte de la ville qui est une forteresse du treizième siècle, je me suis retourné, et j’ai vu au-dessus dessus de l’ogive cette inscription : SALVS EXEVNTIBVS. J’en ai conclu qu’il y avait probablement de l’autre côté : PAX INTRANTIBVS. J’aime cette façon hospitalière.

Je vous ai dit d’écrire Schaffhausen et de prononcer comme il vous plairait. Vous pouvez écrire aussi tout ce qu’il vous plaira. Rien n’est comparable, pour l’entêtement et la diversité d’avis, au troupeau des antiquaires, si ce n’est le troupeau des grammairiens. Platine écrit Schaphuse, Strumphius écrit Schapfuse, Georges Bruin écrit Shaphusia, et Miconnis écrit Probatopolis. Tirez-vous de là. Après le nom vient l’étymologie. Autre affaire. Schaffhausen signifie la ville du mouton, dit Glarean. ― Point du tout ! s’exclame Strumphius, Schaffhausen veut dire port des bateaux, de schafa, barque, et de hause, maison. ― Ville du mouton ! répond Glarean ; les armes de la ville sont d’or au bélier de sable. ― Port des bateaux ! repart Strumphius ; c’est là que les bateaux s’arrêtent, dans l’impossibilité d’aller plus loin. ― Ma foi ! que l’étymologie devienne ce qu’elle pourra. Je laisse Strumphius et Glarean se prendre aux coiffes.

Il faudrait batailler aussi à propos du vieux château Munoth, qui est près de Schaffhouse, sur l’Emmersberg, et qui a pour étymologie Munitio, disent les antiquaires, à cause d’une citadelle romaine qui était là. Aujourd’hui, il n’y a plus que quelques ruines, une grande tour et une immense voûte casematée qui peut couvrir plusieurs centaines d’hommes.

Il y a deux siècles, Schaffhouse était plus pittoresque encore. L’hôtel de ville, le couvent de la toussaint, l’église Saint-Jean, étaient dans toute leur beauté ; l’enceinte de tours était intacte et complète. Il y en avait treize, sans compter le château et sans compter les deux hautes tours sur lesquelles s’appuyait cet étrange et magnifique pont suspendu sur le Rhin que notre Oudinot fit sauter, le 13 avril 1799, avec cette ignorance et cette insouciance des chefs-d’œuvre qui n’est pardonnable qu’aux héros. Enfin, hors de la cité, au delà de la porte-donjon qui va vers la Forêt-Noire, dans la montagne, sur une éminence, à côté d’une chapelle, on distinguait au loin, dans la brume de l’horizon, un hideux petit édifice de charpente et de pierre, ― le gibet. Au moyen âge, et même il n’y a pas plus de cent ans, dans toute commune souveraine, une potence convenablement garnie était une chose élégante et magistrale. La cité ornée de son gibet, le gibet orné de son pendu, cela signifiait Ville Libre.

J’avais grand’faim, il était tard ; j’ai commencé par dîner. On m’a apporté un dîner français, servi par un garçon français, avec une carte en français. Quelques originalités, sans doute involontaires, se mêlaient, non sans grâce, à l’orthographe de cette carte. Comme mes yeux erraient parmi ces riches fantaisies du rédacteur local, cherchant à compléter mon dîner, au-dessous de ces trois lignes :

haumelette au chantpinnions,
biffeteque au craison,
hépole d’agnot au laidgume,

je suis tombé sur ceci : calaïsche à la choute, ― 10 francs.

Pardieu ! Me suis-je dit, voilà un mets du pays : calaïsche à la choute. Il faut que j’en goûte. Dix francs ! Cela doit être quelque raffinement propre à la cuisine de Schaffhouse. J’appelle le garçon.

— Monsieur, une calaïsche à la choute.

Ici le dialogue s’engage en français. Je vous ai dit que le garçon parlait français.

— Vort pien, monsir. Temain matin.
— Non, dis-je, tout de suite.
— Mais, monsir, il est pien tard.
— Qu’est-ce que cela fait ?
— Mais il sera nuit tans eine hère.
— Eh bien ?
— Mais monsir ne bourra bas foir.
— Voir ! voir quoi ? Je ne demande pas à voir.
— Che gombrends bas monsir.
— Ah çà ! C’est donc bien beau à regarder, votre calaïsche à la choute ?
— Vort peau, monsir, atmiraple, manifigue !
— Eh bien, vous m’allumerez quatre chandelles tout autour.
— Quadre jantelles ! Monsir choue. (Lisez : Monsieur joue.) Che ne gombrends bas.
— Pardieu ! Ai-je repris avec quelque impatience, je me comprends bien, moi ; j’ai faim, je veux manger.
— Mancher gouoi ?
— Manger votre calaïsche.
— Notre calaïsche ?
— Votre choute.
— Notre choute ! mancher notre choute ! Monsir choue. Mancher la choute ti Rhin !

Ici je suis parti d’un éclat de rire. Le pauvre diable de garçon ne comprenait plus, et moi, je venais de comprendre. J’avais été le jouet d’une hallucination produite sur mon cerveau par l’orthographe éblouissante de l’aubergiste. calaïsche à la choute signifiait calèche à la chute. En d’autres termes, après vous avoir offert à dîner, la carte vous offrait complaisamment une calèche pour aller voir la chute du Rhin à Laufen, moyennant dix francs.

Me voyant rire, le garçon m’a pris pour un fou, et s’en est allé en grommelant : ― Mancher la choute ! églairer la choute ti Rhin afec guadre jantelles ! Ce monsir choue.

J’ai retenu pour demain matin une calaïsche à la choute.

(aus Victor Hugo: Le Rhin. Lettres à un ami, 1842)

Freiburg in Freiburg

In den rheinkieselgepflasterten Straßen der Freiburger Innenstadt

“Auch in Freiburg gibt es noch diese schmalen Durchfahrten und die geharnischten Denkmäler, die Martinskirche, freudig ausgemalt und gold geschmückt, das Münster mit seinem mürben Steingeäst und den dämmernden Altären, die von alter Blutbeziehung zu Basel Kunde geben. In den Sockel des Domes sind die Ellenlängen, Laibgrößen, Hohlmaße, Werkzeichnungen und Jahrestage für die Wiederkehr der Märkte eingeritzt, kleine Maßbestimmungen des Alltags, die doch nicht weniger als die kunstvoll gefaßte Größe des Turmgebäudes im gleichen gnomischen Anfang wurzeln. Es gibt dort zwischen den banalen und entstellten Straßenfronten noch ein paar der altgeschickten Häuser mit den poetischen Namen, aber reichlicher stehen sie in dem sauberen Basel und an den wohligen Gassen von Schaffhausen (…)”

(Aus Alfons Paquet: Der Rhein, eine Reise, Frankfurt/Main 1923)

10 Mal täglich per Eisenbahn zum Rheinfall für 10 Cent

Hôtel Witzig. – Proprietär H. A. Witzig-Rietmann. – Eisenbahnstation Dachsen am Rheinfall. Die eigentliche Rheinfallstation 15 Minuten bis zum Fall (Fischetz) für Eisenbahnfahrer die bequemste Art, an den Rheinfall zu gelangen. Gute, billige und freundliche Bedienung, Aussicht auf die Gebirge, vom Säntis an bis zur Jungfrau.

Hôtel et Pension Schweizerhof, am Rheinfall, ehemals Hôtel Weber. – Besitzer F. Wegenstein. In nächster Nähe der Eisenbahnstation Neuhausen (neu eröffnete Eisenbahn von Basel nach Schaffhausen und Constanz), in prachtvoller und unstreitig bester Lage, gegenüber dem Rheinfall, mit herrlicher Aussicht auf denselben und auf die ganze Alpenkette; mit Lesekabinet, Musiksaal, Billards, Bädern, Promenaden etc. – Ausstattung und Bedienung vorzüglich. Billige Preise. – Für Familien und Touristen gleich empfehlenswerth. – In wöchentlichem Aufenthalt ermässigte Pensions-Preise.

Hôtel zur Krone. – Besitzer J. Hirt – Nahe bei Bahnhof, Post u. Dampfschiff. – Altes, gutes Haus, von Geschäftsreisenden und Familien stark besucht. – Table d’hôte um 12 Uhr. Restauration à la carte zu jeder Zeit, um die Abreise mit den Nachmittagszügen zu erleichtern. – Wagen und Omnibus sind im Haus zu finden. – 10 Mal täglich per Eisenbahn zum Rheinfall für 10 Cent.

(Annoncen aus dem Anhang des Jahrbuchs des Schweizer Alpenclubs 1865, Band 2)

Simrock über den Rheinfall

Der Große Laufen

Der Rheinfall bei Schaffhausen hat nicht nur den Namen dieser Stadt in aller Welt berühmt gemacht, sondern er ist es eigentlich, dem sie Entstehung und Blüte verdankt. Dies geschah nicht etwa durch den Besuch der Fremden, welche ein so einzigartiges Naturschauspiel zu betrachten zahlreich herbeieilen – obwohl auch diese nicht ganz unbedeutend dazu beitragen mögen –, sondern durch das natürliche Stapelrecht, das der Rheinfall zugunsten der Stadt, besser, als es ein kaiserliches Privilegium vermöchte, begründet hat. Da kein Schiff, ohne in tausend Stücke zu zertrümmern, den Rheinfall hinab kann, so müssen alle Güter, die aus dem Bodensee usw. hierhergelangen, oberhalb Schaffhausen ausgeladen, auf der Achse durch die Stadt geführt und unterhalb des Wasserfalls wieder an Bord genommen werden. Die großen Schiffe fahren daher nur bis nach Schaffhausen; kleinere, aus leichten Tannendielen – sogenannte Lauertannen – gezimmerte, werden wie ihre Ladung durch die Stadt, am Wasserfall vorbeigetragen und unterhalb desselben wieder auf den Strom gesetzt. Vermutlich lag hierin der Grund der ersten Ansiedlung, aus der Schaffhausen, dessen Name auch von Schiff oder dem lateinischen Scapha abgeleitet wird, hervorging. Dabei könnte aber befremden, daß Schaffhausen eine gute Stunde oberhalb des Wasserfalls liegt; deshalb müssen wir des Umstands gedenken, daß schon vor der Stadt die Schiffahrt durch einen Felsendamm gehemmt wird, der bei niederem Wasserstand sichtbar hervorragt. Er besteht, gleich der Felswand und den Felszacken des Wasserfalls, aus Kalksteinen, was den Zusammenhang beider Steinmassen mit dem hier auslaufenden Juragebirge bestätigt. Die Volkssprache nennt die Felsen des Damms die Lächen.

Bei Schaffhausen hört man den Rheinfall schon toben und brausen. Er befindet sich aber erst bei dem Züricher Schlößchen Laufen, das auf der linken Rheinseite auf einem hohen Felsen liegt. Dieser bildete wohl einst mit dem Steindamm, den hier der Rhein zu durchbrechen hatte, eine fortlaufende Bergwand, von der die Felsblöcke, die sich jetzt mitten im Strom dem Sturz entgegenstemmen, nur Überbleibsel sind.
Die Tiefe der Felswand, die sich der Rhein herabzustürzen hat, beträgt etwa siebzig bis achtzig Fuß. Aber eben da er den Anlauf zum Hinabspringen nimmt, stemmen sich ihm drei (früher fünf) Felsblöcke entgegen, welche aus der Wand emporragen. Einer derselben wird ganz überströmt, die übrigen nur bei dem höchsten Wasserstand. Der überströmte Felsen ist dem Schloß Laufen am nächsten, an dessen Fuß das Gerüst Fischenz, ein hölzerner, balkonartiger Vorbau über dem Abgrund, die vorteilhafteste Stellung gewährt, um den ganzen vollen Eindruck des erhabenen Schauspiels mit einem Mal zu gewinnen.

Schon oberhalb des Sturzes mußte sich der Strom in ein enges Felsenbett zwängen lassen, aus dem zahllose Klippen empor starrten. Darüber schäumend vor Unmut, gelangt er mit starkem Gefälle in die Nähe der Felszacken, wo der Boden schon unter ihm weicht und der Fall, obwohl erst allmählich, beginnt. In gewaltsamer Eile schießt er gegen die Felsblöcke hinab, an denen sein Fall sich bricht, der erst jetzt eigentlich geschehen soll. Beim Anprall gegen die Felsen zerstäubt ein Teil des Wassers und steigt als dichte Nebelwolke in die Höhe, ein anderer bildet siedende, schäumende Gischt, ein dritter wälzt sich in großen Massen über den Felsen und gelangt hinab in den Kessel, wo das Sieden, Schäumen und Strudeln von neuem anhebt. Denkt man sich dies in der größten Geschwindigkeit hintereinander und zugleich nebeneinander, da ein Teil des Wassers schon im Kessel zischt und brandet, wenn der andere erst gegen die Felsen prallt und über sie hinausspritzt; denkt man sich dieses Schauspiel bei jedem der Felsblöcke mit der Abänderung wiederholt, daß nur der erste Felsen überströmt wird, und läßt man dann die Sonne sich entschleiern, um den mannigfaltigsten, herrlichsten Farbenwechsel hervorzubringen, indem sie die vom Wind gekräuselten Säume des Schaums vergoldet, den Wasserspiegel mit Glanz überstrahle und im aufsteigenden, schnell bewegten Dunst den flüchtigen Regenbogen hervorzaubert, dessen Oberes von der Luft hin und her getrieben, vom neu aufwallenden Nebel verwischt und doch gleich wieder neu erzeugt wird, während der Fuß ruhig und unbeweglich in Gischt und Schaum des Kessels steht – faßt man dies alles in eine Vorstellung zusammen, so hat man ein schwaches Bild dessen, was an dem Phänomen sichtbar ist. Auf das Ohr wirkt gleichzeitig das ungeheuere Donnergetöse des Sturzes so gewaltsam, daß man es in stiller Nacht auf zwei Meilen weit hört, in der Nähe aber niemand sein eigenes Wort vernimmt. Auch dem Gefühl macht es sich durch die Lufterschütterung und den Staubregen bemerkbar, der den Zuschauer in kurzer Zeit durchnäßt, wenn er sich dem Anblick zu unbedachtsam hingibt.
Vom Gerüst Fischenz kann man die dem anderen Ufer näher liegenden Fälle nicht deutlich erblicken, deswegen begibt man sich wohl nach einem in der Nähe des Schlosses stehenden Pavillon oder fährt nach dem jenseits liegenden Schlößchen Wörth, das auch das schaffhausische Laufen genannt wird, wo man sich der Mitte des Falls gerade gegenüber befindet, obwohl schon in zu großer Entfernung. Noch ungünstiger ist der Standpunkt bei den Neuhauser Mühlen auf dem rechten Ufer, wo sich alles verkürzt und der kleinere Sturz den größeren verdeckt. Hat man nun noch die Neuhauser Höhe besucht, wo man eine Übersicht der ganzen Gegend gewinnt, so wird man sich wieder hinübergezogen fühlen, um den unvergleichlichen Anblick, der nur auf dem Gerüst Fischenz ganz genossen werden kann, noch einmal zu erleben; es wäre denn, daß man für diesmal auf der Schaffhauser Seite zurückzukehren gedächte, um bei anderer Stimmung oder Beleuchtung, z. B. bei Nacht und Mondenschein, das erhabene Naturschauspiel sich noch einmal aufführen zu lassen.

In einer im Jahre 1797 niedergeschriebenen skizzenhaften Beschreibung des Rheinfalls bemerkt Goethe, das Wunderbarste daran seien ihm die Felsen, welche sich in dessen Mitte so lange hielten, da sie doch vermutlich von derselben Gebirgsart seien wie der klüftige Kalkstein, der die Felsen beider Ufer bilde. Allein seitdem sind in diesem Jahrhundert zwei der fünf Felsen im Strombett zusammengestürzt, welche weder die ersten gewesen sein mögen, noch die letzten bleiben werden. Bedenkt man, daß schon ein Tropfen durch öfteres Niederfallen einen Stein höhlt, wieviel größer muß die Wirkung eines ganzen Stroms in Jahrtausenden sein? Wenden wir dies auf Vergangenheit und Zukunft an, so wird sich dort eine Zeit ergeben, wo die jetzt durchbrochenen Felsen des Strombetts mit jenen der Ufer dem Rhein einen Damm entgegensetzten, den er nicht sogleich bewältigen konnte, wodurch vielleicht die Ausbildung der beiden großen Seehecken begünstigt wurde. Das vorschauende Janusantlitz blickt hingegen auf das gerade Widerspiel, auf ein vollkommen ausgewaschenes, von allem Widerstand gesäubertes Strombett, in dem der Rhein ruhig hinwandelt, leichte Kähne wie die stolzen Dampf- und Segelschiffe auf dem glatten Rücken tragend. Daher ist dem schaulustigen Leser, der den größten Wasserfall Europas noch nicht gesehen hat, allen Ernstes zu raten, den Besuch desselben nicht allzulange hinauszuschieben: nach tausend Jahren fände er vielleicht die Stelle, wo er einst schaute, nicht wieder auf.

Der Rheinfall wird im Munde des Volkes jener Gegend nicht anders als der Laufen, und zwar der Große Laufen, genannt, wenn man ihn von dem Kleinen Laufen, einem zweiten, nicht so bedeutenden Fall des Rheins, der sich weiter unten bei Laufenburg befindet, unterscheiden will. Die beiden Laufen genannten Schlößchen und jenes Laufenburg führen ihren Namen ohne Zweifel erst von den entsprechenden Wasserfällen, wie auch das leberbergische Städtchen Lauffen von dem schönen Fall der Birs benannt ist. Gewöhnlich findet man die umgekehrte Angabe; selbst Glutz-Blotzheim sagt, zuweilen trage der Rheinfall den Namen des Schlosses. Ob der Name Laufen deutsch oder keltisch sei, ist schwer zu sagen; mit dem deutschen Zeitwort »laufen« hat er aber wohl nichts zu schaffen. Eher möchte man einen Zusammenhang mit Lawine vermuten, da das althochdeutsche louuin, von dem dieses Wort abgeleitet wird, einen Gießbach bedeutet.

Schaffhausen selbst ist als Geburtsstadt Johannes von Müllers berühmt. In seinem Münster hängt die große, 1486 gegossene Glocke, welche die aus Schillers Gedicht berühmte Umschrift führt: »Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango.« Was der sogenannte große Gott von Schaffhausen, der nach dem rheinischen Antiquarius 22 Fuß lang war, eigentlich für ein Heiliger gewesen ist, wird vielleicht noch auszumitteln sein. Der gleich benannte Schweizer Kanton, der einzige, der nach Graubünden noch auf der rechten Rheinseite liegt, bildet gleichsam den Brückenkopf zwischen Deutschland und der Schweiz. Um so weniger dürfen wir die merkwürdige Brücke vergessen, welche ehemals die Stadt mit dem jenseits liegenden Züricher Flecken Feuerthalen verband. Diese Brücke, meldet Eichhof, war zwar nur aus Holz, aber ein Meisterstück in ihrer Art, ein Hängewerk, das, außer an den Ufern, nur auf einem einzigen Pfeiler ruhte oder vielmehr auch auf diesem nicht einmal ruhte, wenigstens ist darüber gestritten worden. Man behauptet nämlich, des Künstlers Plan wäre gewesen, nur einen einzigen Bogen über den Fluß zu legen; da er aber von der Stadtobrigkeit angewiesen worden war, sich jenes von einer ehemaligen steinernen Brücke noch vorhandenen Pfeilers zu bedienen, so hätte er zum Schein dem Befehl sich gefügt, aber seine Baueinrichtungen auf eine Art gemacht, daß in der Tat gleichwohl kein Teil durch denselben getragen worden sei. Dieser Künstler war nur ein gewöhnlicher Zimmermann von Tuffen im Kanton Appenzell, Hans Ulrich Grubenmann mit Namen, und man muß gestehen, daß in dieser Hinsicht, auch angenommen, daß durch den gedachten Pfeiler wirklich zwei Bogen entstanden wären, die Brücke dennoch Bewunderung verdient hätte, denn immerhin wären, da diese in ihrer Ausdehnung 364 englische Fuß betrug, auf die Öffnungen der beiden Bögen folgende Maße gekommen: auf die des größten 193 und auf die des kleinsten 171 Fuß. Ein einzelner Fußgänger, der über dieselbe hinschritt, fühlte das Gerippe unter seinen Füßen zittern, und dennoch trug sie schwerbeladene Lastwagen wie jede andere. Ihr Bau, der von 1754 an in drei Jahren vollendet wurde, hatte über 60 000 Reichstaler gekostet; ein einziger Tag vernichtete sie, da sie in dem Krieg zwischen Österreich und Frankreich zu Anfang dieses Jahrhunderts bei einem Rückzug der Franzosen in Brand gesteckt wurde.

Die mündliche Sage behauptet, die alten Alemannen hätten am Rheinfall Pferdeopfer dargebracht. Wem könnten diese gegolten haben als dem Stromgott, der sich hier gewaltiger als irgendwo zeigt? Auch ein Volkslied, das am ganzen Rhein, von den Quellen bis zur Mündung, gesungen wird, spielt in dieser Gegend. Einzelne Strophen desselben haben sich nur in niederländischen Mundarten erhalten. Erfreut, die Einförmigkeit des prosaischen Vortrags mit diesem schönen Lied unterbrechen zu können, teilen wir es hier so vollständig mit, wie es sonst nirgends gefunden wird.

(aus Karl Simrock: Der Rhein – das darin enthaltene Lied vom Zimmergesell sparen wir an dieser Stelle aus.)

Schlecht für die Lachse

Die unterbrochene Schifbarkeit des Rheins, die zum Ursprung, auch gewisermasen zum Namen der Stadt Anlas gab, hat auch ihr Frachtgewerbe gegründet. Die Schiffe müssen da ausladen, und können weder den Zöllen entgehen, noch den Anmasungen der Schafhausischen Fuhrleute und Schiffer, ihre Güter weiter zu füren. Auch die Güterwägen sind einem änlichen Frachtbann unterworfen, und müssen ihre Ladung Schafhausischen Fuhrleuten zur weiteren Beförderung überlassen. So macht die Lage am Rheinfall und an der Gränze der Schweiz Auswärtige und Schweizer dieser Stadt auf vielfache Weise zinsbar. Selbst die aus der See heraufsteigende Fische fallen hier desto gewiser in die Neze, die ihnen den Rükzug abschneiden, da der Rheinfall keinen Durchweg gestattet. Vornehmlich ist der Lachsfang bei Schafhausen beträchtlich.

(Gottlieb K. Storr: Alpenreise vom Jahre 1781, Leipzig 1784)

Eine ungewollte Schilderung des Rheinfalls

Den Rheinfall darf ich nicht unberürt lassen, wenn ich gleich nicht versucht bin, ihn schildern zu wollen. Die entschidene Unmöglichkeit, dieses erste Schaustük der Vorderalpen durch Farben oder Griffel in ein Gemälde überzutragen, entfernt auch alle Hofnung, seinen Eindruk auf empfängliche Beobachter in einer Beschreibung mizutheilen. Die Würdigung der Ansehnlichkeit der Scene hängt überdas so sehr von der Stimmung des Zuschauers ab, daß ich dieser wol eben so vielen Einflus auf die Verschidenheit der Urtheile von der Höhe des Rheinfalls zuschreibe, als der veränderlichen Höhe des Stroms zu verschidenen Jahrszeiten, und der allmälichen Ernidrigung seines Betts, die doch unter dem Fall ohne Zweifel stärker fortschreiten mus, als über ihm. Solche äusere und innere Schwierigkeiten sind wol allen, die diese unerreichbare Erscheinung zu erwänen hatten, allzufülbar geworden, als daß wir eine Darstellung davon hätten erhalten können. Aus gleichen Gründen schränke ich mich auf eine kunstlose Erzälung meiner Umschreitung des Schauplazes ein, und folge der Reihe seiner einzelnen Auftritte, wie sie zu einer Zeit, da der Strom gros war, mir in die Augen fielen.

Jenseits des Rheins, kaum eine Stunde von Schafhausen, ligt das Dorf Lauffen im Züricher Gebiete. Der Weg dahin geht über die Rheinbrüke, und schlingt sich dann an Weinhügeln in die Höhe. Aus einem an der glüklichsten Stelle angebrachten Gartenhaus des Landvogts überschaut man die reizende Gegend: Schafhausen zeigt sich auf seiner vortheilhaftesten Seite am Fus einer Reihe fruchtbarer Berge, zwischen welchen und den gegenüberstehenden ein längliches Thal gefast ist; Dieses durchwandelt der gröste der Ströme Helvetiens, eine ansehnliche Streke lang, stät und ruhig, in stiller Grösse. So fliest er der Stadt zu und bringt schon zimlich beträchtliche Schiffe bis zur Gegend der Brüke. Dort fängt sein Bett an, ungleich zu werden, und mehr und mehr anwachsende Klippen machen ihn reisend und unsicher. Bald darauf wendet er sich zur linken, und immer klippenreicher wälzt er sich nun mit krausen Wellen herbei, deren reines Weis mit dem heiteren Wassergrün seiner ebneren Flächen aufs lieblichste absticht. Einige kleine Wasserfälle, die über nidrige, stufenweise übereinander ligende Felsstüke herbagleiten, machen gleichsam das Vorspiel der erhabnen Scene, die der Fall des ganzen Stroms hervorbringt, der nun, durch Verengung seines Betts geschwellt, und von einem steilen Absturz plözlich abgeschnitten, seine ungeheure Wassermasse zwischen einigen im Weg stehenden Felsspizen wütend hinabreist.

Diesen grosen Auftrit, so viel möglich, nahe zu kommen, steigt man über den Felsen, auf welchem das Schlos steht, zu einem hölzenen Gerüste hinab, das die Fische; genennt wird; Man hat da den Rand des Abschusses, der das Bett des Stroms abschneidet, über sich, unter sich den Abgrund, dem er entgegenstürzt, und blos das von seinem Fall erschütterte Gerüste zur Scheidewand; Der Standort könnte nicht gelegener gewält werden, den vollen Nachdruk der so ganz unmittelbar in ihrer anschauernden Grösse auf den Beobachter eindringenden Erscheinung zu empfangen. Der erste Blik dahin hat etwas mächtig ergreifendes: Das Bild eines einstürzenden, von grundlos scheinenden Tiefen verschlungenen, und, immer nachzustürzen, unerschöpflich erneuerten Wasserbergs, der Kampf des von unten auflochenden Abgrunds mit der abwärts treibenden Wasserlast, die sich erst in sich selbst zu rollen strebt, und dann, mit dem Getöse eines Sturms niederschleudert, in Schaum und Dunst zermalmt, wiederum aufsteigt, und feine Nebelstreifen bildet, die in weiten Bogen vom Wind entfürt werden, alles dieses überrascht mit einem unwillkürlichen Erstaunen, so nahe vor sich die drohendste, gewaltsamste Auftritte zu haben, ohne zugleich mit den unwiderstehlichen Wirbeln dieser allgemeinen Zerstörung dahin gerissen zu werden.

Als ich mir die Zusammensezung des grosen Schauspiels zu zergliedern anfing, unterschid ich zuerst, zwischen dem Schlosberg und dem gegenüberstehenden Hügel unter dem Dorfe Neuhausen, zwei an der Kante der Stufe aus dem schon überspringenden Wasser hervorragende Felsen. Diese geben dem Rheinfall, indem sie ihn in mehrere Güsse zerstüken, das Ansehen einer getheilten Cascade, welche von hier aus dreifach, wenn man ihn aber ganz im Gesichte hat, vier, bis fünffach erscheint.

Der stärkste Arm der Cascade ist zwischen dem Schlosberg und dem ihm zunächst stehenden Felsen; Auch ist hier die Höhe des Falls am grösten. Der Berg, auf welchem Lauffen steht, sezt dem Strom die meiste Gewalt entgegen; Desto heftiger arbeitet dieser wider ihn, und er ist wirklich, so weit ihn je die Flut des Rheins erreichen konnte, von ihr benagt und abgeschliffen. Sein überlegener Widerstand hemmt die Ausdehnung des Flusses in die Breite, und treibt ihn desto mehr in die Höhe. Ein hochaufschäumender Guß dringt unmittelbar an diesem Berg mit ausgezeichneter Heftigkeit hervor, dann folgt ein neben ihm eben scheinender nidrigerer Guß; Neben diesem wölbt sich widerum eine schaumige Welle, wahrscheinlich über dem Rest eines der Felsen, die ehmals in gröserer Anzal den Abschus besezten. Weiterhin zeigt sich widerum ein ebneter Stral, über welchem eine andere Welle an dem ersten der zuvorerwänten Felsen aufkocht. Die sonderbare Gestalt dieses Felsen, und das an ihm aufsprudelnde, und in krausen geschlängelten Wellen hoch an ihm aufklimmende, selbst durch ihn überspringende Wasser des Stroms vermehren das malerische dieser Ansicht. Der Fels ist meist kahl, hin und wider mit nidrigem Gesträuche besezt, und stellt, von dieser Seite her betrachtet, eine länglichte, ungleich gekrümmte, nach oben breitere, unterwärts abnehmende, und in einer länglichtrunden, gekrümmten Oefnung durchgrabene Tafel vor.

Der Abstand zwischen diesem und dem zweiten Felsen, der mehr kegelförmig ist mit einer gekrümmten Spize, beträgt kaum den dritten Theil des Raums zwischen dem Schlosberg und dem ersten Felsen; Auch kommt zwischen beiden Felsen nur ein einiger Guß hervor. Dieser zweite Fels begränzt die Aussicht über den Rheinfall von Lauffen aus, und entzieht dem Gesicht einen Theil seiner Breite; Das jenseits herabstürzende Wasser kommt hier nur am Fus des Absturzes einigermasen zum Vorschein. So weit der Weg des Stroms von seinem oberen Bette in das untere sich verfolgen läst, scheint er, so bald die Schwelle des ersteren überschritten ist, sich mit einer radänlichen Bewegung einwärts zu krümmen, sogleich aber, ehe diese noch vollendet ist, wirft er sich mit ganzer Macht in bogigen Güssen hinab. Ein schrökliches Getöse begleitet seinen Sturz, und Berge von Schaum steigen ihm aus dieser Tiefe entgegen.  Das untere und obere Wasser kocht so heftig untereinander, daß die Gränzen von beiden nicht wol bestimmt werden können, und daher auch die Höhe des Falls sich nicht mit Genauigkeit schäzen läst. Ein feiner Duft befeuchtet den Zuschauer auf der am Schlosberg angehefteten Büne, und sichtbare Dünste fliehen in bogigen Nebelstreifen nach fridlicheren Stellen des weiterhin sich besänftigenden Stroms. Den zitternden Dunst des meist in blendend weissen Schaum aufgelösten Wassers schmükt die Sonne mit lebhaften Regenbogen. Nach dem Fall gibt das erweiterte Beken des Stroms ihm Raum, sich auszudehnen; Allmälich verliert sich nun sein Ungestüm; Seine Schaumberge ernidrigen sich zu Wellen, welche endlich in eine leicht gekräuselte Fläche übergehen.

Die Gröse der Scene in ihrer ganzen Macht aufzufassen, bleibt der bisherige Standpunkt vor jedem andren vorzüglich, obgleich der Anblik von der Seite einige Stellen dem Auge entrükt. Um das ganze Schauspiel gerade im Gesicht zu haben, kan man sich dogleich von lauffen aus über den Flus sezen lassen; Indem man auf dieser Fart zwar in der Entfernung, die die Sicherheit erfordert, doch nach der ganzen Breite des Flusses, vorüberkommt, und sich gleichsam mit dem Element vermischt, welches hier eine solche Prachtscene feiert, erhält der Eindruk des am Schlosberg genommenen Anbliks seine Vollendung, und selbst eine neue Verstärkung.

(Gottlieb K. Storr: Alpenreise vom Jahre 1781, Leipzig 1784)

Von täuschenden Brückenbögen und wahren Standpunkten

Schaffhausen. Wirthshäuser: Krone. Schiff. Sehenswerth die Brücke über den Rhein, die von Hans Ulrich Grubenmann von Tüffen aus dem Kanton Appenzell in drey Jahren verfertigt wurde, während sein Bruder Iohann die zu Reichenau in Graubündten 240. Fuss lang in Einem Bogen baute. Die Schaffhauser Brücke ist ein Häng- oder Sprengwerk, 364. englische Fuss lang. Ulrich und Iohann Grubenmann behaupteten, diese Brücke stehe nicht auf dem Pfeiler; in einigen Reisebeschreibungen wird das Gegentheil gesagt. Viele Männer aus Schaffhausen, die stete Augenzeugen waren, haben mir versichert, dass die Brücke wirklich nicht auf dem in dem Rhein stehenden Pfeiler (der von der alten steinernen Brücke übrig geblieben ist,) ruhte, sich aber nach und nach darauf gesetzt hat; und ein grosser Baumeister hat behauptet, dass sie wahrscheinlich eingestürzt seyn würde, wenn der Pfeiler nicht da gewesen wäre. Vor wenigen Jahren musste sie mit vielen Kosten wieder hergestellt werden. Grubenmann behauptete auch immer, die Brücke bestehe aus Einem Bogen; er hat darinn vollkommen recht, wenn man inwendig auf der Brücke die Lage der Balken auf beyden Seiten betrachtet, die nur einen einzigen grossen Bogen ausmachen.
(…) Oeffentliche Promenaden sind keine; das Vergnügen des Spatzierens muss man durch Steigen erkaufen. (…) Intressante Aussichten sind: Auf dem alten aus den Zeiten der Römer noch existierenden Bollwerk Unnoth oder Munnoth; auf dem Schießplatz; auf der Enge, einem Hügel, der nach Klettgäu sieht.
Eine der merkwürdigsten Naturscenen der Schweitz ist der Rheinfall bey dem Schloss Lauffen, eine gute halbe Stunde von Schaffhausen. Ich rathe jedem Reisenden, dieses Schauspiel zuerst von der Zürcher-Seite zu sehen und zu geniessen: Deswegen muss man von Schaffhausen nach dem Schloss Lauffen gehen, und wenn man, von Zürich oder anderswo her, über Eglisau nach Schaffhausen reist, so muss man die Strasse über Rheinau nehmen, die gerade auf das Schloss Lauffen führt: Auf diese Art vermeidet man, den Rheinfall in einem Standpunkt zu erblicken, der durchaus für jeden, der ihn zum erstenmale sieht, äusserst ungünstig ist. Von dem Schlosse steigt man herab, und begiebt sich, ohne zuerst in den Pavillon auf der Mitte des Weges zu treten, gleich auf das kleine Gerüst dicht an dem Fall; denn hier ist der wahre Standpunkt. – Um ihn hernach von vorne und von der Seite auf dem Schaffhauser-Gebiet zu sehen, so lässt man sich über den Rhein nach dem Schlösschen im Wört fahren: Wenn man in dem Kahn gleich und ruhig sitzt, darf man sich gar nicht fürchten, bey dieser kurzen Ueberfahrt Gefahr zu laufen. Oben auf dem Felsen, wo Laufen liegt, am äussersten Rande steht das gedachte Lusthäuschen, wo man auf den Rheinfall herab, auf das Dorf Neuhausen gegenüber, und auf die Hügel sieht, zwischen denen der Rhein sich durchkrümmt. Die Höhe des Rheinfalls ist nach seiner Wassermenge verschieden, 60 – 80. Fuss hoch; im Monat Juny ist er gewöhnlich am vollsten und grössten. Man muss ihn Morgens, Abends, und bey hellem Mondschein sehen, wenn man alle Schönheiten dieser ausserordentlichen Scene geniessen will. – Des Abends gewinnt er besondre Reize, durch den Contrast der umliegenden Gegend die nun im Schatten liegt mit der noch beleuchteten Hauptparthie.

(J. G. Ebel: Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweitz zu reisen, Zürich. Bey Orell, Gessner, Füssli und Compagnie 1793)

Louis Lourmais durchschwimmt den Rhein

rheinschwimmer louis lourmais

Der Bretone Louis Lourmais startete Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre einige Aktionen als Extremschwimmer – darunter die Durchschwimmung des Rheins der Länge nach. War zuletzt im Rahmen ähnlicher Projekte von Ernst Bromeis und Andreas Fath auch der vor zwei Jahren verstorbene Linzer Klaus Pechstein wieder ins Rampenlicht gerückt, der als erster Mensch den Rhein komplett der Länge nach durchschwommen haben soll, grub Thomas Förster für seinen Dokumentarfilm Flussgeschichten – Der Rhein, für den er Pechstein interviewte, auch Archivmaterial aus, das Louis Lourmais beim Rheindurchschwimmen zeigt. Lourmais soll erst bei Schaffhausen, also weit unterhalb der Quellen, in den Rhein gestiegen sein, somit auch die Bodenseequerung vermieden haben, wodurch ihm der an sich fragwürdige Rekord “Komplettdurchschwimmung” (denn der Rhein ist nicht ein Rhein und in Passagen der Quellregionen, auch unterhalb des Tomasees unschwimmbar) aus heutiger Sicht verwehrt bleibt. Rund 1000 Rheinkilometer absolvierte Lourmais, teilweise schwimmerisch begleitet von seiner Frau Liliane, bevor er in Rotterdam von der niederländischen Schwimmmeisterin Cocky Gastelaars und einer Abordnung Froschmänner in Empfang genommen wurde. Lourmais ist somit der früheste, bisher bekannte Rheindurchschwimmer, was ihm einen Ehrenplatz in der Ahnengalerie dieser Spezies einbringen sollte.

rheinschwimmer louis lourmais_2 (Bilder: Screenshots)