Richelieu und der Rhein

Le “programme” de Richelieu
“… l’action de Richelieu pour relever le commerce et la marine de la France, quoique moins connue, n’est pas la moins importante de ses œuvres. Surtout, il faut dénoncer comme un grave anachronisme une croyance longtemps accréditée qui ferait de Richelieu l’apôtre des « frontières naturelles » de la France. Le Rhin n’a jamais représenté pour le cardinal la ligne idéale que le royaume devait atteindre.”

Richelieu et la politique des “frontières naturelles”
On a cru trop longtemps que le cardinal ministre pensait que l’occupation de la Rhénanie devait être un des aboutissements de la politique étrangère de la France. Toute une controverse entre historiens allemands et français s’est instaurée à ce sujet jusqu’à la parution, en 1962, d’une édition des Acta pacis westphalicae et particulièrement des instructions données aux ambassadeurs français du congrès de Münster.

Or, il apparaît, à la lumière de ces nouveaux documents, qu’un des buts que se fixe Richelieu sur le Rhin est non la possession de la Rhénanie, c’est-à-dire de la rive gauche du fleuve, mais seulement d’un certain nombre de places fortes, notamment Brisach, et de couloirs permettant aux troupes françaises d’intervenir facilement et rapidement en Allemagne. « Lesdits Srs Plénipotentiaires se souviendront surtout, en retenant Brisach, qu’il nous faut garder un chemin net pour y aller, ce à quoi Saverne et Sélestat nous sont nécessaires », disent les instructions.

En somme, ce que Richelieu désire, ce sont des passages sur le Rhin et des voies de communication (routes, villes-étapes) pour s’y rendre. Et Richelieu ajoute : « Les princes d’Allemagne ont trop d’intérêts à ce que les choses soient si bien établies que la maison d’Autriche ne puisse plus les régir […]. »

Il s’agit moins de conquérir une province ou des frontières naturelles que de se ménager des influences politiques et de contrecarrer les visées des Habsbourg.

« Le roi, écrit encore le cardinal, n’est pas tant touché de son intérêt comme de la crainte que les Habsbourg ne veuillent à l’avenir dépouiller les princes qui sont moindres que lui pour enfin se rendre les maîtres de tout l’univers, car avec raison on les a accusés de prétendre à la monarchie universelle. »

Cette région entre Meuse et Rhin constitue un parfait boulevard de passage entre les possessions des Habsbourg aux Pays-Bas et en Italie, et entre l’Allemagne et la France ; c’est pourquoi, dans le cadre de sa politique antihabsbourgeoise, Richelieu désire voir la France y occuper de fortes positions.

(Aus dem Artikel über Richelieu im Dictionnaire Larousse, online)

Der Rhein bei Maurice Genevoix: Loreley und Zabern-Affäre

„Lorelei“ heißt ein später Roman von Maurice Genevoix, der eine französisch-deutsche Jugendbegegnung in Offenbach am Main im Jahre 1905, zwischen den Kriegen, schildert. Es geht ums Erwachsenwerden, um Kulturaustausch mit Worten und Fäusten, eingebettet in den intellektuellen Heroismus des Bildungsbürgertums. Der 17jährige Protagonist Julien bricht auf aus seinem beschaulichen Chasseneuil „Reisen! Wir sind auf Reisen!“ und trifft dabei erstmals auf Rhein und Mosel: „(…) Und er sah alles vor sich: die blaue Linie der Vogesen, Grenzpfähle, den alten Rhein der Erckmann-Chatrian, Storchennester auf Fachwerkhäusern, Elsaß-Lothringen in violetter Trauer, den Tatsachen zum Trotz französisch auf den Wandkarten in den Schulen. (…) Vom braunen Land steigt jetzt ein Schimmer auf. Jener Fluß… Julien steht auf. Der Fluß biegt ab, deutet unter dem Himmel eine weite umfassende Schleife an. Julien ruft Halleluja: „Die Mosel!“ (…)“ Die jugendliche Euforie wird alsbald in verschiedene Regungen umgewandelt, noch bevor Julien den Rhein überquert. Denn Autor Genevoix, ein großer Freund eingeflochtener Ortssymbolik, nimmt Lorelei und Zabern-Affäre bei einem kurzen Zwischenstop der Reisegesellschaft um Julien „in Zabern, ach so, nein, in Saverne“ vorweg: „(…) Sie hatten noch immer das leuchtende Band des Flusses – der französischen Moselle – vor sich. Sie waren dann in ein oben auf einem sanften Abhang gelegenes Restaurant gegangen. (…) An der anderen Seite verlief der Abhang in ein Tälchen und in dem tat sich (…) eine (…) von einer Reihe von Bäumen umsäumte Esplanade in einem Chaos von Dächern auf: offenbar ein Kasernenhof, gottverlassen zu dieser Mittagsstunde. (…) Nachdem sie sich gesetzt hatten, trat eine Frau auf sie zu: groß, majestätisch, ein wenig blaß, ein wenig unnahbar. Julien fielen ihre wehen und schönen Augen auf; auch wie sie gekleidet ging, erstaunte ihn nicht gering: ein weißes Kleid trug sie so körpernah, daß der weiche Stoff durchfeuchtet wirkte. Unter dem mächtigen Busen zog ein breiter Gürtel, eine Art goldenes Wehrgehänge, die Taille eng zusammen. Sie reichte die Speisekarte und nahm die Bestellung stumm entgegen. „Da kann man nur staunen“, sagte Britte, kaum daß die Frau weg war. „Eine Nixe, eine Erscheinung aus der Vergangenheit. Die ist für uns aus den Fluten aufgetaucht; für dich, Julien, als sei sie dir bestimmt… Habt ihr diese Augen gesehen? Zwei flußfarbene Wasserschlünde, faszinierend. Man könnte sie für eine Lorelei von einst halten. Ihr „goldnes Geschmeide“, ihr „goldner Kamm“… Ich habe wirklich und wahrhaftig das Haar auf ihre Schultern herabfließen sehen. Nimm dich in acht, Bübchen! An deiner Stelle bekäm` ich`s mit der Angst zu tun.“ Alles lachte, wie so oft. Die Vorspeise war köstlich, der Rüdesheimer fruchtig nach Wunsch. (…) Aber dann fielen, mitten in diese Friedlichkeit, jene Schreie, ertönten jene rauhe, ehrverletzende Stimme, jene Schmäh- und Schimpfreden, die sich wie Schläge anhörten. Der Lärm kam vom Kasernenhof herauf, traf sie mit voller Wucht. (…) Die von oben im Restaurant konnten, der Entfernung wegen, die Gesichter auf dem Hof nicht unterscheiden, bloß diese zwei auf so pathetische Weise entgegengesetzten Silhouetten. Obwohl die Uniformen von derselben grünlichen Farbe waren, kontrastierten auch diese noch, denn die eine saß lose und unscheinbar, die andere elegant und akkurat, von der Schirmmütze bis zu den gut geputzten Reitstiefeln. (…) Das belfernde Gebrüll hörte keineswegs auf, es zerriß die Stille. (…) Julien, sehr blaß geworden, war aufgestanden (…). Ekel schüttelte ihn. Der Offizier hatte den Arm erhoben: einmal, zweimal zog er dem Mann mit der Reitpeitsche eins über. Und jedesmal unterstützte er den Hieb, indem er brüllte: „Wackes! Wackes!“ (…) Kurz danach (…) sah ihnen die Frau beim Aufbruch zu. Julien, noch blaß und zitternd, ging als letzter an ihr vorüber und streifte ihr Kleid dabei. Sie zeigte zum erstenmal eine Regung, blickte ihm mitten ins Gesicht. Lächelte sie? Der Jüngling hielt den Schritt an, überrascht, peinlich berührt von der dunkeln Unruhe, die sich seines Körpers bemächtigte. Unversehens, als sei das Kleid von ihr zu Boden geglitten, hatte er diesen anderen Körper ganz nah, in seiner fleischlichen Wirklichkeit, gesehen. Nichtsdestoweniger hielt er mit glutroten Wangen dem Blick der Frau stand. Aus welchen Fernen kam ihr Lächeln? Sie sprach. Mit gemessener, melodischer Stimme drückte sie sich in einem geläufigen Französisch aus, hatte jedoch einen betont deutschen Akzent: „Ich kenne diesen Offizier. Er nimmt seine Mahlzeiten in diesem Restaurant ein. Er ist höflich, aber er kann die elsässischen Wackes nicht leiden. Habt eine glückliche Zeit, lieber französischer Chevalier. Aber vergessen Sie nicht: von jetzt an befinden Sie sich in Deutschland.““

Wackes

Nochmal in der DFB-Länderspielbilanz nachgehakt: demnach muß es der 18. April 1984 gewesen sein, als wir mit einer Rotte Schulkameraden das Länderspiel Frankreich – Deutschland (in Straßburg) in einem ausgebauten Hobbykeller verfolgten und die weniger Schöngeistigen oder stärker Alkoholisierten den gesamten, im Vorfeld zum nationalen Prestigeduell erhobenen Kick mit dem plötzlich aus Familienfundi ausgegrabenen „Wackes!“-Schmähgegröhle begleiteten: ein Begriff, der entgegen seiner im Grunde doch eher harmlos-niedlichen Lautlichkeit richtig richtig böse schien, auf die Franzosen gemünzt (auf die Elsässer eigentlich, meinte einer, der sich besser auskannte), doch dessen Sinngehalt niemand zu erklären wußte. Jüngst, ein paarundzwanzig Jahre später, im Gespräch: mit Wackes seien ursprünglich Wacken=Rheinkiesel bezeichnet, als würden solche nicht auch auf deutscher Seite vorkommen und als würde sich aus Kieseln ernsthaft Negatives ableiten lassen. Wikipedia führt etwas weiter: Wacken seien dann doch größere (Fels)Brocken, Wackes somit eine Anspielung auf die vorgebliche Sturheit/Dickköpfigkeit der Elsässer. Damals die Frage im Geschichtsunterricht: „Fühlen sich die Elsässer eher als Franzosen oder eher als Deutsche?“ Triumfierender Fingerzeig des Lehrers auf meine Brust. Ich wußte es nicht, war schließlich keiner von denen. „Wahrscheinlich eher als Elsässer“, gab ich trotzig zurück. Gelächter in der Klasse. Der Lehrer warf die Stirn in Falten, versank kurz in Gedanken, strahlte plötzlich, gleichsam erleuchtet, übers ganze Gesicht: “Sehr gute Antwort, sehr gut! Merkt euch des! Un du kommsch nach der Stund zu mer vor, dann kriegsch e Oins mit Sternle.“ Interessant, daß der frz. Schmähbegriff für die Deutschen „boches“ in etwa dasselbe ausdrückt wie „Wackes“: Dickkopf. Womöglich ist der Elsässer, bei soviel begrifflicher Ableitung der von ihm gepufferten Nationen, der eigentliche Prototyp des Deutschen? Was sich, historisch erwiesen, auf kuriose Weise in der Zabern-Affäre gespiegelt haben mochte (aus Wikipedia zitiert): „Der noch nicht 20-jährige Leutnant Günter Freiherr von Forstner hatte sich während einer Truppeneinweisung in Zabern am 28. Oktober 1913 in abfälliger Weise über die Einwohner geäußert. Zu seinen Soldaten sagte er: „Wenn Sie angegriffen werden, dann machen Sie von Ihrer Waffe Gebrauch; wenn Sie dabei so einen Wackes niederstechen, dann bekommen Sie von mir noch zehn Mark.“ (…) Die amtliche Stellungnahme der Behörden in Straßburg am 11. November spielte den Vorfall herunter und interpretierte „Wackes“ als allgemeine Bezeichnung für streitsüchtige Personen. (…) Das Verhältnis zwischen Elsaß-Lothringen und dem übrigen Deutschen Reich wurde merklich in Mitleidenschaft gezogen. (…)“ Genaueres liefert der als exzellent eingestufte Artikel, u.a. auch zwei Gedichte zur Affäre von Ulrich Rauscher und Kurt Tucholsky.