Presserückschau (Januar 2017)

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Kommunikationsstrom
“Zu Silvester haben Flüsse wie der Rhein oder die Sieg eine Art Hochkonjunktur als Kommunikationsstrom. Dann werfen Menschen Flaschenpost mit Botschaften ins Wasser. Aber nicht immer dienen Flaschen als Datenträger, manchmal werden auch Mandarinen und Kürbisse eingesetzt.” (Deutschlandfunk)

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Retuschierung
“„Das Denkmal entsteht genau an der Stelle, wo vor fast 72 Jahren das 249. Pionierbataillon der 3. US-Armee unter deutschem Artilleriebeschuss und deutschen Luftangriffen begann, drei Pontonbrücken zu bauen, auf denen circa 60000 Fahrzeuge mit nahezu 300 000 Mann innerhalb kurzer Zeit den Rhein überquerten. Das war die größte militärische Operation, die die Weltgeschichte je am Rhein gesehen hat. (…) Es lohnt sich, daran zu erinnern, denn mit dieser gewaltigen Streitmacht konnten die Amerikaner mit ihren Verbündeten den Zweiten Weltkrieg in Europa bald beenden.“ Es gehe nicht um eine Verklärung der Person George S. Patton. „Dass während dieses historischen Events der kommandierende zwielichtige US-General auf einer Brücke steht und vor laufenden Kameras der Kriegsberichterstatter in respektloser, provozierender Weise in den deutschen Rhein pinkelt, bewegt und erregt heute noch mit Recht unsere Gemüter.“ (…) Auch den amerikanischen Militärs im Washingtoner Pentagon sei diese Szene höchst peinlich gewesen – sie hätten eine sofortige Entschärfung, sprich: Retuschierung der Bilder veranlasst.” (Allgemeine Zeitung)

3
Rutschfester Nebelrhein
“Ruhe ist vor einigen Tagen auf der Baustelle am Rathausplatz eingekehrt. Die ausführende Firma macht Betriebsferien. (…) Die Roharbeiten seien abgeschlossen, die Fundamente für die Einbauten (Floßbänke, Rheinpegel, Wasserlauf) fertig, im Randbereich sind bereits Pflastersteine verlegt. (…) Bei einem Blick von oben auf die Baustelle ist der Bogen erkennbar, der für den Rheinverlauf bei Götterswickerhamm steht und der mit Hilfe von 36 Nebeldüsen nachgebildet wird. Eine auf Wasserinstallationen im öffentlichen Raum spezialisierte Firma hat sie eigens für diesen Zweck gebaut. Das Wasser werde mit zehn Bar versprüht und dadurch so fein getröpfelt, “dass es wie Nebel wirkt”. Der habe eine Steighöhe von bis zu einem Meter. In der Werkstatt der Firma wurde das Ganze vorher getestet. Bis der gewünschte Sprühgrad eingestellt war, habe es eine Zeit gedauert. (…) Die Anlage soll auch nicht 24 Stunden am Tag, sondern nur zu bestimmten Tageszeiten und Wetterlagen laufen (…). Die Nebeldüsen werden mit LED-beleuchtet. Licht kommt auch beim Rheinpegel zum Einsatz. Der 15 Meter hohe Stahlkubus mit 80 Zentimetern Durchmesser wird auf dem neu gestalteten Rathausplatz ebenfalls mittels LED-Technik den tagesaktuellen Wasserstand des größten deutschen Flusses anzeigen. Damit soll die Lage Voerdes am Rhein in der Stadtmitte wahrnehmbar gemacht werden. Der Stahlkubus bildet den Wasserstand am Pegel Ruhrort ab. (…) Zum Einsatz kommen verzinktes Material, Cortenstahl oder Holz. Die Pflastersteine werden in drei Graustufungen verlegt, deren Optik eine jeweils andere ist, wenn sie trocken oder nass sind. Im Bereich des Rheinpegels haben die Steine eine andere Struktur, die Oberfläche ist geschliffen, aber (…) “rutschfest”.” (Rheinische Post)

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Festgefrorene Möwe
“Beamte der Wasserschutzpolizei (haben in) Mainz eine im Industriehafen festgefrorene Möwe aus dem Eis gerettet. (…) Bei einer Kontrollfahrt auf dem Rhein hatten die Polizisten das Tier (…) entdeckt. Die Möwe steckte mit ihren Beinen im zugefrorenen Eis fest. Um das Tier zu befreien, klopften die Polizisten das rund um die Möwe zugefrorene Eis vorsichtig auf. Das erschöpfte Tier ließ sich von den Beamten widerstandslos aufnehmen. Die Polizisten brachten die Möwe nach der Rettungsaktion in das Mainzer Tierheim. Dort wird sie aktuell unter einer Wärmelampe behandelt.” (Merkurist)

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Rheintaufe
“In einem halben Jahr holt sich Pfarrer Mathias Bonhoeffer nasse Füße. Denn am 9. Juli werden er und seine Kollegin Anna Quaas 30 Kinder taufen – im Rhein. “Jesus wurde im Jordan getauft, also auch in einem fließenden Gewässer”, erklärt der 58-Jährige. “Nur dass der Jordan heute im Gegensatz zum Rhein ein kleines Rinnsal ist.” Und Pfarrerin Quaas, die über Pfingstkirchen in Nigeria promoviert hat, wollte gerne einen Gottesdienst am oder im Wasser machen. “Daher kamen wir auf die Idee”, so der Pastor der Kölner evangelischen Kartäuserkirche. (…) Für Rheintaufe Nummer zwei sehen sich Quaas und Bonhoeffer den Angaben zufolge einer wahren Anmeldeflut gegenüber. Also fahren sie in diesem Jahr “Zweischichtbetrieb”: mit je 15 Taufen pro Gottesdienst. Eigentlich galt das Angebot nur der eigenen Gemeinde, so der Pastor. “Aber wenn man einen Stein in den Rhein wirft, zieht er Kreise.” Als Gründe für die Anfragen weit über Köln hinaus sieht er den wachsenden Wunsch nach individuell gestalteten Ritualen – und die Liebe der Rheinländer zu ihrem Fluss.” (Domradio)

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Nicht zuständig
“Der niedrige Rheinpegel bringt es zutage: Dort ist ein wahrer Fahrradfriedhof. Zahlreiche dümpeln im Rhein, daneben verrostete Einkaufswagen. (…) Der Rhein ist eine Bundeswasserstraße, über die vor Ort die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Köln wacht. EXPRESS rief wegen der Schrotträder an – und bekam lediglich die Antwort: „Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ Prompt wurden wir an eine andere Nummer weitergeleitet. Doch auch da konnte fühlte sich niemand zuständig. Nächster Versuch – diesmal bei den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB). Immerhin, dort will man. (Kann aber nicht, weil die entsprechende Schutzkleidung fehlt; Anm.: rheinsein) Beseitigung am Ufer ja, Müllbeseitigung im Rhein nein. Zuständig dafür sei das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSV). Auf eine erneute Anfrage hieß es vom WSV: „Nicht unsere Aufgabe. Sie werden weitergeleitet.“ Doch auch am Ende der Telefonkette heißt es wieder: „Dafür sind wir eigentlich nicht zuständig. Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ An wen genau, darauf blieb die Antwort schuldig. (Express)

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Rheingfrörne
“Am 3. Februar 1423 (…) wurden 30 Zimmerleute und Knechte auf den zugefrorenen Hausstrom geschickt, um das Eis aufzuhacken, damit es nicht die Pfeiler der Mittleren Brücke, die damals noch aus Holz war, beschädigte. Was ihnen auch in zwei Tagen nicht gelungen sei – “eine halbe Mannshöhe dick” soll das Eis damals gewesen sein. Legendär ist laut Lokalhistorikern auch die Rheingefrörne von 1514. Das Eis war so fest, dass man mit Pferden über den Fluss konnte. Und die Bürger seien mit Trommeln und Pfeifen aufs Eis gezogen, um dort ein Bankett zu halten. Letztmals zugefroren ist der Rhein in Basel – die Älteren dürften sich erinnern – übrigens anno 1963.” (Badische Zeitung)

8
Rheintoter
“In Speyer ist ein Pkw in den Rhein gerollt und untergegangen. In dem Auto fanden Rettungskräfte eine männliche Leiche. Zeugen hatten beobachtet, wie das Auto an einer Rampe ins Wasser fuhr und sofort von der Strömung erfasst wurde. Mit einem Polizeihubschrauber konnte es etwa 400 Meter rheinabwärts gesichtet und anschließend geborgen werden. Ob der Mann darin ertrank oder bereits tot war, als es in den Fluss rollte, ist unklar.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Echo des Poseidon

Der Ex-Kanzler kannte Duisburg nur aus den Schimanski-Filmen. Ein geringfügiges Manko, das er nun ausbügeln konnte: anläßlich der Enthüllung einer sechs, mit Sockel zehn Meter hohen und elf Tonnen schweren Skulptur seines Freundes (und unseres Düsseldorfer Ex-Nachbarn) Markus Lüpertz namens “Echo des Poseidon” war Gerhard Schröder, eigenen Worten zufolge, erstmals in der Stadt mit Deutschlands größtem Binnenhafen zu Gast. Im Vergleich zu den Filmkulissen aus den 80ern habe sich die Stadt sehr positiv entwickelt, befand der gelernte Staatenlenker und Gazprom-Angestellte. Die Einweihungsfeier der Skulptur in Ruhrort, die an die Moai auf der Osterinsel erinnert, blieb einer exklusiven Clique vorbehalten. Das Gesicht der Skulptur ist dem Rhein zugewandt, Anwohner blicken auf den Hinterkopf. Der persönlich anwesende Künstler lobte sein Werk als hochgradig gelungen. Die Duisburger Lokalzeit hat das historische Ereignis für das Volk in Bild und Ton festgehalten.

Presserückschau (März 2016)

1
“Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren soll wesentlich dramatischer verlaufen sein als bisher bekannt. Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (…) zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. (…) Der Block wurde laut “SZ” erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der achtstufigen internationalen Störfallskala Ines wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft. Die Überschwemmung habe damals eine “Abfolge von technischem Versagen und Chaos” nach sich gezogen (…). So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen sei.” (Donaukurier)

2
“Es gibt Szenarien, da muss man zweimal hingucken, um zu verstehen, dass man nicht völlig verrückt geworden ist. So ging es wohl einigen Duisburgern (…), als ein offensichtlich toter Pottwal auf der Ladefläche eines Transporters durch die Innenstadt rollte. Wenig später lag das fast 20 Meter lange Tier am Ufer des Rheinpreußenhafens in Homberg. Eine Schulklasse begutachtete es neugierig, die Kinder konnten kaum fassen, was sie da sahen. Wenig später kamen Forscher, um den Wal zu untersuchen. Auch das Duisburger Ordnungsamt kam zur Unfallstelle. Hatte sich der Wal vielleicht verirrt, ist er etwa über die Nordsee in den Rhein geschwommen und dann gestorben? Fehlanzeige: Der Pottwal am Duisburger Rheinufer hat nie gelebt. Es handelt sich um eine lebensgroße Attrappe, die zu den Aktionen des Kulturfestival Duisburger Akzente gehört.” (Rheinische Post)

3
“Die Ansicht ist wenig spektakulär: ein abgesperrtes Loch in der Erde, dessen Boden leicht mit Wasser bedeckt ist und auf dem ein Bagger und ein Container stehen. Trotzdem bedeutete der 16 Meter tiefe Schacht gestern Anlass zur Freude auf dem Chempark-Gelände Wiesdorf. Denn er ist der Anfang eines neuen Tunnels unter dem Rhein zwischen Leverkusen und Köln-Merkenich. Und so feierte Chempark-Betreiber Currenta mit mehreren Dutzend Gästen aus Unternehmen und der Politik die Taufe der Rheinunterquerung. Sie trägt nun den Namen “Martina”. Patin und Namensgeberin ist Currenta-Mitarbeiterin Martina Jacobs-Wellenberg, die das Projekt seit Beginn begleitet.” (Rheinische Post)

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Loreena McKennitt feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, berichtet die Fachzeitschrift Powermetal im Stil einer Werbeanzeige: “Nun schiebt ihr Label Quinlan Road noch die Livescheibe “Troubadours On The Rhine” nach, wiederum strikt limitiert auf 5000 Kopien und in hochwertigem 180g-Vinyl. Doch neben der hochwertigen Aufmachung ist das Schöne daran natürlich in erster Linie das Schöne darin. Loreena spielte dieses Konzert auf Einladung des Radiosenders SWR1 (…) am 24. März 2011, in Mainz. (…) Insgesamt (…) eine (große, schwarze) runde Sache, die ein Muss für alle Folkfans darstellt. Und die Tatsache, dass die Aufnahmen vom schönen Mainz am Rhein stammen, sollte insbesondere die Rheinländer auf den Plan rufen. Da dürften die 5000 Exemplare schnell vergriffen sein.”

5
“Im Rahmen der 37. Duisburger Akzente “Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen” läuft im Ruhrorter Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch bis zum 9. April die Sonderausstellung “Neue Horizonte – Dynamik im Fluss” über den Erfinder Paul Schatz (1898-1979), der als deutsch-jüdischer Emigrant in der Schweiz lebte (…). Dazu spielte (…) das “Ensemble Neue Horizonte Bern” (…) sein Programm “Im Fluss”. (…) Sämtliche Kompositionen von “Im Fluss” beschäftigen sich mit den Themenkomplexen Fluss, Wasser und Hafen, aber auch Strömung, Schleuse, Handelsumschlagplatz, Schwäne, Rhein, Donau und Moldau sowie weiterem Nahen oder Fernen. Der formale Rahmen leitet sich von Paul Schatz und seinem umstülpbaren Würfel ab (den übrigens der Westdeutsche Rundfunk vor 50 Jahren zum Logo seines Dritten Fernsehprogramms machte). Der taumelnden Bewegung des Oloids passt sich auch die in jedem Konzert andere Reihenfolge der Stücke an. Genauer gesagt, bleibt die Abfolge gleich, nur Anfang und Ende verschieben sich.” (Rheinische Post)

6
Rettung aus Rheinnot: mehrere Schafe hatten sich laut Anrufen von Spaziergängern bei der Krefelder Feuerwehr im Fluß befunden: “Ein freilaufender Hund hat (…) eine Schafsherde in Panik versetzt. Ein Tier wurde in den Hals gebissen. Es wusste sich nicht anders zu retten, als in den Rhein zu springen. Ein Passant und ein Polizist in zivil, retteten das verletzte Tier in Ufernähe aus dem Wasser. Vom Hund keine Spur.” (Rheinische Post) Der Verbleib der restlichen Schafe, die sich ebenfalls in den Fluß gestürzt haben sollen, ist ungeklärt.

7
“Ein ausgebüxtes Rind hat (…) einen Polizeieinsatz der Stadtpolizei Chur verursacht. Das Tier war zuerst stadtauswärts auf den Zuggeleisen unterwegs. Danach stapfte es zum Rheinufer. (…) Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, waren bereits mehrere Personen dabei, das entwichene Rind von den Geleisen wegzutreiben. (…) Nach einiger Zeit ging das Rind zum Rheinufer und überquerte den Fluss schwimmend. Es strandete völlig erschöpft am gegenüberliegenden Ufer von Haldenstein. Dort konnte das Tier schliesslich von Bauern mit einem Seil hochgezogen werden.” (Schweizer Bauer)

8
“In Baden-Württemberg hat ein 22-Jähriger sein Auto versehentlich in den Rhein gelenkt. Er und sein Beifahrer kamen glimpflich davon. Ein Passant hatte (…) den Zwischenfall in Breisach am Rhein beobachtet und den Notruf gewählt. (…) Kurz darauf meldete sich (…) der Fahrer des Wagens. Er und sein ebenfalls 22 Jahre alter Beifahrer hatten sich alleine befreit und waren durchs eiskalte Wasser zum Ufer geschwommen. Danach gingen beide nach Hause, um die nassen Kleider zu wechseln. Der Polizei zufolge ist der Unfallverlauf inzwischen geklärt: Der Fahrer war (…) beim Rückwärtsfahren auf einen Grünstreifen geraten und hatte die Kontrolle über das Auto verloren. Der Wagen rollte daraufhin die Böschung zum Rhein hinunter und stürzte in den Fluss. Das Fahrzeug ging unter und soll nun geborgen werden.” (Spiegel)

9
“Erneut haben Unbekannte zwei große Bäume an der Rheinallee (in Königswinter; Anm.: rheinsein) vergiftet. (…) Eine stolze Platane und ein Ahorn mussten deshalb (…) in Höhe der Hubertusstraße am Rheinufer gefällt werden. Ebenfalls (…) wurden zwei weitere Bäume gefällt, die bereits im vergangenen Jahr Opfer von Giftanschlägen geworden waren, und eine Pappel, die unmittelbar am Rheinufer stand und angesägt worden war. Die Stadt hat innerhalb von nur neun Monaten insgesamt fünf Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet.” (General-Anzeiger)

10
“Jubel bei den Rhine River Rhinos: Die Rollstuhl-Basketballer aus Wiesbaden haben den Aufstieg in die Erste Bundesliga perfekt gemacht. Die Mannschaft von Cheftrainer Cliff Fisher setzte sich am letzten Spieltag bei den SKG Rolling Choclate in Heidelberg mit 89:53 durch und sicherte sich die Meisterschaft in der Zweiten Liga.” (Wiesbadener Tagblatt)

11
“Die Programmiersprache rhine aus der Feder von Ramkumar Ramachandra ist eine typisierte, von Elixir inspirierte Sprache, die die LLVM-Just-in-time-Kompilierung nutzt und einen vollständigen abstrakten Syntaxbaum, sowie N-D-Tensoren, First-Class-Funktionen und Typinferenz bietet. Die von Ramachandra im GitHub-Repositorium des Projekts vorgestellten Sprachfeatures umfassen beispielsweise die Typannotation ~Int (In rhine werden nur Argumenttypen kommentiert; Rückgabetypen werden inferiert) sowie die Funktion ~Function(Int -> Int -> Int. Letztere nimmt zwei Integer auf und gibt einen zurück, wobei etwas Haskell-Syntax eingestreut wird. (…) Eine Besonderheit von rhine ist der AST. Dieser nimmt starke Anleihen bei der LLVM-Zwischenschicht (IR), umfasst jedoch auch einige höher angesiedelte Konzepte, wie beispielsweise Tensoren. Er ist Ramachandra zufolge als SSA zu betrachten und verfügt über einen eingebetteten UseDef-Graph, weshalb Analysen und Transformationen sich besonders leicht gestalten sollen.” (Jaxenter)

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“Einsatzkräfte der Polizei und der Rheinhausener Feuerwehr haben in Duisburg-Friemersheim die Reste einer Leiche aus dem Rhein geborgen. Ausgerückt waren auch ein Boot der Wasserschutzpolizei sowie Taucher. Da der Torso relativ ufernah im Rhein trieb, kamen letztere nicht zum Einsatz. Zur Identität der toten Person ist noch nichts bekannt. (…) Fingerabdrücke der aufgefundenen linken Hand werden derzeit ausgewertet. “Die Leiche ist auch nicht mehr ganz frisch”, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thorsten Stolz. Sie sei vermutlich schon eine Weile stromabwärts getrieben und auch in Kontakt mit Schiffschrauben gekommen.” (WAZ) “In Duisburg hat eine Passantin am Rheinufer Leichenteile gefunden. Der menschliche Unterkörper war im Bereich Alsumer Steigs angeschwemmt worden (…). Erst vergangene Woche war rheinaufwärts beim Duisburger Ortsteil Friemersheim ein lebloser Oberkörper geborgen worden. Taucher der Feuerwehr zogen die Leiche aus dem Wasser. Eine DNA-Analyse soll nun klären, ob die Leichteile von der selben Person stammen. (…)” (Welt)

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“Die Quecksilber-Belastung deutscher Flüsse liegt (…) vielerorts weit über dem zulässigen Grenzwert. Die Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber je Kilogramm Fisch werde in den großen Flussgebieten Rhein, Elbe und Donau dauerhaft und flächendeckend um das fünf- bis 15-fache überschritten (…). Quelle dafür sei eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Parlamentsanfrage. Zwar stoßen Dutzende deutsche Braun- und Steinkohlekraftwerke in geringen Dosen Quecksilber aus, Umweltschützer machen aber vor allem giftige Dämpfe aus Braunkohlekraftwerken für die Umweltbelastung mit dem Schwermetall verantwortlich.” (n-tv)

Nördlich von Stromkilometer 781

Auf ihrem Schienenstrom
schwanentorentlassen
gleitet und ruckelt die Straßenbahn 901
entlang den relativen Blickweiten
des duisport mit seinen
Überseecontainern, die für
Weite Welt stehen mögen,
jedenfalls für viel Arbeit
und weite Strecken.
Wie viele Fahrgäste mögen schon
gefragt haben, angesichts der
Haltestellenankündigung „Tausendfensterhaus“,
ob es wirklich tausend seien?
Wohl 510.
Trinkhallen nennen sich Verkaufshallen
und die Haltestellen Thyssen Tor 30
und Kokerei, mit den verbliebenen
imposanten Industrieanlagen
zugleich Reminiszenz an vergangene Jahrzehnte.
In Beeck vorbei an der Köpi-Brauerei
und dann der Thyssenverwaltung mit
ihren gepflegten Rasenflächen,
ändert
sich
wenig
weiter nördlich
abrupt
das Bild.
Reihen geschlossener Rolladen, staubbedeckt und spanholzplattenvernagelte Türen.
Falls Häuser sterben können, dann so.
Nördlich der Wilfriedstraße ist, so augenscheint`s,
wieder Leben.
Zahlreich sitzen Menschen im Freien auf dem Bordstein
und auf Stühlen vor Cafes,
vor einem sind eine Reihe Büro-Chefsessel
herausgestellt und lässig besessen.
Fahrgäste in der Straßenbahn:
„…im schönen Maaaxloh.“
„Am Dienstag kommt die Merkel.“
„Frau Merkel, kannze deine Zigeuna ma mitnehm?“
Beim Ausstieg Höhe Pollmann
drängen energiegeladene Jugendliche
in die Bahn, ohne den
aussteigen Wollenden
den üblichen Vortritt zu lassen.
Wer sieben Jahre nicht hier war
(zuletzt Zweitausendacht anlässlich der Eröffnung
der großen Moschee, was prächtig in Erinnerung ist
eingebettet in einen interessanten Stadtteil),
dem fällt die veränderte Optik mehrerer Straßenzüge auf.
Gleichgeblieben sind die eleganten Brautmodengeschäfte
mit ihren kunstvoll gestalteten Schaufensterdekorationen;
die türkischen Geschäftsleute kümmern sich;
auch duftet es nach über Holzkohle Gegrilltem aus
gehobener Gastronomie.
Gepflegte Gebäude, beispielsweise das Haus
Kaiser-Wilhelm-Str. Nr. 306, mit Arztpraxen (Architekt Bangert).
All dies scheint leuchtkräftiger
angesichts der sich entwickelt habenden Kontraste,
je staubiger und brettervernagelter manche Häuser
in der Umgebung.
Von der ruhigbeschaulichen Ecke Am Grillopark / Elsa-Brändström-Str.
mit villenähnlichen Häusern nur zwei
oder drei Straßen weiter scheint wie das
Eintreten in eine andere Welt.
So befindet sich eine Seitenstraße
der Kaiser-Wilhelm- , zwischen Wilfried- und Weseler Straße gelegen,
augenscheinlich in der Obhut einer oder mehrerer Großfamilien.
Ob einige Vans mit bulgarischen und rumänischen Kennzeichen
dazu gehören, lässt sich nur mutmaßen.
Der Passant fühlt sich, bei 18-Uhr-Tageslicht,
mehr als üblich von zahlreichen Augenpaaren aufmerksam beobachtet,
fast als bewege er sich auf der Grenzlinie zu einer Privatstraße.
Ebenfalls eine neutrale Beschreibung eines fast wertungsfreien Gedankens
ist die innere Bewusstwerdung, dass sich mit der Vorstellung
von Privatstraßen an sich keine darin verstreuten Pizzakartons
und Zeitungsknäuel verbinden.
Wie beginnt man ein Gedicht
über eine Stadt, die man mag
und ein Viertel, das entspannter
in Erinnerung ist?
Wie beginnt sich das Gedicht
über den Duisburger Norden?
Aujourd`hui tristesse?
Maskiert sich Poesie durch Ungeschminktheit?
Oder wäre das sich vertiefende Melancholie?
Wie würde es beginnen?
So?:
mutti merkelt in marxloh
man merkt montan aber nix
So wohl nicht. Oder doch?
Montan reimt sich auf spontan.
Kommt`s auf solche Gravitation an?
Das Marxloh Center unweit
Friedrich-Engels- Ecke Karl-Marx-Straße
wirkt ein wenig wie ein vor drei, vier Jahrzehnten
vergessenes und entsprechend angeblasstes Einkaufszentrum.
Gleichwohl dürfte der darin beheimatete
Discounter unseres Vertauens, A**i-Süd,
mit zu den Lebensmittelpunkten vor allem
der altangesessenen Einwohner älteren Semesters
zählen.
In Höhe der Haltestelle Wolfstraße
ein gemaltes Plakat: Die Kanzlerin
mit gezogenem Revolver und dem Slogan:
There is no alternative.
“Wat will die Anschela denn noch machen?
Kannste nix mehr machen“,
befindet eine junge Dame, hennarot,
etwas füllig, in schwarzem Jogginganzug,
an ihre Mutter gewandt.
„Die Einwanderer verstecken sich
eh alle, wenn die Anschela kommt,“
antwortet diese.
Not und Perspektivlosigkeit sind
genauso wie Verfolgung und Vertreibung
Gründe für Emigration und Immigration.
Durch den sachlich richtigen Begriff Einwanderung
hat die Mutter
diese soziale Komplexität benannt,
ob es ihr bewusst ist oder nicht.
Flucht endet nur durch den Wegfall von Fluchtursachen.
Das geschieht erst dann, wenn jegliche Waffenlieferungen
in Krisengebiete geächtet und tatsächlich gestoppt werden
und die Lebensgrundlagen dort wieder hergestellt werden
und sicher bleiben.
(Idealisten finden in Art. 26 Abs. 2 GG dazu Wesentliches gesagt.
In einer idealen Welt halten sich auch befreundete Nationen,
große wie kleine, daran.
Tatsächlich bedarf es einer starken UNO.)
Und was ist mit der Perspektive vor Ort?
Im sozialpastoralen Zentrum Petershof, so ist zu hören,
versorgen Mediziner kostenlos
Hunderte Menschen ohne Krankenversicherung.
Zum Straßenbild indessen gesellen sich davon unabhängig
chrombreitfelgig brummmotorende Benz- und BMW-Coupes
mit Kennzeichen eher der umliegenden Städte.
Wenige Straßenbahnminuten südlich
Ruhrort Bahnhof, scheint wiederum eine andere Welt.
„Tschuldigung, wo geht`s zum Hafenfest?“
„Da gehen Sie geradeaus und dann rechts“,
antwortet mit freundlichem Lächeln
eine der beiden angesprochenen älteren Duisburgerinnen
(wohnt man im Bergischen, erfreut solch
unkomplizierte Natürlichkeit stets aufs Neue).
Auf dem Weg zum Hafen erblickt sich hinter einem Bauzaun
ein Toilettenwagen. Das tut gut,
bei Tageslicht und in Ermangelung diskreter Bäumchen.
Der Toilettenwagen gehört zu einer
sich durch diese gute Fügung erschließende Entdeckung
in Gestalt der begehbaren Kunstinstallation „Nomanslanding“
im alten Eisenbahnhafen, dort im August 2015 temporär zu Gast.
Fahnen mit dem Zitat
„The art of living in the city as a work of art […] In other words
the future of art is not artistic but urban”, Henri Lefebvre
(sich später wikipediagooglend als 1901 geborener
Résistance-Kämpfer und Miturheber der
1968er Studentenunruhen herausstellend).
Sichtbar sind zwei silberfarbige Viertelkugeln
von mehreren Metern Höhe als zwei im Hafenbecken
schwimmende Inseln (auf Unterwasserschienen),
von der einen wie von der anderen Seite durch Stege
erreichbar.
Unter sphärischen Klängen schieben sich beide Teile,
in denen jeweils mehrere Teilnehmer sitzen,
zusammen,
woraus eine geschlossene Halbkugel entsteht.
Das führt – interpretiert – zu Geschlossenheit
in mehrdeutigem Sinn, da die durchs Zusammenschieben
entstandene Kuppel von schwarzen, sie in der Länge knapp überragenden
Zaunpfählen umgeben ist,
einerseits Schutz suggerierend,
andererseits Eingeschlossensein.
In den Himmel über den Eisenbahnhafen
stoßen indessen rotierend die stählernen beweglichen Arme
der spektakulären Fahrgeschäfte der nahen Kirmes,
bunt beleuchtet in der einsetzenden Dämmerung.
Entsprechend ziehen sie wesentlich mehr Publikum an,
das vom Aufenthalt Nomanslandings kaum Notiz nimmt.
Publikum aller Generationen bewegt sich
multinational und vielethnisch erscheinend
zum Großspektakel.
So auch eine größere Familie, welche,
Irrtum möglich, doch allem politisch korrekten Anschein nach
vermutlich Sinti oder Roma sind, und die
zu beschreiben sich im bestverstandenen Sinn lohnt:
mit entspanntem Selbstbewusstsein
in eleganter Festtagskleidung nehmen sie den Fußweg
in fast protokollarischer Reihenfolge ein
vornweg die Jungs, Prinzen fast,
dann die Herren,
dahinter – in einigem Abstand – Damen in schönen Gewändern
sowie ein junger Mann um die siebzehn, im Sakko,
ein edelstein- oder jedenfalls zirkonian-verziertes Smartphone
in der Hand, der fragt:
„Entschuldigung, ich brauche 50 Cent fürs Telefonieren. Haben Sie?“
Dreist?
Nun, bei sachlicher Betrachtung…geschäftstüchtig!
Trotz und gerade wegen des Kirmesrummels
ist der Augenblick günstig
einen der bemerkenswertesten optischen Eindrücke Duisburgs
zu würdigen, den Blick vom linksrheinisch gelegenen Homberg
über den Rhein auf Ruhrort zuflanierend, auf die dortigen
beiden rechtsrheinischen Brückentürme,
Relikte der 1945 gesprengten Vorgängerbrücke.
Die jetzige, nach Friedrich Ebert benannte Brücke wurde
1954 erbaut (möglicherweise noch aus Marshallplan-Mitteln?).
Beschaulicher als die große Kirmes im Hafen
zeigt sich eine Woche darauf
(zeitgeschichtlich fünf Tage nach der
Kanzlerin-und-Entourage-Stippvisite zu Marxloh)
das tradierte Volksfest in Beeck.
Vom Köpi-Ausschank fällt der Blick
auf das Kulturzentrum
Friedrich Ebert- Ecke Lehnhofstraße
und die dort laufende Leuchtschrift
„Der Islam verabscheut den Terror.“
An den Händen ihrer Eltern begeistern sich
die Jüngsten, Jahrgänge 2010plus,
an Zuckerwatte und Luftballons,
multilingual, kulturell vielfältig.
Eine Kellnerin zur anderen, hübsche Blonde beide,
in einer Zapfpause die Blicke auf
ihre jeweiligen Smartphones gesenkt,
„Jetzt verpass ich meinen Film, mein Film fängt grad an.“
„Welcher Film?“
„Der Tatort.“
Zur Lautsprechermelodie findet sich das
Glück im Zug nach Osnabrück
(Schlager hin oder her, hundertfach gehört,
man braucht es nicht zu mögen, aber der Refrain
von Andreas Zaron und Verena Rendtorff bleibt pfiffig
und war zu recht erfolgreich).
Kirmes in Beeck laut Emblem seit 1539,
einem Jahr, in dem der Blick auf die Thyssen-Industrieanlagen
noch für einige Jahrhunderte nicht vorstellbar war.
An der roten Ampel wummert der schwere Motor
eines tief liegenden BMW, in Bulgarien zugelassen,
aus dem lautstark GangstaRap, Musik zum Dampfablassen,
es mit den Volksfestgeräuschen aufzunehmen scheint.
Dann düsen quietschende Reifen von dannen.
Auf dem Beecker Marktplatz eine Live-Band.
Mittelalte Paare, die in ihrer Jugend
offenbar Tanzschulen besucht haben,
bewegen sich in erlernten Schritten tadellos zum Rhythmus.
Ebenfalls, der Musik in freien Schritten korrespondierend
und ihrem Bewegungsdrang Lauf lassend, einige Roma-Kinder.
Und, kein Klischee, zu welchem Song? „A-tem-los“.
Genau so isses, wahrhaftig.
Könnte klappen, ein jeder nach seiner Facon.
Beim Tanzen klappt es schon.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr)

Flussgeschichten – Der Rhein

ist der Titel der neuesten Rheindokumentation aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Vor einer Woche erstausgestrahlt steht sie ein Jahr lang, bis Ende Mai 2016, in der ARD-Mediathek zur Verfügung. “Warum ist es am Rhein so schön?” lautet die Grundfrage des Films von Thomas Förster, der sich in kurzen Geschichten den Städten, Städtchen, Dörfern und Landschaften des Abschnitts zwischen Koblenz und Nimwegen widmet. “Was hebt diese Doku gegen ungezählte andere ab?” lautet die obligatorische Gegenfrage. Zum einen ist dies die Spielfilmlänge von knapp anderthalb Stunden. Zum anderen die Herangehensweise, die leidlich bekannten aktuellen Flußansichten mit Fotografien und Filmausschnitten früherer Jahrzehnte, vornehmlich aus Regionalsendungen der 50er und 60er zu verschneiden.

In Koblenz widmet sich der Film ganz dem Reiterstandbild am Deutschen Eck, mit knapp 40 Metern Höhe angeblich das größte seiner Art weltweit. Kurt Tucholsky hat es zureichend beschrieben. In Andernach geht es um den Geysir, der wiederum ein rekordträchtiger ist. Von Remagen sehen wir die Brücke, von der bis 1976 noch zwei Pfeiler in der Flußmitte standen und Romy Schneider, die sich in einem Remagener Synchronstudio, das seit 20 Jahren Geschichte ist, selbst synchronisiert. Für Linz steht der Schwimmer Klaus Pechstein, der 1969 als erster Mensch den Rhein komplett durchschwommen haben soll. Fotos und Bewegtbilder zeigen den Sportler im Gummianzug in schickem Barakuda-Design, wie er beim

klaus pechstein

Schwimmen kleine Raucherpausen einlegt oder ein Pils zischt. Neun Jahre vor Pechstein hatte bereits der Franzose Louis Lourmais den Rhein durchschwommen – der Film behauptet: erst ab Schaffhausen. Königswinter wird als Sehnsuchtsort attributiert. Touristen amüsieren sich bei Juxfotografen und Eselstrecks auf den Drachenfels. 1958 entgleiste die damalige Drachenfels-Dampfbahn, die Touristen auf den Berg brachte, bei einem Bremsversagen aufgrund zu geringen Dampfdrucks. Das Unglück forderte 17 Tote. Den Erzählautomaten kennen wir von

drachenfels_erzählautomat

unserem ersten Besuch. Er dürfte mittlerweile den Modernisierungen rund um die Drachenburgruine zum Opfer gefallen sein. Für Rhöndorf wärmt der Film den Streit zwischen Konrad Adenauer und Peter Profittlich auf. Letzterer wollte eine Seilbahn, die den Ort mit der Drachenburg verbinden sollte. Adenauer wollte sich nicht von Touristen in den Garten schauen lassen. Eine Seilbahn gibt es in Rhöndorf bis heute nicht, Adenauers Garten kann besichtigt werden. 1959 berichtete der Spiegel von der Auseinandersetzung. Die ehemalige Hauptstadt Bonn streift der Film nur knapp, in Form von Motorradartisten, die sich der Godesburg per Luftseil näherten. Für Köln portraitiert der Film Sigrud Knubben, mehrfache und jung verstorbene Weltrekordlerin im Motorboot. Motorbootrennen fanden an der Kölschen Riviera bei Rodenkirchen statt – der Rhein wurde für den Normalverkehr einfach gesperrt. Weiters aus Köln berichtet wird die illegale Hebung des Grabmals des Poblicius, das einen ausführlichen Wikipedia-Artikel besitzt und der Einfluß der Fließbandgeräusche der Fordwerke auf das musikalische Werk von Gavino Soro – mit seinem Lied Ju-Ju-Juliette findet sich auf Youtube ein Beispiel für den italienisch-rheinischen Werkhallenschlager. Über die Zonser Freilichtspiele und einen Abstecher ins Braunkohlerevier, dessen Grundwasser über die Erft in die Rhein abgeführt wird, was die Flußstärke der letzteren ungefähr verfünffachte, geht es auf Düsseldorf, den Querverschub der Oberkasseler Brücke, Radschläger, Altstadtoriginale und eine Performance der ZERO-Künstler. Für Duisburg stehen Rheinhausen und Ruhrort. Die Stahlschmelze in Rheinhausen war 1962 Gegenstand der ersten TV-Satelliten-Direktübertragung zwischen Deutschland und den USA, ein Stück Rundfunkgeschichte. Ruhrort zeigt der Film zu Zeiten des Niedergangs der Schleppschifffahrt, als die Schlepperbesatzungen noch mit Proviantschiffen versorgt wurden. In den Weiten des Niederrheins befinden sich Ortschaften, deren Existenz uns zuvor unbekannt war. Über Orsoy (das Anfang der 60er kurzzeitig Ideenzentrum der von den Alliierten nicht genehmigten deutschen Raketenindustrie war) und Götterswickerhamm (dessen Orderstation die Passagezeiten der Schiffe notierte und die vorüberziehenden Schiffer mit Informationen  und Musik beschallte), geht es auf Borth, die niederrheinische Salzpfanne, ein Bergwerk mit ausgeprägtem Straßennetz in 500 bis 800 Metern Tiefe, auf Mars, dessen Name für sich steht und einen Schokoriegelhersteller auf die Idee brachte, die Dorfbewohner für eine Kampagne als Marsmenschen einzuspannen, auf Elten, das nach dem Krieg vorübergehend an die Niederlande ging, als Pfand für noch zu leistende Reparationszahlungen und schließlich vorbei an Schenkenschanz nach Nimwegen.

Flussgeschichten – Der Rhein bietet eine ausgewogene Mischung aus bekannteren und randseitigen Geschichten. Insbesondere das in WDR-Archiven ausgegrabene Bildmaterial aus der jungen Bundesrepublik macht den Film, der über weite Strecken wie eine Sendung mit der Maus für Erwachsene wirkt, sehenswert.