Presserückschau (April 2013)

Das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Tier beherrscht die augenfälligste rheinische Berichterstattung des Monats April:

1
Über Zugvogelstau am Rhein berichtet der Deutschlandfunk: „Wildgänse watscheln auf einer Wiese am Rheinufer. Am Rande strecken einige weiß und grau gefiederte Wächter aufmerksam den Kopf nach oben. Sie kontrollieren, was auf dem nahen Wanderweg passiert. In den Rheinauen bei Bingen sind einige hundert Vögel versammelt. (…) Noch sperrt hier niemand ab, um Spaziergänger daran zu hindern, entkräftete Zugvögel aufzuscheuchen, die sich hier zusammendrängen. In diesem kalten Frühjahr landen am vergleichsweise warmen Rhein Vögel, die sonst auf ihrem Weg Richtung Norden keinen Zwischenstopp einlegen. Manche ziehen weiter und kommen zurück, weil es auf ihrem Weg immer kälter wird. An einigen Stellen am Rhein gibt es jetzt einen regelrechten Vogelstau und Stoppschilder für Wanderer – zum Schutz von wintergebeutelten Kranichen und Kibitzen auf ihren Rastplätzen.“

2
Selbst – wenngleich vom Empfänger regulierbarer – Emissionär berichtet der Hessische Rundfunk über den Lärm im Rheintal: „Ein Krach von mehr als 100 Dezibel wird nachts an der Messstation Rüdesheim/Assmannshausen erreicht. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Hessische Umweltministerium (…) vorgestellt hat. Das entspricht ungefähr dem Lärm einer Motorsäge. Und verbessert hat sich noch nichts: Seit drei Jahren habe sich der Bahnlärm im Mittelrheintal nicht verringert, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung.“

3
Subtile Kriegsberichterstattung auf morgenweb.de: “Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) ist in die “Saison” gestartet. Am Donnerstag wurde mit einem Hubschrauber und zu Fuß das Bekämpfungsmittel BTI entlang des Rheins ausgebracht – unter anderem in Ludwigshafen. Am Freitag sind laut KABS-Geschäftsführer Dr. Norbert Becker Lampertheim und Worms an der Reihe.” Auch die Badischen Neuesten Nachrichten berichten über Kampfstoffausbringungen in den Rheinauen um Karlsruhe. Mit “Schnake” wird im Regiolekt die Stechmücke bezeichnet, während die Schnake im Badischen als “Reiter” tituliert wird.

4
“Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf (17/13030) zur Änderung des Ausführungsgesetzes zu dem Übereinkommen vom 9. September 1996 über die Sammlung, Abgabe und Abnahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt vorgelegt. Im Zusammenhang mit der Einführung des elektronischen Bezahlsystems sei es notwendig, die im Ausführungsgesetz enthaltenen Ordnungswidrigkeitentatbestände anzupassen. Der Bundesrat macht in seiner Stellungnahme drei Änderungsvorschläge, die die Bundesregierung in ihrer Gegenäußerung teilweise ablehnt.“ (bundestag.de)

5
Ein neues Museum, das nicht nur Herrn Topowski interessieren dürfte, soll in der zweiten Jahreshälfte am Hinterrhein eröffnen, berichtet die Südostschweiz: “Der Verein Erzminen Hinterrhein ist noch jung. Trotzdem hat er in den ersten drei Jahren des Bestehens beachtliche Aktivitäten entwickelt, wie das «Pöschtli» schreibt. Dazu gehört der Aufbau eines Bergbaumuseums in Innerferrera. Hier werden ab Herbst 2013 die früheren Bergbauaktivitäten im Gebiet südlich der Viamalaschlucht dokumentiert. (…) Schliesslich wird für das Jahr 2015 ein internationaler Bergbau-Workshop in Thusis geplant.“ Die gleiche Quelle informiert, daß im Dorf Hinterrhein (als einem von drei Bündner Dörfern) kein Ausländer gemeldet sei. Somit dürfte Hinterrhein das erste und letzte Dorf am Rhein sein, das noch ausschließlich von Aboriginees bewohnt wird.

6
Gleich anschließend ein Schweizer Rechenexempel: über ein Großprojekt mit „bäuerlichem Namen“ berichtet die NZZ: „Rhesi ist die Abkürzung für Rhein, Erholung und Sicherheit. Es steht für ein höchst ambitiöses Vorhaben, das den Hochwasserschutz im unteren Alpenrheintal verbessern soll. Die ETH Zürich schätzt die Kosten in einer Machbarkeitsstudie auf 600 Millionen Franken; sie dürften schliesslich wohl bei einer Milliarde Franken liegen. Noch befindet sich das Projekt im Stand der Voruntersuchung, bereits jetzt aber äussern neben den Bauern auch die vielen betroffenen Gemeinden dies- und jenseits des Rheins Ängste und Vorbehalte. Thema ist neben dem Kulturlandverlust auch die Sicherung des Grund- und Trinkwassers. Frühestens 2017 soll Baubeginn sein, die Realisierung dürfte 20 Jahre dauern. Unbestritten ist, dass der Hochwasserschutz im unteren Rheintal verbessert werden muss; das Schadenspotenzial im Fall von Überschwemmungen wird auf mindestens sechs Milliarden Franken geschätzt.“

7
„Im Dorfgemeinschaftshaus von Götterswickerhamm sind die Kinder schon kreativ tätig. Mit Bunt- und Filzstiften bemalen sie eifrig Blätter. Es sind kleine Werke des Protestes, welche die jungen Künstler aufs Papier bringen – ein Protest gegen die Hundehaufen, die sich entlang des Leinpfades am Rhein in Massen finden lassen. “Der Hundekot nimmt überhand, und das nicht nur direkt am Rhein, sondern im ganzen Dorf”, erklärt Anneliese Rühl, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft “Unser Dorf hat Zukunft” in Götterswickerhamm.“ (Rheinische Post)

8
„Vorarlberg hat ein neues Naturschutzgebiet am Alten Rhein in Hohenems. Der 4,8 Hektar große Abschnitt besteht überwiegend aus seichten Wasserflächen und Röhrichten und ist Lebensraum von über 20 teils stark gefährdeten Libellenarten sowie von einer Vielzahl von Schmetterlingen, Käfern und Reptilien. (…) Der Alte Rhein der “Hohenemser Kurve” ist der letzte naturnahe Rest von einst vielfältigen Feuchtgebietsabfolgen mit Stillgewässern zwischen der Mündung der Ill und dem Rheindelta. Er ist als Biotop und Erholungslandschaft von überregionaler Bedeutung ausgewiesen, mit einer besonders wichtigen Funktion als Brut- und Aufzuchtsgebiet für Vögel. Außerdem befindet sich dort eines der letzten Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel in Vorarlberg.“ (Der Standard)

Manfred Schmidt in der Drosselgass

Manfred Schmidt, Autor und Zeichner der Nick Knatterton-Strips, wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden. Die Zeit bringt in ihrer aktuellen Ausgabe Schmidt zu Ehren einen längeren Auszug aus seinen Reisereportagen, die dieses Jahr im Lappan-Verlag neu aufgelegt wurden. Schmidt beschreibt seine Teilnahme an einer typischen Schiffstour in den 60er Jahren, mit Abstecher ins Zentrum der kulissierten Rundumdieuhrrheinromantik: in die Drosselgass. Von Damen- und Herrenkegelvereinen ist die Rede und von Japanern, die ihrer rheinischen Freude mit „Deutschland über alles“ Ausdruck geben. Schmidt läßt sich auf seiner in Rüdesheim absolut sinnlosen Flucht vor den großen Rheinklischees von ausländischen Touristen den Gemütlichkeitsbegriff erklären, gerät von einem Massenbesäufnis ins nächste und landet schließlich, um darüber zu meditieren, warum die Rheintöchter ausgerechnet „Wigalaweia“ singen, mit einer persönlichen Bouteille oberhalb Rüdesheims in den von spontanen Sangestruppen durchzogenen Weinbergen, die nach Fisch riechen, weil die Winzer zwischen den Reben Heringe aufgehängt haben, um die Stare zu vertreiben.

“Als wir am Schloss Johannisberg vorbeifuhren, der Heimstätte eines der berühmtesten deutschen Weine, rief uns der Gong in den Salon. Dort gab es nicht etwa, wie ich im Stillen gehofft hatte, einen erlesenen Tropfen, sondern Tee und Kaffee. Ein diskret zuschlagender Pianist servierte Lieder, in denen »Rhein« sich immer wieder so glücklich auf »Wein« und »Mägdelein« reimt. Wie froh können wir sein, dass bei der Namensgebung der Wasserwege die Bezeichnung »Neiße« auf einen weiter östlich liegenden Fluss fiel und nicht auf Deutschlands rebenumsäumten Renommier-Strom.“

Manfred Schmidt: Reisereportagen, Lappan Verlag, Oldenburg 2013
346 Seiten, 19,95 Euro.

Kurt Tucholsky über rheinisches Liedgut

“Schon Gneisenau, Regierungsrat bei der Filmzensur, hat in seinem ziemlich unsterblichen »Wolfgang von Goetz« darauf hingewiesen, daß das deutsche Volk als das sangesfreudigste der Welt mit Fug angesehen werden kann. Der wahre Gesang ist der Männergesang. Sagt doch bereits die deutsche Bibel für das Wochenende, das Strafgesetzbuch, über die Männergesangvereine so schön: »Wenn sich eine Menschenmenge öffentlich zusammenrottet und mit vereinten Kräften gegen Personen oder Sachen Gewalttätigkeiten begeht …«, und auch der Ausdruck »Rädelsführer« deutet ja klar auf den Dirigenten solchen musikalischen Tuns hin. Aber ach! nicht jeder gehört einem Männergesangverein an; ja, es gibt unter den Deutschen sogar einige, wenn auch wenige verworfene Wesen, die überhaupt keinem Verein angehören. Aber das soll mit Rücksicht auf die zarter Besaiteten unter unsern Hörerinnen hier nicht erörtert werden; diese Menschen gehören in das Gebiet der Psychopathia sexualis. Genug davon. Wenden wir uns von den Verirrungen des Geschlechtslebens mehr heitern Gegenständen zu.

Was zum Beispiel Gertrud Bäumer betrifft, so hat sie, eine gebildete Mitteleuropäerin, das Singen von sogenannten »Hausgesängen«, die vorher einen Zensurwolf passiert haben, gestattet- auch ist das Mitsingen dieser Lieder an öffentlichen Orten, Rundfunk-Zapfstellen und andern Bedürfnisanstalten zunächst nicht strafbar. Es ist gewiß von allgemeinem Interesse (…), solche Gesänge an Hand eines kleinen, uns heute vorliegenden Liederbuches einmal wissenschaftlich zu betrachten. (…)

Wir kommen nunmehr zu den mild-romantischen Liedern. Da wird uns warm ums deutsche Herz. Deutsche Weise und deutsches Land sprechen uns hier an, und jedes Gemüt schlägt Wellen, wenn es hört:

»Am Rüdesheimer Schloß steht eine Linde!
Der Frühlingswind zieht durch der Blätter Grün,
ein Herz ist eingeschnitzt in ihre Rinde,
und in dem Herzen steht ein Name drün.«

Da ist nichts vom nervenpeitschenden Rhythmus der Großstadt, ewiger Gehalt klingt uns hier an und zeigt so recht, daß das Erbe der Birch-Pfeiffer und Courths-Clauren in guten Händen liegt. Der Text des Rüdesheim-Liedes stammt von einem Wiener Juden.

Was aber sind alle diese schönen Lieder, wie: (…)

»Am Rhein, da hab ich das Licht erblickt,
am Rhein, da wuchs ich heran,
am Rhein, da ist mir manch Streich geglückt –«

woraus also zu ersehen, daß dieser Streich hier jedenfalls nicht am Rhein entstanden ist – was ist dies alles, sage ich, gegen das unsterbliche Lied:

»Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren,
in einer lauen Sommernacht –«?

Da mögen Welsche und Polen, Tschechen und blatternasige Kosaken dräun: solange wir solche Lieder haben, kann Deutschland nicht untergehn. Der Text stammt von zwei Wiener Juden.

Die dritte Abteilung endlich möge die der schlichtweg idiotischen Texte genannt werden, wie etwa:

»Wer hat die liebe Großmama
verkehrt rum aufs Klosett gesetzt?«

und:

»Das war bei Tante Trullala
in Düsseldorf am Rhein,
da haben wir die Nacht verbracht
voll Seligkeit beim Wein –«

Noch zahllose Lieder gibt es, schlichte Äußerungen des Volksgemütes, geeignet, am deutschen Herd, im deutschen Haus, im deutschen Hof gesungen zu werden, wofern nicht dort Teppichklopfen und Musizieren verboten ist. Wo man singt, da komme ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder. (…)

In diesem Sinne auf Wiederhören in fünf Minuten zum Vortrag des Herrn Geheimrats Professor Doktor Fritz Haber, Mitglied der republikanischen Kaiser-Wilhelms- Akademie: »Der Harn im Familienleben sowie die Konservierung älteren Büchsenfleisches.«

Auf Wiederhören in fünnef Minuten –!”

(Kurt Tucholsky: Des deutschen Volkes Liederschatz. Ein Rundfunkvortrag, 1927. Gefunden im Projekt Gutenberg.)

Presserückschau (Oktober 2012)

„Wer glaubt, die Bonn-Lobby bestünde nur aus drei Provinzdödeln, unterschätzt sie“, verrät die taz unter der martialischen Überschrift „Die Wacht am Rhein“ in einem ausführlichen Bericht über die Bonner Ministerienlobby und den Strukturwandel im ehemaligen Bundesdorf, dieweil uns der EXPRESS gewohnt knackig die Arbeitsweise der Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland nahebringt, welche in geduldiger Kleinarbeit Luftaufnahmen der Alliierten vor und nach den Kriegsbombardierungen auf „0,1 Millimeter große, schwarze Punkte“ begutachten, welche Blindgänger markieren können. Weitere nennenswerte Nachrichten des Oktobers:

1
Seit Wochen und Monaten berichtet die Rheinische Post in immer neuen, meist undurchsichtigen Artikeln vom Eisernen Rhein, einer historischen, weitgehend stillgelegten und nur noch von Güterverkehr frequentierten Bahntrasse zwischen den Häfen von Duisburg und Antwerpen, die evtl (evtl aber auch nicht) ausgebaut/wiederbelebt werden soll, was zu einer komplexen Gemengelage (Komgem) zwischen Politik, Industrie und Bürgerinitiativen in Belgien, den Niederlanden und am Niederrhein führt, welche die regional-interessierte Leserschaft, handelte es sich nicht um ausgemachte Flachlandregionen, als das berühmte Bergekreißen empfinden dürfte.

2
„Die Entscheidung über die Bewilligung von Schadensersatz für bei Dienstunfällen erlittene Sachschäden eines Beamten steht sowohl dem Grund wie auch der Höhe nach im Ermessen des Dienstherrn. Es ist ermessensgerecht, wenn der Dienstherr beim Verlust einer Brille nur die Aufwendungen, die nicht über die medizinischen Notwendigkeiten hinausgehen, bei der Berechnung des Schadensersatzes berücksichtigt“ urteilt laut rechtslupe.de das Verwaltungsgericht Koblenz über eine während eines Polizeieinsatzes im Rhein verlorengegangene Gleitsichtbrille. (Ein Wasserschutzpolizist war bei einer Schiffskontrolle in den Fluß gefallen.)

3
„Die Statue “Krieg” ist zurück am Niederwalddenkmal hoch über dem Rhein“, meldet Die Welt zum Monatsausklang. Zuvor sei die acht Tonnen schwere Bronzestatue ebenso wie zwei Reliefs und die Krone der Hauptfigur “Germania” in der Werkstatt einer sächsischen Denkmalpflegefirma in Ottendorf-Okrilla bei Dresden restauriert worden. Dabei sei auch eine bis knapp einen Millimeter dicke Schmutzschicht entfernt worden: „Der Schmutz wurde mit Spachteln, Chirurgenskalpellen und Ultraschallreinigern in Handarbeit entfernt.“

4
Über den lernfähigen Klärschlamm der BASF schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung: „Rund 3,5 Kubikmeter Abwasser pro Sekunde rauschen von der BASF aus rund um die Uhr in den Rhein: Eine Zahl, die Umweltschützern den Schweiß auf die Stirn treibt.“ Deshalb sei der Bakterienschlamm der BASF-Kläranlage etwas Besonderes: „Die darin enthaltene Bakterienfauna ist über mittlerweile fast vier Jahrzehnte hinweg darin geübt, problematische Abwasserstoffe zu verarbeiten und abzubauen. Der Klärschlamm ist gewissermaßen “lernfähig”, weil die darin lebenden Kleinstlebewesen auf unterschiedlichste chemische Belastungen gut trainiert sind. Normaler Klärschlamm aus kommunalen Kläranlagen stieße hier sehr schnell an seine Grenzen.“

5
Neuenburg am Rhein hofft laut einem Bericht der Badischen Zeitung, im Zuge der Landesgartenschau 2022 tatsächlich an den Rhein angeschlossen zu werden: „”Eine Stadt geht zum Rhein” – so lautete von Anfang an das Motto für das Projekt. Die Rheinkorrektur durch Johann Gottfried Tulla im 19. Jahrhundert, zudem die Autobahn und die Kreismülldeponie haben Neuenburg vom Fluss abgeschnitten. Das soll die Landesgartenschau korrigieren. Die Rheinauen sollen zum Naherholungsgebiet werden – als Bindeglied zwischen Stadt und Fluss. Und zwar über das Ende der Gartenschau hinaus.“

6
In Xanten soll lediglich der Altrhein (und nicht die ganze Stadt) wieder an den Rhein angeschlossen werden, so steht es in einer Pressemitteilung des NRW-Umweltministeriums: “Umweltminister Johannes Remmel und der Deichverband Poll haben vereinbart, die Planungsleistungen für das Planfeststellungsverfahren zum Anschluss des Xantener Altrheins an den Rhein durchzuführen. Das Projekt ist mit dem Bau des rheinfernen Deiches an der “Bislicher Insel” verbunden und dient gleichzeitig der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und dem Naturschutz im Naturschutzgebiet “Bislicher Insel”. Der Deichverband Poll hat in den Jahren 2003/2004 mit den Planungen für die oberstromige Anbindung des Altrheins im Bereich Wesel-Werrich begonnen. Dabei wurde deutlich, dass der Altrhein bei höheren Wasserständen im Rhein nur dann durchströmt wird, wenn auch die unterstromige Anbindung östlich des Restaurants “Zur Rheinfähre” verbessert wird.“

7
Last but not least berichtet das Hessen-Tageblatt von einer touristenfeindlichen Aktion mitten in der hochtouristischen Rüdesheimer Drosselgass. An einem Oktobersonntagfrüh gegen 2.15 Uhr habe eine sechsköpfige oberpfälzische Delegation zwei Einheimische angesprochen, „um zu erfahren wo um diese Uhrzeit noch etwas los sei.“ Daraufhin griffen die Einheimischen an, es kam zu einer Messerattacke, „Lebensgefahr ist nicht auszuschließen.“

Außerdem berichtet das neue deutschland über Baulärm im Mittelrheintal und der Landschaftsverband Rheinland stellt in personam Alois Döring fest, daß früher im Rheinland nicht alles besser war, was rheinsein definitiv bestätigen kann.

Abenteuer Rhein

Das ZDF dreht dieser Tage eine Dokumentation über den Rhein „von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in Rotterdam“. Als „die Quelle“ fungiert dabei der Tomasee. Weil Rheindokumentation dieser Art Legion sind und das ZDF, vertrauen wir seiner Pressemitteilung, im Vergleich zu den vielen vielen vielen vielen anderen und doch so sehr ähnlich gestrickten Rheindokus dem Fluß kaum neue Informationen abgewinnen wird (immerhin geht es „zu einem Ranger im (längst nicht mehr existenten; Anm. rheinsein) Kanton Säntis“), dient dem Team von Andreas Ewels und Christine Elsner ein zehn Meter langer, mit Helium gefüllter Zeppelin als Alleinstellungsmerkmal. Der Zeppelin wird an einer Leine am Rhein entlang spazierengeführt: „Unter dem Zeppelin hängt eine hochauflösende Spezialkamera, die Bilder der vorbeiziehenden Landschaft einfangen soll. Dabei wird an verschiedenen Stationen “gelandet”, um besondere Naturschönheiten filmisch vorzustellen. Es werden Menschen besucht, die diese Naturschönheit durch ihre Arbeit prägen und formen und einen wichtigen ökologischen Beitrag zu ihrem Erhalt leisten.“ Denn der Zweiteiler will zeigen, was jeder weiß: „dass der Rhein, der in den 70er Jahren ein totaler Problemfluss war, heute wieder unter vielen Aspekten eine intakte Flusslandschaft ist.“ Zwar lautet der Filmtitel „Abenteuer Rhein“, doch ist die Doku weniger entdeckungsfreudig angelegt als vielmehr detailliert geplant. So berichtet das ZDF vorab von Äskulapnattern unterm Niederwalddenkmal und davon, daß der Zeppelin in Köln „spektakulär zwischen den Türmen der Kathedrale hindurch fliegt“. Fliegen wird, bzw fliegen soll, müßte es eigentlich heißen. Seit vergangenen Donnerstag ist das ZDF-Team samt Zeppelin unterwegs, und wird, soweit das Wetter mitspielt, dieser Tage an folgenden Orten anzutreffen sein: 10. Juli: Schaffhausen, 11. Juli: Istein, 12./13. Juli: Taubergießen, 14. Juli: Speyer oder Worms, 15. Juli: Mainz (Dom), 16. Juli: Rüdesheim/Niederwalddenkmal, 17./18. Juli: Bingen/Mittelrheintal/Koblenz, 20. Juli: Neuwied/Drachenfels, 21. Juli: Köln (Rodenkirchen und Dom), 22. Juli: Duisburg, 23. Juli: Kalkar, 24./25. Juli: Rotterdam

Ausgestrahlt wird das Endprodukt an den Sonntagen des 19. und 26. Augusts 2012 um jeweils 13.30 Uhr in der Reihe planet e.

Der Rhein bei Maurice Genevoix: Entscheidung auf dem Fluß

Bei der Einschiffung in Mainz drohte ein Gewitter im Nordwesten. Es ging auf die Mittagsstunde zu. (…)
Der Rhein war ihnen bereits an der Anlegestelle enorm breit vorgekommen; wie in Kehl fuhren gedrungene Schleppkähne auf dem Strom, und weiße Raddampfer durchpflügten, schäumenden Strudel erzeugend, seine Wasser. Aber der Fluß wälzte sich hier um vieles breiter als im Elsaß fort, er trieb seine Wellen herrscherlich zwischen bewaldeten Inseln hindurch, entlang den Hängen, an denen sich bis zur Uferböschung herab die Rüdesheimer Rebpflanzungen aneinanderreihten, die nun langsam unter ihren Augen vorüberglitten. Seine Farbe war mittlerweile unter der zur Rechten fahl aufsteigenden Gewitterwolke bleiern geworden; er floß, eine träge Wassermasse, gleichmäßig, geräuschlos und zu Zeiten wie stagnierend dahin. (…)
Hinter Bingen bog der bis dahin in westlicher Richtung fließende Rhein in nahezu rechtem Winkel nach Lorch ab. Kaum hatte das Dampfschiff den Mäuseturm hinter sich gelassen, schlugen von wilden Böen aufgewühlte Wasser in rascher Folge klatschend an den Bug. (…)
Die Grenze zwischen Fluß und Himmel wurde fließend; zuweilen ragten ein spitzer Kirchturm, die Mauerreste einer alten Burg hoch über dem Strom empor und tauchten sogleich wieder ins Nichts. (…)
Von weit unten im Tal kam ein Donnern, rollte über die Flußwasser, nahte heran, drohte sich über ihnen zu entladen. Sie schreckten auf: ein Zug fuhr am Ufer vorüber, ein Geisterzug, aus dem Nebel geboren und von ihm wieder verschluckt. Da lachten sie, trotzig, mokierten sich über die Täuschung, über sich und ihre sinnlose Hartnäckigkeit. (…)
Auf dem hinteren Oberdeck befand sich der Speisesaal; er war fast besetzt, aber durch Zufall bekamen sie noch einen freien Tisch. Die Fenster waren beschlagen und verwehrten die Sicht. (…) Aber die lauwarme, weiche Luft im Lokal, das Stimmengewirr, überdies der gegen die Scheiben prasselnde Regen, der in Hagelkörner überging, vermochten Mutter und Tochter in gehobene Stimmung zu versetzen. (…)
Abermals stand er draußen in der frischen Luft, umweht vom ungestümen Wind. Seine Stöße waren nicht schwächer geworden. Wassergarben platschten Julien mit solcher Heftigkeit mitten ins Gesicht, daß ihn die Tropfen wie Schloßen trafen. Er eilte an einer Laufbrücke entlang, die Stirn gesenkt, unter Aufgebot aller seiner Kräfte. Zwischen jeder Bö drang das vibrierende, den Schiffsrumpf erschütternde Stampfen zu ihm herauf; zuweilen vernahm er auch das Anschlagen der Wellen an die Bordwand, die ein rheinaufwärts fahrender Schleppkahn verursacht hatte. Das Wasser, für einen winzigen Augenblick hellfarben und in wechselndem Glanz plänkernd, sah alsbald wieder stumpf und grau aus und trieb unterm Himmel träge dahin, eine riesige dunkle Strömung, bis sich unter dem neu aufkommenden Wind blaßweiße, schuppenartige Schaumkronen kräuselten, von so unerwartet herrlichem Leuchten, als seien sie von anderen Welten herabgefallen.
In Lorch legte das Schiff an. (…)

(aus: Maurice Genevoix – Lorelei)