Rotterdam

Rotterdam ist ein architektonisches Irrenhaus. Nie zuvor sahen wir so viele Baustile in einem einzigen Stadtraum wild durcheinandergewürfelt. Klassisch holländische Reihenhauszeilen (Puppenhäuschen) spreizen sich einträchtig in mannigfaltige Kuben des sozialen Wohnungsbaus. Die calvinistische Idee des öffentlichen Wohnzimmers wird in der modernen Architektur Rotterdams so sehr auf die Spitze getrieben, daß zahlreiche Bewohner von Gebäuden neueren Datums ihre Fenster von innen mit blickdichter Farbe abdecken oder gleich vor der Haustüre wohnen. Bekiffte Hochhäuser schauen auf Kanäle hinab, in denen englischsprachige Schriftzüge aus Luftblasen emporsteigen. Rien sans Dieu, verkündet ein alter Segler, heute Hausbootadresse. Die Straßen stauen Unmengen Kontraste in allen vorstellbaren Kombinationen aus Häßlichkeit und Schönheit, ein permanenter architektonischer Schrei voll mutiger, eigenwilliger Laute und Klangfarben. Wiederum je ganz eigene Hochhäuser stehen in lockeren Gesprächsrunden beieinander und scheinen in ihrer Vielfalt die Ethnien der Stadt, das Beharren des Fremden und sein Verwachsen zum neuen Eigentlichen zu repräsentieren. Die alte Rotte, der die Stadt ihren Namen verdankt, sahen wir wohl nicht. Grachten und Hafenbecken sorgen für starke Wasserpräsenz, der Rhein heißt Maas und wird von der Erasmusbrücke mit ihrem strahlend weißen Knickpylon überspannt. Die meisten Bilder (ein paar folgen noch in Fortsetzung) entstanden beim Cruisen als Drive-by-Shots aus dem Autofenster.

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