Presserückschau (August 2014)

Indem die Berichterstattung über die Krisenherde Ukraine, Israel/Gaza und Syrien/Irak das diesjährige Sommerloch stopfte, hatten Flußmonster und Konsorten kaum Chancen auf mediale Öffentlichkeit. Die Meldungen des Augusts handeln von den Erfolgen der beiden Rheindurchschwimmer, alten Straßenkurvennamen und Lachsen, einer rasenden Plattform und einem Wärememodell:

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Eine 40 Tonnen schwere schwimmende Bauplattform mit zahlreichen Geräten (Hebebock, Generator, Seilwinde) hat sich in Rossboden bei Chur bei starker Strömung aus ihrer Stahlseil-Verankerung gelöst und trat eine unaufhaltsame Reise mit rund 15 Stundenkilometern Richtung Bodensee an: “Auf ihrem Weg zwischen Chur und Hard touchierte sie mehrere Brückenpfeiler. Auf Schweizer Seite kam es laut der St. Galler Kantonspolizei zu fünf Kollisionen. Dabei verlor der Ponton einige Geräte.” (Südostschweiz) Von Passanten erstellte Videos im Netz zeigen wie das 9 mal 15 Meter messende Geschoß die Pfeiler der Vaduzer Holzbrücke ohne Berührung passiert, dafür mit gewaltigem Rumms auf andere Brückenfüße prallt. Die für den Brückenrückbau eingesetzte Plattform erreichte schließlich den Bodensee, wo Seepolizei und Feuerwehr die Bergung einleiten konnten.

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Die Kehren des San Bernardino-Passes erhalten Namensschilder. Dies berichten einige Schweizer Zeitungen, am ausführlichsten jedoch die Website des Parc Adula: “Wie die Hinterrheiner Häuser alle ihren Namen haben, so von früher her auch die Kehren auf der Passstrasse, welche ehemals für die Existenz der Tal- und Dorfbevölkerung von äusserster Wichtigkeit war. Man musste sich genau darüber verständigen können, wovon man sprach, wenn man zum Beispiel als Ruttner oder Postpferdehalter etwas weiterzuleiten hatte – eine Schwierigkeit auf dem Weg, die Meldung über einen Unfall, ein Unglück. Der Unterhalt der Strasse war gerade im Winter eine grosse Herausforderung, manchmal ein Wagnis. Ein Lawinenunglück ereignete sich im Winter 1939 zwischen dem Obersten und dem Tschensch-Cheer. Der vordere Schlitten der passierenden Pferdepost wurde mitgerissen und verschüttet, der Postillion und ein Pferd verloren beim Unglück ihr Leben. Die herbeieilenden Helfer konnten nur eine Person lebend bergen.”

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“Zwei schwere Wintersalme, die 1881 oberhalb von Rees gefangen wurden, kamen (…) in Berlin bei der Hochzeit des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., auf den Tisch” schreibt die Rheinische Post in Folge 21 ihrer vorbildlichen Sommerserie “Unser Rhein” mit Geschichten und geschichtlichen Rekursen über den Niederrhein im Großraum Düsseldorf und stromabwärts, in diesem Fall über die Umgestaltung des “Schnellen Brüters Kalkar” zum Vergüngungspark: “Wo Besucher im “Wunderland Kalkar” Achterbahn fahren und Pommes essen, gingen die legendären Rheinfischer bis vor circa 100 Jahren ihrer harten Arbeit nach. Häfen wie Grieth, heute Ortsteil von Kalkar, lebten von Fischerei und Schifffahrt. Der Name Grieth geht zurück auf “Gritt”, was Kies bedeutet. Und eben jene Kiesbänke, die zur Rheinmitte abfallen, waren ideale Fanggebiete für die Fischer, die ihre langen Netze dort leicht auslegen und einholen konnten und meist stattliche Lachse, genannt Salme, aus dem Rhein holten. Auf Stromkilometer 834,6 befand sich eine der besten Lachsfangstellen am Rhein. In Körben mit Eisstücken wurden die schönsten Exemplare an die Herrscherhäuser und Luxushotels in ganz Deutschland geliefert.”

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“Der Schweizer Extremsportler und „Wasserbotschafter“ Ernst Bromeis hat es geschafft: Innerhalb von 44 Tagen – einschließlich Ruhezeiten – durchschwamm der 46-Jährige den gesamten Rhein. (…) Gestartet war er am 7. Juli im Lago die Dentro am Lukmanierpass (Kanton Graubünden), dem von der Nordsee am weitesten entfernten Punkt des Rheins. Mit seiner Schwimmaktion über 1247 Kilometer warb der Schweizer für die Umsetzung des Menschenrechts auf sauberes Wasser. Im Mai 2012 hatte er einen ersten Versuch nach rund 400 Kilometern aufgegeben – unter anderem weil ihm die seinerzeit niedrigen Wassertemperaturen zu schaffen machten. Zudem erwiesen sich die damaligen Tagesetappen von 40 Kilometer als zu anstrengend.” (Hessische/Niedersächsische Allgemeine)

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Und auch der zweite Rheinschwimmer, Andreas Fath, hat im August seine letzte Etappe durchschwommen und die Nordsee erreicht: “Bei 17 Grad Wassertemperatur und neun Grad kalter Luft war er (…) zunächst zehn Kilometer bis zum Rotterdamer Hafen geschwommen und dort auf ein Boot der Hafenbehörde umgestiegen. Bei Hoek van Holland legte er dann die letzten fünf Kilometer bis zur Nordsee schwimmend zurück. Ende Juli hatte der 49 Jahre alte Chemieprofessor (…) seinen Schwimm-Marathon begonnen. In den 28 Tagen hatte ihn ein Team auf Booten auf der 1.231 Kilometer langen Strecke von der Quelle bis zur Mündung begleitet und Wasserproben entnommen. “Kein Tag war wie der andere”, sagte Fath nach seiner Ankunft. Überall hätten ihm Menschen zugejubelt und ihn ermutigt. Aufgeben sei für ihn nie eine Option gewesen: “Manchmal musste ich mich extra motivieren, aber das muss man ja manchmal auch, wenn man morgens zur Arbeit geht.”" (SWR) “Fath schilderte auch Eindrücke vom Rhein, die den meisten verborgen bleiben. “Unheimlich laut” sei der Strom, vor allem unter Wasser. Fortwährend rausche der Kies auf dem Grund, das klinge wie ein riesiges Glas voll Murmeln.” (Schwarzwälder Bote)

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“Ein neues Wärmemodell für den Rhein von Basel bis Köln soll ein massenhaftes Fischsterben wie im Jahr 2003 verhindern. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) stellte (…) in Karlsruhe ein entsprechendes Gemeinschaftsprojekt mit Hessen und Rheinland-Pfalz vor. “Wassertemperaturmanagement” nennt sich das Vorhaben, mit dem bei Bedarf steuernd eingegriffen werden soll bei zu hohen Temperaturen. Für den Neckar gibt es ein solches Monitoring bereits seit Sommer 2005, für den Oberrhein bis Worms seit 2011″, schreibt die Badische Zeitung. Kühlere Wassertemperaturen sollen dabei durch Drosselungen der Kraftwerke und Auflagen für die Großindustrie entlang des Rheins erreicht werden. So könne allein die BASF Ludwigshafen als größter Wärmeeinleiter in Rheinland-Pfalz die Rheintemperatur um ein Grad Celsius beeinflussen.