Cologne is one of the best cities in Germany

“Cologne is one of the best cities in Germany, seated upon the river Rhine; the streets are large, the houses high, the churches and monasteries great and numerous. The town-hall is a stately building; over the portal are written several Latin inscriptions, expressing the occasion of the building of this city by Agrippa, cousin to Augustus Caesar, scilicet, to hinder the incursions of the Suevi into the lower parts of Germany.
In the lower rooms are kept the courts of guards; in the first story the senate doth assemble; the second story contained a great number of Roman arms, distributed into several chambers; as also the third, scilicet, bucklers, some of which are whale-bone; cross-bows, and a great number of bolts. Amongst others there was one of those machines used by the Romans for a battery, called Ballista (…)
From the top of this house is an easy and pleasant prospect of the whole town, it being higher than any steeple there.
The cathedral is a fair church, but imperfect, neither the steeple nor body of the church being brought to their first intended height.
There they show several reliques; among others the bones of eleven thousand virgins of this country, who, for the more easy practice of their Christian religion, followed a king of England`s daughter to Cologne, and were all there martyrized with their leader, by a king of the Hunns.
The tombs of the three kings that came to worship our Saviour, first buried at Milan, and afterwards translated hither upon a certain day, which they observe as the greatest festival of the whole year. Their bodies, dried like mummy, are that day exposed to public view, the tomb being uncovered. One of them (they tell you) is much blacker than the rest, which they take to be the King of Aethopia. All the pilgrims (whose devotions lead them thither), that day, are treated and waited on at meat by the senators barefooted.
Near to this tomb lies a vast stone, which they tell you the devil threw in at the top of the church to destroy it, which heaven miraculously diverted; showing a round place in the repair of the roof, where it should enter. (…)
The next church of note is that of the Jesuits, built after the modern use: in the middle alley, going up to the choir, stand fourteen excellent statues, our Saviour`s with six of the apostles on one hand, our Lady`s with the other six, on the other side. (…)”
Der Zufall wollte, daß wir heute mit einem Kölner Stadtführer verabredet waren. Weil wir nichts von Reresbys Kölner “Jesuitenkirche” wußten, fragten wir bei derart passender Gelegenheit, ob es eine solche noch gäbe und er führte uns kurzerhand zu St. Mariä Himmelfahrt. Da wachen sie nach wie vor, die “fourteen excellent statues”. Gemeinsam klapperten wir weitere Innenstadtkirchen ab, erfuhren wo Karl Marx seine Schokolade trank, wie Georg Weerth in der Rheinischen Zeitung den Wortlaut offizieller Verlautbarungen im Feuilleton abdruckte und somit zur Satire umwertete und schlenderten durch längst verschwundene Gassen. Doch weiter im Reresby:
“The greatest part of the inhabitants of this city are Romanists, none being allowed the public practice of their religion but those; nor, by a late law, can any marry and settle amongst them, that is a protestant; which severity, with others in that kind, gives it the name of Roma Germanica.
The women here follow much the mode of Brabant, wearing upon their foreheads a round peak like unto a saucer, of black velvet; from the middle rises a black stalk of the size and length of a man`s finger, tufted with silk at the end; from the back of their heads there falls a black veil down to their heels, like widows. (…)
Here was born Bruno, the founder of that strict order of the Chartric, by the rules of which establishment the monks are never allowed to eat flesh, or to speak one to another, except at certain times, and those but few.”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)

Tulla über den Rhein (2)

(…) Bey der Wiederaufgrabung der Ruinen bey Ettlingen, im Jahr 1802, nahe an der Straße von Ettlingen nach Durlach, fand man vor dem untern, etwas kleinen Thor, eine schiefe mit Quadern hergestellte Britsche, deren starke Neigung weder das Fahren noch das Gehen erlaubte. Diese Britsche, so wie der weitere Umstand, daß die Ruinen am ehemaligen Flußufer liegen, und daß in der Nähe desselben das Bild des Neptuns, welches die Stadt Ettlingen besitzt, gefunden wurde, werden die Behauptung rechtfertigen, daß gedachtes Thor für die Ausladung der Schiffe bestimmt, und jene sogenannte Villa, eigentlich eine Ausladestätte der Römer war.

Zu Muggensturm, welches in dem Bette des deutschen Rheins liegt, dürften die Römer eine Wasserburg, oder ein Castell, oder wenigstens ein Landungsplatz zwischen der Mündung des Thals, in welchem die Stadt Baden liegt, und zwischen der vorgedachten Ausladestätte unterhalb Ettlingen gehabt haben, und es ist dieses um so mehr wahrscheinlich, als die Entfernung von gedachter Mündung bis Ettlingen groß ist, und von Rauenthal bis diesseits Malsch das Flußbett äußerst wenig veränderlich und ungetheilt, folglich zur Anlegung eines Landungsplatzes ganz geeignet war.

Zu Durlach dürfte ebenfalls ein solcher Landungsplatz für die Schiffe bestanden haben, und es ist wahrscheinlich, daß bey genauen Nachforschungen, längs dem deutschen Rhein noch mehrere Ueberreste von römischen Anlagen gefunden, und ihre Landungsplätze bekannt werden dürften.

Oberhalb der Spitze des Kaiserstuhl-Gebirges hat der Rhein seinen Lauf mannigfaltig geändert, wie das zwischen den Hochgestaden liegende Spielraums-Gebiet beweist. Altbreysach, welches zum Theil auf Felsen steht, lag in verschiedenen Zeitperioden auf dem rechten, auf dem linken Ufer und auf einer Insel.

Mehrere Zusammenwirkungen, Verkürzungen des Laufs des großen Rheins und zugekrümmte Eingänge in den deutschen Rhein, dürften verursacht haben, daß sich die Wassermasse mehr in den großen Rhein warf, die Mündung des deutschen Rheins verschüttet, und durch die Natur, oder vielleicht auch der Natur nachhelfend, durch Kunst, geschlossen wurde.

Nach diesem Ereigniß war der deutsche Rhein nur noch der Strom der Gewässer des Schwarzwaldes von der Dreysam abwärts. Vermindert in seiner Wassermasse, konnte er das früher bestandene Bette nicht mehr ganz behaupten, und es mußten sich die Anschwemmungen, Moräste, Sümpfe und Brücher vermehren, und die Bewohner der Ufer in eine unangenehme Lage setzen. Eine entgegengesetzte Wirkung hatten die vorgedachten Stromänderungen auf den großen Rhein, dessen Wassermasse und Vermögen sich so vergrößerte, daß er dadurch in den Stand gesetzt wurde, sich ein tieferes und geräumigeres Bett zu verschaffen.

Die Ueberschwemmungen, die Brücher, Moore etc. im ehemaligen Spielraums-Gebiete, und die üppige Vegetation auf den angeschwemmten Inseln des deutschen Rheins, die nicht allzuausgedehnte Breite der zwischen ihm und dem großen Rhein gelegenen großen Insel und der aus lockerem Kies und Sand bestehende Grund derselben, die augenfällige tiefere Lage des großen Rheins, und vielleicht auch eine von Zeit zu Zeit entstandene leichte Uebertretung der Gewässer des deutschen Rheins in den großen, haben die Uferbewohner des erstern dahin führen müssen, durch möglich kurze, oder zur Ersparung der Kräfte, kleinen Vertiefungen folgende, Abzugs-Gräben, dem deutschen Rhein einen Abzug in den großen Rhein zu verschaffen, und sein Ueberschwemmungsgebiet trocken zu legen.

Quelle: Wikisource

Eine andere Version des Hadrian (Texte trouvé)

Eine andere Version des Hadrian wäre die Wand der Rhein gewesen. In 9 n. Chr. haben drei römische Legionen ein Hauptschlagen von Arminius genommen; Hermann auf Deutsch. (Oder als Leute im amerikanischen Süden sagen würde, „Sie haben einen whuppin erhalten.“) Stellen Sie sich römische Soldaten von Mittelmeerklimas am Silvester, vor starrend über den Rhein in den dunklen Wald. Der jüngere Soldat fragt das ältere, nicht wahr dadraußen? Sie sollten das wissen, Junge. Wir haben drei Legionen dort verloren. Herrenduft, Koln, Colonia sind unser sicherer Ort. Wir gehen nicht dort. Selbstverständlich eine Montyriesenschlange, wie Drehung in dies stattfinden muss. Ein jüdisches Paar, das von Israel nach die Rebellion von 70 rausgewerft wird, n. Chr. und die Zerstörung des Zweiten Tempels wandert zum römischen Grenzgebiet. Solomon, ich haben Ihnen erzählt, sich zu benehmen, aber nein, Sie mussten die Leutefront des Judea anschließen, schließen die Eiferer an und verliert es alle. Jetzt können wir nicht zurückkehren, und wir sind hier. Sie schulden mir viele Pelzmäntel und gelbe Juwelen. Solomon fragt die Soldaten, kann ich dort gehen und kann den Bernstein suchen? Es ist Ihre Beerdigung, Gegenstück.

Eine heruntergekommene Stadt

“My Dear Sir,

You will allow that after the tedious proceedings of the tewo days` journey, I had a right to indulge a little more than usual, I accordingly lay in bed till eight, for do what I could, my ever-anxious, ever-insatiable curiosity would allow me no longer; I sat writing the notes of my journal till breakfast, which by the aid of Stenography, I easily accomplished, and after my morning repast, I sallied forth to explore this extensive and ancient city, the Roman colony founded by Agrippa, the son-in-law of Augustus Caesar.
Three centuries ago Scaliger thus eulogises it.

„Maxima cognati Regina Colonia Rheni,
Hoc te etiam titulo musa superba canet;
Romani statuunt-habitat Germania-terra est,
Belgia-ter felix! nihil tibi diva deest.“

I presume not to say, what might then be the condition of the city, and how far the poet flattered or bestowed just praise, but very different is the case now. I should rather apply, as nearer the truth, the language of Ossian, „I have seen the walls of Balclutha, but they were desolate.“ Ruin long begun, and still going on, marks its principal streets. The plaster is falling from the fronts of the houses, and no one seems disposed to renew it. The year of 1618, and others of that period, which you see on the outside, lead one to question, if aught has been renewed since then. Waving grass is growing in the streets, and as you enter many of the principal churches, you must keep in the narrow path, „the old path,“ or in rainy or wet weather, as it was when I was there, you will have cause to repent. Indolence seems painted on the countenances of the people, and they seem to move as if they knew not why, or whither, they were going. Many of the houses have fallen down, others are falling, and in many places you see ruins clearing away to add to the gardens, which already fill up two thirds of the space within the walls.
Cologne boasts of its antiquity, and of its greatness. Still Colonia Agrippae may often be seen in public inscriptions, and they tell you that full more than fifty thousand inhabitants remain to listen to its never-ceasing bells. It was once a place of great trade, but the banishment of the Protestants in the seventeenth century destroyed its industry. (…)”

(James Mitchell: A Tour Through Belgium, Holland, Along the Rhine, and Through the North of France, in the Summer of 1816: In which is Given an Account of the Civil and Ecclesiastical Polity, and of the System of Education of the Kingdom of the Netherlands; with Remarks on the Fine Arts, Commerce, and Manufactures, Chapter XIX, T. and J. Allman, 1819)

Ammianus über Rhein und Bodensee

Im menschheitsgeschichtlich sehr jungen Internet scheinen Zeitalter wenn schon nicht im Wochen-, so doch Monats- oder Jahresrhythmus anzubrechen und sich abzulösen. Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit und Kapazität, sprich technologischen Fortschritt, welcher fraglos Takt und Rahmen vorgibt, sondern weiterhin auch um Inhalte. Zumindest besteht auch im Internet die Möglichkeit, Inhalte zu filtern und experimentell von ihren technischen Bedingungen zu entkoppeln. Der römische Historiker Ammianus Marcellinus verfaßte seine Res Gestae in der ausgehenden Antike des 4. Jahrhunderts, einer markanten historischen Bruch- bzw Übergangsfase. Über Ammianus` Rheinstellen lasen wir erstmals bei Hübner, der in den 70ern schrieb, daß sie in der Klosterbibliothek von St. Gallen zu finden seien. Heute gibt es sie, vielleicht mit kleinen Scan-Fehlern, auch im Internet, das u.a. die weltgrößte Bibliothek aller Zeiten parat halten dürfte:

“Lentiensibus, Alamannicis pagis indictum est bellum conlimitia saepe Romana latius inrumpentibus, ad quem procinctum imperator egressus in Raetias camposque venit Caninos, et digestis diu consiliis id visum est honestum et utile, ut eo cum militis parte Arbetio magister equitum, cum validiore exercitus manu relegens margines lacus Brigantiae pergeret protinus barbaris congressurus, cuius loci figuram breviter, quantum ratio patitur, designabo.”

(Der Abschnitt handelt von der Kriegserklärung Roms an die linzgauischen Alemannen und dem Plan des Kaisers, am Bodensee auf diese Barbaren zu treffen. Die kaninischen Felder liegen vermutlich bei Zizers, wo laut des Schweizer Vereins gegen Tierfabriken im Jahre 2008 auf dem Gelände der räthischen Bahn ein Kaninchen-KZ ausgehoben wurde.)

“Inter montium celsorum anfractus inmani pulsu Rhenus exoriens per praeruptos scopulos extenditur nullos advenas amnes adoptans, ut per cataractas inclinatione praecipiti funditur Nilus, et navigari ab ortu poterat primigenio copiis exuberans propriis, ni ruenti curreret similis potius quam fluenti.”

(Zwischen erhabenen Bergen entspringt naturgewaltig, ohne Nebenwässer aufzunehmen, ähnlich wie der Nil, der Rhein. Wenn er nicht so reißend wäre, wäre er bis zur Quelle hin schiffbar.)

“Iamque ad planiora solutus altaque divortia riparum adradens lacum invadit rotundum et vastum, quem Brigantiam accola Raetus appellat, perque quadringenta et sexaginta stadia longum parique paene spatio late diffusum horrore silvarum squalentium inaccessum, nisi qua vetus illa Romana virtus et sobria iter composuit latum barbaris et natura locorum et caeli inclementia refragante.”

(Der Rhein mündet in den Bregenzer See, wie der Räthier sagt. Er ist 460 Stadien lang und etwa genauso breit. Gäb es nicht den zivilisierten und zivilisierenden Römer, die schrecklichen Wälder, ihre Barbaren und das rauhe Klima machten den Bodensee zu einem völlig unzugänglichen Ort.)

“Hanc ergo paludem spumosis strependo verticibus amnis irrumpens et undarum quietem permeans pigram, mediam velut finali intersecat libramento et tamquam elementum perenni discordia separatum nec aucto nec imminuto agmine quod intulit, vocabulo et viribus absolvitur integris nec contagia deinde ulla perpetiens oceani gurgitibus intimatur.”

(Mit tosenden Strudeln dringt der Strom in den See, dessen feindliche Trägheit er gleichsam spaltend durcheilt, um am andern Seeende mit unveränderten Kräften und Namen wieder auszutreten, um dem Ozean zuzustreben.)

“Quodque est impendio mirum, nec stagnum aquarum rapido transcursu movetur nec limosa subluvie tardatur properans flumen, et confusum misceri non potest corpus: quod, ni ita agi ipse doceret aspectus, nulla vi credebatur posse discerni.”

(Erstaunlich, daß weder der Fluß das Seewasser aufwühlt, noch daß er vom schlammigen Grund aufgehalten wird und sich diesen auch nicht vermischt, was nur glauben kann, wer es mit eigenen Augen gesehen hat.)

(Zitate: Ammianus Marcellinus – Res Gestae XV, 4, 1-5)

Le Rhin réunit tout

“Saint-Goar, 17 août.

Vous savez, je vous l’ai dit souvent, j’aime les fleuves. Les fleuves charrient les idées aussi bien que les marchandises. Tout a son rôle magnifique dans la création. Les fleuves, comme d’immenses clairons, chantent à l’océan la beauté de la terre, la culture des champs, la splendeur des villes et la gloire des hommes.

Et, je vous l’ai dit aussi, entre tous les fleuves, j’aime le Rhin. La première fois que j’ai vu le Rhin, c’était il y a un an, à Kehl, en passant le pont de bateaux. La nuit tombait, la voiture allait au pas. Je me souviens que j’éprouvai alors un certain respect en traversant le vieux fleuve…

…Ce soir-là… je contemplai longtemps ce fier et noble fleuve, violent, mais sans fureur, sauvage, mais majestueux. Il était enflé et magnifique au moment où je le traversais. Il essuyait aux bateaux du pont sa crinière fauve, sa barbe limoneuse, comme dit Boileau. Ses deux rives se perdaient dans le crépuscule. Son bruit était un rugissement puissant et paisible. Je lui trouvais quelque chose de la grande mer.

Oui, mon ami, c’est un noble fleuve, féodal, républicain, impérial, digne d’être à la fois français et allemand. Il y a toute l’histoire de l’Europe considérée sous ses deux grands aspects, dans ce fleuve des guerriers et des penseurs, dans cette vague superbe qui fait bondir la France, dans ce murmure profond qui fait rêver l’Allemagne.

Le Rhin réunit tout. Le Rhin est rapide comme le Rhône, large comme la Loire, encaissé comme la Meuse, tortueux comme la Seine, limpide et vert comme la Somme, historique comme le Tibre, royal comme le Danube, mystérieux comme le Nil, pailleté d’or comme un fleuve d’Amérique, couvert de fables et de fantômes comme un fleuve d’Asie.

Avant que l’histoire écrivait, avant que l’homme existait peut-être, où est le Rhin aujourd’hui fumait et flamboyait une double chaîne de volcans qui se sont éteints en laissant sur le sol deux tas de laves et de basaltes disposés parallèlement comme deux longues murailles. À la même époque, les cristallisations gigantesques qui sont les montagnes primitives s’achevaient, les alluvions énormes qui sont les montagnes secondaires se desséchaient, l’effrayant monceau que nous appelons aujourd’hui les Alpes se refroidissait lentement, les neiges s’y accumulaient; deux grands écoulements de ces neiges se répandirent sur la terre: l’un, l’écoulement du versant septentrional, traversa les plaines, rencontra la double tranchée des volcans éteints et s’en alla par là à l’Océan; l’autre, l’écoulement du versant occidental, tomba de montagne en montagne, côtoya cet autre bloc de volcans expirés que nous nommons l’Ardèche et se perdit dans la Méditerranée. Le premier de ces écoulements, c’est le Rhin; le second, c’est le Rhône…

…Le Rhin, dans les destinées de l’Europe, a une sorte de signification providentielle. C’est le grand fossé transversal qui sépare le Sud du Nord. La providence en a fait le fleuve-frontière; les forteresses en ont fait le fleuve-muraille. Le Rhin a vu la figure et a reflété l’ombre de presque tous les grands hommes de guerre qui, depuis trente siècles, ont labouré le vieux continent avec ce soc qu’on appelle pépée. César a traversé le Rhin en montant du midi; Attila a traversé le Rhin en descendant du septentrion. Clovis y a gagné sa bataille de Tolbiac. Charlemagne et Bonaparte y ont régné. L’empereur Frédéric-Barberousse, l’empereur Rodolphe de Hapsbourg et le palatin Frédéric Ier y ont été grands, victorieux et formidables. Gustave-Adolphe y a commandé ses armées du haut de la guérite de Caub. Louis XIV a vu le Rhin. Enguien et Condé l’ont passé. Hélas! Turenne aussi. Drusus y a sa pierre à Mayence comme Marceau à Coblenz et Hoche à Andernach. Pour l’œil du penseur qui voit vivre l’histoire, deux grands aigles planent perpétuellement sur le Rhin, l’aigle des légions romaines et l’aigle des régiments français.

…Ce noble Rhin que les Romains nommaient Rhenus superbus, tantôt porte les ponts de bateaux hérissés de lances, de pertuisanes ou de baïonnettes qui versent sur l’Allemagne les armées d’Italie, d’Espagne et de France, ou reversent sur l’ancien monde romain, toujours géographiquement adhérent, les anciennes hordes barbares, toujours les mêmes aussi; tantôt charrie pacifiquement les sapins de la Murg et de Saint-Gall, les porphyres et les serpentines de Bâle, la potasse de Bingen, le sel de Karlshall, les cuirs de Stromberg, le vif-argent de Lansberg, les vins de Johannisberg et de Bacharach, les ardoises de Caub, les saumons d’Oberwesel, les cerises de Salzig, le charbon de bois de Boppart, la vaisselle de fer blanc de Coblenz, la verrerie de la Moselle, les fers forgés de Bendorf, les tufs et les meules d’Andernach, les tôles de Neuwied, les eaux minérales d’Antoniustein, les draps et les poteries de Wallendar, les vins rouges de Taar, le cuivre et le plomb de Linz, la pierre de taille de Kœnigswinter, les laines et les soieries de Cologne; et il accomplit majestueusement à travers l’Europe, selon la volonté de Dieu, sa double fonction de fleuve de la paix, ayant sans interruption sur la double rangée de collines qui encaisse la plus notable partie de son cours, d’un côté des chênes, de l’autre des vignes, c’est-à-dire d’un côté le nord, de l’autre le midi; d’un côté la force, de l’autre la joie…”

(aus: Victor Hugo: Le Rhin, lettre XIV; Hugos Rheinbriefe sind komplett zu finden auf Google Books)

Der Rhein

Du heil`ger Strom, gebenedeiter Strand,
Wo ist ein Deutscher, der nicht frommen Dranges,
Ein andachtglüh`nder Pilger an dir stand?
Wo ist ein Schwan germanischen Gesanges,
Deß Flügelschlag nicht über dir gerauscht,
Der nicht dem Säuseln deines Schilfs gelauscht,
Der nicht gewiegt sich auf dem deutschen Ganges?

Du bietest allen deinen Friedenskuß,
Den Landen rings, der Berge blauen Reigen;
Naht nicht mit Euren Schwertern diesem Fluß,
Laßt Eure Fahnen tief sich vor ihm neigen!
Auf dieser Wasser stillem Bette ruht
Des Volkes Stolz – zum Pfühl dient ihm die Fluth
Erweckt ihn nicht, antastet nicht sein Eigen!

Er ruht und träumt-, der Wellen Schlummerlied
Hat eingewiegt den blondgelockten Recken;
Des Wasserspiegels wallend Nebeln zieht,
Des Kaiserlichen Träumers seidne Decken;
Wer will ihm rauben, was er theu`r erkauft,
Was er mit blut`gen Weihungen getauft,
Wer wagts, aus seinem Schlummer ihn zu schrecken?

Der Fluß ist sein! Aus dieser Schale trinkt
Der deutschen Liebe und der Sehnsucht Taube,
Umher in duftigem Gewinde blinkt
Des deutschen Weines feu`rdurchglühte Traube,
Und wo die hohen Kathedralen steh`n,
Versteinte Siegsgesänge der Ideen,
Da wohnt der deutsche Friedensfürst, der Glaube.

Horch, wie den Strom das Läuten überklingt!
Hell singend kommt die Wallerschaar gezogen,
Im leichten Kahn, der mit dem Schaume ringt,
Von blüh`ndem Kranz und weh`ndem Band umflogen;
Auf morschem Erker zagend lauscht das Reh,
Vom Ringeltanz ins Dickicht schlüpft die Fee -
Das ist der deutsche Rhein, das ist sein Wogen!

Der deutsche Rhein! Seit aus des Epheus Blühn
Die grauen Burgen sonnig niederschauen;
Seit vielgethürmte große Städte kühn
Mit ihren Zinnen seine Wellen stauen;
Seit auf der Männer Stirn, ein Paraclet,
Flammenden Hauches der Gedanke steht,
Die stille Andacht auf der Stirn der Frauen:

Seit durchs Portal von diesen Felsenhöh`n
Der neuen Aera Morgengluth gedrungen,
Und unter ihm, in Heller Glorie Wehn,
Der Karol Magnus sein Panier geschwungen;
Seit in den Blenden, überwiegt von Grün,
Wie sinnend grüßende Gestalten blüh`n,
Roland, Fastrade und die Nibelungen;

Seit, dessen Herrlichkeit die Welt umspannt,
Der Barbarossa thronte zu Gerichte,
Als Reichskleinod die Erde in der Hand:
Seit Eschilbach, der Kaiser im Gedichte,
Die goldnen Klänge alter Melodein,
Zur Krone sich verflocht, ist dieser Rhein
Pulsaderstrom germanischer Geschichte.

Sie hütet still und ernst ihr Eigenthum,
Indeß der Dichtkunst Arme sie umranken;
Zu beider Füßen ruht der deutsche Ruhm,
Ein grauer Löwe mit gewalt`gen Pranken,
Der an der Milch der Schlachten aufgenährt,
Den blut`gen Flamberg hütet und das Schwert,
Das wir geschweißt aus ehernen Gedanken.

Derselbe, der den Libanon durchschritt,
Vom Zorn blutgier`ger Feinde wild umschnoben,
Der einst Byzanz und Accon niederstritt,
Der Roma`s Aar ins Banner sich gewoben;
Der grimmig hingestreckt auf seinem Schild,
Dalag in dem Roncalischen Gefild`,
Der Pranken Trutz gen Mailand aufgehoben:

Vor dem Sicllien und das welsche Land
Wie vor des Aetna`s Flammenguß gezittert,
Der von der Seine grünem Hügelland`
Bis zur Loire neulich noch gewittert;
Derselbe Leu: und donnernd tönt sein Ruf:
Weh` über euch, wenn Eurer Rosse Huf
Das Ufer meines Rheines nur erschüttert!

(Levin Schücking, 1840)

Auf meiner Lippe brennend Rot

Auf meiner Lippe brennend Rot
Blüht nun die fürchterlichste Not,
Da blüht wie auf verdorrter Flur
Das bittre Kraut des Durstes nur.

Zwar hab ich frühe schon und spät
Versucht, was mich kurieren tät:
Liebfrauenmilch genoss ich schon
Als neugeborner junger Sohn.

Und frischte drauf den trocknen Schlund
Mit Wein aus Spanien und Burgund.
Ja, mehr des goldnen Weins ich trank,
Als Regen auf die Felder sank,

Als Wasser einst im Meere floss,
Drin Pharao mit Mann und Ross
Zugrunde ging! Ja, Wein soviel,
Als Wasser übern Rheinfall fiel!

Doch immer, wie zu alter Zeit,
Plagt mich dasselbe Kreuz und Leid;
Es stachelt mich des Durstes Dolch,
Als bissen Schlangen mich und Molch.

Und presstet ihr am ganzen Rhein
All Trauben in ein Fass hinein:
Ich tränk es aus auf einen Zug
Und hätt noch immer nicht genug.

Und nähmt ihr aus dem ew`gen Rom
Die Kuppel von Sankt Petri Dom
Und fülltet sie mit rotem Wein – -
Der Becher wär mir noch zu klein!

Drum hab ich lange schon gesagt:
O schrecklich, wen das Dürsten plagt!
Er ist wie ein verlass`nes Kind,
Das nirgends Ruh und Freude find`t.

(Georg Weerth)

HEL über Köln

Fixpoetry bringt diese Woche unter dem Titel Apocalypso Ausschnitte aus einem Briefwechsel zwischen HEL (Herbert Laschet-Toussaint) und Ulrich Bergmann. Beide unterhalten sich darin achtzehn Jahre lang über Deutschland und Europa, dh, den Unter- und Wiederaufgang des Abendlands inkl. Kapitalismus, Sozialismus, Faschismus, Katholizismus, 68ern, Türken, Literatur (Thomas Mann, Günter Grass, Bertolt Brecht, Social Beat) und natürlich Beuys. Das alles sind rheinische Themen, Bergmann lebt in Bonn und HEL schleicht als genuin belgischer Rheinländer nur deswegen allnächtlich über Berliner Endmoränen, weil dort seit den späten 80ern das offizielle deutsche Dichterreservat eingerichtet ist. Dabei denkt HEL auch an seine früheren Wirkungsstätten und kommt zu erstaunlichen Schlüssen über eine verkannte Stadt: “(…) Meinhofs analysen stimmen bis heute: äußere wie innere verelendung und die krankheiten daraus, von straßenkindern schleppe genannt; wir haben die Auschwitzimaschleppe: das ist ein krater, den man noch in einer million jahren vom weltall aus sehn wird, wie das Nördlinger Ries, und wir gehn auf dünner lavakruste .. na Sie verstehn schon: Köln mag einen schuß zivilisierter sein aus römischer zeit, luperkalisch, ubisch, druidisch, dafür hat’s 2000 jahre katholenterror aufm buckel. (…)” Der Briefwechsel über sieben Web-Etappen ist hier nachzulesen.

Die Allemannen am Rheinstrom

„(…) Eigentlich weiß niemand recht zu sagen, wer diese berühmten Allemannen waren, noch wo sie auf einmal hergekommen sind, wiewohl es sind dem zahlreichen geneigten Leser am Oberrhein seine wahren Stammväter und Altvordern, von deren Blut er abstammt, große grobgliederige Menschen mit blauen Augen, krausen roten Haaren, voll Kraft und Mut und Trutz, fröhliche Trinker und Spieler, ohne Kenntnisse. Es geht noch manchem ein wenig nach. Wenn einem von ihnen ein zehnjähriges Büblein, wie sie heutzutag in die Schule gehn, ein Additionsexempel angesetzt, oder ein Abc-Büchlein vorgelegt hätte, oder eine achtzehnjährige Tochter des geneigten Lesers hätte einer Frau Mehl und Eier und Butter gegeben, „da, Mütterlein backe Sträublein draus”, sie hätten nichts wissen damit anzufangen. Noch wurde kein Vaterunser, noch kein Ave Maria gebetet. In die Kirche gingen sie nach Schaffhausen an den Rheinfall, oder in die dichtesten Wälder, oder auf den Belchen. Denn sie beteten unsichtbare Götter an, wenn nicht Sonne und Mond oder den Rhein, und opferten ihnen Pferde. Sonst war ihre liebste Beschäftigung der Müßiggang, dann die Jagd und der Krieg. Zweihundert Jahre lang kämpften sie mit den Römern in unversöhnlichen Kriegen zuerst um die Landschaften zwischen dem Rhein, der Donau und dem Main, aber oft auch, wenn die Gelegenheit günstig schien, fielen sie in das römische Gebiet jenseits der Flüsse ein, und spannen meist wenig Seide dabei, bis gegen das Ende.
Dem geneigten Leser müßte es wohl ein wenig bange werden, ob es möglich sei, daß er nach anderthalbtausend Jahren noch von diesem Heldenvolk abstammen und auf die Welt kommen werde, wenn er erfahren sollte, was es von einem Feldzug zum andern für schreckliche Niederlagen gelitten hat. Wo ein Tal des Schwarzwaldes sich auftut, fluteten Mann an Mann und Schild an Schild jetzt die Allemannen siegeslustig hinaus, jetzt die Römer racheschnaubend mit Feuer und Schwert hinein. In alle Bäche floß allemannisches Blut. Mehr als einmal gingen nach römischen Berichten, die Allemannen hunderttausendweise in einem Feldzug zugrunde. Mehr als einmal brannte der Schwarzwald an allen Ecken und Enden. Manchmal machten wir auch gute Geschäfte bis nach Italien hinein und in die Champagne. Aber wer zuletzt mit blutigen Köpfen wieder heimkam, waren eben wir. In der Champagne ließen wir auf einmal nicht mehr als 60000 liegen. Denn die nackte deutsche Tapferkeit und Kraft ohne die Kunst des Krieges vermochte nie auszuhalten in die Länge gegen die geharnischten Reihen und Glieder der Römer, gegen ihre Schwenkungen und andere Kriegskünste, mitunter auch Schelmenstücklein. Mit 60 bis 80 000 Mann über den Rhein oder über die Donau zu gehen, und die Römer anzugreifen, wo wir sie fanden, war uns ein Leichtes. Aber wieder heimzukommen, und die Feinde abzuhalten, daß sie nicht über den Fluß hinüber nachsetzten, war oft etwas Schweres. Die Geschichte erwähnt eines mannhaften deutschen Fürsten und Heerführers mit Namen Chnodomar, sie erwähnt auch eines Fürsten und Helden mit Namen Vadomar der im Breisgau und Oberland ein Herr war, und nach der Vermutung eines achtungswerten Gelehrten seinen Sitz hatte, wo itzt Thumeringen steht im Wiesenkreis, also daß dieses Ort zuerst geheißen hatte Vadomaringen. Der ist manchmal auf seinem Hengst durch die Wiese geritten, oder im Käferhölzlein auf der Jagd gewesen und hat mit lüsternem Auge hinübergeschaut in das Gebiet der Römer jenseits Rheins. Chnodomar und Vadomar und andre deutsche Fürsten als Uri, Ursiz, Vestralp und mehrere gingen mit ihren Heerscharen über den Rhein, griffen bei Straßburg, bei Hausbergen den römischen Feldherrn Julianus an, nicht zu guter Stunde. Als die Schlacht gewonnen schien, war sie verloren. Chnodomar wurde gefangen, der gereizte Feind kam über den Rhein, und hauste heidnisch mit den Leuten. Aber Vadomar, der König von Thumringen, rettete sich und sein Land. Nachgehends bekamen ihn die Römer durch List und schändlichen Verrat in ihre Gefangenschaft und schleppten ihn nach Spanien. Später wurde auch sein Sohn Vitigab ein gar feines und kluges Herrlein auf Anstiften der Römer von seinem Bedienten heimlich ermordet. Was denkt der geneigte Leser zu einer solchen schlechten Aufführung? Viele tausend biedere Allemannen wurden auch als Gefangene nach Rom transportiert, und man hat von den wenigsten mehr erfahren, was aus ihnen geworden ist, ausgenommen ein Mägdlein von Doneschingen namens Bißlein, das hernachmals in Rom gute Tage bekommen hat. Der Herr Römer, der es gefangen bekommen hat, hat er sich nicht nachher in dasselbe verliebt, und laut gesagt, es sei in ganz Rom kein Mädchen mit diesem allemannischen Töchterlein zu vergleichen. – Wenn er itzt erst käme, und eins aussuchen dürfte. Aber in der Tat man weiß nicht zu sagen, wo die vielen Menschen hergekommen sind, die nach einem hundertjährigen Krieg und nach allen blutigen Niederlagen und grausamen Landesverwüstungen noch übrig waren, kraftvoll und rüstig, als die Macht der Römer im Land und daheim anfing zu zerbrechen. War nicht auf einmal selbst das ganze jenseitige Rheinland von Basel bis nach Mainz und bis an die jenseitigen Gebirge Untertan der allemannischen Macht? Alles schien sich wieder zu erheben, bis ein neues kriegerisches Schauspiel begann.
Draußen über dem Schwarzen Meer, wo Europa ein Ende hat, und seltsame Völkerschaften eines andern Weltteils ihren Anfang nahmen, wohnten damals, fremden Blutes und fremder Sitten die Hunnen ein wildes räuberisches Gesindel, und es wird nicht viel gefehlt sein, so war ihr Oberhaupt, genannt Attila, der Schlimmste unter allen. Attila brach um das Jahr 451 mit seinem Volk aus ihren Wohnsitzen auf, um in Europa, soweit es geht und guttut, zu erobern, zu plündern, zu sengen und zu brennen und zu morden, und wo er hinkam, in den ersten 24 Stunden war alles verwüstet und verödet, und je weiter er zog je furchtbarer vermehrte sich sein Heer, denn alles zog mit, wie ein Heerstrom in seinem Lauf größer und größer wird, durch die Waldströme die sich rechts und links her in seine Fluten ergießen. Jetzt ist der Hunnenkönig schon am Saustrom in Ungarland, jetzt schon an der Donau, jetzt schon in der Gegend von Ulm, und wie Reihen der Franken wichen auf allen Seiten, bis in der Herzensangst und Verzweiflung der fränkische König Chlodewig die Hand zum Himmel aufhob, und den Schwur tat, wenn ihm Gott den Sieg verleihe, so wolle er ja gerne ein Christ werden, seine Frau sei es ohnehin schon. Es waren aber damals schon ganze christliche Regimenter unter dem fränkischen Heer, und einer rief dem andern zu: „Du, wenn wir dem König den Sieg erkämpfen, so will er sich taufen lassen.” Also schlugen die Christen unbarmherzig auf die Heiden drein, die Allemannen werden in Unordnung gebracht und verlieren die Schlacht für diesmal, und ihre teuer errungene Freiheit und Herrschaft auf immer. (…)“

(aus: Johann Peter Hebel – Der Rheinländische Hausfreund, 1814)

Badebuchten

An heißen Sommersonntagen kommt in den Rodenkirchener Buchten ein Volk zusammen, das sich leicht ganz ähnlich zur Okkupationszeit durch Rom vorstellen ließe: Internationalität mit vorwiegend südsüdosteuropäischem Einschlag und Tonfall, doch auch Westafrikaenglisch, britannisiert und nachfolgend us-amerikanisiert manifestiert sich da im Strandsand, in Person etwa eines Hobbyprivatdozenten, der über die vier heißesten Mittagsstunden ununterbrochen über internationale staatliche Toleranzschwellen gegenüber Homosexualität, Oprah, öffentliche Kühlräume für Senioren ohne eigene Klimaanlage etc pp, vor allem aber die Großartigkeit der Vereinigten Staaten, ablabert, als sei dies ein asiatischer Hippiestrand und eben nicht Rodenkirchen, um schließlich anhand von Safttüten (nicht etwa von Tütensaft) amerikanisch-simpel das internationale Denken in verschiedenen fixen Größenmaßstäben zusammenzufassen, dabei nur das Klischee vom überselbstbewußt dauerparlierenden, dabei völlig nichtssagenden Ami zu verfestigen, während die Natur so einige Wölkchen an den Himmel getupft hat, um welche sie nun die Luftzüge herumzuleiten scheint. Die Wölkchen jedenfalls stehen reglos wie Wölkchen nur reglos stehen können. Der Autor dieser Zeilen beobachtet das Geschehen indessen von innerhalb einer der berühmten Rodenkirchener Badebuchten. Die Hände in den Sand gekrallt, ansonsten in der Horizontalen, den Blick direkt über die bisweilen von vorüberziehenden Frachtern leicht wogende Wasseroberfläche, vermeint er sich in die Lage eines Schlammpeitzgers oder ähnlichen Bodenfisches zu versetzen, eines solchen, der, den Körper unter der Wasserhaut getarnt, die Augen darüber offen hält, ein für Fische vergleichsweise kosmisches Bewußtsein zu erlangen. Das limitierte Imitieren immerhin führt zu einströmender Weite, Sensualität und schwer dimensionierbaren Gedanken und falls erwähnte Fische tatsächlich ebenso denken sollten, täte kultische Verehrung ihnen recht. Aus dem Hinterkopf dringen hektische Liedzeilen “wir ham als Kinder im Rhein gebadet / das hat uns sicher nicht geschadet” von Family 5. Ein Tretboot mit zwei Insassen unter Schweizer Flagge dimmt dazu in Ufernähe von Süd nach Nord, fadet weg unterm Domdunst wie eine kleine nichtige Halluzination. Glitzernde blitzende Blattwelt der Uferweiden. Schwebender Pappelschnee. Unter der Wasserhaut in Schlieren sich verbergende, verlierende Tiere: schlangenartiges, egliges; insektöses irrschwirrt, sich tiefspiegelnd, drüber hinweg, verliert unter Wasser seine Schatten, vermehrt sich auf solche Art. Seit Stunden plantscht ein blonder Kindergartenknabe im Flachwasser, läßt Steine hüpfen, vergißt sich selbst. Seit Stunden auch zieht ein gigantischer schwarzer Frachter von Nord nach Süd durchs Bild, sein Name: Anaconda.

(Ein Gastbeitrag von Sven Löffler. Rheinsein dankt!)

Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben. (2)

Die ander oder vnder Germania / ist gewesen von Cöln abhin biß an das möre / vnd hat sich gegen vndergang gestreckt biß zu der Mas / vnd waren jre fürnempste stett / Agrippina Vbiorum / das ist Cöln / vn Tungri / do nachmals ein bisthum auffgericht ward / aber jetzunt zu Lüttich ist. Des gleichen hetten die Römer auff der Tonaw auch jre prouintzen / nemlich Rhetia / Norico vnd Pannonia. Sie vnderschieden Rhetiam in zwo prouintzen / die erst Rhetia begreifft in jr den Bodensee / vnd waren diß die fürnempsten stett darin / Bregentz / Arben / vnd was den Rhein hinauff biß ghen Chur zu gelegen ist / vnd item das Lintzgöw vn Allgöw biß an den Lech. Das ander Rhetia ist gangen von dem Lech biß an den Yn / vnd hat in jm begriffen Augustam Vindelicam / das ist Augspurg / do sich gehalten hat der schatzbehalter der selbige prouintz. Darnach seind zwo andern prouintzen komen / die haben geheissen prouintie Noricorii / die haben sich gestreckt über Oestereich biß in Ungerland / das laß ich hie anston / vnd kom widerumb auff vnsern Rheinstrom. Do Julius der erst keyser lag in Sequania bey Bisantz / kam gegen jm gezogen Ariouistus der hohen Teütschen künig / mit eine grossen hore das er über Rhein gefürt hat / aber er ward von dem keyser in die flucht geschlagen / vnd kamen wenig mit jrem leben daruon / die über den Rhein schwumen / oder sunst mit kleinen schifflin daruber kamen / vnd dem fyend entrunen. Dise schlacht sol geschehen sein ein meil wegs fern von Basel an dem ort das jetz heißt Apollinaris. Darnach legt sich diser Julius mit seine kriegßuolck auff de Rhein vnd schwam offt mit jnen darüber / vnd strit wider die Teütschen. Jm Niderland bey den Vbijs vnd Menapijs / das ist bey Cöln / vnd im Gellerlad / macht er zwo brucken von holtz über den Rhein / domit er mit gewalt möcht an die Schwaben setzen / die dozumal herschere biß an die Elb / vnd den überrheinische vil trangs anthete. Aber wan er sie ergriff / ertrunen sie jm vnd verlieffen sich vnd verborge sich in dem Hartzwald oder in den lachen / vnnd hülen / das er jnen nichts oder gar wenig mocht abgewinnen. Aber was über dem Rhein gegen Franckreich / vnd über der Tonaw gegen dem Alpgebirg ligt / bracht er vnd sein nachkommen Augustus alles vnder der Römer gewalt. Zum aller ersten überkamen sie das ober theil an dem Bodensee / darnach das Sunggöw vmb Bisantz / darnach den Straßburger strich vnnd das ober Germaniam / mit der reuier vmb Metz vnd Trier / darnach das ander Germania / vnd dar zwischen brachten sie auch vnder jren gewalt beide Rhetiam vnd Noricum vn Pannoniam / das ist das Allgöw / Lechgöw / Baierland / Oestereich / Steiermarck biß in Ungern / aber von dem rechten Teütschen land / zwischen dem Rhein vnd der Tonaw begriffen / hetten sie nichts. Sie strebte aber lange zeit mit allem vermögen darnach / vnd hetten es gerings vmb an disen wässern vmblägert mit kriegern vnd hauptleüten / vnder wölche der keyser Julius der erst was der sie anfieng zu kriegen. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)

Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben.

MJt was grosser müh vnd arbeit / ia kosten vnd verlust die Römer vorzeiten haben gestritten wider das Teütsch land / ist niemand on wissen der echter gelesen hat die alte historien. Es ist jnen gering gewesen vnder jren gewalt zubringen Hispaniam / Galliam / Britanniam / Greciam / Asiam / Egypten / Macedoniam vn ander villänder / aber Teütsch land wolt sich nit also liederlich ergeben / besunder das Teütsch land das der Rhein von occident / vnnd die Tonaw gegen mittag als starcke rinckmauren beschleüßt. Es hat manch tausent man müssen darüber zu grund ghan zu beiden seiten / wie du hören wirst. Dan die Teütschen theten solichen gewaltigen widerstand den Römern vnd allen jren fyenden / das vnder jren nachbauren ein solich sprichwort auß gieng. Will einer übel streiten / so reib er sich an die. Teütschen. Vnd wil einer streich lösen / so fahe er an ein zäck mit den Teütschen. Es habe die grausamme vnnd stäte überfäl der Teütsche gegen jren nachbauren den Römern so vil zu schaffen geben / das sie an eroberug Germanien offtermals verzweifflet / allein understünden jre prouintzen gegen den Teütschen vor überfal zu beschirmen / deshalb sie beide flüß Rhein vnd Tonaw auff jrer seiten mit vil trefflichen stetten vnd befestigungen verwaretend / als dan seind am Rhein / Bingen / Bopparten / Jngelheim / Mentz / Wormß / Speier / Rheinzabern / Seltz / Straßburg / Augst ob Basel / Keyserstul / Costentz / Arbon / vnd an der Tonaw / Augspurg / Regenspurg / Passaw / etc. Durch dies stett habe die Römer verhütet / das die Teütschen mit den jren / noch sie hinwider mit den Teütschen kein gemeinschafft dorffte haben. Der starck vnd namhafftig held Julius der erst keyser / legt sich zum ersten wider die Teütschen / vnd nam jnen die stett so an dem Rhein gelegen waren / die vor zeiten vnder den Galliern waren gewesen / aber durch die Teütsche erobert vnnd den Galliern ab getrungen / alsdann fürhin gemeldet ist / wie die Teütschen mit grossen scharen über den Rhein gefaren / die besten länder yngenommen vnd besessen haben. Do nun die Römer begerten des Rheinstroms vn den mit gewalt jnen zuziehen wolten / haben sich die Teütsche nit gesaumpt / sunder jnen fräuenlichen widerstand gethan. Doch mochte sie den Rheinstrom vo Basel an biß ghen Mentz nit behalten / sunder die Römer brachte jn zeitlich vnder jren gewalt / vnd besetzten alle stett vnd vn wärhafftige flecken mit haupleüten vnd kriegern. Die machten prouintzen darauß vnd vogteien / vnnd gaben den eroberten Teütschen ländern herzliche tittel vnd setzten grauen vnd hertzogen daryn. Die erst vnd gröst prouintz begreifft in jr Heluetiam / Sequanos vnd Rauracos/ das ist / Schweytzerland gegen Burgud / das Sunggöw biß ghen Bisantz vnd Baßler ladschafft biß ghen Colmar. Der hauptman diser prouintz hielt sich zu Bisantz / vnnd der vnder jm ander hauptleüt / vnder welchen einer sich hielt / bey Basel im Hole / der wartet das die Teütschen nitt über Rhein kämen / vnd den Römern in das land fielen. Nach diser prouintz kam Tractus Argentoratensis / das ist der Straßburger strich / vnd fieng an ob Schletstatt vnd gieng biß vnder Straßburg / wölche landschafft wir ietz zumal das vnder Elsaß nennen. Jr vorweser hieß der Straßburger graue / vnd was dem hertzogen zu Mentz vnderworffen. Do gieng an das erst Germania vnd begriff vnder jm das Straßburger land / Speirer land / Wormsser land vn Mentzer land. Die andern nennen es das ober Germaniam / vnd strecket sich biß in Lothringen. Ptolemäus streckt es biß an die Mosel / die er Obrincam nent. Sein oberster vorweser oder hauptman saß zu Mentz / vn her vnder jm eylff vögt / die hatten jre sitz / einer zu Salerion / das ist Seltz / einer zu Zabern / einer zu Vico Julio / jch acht es sey Weyssenburg oder Landaw / einer zu Speier / einer zu Alta ripa vnder Speier / das jetz heißt Altrip / einer zu Worms / einer zu Mentz / einer zu Bingen / einer zu Bodobriga / jetzunt Boppart / einer zu Confluentz oder Cobolentz / vn einer zu Antonaco / jetzunt Andernach. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)

Von den fliessenden wässern Teütsches lands.

ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.

(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)

Neustätten (3)

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Daß neben sehr schlichten auch den widerlichsten Ideologien zu folgen sich haufenweise Anhänger und Mitläufer bereitfinden, ist weit über den rheinisch-römisch-germanischen Kulturraum spätestens seit den diesbezüglichen Erfolgen des Nationalsozialismus und Faschismus verbreiteter Kenntnisstand. (Wars wohl vorher schon. Zu dieser Thematik und weiteren Un/Sicherheiten siehe auch: Geschichte des Glaubens (zurecht oft verwechselt mit: Geschichte des Wissens).) In Neustätten allerdings (Gnade und Fluch der späten Stadtgründung) nur aus den Büchern ante urbem conditam, welche dessen hochmodernen Bürgern bereits in den Gencode eingeschrieben sind. Wohl daher und nicht zuletzt aufgrund der vorherrschenden Wohnstruktur (personenstarker Arbeiterbürger-WGs) findet sich in Neustätten eine im deutschsprachigen Raum (und das will was heißen!) weit überdurchschnittliche Anzahl ausgeprägter Ideologien (einzelne Bürger sollen bis zu zwei handvoll davon vertreten). Die sich natürlich im Stadtbild niederschlagen: beispielsweise diese piktografisch gestützte Durchsage einer Splittergruppe des diesel-veganarchisch orientierten „Rheintaler Geschichtsvereins“, ein (an seiner rigorosen Antihaltung erkennbarer) Retroslogan, plaziert an einer der typischen, selbstreinigenden,  porig-rissigen (womit, kaum die klügste Entscheidung des Neustätter Stadtbaurats, die Nichtvorhandenheit von Geschichte fürs Auge ein wenig kaschiert werden soll) weißen Hallenwände.

Die Bäder zu Baden

Den ersten Tag kam ich zu Schiff auf dem Rhein nach Schafhausen, sechs kleine Meilen von Kostanz. Wegen des hohen Falles, den der Fluß von Schafhausen aus, über abgerißene, schroffe Felsen macht, mußte ich hernach anderthalb Meilen zu Fuße gehen, und stieg bey einem festen Schloß an der andern Seite aus, welches Kaiserstul genannt wird. Ehedem, vermuthe ich aus dem Namen, ist dieser Ort ein römisches Lager gewesen, wenigstens kan die Lage nicht besser seyn; denn der Strom drängt sich hier unter einem hohen Hügel zusammen, und eine kleine Brücke vereiniget Germanien mit Gallien.
Auf diesem Wege sah ich den Rhein von einem hohen Berg, über dazwischen stehende Klippen, mit einer Wuth und einem Getöse sich herabstürzen, daß man glauben sollte, er klage und bejammere selbst seinen Fall. Hier fiel mir ein, was man von den Katarakten des Nils erzählet, und mich wundert nicht, daß die daran wohnenden Menschen von dem Geräusch und Geprassel taub werden, da man das von diesem Fluße, der gegen jenem nicht vielmehr ist als ein Regenbach, fast eine halbe Stunde weit höret.
Dann kömmt man nach Baden, in der Sprache des Landes von den Bädern so genannt, einer ziemlich wohlhabenden Stadt, die in einem mit Bergen rundum besetzten Thal, an einem großen reissenden Fluße, liegt, der sich anderthalb Meilen davon in den Rhein ergießt. (…)
Die Zahl der öffentlichen sowohl als der Privatbäder beläuft sich auf dreyßig. Für die niedrigste Klasse des Volks aber hat man zwey von allen Seiten offene Plätze, wo Männer, Weiber, Jünglinge und unverheurathete Mädchen, kurz alles, was von Pöbel hier zusammenströmt, sich zugleich baden.
Eine bis an den Boden herabhangende Scheidewand, die jedoch nur Friedfertige abhalten könnte, sondert in diesem die Männer von den Weibern. Lächerlich ist es anzusehen, wie beides alte Mütterchen und junge Mädchen vor den Augen Aller hinabsteigen, und sich, nackt wie sie sind, den Blicken der Männer Preis geben. Oft hat mich dieser sonderbare Auftritt belustigt und mir die Floratischen Spiele ins Gedächtniß gebracht, voll Verwunderung über die Einfalt der Leute, die so wenig die Augen dahin wenden, als sie Arges davon denken, oder reden.
Die Bäder in den Privathäusern sind überaus schön, aber auch diese sind beyden Geschlechtern gemein. Gewisse Scheidungen von Brettern trennen sie zwar, allein es sind in denselben viele niedergelassene Fensterchen angebracht, durch welche man zusammen trinken und reden, von beyden Seiten sich sehen und berühren kann, wie dieses denn häufig geschieht. Ueber denselben hat man Gallerien gebauet, wo sich Mannspersonen zum Zuschauen und Plaudern einfinden. Jeder nämlich, der einen Besuch machen, einen Scherz haben, sich erheitern will, darf in fremde Bäder gehen, und sich in denselben aufhalten, und beym Hereintritt in das Bad und beym Aussteigen das Frauenzimmer, an dem größten Theil des Leibes, nackend sehen.

(aus: Gianfrancesco Poggio Bracciolini – Die Bäder zu Baden in der Schweiz. Eine Beschreibung derselben aus dem fünfzehenten Jahrhundert. Für Schweizer und Ausländer gar nützlich und lustig zu lesen, Florenz 1780)

De Rynstroom

aen Johan Wolphard, Heer te Brederode, Vryheer te Vianen.

Doorluchte Rijn, mijn soete droom,
Van waer sal ick u lof toesingen?
Mijn treckende geboortestroom
Ghy koomt uit Zwitsersche Alpes springen,
Als hoofdaêr der begaefde Euroop.
De Donau, uw afkeerigh broeder,
Nam oostwaert op syn` snellen loop,
Ghy Noordwaert; doen een selve moeder,
Begort van regen, ys en sneeuw,
U baerde voor soo menige eeuw.

Germanjen lagh noch wild begroeit
Van syn Hyrcynsche wilde wouden,
Tot dat het namaels werd besnoeit,
En door de tucht in toom gehouden.
Ten leste dorst ghy, strijdbre Rijn,
Den Tiber op syn feest bestoken;
Die voor u neegh, doen Constantijn,
Van uwen oever opgebroken,
Ging strijcken met den ouden roof
Van Rome en `t Heidensch bygeloof.

Ghy naemt het juck van Christus aen,
Men hoorde uw vrolijcke oevers schatren,
En scheent de heilige Jordaen
Te tarten met gedoopte watren.
Het Christen kruis en viel uw` rugh
Soo swaer niet, als weleer te draegen
Den last van Cesars legerbrugh,
En Drusus, die u dede klaegen
Om vijftigh sloten, swaer van steen,
Gebouwt langs uwe kanten heen.

Durchs Unterland (2)

Mauren vereint in sich nicht nur ein locker gepflanztes und für das ganze talweite, erst im Osten enorm steil aufschießende Land ausgesprochen ansehnliches Häuserensemble, dessen alten bäuerlichen Notwendigkeiten geschuldete Komposition in der Neuzeit weiter den natürlichen (= non-artifiziellen) Eindruck wahrt, sondern auch drei europäische Metropolen, denn wie Rom liegt Mauren über sieben (im Lokalfall sogar saftige) Hügel verteilt, mit Moskau gemein hat Mauren den Roten Platz (besitzt darüberhinaus, genau wie Rüppurr, noch einen Schwarzen), und das architektonisch so erstaunliche neue Vaduzer Parlamentsgebäude verliert einiges an Überraschungseffekt, kennt man nur bereits das Maurner Gemeindehaus, das ganz genauso einem gelb vermauerten Kasperletheater entlehnt ist wie der nur um weniges imposantere metropolitane Prachtbau der Landeshauptstadt. Zentral plaziert die Büste Peter Kaisers, welcher die„bahnbrechende“ (Wikipedia) „Geschichte des Fürstentums Liechtenstein: nebst Schilderungen aus Churrätiens Vorzeit“ verfaßte und dem von Passanten längs seiner Büste zum wenigsten regionale Bekanntheit bis auf den heutigen Tag attestiert wird. Nicht ganz denselben Bekanntheitsgrad erreicht/e bis heute Johann Georg Helbert, dem die entsprechende Skulptur vorm Pfründehaus in Eschen aufgestellt wurde und der als erster Chronist Liechtensteins gilt, wogleich die Nase über den eigenen Gartenzaun hinauszustrecken um 1800 im Tümle noch eher als ehrenrührig galt. Im Pfründehaus-Schaukasten ist eine tönerne Schabmadonna abgebildet, praktisch abnutzbares Bittgut katholischer Prägung. Eine rasante Fahrt vorbei an der „Schwarzes Loch“ genannten Hilti-Lagerhalle, sowie am Papstdenkmal im Sportpark (das, auf magisch-trianguläre Weise einem Besuch Karol Wojtylas vor 25 Jahren gewidmet selbst außerirdische Kornkreiszeichner anzulocken verstand) nendelt Rheinsein der oberländischen Absorptionslinie entgegen, an der ganze angefangene Tage zu verpuffen vermögen um als gewesene, als Unterbau, als sonstewas Eingang in die Annalen zu finden.

Rheinfische (2)

Gefunden im Vorbericht des Rheinischen Antiquarius: „Es hegt sonst dieser Strom allerhand Arten von Fischen in großem Ueberfluß, und man fängt darinnen unter andern leckerhaften Gattungen die wohlschmeckende Salmen / welche, wenn sie im Frühling aus der See, allwo sie klein und mager sind, heraufkommen, Lachse / hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst zu nach dem Meer wieder zuruckbegeben, erst Salmen genennet werden. So bald diese Fische in den Rheinstrom einlauffen, nehmen sie auch zu, und je höher sie steigen, je größer und zärter pflegen sie zu werden, so, daß ein Cöllnischer Lachs vor einem Dordrechtischen, und ein Maynzer vor einem Cöllnischen leicht zu erkennen, diesen allen aber ein Baßler vorzuziehen ist. Auch sind die Rheinstöre nicht unbekannt. Wie denn Marquart Freher schreibt, daß diese in der Pfalz nur auf die Fürstentafel gehörten. Zu Rom wurden diese Störe, welche man zu latein Acipenseres nennet, ehemals als eine sehr seltsame, dabey aber kostbare Speise, wie Athenäus und Macrobius bezeugen, nicht anders, als im Gepränge mit Pfeiffen und Kränzen auf die Kayserliche Tafel getragen. Sie werden sonderlich in Holland ohngefehr vom ersten April an, ein ganzes viertel Jahr hindurch, so häufig gefangen, daß man sie theils in Pückel schlägt und einsalzt, theils frisch an nahgelegene Nationen, insonderheit nach Engelland, verhandelt. Wenn der große Störfang aufhört, so geht es nochmals das ganze Jahr hindurch über die kleinen Störgen her, welche so schmackhaft sind, daß auch die Italiäner, wie ein gewisser Verfasser meldet, die Finger darnach lecken. Nebst diesen liefert der Rhein noch viele niedliche Fische auf der reichen Leute Tafel, worunter die namhaftesten zweyerley Arten Neunaugen sind, die man eingemacht in Deutschland Bricken und in Holland Muräl nennet. Die erste Art davon ist sehr groß und schön, die andere klein, nichts destoweniger aber von gutem Geschmack. Eigene Arten Rheinfische sind die stachelichten Hechte / die herrlichen Rheinkarpfen / deren einige mehrmalen wohl bey zwanzig Pfund schwer gefangen worden; ferner die gar großen, mittelmäßigen und kleinen köstlichen Barben oder Rothbärte, die starken und großen Aale, die Forellen / Schwalen, Weißfische, Bersing oder Persen / Nößling / Aalruppen, Schleyen / Grundeln, Kressen / Kroppen / Bißgurren oder Meergrundeln, Stinden / Zauen, u. d. gl. Aeschen oder Aschen hat der Rheinstrom sehr wenige, und zwar daher, weil diese Fische lieber in harten, frischen und felsigten Wassern gehen, so kalt sind und aus hohen Felsengebürgen herab fliessen. Dieweil auch dieser Fisch das ganze Jahr hindurch gesund und gut zu speisen ist; So soll daher das Sprüchwort von ihm entsprungen seyn: Der Aesch ist ein Rheingraf.“ Soweit der Antiquarius, der weiters von kommenden und gehenden Krebsen im Rhein berichtet, von Bibern und Fischottern, Schildkröten und sogar verirrten Wunderfischen aus weit entlegenen Meeren, auch Seehunde (die nicht etwa “Roggen oder Eyergen” legen, sondern anlande Welpen werfen, welche im Safte ihrer Jugend ein Achttagegeheul starten) und junge Meerschweine werden als Flußbewohner verzeichnet, bevor Dielhelm aufs rheinische Federwildbret kommt.

Apollinaris

Unten erwähnter St. Apollinaris von Ravenna, einer der ca. 6650 aktuellen Heiligen und Seligen der katholischen Kirche, ist für seine Wunderheilungen, seine Teufelsverscheuchungen, seine christliche Standhaftigkeit selbst unter der Folter, d.h. als Märtyrer, evtl. sogar als Anlaß für das Auslöschen hunderter seiner heidnischen Verfolger nicht nur in der Legenda aurea des Jacobus de Voragine abgefeiert, sondern sogar von Gott in den Himmel aufgenommen worden. Wie so eine Himmelsaufnahme stattfindet, darüber gibt es wenig gesicherte Berichte, wohl aber literarisierte, bzw. Gemälde mit fiktiven Elementen wie überirdischem Licht und Heiligenscheinen. Offenbar vollzieht sich der Himmelseinzug praktischerweise auch ohne Schädel und Knochengerüst – wie anders wäre Apollinaris Heiliger Schädel in Remagen zu erklären? Bzw. wie läßt dieser Ravennerschädel sich überhaupt in Remagen erklären? Per Legende: Als Rainald von Dassel die Dreikönigsreliquien als Kriegsbeute aus Italien nach Köln brachte, hatte er neben den Breisach gegebenen Gebeinen von Gervasius und Protasius auch Apollinaris Schädel im Gepäck. Bei Remagen soll sein Schiff solange die Weiterfahrt verweigert haben, bis der Schädel von Bord war. Andre Zeiten, andre Verkehrsprobleme. Womöglich wird es einst Zeiten geben, in denen das Bild eines heuer normaltypischen Autobahnstaus bzw. einer normaltypischen und oft schon schwer genug erklärbaren Bahnbetriebsstörung als völlig unrealistisch oder dumm erachtet, bzw. dem Reich der Mystik zugeordnet werden wird. Zurück zu Apollinaris selbst: „Apollinaris war Sanct Petrus Jünger und ward von ihm von Rom gesandt nach Ravenna. Daselbst heilte er eines Tribunen Weib und taufte sie mitsamt ihrem Mann und ihrem ganzen Hause. Das ward dem Richter gemeldet, und Apollinaris ward alsbald vor ihn gebracht und in den Jupitertempel geführt, dass er daselbst opfere. Da sprach er zu den Götzenpriestern, dass man das Gold und Silber der Götterbilder besser den Armen gebe denn auf die bösen Geister wende. Darum ward er ergriffen und mit Knütteln geschlagen bis er halbtot liegen blieb. Seine Jünger aber huben ihn auf und pflegten sein sieben Monate lang (…)“ Kaum erholt, soll er in Ravennas Umland einen stummen Edelmann heilen: „Als er aber in das Haus kam, lief ihm eine Jungfrau entgegen, die war von dem Teufel besessen, und schrie: „Weiche von hinnen, Knecht Gottes, sonst will ich schaffen, dass du gebunden an Händen und Füßen zur Stadt wirst hinausgeschleift”. Apollinaris aber schalt sie und zwang den Teufel, dass er ausfuhr. Darnach rief er über den Stummen den Namen des Herrn an und heilte ihn; davon wurden mehr denn fünfhundert Menschen gläubig. Da schlugen die Heiden ihn mit Knütteln und wollten ihn zwingen, dass er den Namen Jesu nimmermehr ausspräche; er aber rief, da er am Boden lag, Christus sei allein der wahre Gott. Sie stellten ihn auch mit nackten Füßen auf glühende Kohlen; doch da er auch so ohne Furcht Christum predigte, stießen sie ihn aus der Stadt hinaus.“ Undsoweiter undsofort, flankiert von kleinen Vergeltungsschlägen: „Aber auch in der Folter predigte Apollinaris standhaft den Namen des Herrn. Da ließ ihm der Vogt kochend Wasser in seine Wunden gießen und wollte ihn, mit schweren Ketten gefesselt, in die Verbannung senden. Als aber die Christen solche Frevel sahen, wurden sie zornig und machten einen Angriff auf die Heiden und töteten ihrer mehr denn zweihundert.“ Am Schluß wird wieder auf ihn eingedroschen und er haucht sein Leben aus im Aussätzigenviertel von Ravenna. Oder auch anderswo. Die Quellen schwanken und widersprechen sich, auch um rund hundertfünfzig Jahre bei den Lebensdaten. Immerhin, die Heiligenknochen sind offenbar wirkmächtig und klar zuzuordnen und neben Ravenna und Remagen auch an illustren Orten wie Gorinchem, Dijon, Reims und Düsseldorf verteilt.