Nonnenwerth (von Agnes Franz)

Freistatt der Ruh’, du stille Klostermauer,
Von hoher Linden dunklem Kranz umstrickt,
Du lichter Stern, auf den in Wonn’ und Trauer
Einst hoffnungslose Sehnsucht hingeblickt;

Und du, o Rolandseck, deß graue Zinne
Von jenes Ufers Felsen niederschaut,
Unsterblich durch die Sage treuer Minne,
Wie durch die Hand, die trauernd dich erbaut,

Denkmäler frommer Liebe, aufgerichtet
im Schooße der erhabensten Natur,
Schwermüthig ernst, und doch so hold gelichtet
Durch ferner Tage abendhelle Spur;

Die Zeit, die Felsen um euch her verheerte,
Die auf der Siebenberge grauem Haupt
Der hohen Wolkenburgen Pracht zerstörte,
Und ihres Ruhmes Kunde uns geraubt:

Sie ging vorbei mit schonend leisem Schritte
An eures Ufers friedlicher Gestalt,
An diesem Lindenhain, aus dessen Mitte
Der Himmelsbräute frommes Lied geschallt.

Und stürzte auch die Rolandsburg in Trümmer,
Ein Pfeiler blieb, den willig sie vergaß,
Es ist das Fenster, wo im Morgenschimmer
Als Leiche noch der treue Ritter saß.

So wahrt die Zeit selbst liebend noch die Sage,
O Nonnenwerth, die deinen Reiz erhöht,
So pflegt sie an dem morschen Sarkophage
Der Lieb’ ein Lorbeerreis, das nie vergeht.

(aus: Rolands-Album, herausgegeben von Ferdinand Freiligrath, Köln 1840. )

Rolandseck (von August Kopisch)

Von Spanien kam die Kunde, wie jener Held von Stahl,
Roland, gefället worden im Thal von Roncesval.

Da nahm den frommen Schleier die schöne Hildegund,
Gelobte Gott die Seele mit todesbleichem Mund.

Doch bald viel andre Kunde sandt’ aus der grüne Rhein:
Kein Schwert konnt’ ihn besiegen, die Liebe nur allein!

Es ward die schärfste Lanze ihm durch das Herz gerannt,
Als Hildegund, die Schöne, er Gott vermählet fand!

Auf hohem Felsen thät er sich eine Klause baun,
Von da zu ihrem Kloster im Rhein hinab zu schaun.

Da scholl von grüner Insel der Nonnen Sang empor:
Die holde Stimme wähnt’ er zu hören aus dem Chor.

Wie Blumenseim die Biene, sog er den süßen Schmerz.
Bis Minne ihm gebrochen das tapfre Heldenherz.

(aus: Rolands-Album, herausgegeben von Ferdinand Freiligrath, Köln 1840)

Loreley im Regen und Deutsches Eck bei Nacht

Petersberg, Drachenfels,
Rolandseck und Oberwinter,
gegenüber Unkel.
Belgisches Frachtschiff “Pecunia”
flußaufwärts nördlich von Remagen, um 16 Uhr 40.
Bad Breisig rast vorbei (IC 2027).
Bei Strom-km 618 ein grauer
Hanomag-Trecker mit roten Rädern.
Namedy ca. zehn vor fünf. Roter
Barth-Traktor auf der Bundesstraße.
“Hotel Leyscher Hof” in weißen Großlettern
an die Uferbefestigung von Leutesdorf gepinselt.
Turm und Kirche von Andernach lassen sich
soeben erblicken, eh ein Güterzug
auf dem Gleis der Gegenrichtung
dazwischeneilt.
Weizen vor der Stadt Weißenthurm.
RWE-Kraftwerksturm, davor winzig wirkende Bagger.
In die Luft ragende Sand- und Kies-Verarbeitungsbänder
und Sand- und Kiesberge. Gemüsefelder,
gelbe Gleisreparaturfahrzeuge.
In Koblenz Hbf umgestiegen in den
RE 4298, Abfahrt 17 Uhr 26, Dieselzug, der nur sonntags fährt,
via Bingen mit Endhalt in Karlsruhe.
Schlösser am Hang,
Kirchen auf Hügeln,
Burgen auf Hügeln
(In den Tagen des Raubrittertums
mussten die Mädchen um ihre Unschuld fürchten,
umso mehr achteten darauf die Kirchen).
Rhensersprudel. Marksburg mit 3 Schornsteinen dahinter
(Blei- und Silberhütte Braubach).
Stromversorgung von Hausdach zu Hausdach.
Grüne Weinberge,
grüne Hügel,
angegrauter Himmel.
Km 574, der Rhein kurvt
südwärts nach links.
Dann Windräder auf Höhen,
eine Seilbahn am Hang,
kurz vor Boppard, genannt die Perle am Rhein.
“Bitte den Türbereich freigeben, damit wir abfahren können.”
“Einsteigen, bitte!”
“Sehr geehrte Fahrgäste, aufgrund von Kundenverhalten wird
sich unsere Abfahrt verzögern. Wir bitten, dies zu entschuldigen.”
Vor Stadtmauerresten die Bopparder Stadthalle. Tennisclub Rot-weiß.
Rechtsrheinisch ggü. weißgetüncht auf Ufermauer “Hotel/ Cafe Rheinkönig”.
Im Blickbereich Strom-km 567 zwei Burgen auf zwei Hügeln rechtsrheinisch.
Minuten später die Burgen Katz und Maus und Rheinfels.

Ausstieg in St. Goar.
Letzte Rückfahrmöglichkeit nach Koblenz um 00 Uhr 40.
Kurz vor 18 Uhr kreist ein ADAC-Hubschrauber
über St. Goarshausen, landet vor der Kirche.
Außengastronomiegäste in St. Goar filmen es mit ihren Smartphones.
Eine Mutter, ihr Kleines auf dem Arm, erklärt,
was ein Hubschrauber ist.
Der Schaufelraddampfer Goethe, 2013 Hundert Jahre
geworden, legt linksrheinisch an.
Beim Ablegen echoschallt
der schwere Schiffshornton vom Berg über
der Kirche St. Goarshausens wieder.
Vier ergraute ZZ Top-Fans.
“…Sitzplatzkarte übern Comjuter. Dat is jar nich’ jut. Ich hab’n
neues Hüftjelenk und muß mich viel bewegen.”
Drüben hebt der Hubschrauber ab, landet
wenige hundert Meter nördlich auf einer Wiese.
Die Goethe hat auf dem Rhein gedreht und
legt nun auch in St. Goarshausen ab.
Mit der Fähre Loreley VI übergesetzt, wobei man ein
rotes Armband bekommt als Nachweis, dass
die Rückfahrt bereits bezahlt ist (zus. 3,60 €).
Nach der Überfahrt einen vor einem Cafe sitzenden
Herrn gefragt, was los gewesen sei – Hubschrauber.
“Do is aner kollabiert, an der Fähr’.
Wor abä net so schlimm.”
Buslinie 535 Shuttlebus Loreley, wobei man ein zweites,
blaues Armband erhält, zum Nachweis, dass die Rückfahrt
bezahlt ist (in summa 5,50 €).
In den Berg rauf, vorbei an Hermannsmühle, Wasserwerk St. Goar,
ein Schild kündet vom kühlen Grunde.
Zwei Polizeikontrollen, 2 x 2 Streifenwagen, lässig stehen
ältere Beamte und eine Beamtin in der Landschaft.
Schon Western-mäßig.
Oben erstmal zu Fuß zur Felsspitze.
Bei Strom-km 554.
193,14 Meter über Normalnull und
125 Meter über dem Rhein, laut Schild.
Exotisches findet sich vor dem Eingang zur Freilichtbühne:
“Jeju Dolharbang”, von der Stadt Jeju in Korea (wohl Süd-?), welche der
“Region Loreley”, so der Gedenkstein, das “Kultursymbol”
“Dolharbang” schenkt, am 28.11.2009,
zwei steinerne Figuren, ein “Paar” aus
Zivilbeamten und “Militäroffizier”, die
zusammen die “Funktion eines Schutzgottes” hätten,
“der ein Dorf bewacht”. Unterzeichnet vom Bürgermeister in Jeju.
Die Figuren sind auch auf den zweiten Blick identisch.
Zu einem dritten bleibt keine Zeit,
da auf der Bühne Status Quo ihren Auftritt beginnen.
Also rein, um meinen Eindruck von vor 31 Jahren zu überprüfen.
Schon 1986 wippte ich, sechzehnjährig, mit, weil das
bei ihrer Art von Rock`n`Roll kaum zu vermeiden ist,
blieb aber eher beeindruckungsfrei. Ich respektiere sie.
Viele verehren sie.
Mit “Rockin’ all over the world” macht man auch alles richtig.
Gestandene Männer mit grauen Haaren und Halbglatze spielen
beseelt Luftgitarre.
Die jüngere Generation leicht in der Unterzahl.
Eher vereinzelt Mobiltelephone über die Köpfe gereckt
zwecks Videodokumentation.
Smartphonefilmen scheint eine Erinnerungstechnik
der Jüngeren zu sein, bis etwa Mitte 40.
Nicht, dass die Älteren keine Smartphones hätten, der Unterschied:
sie bleiben eher in der Tasche.
Mein Anwesenheitsgrund beginnt
staubtrocken
mit
“She got me under pressure,
she got me under preeesure”.
SWR 1 überträgt / zeichnet auf.
Mehrfach fallen mir dunkelhäutige Damen in
den T-Shirts des texanischen Trios auf.
ZZ Top spielen 12 Songs,
bis es weiter südlich überm Rheintal heftig blitzt.
Natürlich dabei “Gimme all your lovin’”
und “I’m bad, I’m nationwide”.
Irgendwann singt Billy F. Gibbons
“I’m shufflin` in Texas sand, but my head`s in Mississippi
on Loreley”
Gitarrentechniker Elwood Francis kommt als Gastmusiker
mit steel guitar auf die Bühne zu einem Song,
den Gibbons als “real country” ankündigt und als
“back to the real USA”.
(Nach Januar 2017 bedarf das kaum weiterer Worte.
Gerade ja auch wertkonservative Republikaner
hadern mit der Personalie der aktuellen Präsidentschaft.)
Bei “Sharp dressed man”,
es sind um die 15 Songs nun,
rücken die Blitze bedenklich näher.
“Legs” (“She’s my baby, she’s my baaaby”),
mit jeweils in weißen Plüsch gekleideten Bass- und Gitarrenkorpus
geht noch. Dann verschwinden die Musiker hinter
der Bühne, was als das übliche Ritual zwischen Gig und Zugabe
interpretiert werden kann.
Die Light Show imitiert sinnig das Wetterleuchten.
Die meisten wollen more,
nicht wenige strömen ob des einsetzenden Regens zum Ausgang.
Die Zugabe ist, natürlich, “La Grange”.
Allein dafür hat sich die Reise gelohnt.
Die Musiker kommen nicht dazu, sich zu verabschieden.
“Danke, ZZ Top. Sie hätten gern noch mehr gespielt.
Räumt jetzt bitte das Festivalgelände. Es kommt ein bißchen was.
Geht in Eure Fahrzeuge. Es geht um Eure Sicherheit.”
Wer nun automobil- bzw. wohnmobilfrei ist,
hätte gut daran getan, Schirme oder Regenzeug mitzubringen.
Die Schlangen vor den Shuttlebussen triefend nass.
Einer will mir meinen Taschenschirm (dm-Standard) abkaufen.
Für einen mittleren zweistelligen Betrag,
Freundlich lehne ich ab.
Letztlich verläuft alles geordnet.
Da ich Zeit habe (die Anschlusszüge nach Wuppertal
gehen erst morgen früh und ich bin auf eine Nachtwanderung
am Koblenzer Rheinufer eingerichtet),
erstmal raus aus der triefenden Menge.
In der Nähe untergestellt.
Eine auf freundliche Weise alkoholisierte Besuchergruppe
mit deren Smartphone fotografiert.
Einem gut abgefüllten Altrocker mit grauer Mähne
und Rauschebart war aufzuhelfen – er ist mit einer
Bierbank umgekippt.
Einige fliehen in eine Art Almhütte mit Ausschank,
der ob des Ansturms das Bier ausgeht.
Ein Tisch gröhlt los: “Wir lagen vor Madagaskar…”,
ein anderer Tisch stimmt lautstark ein.
Maßkrüge donnern auf Holz.
In die vermutlich viertletzte Shuttlebusfahrt
springe ich gerade noch, bekomme auch
die Fähre nach St. Goar.
Bei Regen nachts übern Fluss gesetzt.
Die Fährleute gelassen:
“Schiebt e bißchen. Mir wolle los.”

Den letzten Zug nach Norden bekommen.
Nachts um halb drei am Deutschen Eck
im Regen und das freiwillig.
Poetischer Reichtum.
Die wahre 1%-Gesellschaft.

(Ein Berichtgedicht von GrIngo Lahr vom 09. Juli 2017, exklusiv für rheinsein.)

Marcel Crépon über Franz Liszts Platane (3)

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(…) Zwei Metro-Stationen entfernt von der Kirche befand sich seine Wohnung, eigentlich ein ehemaliges Zofenzimmer, im fünften Stock gelegen, mit genügend Platz, um keinen wirklichen Platz zu haben, welcher jedoch ausreichte, um sich im Kreis zu drehen. Das eingerahmte Blatt hing über dem Bett, es stammte eindeutig von einer Platane ab. Obwohl die Lichtverhältnisse miserabel waren, sah ich wie der Mann ein Profil von Liszt mit Tusche und Wasserfarbe darauf gezeichnet hatte. Es sah nicht schlecht aus, wenn auch nicht besonders schön. Während wir uns darüber unterhielten, blieb die Frau stumm auf dem Bett sitzen. Dann stand sie auf, näherte sich dem Rahmen, riss ihn plötzlich vom Wand ab und schlug mit der Hand darauf, wobei ihre Ringe als eine Art poing américain dienten und das Glas zerbrachen. Überrascht (ich) und entsetzt (der Mann) blieben wir still und starrten sie an. Sie schaute mit einer Art pathologischem Vergnügen zurück, so als ob sie die Absicht hätte, das braune, getrocknete Blatt zu zerreißen, oder es vielleicht zu verschlucken, um sich dessen Zauber einzuverleiben. Doch weder das eine noch das andere tat sie, sondern sie nahm es an ihren Mund und küsste es. Dann legte sie es auf das Bett und ging. Nun lag es da, von verstaubtem Glas befreit. Vorsichtig, doch fest entschlossen fragte ich um Erlaubnis, es photographieren zu dürfen. Der noch regungslose Mann bejahte mit den Augenlidern. Ich machte einen Aufnahme, und hörte wie er in meinen Rücken flüsterte:

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Dies, das letzte meiner Lieder
ruft dir. Komme wieder, wieder!

In Hochachtung und mit freundlichen Grüßen,
Ihr Marcel Crépon

***

Direkt oder indirekt zitiert :

- Felix Lichnowsky, Die Nonnenzelle
- Franz Liszt, Die Nonnenzelle, S.274/1 (Eck, Köln 1843)
- Jean Cras, Poèmes intimes, Nr. 5: La maison du matin (Eschig, Paris 1912)
- Antoine Mariotte, Kakémonos op. 20, 4 pièces japonaises pour piano, III – Temple au crépuscule (Enoch, Paris 1925)
- Rheinwind – “Le Vent du Rhin”: unter diesem Titel wurde Alcools von Apollinaire in dessen Revue Immorale 1905 angekündigt.

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- Jacques Trochet (Nonenwerth, 9. August 1794), Baptiste Toulié (Nonenwerth, 26. August 1794). In: Charles-Louis Chassin & Léon Hennet, Les volontaires nationaux pendant la Révolution. Historique militaire et états de services des huit premiers bataillons de Paris, levés en 1791 et 1792 (Paris, 1899-1906)
- Günther Prötzies, Studien zur Biographie Franz Liszts und zu ausgewählten seiner Klavierwerke in der Zeit der Jahre 1828-1846 (Bochum, 2004)
- ”Der nach dem mittleren Rheinarm gelegene Rand der Insel trug den stolzen Namen ”Die Schweiz”. Woher der Name kam, ist schwer zu begreifen, denn es war der häßlichste Theil des ganzen Besitzthums: ein sandiges, unebenes Terrain mit ruppigen Birken und Hollergebüsch, das im Sommer stets klebrig und voll Insekten war, und das die Aussicht auf den Rhein und das Gebirge versperrte. Auf der anderen Langseite der Insel, Rolandseck gegenüber, zog sich eine alte Pappelallee hin. Ringsum aber rauschte der Strom, und von den Ufern winkten die Berge mit ihren Ruinen und ihren Landhäusern zu uns herüber.”
Christine von Hoiningen-Huene, Nonnenwerth. Eine rheinische Klosterschule. In: Deutsche Rundschau, Bd. 100, Juli-August-September 1899.
- Franz Liszt und die Gräfin d’Agoult in Nonnenwerth 1841-1842. Aus dem Nachlass Varnhagens von Ense mitgeteilt von Emil Jakobs. In: Die Musik, Halbmonatsschrift mit Bildern und Noten, hrg. von Kapellmeister Bernhard Schuster, October (Berlin und Leipzig 1911-1912).

It was short work to squeeze all the poetry out of this group

The afternoon was lovely, when, passing the conical and castle-crowned steep of Godisberg, we approached the hills, where the road for the first time runs on the immediate borders of the stream. Opposite to us were the Seven mountains, topped by the ruins of the Drachenfels, crag and masonry wearing the appearance of having mouldered together under the slow action of centuries; and, a little in advance, the castle of Rolandseck peered above the wooded rocks on our own side of the river. Two low islands divided the stream, and on one of them stood the capacious buildings of a convent. Every one at all familiar with the traditions of the Rhine, has heard the story of the crusader, who, returning from the wars, found his betrothed a nun in this asylum. It would seem that lies were as rife before the art of printing had been pressed into their service, or newspapers known, as they are to-day, for she had been taught to think him dead or inconstant; it was much the same to her. The castle which overlooked the island was built for his abode, and here the legend is prudently silent. Although one is not bound to believe all he hears; we are all charmed with the images which such tales create, especially when, as in this case, they are aided by visible and tangible objects in the shape of good stone walls. As we trotted along under the brow of the mountain that upholds the ruins of the castle of Charlemagne’s nephew, my eye rested musingly on the silent pile of the convent. “That convent,” I called out to the postilion, “is still inhabited?” “Ja, mein Herr, es ist ein gasthaus.” An inn!—the thing was soon explained. The convent, a community of Benedictines, had been suppressed some fifteen or twenty years, and the buildings had been converted into one of your sentimental taverns. With the closest scrutiny I could not detect a soul near the spot, for junketing in a ruin is my special aversion. A hamlet stood on the bank at no great distance above the island; the postilion grinned when I asked if it would be possible to get horses to this place in the morning, for it saved him a trot all the way to Oberwinter. He promised to send word in the course of the night to the relay above, and the whole affair was arranged in live minutes. The carriage was housed and left under the care of François on the main land, a night sack thrown into a skiff, and in ten minutes we were afloat on the Rhine. Our little bark whirled about in the eddies, and soon touched the upper point of the island.

We found convent, gasthaus, and sentiment, without any pre-occupants. There was not a soul on the island, but the innkeeper, his wife, a child, a cook, a crone who did all sorts of work, and three Prussian soldiers, who were billeted on the house, part of a detachment that we had seen scattered along the road, all the way from Bonn. I do not know which were the most gladdened by the meeting, ourselves or the good people of the place; we at finding anything like retirement in Europe, and they at seeing anything like guests. The man regretted that we had come so late, for a large party had just left him; and we felicitated ourselves that we had not come any sooner, for precisely the same reason. As soon as he comprehended our tastes, he very frankly admitted that every room in the convent was empty. “There is no one, but these, on the island. Not a living being, herr graf” for these people have made a count of me, whether or not. Here then were near two hundred acres, environed by the Rhine, prettily disposed in wood and meadow, absolutely at our mercy. You can readily imagine, with what avidity a party of young Parisiennes profited by their liberty, while I proceeded forthwith to inspect the ladder, and then to inspect the cloisters. Sooth to say, sentiment had a good deal to do with two of the courses of a dinner at Nonnenswerth, for so is the island called. The buildings were spacious, and far from mean; and it was a pleasant thing to promenade in cloisters that had so lately been trodden by holy nuns, and see your dinner preparing in a convent kitchen. I could do no less than open a bottle of “Liebfraumilch” in such a place, but it proved to be a near neighbour to bonny-clabber.

As the evening closed we took possession of our rooms. Our parlour had been that of the lady abbess, and A—— had her bed-chamber. These were spacious rooms and well furnished. The girls were put into the cells, where girls ought never to be put. Jetty had another near them, and, these dispositions made, I sallied forth alone, in quest of a sensation.

The intense heat of the day had engendered a gust. The thunder was muttering among the “seven mountains,” and occasionally a flash of lightning illumined the pitchy darkness of the night. I walked out into the grounds, where the wind was fiercely howling through the trees. A new flash illumined the hills, and I distinctly saw the naked rock of the Drachenfels, with the broken tower tottering on the half-ruined crag, looked fearful and supernatural. By watching a minute, another flash exposed Rolandseck, looking down upon me with melancholy solicitude. Big drops began to patter on the leaves, and, still bent on sensations, I entered the buildings.

The cloisters were gloomy, but I looked into the vast, smoked, and cavern-like kitchen, where the household were consuming the fragments of our dinner. A light shone from the door of a low cell, in a remote corner of the cloisters, and I stole silently to it, secretly hoping it would prove to be a supernatural glimmering above some grave. The three Prussians were eating their cheese-parings and bread, by the light of a tallow candle, seated on a stone floor. It was short work to squeeze all the poetry out of this group.

The storm thickened, and I mounted to the gallery, or the corridor above the cloisters, which communicated with our own rooms. Here I paced back and forth, a moment, in obscurity, until, by means of a flash, I discovered a door, at one extremity of the passage. Bent on adventure, I pushed and it opened. As there were only moments when anything could be seen, I proceeded in utter darkness, using great caution not to fall through a trap. Had it been my happy fortune to be a foundling, who had got his reading and writing “by nature,” I should have expected to return from the adventure a Herzog, at least, if not an Erz-Herzog. Perhaps, by some inexplicable miracle of romance, I might have come forth the lawful issue of Roland and the nun!

As it was, I looked for no more than sensations, of which the hour promised to be fruitful. I had not been a minute in the unknown region, before I found that, if it were not the abode of troubled spirits, it at least was worthy to be so. You will remember that I am not now dealing in fiction, but truth, and that, unlike those who “read when they sing, and sing when they read,” I endeavour to be imaginative in poetry and literal in my facts. I am now dealing strictly with the latter, which I expect will greatly enhance the interest of this adventure.

After taking half-a-dozen steps with extreme caution, I paused a moment, for the whole air appeared to be filled by a clatter, as if ten thousand bats’ wings were striking against glass. This was evidently within the convent, while, without, the wind howled even louder than ever. My hand rested on something, I knew not what. At first I did not even know whether I was in the open air, or not, for I felt the wind, saw large spaces of dim light, and yet could distinguish that something like a vault impended over my head. Presently a vivid flash of lightning removed all doubt. It flickered, seemed extinguished, and flared up again, in a way to let me get some distinct ideas of the locus in quo. I had clearly blundered into the convent chapel; not upon its pavement, which was on a level with the cloisters below, but into an open gallery, that communicated with the apartments of the nuns, and my hand was on the chair of the lady abbess, the only one that remained. The dim light came from the high arched windows, and the bats’ wings were small broken panes rattling in the gale. But I was not alone. By the transient light I saw several grim figures, some kneeling, others with outstretched arms, bloody and seared, and one appeared to be in the confessional. At the sight of these infernal spectres, for they came and went with the successive flashes of the lightning, by a droll chain of ideas, I caught myself shouting, rather than singing—”Ship ahoy! ship ahoy!—what cheer, what cheer?” in a voice loud as the winds. At last, here was a sensation! Half-a-dozen flashes rendered me familiar with the diabolical-looking forms, and as I now knew where to look for them, even their grim countenances were getting to be familiar. At this moment, when I was about to address them in prose, the door by which I had entered the gallery opened slowly, and the withered face of an old woman appeared in a flash. The thunder came next, and the face vanished—”Ship ahoy! ship ahoy!—what cheer, what cheer?” There was another pause—the door once more opened, and the face re-appeared. I gave a deep and loud groan; if you ask me why, I can only say, because it seemed to be wanting to the general effect of the scene and place. The door slammed, the face vanished, and I was alone again with the demons. By this time the gust was over I groped my way out of the gallery, stole through the corridor into my own room, and went to bed. I ought to have had exciting dreams, especially after the Liebfraumilch, but, contrary to all rule, I slept like a postilion in a cock-loft, or a midshipman in the middle watch.

The next morning at breakfast, A—— had a melancholy tale to relate; how the poor old crone, who has already been mentioned, had been frightened by the gust—how she stole to the chapel to mutter a prayer—how she opened the door of the gallery—how she heard strange sounds, and particularly certain groans—how she had dropped the candle—how the door had blown to, and she, miserable woman, had stolen to the bed of her (A——’s) maid, whom she had implored to give her shelter and protection for the night! We went in a body to look at the chapel, after breakfast, and it was admitted all round, that it was well suited to produce a sensation, in a thunder-storm, of a dark night, and that it was no wonder Jetty’s bed-fellow had been frightened. But now everything was calm and peaceful. The glass hung in fragments about the leaden sashes; the chair and prière-dieu of the lady abbess had altogether an innocent and comfortable air, and the images, of which there were several, as horrible as a bungling workman and a bloody imagination could produce, though of a suffering appearance, were really insensible to pain. While we were making this reconnoissance a bugle sounded on the main, and looking out, we saw the Oberwinter postilion coming round the nearest bend in the river. On this hint, we took our leave of the island, not forgetting to apply a little of the universal salve to the bruised spirit of the old woman whose dread of thunder had caused her to pass so comfortless a night.

(aus: James Fenimore Cooper, A residence in France; with an excursion up the Rhine, and a second visit to Switzerland; Paris, 1836)

Rolandseck

In Rolandseck träumte ich auf dem grünen Ufer
Die Nonne Rolands auf der Insel Nonnenwerth
Schien ihr Alter unter den kleinen Mädchen zu verlieren

Die sieben Berge träumten wie Tiere
Endlich müde die legendären Prinzessinnen
zu bewachen
Und träumend wartete ich auf die
rechteckige Fähre

Vom Berge kamen Leute um
den Fluss zu überqueren
Drei Damen mit hannoverschem Akzent
Blätterten grundlos Rosen in den Rhein
Der eine Ader deines so edlen Körpers
zu sein scheint

Auf der mit Schatten befleckten Strasse
am Fluss entlang
Flohen vor Furcht zitternd
Die Autos wie unwürdige Reiter
Während sich auf dem Band des Rheins
Dampfschiffe entfernten

(Guillaume Apollinaire, übertragen von Ernst Meister)

Aufm Drachenfels (2)

Zu den frühen Tatort-Folgen gehörten Anfang der 70er die Fälle des vornamenlosen Zollfahnders Kressin, einer Art Kölner James Bond. Anders als in den heutigen Folgen wurden die Verbrecher damals meist direkt eingeführt und kamen nicht selten ungeschoren davon. Für den Kressin-Fall Tote Taube in der Beethovenstraße (1973), der in Köln, in Bonn, auf dem Drachenfels und am Rolandseck spielt, führte Samuel Fuller Regie. Kressin wird gleich zu Beginn angeschossen und somit aus seiner eigenen Folge gekickt. Zur Musik von Can irrt ein verrückter Mörder namens Charlie Umlaut durch die Gegend (inkl Rosenmontagszug). Die hocheloquente, durchtriebene, emanzipierte Christa steht exemplarisch für eine ganze Reihe kesser Tatortbienen in feinem 70er-Chic. Die Screenshots zeigen Szenen vom Drachenfels, der cooler (samt byronschen Nebelnoten) wohl selten als Filmkulisse genutzt worden sein durfte:

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“Tut mir leid, Verehrteste, ich hab die Eier vergessen.”

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“Es ist Ihnen wohl klar, daß nur ein Amerikaner auf den Gedanken kommen kann, hier zu frühstücken.”

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“Ich habs garnicht gern, wenn dieser wunderbare Fluß von aller Welt zur Kloake Europas erklärt wird, bloß weil Schmutzfinken wie du ihren Abfall reinwerfen!”

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“Wissen Sie, der InDuna war von einer bezwingenden Gastfreundschaft: Hyänenohren und Impalas, Affenzähne und Zibetkatzen – und ein Fernsehapparat.”
“Hahaha! Hat er funktioniert? Ich möchte wetten, das hat er nicht.”
“Hat er auch nicht. Und dann schlug der InDuna sein Assagai gegen ein Ochsenschild. Und in seinem berechtigten Zorn sagte er: da geben sich die Weißen Mühe, die Zivilisation auf den Mond zu tragen, aber für die große Nation Ihrer Exzellenz bestimmt das Tempo des Fortschritts immer noch das Ochsengespann!”
“Ach, das ist also die wundervolle Aussicht, die Sie mir zeigen wollten.”
“Nein, eigentlich sind es mehr die vier Premiers, nicht zu vergessen die acht Botschafter, die neun Kabinettsmitglieder und natürlich der Präsident persönlich… Aber der Blick ist doch wundervoll – oder nicht?”
“Sehr schön!”