Rheingold

Google liefert bald anderthalb Millionen Treffer zum Suchbegriff „Rheingold“, in Kürze wohl sogar noch einen mehr. Zeit, die Quellenlage zu wechseln. Paul Hübner schreibt in seinem Buch Der Rhein – Von den Quellen bis zu den Mündungen: „Im Jahre 1943 stellte ein im Reichsauftrag der „Gesellschaft für Lagerstättenforschung“ eigens für die Goldwäscherei konstruierter Schwimmbagger mit dem bezeichnenden Namen „Rheingold“, der 120 Kubikmeter in der Stunde schaufeln konnte, bei Illingen zwischen Rastatt und Karlsruhe seine Arbeit zur Suche nach Gold aus dem Rhein ein. Die nach Berlin geschickten Schürfberichte gingen im Krieg verloren. Der Erfolg lohnte den Aufwand nicht.“ Ganze 300 Gramm Gold soll Göring auf diese Weise aus dem Fluss erbeutet haben, berichtet an anderer Stelle das Nachrichtenmagazin Focus. So werden Traditionen beschlossen. Das Rheingold hat schließlich in mythische Zeitalter reichende Wurzeln, sowohl jenes, das von früheren Oberrheinern aus dem Strom herausgewaschen, als auch jenes, das von einäugigen Rächern in ihn hineingekippt wurde. So kamen in der sagenhaften Pfalz früher Bergmännlein gern zum Rhein, weil es dort Gold und Silber gab. Wahrscheinlich nachts, denn: „Morgenrot ist Zwergentod“. Das wußten schon (oder: noch?) die Verfasser der Edda. Laut Hübner „beschrieb der Mönch Rogkerus ums Jahr 1100 bereits die Technik des Goldwaschens genauso, wie sie von den letzten Goldwäschern bei Rastatt bis ins 20. Jahrhundert geübt wurde. Der letzte oberrheinische Goldwäscher starb 1944. (Nun, vielleicht auch nur der vorerst letzte, Anm. des Lesers.) Rogkerus schildert, wie der goldhaltige Sand auf Holztafeln übergossen wird, damit der Sand weggeschwemmt, und das schwere Gold, das von Quecksilber aufgesogen wird, übrigbleibt. Selbst die Darstellung des Schmelzens des so gewonnenen Rheingolds entspricht in den Einzelheiten dem bei den badischen Goldwäschern angewandten Verfahren.“ Ob der Fluß auch den Nibelungenhort feingerieben und der Sonne zugewaschen hat? Oder wo steckt der? Eine Quelle geht davon aus: im Loreleyfels, der, bevor er durch einen Bergsturz sein elbisches Echo verlor, hohl und von Felselben bewohnt war. Müßte wohl gesprengt werden, der Fels, um das rauszufinden. Oder liegt der Schatz weitab des heutigen Stromverlaufs unter rheinhessischer bzw. rheinpfälzischer Erde? Da wäre viel Platz zum Probebohren. Vielleicht hocken da unten auch noch ein paar antike Fabelwesen, grimmige, schatzbeschützende, mit reißenden Fängen? Die man mal zutage fördern könnte. Oder ist der Nibelungenhort längst ins Prägegold eingegangen, als hintergründig waberndes Gegengewicht zu all dem Papier, mit dem wir heute vordergründig bezahlen?