Das blaue Wunder: Ernst Bromeis schwimmt durch den Rhein (2)

Auch im fortgeschrittenen Jahr 2012 nach Christi Geburt (falls diese Rechnung denn stimmt) dürfen wir dem großen imaginären Fragesteller, der die Themen der Zeit aufwirft und kritisch beäugt, auf sein Begehr zu wissen, ob es einem Erdenbürger möglich sei, den Rhein von der Quelle bis zur Mündung zu durchschwimmen, mit gutem Gewissen antworten, daß a) die Frage einen Tick zu unpräzise gestellt sei und b) wie auch immer, ein solcher Mensch vermutlich erst noch geboren werden müsse.

Probiert hat es dieser Tage einer der Unsrigen, Ernst Bromeis (wir berichteten), und er ist immer noch dabei, obgleich seine Ankündigung im Grunde vom ersten Tag an als verfehlt angesehen werden darf. Trotz Hilfsmitteln wie Neopren- und sonstigen Spezialanzügen wie dem Hydrospeed, trotz Lotsendienst eines vorausfahrenden Kajaks, ist der Wildheit, der Kälte, den Launen des Rheins vor allem in seinen jungen Regionen allein mit Schwimmen (noch) nicht beizukommen. Ernst Bromeis (bzw ein Schreiber aus seinem Team) gibt das in seinem Begleitblog zur Aktion auch offen zu.

Kaum jemand dürfte ernsthaft erwartet haben, daß Bromeis z.B. den Rheinfall hinab schwimmt. Zwar existieren im Internet Beweisvideos von Kajakfahrern, die dieses Wagnis in ihren schützenden Bootsschalen angingen und vor Freude und/oder Furcht schreiend in den Weißschaum hinabstürzten, doch ist das Befahren des Rheinfalls sowohl ein Grenzfall für die menschliche Vernunft, als auch schweizseits verboten – etwaigen Delinquenten drohen bei Überleben empfindliche Geldbußen.

Über Geldbußen für Schwimmer wissen wir nichts, Bromeis jedenfalls schwamm den Rheinfall nicht hinab. Die Überlegung, sich stattdessen über den Fels abzuseilen, wurde laut Blog vom Wasserstand davongetragen. Bromeis und sein Team unternahmen stattdessen, was in der Sprache der Kajakfahrer „umsetzen“ heißt. Sie stiegen aus dem Fluß und umgingen das Hindernis.

Die Probleme für das Gesamtunterfangen bestanden in den vergangenen Tagen laut Blog aber vor allem in der für Mai deutlich zu niedrigen Wassertemperatur. Mehrmals stieg Ernst Bromeis aus dem Wasser und setzte seine Rheinaktion im Kajak fort. (Eine Liechtensteiner rheinsein-Späherin konnte Bromeis bei Wind und Wetter überhaupt garnicht ausmachen, dafür aber zwei Biber.) Als Juri Gagarin, oder treffender, aber trauriger: Roald Amundsen des Rheinschwimmens wird der Bündner damit kaum in die Annalen eingehen. Auch wenn das Rekordziel nicht aufrechterhalten werden kann: die Schwimmtour soll fortgesetzt werden. So werden wir bis Rotterdam wohl noch einige rheinische Eindrücke aus Schwimmersicht erhalten. Was ja nicht gerade wenig wäre. rheinsein wünscht Ernst Bromeis gutes Durchkommen (ob er bei den Schleusen die Fischtreppen nutzen darf?) und bessere Wassertemperaturen (die Industrie ist nicht mehr fern)!