Rheinmündung bei Katwijk (2)

Kurz vor der Mündung schlägt der Rhein einen festen Schaum, als bilde er kleine, verfliegende Erinnerungsspeicher für seine gischtenden Träume, die Stürze seiner alpinen Kindheit, jugendliche Jagden, gelegentliches Strudeln und Gurgeln im reiferen Stadium, schließlich das unspektakuläre, sich ein wenig plusternde Rauschen beim Übergang in den anbrandenden Ring des Wasserkreislaufs.

Geisterhaft ziehen Sandwehen über den Strand. Zwischen Strandwüste und Meer entfernt sich ein Paar, als wollte es auf Basis einer wilden novembrischen Zweisamkeitsstrategie in der verschwindenden Grenzlinie aufgehen.

Über den Strand tollt eine größere Gruppe Hunde, von einer einzelnen Spaziergängerin ausgeführt. Drei der Tiere legen einen Tennisball vor unseren Füßen nieder, im folgenden eine dutzendfach sich wiederholende Aufforderung zum Fußball, bei dem einer der Hunde sich als genialer Keeper erweist, bis die drei bemerken, daß Frauchen und Hundekollegen in der Ferne schon ganz verdunstet wirken. Dann und wann spuckt die Silhouette von Noordwijk eine Möwe aus. Die Möwen besitzen anscheinend ihre eigene Dimension. Sie vermögen sich der Körnung des Sandes und der Luft zu assimilieren. Über dem Wasser zeigen sie exzellente Meeresbeherrschung. Tout disparaitra, alles wird verschwinden, heißt es in dem bekannten Lied “Le vent nous portera” von Noir Désir, das die Rheinmündung in unserem Kopf musikalisch illustriert.

Rheinmündung bei Katwijk

Die letzten Meter der kanalisierten Rheinmündung bei Katwijk trägt auch die nebenher verlaufende Straße den Namen Rijnmond.

Im Kanalbecken haben sich Sandstrände abgelagert, die Austernfischer und Möwen anziehen. Im Vergleich zur Mündung bei Rotterdam bildet die Entwässerung des Oude Rijn in die Nordsee nur ein Rinnsal.

Am Ende markieren ein paar aus dem Wasser ragende Steinbrocken den Übergang vom Fluß ins Meer. Dohlen und Möwen sind die letzten Rheinbewohner. Abwechselnd suchen sie nach Nahrung oder genießen den Ausblick auf die wallende See.