Monsieur Crépon auf den Spuren von Victor Hugo

Es sind die schweren letzten Tage des Winters, die uns melancholisch stimmen, in denen die stetig wachsende Zahl unserer Toten im Bewußtsein rumort und wir uns fragen, wo die eine oder der andere Weggefährtin/Weggefährte abgeblieben sein mag. Mit den Februarblumen, die nichts als den März im Sinn haben, brechen zugleich die Pioniere des Frühlings aus der Erde, entstehen über Nacht verletzliche Krokuskolonien in den Parks, entlang grauer Hauptstraßen prozessieren bündelweise Osterglocken und künden Jesu Passion, die Bäume bilden baumelnde Primeln, ein fragiler Aufbruch, in den hinein datenstarke Post von Marcel Crépon uns erreicht, der zuletzt im elsässischen Rhinau für rheinsein auf Spurensuche sich begeben hatte, dann undercover ging, und nun mitten aus Paris sich mit erstaunlichen Erkenntnissen zurückmeldet, die wir in fünf Teilen voller Wunder und gelüfteter Geheimnisse präsentieren dürfen:

Liebes rheinsein,

“… mein Arm war sozusagen gelähmt, und mein Wille ohnmächtig, weder ihn, noch meine Hand oder einen Finger zu bewegen; dann bekam ich den Eindruck, jemand würde meinen Arm in Bewegung setzen, und gleich mit welcher Geschwindigkeit er agierte, konnte ich ihn daran nicht hindern. [...] Da diese Bewegungen denen des Schreibens ähnelten, holte meine Frau Papier und Stift [...], dann beruhigte sich meine Hand und zu unserem Erstaunen fing sie mit Schreibübungen an [...], erst waren es Striche, dann Pfosten… usw.” So in etwa schilderte einer Ihrer Landsleute (1) seine erste Erfahrung mit seiner Mediumnität, so beschrieb Mr. Prason fast mit den gleichen Worten seine Begegnung mit dem Rhein Hugos. Wie ich Mr. Prason traf, und was dann geschah, erzähle ich Ihnen nun.

Es fing beim “Ägypter” an, ein Buchantiquariat mitten in einer Betonwüste. Die Kundschaft ließe sich als “äußerst zurückhaltend” bezeichen. Wie konnte der “Ägypter” da überleben? Wie kam er, bzw. wie kamen die Einwohner auf seinen Spitznamen? Mit Edmund Purdom hatte er kaum Ähnlichkeit, eher sah er wie Georges Moustaki aus, vielleicht deshalb? Vielleicht waren es die Bücher, die die Wände tapezierten und dem Laden das Aussehen einen Grabkammer verliehen? Lange dachte ich, die Leute würden Regale mit Büchern füllen, um ihre Wohnzimmer zu isolieren, doch stellte ich beim “Ägypter” fest, daß dies nicht immer der Fall ist. Die kalorische Eigenschaft der Meisterwerke glich Null, es herrschte dort Winter wie Sommer eisige Kälte. Ein zweites Zimmer gab es im Keller, MILP (2) genannt. Dort stapelte sich in Kartons, Kisten, auf verstaubten Regalen ein Durcheinander an Gedrucktem. Das Chaos vor dem Chaos nach dem Chaos. Bloße, zusammengebundene geistige Papiertücher, wie der “Ägypter” giftete: kaum gelesen, schon weggeworfen und vergessen. Oder, betrachtete man das Hirn als Ausscheidungsorgan: reines, mehrlagiges, beschmiertes Klopapier. Nach Fäulnis leicht duftend verschwanden dort langsam die Früchte des Schreibens im Zeitalter seiner krebsartigen, endlosen Ausbreitung. In dieser Welt gab es nichts, worüber kein Wort verloren wurde, und nichts wurde niedergeschrieben, ohne ausgiebig schriftlich kommentiert zu werden.

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Vom gleichgültigen Blick des “Ägypters” verfolgt besuchte ich ab und an diesen Unort. In einer Ecke wußte ich einen Turm aus alten Ausgaben des JORF (3), den ich all zu gern durchblätterte, auf der Suche nach Perlen wie dieser:

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Die Zeiten in Rhinau sind mir unvergesslich geblieben, doch einen Ort, an dem ich schon einmal war, kann ich unmöglich ein zweites Mal besuchen. Ob es mit Instinkt oder mit mir unbekannten geomagnetischen Kräften zu tun hat? Auf jeden Fall ist es eine Art Fluch. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Rheinwasser, welches in der Nordsee verschwindet, irgendwann erneut im Tomasee fließen wird, ist zweifellos höher als die Wahrscheinlichkeit, daß ich Rhinau je wiedersehen werde. Aber die gute Frau Graff, wie hätte sie der Forderung gerecht werden können? Sie hätte ja eine Zeitreise vollbringen müssen, um vor Gericht erscheinen zu können und somit zu beweisen, daß sie zwar verschwunden, doch nicht verstorben war. Vor allem hätte sie erst die Anzeige lesen müssen… Meine Entdeckung ließ den “Ägypter” unberührt. Aus einem Lautsprecher mit parkinsonschem Innenleben zitterte und vibrierte eine Stimme mit viel Pathos und genauso vielen Aussetzern: “… silence du soir, … noir, … pour l’oreille … l’âme … de cette ombre disant … les eaux, … plaines … pleines …, dès que tout se tait, tout commence à parler.” (4)

- Meine Lieblingssendung: 7 um 11, also 7 Gedichte um 11 Uhr. Was Sie gerade hören, auch das was von Parasiten gefressen wird, stammt von Hugo, Victor.
- Hätte ich nicht erkannt, habe ihn auch kaum praktiziert.
- Kann man, muß man nicht, wie eine Nachbarin sagt. Er ist aber schwer zu vermeiden.
- Ich kann es. Was Poesie angeht, komme ich ganz gut damit (ich ließ die JORF-Seiten flattern) aus, dazu eine kleine wissenschaftliche Abhandlung und dabei versuchen, das Vornehmste zu begreifen, das übrige respektvoll beiseite zu lassen und über das restliche wohlwollend zu lächeln. Zur Zeit befasse ich mich mit Alfred Wegener, denn mich interessiert die Frage, ob die Kontinentaldrift auf den Gedanken zu übertragen wäre. (Fortsetzung folgt)

***

(1) B. Cyriax, Wie ich ein Spiritualist geworden bin (Leipzig 1893). In: Gabriel Delanne, Le phénomène spirite (Paris, 1897).
(2) Mein Index librorum prohibitorum.
(3) Journal Officiel de la République Française.
(4) V. Hugo, Oeuvres complètes: Océan – Tas de pierres (Posth.)

Monsieur Crépon erkundet das Elsaß (7)

” (…) – ”Ah, da haben die Kerle sich was ganz feines, einmal etwas wirklich richtig Originelles ausgedacht: einen hochwertigen Foto-Abzug der List-Fabrik (21) (den höchstwahrscheinlich der Neffe Bènes mit seinem Computer frisiert hat).

fabrikList-Fabrik im Farbenspiel

Sicher ist Ihnen das Gebäude aufgefallen? Von der Rue de Boofzheim ist es nicht zu verfehlen. Die Fabrik wurde im Bauhaus-Stil gebaut, wissen Sie? Eine schöne Abwechslung jedenfalls gegenüber der üblichen ”Mariensäule am Rhein”-Trophäe, von denen ich schon vier Stück habe…“

Grians und Emmele standen plötzlich auf. „Gleicht fängt das Spiel an“, sagte er.
- Das Spiel? Wer spielt?
- Der FCR, 2, natürlich…
- Gegen wen?
- Das weiß ich nicht. Gegen die erste Mannschaft vielleicht? Das kommt schon vor…

Frau Grians ihrerseits kündigte an, sie müsse „auf Streife zum Friedhof gehen“. Auf meine Frage, ob die dort Liegenden bedroht wären, antwortete sie: „Nicht die Toten! Wir sind bedroht!“ Tigermücken würden nämlich gerne ihre Eier auf Friedhöfen ablegen. „Nicht am Rhein?“ – „Von wegen! Das verfaulte, stinkende Wasser in den Blumentöpfen ist für ihre Brutstätten viel geeigneter. Verstehen Sie? Also nein, die Toten haben wirklich nichts zu befürchten, oder jedenfalls mehr von den Lebenden als von diesem Denguefieber (22)!”. Emmele ging also sozusagen auf Mückensafari… Und auch ich machte mich auf den Weg. Links vorm Eingangsportal des Friedhofs stand ein Schild “Parcours de Santé” (23), dessen verheißungsvoller Richtung ich nun folgte. Er führte zuerst den Friedhof, dann an Bäumen, Gräsern, Häusern entlang, immer geradeaus bis zum Rhein, der irgendwo hinter Gehölzen und Gebüsch versteckt, also unsichtbar, dahinfloß.

Nun, liebes Rheinsein, hier endet mein Bericht.
In Hochachtung und mit freundlichen Grüßen,
Ihr Marcel Crépon.”

(21) “Mit einem anderen wichtigen Bau kommt auch das während des Dritten Reichs aus der repräsentativen Architektur verbannte Lager der modernen Architekten ins Spiel. Vollständig erhalten ist ein Fabrikgebäude in Rheinau (Rhinau) bei Straßburg, das ab 1941 für ein Werk der Berliner Firma “Heinrich List” für die Produktion von elektrotechnischen Ausrüstung für
Flugzeuge errichtet wurde. Entwurf und Ausführung lagen bei Ernst Neufert, dem einstigen Bauhaus-Schuler und früheren Bürochef von Walter Gropius in Dessau. Neufert galt seit der ersten Auflage der 1936 zuerst publizierten, heute weltweit verbreiteten Bauentwurfslehre als der führende Fachmann für alle Frage der Normung in der Architektur. So ist es kein Zufall, dass Neufert den Bau in Rheinau als Muster eines umfassenden Normungssystems konzipierte, das von ihm zur gleichen Zeit mit ausdrücklicher Rückendeckung von Hitler und Speer vorangetrieben wurde. Dessen Grundlage war der sogenannte Oktameter, eine Maßordnung auf der Basis einer Teilung des Meters nicht durch zehn sondern durch acht, die bestimmte Vorteile für die Baupraxis hatte, besonders für die Vorfertigung und für den sparsamen Umgang mit Baumaterial, was während des Krieges von
großer Bedeutung war. Im Grundrissraster und in sämtlichen Details der dreigeschossigen Fabrik in Rheinau ist dieser Oktameter wieder zu finden. In Neuferts wichtigstem theoretischen Werk, der Bauordnungslehre von 1943, ist die Fabrik anonym beschrieben und abgebildet, als Beispiel, wie der künftige Industriebau zu entwickeln war. Die Neufert’schen Maße sind dann
in zwei Stufen 1942 und 1950 DIN-Norm geworden, und damit ist Rheinau immerhin nichts weniger als der Prototyp für die “Maßordnung im Hochbau”, die den westdeutschen Wiederaufbau begleitete (DIN 4171 und 4172)“ (Wolfgang Voigt, Von der Hitlerskizze zur “Neuordnung” und zum ersten Wiederaufbau. Deutsche Planungen und Bauten im annektierten Elsass 1940-1944. In: Tilman Harlander, Wolfgang Pyta (Hrsg.) NS-Architektur: Macht und Symbolpolitik, Kultur und Technik Band 19 (Berlin, 2010))
(22) Emmele prononzierte „dingue“: „bekloppt“
(23) Trimmpfad

Monsieur Crépon erkundet das Elsaß (5)

abb06Schàrel Grians: Le cours du Rhin / Der Rheinlauf

“(…) Die Idee war, dieses ”Stück” der Muttererde einzudrücken und die damit erzeugten kleinen Gräben mit Rheinwasser zu füllen. Doch billig war das nicht zu bekommen. Also überlegte Grians sich etwas anderes. Zunächst dachte er daran, den Rheinlauf aus einem Brett herauszuschneiden, doch versagte seine Stichsäge, gefolgt von seiner Geduld, als er sich wohl oder übel mit Hammer und Beitel ans Holz machte. Zuguterletzt sah er keine andere Lösung, als seine Zeichnung neu zu skalieren und mit einer Gartenschaufel in den Boden zu graben. Als seine Frau spitz bekam, daß Schàrel mit seiner Kreativität den Garten zu verstümmeln drohte, widersetzte sie sich vehement – der Garten war ihr Gebiet.

Der Garten! Eine größtenteils mit Unkraut bedeckte Ödnis, den sie von ihrem Ur-Großvater (ja, der, der so angeekelt war von diesem Stück undankbarer Erde, daß er sich als Goldwäscher in der Gegend versuchte, und die paar Francs die er damit verdiente, versoff wie ein ungläubiger Bürgermeister (9)), geerbte hatte, und der höchstens ungenießbare Kartoffeln ausspuckte… Ein Vorwurf, den Madame Grians schlagartig konterte: ihre Ahnen hätten wenigstens den Rhein gesichtet, anders als die seinen (10), die nie über die Tränke ihrer Kühe hinausgeschaut hätten…

Er: Und wer schoß im Sumpf wie’n wilder Bischof Biber, Otter und Schwäne (11), um sie auf dem Markt als Stallkaninchen oder Huhn zu verkaufen, wenn nicht dein Großvater?
Sie: Und wer denunzierte Maillet? Wie ist Maier im Knast gelandet? (12)
Er: Und wer behauptete, den Platz zu kennen, an dem der duc d’Enghien (13) am Rheinufer gesessen hatte, schmerzerfüllt in Tränen ausbrach, und nichtsdestotrotz stoisch urinierte? Wer ließ die verblüfften Touristen zahlen, damit sie sich vor zwei vergilbten Binsen verbeugen könnten?
Sie: Und hinter welcher Tapete (14) hat deine Tante ihre Jungfräulichkeit verloren?
Er: Und wer klaute die Steine der Befestigungsanlage (15), nachdem sie abgebrochen worden war?
Sie: Und wer drohte, sich von der Brücke (16) in den Rhein zu stürzen, weil seine Frau es mit dem Gehilfen des Consumgeschäfts (17) und sonst wem trieb?
Er: Und wer machte krumme Geschäfte mit Rohan (18)?
Sie: Und wer warnte 1870 die Preußen (19)?
Er: Und wie viel habt ihr 1938 kassiert, als ihr eure Grundstücke am anderen Ufer freiwillig an Kuhn (20) verkauft habt?

emmaseimerLes seaux d’Emmele / Emmeles Eimer

Danach kam nichts mehr. Diese Beleidigung war wirklich nicht zu überbieten. Einen Augenblick fürchtete ich, daß beide aufeinander losgehen würden, um sich gegenseitig zu erwürgen. Doch stattdessen brachen sie in Gelächter aus, und Grians erzählte ruhig weiter. Er hatte Emmele versprochen, das benötigte Wasser mit einigen ihrer ”Eimerchen“ zu schöpfen; davon geschmeichelt hatte sie ihre Zustimmung erteilt. (…)” (Fortsetzung folgt)

(9) “Werde ich angeklagt dass ich am Palmsonntag sie grob bengell und knoepff gescholten ; antworte ich, nit der gestalt, sondern faule geselle, habe ich sie geheisssen, weillen der burgermeister und andre auss dem rath auff den heiligen ostersambstag bitz umb 11 uhren in der nacht gesoffen.” (Der streitbare Pfarrer Nicolas Puetz im Jahre 1625 nach: Rodolphe Reuss, L’Alsace au dix-septième siècle : au point de vue géographique, historique, administratif, économique, social, intellectuel et religieux, Tome 2 (Paris, 1897-1898))
(10) “Le Rhin est certes une frontière naturelle, le plus incontestablement. Mais il ne l’est pas plus qu’aucun autre obstacle naturel. Un obstacle est une frontière ou non suivant le degré de mobilité humaine. Une limite toute de convention est au contraire une très bonne frontière, si le consentement mutuel, qui l’admet comme tel est sincère. Le Rhin n’a pas, dans la plaine rhénane, la figure linéaire impérieuse, qu’on lui voit sur les cartes à petites échelles. Il s’y cache sous des taillis. En Alsace, on ne le voit presque jamais. Rhinau doit peut-être son nom à une interruption forfuite des taillis, qui laisse entrevoir le fleuve ordinairement dissimulé. Nous avons rencontré de vieux Alsaciens demeurés en Alsace, qui n’avaient jamais vu le Rhin…” (Jean M. Tourneur-Aumont, L’Alsace et l’Alemanie : origine et place de la tradition germanique dans la civilisation alsacienne : études de géographie historique (Nancy-Paris-Strasbourg, 1919))
(11) ”Du temps d’Ichtersheim, qui écrivait en 1710, les grandes îles boisées du Rhin entre Rhinau et Strasbourg contenaient encore beaucoup de castors ; l’évêque et ses chanoines prenaient plaisir à les chasser en même temps que les loutres, les bêtes noires, les cygnes sauvages et les oiseaux aquatiques.” (Charles Gérard, Essai d’une faune historique des mammifères sauvages de l’Alsace (Colmar, 1871))
(12) ”Bulletin de l’étranger (Dépêches Havas et renseignement particuliers) Alsace-Lorraine. „Le tribunal de Strasbourg a, dans son audience du 23 mars, condamné à deux mois de prison Georges Maillet, jardinier à Rhinau, qui avait tenu publiquement des propos offensants à l’adresse de l’empereur d’Allemagne. Joseph Maier, originaire de Wurtemberg cordonnier à Strasbourg, a été condamné à trois mois de prison pour avoir commis le même délit.” (Le Temps 29 mars 1889)
(13) “Embarqué pour Rhisnau. Débarqué et marché à pied jusqu’à Pfortsheim.” (dans : François-René de Chateaubriand, Mémoires d’outre-tombe, 1849-1850) – von einem längeren Aufenthalt in Rhinau ist also nicht die Rede, geschweige denn von melodramatischem Tränenvergießen!
(14) Madame Grians kennt ihre Klassiker, wenngleich ihre Interpretation des goetheschen Entzückens vor den Tapeten, welche dereinst den Pavillon Marie-Antoinettes auf einer Insel bei Rhinau dekorierten, als sehr eigen bezeichnet werden darf
(15) ”(1421, Zug vor Rheinau.) – Danach zogen die von Strassburg vor Rheinau, und schossen die mauer zum sturm, dass ihrer wohl 40 hinein konnten. Den andern abend wollten sie stürmen, hielten aber keine rechte ordnung ; es wurden viel erschlagen, und ein Wormser im graben gefangen. Den andern tag zogen sie unverrichtet wieder heim.“ (Daniel Specklin)
(16) Frau Grians übertreibt wohl, wo sie von “stürzen” spricht, siehe Abbildung:
abb07(17) Bis zum Ersten Weltkrieg existierten in Rhinau mindestens zwei Consumgeschäfte: Flecher und Röttelé. Welches hier gemeint ist, bleibt unklar.
(18) „Au général Clarke, L’hospice civile de Rhinau, département du Bas-Rhin, possède, citoyen général, en propriété sur la rive droite du Rhin, ban de Rouenweyer, au cercle de Souabe, 83 arpens et 3/4 de terres labourables, et 4 arpens de prairie, outre une redevance annuelle et foncière de quarante-huit réseaux de seigle, due par la commune de Rouenweyer. Le cardinal de Rohan s’est emparé, depuis la guerre, de la jouissance destites terres et rentes : il s’en prétend même propriétaire. Il est essentiel que l’hospice civil de Rhinau rentre dans ses biens, et même qu’il soit indemnisé de la perte qu’il a soufferte depuis que le cardinal de Rohan s’en est emparé. Il importe que ces articles ne soient point oubliés dans le traité de paix à intervenir avec l’Empire. Je les recommande, citoyen général, à votre intention. Ch. Mau. Talleyrand” (Dans : Correspondance inédite, officielle et confidentielle de Napoléon Bonaparte avec les cours étrangères, les princes, les ministres et les généraux français et étrangers, en Italie, en Allemagne et en Egypte. Tome VII (Paris, 1820))
(19) “Le même jour [18 août], le maire de Rhinau recevait l’ordre de rétablir l’ancien bac. Ce magistrat, aussitôt dénoncé au commandant supérieur de Neuf-Brisach pour s’être concerté avec le bourgmestre badois de Kappel, vint se justifier auprès du sous-préfet de Schlestadt qui le retint quelques jours [Il était impossible de rendre ce magistrat responsable d’une situation qui était le fait des circonstances plus que de sa faiblesse]. Pendant sa détention, le bac était rétabli, sans résistance de la part des habitants ; placé sous la garde d’un faible poste prussien, il recommença à fonctionner le 25. (…)” (La Guerre de 1870-71 (Paris, 1901-1914) Vol. 30 : Organisation et opérations des forces de seconde ligne dans l’Est avant le 4 septembre 1870 (1908))
(20) ”En dépit des traités. Le Reich exproprie des terrains appartenant à la commune de Rhinau (Bas-Rhin) pour édifier des fortifications. Strasbourg, 5 juillet. – Demain à midi, se tiendra à la mairie de Kappel (Pays de Bade), une séance au cours de laquelle le conseiller d’intendance Kuhn, de Berlin, prendra les premières mesures devant aboutir à l’expropriation de la commune française de Rhinau (Bas-Rhin). Depuis un siècle, cette commune possède un millier d’hectares sur la rive droite du Rhin. La possession de ces terrains communaux était garantie par le traité de paix et un accord spécial du 14 août 1925. Le conseiller d’intendance Kuhn a avisé le maire de Rhinau que l’expropriation va se faire à la requête du fisc militaire allemand, afin d’y édifier des fortifications. Le maire français, invité à se rendre à Kappel, a décliné l’invitation. L’Allemagne considère l’accord d’août 1925 comme nul et non avenu. Elle le dénonce, elle le suprime purement et simplement, en se réclamant d’une loi du 29 mars 1935 concernant l‘”acquisition de terrains dans un but de défense nationale.” (L’Echo d’Alger : le 6 juillet 1938 (N°10196))

Monsieur Crépon erkundet das Elsaß (3)

“(…) Da ich in Rhinau eigentlich nur auf Durchreise war, hatte ich zuerst getan, was ich für gewöhnlich in mir unbekannten Städten unternehme, wenn ich etwas Zeit mitbringe: ich suchte nach dem Bahnhof. In einem derart kleinen Ort solch ein Gebäude zu errichten hatte man in Rhinau allerdings für unnötig befunden, wiewohl, wie mir eine ältere Dame später erzählte, es einst eine Straßenbahnlinie gegeben hätte, bzw. eine Abzweigung zur Hauptlinie Straßburg-Marckolsheim. Da war zuerst, erinnerte sich die Dame, eine Pferdebahn im Dienst, wissen Sie, dann wurde modernisiert… der Dr. Pétin aus Paris kam ins Hôtel du Lion (1), alle die an Bruchleiden litten wurden geheilt; und dann war da noch dieser Wagen, der auf einmal alleine los fuhr (2), und nach all den Kriegen, all den Jahren, all den Tagen, war es damit aus… alles wurde im Brand gesetzt (3). Daraufhin versank meine Gesprächspartnerin in einem schwarzen Gedächtnisloch. Mangels einer Bahnhofshalle hatte ich mich in das Foyer des lokalen Altersheims begeben.

grußkarteRheinau: “Zum Löwen”, Hauptstraße mit Kirche

moulinRhinau: Moulin

bruchleiden copyAnkündigung methodischer Bruchleidenheilung (Le Juif, n° 43, 12 novembre 1920)

Sie sollen nämlich wissen: ich halte mich gerne in Wartesälen auf, in Bahnhöfen, bei Ärzten. Krankenhaus-Cafeterien läßt sich ein ganz eigener Charme zuschreiben. Zwar wäre den dort servierten Kaffee als “köstlich” zu bewerten schwer übertrieben, gewiß – dafür handelt es sich meistens um ausgesprochen ruhige Orte. Mit Hilfe kurzsilbiger Berichte von Krankheitsverläufen, monotoner Auflistungen von Heilungsversprechen, Austauschmöglichkeiten über unschlagbare neue Therapien, wirkungsvolle Wunder, unter häufigem verständnisvollen Kopfwiegen vergessen Patienten und deren Besucher gerne ihre Lektüre. Tageszeitungen liegen leicht zugänglich herum, am liebsten sind mir die Regionalausgaben. Um von den Schlagzeilen des Weltgeschehens noch beeindruckt zu werden bin ich zu alt, doch andererseits zu jung, um mich geistig von Todesanzeigen zu nähren. Vermischte Meldungen hingegen sind wahres Gold!

Jetzt außer Reichweite gelangt, hatte meine Informantin leider keine Zeitung bei sich getragen. Ich suchte nach einer anderen Quelle, und erblickte einen schläfrigen Greis. Durch das Schattenspiel der Gardinen auf seinem Anzug ähnelte er einem verirrten, vor Kälte erstarrten Exemplar larinus scolymi, ein Coleoptera-Art, welche im Mittelmeerraum bis Nord-Afrika beheimatet ist – wie Sie jedoch wissen, profitieren auch Tiere vom Expandieren des internationalen Verkehrs.

coleopter

Mein Interesse an dem Mann galt aber vor allem der Zeitung, welche er auf seinem Schoß mit beiden Händen festhielt, und die auf der Kontaktanzeigen-Seite aufgeschlagen geblieben war. Zwischen Fotos lächelnder, vereinsamter Seelen, die ich nur verkehrt herum sehen konnte, bemerkte ich ein Fragment : ”… ma Rhin”. Vorsichtig zog ich an der Zeitung, doch der Versuch, sie mir anzueignen, schlug fehl. Was immer diese Finger im echten Leben nicht mehr fest zu halten vermochten – im Schlaf machten sie ihre Sache recht gut. Immerhin erkannte ich nun, daß das Fragment im Ganzen „Et ma Rhin“ hieß und der Titel eines Kunstwerks war, das einen Preis gewonnen hatte. Die Meldung war kurz und unlesbar, doch von einer, leider halb vom Ärmel des Schlafenden bedeckten, grob gerasterten, schwarz-weißen (eigentlich mehr grautönigen) Abbildung begleitet.

feldTypisches Maisfeld wie bei Rhinau anzutreffen (Symbolbild)

Aus verschiedenen hügelähnlichen Frisuren ragte ein Arm, dessen Hand etwas eingerollt hielt. „Et ma Rhin“ hatte meine Neugier geweckt, und wohl wissend, daß Sie ebenfalls an dieser Sache interessiert sein dürften, entschied ich mich ihr nachzugehen. Ein PMU (4) war schnell gefunden. Zwei Minuten später erfuhr ich, daß die Preisverleihung, bei der das Werk gewonnen hatte, eine Veranstaltung des Comité des Arts Vrais (5) gewesen war, und der Preisträger Schàrel Grians hieß. Ihn zu treffen war einfach. Mit seiner Frau, Emmele, wohnte er etwas außerhalb der Gemeinde. Sie waren in der Gegend die einzigen Personen mit diesem Nachnamen. Sie wohnten im einzigen Haus, das ich am Rande der Ortschaft finden konnte; es stand inmitten von Maisfeldern, die es zu bewachen schien. (…)” (Fortsetzung folgt)

(1) Am ”Hôtel du Lion”, oder ”Restaurant au Lion”, hielt übrigens die Straßenbahn an.
(2) ”Tremblement de Terre – Dans la soirée du 11 juin, entre neuf et dix heures, un tremblement de terre a été ressenti à Strasbourg, à Erstein, à Geispolsheim, à Rhinau. L’oscillation a duré à peu près trois secondes. A Rhinau, un wagon de tramway qui se trouvait sur la voie s’est mis en mouvement.“ (Le Petit Parisien, 16 juin 1887, n° 3883) – so alt, daß sie besagtes Erdbeben selber hätte miterleben können, war die Dame freilich nicht.
(3) Die Straßenbahnlinie Strasbourg-Boofzheim-Marckolsheim (54 km), mit einer Verbindung von Boofzheim nach Rhinau (2 km) wurde 1886 eröffnet und 1957 abgeschafft. Der gesamte Straßenbahnverkehr wurde in Strasbourg im Jahr 1960 eingestellt und
das Material im Dépôt de Cronenbourg verbrannt.
(4) Pari Mutuel Urbain: Annahmestelle für Pferdewetten, oft kioskähnlicher Betrieb mit Zeitungsverkauf
(5) Komitee der wahrhaftigen Künste

Monsieur Crépon erkundet das Elsaß (2)

“(…) Hermes suchte weiterhin und vergeblich nach Anhaltspunkten, eiferte nach greifbaren, plausiblen Koordinaten, stotterte Anweisungen, die mich wahrscheinlich in den Tod hätten fahren lassen. Als Hermes wiederholt fragte, ob die Mission in Gefahr sei, dachte ich in eine andere Dimension eingedrungen zu sein, merkte dann vor allem, daß ich im Begriff war einzuschlafen, daß mein Traumorgan sich bereits aktiviert hatte, und ich besser stoppen sollte, obwohl ich mich seit Stunden keinen Zentimeter bewegt hatte.

Als der Tag anbrach, standen die Wolken so dicht, daß von Sonnenaufgang keine Rede sein konnte. Vor meiner Motorhaube stand eine Kuh und starrte mich wiederkäuend an. Dann muhte sie melancholisch. Damit schien alles gesagt. Während die Kuh ihren Blick auf mich gerichtet hielt, tat sich keinerlei Himmelsrichtung auf. Mir schien ich sollte besser umkehren, dem Weg in meinem Rücken folgen – was ich auch tat, bis ich, wenn nicht direkt mein Ziel, so wenigstens etwas Fassbares erreichte: den Rhein. An meiner Verwirrung, es muß gesagt sein, hatte er seinen Anteil. Was man inmitten des Betts vermutet, befindet sich manchmal nach rechts verschoben.

Ohnehin ist es leichtsinnig, vom rechten oder linken Rheinufer zu sprechen. Lag eine Stadt in römischer Zeit auf der linken Uferseite, so liegt sie heute auf der rechten. Genau umgekehrt ging es der Gemeinde Rhinau (deutsch: Rheinau), in der ich nun verweile. Und was der Fluß nicht selber durcheinander brachte, übernahmen die Ingenieure, als der Rhein ”reguliert” wurde. Die Geschichte ihrerseits wußte ihr Bestes zu geben, um die Sachlage richtig tohu-bohuesk erscheinen zu lassen.

Welch ein Chaos! Wie soll man sich da zurechtfinden? Aus meinen Hotelzimmer in Frankreich blicke ich jetzt über den Rhein – auf Frankreich…, obwohl die Grenze mitten im Fluß festgelegt ist. Verstehen Sie das? Nun, ich bin weder Landvermesser noch Historiker, erwähne dies nur um Ihnen ein Bild davon zu geben, welch instabilen Boden ich unter den Füßen hatte, während meiner Recherchen, die mich an Ort und Stelle gebracht hatten, wo ich mich eben immer noch befinde: in diesem Zimmer, diesem Etablissement, nicht weit entfernt von einem Platz, von dem aus heulende Motoren, quietschende Reifen, ohrenbetäubende Bremsen wahrzunehmen sind. Veranstaltungen in traditioneller Tracht sind hier nicht jedermanns Sache. Ein Teil der Jugend sucht ihre Selbstverwirklichung in Lärm und Rauch, blockiert geschickt die Räder ihrer Vehikel und gibt einfach Gas. Die gequälte Mechanik läßt die Autos sich in verzweifelten Kreisen drehen und das Gummi der Reifen brandmarkt den Asphalt. Hat ein Fahrer mehrere donuts absolviert, gibt er den Platz für den nächste Kandidaten frei. Das Publikum jubelt, applaudiert, kreischt, schreit, honoriert den rücksichtslosen Reifengummiabrieb und schmäht die vorsichtigeren Piloten. Handies blitzen, Gettoblaster brüllen, Karpfen und Pommes zappeln auf Papptellern, Bier schäumt und fließt in alle Kehlen; manche Gestalt sieht aus, als ob sie mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser (wie einst neben einer heute nicht mehr existenten Mühle) ihren Durst nach Abenteuer zu löschen versucht hätte. (…)” (Fortsetzung folgt)

Rheinische Zigarren, historisch

Le gouvernement du Reich ayant exproprié malgré leur protestation les Alsaciens de Rhinau, le maire de cette localité réclame l’ouverture d’une manufacture de cigares.

Paris, 16 novembre. – M. Seyler, maire de Rhinau, est aujourd’hui à Paris. Rhinau est cette petite ville d’Alsace dont les habitants depuis bien des lustres, possédaient quelques terres en Allemagne. Le gouvernement allemand décida de les exproprier et, malgré les protestations des habitants, cette expropriation s’accomplit il y a quelque mois. Le Reich a bien promis de verser une indemnité de 777.000 marks, soit environ 7 millions de francs, mais cette somme n’a pas encore été versée. Aussi de nombreuses familles de Rhinau qui vivaient du produit de leurs terres situées au-delà du Rhin, sont-elles dans la misère. M. Seyler est donc venu à Paris pour demander aux Pouvoirs Publics d’autoriser la construction dans sa petite ville, d’une manufacture de cigares où pourraient travailler ses administrés. On sait que l’Alsace est une grande productrice de tabac et autrefois les gens de Rhinau fabriquaient déjà des cigares.

(L’Ouest Eclair, Journal républicain du matin, Rennes, 17 novembre 1938, N° 15347)

Les orpailleurs du Rhin

“L’idée d’un chercheur d’or évoque volontiers à l’imagination un aventurier, risquant tout pour s’enrichir du jour au lendemain et dépensant facilement les sommes que le hasard lui a livrées. Ah! qu’on est loin de ce type légendaire quand on regarder travailer les ”orpailleurs” du Rhin!
Là, ce sont les pauvres diables qui se livrent à cette recherche, au milieu des bancs de gravier, à Niffern, à Nambsheim, ou entre Rhinau et Kiehl, et ils n’acceptent ce travail que lorsqu’ils n’ont pas d’autres occupations. Songez que leur bénéfice, quand tout va pour le mieux, atteint à peine deux francs par jour! C’est que là, il n’y a pas à espérer la rencontre de grosses pépites ni même de petits grains, mais seulement de menues paillettes, qui atteignent au plus… un millimètre! Rarement la richesse des dépôts dépasse 6 grammes pour 10,000 kilogrammes de gravier aurifère! Et quelles peines pour arriver à recueillir les précieuses parcelles! Il est vrai que les orpailleurs du Rhin n’ont à leur disposition que des moyens très primitifs. L’orpailleur enlève le sable à la pelle, et il y a bien des pelletées inutiles. A côté du gisement d’exploitation, l’orpailleur installe une table inclinée longue de deux mètres recouverte d’un drap de laine. C’est quatre à cinq cent fois par jour que le travailleur charge la table de lavage. Quand il a recueilli le sable qui est présumé contenir de l’or, ce sont encore bien des opérations successives de filtrage avant qu’il le triture avec un peu de mercure et qu’il ne le soumette à la distillation. En ces dernières années, les orpailleurs du Rhin n’ont pas réussi à trouver pour plus de quarante mille francs d’or. Et ils étaient nombreux, ceux que la misère contraignait à cette besogne au salaire dérisoire. On voit que chacun d’eux n’a guère réussià gagner sa vie. Ces chercheurs d’or là ne ressemblent guère aux mineurs californiens : ils n’ont pas besoin de défendre leur gain à coups de révolver!”

(Jean Frollo : La diminution de l’or, Le petit parisen n°5776, 20 août 1892)

Das Wasser von Benfeld

„Je me trouvais à Benfeld, petite ville du Bas-Rhin, le 21 Mai 1826, quand j’appris, pour la première fois, de M. le docteur Dürwel, l’un des plus anciens médecins de cette ville, et de divers particuliers, qu’il existait, auprès du moulin de Rhinau, une fontaine sulfureuse froide, de laquelle on m’avait apporté, pour me les faire voir, des feuillages qui, par leur séjour dans cette eau, s’étaient imprégnés d’une couche blanche qui donnait l’odeur distincte du soufre dans la combustion, et de laquelle on espérait quelque médication dans les maladies de peau ; on ajoutait que des enfans, ayant bu de l’eau de cette fontaine par curiosité, avaient éprouvé des coliques, et en avaient été gravement incommodés. Je me décidai sur le champ à aller visiter cette fontaine, éloignée de Benfeld d’environ quatre lieues. Arrivé au moulin, dont le propriétaire, M. Wachenheim, s’est prêté à toutes mes recherches avec la plus grande honnêteté, je reçus de lui la confirmation de tout ce que j’avais appris à Benfeld ; j’appris de l’un de ces fils qu’il y avait environ sept ans qu’il connaissait la fontaine, et l’on me présenta une fiole de cette eau, puisée depuis un mois, qui n’avait plus ni goût ni odeur. Manquant de réactifs, je m’avisai d’en préparer d’extemporanés ; je râpai dans de l’eau la pelure rouge du radis qui lui donne une couleur violette, qui se change en rouge avec les acides, et en vert avec les alcalis, et que je sais par expérience être un bon réactifs ; je fis préparer une forte lessive de cendres filtrées, et je me munis d’un vinaigre très-fort ; après quoi nous nous dirigeâmes vers la fontaine.

Elle est située à douze ou quinze pas du moulin, entre un petit bras du Rhin et un canal tiré de ce fleuve pour mouvoir le moulin. Cet espace est formé d’anciens fascinages exécutés, il y a environ quarante ans, pour se mettre à l’abri des innondations. La surface de cette espèce d’île est recouverte d’une couche épaisse de chenevottes provenant du moulin, qui est en même temps moulin à farine, à chanvre et à huile. L’eau dite minérale sort du pied de ce fascinage et coule dans le fleuve ; elle a son origine du côté de l’est, par conséquent d’où vient le canal. Ce lieu est situé dans une vaste plaine sablonneuse, produt des alluvions du fleuve, éloignée de toute montagne et de toute roche. En approchant de la source, on sent une odeur hépatique désagréable, et l’on voit l’eau couler sur un fond noirâtre, garni de débris de petits morceaux de
bois charbonnés, de feuilles, et de roseaux enduits d’une couche blanche à la surface. Odeur d’hydrogène sulfuré ; saveur idem, mais moins prononcée que l’odeur ; couleur naturelle et diaphane. Une pièce d’argent, jeté au fond de la fontaine, a d’abord jauni, puis noirci ; la teinture violette n’en a éprouvé aucune altération ; la lessive de cendres n’a produit aucun précipité ; l’acide acétique, mêlé et agité avec cette eau, a donné une très-légère pellicule, en produisant de l’onctuosité sur les doigts qui y étaient trempés, et l’odeur du gaz a été neutralisé. J’ai répété les mêmes expériences avec l’eau du canal dérivé du Rhin : il n’y pas eu de différence avec la teinture violette et la lessive de cendres : mais l’acide acétique n’y a produit aucune altération.

L’on m’avait dit au moulin que les poissons qu’on jetait dans la source y étaient asphyxiés, et je priai M. Wachenheim de répéter l’expérience; il y en eut effectivement plusieurs, gros et petits, qui, y ayant été jetés en ma présence, étant très-vivaces, commencèrent d’abord à souffrir, et avoir des mouvemens convulsifs, puis ils cessaient de se mouvoir, et se renversaient, reprenant insensiblement la vie dès qu’on les retirait de cette eau pour les plonger dans celle du Rhin, et la perdant derechef quand on les rejetait dans l’eau sulfureuse, ce qui fut répété un grand nombre de fois. Après avoir achevé ces expériences, je rempli dans la source une bouteille propre, qui fut bien bouchée, pour la transporter à Strasbourg, et l’examiner ultérieurement. (…) Nous sommes en droit de conclure (…), que cette eau, dite minérale, n’est autre chose que l’eau filtrée du canal voisin, imprégnée, à sa surface, d’un haz hydrogène sulfuré et darboné, qu’elle abandonne aussitôt qu’elle est exposée à l’air libre, et qu’elle doit ce gaz à la décomposition lente des substance végétales à travers lesquelles elle a passé dans un trajet oblique de dix à douze mètres seulement. (…)

Il se présente une difficulté, celle de savoir pourquoi il y a des eaux qui perdent leur gaz aussitôt qu’elles sont exposées à l’air, et pourquoi d’autres les conservent long-temps. Ne peuton croire que (…) celles du moulin de Rhinau, n’en ayant été chargées que pendant un trèscourt trajet, n’ont pas eu le temps de s’en impreigner complètement, et qu’il y est resté
superficiellement, au lieu que, dans un très-long trajet, le mélange est beaucoup plus complet? Cette analyse, de quelque peu de conséquence qu’elle soit, m’a prouvé, par les comparaisons que j’ai dû faire, que l’eau du Rhin, lorsqu’elle n’est pas trouble, est très-pure, et n’a pas la propriété qu’on lui attribue, de donner naissance au goître ; tumeur dont la cause occasionnelle réside plutôt dans les brouillards, si fréquens sur les rives du fleuve, et auxquels sont presque continuellement exposés les habitans de ces lieux. Quant à la propriété médicatrice des maladies de peau, qu’on s’était imaginé de pouvoir donner à cette eau gazeuse, je la crois entièrement nulle, puisque les gaz s’évapore aussiôt, et que les matières qu’il dépose sont en trop petites quantité ; aussi ai-je dissuadé le maître du moulin d’y faire aucune établissement, comme je crois qu’on le lui avait insinué.“

(François-Emmanuel Foderé : Notice. Sur une fontaine contenant du gaz hydrogène sulfuré et carboné, qui est située sur les bords du Rhin, au moulin de Rhinau, avec quelques réflexions sur la gazification des eaux. Dans : Journal de la société des sciences, agriculture et arts, du département du Bas-Rhin, Strasbourg 1826)

Rheinbedingte Ortsverschiebungen

“Damals war der Rhein ziemlich gross, und frass zu Rheinau die Stadt sehr hinweg, und kam so weit dass es den Herren von Honau (denen vor etlichen Jahren ihr Stift zu Honau der Rhein hatte hinweggefressen) damals der Rhein wiederum hinwegfrass, also dass die Häuser und Kirche, alles in den Rhein fiel. Deshalben seien sie gezwungen worden zu weichen. Sie kamen in die Stadt Strassburg, setzten sich zum Alten S. Peter mit Bewilligung des Bischofs, und machten ein Stift daraus; brachten S. Amandus Heiligthum mit ihnen her. S. Michel war ihr Patron, deshalben nannten sie das Stift zu S. Michen und S. Peter, wie es noch heisst. Ist jetzund noch ein Stift; sie essen noch alle im Refectorium. Aber jedermann sagte, es wäre eine Strafe Gottes, dass sie der Rhein also plagte, denn sie nicht also fromm waren, wie ihren alten Vorfahren.”

(Les collectanées de Daniel Specklin, chronique strasbourgeoise du seizième siècle / fragments recueillis par Rodolphe Reuss, Strasbourg 1890)

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“On connaît la constante variabilité du cours du Rhin, et on peut se faire une idée de changement qu’il a dû subir dans nos parages depuis le quatrième siècle. Il paraît bien avéré que son cours, dans les temps passés, était bien plus rapproché de nos murs. Des restes de vieux lits et d’anciens trous de gravier du Rhin en sont une preuve irréfragable, et l’un de nos quartiers, en face de l’hôpital civil, est encore aujourd’hui désigné par le nom de coin du Rhin (Rhineck), ce qui ne laisse nul doute sur l’ancienne proximité du fleuve. (…) L’inconstance du Rhin est attestée par des évènements très remarquables. Le vieux Brisach était autrefois incontestablement sur la rive gauche du fleuve ; ce fut en 1296 qu’étant extraordinairement gonflé, il se forma un nouveau lit, et Brisach se trouvasur la rive droite. En 1292, des prêtres écossais construisirent un monastère assez considérable près de Rhinau, qu’ils abandonnèrent en 1390, parce que le Rhin, qui, de ces côtés surtout, changeait fréquemment de lit, menaçait d’engloutir leur établissement, ce qui arriva en effet la même année. Depuis cet évènement et long-temps après, lorsque les eaux étaient très-basses, on apercevait des restes du bâtiment. M. Hochstætter, arpenteur à Colmar, en découvrit encore au milieu du Rhin en 1752 ; il en leva même le dessin, qui est rapporté dans un manuscrit de Silbermann. Ce dernier se rendit lui-même sur les lieux en 1766 ; il reconnut qu’alors ces ruines n’étaient plus au milieu du fleuve, mais dans un très-grand rapprochement de la rive droite.“

(Antoine-François-Xavier de Kentzinger, Strasbourg et l’Alsace, ou Choses mémorables des vieux temps, Strasbourg 1824)