Rheinländer vs Badener

“Nach all den Warnmeldungen ein behutsamer Hundegang, doch in Rheinnähe von Chaos keine Spur: Kein Schnee, kein Eis, nur ein feuchtschwerer Nebel, greifbar fast, der das Atmen erschwert und sich unbehaglich auf die unimprägnierte Kleidung legt. Und gut, ganz vereinzelte Eisspiegelchen, die sich wie Fußangeln in den Weg legen, die Unachtsamen zu Fall zu bringen. So ist das oft im Rheinland, die Jahreszeiten meiden die sauberen Extreme und bieten dafür giftige Zwischenszenarien an: Die herzschwächenden Inversionswetterlagen des Sommers, die ungaren Halbwinter; in so einem Klima musste wohl die Kultur von Karneval, Klüngel und Kommerz ersprießen, im Bemühen, dem naturgegebenen Mittelmaß eine menschgemachte Selbsterhebung entgegenzusetzen. Und so stehen sie dann mit ihren Fellstiefeln im Schneematsch, bittersüße Biere umklammernd, die gepflegten faltigen Hälse hermésgewärmt, mit sauerbratengefüllten Mägen auf dem Weg zur nächsten Galerie. Während der Badenser fröhlich-fromm sein Schäufele verzehrt, von klarer Sonne durchwärmt, eine glückvolle Tierhaftigkeit, die uns hier längst der große graue Strom hinweggerissen hat.”

(Ein Gastbeitrag von Martin Knepper)

Monheim

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Monheims Zentrum besteht aus Shopping Malls und Busbahnhof, die sich um das Rathaus gruppieren und die Lenkung der Stadt unmittelbar in ihre Konsum- und Fluchtmöglichkeiten fortzusetzen scheinen. Von den angedockten Cafés ergeben sich Ausblicke auf kunstlichtbeschienene Verbindungsgänge, Klinker und Beton. Eine für die Ortsgröße erhebliche Fußgängerzone führt aus dem Zentrum durch eine verspiegelte Unterführung auf die Plattenbauten des Berliner Viertels aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Dessen Straßen sind nach Bezirken der Hauptstadt benannt – mitten im Rheinland zu hören ist dort mitunter ein der Berliner Schnauze abgekupferter schnoddriger Tonfall. Ebenfalls im Zentrum befindet sich das Ulla-Hahn-Haus (oberstes Bild), der am intensivsten hervorgehobene Kulturspot des Örtchens. In Ulla Hahns Romanen, unter anderem Das verborgene Wort, fungiert Monheim als Vorlage des fiktiven rheinischen Ortes Dondorf.

Siegfried-Gin aus dem Rheinland

cofEin Neujahrsgruß von litblogs.net-Herausgeber Hartmut Abendschein. litblogs.net versammelt ausgewählte deutschsprachige Literaturblogs. rheinsein empfiehlt uneingeschränkt alle dort vertretenen Blogs. Switchen Sie mal rüber!

Neger am Rhein

Im Rheinland saugen die Neger den Boden aus. Sie schwängern die Frauen in Kompagnie, gehen straflos aus, lachen über alle Proteste der Bevölkerung. Die Haltung der Bevölkerung ist in Deutschland vorbildlich: es gibt keine Meldung von Mord und Totschlag. Diese Leute, denen die Frauen kaputtgemacht werden, sind von Lynchjustiz himmelweit entfernt. Sie knirschen mit den Zähnen, aber dazu gehen sie auf den Abtritt, daß es niemand hört. Sie nageln die Neger nicht an die Türen, sie sägen die Neger nicht entzwei, sie ballen die Fäuste im Sack und onanieren nebenbei. Sie beweisen, daß ihnen Recht geschieht. Sie sind die Überreste des großen Krieges, der Abschaum der Bevölkerung, die niedergehauenen Mäuler, das entmenschte Massenvieh, deutsche Bürger von 1920.

(aus Bertolt Brecht: Werke: Journale I (1913-1941), Tagebücher 1913-1922)

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In England sowohl als in Italien ist der Zwiespalt in den Anschauungen der besseren bodenständigen Staatskunst und dem Wollen des jüdischen Weltbörsentums klar, ja manchmal kraß in die Augen springend.
Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine innere Übereinstimmung zwischen den Absichten der Börse, der sie tragenden Juden und den Wünschen einer chauvinistisch eingestellten nationalen Staatskunst. Allein gerade in dieser Identität liegt eine immense Gefahr für Deutschland. Gerade aus diesem Grunde ist und bleibt Frankreich der weitaus furchtbarste Feind. Dieses an sich immer mehr der Vernegerung anheimfallende Volk bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas. Denn die Verpestung durch Negerblut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebensosehr der sadistisch-perversen Rachsucht dieses chauvinistischen Erbfeindes unseres Volkes wie der eisig kalten Überlegung des Juden, auf diesem Wege die Bastardisierung des europäischen Kontinents im Mittelpunkte zu beginnen und der weißen Rasse durch die Infizierung mit niederem Menschentum die Grundlagen zu einer selbstherrlichen Existenz zu entziehen.
Was Frankreich, angespornt durch eigene Rachsucht, planmäßig geführt durch den Juden, heute in Europa betreibt, ist eine Sünde wider den Bestand der weißen Menschheit und wird auf dieses Volk dereinst alle Rachegeister eines Geschlechts hetzen, das in der Rassenschande die Erbsünde der Menschen erkannt hat.
Für Deutschland jedoch bedeutet die französische Gefahr die Verpflichtung, unter Zurückstellung aller Gefühlsmomente, dem die Hand zu reichen, der, ebenso bedroht wie wir, Frankreichs Herrschgelüste nicht erdulden und ertragen will.
In Europa wird es für Deutschland in absehbarer Zukunft nur zwei Verbündete geben können: England und Italien.

(aus Adolf Hitler: Mein Kampf, 855. Auflage 1943)

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Zyklisch kehren Ängste sich in Pogromschwangerschaften. Sprache dient als Mittel der Aufstachelung, die politischen Lager ergehen sich in Fehleinschätzungen, begleitet von Propagandalügen (das rechte) sowie zynischer Ironie (das linke) und steuern gemeinsam, als befänden sie sich in einer unlösbaren Situation, auf die Katastrofe zu. Für den ungeschulten Leser sind die Geisteshaltungen hinter beiden Texten kaum zu unterscheiden. Weder Brecht noch Hitler haben sich in ihren Texten häufig zum Rheinkomplex geäußert, doch gehören beider Äußerungen definitiv zu den unpoetischsten, die wir bisher gesammelt haben.

Rhein-Kreis Neuss (2)

rkn_fenster im himmelAus Kraftwerkschloten gequollene Wolkenbäusche verteilen sich auf gefensterte Himmel

Über die Felder geht es von Köln mit dem Zug in den Rhein-Kreis Neuss, der erst seit 2003 so heißt und seither mit grafisch eigenständiger Beschilderung verblüfft. Verblüffend desweiteren, falls das zügig vorüberziehende Landschaftsbild nicht trügt: bei Pulheim wird neuerdings Wein angebaut. Je weiter sich die Landschaft von Köln wegbewegt, desto flacher, ausgeglichener, leerer erscheint das offene Feld. In der Ferne arbeiten die Wolkenmaschinen des Braunkohlegebiets auch am Wochenende. Wir erreichen Rheydt: der Rhein ist in diesem Teil des Rheinlands mindestens 20 Kilometer entfernt, hier fließt die Niers, die in der niederländischen Provinz Limburg in die Maas mündet. Im Rhein-Kreis Neuss dominieren das Schützenfest, die Enge in der Weite und die Miniatur: so berichtet uns ein Bäckermeister im Ruhestand wie er in Ermangelung akzeptabler Rheinnähe in der Niers, die an seinem Wohnort kaum einen halben Meter Wasserstand erreicht, das Schwimmen erlernt habe. Entlang der Straßen ziehen sich niersgespeiste Wasserrinnen, die Entengrütze, Eisvogel und Bisam beheimaten. Abends konnte man in dieser Gegend einst die Tage mit einem dicken Wumms umkippen hören.

rkn_horizontEinminütiges Horizontgold am Rande des Braunkohlegebiets Garzweiler

Auch nach Dormagen im Rhein-Kreis Neuss geht es von Köln aus über die Felder, diesmal mit dem Fahrrad, entlang des Rheins. Die kleineren Ortschaften um Köln wirken in ihrer provinziellen Mittelmäßigkeit gefangen. Daß Köln längst selbst provinziellen Anstrich trägt, scheint ihrer Ausrichtung gen Dom keinen Abbruch zu tun. In der Dormagener Fußgängerzone Kölner Straße findet, wie bei jedem unserer Besuche, ein Flohmarkt statt. Vergessen hatten wir, das Dormagen das wahrscheinlich am wenigsten fotogene Städtchen am gesamten Rheinlauf vorstellt: nichts, aber auch garnichts am Dormagener Zentrum bewirkt den Wunsch, den Auslöser zu betätigen. Unsere Frage nach touristischen Sehenswürdigkeiten beantwortet eine Einwohnerin mit Schulterzucken, besinnt sich aber und erzählt mit sorgsam bedachten Worten: daß die Kirche, der Pfarrer habe das einmal erwähnt, wegen ihres freistehenden Turms etwas Besonderes sei, worüber ein Schild genauere Auskunft gebe; daß, falls wir uns neu einkleiden wollten, dafür ein für Dormagener Verhältnisse gar nicht so schlechter Laden existiere, den sie guten Gewissens empfehlen könne; daß es bei den Ladenflächen zwar viel Leerstand gebe, man aber einen guten Latte Macchiato bekommen könne wie man ihn auch außerhalb Dormagens, sie sei erst vor zwei Jahren zugezogen, kenne; daß ihr einzig ein kleiner Lebensmittelladen fehle, der türkisches Fladenbrot und Antipasti biete, „etwas zum Schnubbeln“ wie sie es nenne. Mit diesen Hinweisen ausgestattet, machen wir uns zügig auf den Rückweg. Am ChemPark zücken wir in einem Anflug von Verzweiflung doch noch die Kamera, um die Stadt nicht völlig unabgebildet zu verlassen.

rkn_dormagen chemparkEs gibt nichts zu fotografieren in Dormagen

Der Rhein als Skulpturist

skulptur in köln
Vom Rhein bearbeitetem Geröll, das insbesondere im Alpenraum ästhetische Wertschätzung erfährt, indem Anwohner die auf wandernden Kiesbänken vorzufindenden, polierten und geschliffenen, in seltenen Fällen auch gelochten Steine als häufig anzutreffende Haus- und Gartenzierde verwenden, haben wir bereits eine Serie (mit bisher rund 20 Bildartikeln, die teils erstaunliche Funde nachweisen) gewidmet. Seit Millionen Jahren hält die bildhauerische Tätigkeit des Rheins bereits an und wird täglich aufs neue fortgesetzt. Dafür daß der Rhein eines der ältesten und größten Bildhauer-Ateliers des Erdkreises vorstellen dürfte, wird seinem skulpturalen Werk bisher verschwindend geringe Aufmerksamkeit zuteil.

Wie von Menschenhand errichtet wirkt diese vom Fluß  bearbeitete und vorübergehend (ohne feste Datumsangabe) präsentierte Metall-Skulptur am Kölner Ufer. Unser Korrespondent Roland Bergère fand sie vergangene Woche unter beißender Sonne, dokumentierte den Fund und notierte, daß die ästhetische Einordnung vermutlich im weitläufigen Graubereich zwischen den mbulu ngulu (Reliquiarwächterfratzen der Bakota) und kubistischen Ansätzen anzusiedeln sei (“unklar bleibt nach eingehender Prüfung, ob es sich um ein vorderseitiges Antlitz oder ein Profil oder eine Vermengung von beidem handelt”), wobei letzterem die Frage offenbliebe, ob sich die Ausdrucksform stärker an Picasso oder doch eher an experimentellen Techniken Max Ernsts (als Tribut an den aus dem Rheinland stammenden Künstler) orientiere. Desweiteren habe sich der Gedanke aufgedrängt, ob nach Eisen-, Bronze- und Kupferzeit von der Gegenwart als Rostzeit gesprochen werden könnte.

Der Rheinländische Hausfreund spricht mit seinen Landsleuten und Lesern, und wünscht ihnen das neue Jahr (1809)

Eigentlich aber ist nicht viel daran zu wünschen, denn es kommt wieder, wie allemal, von selbst den 31. Dezember 1808, nachts um 12 Uhr, wenn lose Vögel neben dem Durlacher Hofwirtshaus zu Karlsruhe Petarden legen, und fast sehr laut sind, die nicht wissen, daß das neue Jahr kommt wie ein Geist, der nicht gern will beschrieen sein, wenn er soll viel Gutes bringen. Andre Leute aber schlafen im Schütze Gottes und merken nicht viel davon, wenn die zwei großen Schildwachen sich ablösen in der Mitternacht und geben einander Parole, die niemand versteht. Dagegen streckt der Rheinländische Hausfreund seinen Lesern ins neue Jahr hinein, das selber kommt, die Hand entgegen, und wünscht gesunden Leib, gut Gewissen und Zufriedenheit, und sagt, daß er dies Jahr seinen Lesern einen Tag abbrechen muß, nämlich den 29. Februar, weil sonst der Zeug für diesen Monat nicht zureicht, oder aber die Tage zu kurz ausfallen könnten, wenn 29 wollten daraus gemacht werden. Dagegen verspricht er, künftig keine fernen Subtraktionsexempel mehr an der Zeit zu statuieren, sondern alle Jahre 365 Tage ungeschmälert zu liefern, und richtig einzuhalten, bis bessere Zeiten kommen, die wieder einen Schalttag ertragen können, und will von Jahr zu Jahr auf allerlei Lehrreiches zu Spaß und Ernst, auch schöne Figuren ferner bedacht sein, untereinander, wie es in der Welt auch zugeht. Einer lacht, der andere weint. Heute Regen, morgen Sonnenschein, und unaufhörlich läutet hie und da die Glocke, dem einen zur Hochzeit, dem andern ins Grab. Und so will der Rheinländische Hausfreund tun zur Erkenntlichkeit, weil er gesehen und große Freude gehabt, daß sein Kalender schon zum erstenmal und fast an allen Orten ist fleißig gelesen worden, und hat hie und da einer gesagt: „Der meint’s nicht schlimm mit uns”, und hat in einer Erzählung etwas wie ein kleines Goldkörnlein gefunden und nicht verschmäht. Denn der Rheinländische Hausfreund geht fleißig am Rheinstrom auf und ab, schaut zu manchem Fenster hinein, man sieht ihn nicht; sitzt in manchem Wirtshaus, und man kennt ihn nicht; geht mit manchem braven Mann einen Sabbaterweg oder zwei, wie es trifft, und läßt nicht merken, daß er’s ist. Zum Exempel, er hat’s wohl mit angehört und ist dabeigestanden, im letzten Herbst, als die Schwäbin, so ohne Beine auf einem Rößlein in der Welt herumreitet, herwärts der Schorenbruck, zwischen Basel und Haltingen an der Straße saß, und prophezeite einer braven Markgraferin, die von Basel kam und bei ihr stand, viel dummes Zeug, was der Komet bedeute. Die Frau hörte zwar aufmerksam zu, was die Hexe sagte, wird aber hoffentlich nichts geglaubt haben. Denn selbiger Wandelstern mit seinem silbernen Haar hatte nichts mehr zu bedeuten, sondern sollte in Berlin und Polen das große Kriegsunglück und die blutigen Schlachten ankündigen, – kam aber zu spät, wie manchmal ein Feuerreiter, wenn das Häuslein schon verbrannt ist. Denn der Kaiser Napoleon ist so schnell in seinen Unternehmungen und macht so kurzen Prozeß, daß selbst ein Komet nicht geschwind genug zur Sache tun kann, wenn er noch zu rechter Zeit will da sein, und ist dem Hausfreund auch so gangen, hat den preußischen Krieg auch erst angekündet, als er schon vorbei war. Doch wäre dies noch zu verschmerzen, wenn er nur nicht beklagen müßte, daß es mit dem andern Krieg, nämlich wo mit Äpfelküchlein geschossen, und kriegsgefangene Kronentaler eingebracht werden, noch nicht recht hat wollen in Gang kommen. Doch wird’s mit Gottes Hülfe und unserm eigenen Fleiß etwa besser werden von Jahr zu Jahr, und hat schon diesmal nicht überall gefehlt, wo viel guter Wein gewachsen ist Anno eintausendachthundertundsieben, und ein schön Stück Geld daraus gelöst worden. Der Rheinländische Hausfreund weiß auch davon zu sagen, und hat je ein Schöpplein gekauft, oder etwas zu Konstanz im Adler, zu Waldshut im Rebstock, zu Lörrach im goldnen Ochsen (hat nichts gekostet), zu Schopfheim im Pflug, zu Utzenfeld in der Mühle, zu Freiburg im Schwert, zu Offenburg in der Fortuna, zu Kehl im Lamm, zu Ulm bei Lichtenau im Adler, zu Rastatt im Kreuz, zu Durmersheim beim Herr Schlick. In dieser Landschaft ist der Vorfahrer des Hausfreunds sozusagen vogelfrei gewesen, und der Rastatter Hinkende Bot hat allein das Privilegium gehabt, den Leuten die Wahrheit zu erzählen, der arme Teufel auf seinem hölzernen Bein. Jetzt sind der Hausfreund und er rechte gute Freunde und halten friedliche Nachbarschaft, hängen in mancher Stube nebeneinander am nämlichen Nagel, und so sie sich auf der Straße begegnen oder in einer Herberge, reden sie miteinander. Aber den Reutlinger, wenn er ihnen zwischen Licht auf einem Feldweg begegnet, grüßen sie nicht sehr, sondern sagen: „Bleib du in deinem Land, wenn man nicht nach dir schickt, und komm nicht selber, sonst druckt man dir einen Stempfel auf das Brusttuch, so 12 Kreuzer kostet.” – So weit geht der Vorbericht, – und nun setzt der Rheinische Hausfreund die Betrachtungen über das Weltgebäude fort, so man aber auch ordentlich lesen muß, wenn man wissen will, was drin steht. Denn der Nürnberger Trichter ist schon vor dem 7jährigen Krieg zerbrochen.

(Johann Peter Hebel)

Rotterdam (6)

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Pyramidalpeilung: die zentrale Rotterdamansicht ist von den Boompjes, der Straße, die den alten Hafen von der Nieuwe Maas trennt, aufgenommen worden. Im linken Bildmittelgrund Bäume und Häuser der Maasinsel Noordereiland, dahinter ragt der 2013 fertiggestellte Hochhauscluster De Rotterdam von Rem Koolhaas empor. Rechts die Erasmusbrücke und dahinter der brachial-moderne, auf verfallenen Hafenflächen angelegte Stadtteil Kop van Zuid. Bild: Lucas Hüsgen.

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Die belebten, nebeneinander liegenden Brücken von Rotterdam und die stolzen Häusertürme dieser Stadt sind die Torbogen des Rheines vor seinem Ende. Bis an den großen letzten Haken, den der Strom hier schlägt, schimmert die Merwede in dem weit auseinanderklaffenden Tiefland. Schönster Sport in Europa, auf dem dröhnenden Eis dieser klaren, freien Fläche hinzusausen, einen strengen Wind im Rücken, der das Segel des Schlittens wie einen Riß durch die Luft in zwanzig Minuten bis Dordrecht treibt. Auf den Deichen des majestätischen Stromstückes stehen saubere alte Städtchen, Häuser, deren Giebel umgestülpten Kähnen ähnlich sind, Ziegeleien, die chinesischen Dörfern gleichen. Kleine Wasserflächen strahlen als Fabrikhöfe in das Land, in der Ferne kriechen die Raupen windgekrümmter Alleen. Ländliche Kähne, mit Rüben beladen, liegen vor den Aeckern; hohe Schiffsrümpfe, mennigrot, ragen mit ihren schirmartig ausgespannten Gerüsten, im Rappeln der elektrischen Hämmer, hoch über das Baumgebüsch. Gewölbte Scheunen, untersetzte Windmühlen, deren Kreuze leer wie Gräten in die Luft starren, leicht wogende Binsenwälder, Arbeiterkolonien mit leuchtend roten Dächern, mit Alteisen und halbfertigen Schiffen gefüllte Werften, begonnene Uferbauten mit Kippwagenzügen und seichten Wasserflächen hinter dem Weidendickicht. Kleine schwarze Marktdampfer mit ländlichen Reisenden eilen dem von Masten und Türmen starrenden Horizonte zu. Mathematisch gebaute Fabriken, gläserne Dächer, sägenartig abgesetzte Profile neuer Arbeitshallen reihen sich enger, dann ordnen sich die Schlote und das Takelwerk der Seeschiffe zu Bündeln. Die Fensterreihen am Stromufer von Rotterdam schauen zu den Docks hinüber, sie beobachten das Anlegen und Wegfahren der Flußdampfer und der zugedeckten Kähne. Unablässiger Verkehr der Eisenbahnzüge, der Fußgängerscharen und der Lastwagen auf den Brücken und der quer gelenkten Fähren, von denen jede eine Versammlung von Seeleuten, Werftarbeitern, Angestellten, Drehorgelspielern und Hausiererkarren zum Ufer der Docks hinüberträgt. Die verwitterten Rheinboote im Hafen tragen am Heck ihre Heimatorte, die Namen von Heilbronn und Basel, von Antwerpen, Mülheim-Ruhr, Waspik, Homberg, Okriftel, Tiel, Straßburg, Mannheim, Oberwesel. Die Hütten der Holländerkähne sind grün und weiß lackiert wie Hochzeitstruhen oder glänzen dunkelgelb wie neue Möbel. Hundert offene Schiffsgefäße liegen unter den Seilen der Ladebäume vor haushohen, salzüberzogenen Dampferwänden. Aus den steifen Schläuchen, die über die Reling lehnen und in die tiefen Räume der Südamerikadampfer hinunterreichen, strömt das Getreide. Und die geschlossenen Schachteln der Kähne, die der kleine Dampfer stromauf schleppt, bringen den Margarinefabriken des Niederrheins die Palmkerne afrikanischer Wälder, den Schokoladefabriken von Köln und von Bern die mit Kakaobohnen gefüllten Säcke, sie führen Farbholz, Tabak, Kautschuk, Erze, Pflanzenfasern in den unermeßlichen Verbrauch. Aus den Fenstern des hohen Eckhauses am Stromufer schaut der Besucher über den Hafen. Hier oben in den stillen Sälen sind die alten Stadtpläne von Rotterdam mit den spitzen Bastionen an allen Ecken, die Modelle der Kauffahrteischiffe und der Kriegsfregatten, der javanischen Hausboote, der vergoldeten Staatsbarken, der modernen Schleusen, Bagger und Schiffsmaschinen. In diesem Museum sind die heroischen Marinen, die Gallionsfiguren, die Wimpel, alle die beiseitegestellten Dinge, in denen sich die ältere Beziehung Hollands zur See ausdrückt. Und drüben, jenseits des Wassers, hinter den aus Beton gebauten, mit Nummern bemalten Kolonnaden der Dockhöfe und der geschlossenen Speicher erheben sich die nüchtern hohen, ziegelroten Häuserblocks der Arbeiterviertel. Aus der griechischen Herberge “Peiraios”, aus dem Eiscreamgeschäft mit dem amerikanisch bemalten Schaufenster schallt Grammophongesang. Neben der Wirtschaft “Germania” sind die Läden von Hop Jee, Wong Sin und Kow Yun mit verstaubten Fischkonservendosen, mit chinesischen Zigaretten, Oel- und Saucenfläschchen in der Auslage und den gelben, insekthaft beschriebenen Speisezetteln an der Tür. Proletarisch gekleidete Chinesen stehen um das Billard im Kaffeehaus und hinter der Theke des Grünkramhändlers an der Ecke; ein paar rote Blusen und hochblonde Frisuren in der verschwiegenen Opiumluft eines Hausgangs verraten das übrige. Welche Stadt, bedrängt von allen Kräften der Gegenwart, genötigt, dem Problem der großen Verkehrsabwicklungen mit den weitesten Plänen zu begegnen. An den verworrenen, von Lärm erfüllten und altgewordenen Bau ihres Innern schließen sich die Massenquartiere des Randes. Das Wachstum dieser Stadt drängt sich unbestimmbaren Zielen der Weltwirtschaft entgegen, es ist ständig in Gefahr, in ein Chaos zu entgleiten. Der Gegensatz dieser motorischen Stadt zum übrigen Holland verlangt nach Ausgleich. Wie wird sie in zwanzig Jahren aussehen? In jenen Seestädten, die um das europäische Festland den Ring bilden, ist Rotterdam zwischen Hamburg und Antwerpen eine der kräftigsten. Das ganze Rheinland ist hinter ihr. Jede dieser Städte, am Ausgang ihres Hinterlandes gelegen, alle durch die Girlande der Schiffslinien miteinander verbunden, öffnet einem Ausschnitt des europäischen Raumes das Meer. Diese Seestädte strahlen ihre gewölbten Routen zu den Häfen des Erdballes über See. Das Salzwasser trägt alle Lasten leichter, Schiffe machen die Völker auch für andere Dinge bereit, deren Träger die Meerflut ist. Alle diese Städte, Empfänger und Sender in einem, stehen als die vordersten im Zeichen jenes Sehertums, das hinter dem Wettstreit der Volkswirtschaften die Einheit kommen sieht.

(aus Alfons Paquet: Der Rhein, eine Reise, Frankfurt/Main 1923)

Leyden

Es ist aber eine schöne, feste, grosse, wohlerbaute und volkreiche Stadt in der Graffschaft Holland, wie auch die Hauptstadt im Rheinland, (*) an dem alten Rheincanal. Ihren Anfang soll sie dem tapfern Römer Druso Germ. zu danken haben, ohngeachtet einige wollen, daß sie Hengst, der Angelsachsen Herzog, im Jahr 450. erbauet habe. Anbey ist sie mehr länglicht, als ganz rund erbauet. Ihre Mauern sind ganz von Ziegelsteinen, aber nicht hoch aufgeführt, darzwischen stehen viele Thürne, hinter welchen man die von Erde aufgeworfene Wälle, imgleichen die breiten tiefen mit Wasser angefüllten Gräben erblikt, welche mit einem Damm umgeben sind, worauf zwey Reihen grosser Bäume stehen, unter welchen zwischen zweyen Canälen ein überaus langes Malliespiel zu sehen ist. Obwohl im übrigen Leyden so ziemlich verwahrt ist, so hat es doch keine regelmäßige Festungswerker.

Ueberhaupt ist dieser Ort ohnstreitig eine der saubersten Städte in Holland, weswegen man ihn auch das Auge der holländischen Städte nennen kan, man mag nun desselben lustige und bequeme Lage, oder die Reinlichkeit der dasigen Gassen und die Schönheit der Gebäude, oder aber die grosse Menge der Einwohner und allerhand daselbst üblicher Künste und Handwerker in Betrachtung ziehen. Es steht auch diese Stadt fast in der Mitten der übrigen Städte. Denn sie liegt drey Meilen von Delft, viere von Harlem, Goude und Rotterdam, sieben von Amsterdam, Dortrecht und Utrecht, nur zweye aber vom Haag. Sie wird von vielen Canälen durchschnitten, so sie in ein und dreyßig Inseln abtheilen, und worauf man an unterschiedenen Orten mit kleinen Schiffen von einer zur andern fahren kan. Es sind dieselben zum wenigsten mit hundert fünf und vierzig Brücken überlegt, worunter bey hundert und vier steinerne sind. Dahero pflegen auch allda die Gassen viel säuberer, als oftmals anderswo die Privathäuser gehalten zu werden. Sie sind anbey mehrentheils lang, und auf beyden Seiten mit grossen Lindenbäumen besezt.

Ausser dem hat Leyden viele prächtige Häuser, so meistens von gebackenen Steinen mit schönen Erkern gebaut sind. Die Sparre, so von Harlem herkomt, fliest mitten durch den Rhein, und die dasige Luft ist anmuthig und leidlich.

Ferner sind allda zu sehen: Die grosse Kirche, zu St. Petri, als eine der vornehmsten und schönsten in Holland, so wohl gewölbt und sehr hell ist. Das Chor hat auf jeder Seite drey Reihen Pfeiler. Man zeigt ein Brod darinnen, welches soll zu Stein worden seyn, und zwar auf den Wunsch einer reichen Frauen, die ihre arme Schwester mit vielen Kindern in einer grossen Theurung, welche sie um ein Brod gebeten, abgewiesen, und gesagt habe: Wenn sie Brod hätte, so wolte sie, daß es zu Stein werde, welches auch geschehen. (…)

Sonderlich aber befindet sich die dasige medicinische Facultät in nicht geringer Aufnahme. Allhier muß ich eine Begebenheit anmerken, welche sich mit dem Prinzen Wilhelm dem III. von Oranien, und einem Bauren von Cattwiek allda begeben hat. Denn als besagter Prinz in seiner Jugend auf dasiger Universität studirte, so lies er sich von gedachtem Bauren für zwey Stüber Krabben geben, und hies ihn nachgehends, als er sein Geld forderte, mit diesen Worten sich fortpaken: Ik betael niet, ik ben de Prins; Worauf dieser dem Prinzen eine Maulschelle gab, er würde ihm auch noch weiter übel begegnet haben, wenn nicht eine gute alte Frau die zwey Stüver aus ihrem Sak hervor gelangt, und sie diesem groben Bauern gegeben hätte.

(*) Das Rheinland ist ein Theil von Südholland, welcher sich ober- und unterhalb Leyden in die Weite zwischen des Rheins beyden Ufern hinstrecket, anbey schön, eben, sehr lustig, und über die Massen fruchtbar ist. In derselben Gegend wird die beste holländische Butter gemacht, sie ist voller schöner Dörfer, welche ihrer Lage und schöner Gebäude wegen manchem Städtgen nichts nachgehen. Die vornehmsten darunter sind Rhinburg, Valkenburg, Caudekerk, Catwik, Nortwik, Sevenhuysen, u.a.m. Es kan sie ein neugieriger Reisender insgesamt in einem Tage ganz gemächlich besehen.

(aus Dielhelm: Rheinischer Antiquarius)

rheinsein in der FAZ

Unter dem Titel Autor, Verleger und Herausgeber sind eine Person geht Elke Heinemann in der FAZ vom 07. Oktober 2015, bezeichnenderweise direkt über der Todesanzeige für Hellmuth Karasek, der Frage nach, was literarische Blogs im deutschsprachigen Raum dieser Tage charakterisiert und welchen Stellenwert sie in der zeitgenössischen Literatur einnehmen und untersucht dabei vornehmlich Blogs, die bei litblogs.net assoziiert sind oder waren: etwa das aufgrund einer Genderfinte vieldiskutierte Werk von Aléa Torik, aber auch Neuzugänge wie Jan Kuhlbrodts Postkultur oder das solitäre, ohne litblogs-Anschluß entstandene Arbeit und Struktur des verstorbenen Wolfgang Herrndorf. Auch rheinsein findet im Artikel kurze Erwähnung: “Rhizomatisch wuchern Literaturblogs nicht nur inner-, sondern auch außerhalb des Internets. Beispielsweise ist http://rheinsein.de des Kölner Lyrikers und Spoken Word-Performers Stan Lafleur mehr als eine kulturgeschichtliche Digitalenzyklopädie des Rheinlands, denn “aus dem rheinsein-Datenpool entstehen zeitgleich wiederum klassische literarische Derivate wie Bücher, Hörspiele, Lesungen, Vorträge, (Hochschul-)Seminare etc.””

Swinburne an Hugo

Above the windy walls that rule the Rhine
A noise of eagles’ wings
And wintry war-time rings,
With roar of ravage trampling corn and vine
And storm of wrathful wassail dashed with song,
And under these the watch of wreakless wrong,
With fire of eyes anhungered; and above
These, the light of the stricken eyes of love,
The faint sweet eyes that follow
The wind-outwinging swallow,
And face athirst with young wan yearning mouth
Turned after toward the unseen all-golden south,
Hopeless to see the birds back ere life wane,
Or the leaves born again;
And still the might and music mastering fate
Of life more strong than death and love than hate.

[...]

But sadder always under shadowier skies,
More pale and sad and clear
Waxed always, drawn more near,
The face of Duty lit with Love’s own eyes;
Till the awful hands that culled in rosier hours
From fairy-footed fields of wild old flowers
And sorcerous woods of Rhineland, green and hoary,
Young children’s chaplets of enchanted story,
The great kind hands that showed
Exile its homeward road,
And, as man’s helper made his foeman God,
Of pity and mercy wrought themselves a rod,
And opened for Napoleon’s wandering kin
France, and bade enter in,
And threw for all the doors of refuge wide,
Took to them lightning in the thunder-tide.

(aus Algernon Swinburne: Birthday Ode for the anniversary festival of Victor Hugo, february 26, 1880)

the green Rhineland where thy spirit wrought

Thou art the eye of this blind body of man,
The tongue of this dumb people; shalt thou not
See, shalt thou speak not for them? Time is wan
And hope is weak with waiting, and swift thought
Hath lost the wings at heel wherewith he ran,
And on the red pit’s edge sits down distraught
To talk with death of days republican
And dreams and fights long since dreamt out and fought;

OF the last hope that drew
To that red edge anew
The firewhite faith of Poland without spot;
Of the blind Russian might,
And fire that is not light;
Of the green Rhineland where thy spirit wrought;
But though time, hope, and memory tire,
Canst thou wax dark as they do, thou whose light is fire?

(Algernon Charles Swinburne, Songs before sunrise : The Eve of revolution, 12)

Zwei Rebläuse auf dem Weg zur Loreley

wenns juckt_2

Die Rheinkulisse, insbesondere der Mittelrheinabschnitt, diente in den 60er und 70er Jahren gleichsam als eigenständiger, die Handlung zusammenhaltende Darsteller in Spielfilmen, die einen Humor pflegten, der seither freiwillig in seinem deutschen Käfig verharrte, und wenn er nicht gestorben ist, noch heute vor sich hinröchelt. Ein Beispiel solch eines monumentalen Humorzombies findet sich derzeit auf Youtube, wo Quirin Steiners Wenn’s juckt wird gejodelt (Alternativtitel: Zwei Rebläuse auf dem Weg zur Loreley) von Zehntausenden abgerufen wird. Das Kinoportal Moviepilot faßt den Plot der mit gelegentlichen Nacktszenen frisierten Heimat- und Sittenkomödie wie folgt zusammen: “Wenn sich zwei trottelige Burschen und ein notgeiler Priester auf den Weg machen, nach den unehelichen Söhnen eines alten Kapitäns zu suchen, kann das nur schief gehen. Wenn sich dann aber zu allem Überdruss noch herausstellt, dass die gesuchten Söhne in Wahrheit Töchter sind, dann kommt’s erst recht zu allerhand Verwicklungen und Reibereien. Eine wilde Fahrt durchs Rheinland beginnt, in der ziemlich viel gekuppelt und geknüppelt wird.” Bayerische Binnenschiffer treffen auf einen rheinischen Doppel-Tünnes und Schäl, eine resolute schwäbische Haushälterin auf strunzdumme Blondinen. Dialektgebrauch, schauspielerische Armut und Maske vorschlaghämmern grob gearbeitete Gags ins Panorama, das sich an einigen Stellen bis heute nicht davon erholt zu haben scheint.

Notizen von unterwegs (2)

Bei Zons. Schimpfender Rheinangler. Hat eine Chinesische Wollhandkrabbe aus dem Fluß gezogen. Verzieht die Miene, belegt das mit den Scheren protestierende Krustentier mit abwertenden Begriffen. Beklagt das Überhandnehmen des Fremdlings, redet sich in Rage, “Eindringling”, “Schädling”, “Freßfeind”, “Vormarsch”. Klingt nach Kriegspropaganda, HoGeSA* und PEGIDA**, tendenziell puristisch Anti-, insgesamt nach überreichlich bekanntem Vokabular. Das ausgerechnet im Rheinland, wo der Toleranzgedanke nach Einschätzung des Rheinländers mit der Muttermilch an die Kinder weitergegeben wird. Toleranzland. Auf Basis des rheinischen Jrundjesetzes. (Und wieder nicht: “Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.” (Artikel 6).) Unterm Strich: Hat sich was mit Tolerieren! Nicht nur beim Angeln. In rheinischen Städten häufen sich Demonstrationen religiös-politisch-herkunftsbezogener Intoleranz. Samt Gegendemonstrationen der Intoleranz-Intoleranten und Toleranz gegenüber Intoleranz-Intoleranten. Fast schon Alltag der Toleranz und Sojamilch einfordernde Laktoseintolerantenterror in unseren Cafés. Nun die neue rheinische Intoleranz gegenüber der Wollhandkrabbe: “Sie ist schon bis zur Obererft vorgedrungen!” Wem die Obererft gehört, gehört Deutschland. Unsere Obererft-Kernkultur.
Die Ablehnung des jeweils Fremden, Befremdenden, selbst im Vertrauten Fremdartigen drückt nichts anderes als das Mißtrauen gegenüber dem Eigenen aus, die Schwierigkeit, den selbst gestellten Ansprüchen zu genügen, das heimliche Wissen ums eigene Scheitern, das zuzugeben den Freitod des Einzelnen in der Gesellschaft markiert, die letztlich aus denselben, sich mißtrauenden Einzelnen besteht, deren Mißtrauen wiederum darin gründet, zu wissen, daß sie ihr Mißtrauen nicht zugeben dürfen. Stattdessen: Weiterschieben des Schwarzen Peters. Nach außen gelebte, offen vorgetragene Toleranz gegenüber der eigenen Position, längst abgehandelt als staatstragende Doppelmoral des Bürgertums.
Die Chinesische Wollhandkrabbe war lange vor den Chinesen in China, einem uralten Kulturvolk, das seit Jahrtausenden mit der Krabbe zu leben versteht. Das sie gekocht oder gedämpft und klaglos bis freudig mit einem Reisessig-Ingwer-Dip verspeist. Was wiederum der Rheinländer (noch) nicht weiß und woran sich seine Toleranzdiskrepanz bezüglich der Wollhandkrabbe bemißt. Was nichts macht. Toleranzdefizite sind immer vorübergehender Natur. Sie verschwinden über Nacht, im Schlaf, dem Tolerantmacher schlechthin, und falls sie anderntags mit ihrem Wirt erwachen und sich erneut berappeln, werden sie eben mit einer Narrenkappe kuriert: am Tag, an dem der Rheinländer dereinst die Verspeisbarkeit des Tiers begreift, wird er’s immer schon gewußt haben.

* Hooligans gegen Salafisten
** Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes

Lorefall

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Am 13. April 1992 bebte nächtens im Rheinland die Erde. Es war seit über 200 Jahren das bei weitem stärkste Beben in der Region. Sein Epizentrum lag unweit Roermond, weswegen das Geschehen als “Erdbeben von Roermond” Eingang in die Geschichtsbücher fand. Das Beben – wir erinnern uns noch gut – erschütterte seinerzeit unzählige Menschen. Die Erschütterung spürten auch die Fotografin Martine Klein, ihre Regale und vor allem ihre Vorstellungskraft. Seither versteht Martine Klein die Welt in erster Linie als tektonisches Abenteuer. Visionen traten in ihr Leben. Von riesigen Platten, die sich unter ihren Füßen verschieben; von Teilen Westeuropas, die spurlos in ozeanischen Weiten verschwinden; von der Umkehrung der Himmelsrichtungen und ganzen Bergen, die wie Ballons durch die Lüfte schweben. Eine ihrer rätselhaften Eingebungen ließ Martine Klein, Mitte der 90er Jahre, die Loreley am Rheinfall badend erblicken. Unmittelbar nach der Vision machte Martine Klein sich auf den Weg. Ausgerüstet mit fünf analogen Kameras fuhr sie zunächst nach Schaffhausen, belichtete ihre fünf Filme (à 36 Bilder) ein erstes Mal mit Ansichten des Rheinfalls, fuhr dann weiter nach St. Goarshausen und belichtete die zurückgespulten Filme unterhalb des berühmten Felsens ein zweites Mal, in der Hoffnung, daß wenigstens auf einem Bild tatsächlich die Loreley, am Rheinfall badend, zu erblicken wäre.

Captain Picard (The Robbers of the Rhine)

For many hundreds of years the valley of the Rhine itself, and the various valleys adjacent, were the haunt of numerous bodies of rapacious and desperate banditti. The rugged, mountainous nature of the country naturally made lawlessness the more easy there, and till so late as the beginning of the nineteenth century these gangs of robbers were a constant menace to the traveller in Rhineland. At the time of the French Revolution, indeed, and for some decades thereafter, the district was literally infested with thieves; for the unsettled state of Europe at this date perforce tended to bring desperadoes from far and near, and for a while the inhabitants of the different villages on the banks of the Rhine endured a veritable reign of terror.

But almost from the outset the brigands realized that they would soon be undone if they grew too numerous. They knew that, in that event, strong military measures would probably be taken against them; so they made every effort to practise that union which is proverbially strength, and to prevent the enlisting in their ranks of anyone likely to prove cowardly or perfidious. In some cases, too, they actually had a well and capably organized system whereby one of their number could escape quickly, if need be, from the scene of his crime; for, like the French prisoners described in Stevenson’s St. Ives, they had a line of sanctuaries extending perhaps into Austria or Italy, the retreat in most instances being an inn whose keeper was sworn to hide and protect his robber guest at all costs. In short, there was honour among these thieves, and even a certain spirit of freemasonry; while, more important still, the captain of a band was very often in league with the few police officials of the neighbourhood.

The great highwaymen of Stuart and Georgian England — for example, that gallant Beau Brocade of whom Mr. Austin Dobson writes — were mostly content with waylaying a chance passer-by; while their contemporaries in France usually worked on this principle also, as witness the deeds of the band who figure in Théophile Gautier’s story Le Capitaine Fracasse. But the robbers of the Rhine were of different mettle from these, and often it was almost a predatory warfare rather than mere brigandage which they carried on. Frequently they had an agent in each of the villages on the river, this agent being usually a member of the scattered remnant of Israel; and the business of this person was to discover a house containing especial wealth, and then to inform the robbers accordingly. Having gleaned the requisite information in this wise, the gang would sally down from the mountains at dead of night; and it was customary, as they drew near to their prey, for the captain to call his henchmen to attention and see that each was ready for the imminent fray. Then, having gagged the village watchman and muffled his bell, they would proceed to surround the house they intended to rifle, and, should resistance be offered, to batter in the door with a log or other instrument. Sometimes it would transpire that the Jewish agent had misinformed them, telling them of booty where booty there was little, and woe betide him should this prove the state of affairs. Moreover, unlike the brigands in Gil Blas, these scoundrels of the Rhine would not be encumbered by prisoners, and they were wont to slay outright all who were minded to show fight.

Yet to their own brotherhood the robbers were invariably loyal, seldom failing to carry away with them such of their confrères as were wounded in the assault; for each was sworn to support his fellows under all circumstances, and awful was the fate of the marauder who violated this compact. It is told of a band commanded by one Picard, a cruel but brave leader, that one of its members chanced to be captured, and with a view to purchasing his freedom he gave information about the whereabouts of his chief. The next night, as the captive lay in his dungeon, a masked face suddenly appeared at the barred window, and in awestruck tones the prisoner asked the new-comer to declare his identity. “I am Picard, your captain,” came the answer. “As in duty bound, I have risked my life to set you free,” and having spoken thus, he proceeded to file through one of the bars, which being accomplished, the reprobate was drawn out of his cell by the aid of a rope. He breathed freely now, finding himself once more among some of his old comrades, but a moment later Picard addressed him again. “Traitor,” he snarled, “do not think that your perfidy has failed to reach our ears; you must pay the full penalty.”

“Mercy,” cried the unfortunate one; “at least let me die in action. Lead on against some foe, and let me fall at their hands.”

“Cowards,” retorted Picard, “deserve no such gallant fate,” and with these words he drove his sword deep into the heart of the traitor.

In general it was a point of honour among these bandits that none should reveal to a woman anything about the doings of his band, and one story relates how a young brigand, on the eve of setting out on his first predatory expedition, was rash enough to inform his sweetheart whither he and his mates were bound. Their commander was a Captain Jikjak, reputed something of a wit; and betimes, after the brigands had marched forward silently for a while, this worthy called upon them to halt. They imagined it was but the usual inspection of arms which was about to take place, but Jikjak, speaking in stentorian tones, told them that a traitor was in their midst, and pointing to the culprit, he bade him step forth. The young man pled his youth as an excuse for his fault, and he told the captain that, could he but get a chance to show his prowess once, they would soon see that he was as gallant a robber as any of them. But Jikjak laughed scornfully, saying he was anxious to find out which was stronger, the young man’s legs or a pair of trees. The culprit quailed on hearing the verdict, and implored a less ghastly fate; but Jikjak was obdurate, and smiling blandly, he bade his followers bend a couple of stout branches to the ground and tie their tops to the ankles of the offender….

Such, then, were the robbers of the Rhine, and such the code of honour which existed among them. A romantic institution they no doubt were, yet it was a form of picturesqueness whose disappearance can scarcely be regretted.

(Lewis Spence, Hero Tales and Legends of the Rhine, London; New York: 1915)

Bacharacher Bräuche und ein Wanderteufel aus der Eifel

Bacharach gehört zu den ältesten Städten am Rhein. Es war auch das ganze Mittelalter hindurch einer der berühmtesten Orte. Die Stadt scheint fast der bedeutendste Ort in dem alten Trach- oder Trachirgau, der sich lang und schmal am Rheine hinzog, gewesen zu sein. Die Dörfer Staag, geschützt durch die Burg Stalberg, Mauerbach sowie Oberund und das zu ihm gehörige Rheindiebach bildeten mit Bacharach den kleinen Staat der “vier Thäler”, wobei denn auch Bacharach als “Thal” mit eingerechnet wurde. Dieser Bereich war ein kleiner Staat für sich mit einer eigentümlich freien Verfassung, einer merkwürdigen Selbstregierung und einer mehr oder weniger vollständigen Abgeschlossenheit in sich. Die gesetzliche Regierung bildete der Vier-Thälerrat. Nach der Ordnung der Kurfürsten von der Pfalz von 1356 bestand er aus 24 Männern. Davon lieferte jedes Thal oder wie man es nannte jeder Thal drei und drei die Stadt Bacharach. Einer aus den Dreien, welche die Stadt Bacharach stellte, saß dem Vier-Thälerrate als Bürgermeister vor. Neben dem Rate bestand das Gericht aus 14 Schöffen, welchem der kurkölnische Saalschultheiß und der kurpfälzische Stadtschreiber beiwohnten. Der letztere sollte die Hoheitsrechte des Pfalzgrafen wahren und saß auf einem ihm besonders gesetzten Stuhle. Alle diese gerechnet, wird freilich die Zahl 24 überstiegen. Die eigentlichen Erwählten versahen ihr Amt bis ans Grab. Es galt in dieser Beziehung die Ansicht: Es sind brave Männer und sie wissen einmal die Gänge.

Die Gänge, welche der Vierthälerrat zu machen hatte, bestanden nämlich darin, daß er auch die “Gabelung” auf dem Weinmarkt vorzunehmen hatte. So begaben sich denn je vier Glieder des Vierthälerrates, begleitet von einigen Zechern, in den ihnen “zugewiesenen Thal”, um die Weine des Jahrganges zu probieren. Das geschah um Frühlingsanfang, wenn der Wein von den Hefen abgelassen war. Der bei der Gabelung festgestellte Weinpreis wurde den Käufern mitgeteilt. Der Weinmarkt zu Bacharach wurde bei gutem Wetter am Rheine auf dem freien Raume zwischen der Stadtmauer und dem Erdaufwurfe am Ufer des Stromes abgehalten. Die Verkäufer brachten noch einmal ihre Weinproben mit auf den Markt. Der Vierthälerrat stellte die silbernen Schalen zum Probieren für die Käufer. Unter dem gegabelten Preise durfte nicht verkauft werden, wohl aber darüber. Der Markt wurde ein- und ausgeläutet. Er war ein Volksfest, auf dem besonders die Winzer selbst sich gütlich thaten. Waren die Weine der vier Thäler verkauft, so kamen die “Franzischen” und “Hunischen” an die Reihe. Denn der Bacharacher Weinmarkt war durch Jahrhunderte der Stapelort und der Verkaufsort der sämmtlichen Weine des Rheingaues, bis die bevorzugten “Ebersbacher grauen Mönche” ihr köstliches “Gräfen-” und “Steinberger” Produkt und das des berühmten “Marcobrunn” von ihrem Stapelorte, dem “Reichharthäuser Hofe”, nach Köln selbst hinab zu verschiffen begannen und somit das uralte Herkommen durchbrochen wurde.

Zu den Weinmärkten in Bacharach kamen die Käufer bis von der Weichsel her. Die Bremenser “Weinherren” hielten hier in jedem Jahre eine gute Auslese für ihren Ratskeller. Windtmann hat daher in seiner musikalischen Kurzweil von 1623 die Reime:

“Zu Klingenberg am Main,
Zu Würzburg an dem Stein,
Zu Bacharach am Rhein
Hab’ ich in meinen Tagen
Gar oftmals hören sagen,
Soll’n sein die besten Wein’.”

An das Rathaus, in dessen Bürgersaale bei schlechtem Wetter der Weinmarkt abgehalten wurde, knüpft sich die folgende Sage. In dem Hause, welches links an das Rathaus stößt, wohnte ein Mann Namens Minola. Er war unverheiratet und hatte eine mürrische alte Haushälterin. Diese konnte einst in der Nacht nicht schlafen. Da es gerade Neumond war, so meinte sie, es sei schon Tag, sie könne aufstehen und für sich und ihren Herrn ein Zwiebelsüpplein kochen. Es war aber zur Winterszeit und recht kalt. Sie wickelte sich fest in ihre Kleidungsstücke und wollte Feuer anschlagen. Allein die Finger waren ihr zu steif und sie bekam durchaus kein Feuer. Da öffnete sie den Fensterladen und wollte am Markt umherschauen, ob nicht in einem Hause schon Feuer wäre. Aber alle Häuser waren noch dunkel. Nur von dem “Bogen” des Rathauses her fiel ein roter Feuerschein auf den Markt. Da nahm die Alte ihr “Feuerstoofchen” und ging aus dem Hause dem Feuerscheine nach. Als sie vor dem Bogen stand, der noch von dem älteren Rathause herrührt, sah sie einen hohen Kohlenhaufen mitten unter dem Bogen. Ein großer schwarzer Mann saß dabei und neben ihm lag ein großer schwarzer Hund. Es wurde ihr zwar bei dem Anblicke etwas gruselich, sie dachte aber, es wäre einer von den wandernden Spenglern oder Löffelgießern, die aus der Eifel kommen. Wie auch der Hund knurrte, so bot sie doch dem Schwarzen einen guten Morgen und bat um ein paar Kohlen, damit sie Feuer anmachen könne. Der Schwarze winkte nur und blickte auf das Feuer. Da ergriff die Alte das Schüreisen, welches bei dem Feuer lag, legte einige Kohlen in das Feuerstoofchen, dankte und ging rasch davon. Zuhause schüttete sie die Kohlen auf den Herd, aber sie waren völlig erloschen. Die Alte fürchtete sich nun vor dem Hunde und vor dem groben Gesellen, aber dennoch ging sie zum zweiten male zum Feuer am Rathausbogen. Zwar entschuldigte sie sich damit, daß die Kohlen erloschen seien. Aber der Mann aus der Eifel sah sie gräulich an und der Hund knurrte noch lauter als das erste mal. Auch ergriff der vermeinte Spengler jetzt das Wort und drohte der Alten den Hals umzudrehen, wenn sie zum dritten male käme. “Dann behaltet auch jetzt Eure Kohlen und laßt sie Euch einpökeln!” rief die Alte. Sie kannte ja keine Furcht und ihre verstellte Freundlichkeit hatte nur den Zweck gehabt, zu bewirken, daß sie in den Besitz der Kohlen käme. Nachdem diese Hoffnung gescheitert war, entsagte sie der Höflichkeit und ging mit einem derben Schimpfwort davon. Da fuhr der Hund auf sie los, und auch der Schwarze geberdete sich noch grimmiger als zuvor. Die Alte aber sprang mit einer Lebendigkeit, welche man nicht mehr von ihr hätte erwarten sollen, davon. Sie war froh, als sie die Thür ihres Hauses hinter sich verschlossen hatte. Eben schlug es Eins vom Turme, und da die Stunde von Zwölf bis Eins bei Vielen für die Geisterstunde gilt, so merkte sie, daß sie fast dem Satan in die Krallen und beinahe dem Höllenhunde in den Rachen gelaufen sei. Nun schauderte sie denn doch zusammen, als sie wieder unter ihrer Bettdecke lag; auch vermochte sie nicht wieder einzuschlafen. So hörte sie jeden Glockenschlag von 2-6. Um sechs stand sie auf. Es war noch ganz dunkel, aber mit Leichtigkeit konnte sie jetzt Feuer anschlagen. Sie zündete die Ampel an und leuchtete auf den Herd. Da hatten sich die Kohlen in Gold verwandelt. Sie beriet sich mit Herrn Minola, dieser aber zog einen Geistlichen zu, und so wurde von dem Teufelsgolde das Hospital zum heiligen Geiste gestiftet.

(aus: Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten, Berlin 1886)

Binger Mäuseturm

bingen_mäuseturm_merianMeüsthurn. Der Binger Mäuseturm auf einem Stich von Matthäus Merian 1646. Im rechten Bildmittelgrund die Nahemündung.

bingen_mäuseturm_lautersLithografie von Paulus Lauters vor der Turmrestaurierung 1854.

Der Mäuseturm als aufhellendes Wandgemälde einer düsteren Rheinsteig-Unterführung in St. Goarshausen. Die Geschichte um den ob seines Geizes und seiner Hartherzigkeit bei lebendigem Leibe von Mäusen (im seither sogenannten Mäuseturm) aufgefressenen Bischof Hatto gehört zu den brutalsten des deutschen Sagenschatzes.

Von Baugerüsten umgebener Mäuseturm und Burg Ehrenfels im Oktober 2014.

De Rijn: een tochtje naar de hoofdstad

Amsterdam, waterrijke stad, deels gebouwd op hout uit het Schwarzwald, is rijkelijk voorzien van bruggen. Maar de stad met de meeste bruggen van Europa ligt aan de rivier waarover dat hout naar hier kwam: de Rijn.
Bruggen kun je opvatten als metafoor: voor de rol van mythen, geschiedenis, cultuur, als constructies van menselijke betekenissen, terwijl het stuk natuur zijn gang gaat. Daarom houd ik hier aan de hand van een paar Rijnbruggen, begeleid door eigen foto’s, een vertelling over de Rijn als mythe in het heden, vervlochten met politiek en toerisme, voort stromend naar de toekomst.

Toegegeven, voor het meest mythische deel van de Rijn is dat niet de meest geëigende aanpak: tussen Mainz en Koblenz heb je er, afgezien van de bijbehorende stadsbruggen, helemaal geen. Maar dat betekent niet, dat dat oord van zwelgende romantiek, tussen zijn steile bergwanden met wijngaarden, probleemloos op zijn plek ligt. Het valt niet op, als je er doorheen treint. Er zijn echter steeds meer mensen die het helemaal niet fijn vinden, dat jij dat doet; die er niet van genieten, dat er vierentwintig uur per dag doorheen wordt getreind, niet alleen door mensen, maar vooral ook door goederen. De Betuwelijn draagt in ernstige mate bij aan de inmiddels continue overlast in het dal van de Mittelrhein, waar het geluid zo heerlijk hangen blijft. Menigeen in die smalle stadjes hoopt diep in zijn hart, dat de schone maagd op de Loreley de treinmachinisten dermate betovert, dat die stomweg oplossen in de woeste baren van het brede water. Of, variërend op Heine’s Loreley-gedicht, waarbij het minstens goed is om te weten, dat ‘Schaffner’ het Duitse woord voor ‘conducteur’ is:

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schaffner und Bahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Daar gaat het niet van komen. Zo kun je slechts actie voeren – en dat gebeurt, onophoudelijk, maar met weinig kans op succes: de Rijn als oord van voort tuffende scheepvaart is voor de snelle wereld te langzaam. Het leidt tot de bittere ironie, dat het als ecologisch meest verantwoord beschouwde vervoersmiddel, de trein, die oude plaatselijke idylle van samenleven tussen mens en natuur almaar verder ondergraaft. En de mensen kunnen niet weg: zij raken hun huis aan de spoorbielzen niet kwijt. Ze zitten gevangen in een idylle, die je enkel toeristen toewenst. Maar ook die hebben, met al die herrie op de hotelkamer, er steeds minder trek in.

Ze tijgen misschien noordelijker, zoals wij, naar zes, welbeschouwd: zeven, bruggen, in drie staten van voltooiing. We treffen als eerste een bouwwerk dat heel wat van die treinen naar het Rijndal ziet passeren.
Tegelijkertijd werpt zijn naam een gestrenge schaduw over het imago van het Rijnland als oord van gemoedelijkheid en lossere levensstijl: de Keulse Hohenzollernbrücke.
De naam verwijst naar die ene dynastie die het keurvorstendom Brandenburg opstootte in de vaart der volkeren, om dan als koninkrijk Pruisen vanaf 1871 de Duitse keizer te leveren. De eerste van hen, Willem I, ziet u links te paard.
De oude vrije rijksstad Keulen, in 1815 na een Frans intermezzo toegevallen aan Pruisen, werd rap tot vesting omgebouwd, vanuit de gedachte dat het Rijnland ‘de eerste beschermingswal voor de Duitse vrijheid en onafhankelijkheid’ vormde. Dat kreeg eens te meer vorm, zodra de Hohenzollern de keizerstroon bekleedden, en Duitsland, onder rijkskanselier Bismarck, voor het eerst in de geschiedenis tot een staatkundige eenheid werd omgesmeed. Het was de tijd waarin het lied ‘Die Wacht am Rhein’ hoogtij vierde, met zijn roemruchte regel ‘Lieb Vaterland, magst ruhig sein’. Het bolwerk Keulen moest in hoge mate tot die zielenrust bijdragen. En om juist daar de grootsheid van de Duitse cultuur te beklemtonen, werd eindelijk die enorme, onvoltooide gotische kerk afgebouwd, de welbekende Dom, pal aan brug en Hauptbahnhof gelegen.
De komst der Pruisen bracht Keulen een gestrengere mentaliteit dan men er gewoon was. De al sinds jaar en dag bestaande uitlaatklep, geheten carnaval, greep eens te meer om zich heen, aanvankelijk via het uitdagend dragen van Franse uniforms. De Pruisen deden alles om het carnaval te reguleren, maar de bijbehorende vrijheidszin liet zich niet zomaar beteugelen: ze waaierde uit over het Rijnland. Diezelfde wieg van het Rijnlandse carnaval groeide na de Tweede Wereldoorlog uit tot een van de meest liberale steden van Duitsland, zeker ook op cultureel gebied. Al heeft Keulen op dat punt door de opkomst van Berlijn aan betekenis ingeboet, de statusverandering van militair bolwerk naar levendig oord van samenkomst uit zich tegenwoordig minstens nog aan de Hohenzollernbrücke. De hekken tussen spoor en fietsgedeelte worden opgesierd door vrijelijk op te hangen liefdessloten: fietssloten, waarmee paartjes hun verbondenheid uitdrukken.

Zulke staalharde gevoelswarmte geldt in Keulen niet per se voor die andere stad in het Rijnland, waarvan de twee voornaamste, identieke, Rijnbruggen tegenwoordig heel Noordrijn-Westfalen representeren, door hun dagelijks verschijnen in het decor van het WDR-nieuwsmagazine Aktuelle Stunde. Een ervan ziet u hier, gefotografeerd vanonder de ander:
03_rijnbruggende Rheinkniebrücke van Düsseldorf, de Verbotene Stadt, zoals Keulen en Düsseldorf elkaar noemen. Dat gekibbel vindt zijn oorsprong in een van de verkeersknooppunten te Düsseldorf: de Worringer Platz. Worringen was een vlek ter plekke van het plein, waar in 1288 een boerenleger onder graaf Adolf von Berg de Keulse bisschop versloeg, met als resultaat dat het nabije gehucht aan het beekje de Düssel stadsrechten verwierf. Sindsdien is het nooit meer goed gekomen tussen het aloude Keulen en het omhooggevallen dorp, dat bovendien pas rond 1700 wat voor te stellen begon: keurvorst Johann Wilhelm II von Jülich-Berg, op zijn Düsseldorfs Jan-Wellem, legde toen de grondslag voor het moderne Düsseldorf, zowel economisch als cultureel. Ook het voornaamste stadspark, de Hofgarten, is aan hem te danken. Het legde de basis voor de negentiende-eeuwse uitbouw als ‘Gartenstadt’, terwijl de stad ook anderszins zijn vleugels uitsloeg, op een wijze die zich de huidige bezoeker niet eens kan voorstellen.
Die weerklinkt ook niet direct in het ene stuk muziek, dat Keulen en Düsseldorf met elkaar verbindt: de Derde Symfonie van Robert Schumann, bijgenaamd de Rheinische. Schumann schreef zijn stuk in 1851, juist aangesteld als stedelijk muziekdirecteur te Düsseldorf. Inspiratiebron vormde de op dat moment nog niet voltooide Dom van Keulen. De daaraan ontleende sfeer van goedmoedige levensvreugde, ondanks de duistere momenten uit het derde en vierde deel, verleende de symfonie zijn bijnaam. Maar al snel werd Düsseldorf ook de stad van duistere momenten, van vierentwintiguurs-arbeid, met name in de staalindustrie. Ze zijn nagenoeg allemaal weg, maar ooit stond Düsseldorf vol met fabrieken, en daar werkten mensen uit allerlei streken, tegen karig loon, in weinig florissante behuizing. Waar Düsseldorf van de ene kant de stad was van de burgerij, het hogere kader, de fabrieksdirecties, de culturele sector, was ze van de andere kant ook sterk proletarisch. Nog altijd bestaat die scheidslijn: het noorden is het deel met de meeste toeristische aandacht, het deel van de Rijnpromenade met zijn terrassen en Lufthansa-reclamevlaggen, met de moderne architectuur van de Medienhafen, met de Altstadt, die zich op de borst klopt de langste kroegtoog ter wereld te zijn, met zijn musea en galeries en zijn altijd wat sjieke gemoedelijkheid, alsook de ietwat prijzige Königsallee.
Het zuiden is gemiddeld armer: het begint pal achter Hauptbahnhof, met de wijk Oberbilk. Ga van het welgestelde Oberkassel, aan de overkant van de Rijn, naar Oberbilk, en je hoeft maar naar de gevels te kijken om het verschil te zien. Het oude communistische en anarchistische bolwerk Oberbilk, oord van de bloedig neergeslagen Spartacus-opstand van 1919, dan gepaaid met volkstuinen en een centrale drankenkiosk, maakte later mee, dat de geallieerde bommenwerpers de fabrieken spaarden, de huizen echter aan flarden schoten. In de jaren nadien was het ach zo gemoedelijk Rheinische stadsbestuur uitermate laks met de wederopbouw van die wijk vol minder prestigieuze vreemdelingen. Pas de laatste jaren wordt de schade ingehaald, al zal het moderne gerechtsgebouw op de plek van de als laatste buiten werking gestelde staalfabriek niet meteen het gevleugelde gezegde van oude Oberbilkers tenietdoen: ‘In Düsseldorf war ich schon lange nicht mehr.’

Dertig kilometer noordelijk is het probleem van uitgewiste industrie nog wat radicaler: in Duisburg, de stad met de meeste bruggen van Europa, een goede 700. Een ervan is kapot, maar dat komt niet door de Tweede Wereldoorlog.
04_rijnbruggen Het oude bruggenhoofd, met zijn burchtachtige uitstraling, werd pas echt toonbeeld van vooruitgang, toen het van zijn spoorbrug werd ontdaan, die vanaf 1873 de huidige wijken Rheinhausen en Hochfeld met elkaar verbond. In Rheinhausen, ginds aan de linkeroever, stichtte ietwat later de familie Krupp het Hüttenwerk Rheinhausen, binnen de kortste keren het grootste hoogovens-complex van Europa, gelijk opgaand met de razende ontwikkeling van Duisburg als geheel. Al snel voldeed de brug niet meer, waarop ze in 1927 werd vervangen door die ernaast, al is dit de derde versie, in 1949 aaneengelast op basis van restanten van de eersteling, zelf in 1945 opgeblazen door de zich terugtrekkende Duitse troepen. Het provisorische karakter ontgaat je niet, als je het bijbehorende fietspad neemt. Reis je er dan met de trein overheen, ben je er wat minder gerust op.
Al geldt die slechte staat voor een op de zeven Duitse bruggen, ze tekent ook Duisburg. Lang was die grootste binnenhaven van Europa op het kruispunt van Rijn en Ruhr, een moloch van zware arbeid. Het Rheinische van de goedmoedige levensvreugde ging vooral op in ‘Maloche’, het Duitse woord dat treffend de vermoeienis van zijn betekenis uitdrukt: keihard ploeteren. Dat gold voor duizenden mensen uit verre streken, die soms met zijn vijven één bed moesten delen. En dat harde werken bleef maar doorgaan, ook na de verregaande destructie tijdens de Tweede Wereldoorlog en de wederopbouw: bij een extreem lage werkloosheid moesten steeds meer arbeiders van buiten worden aangesleept, primair vanuit Turkije.
Vanaf de jaren 1970 verloor de staalindustrie echter stilaan de concurrentie met opkomende Aziatische machten. Zo werd Rheinhausen in 1987 uitvalsbasis van een van de grootste arbeidersopstanden uit de geschiedenis, uit protest tegen de sluiting van de hoogovens. Die uiterste solidarisering tussen arbeiders van verschillende herkomst mocht niet baten: het Hüttenwerk ging ten einde. Nu rest enkel nog het oude receptiegebouw, ergens tussen containerterminals.
Duisburg is die teloorgang nog altijd niet te boven, ondanks alle pogingen tot ‘Strukturwandel.’ Waar ooit het bevolkingsaantal enkel steeg, loopt het nu drastisch terug: wijken vervallen, steeds minder belastinggeld stroomt binnen bij een stad die steeds verder rood staat. Tal van projecten om Duisburg te laten aansluiten op het Rijnland als oord van het goede leven, mislukken, al kan niets op tegen het debacle van de Love Parade met zijn eenentwintig doden in 2010, toen nieuw Rijnlands elan belangrijker was dan levensvatbaarheid.
In Duisburg is minstens één sector wel succesvol: de rosse buurt, de grootste van Europa. Een van de belangrijkste pandjesbazen daar is – vanwege Rheinhausen, waar die rosse buurt niet is – dit jaar in het nieuws geweest. Hij bezit daar een appartementencomplex uit de jaren 1960: niet meer tiptop, maar voor Roemeense, en zeker voor Bulgaarse Roma, een oord van ongekende luxe. Die nieuwe bewoners waren een tijdlang echter nog niet gewend aan vuilnisophaal – niet zo handig in Duitsland. De omwonenden niet blij met de rotzooi, demonstraties volgden, de pandjesbaas werd uitgemaakt voor uitbuiter (maar de vraag was enorm, het aanbod beperkt; had hij veertig mensen voor bodemprijzen in één appartement gestald, was het ook niet goed geweest), extreemrechts bemoeide zich ermee, waarop linkse activisten lukraak buurtbewoners in elkaar mepten.
Toen een groep bewoners het voor de nieuwe buren opnam, leek de Rheinische gedachte van de smeltkroes van culturen, gepaard aan de herinnering aan bittere tijden, dan toch de overhand te krijgen. Maar de sociaaldemocratische burgemeester en de politiewoordvoerder moesten zo nodig zeggen, dat ze die EU-burgers weg wilden hebben. Het rood-rood-groene stadsbestuur hielp nog een handje mee door de kwestie te reduceren tot een aangelegenheid van de politie, terwijl die vooral de nieuwelingen op criminele activiteiten had onderzocht: naar bleek, ten onrechte. De stigmatiserende law and order-variant van het Rijnlandse model, de sociaaldemocratische idee van overheidsinzet tot rechtvaardige maatschappelijke samenhang, kreeg zijn logische vervolg: nergens in Noordrijn-Westfalen verwierven bij de recente Bondsdagverkiezingen de drie extreemrechtse partijen zoveel aanhang. Die voelden zich afgelopen weekend voldoende gesterkt voor een nog veel uitgesprokener racistische demonstratie, toegejuicht door mensen uit de buurt. In een andere wijk werd de afgelopen dagen zelfs een huis met vier Roma-families in brand gestoken. De buurt schaarde zich echter meteen rond de slachtoffers.
Misschien biedt het oude bruggenhoofd in zijn nieuwe functie toch iets van hoop: aan zijn overkant is een uitgebreid observatiecomplex ingericht, inclusief speeltuin. Zodat men over de burchtachtige mentaliteit goed Rijnlands lachen kan.

Ook in het noordelijker Wesel moet je autoriteiten niet te serieus nemen:
05_rijnbruggenhet gevaarlijke spoorlijntje op de voorgrond, deel van de Rijnpromenade, leidt naar buiten bedrijf genomen industrie. De spoorbrug aan de overkant heeft evenzeer haar beste tijd gehad. Ze werd, evenals de brug te Duisburg, in 1945 door de Duitse troepen opgeblazen. Hier kwam het nooit tot eerherstel: de kosten wogen niet op tegen de te verwachten opbrengst. Gezien de geschiedenis was dat verstandig. Al vanaf haar ingebruikname in 1874 was ze een financieel blok aan het been. Ze maakte deel uit van een project om Hamburg met Parijs te verbinden, met Venlo als scharnier. Maar de aanleg van deze meest geavanceerde brug van haar tijd, was zo kostbaar dat van meet af aan een toeslag moest worden berekend, terwijl de streek tussen Wesel en Venlo niet draagkrachtig genoeg was.
Dat gebied aan de overzijde heet de Niederrhein: een wonderschone, maar onzekere streek, want niemand weet waar zij precies haar grenzen heeft. Vast staat, dat de streken rond Kleve en Geldern er deel van uitmaken, maar daar is alles mee gezegd. Volgens de een behoort Mönchengladbach in het zuiden er wel bij, volgens de ander niet, wat ook weer geldt voor het noordelijke Wesel. De onzekerheid wordt versterkt door de historische positie van de streek, als meest Nederlands stukje Duitsland, tot diep in de achttiende eeuw zelfs ‘Niederlande’ genoemd. De wisselwerking tussen oost en west zwakte pas af onder Bismarck, minstens door diens bestrijding van het plaatselijke dialect, een mengelmoes van Nederlands, Limburgs en Duits.
Het gevoel van uitzondering binnen Duitsland zit echter dieper. Vijf eeuwen lang hadden de Romeinen in hun belangrijke nederzetting Ulpa Traiana, dichtbij het huidige Xanten, hun eigen ‘Wacht am Rhein’ tegen de Germanen. Maar dat Ulpa Traiana nooit de positie van Keulen bereikte, hangt samen met de reden, waarom de Niederrheiners zich eerder negatief met de Rijn identificeren. In hun streek konden zich, even afgezien van het zuidelijke Moers, nooit havensteden ontwikkelen, vanwege de fluctuerende loop van het water. Dit lot trof Ulpa Traiana in de derde eeuw na Christus: de haven verzandde, toen de rivier een nieuwe bedding vond.
Zo identificeert zich de traditionele Niederrheiner eerder met de eigen directe omgeving dan met de Niederrhein als geheel, anders dan in menige andere Duitse streek het geval. Die onzekere identiteit raakt inmiddels wat nader omschreven, door de opkomst van het toerisme, wat tot grotere regionale trots leidt. En niet voor niets: de Niederrhein nodigt alleen al uit tot prachtige fietstochten. Maar dat toerisme geldt meer de oude stadjes met hun rijke geschiedenis dan het water; meer de weidse uiterwaarden en de dijken dan de Rijn zelf; meer een riviertje als de Niers dan de grote Rijn; meer het landschap met zijn lommerrijke, kronkelende openheid dan het schaduwloze kronkelen van de Rijn. Al met al is de Niederrhein de streek waar de Rijn als mislukte grensrivier het minste bestaat; waar de mythe langs de mensen afglijdt.

Het was allemaal heel anders gelopen, als de rivier er zo bij gelegen had.
Ja, dit is Rijnwater, maar niet de Rijn bij Arnhem. Het bruggetje waarvan hier de eerste taludsporen verschijnen, wordt aangelegd over het zogeheten Meertje, het stroompje, dat parallel aan de grote oude Nijmeegse Waalbrug is gelegen. Het is niet minder dan een brug van nieuw elan, rechtstreeks samenhangend met het elegante bouwwerk dat twee kilometer stroomafwaarts nu bijna voltooid is.
Met zijn tweeën maken ze deel uit van een project dat Nijmegen tot stad van de toekomst moet maken.
Wie in Nijmegen woont, hoeft maar naar de Waalkade te gaan om overweldigd te raken door de kracht van het water, zoals het zich onder de oude Waalbrug door slingert: een schouwspel van ootmoed en ontzag, daar waar de rivier voor een stuk relatief smal is. Door klimaatverandering dreigt zich dat natuurgeweld tot ongekende proporties te kunnen ontwikkelen. Zo wordt inmiddels gewerkt aan een project, waarbij een ontlastende nevengeul gegraven wordt, er aldus een eiland ontstaat. Tegelijkertijd moeten nevengeul en eiland het toerisme bevorderen.
De grote brug is binnen dat project bestemd om de verkeersstromen vanuit het nieuwe, grotendeels al voltooide Nijmegen-noord soepeler te laten verlopen. Maar wie serieus bedacht is op ecologische consequenties, zou er juist voor moeten zorgen dat in de eigen contreien vooral extra landbouwgrond beschikbaar komt, zodat we heel wat minder voedsel vanuit verder gelegen streken moeten laten aanrukken. In plaats daarvan is Nijmegen nu voorzien van een flink Vinex-complex, waar het even kan duren voor je bij het winkelcentrum belandt.
Het eerdere bruggetje moet het de toerist op zijn beurt makkelijker maken om direct vanaf de Waalkade langs de boorden van de Waal te wandelen. Anders zou hij, in de Vierdaagse-stad Nijmegen, een hele kilometer moeten omlopen. In de uiterwaarden komen dan nog heel wat meer plastic flessen terecht. En mede vanwege diezelfde hoop op toerisme komt ook almaar dichterbij de dag, waarop in het Valkhof-park, met zijn weidse uitzicht, een imitatie-donjon zal verrijzen, die in zijn magere up moet herinneren aan de immense burcht die er ooit stond, zinnebeeld van Rijnlandse grootsheid.
Om het bijbehorende optimisme te beklemtonen, heeft men op de spoorbrug een Nescio-citaat gepoot. Logisch zou zijn: ‘‘Op een zomermorgen om half vijf, toen de zon prachtig opkwam, is hij van de Waalbrug gestapt.’’ Dat kun je een toerist niet aandoen. Zo staat er nu: ‘Zij staarde in de Waal. Mooi hè? Toen leunde ze haar bovenlijf uit ‘t raampje en keek naar Nijmegen, dat daar lag op de heuvels aan de rivier, zoo on-Hollandsch, zwak romantisch, […].’ Et cetera, maar die romantiek staat wat haaks op het rondom gerealiseerde inzicht, dat klimaatverandering de grootsheid van de Rijn tot een gevaar kan maken. Immers: als het IPCC gelijk heeft met de voorspelling, dat we in het slechtste geval in het jaar 2100 een temperatuurstijging van 4,80 C tegemoet kunnen zien, dan leven sommige kinderen van nu tegen die tijd in een wereld zonder besneeuwde Alpentoppen. In de winter komt al hun regenwater vrolijk deze kant op; in de zomer is er misschien nauwelijks water. De Nijmeegse pleziervaart zou een heel seizoensgebonden onderneming kunnen worden; de Rijn als constante stroom eens te meer een mythe.
Wat ook kan, is dat de recente, nauwelijks besproken waarschuwing van verzekeringsgigant Swiss Re bewaarheid wordt, en wel, dat in het jaar 2100 de Randstad onder water staat. Dan biedt onze oude Middeleeuwse hoofdstad Nijmegen vanuit zijn hippe donjon uitzicht over de Baai van Arnhem, en is de benedenstroomse Rijn voorgoed een mythe, samen met de Betuwelijn.

(Ein Gastbeitrag von Lucas Hüsgen. rheinsein dankt! Mehr über den niederländischen Autor und Übersetzer gibt es auf seiner Homepage. Dort zu finden ist auch der hier präsentierte Text, erweitert um einige Anmerkungen zum Schicksal der Roma in Duisburg.)