Leuchttürme des Rheins: der Westwall

Nur unterbrochen vom stolzen Münsterberg zu Breisach, der sich wie ein Wellenbrecher in den mächtigen Strom schiebt, zieht der Alte König Rhein sich pfeilgerade durch sein weitläufiges Delta, das sich wenige Dutzend Kilometer nördlich des Rheinknies zu Basel, auffächert.

Zum Bedauern und Nachteil aller geradlinigen und anständigen Zeitgenossen, tummeln sich allerlei Nachtschattengewächse auf dem altehrwürdigen Gewässer. Namentlich die Flusspiraten stellen ein großes Ärgernis und argen wirtschaftlichen Schaden dar.
Zudem sitzt auf dem abendlichen (das ist das westliche -) Ufer der WELSCHE, welcher ein Volksstamm fremder Zunge und Lebensart, mit dem seit urvordenklichen Zeiten in unschöner Regelmäßigkeit allerlei Fehde und Raufhändel vor sich geht.

Aus diesem Grund sah sich die weltliche Obrigkeit genötigt, den betreffenden Stromabschnitt aufs Sorgfältigste zu befestigen und zu sichern.

Auf der ganzen Länge bis weit nördlich der Festung Straßburg, schlussendlich bis auf Höhe des Badischen Jerusalems, der Erzresidenz seiner Markgräflichen Magnifizenz, des Markgrafen höchstselbst, der Planstadt Karlsruhe, zieht sich eine Perlenschnur trutziger Wehrtürme.

Denn dort sind nicht nur Leucht-Vorrichtungen installiert, sondern jeder Turm ist vom Fundament bis zum dachseitigen Wetterhahn mit fortschrittlichsten Waffen-Installationen versehen. Weil im Inneren jeweils ein elektroid-mechanischer ewiger Paternoster seine Bahn zieht, nennt man sie auch die Westwall-Maschinentürme.

Manch einem Flusspirat, der sich plötzlich im Lichtkegel eines Westwall-Turmes wiederfand, pfiffen im gleichen Moment Projektile um seine ungesetzlichen Ohren… und mancher Welsche, mit einschlägigen Absichten „gesegnet“, musste angesichts der herabhagelnden Granaten von seinem Schandwerk ablassen und sich in seinen heimischen Graben oder Bunker verziehen –

Dank unseres hochwohllöblichen Markgrafen, seiner erlauchten Magnifizenz Ludwig, steht der Wall, Turm an Turm, ein jeder in kunstgerechter Entfernung zwecks Benutzung optischer Telegraphen, und die pflichteifrigen Besatzungen halten den Strom von Befleckung durch Schandbuben rein und schützen unsere Ufer vor den Tückebolden aus dem Welschenland –

(Ein Gastbeitrag und zwölfter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: das Große Delta

Nördlich des Rheinknies windet sich der gewaltige Strom durch ein wildes, fast grenzenloses Delta, bei genauer Betrachtung zieht es sich bis weit hinter den Zusammenfluss mit dem Neckar, wenn sich bald das vereinigte Paar Rhein und Neckar durch die felsigen Klüfte und Abgründe Rheinhessens windet…
Kundige erinnern sich, der geniale Konstrukteur und Ingenieur Tulla habe in der markgräflichen Gewerbeakademie zu Mannheim einen Entwurf erarbeitet, den Fluss nördlich des Rheinknies bis weit hinter die markgräfliche Residenzstadt in ein künstliches Bett zu zwingen, einerseits wegen besserer Beschiffbarkeit, andererseits um weitere Flächen für Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und allgemeines Gewerbe zu gewinnen – allein, ein unglücklicher Ehrenhändel, der im Tod des genialen Konstrukteurs ausging, habe das kühne Projekt verhindert – bis heute wagte sich niemand mehr an eine derartige Herausforderung…
Ein Weniges hinter dem Rheinknie sitzt der Pralle Hans-Erwin, der erste einer langen Reihe mächtiger Leuchttürme, die, aufgereiht wie eine Perlenschnur, die mäandrierende Fahrrinne ausweisen und sowohl dem Fracht- wie dem Personenschiffer den Weg weisen, im Besonderen zur Nacht, wenn die Orientierung im konfusen Delta sonst praktisch unmöglich –
Das nächste Schifffahrtszeichen ist dem weiblichen Geschlechte gewidmet – die Dulle Greet steht in einer Entfernung, die den Austausch lichttelegraphischer Zeichen ermöglicht, ein weiterer Gewinn neben dem alleinigen Stromverkehre –
Die Leuchttürme sind mit einem auffälligen Gewirr dicker und dickster elektrischer Stränge verbunden, muss doch die Elektrizität im Historischen Kraftwerk zu Rheinfelden-Lauffenburg gewonnen werden und vermittels Überlandleitung an ihren Einsatzort transportiert werden, am Prallen Hans-Erwin wird sie eingespeist und in der Folge von Turm zu Turm weitergereicht.
Stromabwärts reihen sich in sinnfälliger Folge der Fidele Hanspeter; der Lässige Kasper; die Grüne Minna; der Heilige Sei-Bei-Uns; der Helle Gunki; die Fette Metze; der Horige Hudeli; und am Ende der Stromtrasse Fidelia mit den breiten Schenkeln; dort sind wir schon auf Höhe Hardtheims – aber das ist eine andere Geschichte…

(Ein Gastbeitrag und zehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: das Rheinknie leuchtet

Von weitem findet der unerschrockene Binnenschiffer den Fluss aber auch das angrenzende Umland außergewöhnlich beleuchtet, so er sich der Metropole Basel nähert.
Manche empfinden das Licht als „taghell“, andere relativieren eine derartige Aussage.
Manch Kapitän soll des Nachts hinter seinem Steuerruder die Gazetten studieren, bevor er zur Nachtruhe in den mächtigen Rheinhafen zu Basel einläuft und so die Glühbirnen seines Fahrzeuges schonen.
Die wirkmächtige Beleuchtung verdankt sich dem ungeheuren Leuchtturm zu Basel am Rhein.
Gut fünfhundert Meter erhebt er sich in die chemiedurchwölkten Lüfte. Genau hat noch niemand seine Höhe zu messen vermocht – zu gewaltig aufragend das Bauwerk.
Man sagt, ein Gutteil, der in den beiden Basler Teilkantonen erzeugten Elektrizität werde für den gewaltigen Strahler des Leuchtturmes benötigt. Was wiederum kein Problem darstellt, erfreuen sich doch die angrenzenden Stadtquartiere einer geradezu märchenhaften Illumination.
Er steht auf dem westlichen Ufer, da wo das Gewässer seinen gewaltigen Bogen ausführt.
Niemand weiß, wann das enorme Bauwerk errichtet wurde. Klar ist, es stand lange, bevor sich Menschen am Strom niederließen.
Die Stalaktiten und Stalagmiten unter den mächtigen umlaufenden Galerien und Balkonen legen ein unmissverständliches Zeugnis größter Zeiträume ab.
Auch finden sich in den verbauten Steinen allerorten fossile Lebensformen – als Abdrücke – die von einer Fauna und Flora lange vor der uns bekannten zeugen.
Der imposante Turm muss also deutlich älter als die Gattung des Menschen sein.
Ist er ein Rätsel, so gibt er doch Licht.

(Ein Gastbeitrag und neunter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Gorrh (20)

Mitten in renovierten Bezugsumgebungen wird Gorrh (dh wird Gorrh Gorrh, dh wirrt Gorrh, dh Gorrh wird Wirt), nach ausgeprägtem, überstandenem Kautschkartoffelstudium mit Bringepizza und den bewußtseinsintensiven Nährstoffen seiner Ängste (und noch unkeuscheren Substanzen), während dessen Gorrh sich mit sämtlichen TV-Sendeformaten vertraut machte und ausgedehnte Werbetelefonate mit Unternehmen vornehmlich der Telekommunikations- und Glücksspielbranche führte, somit das menschliche Potential der Heimat in prägenden Grundzügen erfaßte, eine Wirkperiode, als deren frühes, unvollendetes Resultat Gorrh nicht zuletzt seine Nachbarn in den gesamtgesellschaftlich viel zu wenig genutzten Stunden zwischen 3 und 5 Uhr morgens mit ultraernsten, übereindutzendaktigen Klopfzeichenopern im Stile des gehobenen Autismus` der ersten rot-grünen Bundesregierung unterhielt bzw versorgte, wird Gorrh sich nun seine (lediglich zum Undercoverstudium angenommene, dann aber unversehens ausgeartete) Opferrolle als Erwerbsloser in den monströsen allesdurchdringenden Wucherungen des Ariel-Kapitalismus wieder abwaschen und sich zu diesem Zweck rheinabwärts treiben lassen. Um dieses Vorhaben bestvorbereitet umzusetzen, hat er sich im Internet einen Wickelfisch bestellt. In den paßt alles für unterwegs, selbst Gorrhs zweites bis siebtes Ich (Gärrh, Goarhh, Groaaahh, Gerd, Gurrh und Gretel) haben Platz im Wickelfisch, nebst Ersatz- und Ausgehwickelfischen in zeitlosen wie in Saisonfarben. Was Gorrh sonst noch einpackt, verschweigen, weil es locker auf eine Kuhhaut geht, die meisten Frauenzeitschriften: ein Säckchen Callifora vicina, ein Säckchen Lucilia bufonivora, ein Säckchen Vogelblutfliegen (gemischt) und sein tiefenentfaltbares Landschaftsstethoskop. Ok, jetzabbamavorrran! Gorrh kniet sich ins Rheinknie. Das Flußwasser wallt Gorrhs Pelz. “Nein Gorrh, dies ist kein Abklingbecken!” “Hä? Wer spricht?” Um die Selbstreinigung zu beschleunigen, richtet sich Gorrh zum Schlot, klappt die Nüstern auf und stößt den giftigen Dampf, der sich in seinem Körper, in seiner Persönlichkeit gesammelt hat, senkrecht hindurch, eine vom Turm des Freiburger Münsters gut sichtbare Säule. Wenig später gellen die Sirenen. Gorrhs Dampf indessen transformiert sich zu Wolkenpampf, der Wolkenpampf transformiert sich in einen ziemlich heftigen Platzregen, in dem Gorrh steht. Hätte er nicht seinen Wickelfisch… aber er hat ihn ja, hat ihn ja, hahaha, hat ihn ja! Ganz zuoberst im Fisch lagert, per Knopfdruck auslösbar, Gorrhs Antiproblemtschirm. Zack, den Tschirm ausgelöst. Ein totaler Rettungstschirm! So watet Gorrh, bestens betschirmt, mal wieder rheinab. Sagt der Tschirm: “Drei Wünsche kann ich dir heut erfüllen.” Gorrh: “Därrraasnmußbrennnen! Stahlhelme auf! Finaaale-ohoho!” Läuft schwarzrotgold an, verbreitert das Tal mit seiner wasserdichten Vuvuzela. Wacht auf der Kautsch auf. Der Pschüchater zwinkert Gorrh plinkernd zu.