Marcel Broodthaers beschäftigt sich mit dem Rhein

(von unserem Korrespondenten Roland Bergère)

Neulich besuchte ich die sehenswerte Marcel Broodthaers-Retrospektive in Düsseldorf. In einer Vitrine lag ein Buch mit dem Titel: „En lisant Lorelei / Wie ich die Lorelei gelesen habe” von 1975. Die aufgeschlagenen Seiten zeigten drei Mal die gleiche Zeichnung (eine Familie vor einem Fernsehgerät versammelt), mit den Legenden: Programme I, Programme II, Programme III. Die Zeichnungen unterscheiden sich voneinander nur dadurch, was auf dem Bildschirm erscheint (schwer zu erkennen, auch im Katalog, alles recht klein gedruckt), bei Programme II steht eine Blumenvase auf dem Fernsehgerät. Auf der rechten Seite sind drei verschiedene Chromolithographien reproduziert, welche drei Ansichten der Lorelei zeigen. Dazu gehört ein textkritischer Apparat. Das Buch „En lisant Lorelei“ wurde 1974 in Basel ausgestellt, in einem gleichnamigen Raum.
Zu sehen waren auch vier „Zeichnungen“. Drei ohne Titel, eine mit der Legende: „Au bord du Rhin“. Drei der vier Zeichnungen stellen Meerjungfrauen dar. Eine, auf einem Felsen stehend, hält eine Baby-Meerjungfrau in ihren Armen, ein Matrose nähert sich dem Felsen mit einem Ruderboot. Die zweite hebt (so scheint es zumindest) die Deckel eines Topfs, welcher womöglich auf einem nicht dargestellten Herd steht. Im Vergleich zu den anderen ist ihr Fischschwanz nur angedeutet. Die dritte trägt einen dampfenden Topf. Die vierte (diejenige mit dem Titel „Au bord du Rhin“) sitzt am Fluß und trinkt eine Tasse Kaffee und hört nachdenklich (dafür spricht die Haltung der rechten Hand, die das Kinn stützt) einer zweiten Frau zu. Die vier Zeichnungen haben verschiedene Größen, sind auf das Jahr 1974 datiert und als Abziehbilder auf Papier bezeichnet, die mit Bleistift und Tusche überarbeitet worden sind.

broodthaers_au bord du rhin

Fotografieren war nicht erlaubt, doch wie eine Wächterin mir flüsterte: „Wenn ich nicht gerade hinschaue, können Sie es versuchen.“ (Später sah ich, wie sie in einem menschenleeren Raum auf die Begleitmusik eines Films Tanzschritte machte). Das Foto zu machen war natürlich nicht einfach. Sie war nicht die einzige Aufpasserin. Die Besucher (in geringerer Anzahl als Wächterinnen vorhanden) wurden von einem Raum zum anderen wortwörtlich verfolgt. Ein Aspekt des aufregenden Museumslebens, über den Broodthaers sich recht amüsieren hätte können.

marcel broodthaers_remonter le rhin

Marcel Broodthaers Werk „Musée d’art moderne – Département des aigles“ (1968-1972) wurde 2015 in Paris ausgestellt (Monnaie de Paris). Am Tag der Eröffnung fand ein Happening statt: ein Frachtkahn fuhr die Seine aufwärts, beladen mit Kisten, Koffern, Palmen, Säcken, usw… die am Ufer abgeladen und in den Ausstellungsräumen plaziert wurden. Die Aktion sollte, laut der Presse-Mitteillung, an zwei nicht realisierte Projekte Broodthaers erinnern: „L’Ile du Musée“ und „Bateau sur le Rhin“ (1971), eine Video-Aufnahme dokumentierte die Aktion.

Im Katalog der Retrospektive steht folgendes zu lesen:
„Die Einladung zur Teilnahme an einer Konferenz im Rahmen von between 6, die im Juni 1971 mit der britischen, nach Düsseldorf eingeladenen Art and Placement Group (APG) stattfand, nutzte Broodthaers zur Präsentation einer hochironischen Variante seiner Museumsidee. Mit dem Collage-Projekt einer unbewohnten Insel im Rhein (“Museumsinsel”) entwickelte er die Vorstellung einer einsamen nahe dem Lorelei-Felsen im Rhein gelegenen Insel als Ort eines Museums, die in größtem Widerspruch zu der von der APG vertretenen Absicht stand, Kunst in der Industriegesellschaft zu verankern und dabei auch vor den Chefetagen nicht Halt zu machen. Broodthaers’ isoliertes Museum entwarf einen Ort der Utopie, das in die Collage eingefügte Cover einer Schallplatte mit Richard Wagners Oper Das Rheingold wies auf die „musikalische Untermalung der Museuminsel hin.“
(Doris Krystof in: Marcel Broodthaers, Eine Retrospektive)

Ein Blog zeigt zwei Fotos, welche eindeutig im Zusammenhang mit der „Museumsinsel“ stehen. Roland Bergère hat sie aus rechtlichen Gründen für rheinsein nachskizziert:

marcel broodthaers_museuminsel_2

marcel broodthaers_museuminsel

Projet pour un musée sur une île déserte (1971)

Rheingold (5)

rheingold_salon

Presserückschau (Juli 2016)

1
“Der Rhein ist nichts für Anfänger, meint Mike Pernox. “Da findet man vor allem Wasser-Pokémon – wenn man sie denn haben will. (…) Dem Rhein würde ich als Standort drei von fünf Sternen geben. Die Wasser-Pokémon, die man dort findet, sind gut, es gibt Enton, Karpador und Goldini”, sagt er. Vor allem aus Karpador könne man später viel machen – das Pokémon entwickelt sich nämlich mit genügend Pflege weiter zu einem Pokémon namens Garados, und das ist zum Beispiel im Kampf mit anderen Spielern und ihren Monstern kaum zu schlagen.”" (Rheinische Post)

2
“Am (…) 10.07.2016 wurden zum ersten Mal elf Kinder aus Köln im Rhein getauft. Pfarrerin Dr. Anna Quaas und Pfarrer Mathias Bonhoeffer der evangelischen Kartäusergemeinde feierten den Taufgottesdienst mit über 100 Gästen. (…) Carl, Milla, Lion, Zoe, Marlene, Leonie, Ben, Timm, Trixi, Frida und Jake gehören jetzt zur Gemeinde. (…) Damit der Gottesdienst im Rhein tatsächlich stattfinden konnte, mussten zunächst Genehmigungen eingeholt werden. Sowohl das Grünflächen- als auch das Schifffahrtsamt mussten zustimmen. Auch wenn die Strömung an der Taufstelle nicht besonders stark ist, sorgte die DLRG von einem Boot im Wasser aus für Sicherheit.” (WDR)

3
Rheintote
“Ein vermisster Matrose ist bei Ludwigshafen im Rhein gefunden worden. Die Leiche war laut Polizei am Werksgelände des Chemiekonzerns BASF an einer Wasserentnahmestelle entdeckt worden. Der Mann hatte laut Sprecher der Polizei seine Ausweispapiere bei sich, daher konnte er identifiziert werden. Vermutlich ist er ertrunken. Das 46 Jahre alte Besatzungsmitglied war (…) bei Mannheim von einem Kreuzfahrtschiff in den Rhein gefallen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein 19-jähriger afghanischer Asylbewerber ist (…) im Rhein in Laufenburg AG ertrunken. Seine Leiche wurde (…) im Rechen des Kraftwerks Laufenburg angeschwemmt. Der Mann gehörte zu einer Dreiergruppe von gleichaltrigen Landsleuten, die (…) im Rhein ein Bad nahmen. Dabei gerieten sie in Not. Einer konnte sich selber ans Ufer retten, ein zweiter wurde von einem privaten Bootsfahrer aus dem Rhein gefischt. Der dritte Afghane blieb trotz einer Suchaktion verschwunden. (…)
Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hatte Anfang dieses Sommers darauf hingewiesen, dass im Hitzesommer 2015 auffallend viele Touristen und Asylbewerber beim Baden tödlich verunglückt waren. Die SLRG liess darauf ihre Baderegeln in mehrere Sprachen übersetzen – unter anderem auf Arabisch und Somalisch.” (Blick)

“Horrorfund am Colonia-Hochhaus! Bei einem Spaziergang am Rheinufer stieß der Kölner Adrian H. (Name geändert) am Mittwochnachmittag auf die verstümmelten Überreste eines Mannes. „Es handelte sich um eine männliche Leiche, circa 40-50 Jahre alt, verschnürt in einen blauen Müllsack, ohne Arme und ohne Kopf“, so H. (…). Die sterblichen Überreste sollen nun obduziert werden, um Näheres über das noch nicht identifizierte Opfer und dessen Todesumstände zu erfahren. (…) Eine Mordkommission wurde gebildet, um das Todesrätsel zu lösen.” (Express)

“Die Wasserschutzpolizei musste (…) eine groß angelegte Suchaktion auf dem Rhein bei Orsoy ergebnislos abbrechen. Sie galt einem jungen Mann, der vermutlich ertrunken ist. Dabei handelt es sich (…) um einen 26-jährigen Flüchtling (…). Nach ersten Erkenntnissen soll er ein ungeübter Schwimmer gewesen sein und am Strand in Höhe des Hafens als Einziger im Fluss gebadet haben. Plötzlich sei er von einer Welle erfasst worden, die ihn weggerissen habe. (…) Mehr als 100 Leute beobachteten das beängstigende Szenario. Nach gut einer Stunde wurde die Suche eingestellt.” (Rheinische Post)

“Schon wieder ist ein Flüchtling den Fluten des Rheins ausgeliefert gewesen: Nach einem 19 Jahre alten Nigerianer wurde (…) in Bad Säckingen bei einer großangelegten Rettungsaktion im Rhein gesucht. Der Flüchtling, der laut Polizeiangaben nicht schwimmen konnte, wird bisher noch vermisst. Die Behörden rechnen mit dem Schlimmsten. Der 19-Jährige ist (…) zusammen mit einer Gruppe von Flüchtlingen an den Rhein gegangen, um dort zu baden. Dabei ging der Nigerianer nach Angaben seiner Begleiter einige Schritte ins Wasser und wurde von der Strömung mitgerissen. Der Nichtschwimmer trieb ab und ging unter.” (Badische Zeitung)

“Bei Albbruck (wurde) eine männliche Leiche im Rhein gefunden. Über die Identität des Toten und die näheren Umständen seines Todes ist (…) nichts bekannt. (…) Die Fundstelle befindet sich in der Nähe eines beliebten Freizeitgeländes direkt am Rhein gegenüber der früheren Papierfabrik. (…) Ob der bei Albbruck aufgefundene Tote eventuell mit dem Vermisstenfall G. B. (…) in Zusammenhang steht, ist ebenfalls offen. Mehr Klarheit dürfte erst die von der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen angeordnete Obduktion durch einen Gerichtsmediziner bringen.” (hierzuland)

4
Konzert auf der Rheininsel Grafenwerth: “”Aus nacktem Felsen dringt es. Noch namenlos, das Quellende, das Rinnende, das Wässrige.” Scheinbar aus dem Off ertönte am Freitag die Stimme von Sven Puchelt. Er saß am Bug des “Rheingold”-Schiffes und erzählte die Geschichte des Rheins, während die Musiker des Ensembles die Schiffsbühne am Heck eroberten. Unter der Leitung von Rüdiger Oppermann reist das Ensemble am Rhein entlang zu insgesamt 15 verschiedenen Orten von Basel über Worms bis Xanten, um das Publikum an den Ufern der Rheinstädte zu begeistern. (…) Rund 150 Gäste lauschten den musikalischen Geschichten vom Rhein als “Alpenwanderer” über den Goldhut von Schifferstadt bis hin zum Nibelungenlied und der Loreley. Und während hinter der Bühne über dem Rhein langsam die Sonne unterging, begeisterten Oppermans Weltmusiker mit teils mittelalterlich anmutender Musik, asiatischem Lautgesang und afrikanischen Trommelkonzerten bis hin zum Big-Band-Gefühl, wenn die 15 Musiker gemeinsam auf der Bühne standen.” (Kölnische Rundschau)

5
Unter “füdliblutt” versteht der Schweizer “nackt”. So erklären sich Schlagzeile und Artikel der kostenlos verteilten Tageszeitung 20 Minuten, die sich in der Schweiz, anders als in Deutschland, bis auf den heutigen Tag erhalten hat: “Füdliblutt am Rhein – Ein Nackter zog (…) am Kleinbasler Rheinufer die Blicke vieler Passanten auf sich. Verboten ist das in Basel nicht. Er sei dem Wasser entstiegen, wie Gott ihn geschaffen hat, berichtet ein Leser-Reporter. (…) Einen verwirrten Eindruck soll der Langhaarige gemacht haben, als er im Adamskostüm die Promenade rheinabwärts schritt.”

6
“Eine Wette zwischen Schweizern aus Zürich und Elsässern aus Straßburg aus dem Jahr 1456 ist der Hintergrund der Hirsebreifahrt. Zwischen den Städten bestand eine Partnerschaft und die Zürcher Zunftleute wollten mit dieser Fahrt ihren Partnern beweisen, dass sie im Notfall innerhalb eines Tages bei ihnen sein könnten. Als Beweis brachten sie einen Topf Hirsebrei, der bei der Ankunft noch warm war. Seit 1946 findet die Fahrt als Zeichen der Verbundenheit (fast) alle zehn Jahre statt.” (Badische Zeitung)

7
“Der zwischen Hinterrhein und Nufenen neu erbaute Rheinquellweg ist (…) eröffnet worden. Gleichzeitig wurde auch das Projekt «Sprudelnde Geschichten und Dorfbrunnen» feierlich eingeweiht.” (Südostschweiz)

8
“Ein Velofahrer ist (…) in Graubünden über steile Felsplatten hinab in den Rhein gestürzt. Er trieb rund 100 Meter den Fluss hinunter, bis er sich an einem Stein festklammern konnte. (…) Der Unfall hatte sich bei Haldenstein ereignet, als der Velofahrer auf einem schmalen Wanderweg dem Rhein entlang fuhr. Dabei verfing sich laut Polizei seine Lenkstange in einer Stahlkette, die als Haltevorrichtung für Wanderer dient, und er stürzte.” (Basler Zeitung)

9
“Damit der Aal eine Zukunft hat, wurden (…) 40.000 Jungtiere zwischen Lampertheim und Wiesbaden-Biebrich in den Rhein gesetzt. Ehrenamtliche Helfer und örtliche Angelvereine hatten diese Aufgabe unter Regie des Darmstädter Regierungspräsidiums übernommen. Sie erfüllen damit die EU-Aalverordnung. (…) Die ausgesetzten Tiere sind etwa 20 Zentimeter lang und damit für viele Fressfeinde nicht mehr interessant. (…) Damit die meisten der 40.000 Aale eine Überlebenschance haben, wurden sie zunächst an Europas Küsten als Jungtiere gefangen und dann in Aquakulturanlagen bis zu ihrer jetzigen Größe aufgezogen. Die beim Darmstädter Regierungspräsidium angesiedelte Fischereibehörde geht davon aus, dass die Aale in den nächsten fünf bis 20 Jahren im Rhein leben und dann auf Wanderschaft in ihre bis zu 6000 Kilometer entfernten Laichgebiete ziehen. Diese Tour geht quer durch den Atlantik bis zur Sargassosee am Rand der Karibik. In der Regel verliert sich dort die Spur der Tiere. Forschern ist es bisher nicht gelungen, Aale bei der Fortpflanzung zu beobachten.” (Echo)

Rheingold (4)

ka_badisches staatstheater_rheingold

Rhingold

Es hucke drej herre ám Rhin
un speele Ruhr uf fránzeesch un uf ditsch
metme zaichebrätt dr aant
met millioneschecks de zwait
met gummiknéttel de drétt.

Es hucke drej herre ám Rhin
un wérfle e bumbischs schicksál erüs
vive Fessenême! roeft der aant
pfui Márckelse! breelt de zwait
panzer nach Whyl! bellt de drétt.

Es brunze drej herre ám Rhin
em námme vun technik mácht un finánz
e phenoolrischel dr aant
quäcksélwerlách de zwait
sálzige sudd de drétt.

Es spalte drej herre ám Rhin
goldiche áxe kärne atom
hauklotz esch mín land.
Es hucke drej herre ám Rhin
ánn kejje mr se nin?

(Als “Volksdichter ohne Volk” und “Schriftsteller seiner Zeit” wurde André Weckmann bezeichnet, der besonders in den 1970ern in Erscheinung trat und dessen Themenschwerpunkte die Nuklearanlagen im Elsaß sowie die elsässische Identität darstellten.
Der Text, der auch als Lied vertont wurde, stammt aus dem Band „Schang d’sunn schint schun lang“; Association Jean-Baptiste Weckerlin, Strasbourg 1975)

Presserückschau (Mai 2016)

1
“Es wurde an alles gedacht bei der Filmpremiere zu “Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar”. An den roten Teppich, an Sekt, an “Meet & Greet” sogar an einen Pressebereich. Und so verwandelte sich das Cinemaxx-Kino (…) in eine Szenerie, der man einen winzigen Hauch Hollywood nicht verleugnen kann. Die (…) eher unbekannten Schauspieler und Filmemacher mutierten zu kleinen Stars, wurden gefilmt, fotografiert, interviewt und nach Autogrammen gefragt. (…) Nach ein paar einführenden Worten und den zwei Live-Songs “Seelenlied” und “Mannemer Dreck”, die auch im Film eine Rolle spielen, ging es direkt los. (…) Rund eine Stunde und 15 Minuten später dann tosender Applaus. Ja, der Film kam an. Es wurde viel gelacht. Auch gestaunt über die Qualität des Streifens, der immerhin mit nur knapp über 30 000 Euro Budget entstanden ist und dennoch (…) einen Filmverleih gefunden hat, der ihn deutschlandweit in die Kinos bringt. Und damit ein Stück Mannheim-Atmosphäre, Charme und Lebensart.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

2
“Im Rhein ist jetzt eine Industriechemikalie aufgetaucht, die nie zuvor in Gewässern gefunden worden ist und mit der auch niemand gerechnet hat. (…) “Bei den Substanzen geht’s um Triphenylphosphonium-Verbindungen. Das sind Chemikalien, die großtechnisch bei der Synthese von organischen Molekülen wie zum Beispiel Vitamin A oder Beta-Carotin eingesetzt werden können (…).” Klar sei bisher nur, dass es sich um biologisch schwer abbaubare Stoffe handele, die sich im Sediment von Flüssen anreichern. Und dass die Phosphonium-Salze die Abwasserbehandlung in den Betrieben überstehen, aus denen sie stammen.” (Deutschlandfunk)

3
“Wenn das Channel-Netzwerk comTeam zur Systemhauskonferenz einlädt, stehen ITK-Trends genauso im Fokus wie entspanntes Networking. Die „R(H)EINGOLD-TOUR 2016“ kombiniert beides als Flussfahrt auf dem Rhein mit anschließender Beachparty. (…) Ob zielgerichtete Kundenansprache, Servicesteuerung oder Fokusthemen wie Transformation und managed service – die Beispiele aus der Praxis bieten für die Systemhäuser spannenden Mehrwert. Als Keynote Speaker „entert“ Top-Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Bühne, um unter dem Motto „Hier und Jetzt – Das Leben findet heute statt“ interessante Impulse jenseits des Berufsalltags zu geben.” (electronicpartner.com)

4
“Der Stör steht in NRW auf der Roten Liste unter der Kategorie Null, weil er zu den Arten gehört, die sich nicht mehr vermehren und verschollen sind. Wiederansiedlungsprogramme für den Stör machen im Rhein nach Meinung von Fachleuten so lange keinen Sinn, so lange die Verbindung zum Meer durch die Schleusen des Haringvlietdamms unterbrochen ist, der 1971 zum Schutz vor Hochwasser und Sturmflut im Rheinmündungsdelta errichtet wurde. Die Stauwerke stellen für Wanderfische ein großes Hindernis dar. Die Niederländer sind aber dabei, die Öffnungszeiten zu optimieren, damit der Stör die Barriere ungehindert passieren kann. Weil der Stör in NRW als verschollen gilt, hat ist er nicht von planungsrelevanter Bedeutung, etwa bei Hafenausbauten.” (WAZ)

5
“Das letzte Mal hat man so einen Anblick 1977 in dem Bond-Streifen “Der Spion, der mich liebte” gesehen, als 007 alias Roger Moore in einem Lotus, der auch ein Boot und U-Boot war, einen Strand hochfuhr. Und so staunten (…) Spaziergänger am Uerdinger Rheinufer nicht schlecht, als sie (…) auf dem Rhein Gefährte entdeckten, die sich wie Schiffe benahmen, aber wie Autos aussahen: Über Pfingsten fand in Krefeld ein Bundestreffen der sogenannten “Amphicars” statt, also schwimmfähiger Autos. Rund 30 Wagen waren angemeldet. (…) Amphicars wurden zwischen 1958 und 1963 in Berlin und Lübeck gebaut (…). Geplant war der Bau von 25.000 Wagen; da der Verkauf aber nicht den Erwartungen entsprach, war nach Nummer 3878 Schluss. Die weitaus meisten Fahrzeuge gingen in die USA.” (Rheinische Post)

6
Im Rhein ertrunken: “Die Leiche des Mannes war (…) am Ufer an der Kreisgrenze in der Nähe des “Stummen Deichs” entdeckt und geborgen worden. Die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Nach den bisherigen Ermittlungen kam der Mann zusammen mit zwei Freunden auf die Idee, durch das Duisburger Hafenbecken zu schwimmen. Während die beiden Kollegen das andere Ufer erreichten, verließen den 37-Jährigen unterwegs offenbar die Kräfte. Er versank in den Fluten. Die Strömung trieb den Körper ab, der viele Kilometer weiter dann zwischen Haffen-Mehr und Bislich ans Ufer gespült wurde. Die Polizei obduzierte den Leichnam und stellte fest, dass es sich nicht um ein Verbrechen handelt.” (Rheinische Post)

7
“Wegen “gemeinschädlicher Sachbeschädigung” hat die Polizei in Laufenburg zwei 15 und 18 Jahre alte Tatverdächtige angezeigt. Das Duo wurde nach einer Pressemitteilung der Polizei (…) beschuldigt, am Pfingstmontagabend bei der Codmananlage eine Sitzbank in den Rhein geworfen zu haben. Ein Zeuge hatte die Polizei darüber unterrichtet. Die beiden Jugendliche wollten gemäß den Schilderungen gerade eine zweite Bank versenken, als zwei Mädchen hinzukamen. Daraufhin hätten sie von ihrem Vorhaben abgelassen. Die herbeigerufene Polizei traf die beiden vor Ort an.” (Badische Zeitung)

8
“Der Text, den Christian Mueller in das Gesetz schreiben will, ist einfach: «Von der Johanniterbrücke in den Rhein führt auf Kleinbasler Seite eine Wasserrutschbahn.» (…) Sein Wahlkampf-Thema – die Rhein-Rutschbahn – könnte ihm beim Sprung ins Parlament helfen. Die Rutschbahn soll über drei Spuren verfügen und in einem Auslaufbecken über dem Rhein enden. Nur so könne die Rutschbahn auch von Nicht-Schwimmern und Kindern benutzt werden. Die Kosten schätzt Mueller auf rund eine Million Franken. Beim ersten Projekt ging er noch von einer halben Million aus.” (Tageswoche)

9
“Die Obduktion der Leiche, die (…) aus dem Rhein in Lüttingen geborgen worden war, hat keine Hinweise auf eine Todesursache durch Gewalteinwirkung ergeben. (…) Die Ermittler halten unteressen einen Zusammenhang mit einem Fall in Bonn (…) für möglich. Damals (im vergangenen April; Anm. rheinsein) beobachteten Zeugen (…) einen unbekannten Mann, der von der Kennedybrücke in den Rhein gesprungen sein soll. Eine Suche durch Polizeikräfte, Feuerwehr, DLRG und einem Polizeihubschrauber verlief ergebnislos. Nach Aussagen von Zeugen in Bonn könnte es sich vielleicht um den in Höhe von Schloß Lüttingen entdeckten Leiche übereinstimmen, so die Polizei. Eine Vermisstenanzeige, die auf die Beschreibung des Brückenspringers passen könnte, liegt bis heute nicht vor.” (Rheinische Post)

10
“Fünf Passanten, die einem in Not geratenen Schwimmer (…) im Rhein bei Bonn zu Hilfe eilen wollten, sind selbst in Not geraten. Nach Angaben der Feuerwehr (…) wollten sie einem waghalsigen Schwimmer helfen, der im Wasser trieb. Mit einem Rettungsboot und über Land konnten Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG schließlich alle Personen retten. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann ein Bad nehmen wollen, seine Kräfte aber überschätzt. Die Einsatzkräfte seien durch viele Schaulustige behindert und bedrängt worden (…). Mehr als 200 Unbeteiligte (…) seien zeitweise am Ufer gewesen.” (WDR)

Rheingold – Gesichter eines Flusses

Den Dokumentationsfilm von Peter Bardehle und Lena Leonhardt hatten wir vergangenes Jahr im Kino verpaßt. Nun lief er auf Arte. Wie die als Vorbild dienende Doku Die Nordsee von oben wurde der Film mit einer Hubschrauber-Cineflexkamera gedreht, die gestochen scharfe Luftaufnahemn auch aus großer Entfernung ermöglicht. Entstanden sei “ein bildgewaltiger und poetischer Film, der viele unbekannte Gesichter des gewaltigen Flusses zeigt”, verlautbart das Senderinfo. Tatsächlich besteht die Stärke des Streifens in seinen Bildern. Wie in den meisten Rheindokus geht die Reise von den Alpen Richtung Nordsee. Bereits die Arte-Doku Der Rhein von oben hatte den Fluß aus der Vogelperspektive unter Einsatz von Cineflextechnik abgehandelt: viel Unbekanntes zeigt Rheingold – Gesichter eines Flusses dem regelmäßigen Betrachter der regelmäßig von öffentlich-rechtlichen Sendern produzierten Dokumentationen definitiv nicht. Am heimischen Screen entsteht immerhin der Eindruck, daß die Bilderfolge im Kino enorme Sogkraft entfalten dürfte.

tomaseeDer Tomasee aus Sicht der fliegenden Kamera

Dafür sollte dann allerdings der Text ausgeblendet bleiben. Vater Rhein schwadroniert nämlich persönlich (Sprecher: Ben Becker) von seinen Befindlichkeiten. Als Pendant werden historische und sonstige Infohäppchen (Sprecherin: Anne Moll) aus dem Off gereicht. Ben Beckers tiefe Stimme soll das historische Alter des Stroms repräsentieren und Bedeutungsschwere vermitteln. Während die Kamera die Alpenfalten von oben abfährt und beeindruckende Strukturen und Lichtverhältnisse freilegt, erklingt ein bisher unbekannter Schöpfungsmythos: “Vor langer Zeit hausten noch Wunderwesen in den Bergen. Es gab Riesen, deren Scheitel fast bis zur Sonne reichte. Sie wären verbrannt, wenn nicht unser aller Mutter, das Meer, ihnen Wind, Eis und Schnee geschickt hätte. Zum Dank sandten ihr die Riesen zwei Wassermänner mit einem Gruß. Die Berge rückten zur Seite. So wurde ich geboren.” Der altbackene Text, den Vater Rhein in selbstreflexiver Absicht vor sich hinmurmelt, klingt bis auf die zitierte, vermutlich selbstgestrickte Schöpfungspassage, ganz nach den üblichen Bauweisen der letzten rund hundert Rheindokumentationen. Auch von den zwischengeschalteten Informationen wirkte nahezu jede einzelne aus vorangegangenen Filmen bekannt.

sandozRoter Rhein: Archivmaterial zur Sandoz-Katastrofe

soldatenfriedhof im elsaßSoldatenfriedhof im Elsaß

Ein durchgehendes Erzählmotiv bildet Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner: Elektrizität als modernes Rheingold, die ehemaligen Fiebersümpfe im Kühkopf als mutmaßliche Schatzinsel des Nibelungenhorts, der Tagebaubetrieb Garzweiler als Symbol menschlicher Gier und Maßlosigkeit, der dereinst vom Rhein geschwemmt werden soll. Neben der weiblichen Off-Stimme beschäftigt sich auch die Filmmusik von Steffen Wick und Simon Detel in elektronischen Remixes mit dem monumentalen Wagner-Stoff. Als klassische Bilderoper taugt der Film trotz auch aus der Vogelperspektive längst bekannter Landstriche und Szenen in hohem Maße, die akustischen Komponenten begannen wir nach einer Viertelstunde zu verdrängen.

speyrer domBlick auf den Fluß und den Speyrer Dom

rotterdamer hafenVon Robotern errichtete und ständig umgeschichtete Containerstadt im Rotterdamer Hafen

Der Film ist bis zum 26. September 2015 in der Arte-Mediathek verfügbar und wird darüberhinaus am 02. Oktober 2015 um 8.55 Uhr wiederholt.

Rheingold (2)

rheingold_otto yamamotoBierdeckel der Rheingold Breweries aus New York (Foto: Otto Yamamoto). Die Marke erlebte ihre Hochzeiten zwischen 1940 und 1960. Einer der prominentesten Rheingold-Trinker war einer der prominentesten Trinker überhaupt, Dean Martin, von dem der berühmte Satz “You’re not drunk if you can lie on the floor without holding on” stammen soll.
rheingold_dean martinDas Bild zeigt den Entertainer bei einer Fotosession in einer Golfclub-Umkleide. Die Anzeigenkampagne der Brauerei wurde in Zeitschriften geschaltet, der Slogan lautete: “Better than a hole in one!” says Dean Martin. Das Foto wurde uns zugesandt, die ursprüngliche Quelle ist uns nicht bekannt.

Erpel

Von Unkel weiter südwärts streunend erreichen wir Erpel, die nächste Ortschaft mit ulkigem Namen. Anders als in Unkel begegnen uns in Erpel keine Touristen. Die Menschen auf der Straße grüßen. In den vergangenen Jahrhunderten scheint sich eine eigenartige Dunkelheit auf oder unter dem Boden des Städtchens destilliert zu haben, die nun die Straßenfluchten des Zentrums grundiert, das dem Fluß den Buckel zuwendet. Die mittelalterliche Substanz fügt sich in Blätterndes, Wesendes, langsam vor sich hin Arbeitendes – wo Unkel wie Kulisse wirkt, wirkt Erpel echt. Auf der Terrasse seines Restaurants “Om Maat” versorgt der dicke Pitter, der wie die Hauptglocke des Kölner Doms heißt, seine Kundschaft mit Bier und Speisen, ein Ort, der genuin rheinisches Flair besitzt, auch wenn der Fluß, vielleicht 200 Meter entfernt, von hier nicht zu erblicken ist.

Or du Rhin

ordurhinOr du Rhin (Rheingold) ist der Name des im Bild befindlichen Pferdes mit der Blesse, aufgenommen 1910 beim Prix du Président de la République. Die stolze Entourage legt nahe, es könne sich um ein Siegerpferd handeln. Nähere Einzelheiten sind uns nicht bekannt, ebensowenig wissen wir, wieviele Pferde seit 1910 den Namen Or du Rhin bzw Rheingold trugen und ob sie ihrem Namen Ehre machten. (Bildquelle: Gallica / Bibliothèque nationale de France)

rasen die Städte

In grausiger Nacht
kommt Hagen
geritten
mit dem Zwerg
auf dem Rücken
im Nachen
den Schatz
den er versenkt
tief hier in
Wirbel und Ley
heute ist Rheingold
Zug da Express
der rast durch die Felsen
ohne zu halten
Mythos
ein Flimmern
zwischen
den Bildern
Leere nur, Sausen
rasen die Städte
vorbei
wie auf der Leinwand
die Bilder

(Ein Gastbeitrag von Friedrich G. Paff. Das titellose Gedicht stammt aus seinem Zyklus Rheingold. rheinsein dankt!)

Ruhr-Gebiet

Too much industry
too much eat
too much beer
too much cigarettes

Too much philosophy
too much thought forms
not enough rooms
not enough trees

Too much police
too much computers
too much hi-fi
too much pork

Too much coffee
too much smoking
under gray slate roofs
too much obedience

Too many bellies
too many business suits
too much paperwork
too many magazines

Too much industry
no fish in the Rhine
Lorelei poisoned
Too much embarrassent

Too many fatigued
workers on the train
ghost jews scream
on the streetcorner

Too much old murder
too much white torture
too much one Stammheim
too many happy Nazis

Too many crazy students
not enough farms
not enough appletrees
not enough nut trees

Too much money
too many poor
Turks without vote
“Guests” do the work

Too much metal
too much fat
too many jokes
not enough meditation

Too much anger
too much sugar
too many smokestacks
not enough snow

Too many radioactive
plutonium wastebarrels
take the Rhine gold
build a big tomb

A gold walled grave
to bury deadly nuclear slag
all the bank’s gold
shining impenetrable

All the German gold
will save the nation
build a gold house
to bury the devil

(Allen Ginsbergs Gedicht aus dem Jahr 1979 läßt seine Eindrücke von denen des Ruhrgebiets mit denen vom Rhein verschwimmen. Womöglich war es das amerikanische Gefühl für Distanzen, das Ginsberg historische Legenden (Loreley, Rheingold) und zeitgenössische Schlagworte (Stammheim, radioaktiver Abfall) in einen Topf werfen ließ, den er mit Ruhrpott überschrieb. Im Grunde steht “Ruhr-Gebiet” hier für Deutschland – als ruhrspezifisch könnte vielleicht die Eingangszeile “too much industry” durchgehen; selbst die Currywurst wird verallgemeinert zu “too much pork”. Aus heutiger Sicht mag es zudem niedlich erscheinen, daß die Stimmung der Endsiebziger u.a. mit “zuvielen Computern” aufgemacht wird: eine Reaktion auf die Zunahme von Firmenrechnern wie auf die Rasterfahndung.)

Die Biovisionbrille

Rheingold ist ein deutscher Spielfilm von Niklaus Schilling aus den späten 70er Jahren, der im gleichnamigen Zug auf der Rheinstrecke spielt. Die Züge fuhren seinerzeit zumindest in der kollektiven Erinnerung pünktlich, Rauchen war erlaubt (es gab ausgewiesene Nichtraucherabteile) und mit dem “Würmeling” fuhren Kinder “kinderreicher Familien”, bevor die Bahncard eingeführt wurde, für den halben Fahrpreis. Die folgende Dialogszene aus Rheingold spielt sich auf der Oberrheinteilstrecke ab. Eine elegant gekleidete Dame (gespielt von Elke Haltaufderheide) sitzt bei einer Flasche Apollinaris dösend im Sechserabteil, als ein leicht zauseliger Herr (“der Erfinder”, gespielt von Reinfried Keilich) eintritt. Sogleich beginnt er, auf die Frau einzureden, die weggetreten und immer wieder kurz vor dem Einnicken zu stehen scheint. Zur Mitte der Szene setzt der Erfinder seine Biovisionbrille auf, ein skurriles Gerät, durch das er die vorüberziehende Landschaft des Oberrheintals betrachtet.

Mann: “Fahren Sie auch in die Schweiz? Sie leben doch in der Schweiz? Am Genfer See, stimmts?”
Frau: “Ja. Sie haben recht.”
Mann: “Ich kehr diesem Land auch den Rücken. Sie kennen mich sicher nicht, aber ich bin der Erfinder der kleinsten Nähmaschine der Welt. Der Biovisionbrille, des Kühlschrankbeutels, Dreiunddreißigklingenzaubermessers, 75 angemeldete Patente. Aber jetzt: Arbeitslosigkeit, denn Undank ist der Welt Lohn. Mein ganzes Lager haben sie aufgelöst. Meine Standkonzession abgenommen, nur, weil ich mal nicht flüssig war, ha! Hier, die konnt ich noch retten! Das ist sie, die Biovisionbrille. Ha, heute morgen hab ich den Laden aufgelöst. Hab ein Schild hingehängt und bin abgehauen: Betriebsferien! Ich hab mir gesagt: Wenn die Bank verrückt spielt, dann kannst du das auch. Ich hab 120000 Stück herstellen lassen. Die gingen weg wie warme Semmeln. Und zu einem Preis: 19 Mark 45, ha! Mit dieser Brille haben sie mit einem Handgriff die plastische Welt zuhause! Das absolute Kinoerlebnis im Wohnzimmer! Jedes Fernsehprogramm wird ein zwingendes Erlebnis…”
Schaffner: “Ihre Fahrkarte bitte.”
Mann: “Die Fahrkarte, ja, eigentlich sitz ich vorn. Meine Fahrkarte kennen Sie, ich führe hier nur ein Geschäftsgespräch. Ja, hier ist doch das Konferenzabteil.”
Schaffner: “Ich hab mir Ihr Versteckspiel lange genug angesehen.”
Mann: “Sie könnten schon etwas freundliicher sein.”
Schaffner: “Sie fahren wohin?”
Mann: “Ja, eigentlich, eigentlich nach Genf. Ich meine Lausanne.”
Schaffner: “Sie sind in Karlsruhe zugestiegen?”
Mann: “Ja.”
Schaffner: “Von Karlsruhe bis zur Grenze macht 39 Mark, 39 Mark Strafe und zehn Mark TEE-Zuschlag.”
Mann: “Also 88 Mark, oder?”
Schaffner: “Ja, 88 Mark. Die Weiterfahrt müssen Sie bei meinem Kollegen in der Schweiz bezahlen nach Lausanne.”
Mann: “Also, also, das ist so: Heute morgen… Ich hab das Geld nicht.”
Schaffner: “Tja, das tut mir leid, dann muß ich Ihre Personalien aufnehmen. Und in Freiburg müssen Sie raus aus dem Zug.”
Mann: “Das ist der Dank für einen deutschen Erfinder!”
Frau: “Ich zahle das.”

Die Szene stellt einen Nebenschauplatz dar, die eigentliche Handlung des Films beschreibt Wikipedia wie folgt: “Im Trans-Europ-Express TEE Rheingold trifft Elisabeth, die Frau eines UN-Diplomaten, auf einer ihrer regelmäßigen Reisen zur Mutter ihren Jugendfreund Wolfgang wieder, der nun als Zugkellner arbeitet. Eine Leidenschaft beginnt, die sich ausschließlich nach dem Fahrplan richtet – zwischen Genf und Düsseldorf. Eines Tages benutzt ihr Ehemann überraschend zur selben Zeit den „Rheingold“. Er entdeckt die Untreue seiner Frau. Im Affekt sticht er mit einem Brieföffner auf sie ein, um in Panik beim nächsten Halt zu fliehen; die verwundete Frau verbirgt ihre Verletzung vor ihrer Umgebung. Während ihr Mann mit einem Taxi dem Zug hinterher rast, als wolle er seine Tat rückgängig machen, gerät Elisabeth immer mehr in einen traumhaft-ekstatischen Zustand von Geschwindigkeit und Sexualität. Begleitet vom aufsteigenden Mythos des Rheins, entfernt sie sich immer weiter aus der Realität und fährt unaufhaltsam dem Ziel ihrer Reise entgegen, ihrem Tod.”

Rijngedichten

reno di lei

kostbare druppel
italiaans water
hield zich sterk

overleefde de val
liet zich niet drinken
droeg naar vermogen

passeerde
passeerde
passeerde

ronde
de drachenfels
liet zich wijden
ging weer te water

druppel
danste de rijn af

bereikte de hoek
dreef af

meed de zeeschoot
rolde het duin in

minde

***

vergeten de alp
vergeten de rotswei
valt
valt

loonwater ploetert plichtmatig
schopt schepen voort

loreleyt niet
nibelingt niet
stookoliet
het rheingold

halverwege
is het alleen met de nacht
voedt zich met angsten

wat bevatten die vrachten
drenk ik al die steden
verdrink ik al dat vuil
vul ik al die havens en monden

welke stroom nog te kiezen
welke takken te mijden

ik hunker zo diep naar een schoot
wacht die zee wel op mij?

verward stormt het water
naar voren
dolt zich vast
in tolkamers
wijkt furieus terug

kalmeert
gaat te rade in bingen
biecht op te xanten
ontvangt teerkost
ten eeuwigen reize

achter hem
hurkt het rijndal
verheffen zich münsters en torens

voor hem
ligt open de delta

weidelijk
herstelt zich het water
verneemt al een zweem
van de zee

vloeit over
ooij

berent
belvédère
noviomagus

passeert
bommel en
waarden

passeert
grotius
slot

daar wenkt
een nauw voelbare
vloed

stroomt onder
desiderius
brug

daar trekt
een gebiedende
eb

nadert
botlek licht op

scheur en maas
vatten het water

de zee zwemt genadiglijk op
biedt haar schoot

verkwikt zoet haar het water

***

zéér oude rijn
verliet zich ten einde
op theems
ijzer maas schelde
bereikte calais

stuitte op ijswal graniet
keerde ten oosten

onvermoeibaar opnieuw
rijn zingt een wolgalied

***

het veer is verlaten
zwerfkeien troffen de veerlui

de stuurstand is foetsie
overvaarten verzonken

zee zuigt aan de monden
water glijdt over leegte

(Ein Gastbeitrag von B. Zwaal. rheinsein dankt!)

Jimi Hendrix am Rheinfall


rheinsein
bietet ein Spektrum höchst unterschiedlicher Zeugnisse rheinischen Kulturschaffens. Gelegentlich erzählen Leserzuschriften Geschichten, die ohne rheinsein kaum zustande gekommen wären.  Diese handelt von einer wissenschaftlichen Exkursion mit erfolgreichem Ausgang:

Erst im April stieß der seit einigen Jahren verrentnete Privatmusikologe Edouard Roche über nicht mehr nachvollziehbare Suchbegriffe auf unseren, ebenfalls von einer Leserin angestoßenen Eintrag, der Iggy Pop mit dem Rheinfall in Zusammenhang setzte. Trotz der offenkundigen Vagheit unseres Eintrags überzeugt, dort Materialien für sein geplantes Mammutwerk über die Verschmelzung von klassischen und Rock-Kompositionstechniken im XX. Jahrhundert ausfindig machen zu können, ein wenig auch in Urlaubslaune, machte Herr Roche sich noch im selben Monat auf den Weg nach Schaffhausen.

Die ersten Tage fand er dort nichts, stieß schließlich aber auf einen jungen Mann, der sich Shiketa Limekaro nannte (dessen bürgerlicher Name Jonathan Tekisch lauten soll), den Bassisten von Dunklesunne, der ersten Death Metal Band aus dem schweizerischen Andelfingen, das für seine Grabanlagen aus der Latènezeit über den Ortsrand hinaus insgesamt bekannter ist als für die musikalische Radikalität seiner Jugend. Bei einigen gemeinsamen Essen und zahlreichen Getränken in einer Gaststätte geriet Herr Roche mit dem Nachwuchsmusiker in Austausch. Limekaro beeindruckte Roche im Gespräch nicht nur mit seinem musikalischen Wissen und seiner Trinkfestigkeit, sondern hielt darüberhinaus eine Theorie bereit, die dem an Abseitigkeiten interessierten Musikologen vorher niemals begegnet war. Demnach liege der Ursprung für Drone Doom, eine Spielart des Doom Metal, nirgendwo anders als in den ersten Takten von Wagners Rheingold – gespielt von Jimi Hendrix.

Die Theorie sei eigentlich, meint Herr Roche – so erstaunlich gleichwie einleuchtend sie direkt auf ihn wirkte – sogar mehr als eine Theorie, denn sie lappe direkt ins Reich der Mystik. Mit ihr zusammen hinge nämlich zudem die Geschichte des Stücks Purple Haze von Hendrix’ Are You Experienced-Album und Limekaros bezeichnender und offenbar wiederkehrender Traum von einem Unterwasserspaziergang des legendären Gitarristen am Rheinfall. Ganz genau könne er Limekaros Theorie nicht mehr rekonstruieren, wohl aber das Ambiente, in dem er sie erfuhr, und auch einige wesentliche Aspekte, die ausreichten, die Theorie in seinem Werk über Kompositionstechniken vorzustellen.

Roche hätte nämlich, um das Gespräch aufrecht zu halten, weitere Getränke bestellt, bis Limekaro in zwar schwerfälliges, aber unablässiges Reden verfallen sei (währenddessen der Bassist obige Zeichnung anfertigt habe). Ab einem gewissen Zeitpunkt sei es gleichsam (für einen Bassisten) aus dem jungen Mann nur so herausgesprudelt, sogar Euforie habe er ansatzweise verstrahlt, während Roche selber aufgrund des eigenen Bierkonsums in einen Zustand aus Müdigkeit, gepaart mit leichter Verwirrung geraten sei und das Protokoll aus diesem Grund unvollständig bleiben müsse:

Eines Nachts sei Limekaro, so habe er erzählt, in einem Traum abgetaucht in das ewige Tiefblau der Unterwasserwelt unterhalb des Falles, das sich in die größte Stille seines noch jungen und von viel Metalmusik begleiteten Lebens verwandelt habe, ein Paradox, das ihn beeindruckt habe, umso mehr, als plötzlich Hendrix erschien, ganz in weiß gekleidet, halb Mensch, halb Schaum (Zitat Limekaro: “Genau wie dieser Bierschaum!”)”, ganz mythische Gestalt, zugleich sichtbar und unsichtbar, und langsam zwischen den Felsen auf- und ablief, die komplett unter Wasser standen, was trotz des eigentlich undurchlässigen Tiefblaus und Hendrix’ partieller Unsichtbarkeit deutlich zu erkennen gewesen sei. Das Herummarschieren des Gitarristen schien sich bereits zur Sinnlosigkeit zu steigern, als plötzlich die Felsen zu leuchten begannen. Sie leuchteten nun immer kräftiger, begannen dabei zu wabern und verwandelten sich in zwei riesige floureszierende 100 Watt Super Lead-Verstärker der Marke Marshall, aus denen Rheingoldtakte dröhnten, die Anfangstakte um genau zu sein, und ganz eindeutig in Hendrix’ typischer Interpretation. Das beste an der Geschichte aber komme am Ende. Es gäbe von Hendrix’ Unterwassersession, behauptete Limekaro, eine Aufnahme, die tatsächlich existiere, was seine Theorie beweise, und von der er Roche eine Kopie beschaffen könne.

Am nächsten Morgen, als Herr Roche mit brummendem Schädel und trockenem Mund in seinem Hotelzimmer erwachte, stellte er fest, daß seine Brieftasche um einige hundert Franken erleichert war. Doch auf seinem Nachttisch fand er ein Audio-Tape, das er eigens für rheinsein digitalisierte:

jimi am rheinfall

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