Presserückschau (Januar 2016)

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Das hinterste Eck Deutschlands verortet die Welt am Rhein anbetrachts eines Aufsehen erregenden Sexualdelikts: “”Ein Center zum Verlieben” – mit diesem Slogan wirbt das Rhein Center im Stadtteil Friedlingen von Weil am Rhein. Das ockergelbe Shoppingparadies schmiegt sich direkt an die Schweizer Grenze, im Westen, auf der anderen Rheinseite, beginnt dann auch gleich schon Frankreich. Es ist eine abgeschiedene Hafen- und Handelsgegend, mit viel Logistikfirmen und Industrie. 88 Prozent der Einwohner in dem sozial schwachen Stadtteil haben Migrationshintergrund, schon lange klagt Friedlingen über Probleme mit Kriminalität und Verwahrlosung. In diesem hintersten Eck von Deutschland gibt es vor allem für junge Leute nicht viel zu tun und zu erleben. Ein McDonald’s, ein kleiner Park, ein Sportplatz, ein kleines Kulturzentrum, das war’s.”

2
Vage vom Fischfang inspiriert erscheint ein Bericht des Leverkusener Anzeigers über den Fund einer Rheinleiche: “Ein Angler hat (…) am Wiesdorfer Rheinufer eine Wasserleiche gefunden. Etwa bei Kilometer 702, nahe der Schiffsbrücke Wuppermündung, hatte der Mann in Ufernähe in etwa gummistiefel-tiefem Wasser einen leblosen Körper bemerkt und die Polizei alarmiert. Der Einsatzleiter der Feuerwehr sagte, der Angler habe den dümpelnden Körper im Auge behalten und den Notruf gewählt. Er soll später selbst beim Bergen des Toten geholfen haben. Die Leiche zog man an einer Buhne aus dem Strom. Der Einsatzleiter sagte, es handele sich wahrscheinlich um einen Mann, nicht mehr ganz jung, und dass es ihm schien, dass der Körper nicht nur kurze Zeit im Wasser gelegen habe.” Bei der Leiche handelte es sich schließlich um eine seit Tagen als vermißt geltende ältere Frau aus dem Ruhrgebiet.

3
Rheinfluchten: zwei Kriminaltouristen aus Frankreich, schreibt die Aargauer Zeitung, haben sich in Basel auf eine halsbrecherische Flucht vor der Polizei begeben: “Sie rasten durch Quartierstrassen und missachteten ein Rotlicht. Die Polizei verzichtete auf eine Verfolgung, um nicht noch mehr andere Autos zu gefährden (…). Auch durch eine Sperre an der Grenze zu Deutschland liessen sich die beiden nicht aufhalten. Die Barriere, die Grenzwächter beim Zollamt Grenzach-Wyhlen aufstellten, durchbrachen sie und setzten ihre Flucht in Rheinfelden auf deutscher Seite mit stark übersetzter Geschwindigkeit weiter (…). Als sie in Warmbach in einer 30er-Zone ein deutsches Polizeiauto erblickten und bremsen wollten, verlor der Lenker aber die Kontrolle über sein Auto. Es kam zum Zusammenstoss mit zwei parkierten Autos und einem Gebäude. Ein letzter Versuch zu entkommen, unternahmen die Männer zu Fuss. Einer der beiden sprang gar in den kalten Rhein.” Parallel dazu sprang auch in Köln ein Mann auf der Flucht in den Fluß, wie der WDR berichtet: “In Köln ist (…) ein Mann nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in den Rhein gesprungen. Der 28-Jährige hatte im Stadtteil Deutz versucht, ein Haus in Brand zu stecken. Ein Augenzeuge hatte die Polizei gerufen. Daraufhin war der Mann zu Fuß vor den Beamten zum Rhein geflohen und dort ins Wasser gesprungen. Die Besatzung eines Feuerwehrbootes fischte ihn aus dem Rhein.”

4
Am Tag vor Silvester war ein Spaziergänger nahe der Neckarmündung auf große Blutlachen gestoßen. Die Frankfurter Rundschau berichtet, daß es sich dabei um Hinterlassenschaften eines Gewaltverbrechens handelte: “Vier Wochen nach dem Fund von Blut am Neckarufer in Mannheim hat die Polizei am Sonntag in Südhessen eine tote Frau aus dem Rhein geborgen. Eine Untersuchung habe die genetische Übereinstimmung ergeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Mannheim mit. Die 31 Jahre alte Frau aus Mannheim sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Das ergebe sich aus dem Verletzungsmuster. Das Polizeipräsidium habe eine Sonderkommission mit 40 Beamten unter dem Namen “Basalt” gebildet.”

5
Dem Plastikanteil des Rheins wenden sich immer mehr Studien zu, die Auswirkungen der zunehmenden Plastikbelastung stehen unter Beobachtung: “Im Rhein bei Düsseldorf schwimmt jede Menge Plastik in kleinster Form. Wissenschaftler haben dort eine hohe Anzahl an Mikropartikeln gemessen. Das sind Teilchen, die bis zu fünf Millimeter im Durchmesser groß sind. (…) In Düsseldorf-Flehe wurde eine Konzentration von rund vier Partikeln pro Kubikmeter Wasser gemessen. In Bad Honnef liegen die Werte noch unter einem Partikel, an der Ruhrmündung bei Duisburg bereits bei über 160. (…) Die derzeitige Untersuchung lässt hingegen offen, wie gefährlich die Plastikpartikelchen für die Gesundheit von Mensch und Tier sind. (…) Im Rhein finden sich in vielfacher Zahl natürliche Partikel ähnlicher Größe, die von dort lebenden Tieren verschluckt werden. (…) Strategien zur Reinigung sind bislang Fehlanzeige: Die Klärwerke können die Konzentration der Teilchen im Fluss nicht verringern. (…) Am hilfreichsten sei es, Plastik wo es geht im Vorfeld zu vermeiden.” (Westdeutsche Zeitung)

Bemerkung über den wahren Lauf des Rheins, und über die physischen Ursachen seiner Dauer.

Nach Emiland Estienne’s Aufsatz im 2ten Bande der Annales de Statistique S. 14

Man ist in Frankreich ganz allgemein der Meinung, dass der Rhein am Gotthardsberge entspringt: das ist ein Irrthum. Wenn man sagt, dass man über den Gotthardsberg geht, so versteht man, wie Saussure und alle Alpenbewohner, jenen erhabenen Rücken, welcher das Thal Urseren von dem Thale Levantine, zwischen dem Dorfe l’Hopital gegen Norden, und dem Dorfe Ayrolo gegen Süden scheidet. Nun, die berge, auf welchen die Quellen des Rheins liegen, sind vom Gotthardsberge ganz unterschieden, welcher wenigstens drey Myriameter (beynahe 6 Meilen) von der nächsten Rheinquelle entfernt ist.
Der Rhein, lateìnisch Rhenus, entspringt auf den Bergen von Graubünden, wo er drey unterschiedliche Quellen hat, welche aber durch die regelmässige Schmelzung des Eises und durch die Herabsenkung der Wolken, die der Wind dahin treibt und der beeiste Gipfel dieser hohen Berge anzieht, ihre Entstehung und Dauer erhalten.
Die erste dieser Quellen , oder vielmehr jene, die am meisten gegen Norden liegt, ist unter dem deutschen Namen Vorderrhein, Nieder- und Unterrhein bekannt; diese Quelle entsteht aus vielen kleinen Bächen, welche durch ihre Vereinigung einen Gussbach formiren, in einer Spalte des Cima del Badur, welches der höchste von allen jenen Bergen ist, die zusammen das, was man Crispalta nennet, das ist, jene Gebirgskette ausmachen, welche gegen Westen Graubünden von dem Thale Urseren scheidet.
Die zweyte Quelle, welche den Namen Mittel-Rhein fUhret, kömmt vom Cadelin, der einen Theil des schrecklichen Luch- Mannier ausmacht.
Nach einem Laufe von sieben bis acht Meilen fällt diese Quelle in den Unter-Rhein, nahe bey der Abtey Disenty. Endlich die dritte Rheinquelle, oder der Hinter-Rhein (hohe Rhein), welche am meisten gegen Süden, und eben desswegen von seiner Mündung am weitesten entfernt liegt, entspringt am Vogelberge, Colme dell’Uccello, und vereiniget sich mit den andern zwey Aesten bey dem Schlosse und der Brücke Reichenau, von wo der Rhein seinen natürlichen Lauf gegen Coire nimmt, wo er anfängt schiffbar zu werden, das Rheinthal von Tyrol scheidet, und sich in den Konstanzersee ergiesst, bey Stein aus diesem See herausgeht, von hier seinen Lauf gegen Westen nimmt, dann bey den Mauern von Diessenhofen und Schaffhausen vorbeyfliesst, eine kleine Weile unterhalb dieser letzten Stadt den berühmten Wasserfall zu Lauffen bildet, wo das Wasser bey 15 metres hoch sich mit sehr grossem Geräusch zwischen Felsen hinabstürzt, Waldshut, Lauffenbourg, Seckingen und Rheinfelden bewässert, nach Basel kömmt, welches er in zwey sehr ungleiche Theile vertheilet, dann die Sçhweitz verlässt und indem er seinen Lauf nach Norden richtet, Frankreich von Deutsehland scheidet bis auf die Gränzen Bataviens, wohin er noch bis drey Kilometres über die Schenkenschanz hinausgehet.
Kaum kommt der Rhein in das Batavische Gebieth, so theilt er sich in zwey Arme , einen südlichen und einen nördlichen, mittels eines Kanals (der, neue Kanal genannt) der im Anfange des letzten Jahrhunderts bey Panderen, einem beylaufig einen Myriameter oberhalb Niwegen gelegenen Dorfe, errichtet worden ist.
Der südliche Arm, oder der Waal, nach einen Lauf von einigen Meilen über Niwegen, Thiel und Bommel, vereinigt sich bey Fort André mit der Maas, und bildet durch diese Vereinigung die Insel Bommel, unterhalb welcher der Waal und die Maas sich neuerdings vereinigen und unter dem Namen der Merwe fortfliessen, die sich nachdem sie bis unterhalb Gorcum gekommen, südlich in eine grosse Anzahl Aeste ausbreitet, welche eine Menge kleiner unter dem flamandischen Namen Waarden bekannter Inseln machen, hernach fliesst dieser Fluss nordwestlich gegen Rotterdam, wo er den Namen Maas wiederum annimmt, und gegen Briel geht, und sich da in das Meer ergiesst. Der nördliche Arm erhält den Namen Rhein. Kaum kömmt er auf die Höhe von Arnheim, dem vornehmsten Orte des batavischen Départements von Geldern, so zertheilt er sich neuerdings, um den neuen Yssel zu formiren, der seinen Lauf nördlich gegen Doesburg richtet, wo der alte Yssel, der von den westphälischen Gebirgen herabkömmt, sich mit ihm zu einem einzigen Flusse vereiniget, welcher dann in den Zuiderzée fällt.
Der zweyte Theil des Rheins aber theilet sich bey Utrecht wieder in zwey Arme, deren einer sich gegen Norden unter dem Namen Vecht wendet, und bey Veesp und Muyden vorbeyfliesst, und in den Zniderzée fällt.
Der andre Arm, der den Namen Rhein behält, geht seinen natürlichen Lauf durch Woerden, und entladet sich, ehe er nach Leiden kömmt, eines beträchtlichen Theils seines Wassers, das durch drey verschiedene Gänge iu den Harlemersee ausfliesst.
1) Durch den Heimans-Water, einen Kanal, welcher beym Dorfe Oudshorn N. Oe. von Alpher anfängt, und an den Drasemersee endet, der mit dem Harlemer durch einen eine halbe Meile langen Kanal verbunden ist.
2) Durch den Does, einen andern Kanal, der westlich eine Meile von Leyden anfängt, und gleichfalls an den Brasemersee endet.
3} Endlich durch den Kromezyl bey Leyden, der in das Kager-Meer, oder in den Kagersee fällt, welcher ein Busen oder eine Ausdehnung des Leydnersees ist, der einen Theil des grossen Harlemersees ausmacht.
Also geht der Rhein, nachdem er 0,900 seines Wassers vertheilet, nach Leyden, und verliert fich in den Catwykschen Sandhügeln, deren Entstehung im Jahre 860 den Aussluss dieses Flusses ins Meer zerstöret hat.

(Archiv für Geographie und Statistik, ihre Hülfswissenschaften und Litteratur mit vorzüglicher Rücksicht auf die österreichischen Staaten: Verfasset von einer Gesellschaft Gelehrten u. Hrsg. Von Joseph Marx Freiherrn von Liechtenstern, Wien 1802)

Leuchttürme des Rheins: das Große Delta

Nördlich des Rheinknies windet sich der gewaltige Strom durch ein wildes, fast grenzenloses Delta, bei genauer Betrachtung zieht es sich bis weit hinter den Zusammenfluss mit dem Neckar, wenn sich bald das vereinigte Paar Rhein und Neckar durch die felsigen Klüfte und Abgründe Rheinhessens windet…
Kundige erinnern sich, der geniale Konstrukteur und Ingenieur Tulla habe in der markgräflichen Gewerbeakademie zu Mannheim einen Entwurf erarbeitet, den Fluss nördlich des Rheinknies bis weit hinter die markgräfliche Residenzstadt in ein künstliches Bett zu zwingen, einerseits wegen besserer Beschiffbarkeit, andererseits um weitere Flächen für Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und allgemeines Gewerbe zu gewinnen – allein, ein unglücklicher Ehrenhändel, der im Tod des genialen Konstrukteurs ausging, habe das kühne Projekt verhindert – bis heute wagte sich niemand mehr an eine derartige Herausforderung…
Ein Weniges hinter dem Rheinknie sitzt der Pralle Hans-Erwin, der erste einer langen Reihe mächtiger Leuchttürme, die, aufgereiht wie eine Perlenschnur, die mäandrierende Fahrrinne ausweisen und sowohl dem Fracht- wie dem Personenschiffer den Weg weisen, im Besonderen zur Nacht, wenn die Orientierung im konfusen Delta sonst praktisch unmöglich –
Das nächste Schifffahrtszeichen ist dem weiblichen Geschlechte gewidmet – die Dulle Greet steht in einer Entfernung, die den Austausch lichttelegraphischer Zeichen ermöglicht, ein weiterer Gewinn neben dem alleinigen Stromverkehre –
Die Leuchttürme sind mit einem auffälligen Gewirr dicker und dickster elektrischer Stränge verbunden, muss doch die Elektrizität im Historischen Kraftwerk zu Rheinfelden-Lauffenburg gewonnen werden und vermittels Überlandleitung an ihren Einsatzort transportiert werden, am Prallen Hans-Erwin wird sie eingespeist und in der Folge von Turm zu Turm weitergereicht.
Stromabwärts reihen sich in sinnfälliger Folge der Fidele Hanspeter; der Lässige Kasper; die Grüne Minna; der Heilige Sei-Bei-Uns; der Helle Gunki; die Fette Metze; der Horige Hudeli; und am Ende der Stromtrasse Fidelia mit den breiten Schenkeln; dort sind wir schon auf Höhe Hardtheims – aber das ist eine andere Geschichte…

(Ein Gastbeitrag und zehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: die HEROLDe zu Rheinfelden

Die Törichten bezichtigen den Hochrhein als nicht schiffbar.

Doch höret des HERRN Wort: „Verdammnis und Verderbnis aller Körpersäfte, sintemalen der Fortpflanzungssubstanz, den KLEINGLÄUBIGEN…!“, ja so spricht der HERR und hat Recht – dem munteren Fahrensmann ist auf dem Hochrhein soviel Wasser unter dem Kiel wie dem Kleingeist kurz vor Rotterdam – Rheinfelden, das für Banausen, Ignoranten, Idioten, Kleingeister, Schwachköpfe und Querulanten das Ende der „Schiffbarkeit“ markiert, hin oder her – wer das Pergament und die heiligen Tätowierungen seines Kapitänspatentes auch nur für drei Groschen würdig ist, befährt ohne Schuld und Angst den Hochrhein, der Loter lotet so oder so die Wassertiefe und wer es wert ist, ein Steuerruder in seinen verschwielten Händen zu führen, der segelt dortselbst wie in der Gnadenmutter Schoß – so sicher und unangefochten wie zwischen Bingen und St. Täublein – der Rest mag sich mit Wanderungen zu Lande aufhalten –

Diffiziler als Wasserstand und Flachwassernavigation ist allerdings die Schwierigkeit der Wirklichkeit.

Die Klugen wissen es: unzählig ist die Zahl der Welten, die sich parallel zueinander schmiegen – und manchmal verwechselt es, gerade im Zuge der Bewegung, den Strang, auf dem man sich beweget, lebet – gefährliche, ja höchst verderbliche Wechsel mögen vorkommen, Verhängnis, ja Verdammnis liegt im Wesen dieses Phänomens –

Justament vor Rheinfelden gabelt sich die Wirklichkeit – ostwärts wie westwärts – und mehrere parallele Welten schmiegen sich an den noch jugendlichen Rhein …

Zu warnen den Fahrensmann und die Fahrensfrau, so wurden errichtet die stolzen Leuchttürme „HEROLD OST“ im Westen und „HEROLD WEST“ im Osten, jeweils exakt fünf dreiviertel archimedäische Meilen vom Stromkilometer Sechsundsechzig, angezeigt durch einen Monolithen aus kaschubischem Obsidian auf dem Pier des Flachwasserhafens von Rheinfelden.

Nur wer die Lichtzeichen rechtzeitig achtet, bleibt auf dem ihm angestammten Pfad durch Realität und Existenz, den schaurigen Rest holen die Flußnymphen – so ist es eingerichtet seit der Zeit vor der Zeit von unserem HERRN und der Gnadenmutter höchstselbst –

(Ein Gastbeitrag und achter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Gotthard

„… lighthouse might house the key ….” (Van der Graaf Generator)

Auch die Binnenschifffahrt bedarf der Leuchttürme.
Um einen geregelten nautischen Betrieb auf dem Rhein zu gewährleisten, unterhalten die Anrainerstaaten zahlreiche Leuchttürme.
Manche halten es für übertrieben, schon in der Nähe der Quelle einen solchen positioniert zu haben.
Doch handelt es sich um einen der wenigen Leuchttürme der Schweiz und nicht wenige Eidgenossen sind stolz auf diese maritime Errungenschaft.
Auch wenn es auf dem „sehr jungen“ Rhein wenig schifffahrtliche Aktivität zu erhellen gibt –
So werden doch regelmäßig Flöße zu Wasser gelassen und auch das eine oder andere Wasserfahrzeug will sicher geleitet werden, offiziell ist der Rhein bekanntermaßen zwar nur bis Rheinfelden schiffbar, jedoch erfordern zahlreiche geheime navale Militärprojekte der Schweiz eine Befahrung bis weit in die Quellgebiete.
Vor unvordenklicher Zeit stand neben dem Gotthard ein ebensolcher Bergriese, quasi spiegelbildlich. Bekrönt war der Berg – der Teufelsweich – durch die Feste der Hübener, deswegen Hüburg genannt. Auf dem Gotthard stand die Feste der Drübener, entsprechend die Drüburg benamt.
Als der schreckliche Krieg zwischen Hübenern und Drübenern mit der Niederlage der Hübener endete, waren diese gezwungen worden, die Hüburg zu schleifen und das Teufelsweich-Massiv abzutragen. Bis auf den Talgrund.
Die Drüburg ließ man mangels weiterer kriegerischer Verwicklungen verkommen.
Als letztes stand ihr mächtiger Bergfried. Als die Rheinschifffahrt Auftrieb nahm, trug man den Bergfried ab und baute ihn nahe des mächtigen Stroms wieder auf.
Der Einbau einer mächtigen Beleuchtungsanlage verwandelte ihn in einen Leuchtturm.
Als solcher warnt er die Schiffer vor den Untiefen und Klippen von Sankt Sack und weist ihnen den sicheren Weg in die Marina von Bad Wurschel.

(Bdolf, der dunkelste Denker, mit einem Gastbeitrag über maritime Errungenschaften im Ursprungsgebiet des Rheinstroms. rheinsein dankt und verweist zusätzlich auf diesen Eintrag.)

Theodor Fontane sinniert am Rheinfall u. a. über eine höhere Rasse

“Liebe Frau.

Ich blieb im „Storch“ drei Stunden länger als ich berechnet hatte. Schönheit und Liebenswürdigkeit der Wirtin waren nicht schuld daran; sie sah aus, als habe sie der Storch zu viel oder zu wenig gebissen. Ihr Antlitz klärte sich auch nicht auf, wohl aber das Wetter. Dies bestimmte mich, nicht direkt nach Konstanz, sondern nur bis Neuhausen (Station in Nähe von Schaffhausen) zu gehen. Man bleibt jetzt in der Regel an diesem Ort, weil man den Rheinfall von hier aus am schönsten sieht. Auch das Gasthaus ist hier am besten; echt englisches Hotel, in dem man wieder Mensch wird. Viel tragen zu dieser wohltuenden Erscheinung allerdings die Engländer selbst bei; richtiger die Engländerinnen. Ich will dies alte Streitthema nicht zum hundertsten Male behandeln, aber es ist so, wie ich es sage. Durch Abstammung, Erziehung, Pflege, Freiheit und allerglücklichste Lebensverhältnisse repräsentieren sie schließlich eine höhere Rasse. Das ganze Volk trägt einen aristokratischen Stempel. Was bei uns in Exemplaren vorkommt, kommt bei ihnen massenhaft vor. Auch bei uns gibt es Rosen, aber im Rosental zu Kaschmir wachsen sie wild.
Die ganze Rheinfall-Szenerie übertrifft weitaus meine Erwartungen, so das ganze Rheintal überhaupt, in dem wir gestern hierher fuhren. Rheinfelden, Säckingen und vor allem Laufenburg sind sehr schön. Schon vor zehn Jahren, als ich von Interlaken und Zürich aus heimkehrte, bin ich daran vorüber gefahren, aber ohne das Geringste zu sehen. So reist man jetzt. Wahrscheinlich war ich müde und streckte auch nicht ein einziges Mal den Kopf zum Fenster hinaus. Der Rheinfall wirkt wie die Jungfrau. Was der Schnee dort tut, tut hier der Wasserschaum. Man steht hier wie dort einem Etwas gegenüber, das Einen durch Reinheit beglückt. Dazu verwandte Farbenwunder. Inmitten dieser Schaummasse, die völlig wie ein Schneesturz niederdonnert, werden smaragdene Töne sichtbar, die an Schönheit mit dem Alpenglühen wetteifern können. Dies hier ist ein Punkt für Hochzeitsreisende! Von Hotel zu Hotel traben, oder Galerien absuchen, kann dem tapfersten Recken den honey-moon verleiden, aber in diesem Schweizer-Hof 14 Tage leben und das Dasein in Liebe, Rheinfall und substantial breakfast`s gipfeln zu sehen, muß für einen 25jährigen himmlisch sein. Selbst die Langeweile verliert hier ihren Charakter. Es braucht hier nichts gesagt zu werden, ja es soll hier nichts gesagt werden. Die Natur ist in einem steten Donner, und wenn es donnert, schweigt der Mensch. So wird hier auf natürlichem Wege, und fast von Schicklichkeits wegen, die Klippe vermieden, an der fast alle Liebespaare scheitern: die Unterhaltungsnot. Gesagt ist alles, und immer küssen geht über die menschliche Kraft. Deshalb gehe denn heute auch nur ein Kuß in die Heimat; über die Adresse schweig ich verschämt. Wie immer

Dein alter Th. F.”

(Theodor an Emilie Fontane, Neuhausen, 6. August 1875. Aus: Theodor Fontane – Werke, Schriften, Briefe; Teil 4, Band 2)

Presserückschau (November 2012)

Nachdem in Basel Spaziergänger einen beinahe hummergroßen Signalkrebs aus dem Rhein gezogen hatten, vermeldet nun auch kindernetz.de eine „Krebsjagd am Rhein“. Während das Schweizer Boulevardblatt Blick ganz pragmatisch die kulinarischen Qualitäten des Tiers herausgestellt hatte, berichten die auf Kinder spezialisierten Reporter, daß „der große Krebs gefangen werden müsse, weil er sonst kleineren Krebsen schade“. Weitere bedeutende Rheinnachrichten des Novembers:

1
Der General-Anzeiger berichtet von Diskussionen um einen künftigen Wasserbus auf dem Rhein in Bonn. Die Idee kam aufgrund bevorstehender Großbaustellen zustande: “Nach Auffassung des BDA (Bund deutscher Archtiekten) soll der Rhein unter dem Motto „R(h)ein in die Stadt“ als Natur- und Erlebnisraum zum Kernthema der innerstädtischen Entwicklung werden: Der Rhein also als Vernetzungsraum, der Verbindungen mit unterschiedlichen Qualitäten schafft, und ein Gestaltraum, der die beiden Seiten des Bonner Stadtbildes am Fluss zeigt und die besondere Qualität der „Stadt am Rhein“ zum Ausdruck bringt. Der Wasserbus soll mit zahlreichen kurzen Verbindungen über den Rhein die beiden Bonner Seiten miteinander verweben. Dabei stehen nach der Idee weniger die touristischen Ziele im Vordergrund, als vielmehr „die Verbindung der unterschiedlichen Wohn- und Arbeitswelten“. Im Idealfall soll sogar die Angliederung an den ÖPNV gelingen, was dessen Attraktivität für die Bürger steigern und die Bonner Stadtstraßen entlasten würde.“ Eine unsererseits längst und angesichts des regen Bosporus-Fährverkehrs sogar schmerzlich vermißte Idee, die auszugraben auch anderen Städten am Rhein gut zu Gesicht stünde.

2
„Vier von fünf Vorarlbergern rechnen jederzeit mit einem Hochwasser, geht aus einer Befragung der IRR (Internationale Rheinregulierung) unter 600 Bürgern beidseits des Rheins hervor“, teilt der ORF mit. Und weiter: „Die Hochwassersicherheit am Alpenrhein soll spätestens ab 2017 innerhalb von 20 Jahren bei Kosten von 400 Mio. Euro nachhaltig erhöht werden. Geplant ist, die Abflusskapazität des Rheins zwischen der Illmündung und dem Bodensee von derzeit 3.100 Kubikmeter pro Sekunde auf 4.300 Kubikmeter pro Sekunde zu steigern. Dieser Richtwert entspricht einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen ein Mal in 300 Jahren auftritt. Das Hochwasser-Schadenspotenzial im Rheintal wird allein auf Vorarlberger Seite mit 2,66 Mrd. Euro beziffert.“

3
Erneut der General-Anzeiger berichtet unter dem Titel „Potemkin am Rhein“ über die zweifelhafte Eröffnung des Gemeinsamen Extremismus- und Terrorabwehrzentrums (GETZ) in Köln, das sich nicht recht vom Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) und dem Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus/-terrorismus (GAR) unterscheiden lasse. So sei die politische Prominenz der Eröffnung zahlreich ferngeblieben: „Auch der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, ein CDU-Mann, fehlte. Der improvisierte Zustand des Zentrums legt zusätzlich Zeugnis davon ab, dass da hopplahopp etwas präsentiert werden musste: Potemkin am Rhein. (…) Wer gemeinsam gegen Terror und Extremismus kämpfen will und dann noch nicht mal die Gründungsfeier einvernehmlich hinkriegt, muss sich über Hohn und Spott nicht wundern: “Getz geht´s los”, lautet einer der einschlägigen Sprüche.“

4
„Der Klimawandel wird Deutschland mehr Überschwemmungen und Hitzerekorde über 42 Grad bringen. Eine weitere Folge sei, dass Flüsse wie der Rhein „öfter mal austrocknen“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung“ – berichtet ntv. Eine Meldung, die natürlich wieder gegen regen Fährverkehr spricht.

5
Ob die folgende Meldung über eine Spezies namens Hulecoeteomyia japonica bezeugt, daß der Klimawandel bereits im Gange ist? Über das unerwüscht zugewanderte Insekt berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die aggressive asiatische Buschmücke vermehrt sich in Deutschland immer stärker. In NRW erstreckt sich die Population bereits über ein großes Territorium zwischen Köln und Koblenz. Die Mücke gilt als Überträger des gefährlichen West-Nil-Fiebers.“ Am Oberrhein ist die Mücke indessen schon etwas länger bekannt.

6
Die Rhein-Zeitung über tierische Migration und ihre Effekte: „Im Rhein lebten heute bereits allein mehr als 45 Arten wirbelloser Einwanderer, heißt es. Die Neuankömmlinge verdrängen dabei die heimischen Arten. Angesichts der bedrohten Artenvielfalt spricht Stefan Stoll von einer „McDonaldisierung“. „Überall gibt es nur noch das gleiche Angebot“, erklärt der Biologe.“ Das gleiche, aber ein anderes, oder etwa nicht? Schwingt hier das angestammte Verdammen terrestrischer Migrationsbewegungen aus Angestammtenmund mit? Und wo landen die verdrängten Arten? In Mägen? Oder drängen sie anderswo hin?

7
Eine bauplanerisch-neoromantische Meldung hat der Südkurier parat. Sie betrifft Rheinfelder Pläne für die Internationale Bauausstellung 2020: „Das Rheinfelder Rheinuferprojekt mit Pavillon, Fischaufstieg, naturnahen Uferabschnitten mit Kiesbänken und Felsen auf der deutschen Seite und zeitgenössischer Landschaftsarchitektur mit Stadtpark auf Schweizer Seite ordnet sich in diese Leitidee ein. Der Rhein zwischen beiden Rheinfelden soll bei der Bevölkerung „Liebe“ wecken mit Erlebnissen und Ausblicken, die ans Wasser locken.” Der Gedanke des Rheins als “Verführer”, fährt der Artikel fort, sei seitens der Rheinfelder als verpflichtender Anspruch aufzufassen.

8
Daß Thomas Gottschalk seinen Wohnsitz Schloß Marienfels verkaufen will, war vielen Zeitungen, darunter der Frankfurter Rundschau, eine quasi-makelnde Nachricht wert: „Allerdings müssen Interessenten bedenken, dass alle Räume von Thea Gottschalk höchstpersönlich gestaltet wurden. Thea Gottschalk suchte ihrem Mann stets die Kleider für seine „Wetten, dass ..?“-Moderationen aus. Man kann sich also die Pseudo-Prunk-Melange in den Gemächern vorstellen. Andererseits hat der Käufer die Chance, demnächst auf den Touristenschiffen genannt zu werden. Wenn auch nur als Besitzer des Schlosses, das mal Thomas Gottschalk gehörte.“

9
Der Duisburger Kriminalpolizei gelang es, einen kuriosen Vermißtenfall aufzuklären. Nachdem vor knapp einem Jahr bei Rees-Mehr (Oberkörper) und im Emmericher Yachthafen (Unterkörper) ein männlicher Torso aufgetaucht war, konnte dieser zunächst nicht identifiziert werden, denn: „die Polizei (kam) aus einem wesentlichen Grund nicht auf (einen bekannten, Anm.: rheinsein) Vermissten: Er war etwa 1,70 Meter groß. Die Gerichtsmedizin hatte aber errechnet, dass die Leiche im Rhein zu einem Mann mit der Größe von fast 1,90 Metern gehören müsse. Sie war einer fehlerhaften Formel in der Neuauflage eines verwendeten Lehrbuchs aufgesessen“, berichtet die Rheinische Post.

Last but not least: wurde im November entlang des Rheins und einiger seiner Nebenarme der Karneval ausgerufen (so gut wie alle lokalen Tageszeitungen berichteten), und in Köln, meldet der Kölner Stadt-Anzeiger, werden kommende Hochwasser ab sofort „in den Rhein zurückgepumpt“.

Anna Rhenana fließt die ganze Nacht unter meinem Fenster und beschwert sich in gutturalem Schwyz-Duitsch

19. August 1937
Hotel Krone am Rhein, Rheinfelden

Lieber Curran,

Ich hoffe, dies erreicht Sie noch vor Ihrer Abreise, denn ich vermute, daß Armand Establet, der seines Vaters Weinberg und nützlichen Umhang übernommen hat, die Kiste geschickt hat*. Er scheint nicht dedouane zu haben, vielleicht konnte er nicht, aber sie trifft möglicherweise am Tag nach Ihrer Abreise ein und kommt Sie unnützerweise an Zollgebühren teuer zu stehen. Vielleicht kann sich jemand während Ihrer Abwesenheit darum kümmern.
Mit diesem Brief bitte ich Sie diesmal nicht, jemanden zu sehen, wohin zu gehen oder etwas für mich zu tun, sondern ich möchte nur Ihnen und den Ihren eine angenehme Reise wünschen. Da Sie gehört haben, daß wir nach Vittel, Le Touquet, auf die Isle of Man und nach Anglia gehen wollten, werden Sie es für die natürlichste Sache von der Welt halten, daß wir hier in Erin-am-Rhein stecken. Anna Rhenana fließt die ganze Nacht unter meinem Fenster und beschwert sich in gutturalem Schwyz-Duitsch, daß ich sie mit über 200 anderen als Schleppenträgerin für eine trunkene röckeschleifende Dubliner Schlumpe in Dienst genötigt habe. Gott steh mir bei, wenn ich je dieser Kriegsmaid Anna Amazona nahe komme!
[...]

* Eine Kiste Châteauneuf, Clos St. Patrice.

(aus: James Joyce, Werke 7, Briefe III)

Presserückschau (August 2012)

Nachdem noch im Juli die DLRG verschiedentlich gemeldet hatte, daß Schwimmen im Rhein nirgendwo sicher sei, veranstaltete sie im August wieder ihre traditionellen Rheinschwimmen zwischen Heidenfahrt und Ingelheim (136 Teilnehmer, Erbsensuppe), in Rheinfelden (44 Naturfreaks, ein Biber), und in Kooperation mit den Schweizer Kollegen zwischen Mumpf und Bad Säckingen (327 Schwimmbegeisterte, Fischessen): Hasardeure! Die weiteren Meldungen des Augusts:

1
Die Dreiländerbrücke (zwischen den Partnerstädten Huningue und Weil; Anm.: rheinsein) ist mit 248 Metern die längste Radfahrer- und Fußgängerbrücke der Welt“, konstatiert die Badische Zeitung und befragt Passanten zu ihren Nachbarschaftsgefühlen. Nicole Kebel (79) aus Saint Louis: “Ich (mache) fast jeden Tag einen Spaziergang auf der Brücke und trinke dann in Weil einen Kaffee. Ich habe den Krieg erlebt, diese Partnerschaft hat eine sehr starke Bedeutung für mich. Sogar wenn ich auf der Brücke gehe, bin ich sehr gerührt.” Hingegen Audrey Allgeyer (31) aus Village-Neuf: “Wir mögen die Stadt Weil am Rhein und die Läden dort nicht, deshalb ist es uns egal, wenn es Veranstaltungen gibt und dass Weil am Rhein und Huningue Partnerstädte sind.”

2
Die ortsansässige Schildkröte Rheini wurde von einem Mann aus dem Konstanzer Rheinstrandbad gestohlen, berichtet der Südkurier: „Der Unbekannte sei bei seiner Tat beobachtet worden. Trotz Protests der Badegäste habe er sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen. Die Rheini-Fans bitten ihn darum, das Tier wieder zurückzubringen, sonst werde Strafanzeige gestellt. Schließlich sei es nicht erlaubt, einfach ein wildes Tier nach Hause zu nehmen.“ Die Hintergründe dürften in einem Streit um artgerechte Tierhaltung liegen, wie die Kommentarspalte vermuten läßt.

3
Am Gotthardpass ist der Vier-Quellen-Weg, eine Wanderroute, welche die Quellen von Rhein, Reuss, Rhône und Ticino berührt/verbindet, eröffnet, meldet der Tagesanzeiger. Zur Einweihung sprach Ueli Maurer. „Der Gotthard, das zentrale Massiv der Strecke, stehe für Freiheit, den Gründungsgedanken der Eidgenossenschaft und die direkte Demokratie. Der Bundesrat hofft, dass Wanderer entsprechende Emotionen durchleben werden.“ (Aber hallo, das muß unbedingt ausprobiert werden! Gilt das auch für Ausländer?)

4
Bizarre Tiernachricht aus den Tiefen des Sommerlochs: Weil er seine Mischlingshündin mit Paketschnur an den Vorderfüßen gefesselt in den Rhein geworfen habe, wurde ein Kölner wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe verurteilt, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Das Tier indes überlebte. „Winselnd, das Fell völlig durchnäßt“ wurde Bonnie von einer Passantin am Stammheimer Ufer entdeckt. (Wir fühlten uns umgehend an die (durchaus noch ein Quentchen bizarrere) Hundeszene in Guy Helmingers Etwas fehlt immer erinnert und gedachten für einen weiteren Moment der so oder so zustandegekommenen Gequältheit diverser Gottesgeschöpfe.)

5
Es war wohl wenig los im August. Bei Lorch lief das 105 Meter lange Schiff Karola auf Grund. Der Frachter hatte Eisenplatten geladen (SWR). Beim U-Bahn-Bau in der Düsseldorfer Innenstadt trat ein Mammut-Stoßzahn zutage – bei weitem nicht der erste in der Gegend (Rheinische Post). Weil also wenig passierte, verlegte sich die Presse stärker auf Ankündigungen: „178-Millionen-Euro-Projekt: Die neue Schiersteiner Brücke soll in zwei Abschnitten bis 2018 entstehen. Sie wird fast 1,3 Kilometer lang und 44 Meter breit sein.“ (FAZ) Ab 9. September wird das große Binger Weinfest unter dem Motto “Schon Hildegard von Bingen lobte den Wein – drum lasst beim Winzerfest am Wein uns erfreun” eröffnet (business-on). Und nicht zuletzt: „Gedichte sollen den Rheinuferweg bei Basel säumen“ – was für Gedichte genau, werde sich noch herausstellen (Tageswoche).

6
Schließlich erregte noch eine Meldung von einer jungen Schweizerin größeres Aufsehen, die von der Karlsruher Wasserschutzpolizei aus der Iffezheimer Schleuse gefischt wurde (ka-news, Focus): in ihrem Schlauchboot, das sie mit Schwimmflossen an den Beinen manövrierte. Besondere Erwähnung gewährte die Presse ihrer Kopfbedeckung, einer Kapitänsmütze. Seit Biel (Aare) hatte die 26jährige innert 14 Tagen bereits über 200 km in dieser Fortbewegungsart absolviert, gab das Schlauchbootflosseln nach einer polizeilichen Gefahrenaufklärung jedoch auf und will nun versuchen, per Schiffsanhalterin an ihr Ziel, die Nordsee, zu gelangen.

Der Rhein für die gebildeten Stände

Rhein, einer von den Hauptflüssen Deutschlands, der ein schönes, wein- und fruchtreiches Land durchströmt, einen Weg von 190 M. zurücklegt und über 12,200 Flüsse und Bäche dem Oceane zuführt, entspringt in dem helvet. Canton Graubündten aus drei Hauptquellen, welche der vordere, mittlere und hintere Rhein heißen. Der vordere quillt aus dem Gebirge Crispalt, nordöstl. vom Gotthard, und vereinigt sich bei Dissentis mit dem mittlern Rheine, welcher vom Lukmanierberge herabkommt. Diese vereinigten Flüsse vermischen sich bei Reichenau mit dem Hinterrhein, der im Gebirge Adula auf dem Vogelberge aus einem Gletscher sich sammelt und bis Reichenau 20 Stunden weit fließt. Daselbst erhalten diese drei vereinigten Rheinquellen den gemeinschaftlichen Namen Rhein und haben eine Breite von 230 F. In der Gegend von Chur wird er schiffbar; zwischen Rorschach und Fußach stürzt er mit großem Geräusch in den Bodensee, den er zwischen Stiegen und Eschenz wieder verläßt und seinen Lauf nach Schaffhausen und Basel fortsetzt, nachdem er vorher mehre Wasserfälle gebildet hat. Solcher Wasserfälle, vorzugsweise Rheinfälle genannt, gibt es vier: 1) Der Rheinfall, eine Stunde unter Schaffhausen bei den beiden Laufen, wovon das eine (Dorf und Schloß) dicht am Rhein, auf dem Boden des schweizer. Cantons Zürich, und das andere, ein altes Schloß, gegenüber auf einer Insel liegt, ist der bedeutendste und durchaus nicht zu passiren, weshalb die Ladung der Schiffe zur Achse durch Schaffhausen gebracht werden muß und erst unterhalb der Stadt wieder eingeschifft werden kann. Nachdem der Strom ungefähr 500 Schritte oberhalb der beiden Laufen zwischen ungeheuern Felsen, die zum Theil mitten aus seinem Bette hervorragen, eingeengt worden ist, schießt er dann bei immer zunehmendem Abhange in unzähligen Buchten von Fels zu Fels hin und stürzt sich endlich, 80 F. hoch, 300 F. breit, mit einem in der Nähe betäubenden und bei stiller Nacht auf zwei Meilen weit hörbaren Getöse in drei Fällen steil herab, wovon der auf der Südseite, zwischen zwei Felsenpfeilern, der gewaltsamste ist. Die ganze Breite des Sturzes übersieht man aus einem Hause, nicht weit vom Sturze, fast in der Mitte des Flusses, das durch eine Zugbrücke mit dem Ufer verbunden ist; doch kein Bild vermag dieses Schauspiel darzustellen. 2) Der Rheinfall unter Zurzach, bei der Mündung der Wutach, der nur bei hohem Wasserstande die Schiffahrt hindert. Er wird verursacht durch einen quer durch den Strom gehenden Felsendamm, in dessen Mitte eine Lücke sich befindet, durch welche bei niedrigem Wasser die Schiffe passiren. 3) Der Rheinfall bei Laufenburg, der nur in einer Stromschnelle besteht, auf welcher leere Schiffe an Seilen durch Menschen, oft jedoch mit Lebensgefahr, hinuntergelassen werden. 4) Der Rheinfall bei Rheinfelden, der Höllhaken, auch das Gewild genannt. Schon eine Stunde oberhalb Rheinfelden fangen die Felsen im Strome an und streichen bis unter die Brücke dieser Stadt dergestalt fort, daß nur eine schmale Öffnung bleibt, durch welche die Schiffe mit der größten Vorsicht geführt werden müssen.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Nach Rheinfelden möchte ich ziehen

Urs Engeler stellt heute ein Gedicht von Dieter Roth in sein roughblog, das u.a. folgende charismatische Strofe enthält:

Nach Rheinfelden möchte ich ziehen,
Nach Rheinfelden möchte ich ziehen,
Nach Rheinfelden möchte ich ziehen,
Nach Rheinfelden möchte ich ziehen.

Wir erinnern uns an Roth-Zeit, eine Werk-Retrospektive im Kölner Museum Ludwig, welche die überwältigende Werkvielfalt Roths in immer noch beeindruckenden Ausschnitten zeigte, darunter die „Typische Scheiße“-Gedichte, welche uns damals, spät genug, zum ersten Mal begegneten.

Das vornehme, ansehnliche Freiburg

Von Kriegswirren weiß Dielhelm über Freiburg zu berichten, von verwirrenden, sicherlich kriegsvorbereitenden, Friedensschlüssen und natürlich dürfen die Eckdaten (geografische Lage, Markttage, Lebensmittelmengen, adlige Leichen) nicht fehlen: “In seinem Wappen hat Freyburg einen schwarzen Vogelshalß mit einer rothen Zunge im gelben Felde. Es hält jährlich viermal Markt, das erstemal auf Petri Stuhlfeyer, das zweytemal auf den 29. Mai, das drittemal auf Matthäus, und das viertemal donnerstags vor Martini. Es liegt anbey unter dem 47. Grad 59. Minuten Latitudinis und unter dem 29. Grad 35. Minuten Longitudinis, wie auch unter dem himmlischen Zeichen der Waage. Im Jahr 1677. im höchsten Winter wurde Freyburg, ohne Zweifel durch Verrätherey ihres Commendanten, von den Franzosen eingenommen, womit es kürzlich folgender Gestalt zugegangen ist. Ob man wohl damals in der sichern Meynung stund, die Franzosen würden wegen des vielen Marschirens in dem vorhergegangenen Feldzuge und des starken Abgangs an Pferden, sehr begierig nach dem Winterquartier seyn, wie sie denn auch ihren Marsch gegen Schlettstadt und Breysach gerichtet hatten; so gingen sie doch den 9. Nov. alten Calenders ohnversehens allda über den Rhein und gerad vor Freyburg, welche vornehme und feste Stadt sie so plötzlich belagerten, daß mit vieler Mühe nur noch ein Trompeter herausgekommen ist, und solchen Ueberfall berichten können. Das Schiessen währete bis 5. Tage, da es endlich stille wurde. Des folgenden Tages ging es aber desto grausamer mit unterlaufendem Sturm wieder an, und währete biß in die Nacht; da denn ein kurzer Stillstand gemacht wurde, die Todten zu begraben, immassen die Franzosen bereits einen ziemlichen Verlust an vielen hohen Officieren davon erlitten hatten, worunter der Marquis de Bois David, der Generalfeldzeugmeister, 2. Obersten, 2. Obristlieutenants und 16. Hauptleute waren. Wie denn auch ein Obristlieutenant samt noch 20. Wägen Verwundeter nach Breysach gebracht wurde. Ohngeachtet aber der anfänglich guten Gegenwehr, und des im Marsch begriffenen Beystandes wurde den 16. selbigen Monats nicht allein diese schöne und mit allen Nothwendigkeiten versehene Stadt, sondern auch dasiges Schloß an die Franzosen übergeben, woraus die Besatzung 2500. Mann zu Fuß und Pferd stark, mit Ober= und Untergewehr, mit fliegenden Fahnen, 6. Rüstwagen und 2. Stücken Geschütz, nach Rheinfelden abzog. Es befand sich damals in dieser Stadt und Festung ein überaus grosser Schatz, sowohl an solchen Gütern, die den Einwohnern eigenthümlich zugehörten, als auch an solchen, die man dahin in Sicherheit gebracht hatte; desgleichen ein ansehnlicher Vorrath an Proviant und Lebensmitteln, insonderheit aber über 50000. Malter Korn, und über 33000. Fuder Wein. Im nimwegischen Frieden wurde sie dem Könige in Frankreich zugesprochen, welcher sodann Stadt und Schloß vortreflich befestigen lies. Hierauf wurde die österreichische Regierung nach Waldshut verlegt, und die Universität nach Costnitz an den Bodensee gebracht; Als aber in den Präliminartractaten des ryßwickischen Friedensschlusses, auf Vermittelung und Gutbefinden des Königs Carls des XI. in Schweden, schon war ausgemacht worden, daß die Stadt Straßburg mit ihrer Zugehör dem Reich wieder solte heraus gegeben werden; so wußte es Frankreich doch dahin zu treiben, daß man für gedachte vornehme, ansehnliche Stadt und Vormauer des deutschen Reichs, wie Strasburg war, dieses Freyburg nebst Breysach als einen Gegenwerth annehmen, jene aber zurüklassen muste, dahero sie dann wiederum mit allen Festungswerkern an Oesterreich abgetreten wurde.”