Presserückschau (Mai 2016)

1
“Es wurde an alles gedacht bei der Filmpremiere zu “Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar”. An den roten Teppich, an Sekt, an “Meet & Greet” sogar an einen Pressebereich. Und so verwandelte sich das Cinemaxx-Kino (…) in eine Szenerie, der man einen winzigen Hauch Hollywood nicht verleugnen kann. Die (…) eher unbekannten Schauspieler und Filmemacher mutierten zu kleinen Stars, wurden gefilmt, fotografiert, interviewt und nach Autogrammen gefragt. (…) Nach ein paar einführenden Worten und den zwei Live-Songs “Seelenlied” und “Mannemer Dreck”, die auch im Film eine Rolle spielen, ging es direkt los. (…) Rund eine Stunde und 15 Minuten später dann tosender Applaus. Ja, der Film kam an. Es wurde viel gelacht. Auch gestaunt über die Qualität des Streifens, der immerhin mit nur knapp über 30 000 Euro Budget entstanden ist und dennoch (…) einen Filmverleih gefunden hat, der ihn deutschlandweit in die Kinos bringt. Und damit ein Stück Mannheim-Atmosphäre, Charme und Lebensart.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

2
“Im Rhein ist jetzt eine Industriechemikalie aufgetaucht, die nie zuvor in Gewässern gefunden worden ist und mit der auch niemand gerechnet hat. (…) “Bei den Substanzen geht’s um Triphenylphosphonium-Verbindungen. Das sind Chemikalien, die großtechnisch bei der Synthese von organischen Molekülen wie zum Beispiel Vitamin A oder Beta-Carotin eingesetzt werden können (…).” Klar sei bisher nur, dass es sich um biologisch schwer abbaubare Stoffe handele, die sich im Sediment von Flüssen anreichern. Und dass die Phosphonium-Salze die Abwasserbehandlung in den Betrieben überstehen, aus denen sie stammen.” (Deutschlandfunk)

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“Wenn das Channel-Netzwerk comTeam zur Systemhauskonferenz einlädt, stehen ITK-Trends genauso im Fokus wie entspanntes Networking. Die „R(H)EINGOLD-TOUR 2016“ kombiniert beides als Flussfahrt auf dem Rhein mit anschließender Beachparty. (…) Ob zielgerichtete Kundenansprache, Servicesteuerung oder Fokusthemen wie Transformation und managed service – die Beispiele aus der Praxis bieten für die Systemhäuser spannenden Mehrwert. Als Keynote Speaker „entert“ Top-Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Bühne, um unter dem Motto „Hier und Jetzt – Das Leben findet heute statt“ interessante Impulse jenseits des Berufsalltags zu geben.” (electronicpartner.com)

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“Der Stör steht in NRW auf der Roten Liste unter der Kategorie Null, weil er zu den Arten gehört, die sich nicht mehr vermehren und verschollen sind. Wiederansiedlungsprogramme für den Stör machen im Rhein nach Meinung von Fachleuten so lange keinen Sinn, so lange die Verbindung zum Meer durch die Schleusen des Haringvlietdamms unterbrochen ist, der 1971 zum Schutz vor Hochwasser und Sturmflut im Rheinmündungsdelta errichtet wurde. Die Stauwerke stellen für Wanderfische ein großes Hindernis dar. Die Niederländer sind aber dabei, die Öffnungszeiten zu optimieren, damit der Stör die Barriere ungehindert passieren kann. Weil der Stör in NRW als verschollen gilt, hat ist er nicht von planungsrelevanter Bedeutung, etwa bei Hafenausbauten.” (WAZ)

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“Das letzte Mal hat man so einen Anblick 1977 in dem Bond-Streifen “Der Spion, der mich liebte” gesehen, als 007 alias Roger Moore in einem Lotus, der auch ein Boot und U-Boot war, einen Strand hochfuhr. Und so staunten (…) Spaziergänger am Uerdinger Rheinufer nicht schlecht, als sie (…) auf dem Rhein Gefährte entdeckten, die sich wie Schiffe benahmen, aber wie Autos aussahen: Über Pfingsten fand in Krefeld ein Bundestreffen der sogenannten “Amphicars” statt, also schwimmfähiger Autos. Rund 30 Wagen waren angemeldet. (…) Amphicars wurden zwischen 1958 und 1963 in Berlin und Lübeck gebaut (…). Geplant war der Bau von 25.000 Wagen; da der Verkauf aber nicht den Erwartungen entsprach, war nach Nummer 3878 Schluss. Die weitaus meisten Fahrzeuge gingen in die USA.” (Rheinische Post)

6
Im Rhein ertrunken: “Die Leiche des Mannes war (…) am Ufer an der Kreisgrenze in der Nähe des “Stummen Deichs” entdeckt und geborgen worden. Die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Nach den bisherigen Ermittlungen kam der Mann zusammen mit zwei Freunden auf die Idee, durch das Duisburger Hafenbecken zu schwimmen. Während die beiden Kollegen das andere Ufer erreichten, verließen den 37-Jährigen unterwegs offenbar die Kräfte. Er versank in den Fluten. Die Strömung trieb den Körper ab, der viele Kilometer weiter dann zwischen Haffen-Mehr und Bislich ans Ufer gespült wurde. Die Polizei obduzierte den Leichnam und stellte fest, dass es sich nicht um ein Verbrechen handelt.” (Rheinische Post)

7
“Wegen “gemeinschädlicher Sachbeschädigung” hat die Polizei in Laufenburg zwei 15 und 18 Jahre alte Tatverdächtige angezeigt. Das Duo wurde nach einer Pressemitteilung der Polizei (…) beschuldigt, am Pfingstmontagabend bei der Codmananlage eine Sitzbank in den Rhein geworfen zu haben. Ein Zeuge hatte die Polizei darüber unterrichtet. Die beiden Jugendliche wollten gemäß den Schilderungen gerade eine zweite Bank versenken, als zwei Mädchen hinzukamen. Daraufhin hätten sie von ihrem Vorhaben abgelassen. Die herbeigerufene Polizei traf die beiden vor Ort an.” (Badische Zeitung)

8
“Der Text, den Christian Mueller in das Gesetz schreiben will, ist einfach: «Von der Johanniterbrücke in den Rhein führt auf Kleinbasler Seite eine Wasserrutschbahn.» (…) Sein Wahlkampf-Thema – die Rhein-Rutschbahn – könnte ihm beim Sprung ins Parlament helfen. Die Rutschbahn soll über drei Spuren verfügen und in einem Auslaufbecken über dem Rhein enden. Nur so könne die Rutschbahn auch von Nicht-Schwimmern und Kindern benutzt werden. Die Kosten schätzt Mueller auf rund eine Million Franken. Beim ersten Projekt ging er noch von einer halben Million aus.” (Tageswoche)

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“Die Obduktion der Leiche, die (…) aus dem Rhein in Lüttingen geborgen worden war, hat keine Hinweise auf eine Todesursache durch Gewalteinwirkung ergeben. (…) Die Ermittler halten unteressen einen Zusammenhang mit einem Fall in Bonn (…) für möglich. Damals (im vergangenen April; Anm. rheinsein) beobachteten Zeugen (…) einen unbekannten Mann, der von der Kennedybrücke in den Rhein gesprungen sein soll. Eine Suche durch Polizeikräfte, Feuerwehr, DLRG und einem Polizeihubschrauber verlief ergebnislos. Nach Aussagen von Zeugen in Bonn könnte es sich vielleicht um den in Höhe von Schloß Lüttingen entdeckten Leiche übereinstimmen, so die Polizei. Eine Vermisstenanzeige, die auf die Beschreibung des Brückenspringers passen könnte, liegt bis heute nicht vor.” (Rheinische Post)

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“Fünf Passanten, die einem in Not geratenen Schwimmer (…) im Rhein bei Bonn zu Hilfe eilen wollten, sind selbst in Not geraten. Nach Angaben der Feuerwehr (…) wollten sie einem waghalsigen Schwimmer helfen, der im Wasser trieb. Mit einem Rettungsboot und über Land konnten Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG schließlich alle Personen retten. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann ein Bad nehmen wollen, seine Kräfte aber überschätzt. Die Einsatzkräfte seien durch viele Schaulustige behindert und bedrängt worden (…). Mehr als 200 Unbeteiligte (…) seien zeitweise am Ufer gewesen.” (WDR)

Presserückschau (Februar 2016)

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Sogar im Tomasee, den er zuvor als sauber eingeschätzt hätte, habe Rheinschwimmer Andreas Fath hohe Belastungswerte mit Plastikpartikeln festgestellt, berichtet das SWR-Fernsehen. Die Plastikteile gefährdeten im Rhein lebende Tiere, die Kunststoff bei der Nahrungsaufnahme nicht von natürlichen Partikeln unterscheiden können, daneben bestünde Verletzungs- und Erdrosselungsgefahr. Auch zögen die Plastikteile oberflächenaffine Giftstoffe an, die immer wieder in den Rhein geleitet würden und über die Nahrungskette schließlich beim Menschen landeten. Krankheitssymptome bei Muscheln könnten ebenfalls auf die Mikroplastikbelastung der Gewässer zurückgehen.

2
Trocken im Stil, äußerst bündig und dennoch auf positive Aspekte der Zuwanderung hinweisend eine WDR-Meldung zum rheinischen Karnevalsgeschehen: “In Krefeld hat ein 21-jähriger Zuwanderer aus Pakistan (…) nach Polizeiangaben einen 20-Jährigen aus dem Rhein gerettet. Der Mann aus dem Kreis Mettmann war beim Urinieren ausgerutscht und ins Wasser gefallen. Der Pakistaner sprang in den Fluss und rettete den anderen. Beide blieben unverletzt.”

3
“RHINE aus den USA liefern mit “An Outsider” ihr zweites Album ab. Hinter diesem Projekt steht Gabriel Tachell, der das Debüt “Duality” von 2011 im Alleingang aufnahm und nunmehr mit einer vollständigen Band antritt, um dem europäischen Metal im Allgemeinen, dem skandiavischen Metal im Besonderen Tribut zu zollen. Ein Schiff aus Seattle in fremdem Gewässern, wenn man so möchte. Das, aber auch die Art, wie die Musik sich windet und wie sie fließt, soll nach eigenen Angaben durch den Namen RHINE suggeriert werden. Und genau das bietet Tachell auch. Sein Schiff “An Outsider” fährt auf dem Rhein entlang, während vordergründig die “Vertebrae”-ENSLAVED (“Dreaming Of Death” ist ein guter Anhaltspunkt) und die “Ghost Reveries”-OPETH (vor allem der Titeltrack) immer wieder die Segel des US-Amerikaners aufblähen. In voller Fahrt segelt das Schiff so im Zickzack-Kurs zwischen ruhigeren, atmosphärischen Gewässern und aggressiven Wogen hin und her. Durch die geografische Begebenheit des Flusses hat die Musik selbstredend auch eine handvoll teutonischer Einflüsse abbekommen, die sich in den härteren, zum Teil thrashigen Passagen zeigen, sich wahlweise aber auch in Vikinger-Chören offenbaren, die in deutscher (!) Sprache von ihren Schlachten singen – und das noch nicht mal schlecht (“P.R.E.Y”).” (metal.de)

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Der SWR berichtet von einem Fischfang bei Mainz: “Igor Hamm wollte eigentlich Zander angeln. Doch (…) dem 28-Jährigen aus Mainz-Kastel (ging) etwas deutlich Größeres an den Haken. In der Nähe der Bastion Schönborn biss ein Wels an. “Mir tut heute noch der Arm weh. Ich habe bestimmt eine Stunde mit dem Fisch gekämpft”, sagt Hamm (…). Schnell bildete sich ein Grüppchen Schaulustiger am Rheinufer: Spaziergänger blieben stehen, zückten Handykameras. Und auch ein Anglerkollege gesellte sich dazu, um Hamm beim Rausziehen des Riesenfisches zu helfen. “Wir konnten den Wels kaum zu zweit heben”, sagt Hamm, der seinen Fang auf 50 bis 60 Kilogramm schätzt. An Land legte sich der 1-Meter-80-Mainzer neben den Fisch. Nachgemessen habe sich eine Länge von 2,02 Meter ergeben, sagt Hamm.”

5
Eine Prognose über künftige Rheinpegelstände, deren Genauigkeit nachfolgende Generationen überprüfen dürfen, stellt der Meteorologe Peter Krahe von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz im General-Anzeiger: “Wie sich der Wasserstand in Zukunft entwickeln wird, können Krahe und seine Kollegen (…) nur für die ferne Zukunft tendenziell voraussagen: “Man rechnet mit feuchteren Sommern und trockenen Wintern.” Angewandt auf hydrologische Modelle ergäben die durchschnittlichen Klimaszenarien für den Rhein bei Bonn im Zeitraum 2020 – 2050 im Winter eine Erhöhung der Wassermenge um fünf bis 20 Prozent. Bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten die Prognosen im Winter zwischen fünf und 30 Prozent mehr Wasser. Für den Sommer zeigten die Prognosen erst ab 2070 einen markanten Trend – nach unten. Der Rhein könnte dann bis zu einem Viertel weniger Wasser führen als heute.”

6
Im Schnitt gut zwei Rheintote pro Monat meldet die Presse seit Jahren verlässlich. Die tatsächlichen Zahlen schätzen wir höher ein, da nicht jede/r Rheintote es in die Presse schaffen dürfte und nicht jede Pressemeldung uns erreicht. Diesen Monat war die Rede von drei treibenden Leichen: “Ein Schiffsführer hat eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt. Sie wurde (…) auf der Höhe Rheinberg im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen geborgen. Es handelt sich nach Angaben der Polizei um den Leichnam eines etwa 30 Jahre alten, unbekannten Mannes.” (t-online.de) “Ein Angler hat (eine) 94-jährige Frau, die (…) in Bad Krozingen vermisst wurde, auf der Höhe von Hartheim tot im Rhein gefunden. Offenbar ist sie dort ertrunken.” (Badische Zeitung) “Die Polizei Köln zog (…) in der Nähe der Deutzer Brücke eine Frau aus dem Rhein, die offenbar einen Selbstmordversuch unternommen hatte, wie ein Polizeisprecher (…) sagte. Bei der Rettungsaktion entdeckten sie plötzlich eine männliche Leiche im Wasser.” (Focus)

7
Wild lebende Flamingos am Rhein: “Im Zwillbrocker Venn ist die nördlichste Flamingobrutkolonie Europas zu Hause. Die langbeinigen Vögel können ab April bei Rangertouren im Naturschutzgebiet beobachtet werden. Den Winter verbringen sie am Ijsselmeer und im Rheindelta.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Über die A 13 als Lebensader des Hinterrheintals schreibt Der Bund und daß ihre Wertschöpfung bescheiden geblieben sei. Ein Hotel beim Tunnelportal stehe seit einem Jahrzehnt leer und sei zurzeit eingeschneit: “Bisher zeigte sich das kleine Hinterrhein immer wieder innovativ: Vor kurzem eröffnete im Dorf wieder ein Restaurant – in einem ehemaligen Geissstall. Hier können sich die Wanderer und Skitourengänger verpflegen, die eine der wenigen Ferienwohnungen gemietet haben. Der Kleinbetrieb läuft so gut, dass er eben ausgebaut worden ist. Früh erkannt haben die Bauern im Tal auch den Trend zu Bioprodukten. 1992 stellten sie ihre Produktion allesamt um. Ihr Bündner Bergkäse wird seither in hippen Bioläden in Deutschland und in der Schweiz von Coop verkauft. Im Dorf selbst gibt es einen Tante-Emma-Laden, der allerdings im Herbst schliessen wird.”

Leuchttürme des Rheins: der „Harte Gustav“ zu Hartheim

Hartheim, ein kleines Fischerdorf am weitläufigen Delta des jungerwachsenen Stroms. Endlos die Verzweigungen, Verschachtelungen, Irr- und Abwege des Gewässers. Tümpel, kleine Seen, Wasserlöcher, manche Sackgassen, manche gefährliche Fallen für Fahrensmann und Binnenschiffer…

Wie wichtig, dem schmucken Schiff den Weg zu weisen, die Fahrrinne im Hauptstrom, dem schiffbaren, zu weisen –

Diesen so essentiellen Dienst leistet der „Harte Gustav“ zu Hartheim am Rhein.

Mächtig steht dessen gewaltiger Turm am Eingang der Hartheimer Gemarkung.

Wichtiger noch als heute, in diesen unseren aufgeklärten, ja fast entzauberten Tagen, war es in unvordenklicher Vergangenheit – als allerlei Tückebolde, Zwerge, Kobolde, Ghoule, Untote und halblebiges Diebesgesindel, auf Beutezug nach Gold, Gut und Fleisch vom lebenden Menschen versuchten, den unbedarften Schiffer ins Verderben zu locken –

Manch Skelett gab durch dunkle Künste die blondgelockte nackerte Loreley und lief dem Käpt’n am Steuerruder vor sein Fernglas – auf dass er geraden Kurs aufgab und mit Mann und Schiff ins Verderben lief…

Mag sein, dass das Miasma aus Fäulnis, Sumpf und uralten Gräbern am Rand des Stroms die Machenschaften des Halb- und Ganztotenreiches die Handreichungen wider geordnetes Schifffahrtswesen bestärkten –

Allein, der mächtige Markgraf Sulzhardt sah dem unheiligen Treiben lange Zeit von seiner Sulzburg aus zu, sprach dann ein entschlossenes „Samen Aleikum!“, was in der Markgräfler Mundart so viel bedeutet wie „Nu isch aba gudd!“, erhöhte zweckgebunden Steuer, Zins und Abgaben und ließ am Eingang der Gemarkung den gewaltigen „Harten Gustav“ errichten, „Gustav“ für seinen Urgroßvater, dem zu Ehren, „Hart“ wegen des Flurnamens und der Entschlossenheit, alles an Schindluderei und unheiliger Halblebigkeit auszutilgen.

So kam es und heuer leuchtet es…

(Ein Gastbeitrag und elfter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Bregenz (Übergänge – Rites de Passage)

Der Junge Rhein aber mündet in den Bodensee.
Mäandernd über den Lauf der Zeiten hinweg veränderte der junge Strom sein Bett.
Insofern stellte sich eine große Frage – wo den Leuchtturm platzieren, der die Einfahrt vom See in den jungen Fluss ostwärts markieren sollte?
Alle Jubeljahr eine neue Mündung, alle Jubeljahr Versandung, Irrflusslauf, Ausbaggern mit Handschaufeln und Delphinkarren – dazu Versumpfung und Vernässung im weitläufigen Delta der Rheinmündung – gut für Schlauchboot und Floß, aber schlecht für Weiße Flotte und Schiffskiel.
Also wurde auf dem Konzil zu Nonnenhorn beschlossen, dem Fluss ein verbindliches Bett aufzuzwingen und selbiges durch steten Eifer und ewige Tat beizubehalten.
Die größten Gelehrten und Wasserbauer des Dreiländerecks Großbayern, Ostmark und Eidgenossenschaft gewannen im Gelände einen Eindruck der vollständigen Situation und einigten sich in der Folge auf einen verbindlichen Flusslauf, den sie mit blauer Tinte auf eine genaue Karte des Gebietes eintrugen.
Dieser Flusslauf wurde mit großer Vehemenz im Gelände umgesetzt, endlose Großklafter Erdreich mussten bewegt werden, Gräben gegraben, andere zugeschüttet, höchst feine künstliche Wasserläufe angelegt, Röhren verdohlt, natürliche Feuchtigkeitsverhältnisse reguliert, Bachbetten genutzt und etwelche andere Tätigkeiten ausgeführt werden.
Nach Murren fügte sich der Junge Rhein in sein neues Bett.
An der Stelle des Überganges wurde ein artiges Lichthäuserl errichtet – geweiht dem Angedenken des später seliggesprochenen Käpt’n Bahabs, dem Urvater der Bodenseepiraten.
Seitdem ist nur selten noch ein Schiff auf Grund gelaufen oder zerschellet, weil es die Einfahrt in den jungen Fluss nicht gefunden.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf, der sich in einer Serie mit den Leuchttürmen des Rheins beschäftigt. Die mythischen Gründe des Bregenzer Leuchtturms waren bereits Gegenstand einer ersten Betrachtung des dunkelsten Denkers. rheinsein dankt!)

Rijngedichten

reno di lei

kostbare druppel
italiaans water
hield zich sterk

overleefde de val
liet zich niet drinken
droeg naar vermogen

passeerde
passeerde
passeerde

ronde
de drachenfels
liet zich wijden
ging weer te water

druppel
danste de rijn af

bereikte de hoek
dreef af

meed de zeeschoot
rolde het duin in

minde

***

vergeten de alp
vergeten de rotswei
valt
valt

loonwater ploetert plichtmatig
schopt schepen voort

loreleyt niet
nibelingt niet
stookoliet
het rheingold

halverwege
is het alleen met de nacht
voedt zich met angsten

wat bevatten die vrachten
drenk ik al die steden
verdrink ik al dat vuil
vul ik al die havens en monden

welke stroom nog te kiezen
welke takken te mijden

ik hunker zo diep naar een schoot
wacht die zee wel op mij?

verward stormt het water
naar voren
dolt zich vast
in tolkamers
wijkt furieus terug

kalmeert
gaat te rade in bingen
biecht op te xanten
ontvangt teerkost
ten eeuwigen reize

achter hem
hurkt het rijndal
verheffen zich münsters en torens

voor hem
ligt open de delta

weidelijk
herstelt zich het water
verneemt al een zweem
van de zee

vloeit over
ooij

berent
belvédère
noviomagus

passeert
bommel en
waarden

passeert
grotius
slot

daar wenkt
een nauw voelbare
vloed

stroomt onder
desiderius
brug

daar trekt
een gebiedende
eb

nadert
botlek licht op

scheur en maas
vatten het water

de zee zwemt genadiglijk op
biedt haar schoot

verkwikt zoet haar het water

***

zéér oude rijn
verliet zich ten einde
op theems
ijzer maas schelde
bereikte calais

stuitte op ijswal graniet
keerde ten oosten

onvermoeibaar opnieuw
rijn zingt een wolgalied

***

het veer is verlaten
zwerfkeien troffen de veerlui

de stuurstand is foetsie
overvaarten verzonken

zee zuigt aan de monden
water glijdt over leegte

(Ein Gastbeitrag von B. Zwaal. rheinsein dankt!)

Vater Rhein (4)

Digital StillCameraVater Rhein ist viele Väter. In ihren Darstellungen ähneln sie sich stark. Wallendes Haar und Vollbart weisen auf nahe Verwandtschaft des “Rhenus pater” mit Neptun, dem römischen Wassergott. In römischen Quellen wird Vater Rhein als zwiegehörnt (“Rhenus bicornis” bei Vergil) bzw. mit zerbrochenen Hörnern (“Rhenus cornibus fractis” bei Ovid) beschrieben. Zwei Deutungen der Behörnung sind uns bekannt: sie sollen einen Stieranteil der Gottheit bzw. das Mündungsdelta des Rheins repräsentieren. Das Motiv des zerbrochenen Horns weist auf Roms Unterwerfung Germaniens. Die Hörner fehlen den vermutlichen Flußgöttern aus Köln. Auch dieser Kopf ist ausgestellt im Römisch-Germanischen Museum.

Delft

In Delft hielten wir uns eine geschlagene Stunde (längere Aufenthalte sind für Touristen offenbar nicht möglich) auf und wähnten uns dabei im Puppenstuben- bzw Märklinparadies. Womöglich diente Delft dereinst Schiedam, der ehemaligen holländischen Hölle, als nachbarschaftlich-antithetisches Vorbild. (Weil wir Schiedam nur perifer über die Literatur und von der Autobahn her kennen, muß es bei Mutmaßung bleiben.)

Bereits bei der Anfahrt auf Delft konfrontiert den Besucher ein unübersehbares Fänomen: über der Stadt schwang eine Himmelsglocke gefertigt aus delftschem Blau, einer nicht nur in Holland hochberühmten Farbe, die ihre euforisierende Substanz ausschüttete und sich dadurch von den trüben, wenn nicht gar falschen Himmelsfarben des restlichen Rheindeltas wohltuend abhob. Nicht nur das: bald hatte die Glocke uns ganz und gar absorbiert. Wie genau wir hineingeraten waren, wo wir parkten, was wir eigentlich vorhatten: all das ist uns nicht mehr erinnerlich. Dafür jedoch all jenes, was innerhalb der Glocke sich abspielte: kaum waren wir unter diese Glocke geraten, trafen wir, als sei ein Vorhang gefallen, auf ein grachtenliniertes Schmuckkästchen, das alte Delfter Zentrum, das zu betreten wir uns beinahe schämten, weil unsere Schritte sicherlich Abnutzungsspuren hinterlassen würden, dieweil das neuere und/oder zu erneuernde Delft, wo es sich an die Altstadt schmiegte, wirkte, und das sagen wir als Deutscher nun wirklich mit Beschämung, als sei es vor kurzem flächenbombardiert worden: eine klangintensive Großbaustelle mit relativ geringem Touristenaufkommen. Erstaunlicherweise rasten Tuk-Tuks durch diese Szenerie. Zuletzt hatten wir solche Vehikel in Thailand gesehen. Diese stammten jedoch aus Den Haag.

Doch zurück zur Delfter Altstadt: entlang der von Wasservögeln bevölkerten und wohl aus dem Rhein-Schie-Kanal zumindest teilweise gespeisten Grachten beschied sich ein Leben, das ausschließlich aus gesundem, wohldosierten Fahrradfahren, Caféterrassenbevölkern und beiläufigem Shopping zu bestehen schien. Trotz allen locker-flockigen Müßiggangs arbeiteten an diesem ewigen Sommersamstagnachmittag durchaus Menschen, die Servicekräfte nämlich, aber vielleicht, ein Fremder, zumal unter massivem Einfluß delftschen Blaus, muß nicht gleich sämtliche lokalen Bräuche auf Anhieb verstehen, waren das doch nur mit einem fantastischen Trick animierte Märklinfiguren, denn sie arbeiteten auf eine unglaublich entspannte Art und Weise, so, als könnten sie jederzeit mit ihren Gästen/Kunden die Rollen tauschen. Eine weitere angenehme Eigenart der Delfter Altstadt stellte das öffentliche Schlendern dar. Denn das Delfter Pflaster rollt unmerklich unter den Schuhsohlen der Touristen und Einwohner(darsteller?) ab und verkürzt auf diese Weise die Distanzen zwischen den Sehenswürdigkeiten. Und wer garnicht schlendern will, wird ganz sachte und langsam an der ganzen Pracht vorübergeschoben! Damit aber noch lange nicht genug der kommoden kleinen Wunder! Fantasieblättrige Bäume warfen federleichte Schatten über die teichrosenbedeckten Wasserflächen. Mindestens die Hälfte der angestammten Holländerinnen(darstellerinnen?) erfüllte das Weizenblondheitsgebot, überhaupt waren die zahlreichen Friseurläden gut besucht und von scherzhafter Atmosfäre erfüllt, als gäbe es zu der allenthalben gewählten, weil staatlich geförderten Blondierung die entsprechenden Witze gratis dazu. Gute Laune überall. Mit irren Details riefen selbst schlichte Wohnhausfassaden Frohsinn hervor. Alles schien zu quaken und zu sirren, mitten in der Stadt. Gerade hatte es noch gefehlt, da erklang Glockenspiel. Ein gepflasterter Markt, umstanden von mittelalterlichen Gebäuden, Schwindel beim Anblick der Oude Kerk: steht sie schief oder der Betrachter? Ist der Betrachter echt oder selber eine animierte Märklinfigur „Tourist“? Müßte er sich dann nicht leicht von uns beobachten lassen, von oberhalb der Tischhimmelsglocke aus delftschem Blau? Verstörende Fragen im Grunde, die wir angesichts der hübschen, ja beinahe schon niedlichen Umgebung keineswegs als lästig empfanden. Vielmehr luden sie ein, sie in einem der zahlreichen Cafés zu überdenken. Mechanisch genossen wir ein niederländisches Bier, lasen ein niederländisches Blatt, verspürten einen inneren Ruck, sprangen von der Caféterrasse auf ein Boot, das in Augenhöhe die Gracht durchmaß und würden wohl heute noch über Delfts Wasserwege tuckern, wären wir nicht plötzlich auf der Autobahn wieder zu uns gekommen. Eine denkwürdige Visite, während der unsere Kamera merkwürdigerweise komplett ausfiel. (Die Bilder, die zu Delft im Internet zu finden sind, stimmen jedoch hundertprozentig mit unseren Erinnerungen überein.)

Monster

Der sprechende Ortsname des hinter den Dünen in Deckung gehenden Städtchens soll sich von Monasterium (Kloster), nicht von Monstrum (Ungeheuer) ableiten. Aus architektonischer Sicht wäre, anbetrachts einzelner Hausentwürfe, sicherlich auch Letzteres gerechtfertigt, solange das Monströse im Detail gesucht wird zumindest, denn Hochbauten besitzt Monster außer der Reformierten Kirche, die noch aus der Zeit vor der Reformation datiert, keine.

monster

Wohnkomfort im Herzen von Monster, sagt das Banner im Herzen von Monster

Wo im Rheindelta der Rhein als Flußname so gut wie garnicht auftaucht, gibt es in Monster immerhin einen Rijnweg. Er befindet sich in einer Wohnsiedlung, welche die konsequente Vermeidung des Vorgartens praktiziert und aussieht, als wäre sie von Gorrh persönlich sauber gelutscht. Als kleines Wunder verzeichnen dürfen wir die in Monster sowohl im Stadtzentrum, als auch in akuter Strandnähe kostenfreien Parkplätze und hoffen, mit diesem Post keine schlafenden Hunde in der westländischen Gemeindeverwaltung zu wecken. Denn zu Westland gehört Monster. Das erfuhren wir anbetrachts Essies Verse Vis, einem mobilen Fischstand, der hin und wieder am Kreisverkehr bei der Landstraße am Ortsrand hält. Essie wirbt mit „de lekkerste kibbeling van het hele westland“. Die Ausmaße des Westlands, fanden wir heraus, sind deutlich beschränkter als der weltläufige Name verspricht, Essies Kibbeling ist dennoch keinesfalls zu verachten. Außer vom Kibbeling, den Parkplätzen und dem Strand, auf dem ein kompaktes Raupenfahrzeug Senioren über den Sand bewegte, gäbe es aus Monster sicherlich noch viel zu berichten, etwa von Leerstand und Zentrumsumbau, von Wi-Fi-Losigkeit und zweifelhaften Dünentieren, doch blieb uns zu wenig Zeit, all das zu verifizieren; vielleicht ein andermal.

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monster_ter heijde_4 (Bilder: Matthias Kühn)

Im Rheindelta

Direkt an Hoek van Holland grenzt ’s-Gravenzande. Vor diesen beiden Ortschaften bietet das Rheindelta, das zur besseren Unterscheidung vom Bodenseedelta auch als Rhein-Maas-Delta (die Niederländer setzen mit Rijn-Maas-Scheldedelta noch einen drauf) bezeichnet wird, Gewächshausfalangen, von denen einige den Eindruck erwecken, als würden sie auf ihren schwer umwässerten Landparzellen schwimmen, oder aber, angesichts ihrer hoffnungslosen aquatischen Umzingeltheit, paramilitärische Geduldsübungen absolvieren.

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Hinter den letzten Baumreihen Südhollands läßt sich das Meer erahnen. Die Nordsee wirkt im Juli wie ein Traumbild ihrer selbst. Schutz vor der Unbill diverser küstenklimatischer Erscheinungen bietet an den Stränden in Sichtweite der Rheinmündung u.a. das Elements Beach, eine chillige Strandbar mit Sitzliegen, balinesisch wirkenden Schnitzarbeiten, Palmwedeln und wohltemperierten Houseklängen. Hätten die Wärmegrade ein klein wenig höher gelegen und der Himmel nicht doch allzu holländisch ausgesehen, das Geschehen hätte auch einer auf alternativ getrimmten Bacardi-Werbung entstammen können.

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Passend zur tropisierten Strandgestaltung ein exotischer Fliegender Fisch auf königlich Oranje. Der Himmel wirkt nun auf einmal, auf gut holländisch gesagt: verkeerd.

flying-fish_4 (Bild: Matthias Kühn)

Während unserer Reisevorbereitungen hatten wir von Ortsansässigen in Erfahrung bringen können, daß der Strand von Hoek van Holland “nie, niemals und zu keiner Zeit” menschenleer sei, was wir als leise Andeutung verstanden, daß wir dort auf Touristenmassen stoßen würden, wie sie El Arenal zur Hochsaison aufweist. Noch hatten die Schulferien in den Niederlanden nicht begonnen, wohl aber walteten der Sahara angemessene Sandwehen, weswegen die Touristenmassen ausfielen. Der Strand streckt sich indessen weiterhin in ansehnlicher Breite Kilometer für Kilometer nach Norden. Die Rheinmündung bzw. die Hafenanlagen sind auch noch von Monster bzw Ter Heijde zu sehen, wo die Niederlande ein EU-finanziertes Küstenbefestigungsprojekt mit Namen Zandmotor betreiben, bei dem der “seit fünf Jahren stets vorhandene” Wind, die Meeresströmungen und nicht zuletzt massive Sandaufschüttungen die Natur mit Hilfe ihrer selbst überlisten sollen.

Presserückschau (Juni 2013)

Den süddeutschen Hochwassern galten auch die rheinischen Schlagzeilen zu Monatsanfang. Hoch- und Oberrhein waren von den Fluten allerdings deutlich schwächer betroffen als Überschwemmungsgebiete in Bayern, Thüringen und Sachsen: die Wasserstände der großen Flut von 1978 wurden nicht erreicht, die befürchtete Interimsozeanik blieb somit am Rhein weitgehend aus – allerdings mußte die Feuerwehr zwei Goldsucher vor dem steigenden Wasser von einer Altrheininsel bei Bad Bellingen evakuieren. Weitere interessante Meldungen des Junis:

1
Das „Entwicklungskonzept Alpenrhein“ setzt auf Renaturierung und sieht Rheinverbeiterungen im Heidiland vor, wie die Südostschweiz meldet: „In ein schnurgerades, 110 Meter breites Flussbett getrimmt, fliesst der Rhein bei Maienfeld und Bad Ragaz vorbei. Ein Projekt (…) will dies ändern und den Fluss an besagter Stelle auf einer Länge von drei Kilometern auf 260 Meter verbreitern. Vorausgesetzt das Projekt wird (…) gutgeheissen, könnte im Winter 2016 mit dem Bau begonnen werden.“

2
Mit Hilfe von Flachwassersonaren wollen Archäologen 2000 Jahre alte römische Hafenanlagen in Bonn und Königswinter nachweisen. Die Deutsche Welle informiert: „Die Idee, dass es in Bonn und Königswinter römische Häfen gab, kam bereits in den 1970er Jahren auf. Damals entdeckte ein Archäologe eine sichelförmige Struktur im Wasser bei Königswinter und deutete das als Hafenkaimauer. Kurz danach flog ein Luftbildarchäologe die Region ab und sah das Gleiche in Bonn: eine sichelförmige Kaianlage direkt vor dem früheren römischen Legionslager, das in der Nähe der Bonner Nordbrücke stand.“

3
Die „Vogel Gryff“, einer der drei Basler Gierfähren, ist zu Monatsbeginn bei einer Überfahrt mit elf Personen das Gierseil gerissen, berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Bevor die somit ihres Lenkantriebs beraubte Fähre Richtung Nordsee abdriften konnte, konnte die Berufsfeuerwehr die Fähre mit einem Löschboot stoppen: „Möglicherweise war der Fährimann (…) zu schnell unterwegs und nicht so sanft, wie es eigentlich vorgeschrieben war.“

4
Um den Weltkulturerbe-Status geht es am Mittelrhein, denn der Icomos (International Council on Monuments and Sites) fordert den Abbau der Koblenzer Seilbahn wie auch der Sommerrodelbahn auf der Loreley, um den Status weiterhin anzuerkennen: “Die Rhein-Zeitung in Koblenz hat ihre Facebook-Fans und Twitter-Follower dazu aufgerufen, sich einen „Seilbahn-Stempel“ ins Profilbild zu bauen, und hat eine offizielle Petition zum Erhalt der Bahn beim Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz beantragt. „Die Seilbahn hat sich als kluger und dezenter Bestandteil des Oberen Mittelrheintals etabliert, um einen umfassenden und beeindruckenden Blick für jedermann auf die Natur zu ermöglichen, ohne auch nur einen Fußtritt eines Touristen als beeinträchtigend zu bewirken“, heißt es in der Begründung. „Ein umfassender Ausblick auf dieses Weltkulturerbe wird ohne Beeinträchtigungen der Landschaft überhaupt erst durch die Seilbahn ermöglicht”, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger.

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Der Ortsfeuerwehr Nofels gelang die Rettung eines Rinds, das aus ungeklärten Gründen von seiner Herde im Bodensee-Rheindelta abgekommen und in den Fluß geraten war, wie der ORF berichtet: “Auf der Schweizer Seite des Rheins wurde es zuerst entdeckt. Ein Rind, treibend auf dem Rhein. Die Meldung ging an die Österreichischen Behörden, worauf sich die Feuerwehr Nofels auf die Suche nach dem vermissten Tier machte. Das Rind wurde dann auf Höhe der Rheinbrücke in Bangs am österreichischen Ufer gefunden werden. Es hatte sich nach etwa einem Kilometer aus eigener Kraft zwar im Wasser, aber mit festen Boden unter den Füßen halten können. 13 Männer der Ortsfeuerwehr Nofels konnten das Tier schließlich sichern und nach etwa einer Stunde mithilfe eines Krans bergen.”

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DerWesten berichtet über eine für Juli geplante Wagner-Inszenierung auf dem Rhein” “Eigentlich ist die „Orania“ ein ganz normales Binnenschiff, mit dem Schiffsführer Cor Klein auf dem Rhein unterwegs ist. Woche für Woche pendelt er zwischen Rotterdam und Duisburg, transportiert Getreide, Lebensmittel und Sand. Mit einer Oper hatte er zuvor noch nie etwas am Hut. Für die Produktion „Rheingold op Rijn“ wird im Bauch des Schiffes eine 35 Meter lange und 14 Meter breite Bühne aufgebaut. Unter Deck soll Platz für 90 Musiker, 14 Sängerinnen und Sänger aus der niederländischen Opern-Szene, einer 30-köpfigen Mannschaft und bis zu 500 Zuhörern und Zuschauern sein.”

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“Ein Polizeifahrzeug hat sich (…) in Bad Säckingen selbstständig gemacht und ist unauffindbar im Rhein versunken. Die Beamten waren ausgestiegen, um am Rheinuferweg Passanten zu kontrollieren.” Trotz Suche mit Booten und Hubschrauber, schreibt die Badische Zeitung, blieb der zuvor abschüssig geparkte Wagen, der seinen hinterhetzenden Insassen führerlos in den Rhein enteilt sei, verschwunden.

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Nach einem Großbrand wird aus Ludwigshafen, kurz nach der Kölner Maggikalypse, die nächste Menschheitsdämmerung gemeldet, und sogar in der Hauptstadt wahrgenommen, und zwar vom Berliner Kurier: “”Die Rauchsäule ist über 100 Meter hoch, Augenzeugen berichten: „Es sieht aus wie beim Weltuntergang!“.”

Presserückschau (April 2013)

Das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Tier beherrscht die augenfälligste rheinische Berichterstattung des Monats April:

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Über Zugvogelstau am Rhein berichtet der Deutschlandfunk: „Wildgänse watscheln auf einer Wiese am Rheinufer. Am Rande strecken einige weiß und grau gefiederte Wächter aufmerksam den Kopf nach oben. Sie kontrollieren, was auf dem nahen Wanderweg passiert. In den Rheinauen bei Bingen sind einige hundert Vögel versammelt. (…) Noch sperrt hier niemand ab, um Spaziergänger daran zu hindern, entkräftete Zugvögel aufzuscheuchen, die sich hier zusammendrängen. In diesem kalten Frühjahr landen am vergleichsweise warmen Rhein Vögel, die sonst auf ihrem Weg Richtung Norden keinen Zwischenstopp einlegen. Manche ziehen weiter und kommen zurück, weil es auf ihrem Weg immer kälter wird. An einigen Stellen am Rhein gibt es jetzt einen regelrechten Vogelstau und Stoppschilder für Wanderer – zum Schutz von wintergebeutelten Kranichen und Kibitzen auf ihren Rastplätzen.“

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Selbst – wenngleich vom Empfänger regulierbarer – Emissionär berichtet der Hessische Rundfunk über den Lärm im Rheintal: „Ein Krach von mehr als 100 Dezibel wird nachts an der Messstation Rüdesheim/Assmannshausen erreicht. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Hessische Umweltministerium (…) vorgestellt hat. Das entspricht ungefähr dem Lärm einer Motorsäge. Und verbessert hat sich noch nichts: Seit drei Jahren habe sich der Bahnlärm im Mittelrheintal nicht verringert, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung.“

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Subtile Kriegsberichterstattung auf morgenweb.de: “Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) ist in die “Saison” gestartet. Am Donnerstag wurde mit einem Hubschrauber und zu Fuß das Bekämpfungsmittel BTI entlang des Rheins ausgebracht – unter anderem in Ludwigshafen. Am Freitag sind laut KABS-Geschäftsführer Dr. Norbert Becker Lampertheim und Worms an der Reihe.” Auch die Badischen Neuesten Nachrichten berichten über Kampfstoffausbringungen in den Rheinauen um Karlsruhe. Mit “Schnake” wird im Regiolekt die Stechmücke bezeichnet, während die Schnake im Badischen als “Reiter” tituliert wird.

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“Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf (17/13030) zur Änderung des Ausführungsgesetzes zu dem Übereinkommen vom 9. September 1996 über die Sammlung, Abgabe und Abnahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt vorgelegt. Im Zusammenhang mit der Einführung des elektronischen Bezahlsystems sei es notwendig, die im Ausführungsgesetz enthaltenen Ordnungswidrigkeitentatbestände anzupassen. Der Bundesrat macht in seiner Stellungnahme drei Änderungsvorschläge, die die Bundesregierung in ihrer Gegenäußerung teilweise ablehnt.“ (bundestag.de)

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Ein neues Museum, das nicht nur Herrn Topowski interessieren dürfte, soll in der zweiten Jahreshälfte am Hinterrhein eröffnen, berichtet die Südostschweiz: “Der Verein Erzminen Hinterrhein ist noch jung. Trotzdem hat er in den ersten drei Jahren des Bestehens beachtliche Aktivitäten entwickelt, wie das «Pöschtli» schreibt. Dazu gehört der Aufbau eines Bergbaumuseums in Innerferrera. Hier werden ab Herbst 2013 die früheren Bergbauaktivitäten im Gebiet südlich der Viamalaschlucht dokumentiert. (…) Schliesslich wird für das Jahr 2015 ein internationaler Bergbau-Workshop in Thusis geplant.“ Die gleiche Quelle informiert, daß im Dorf Hinterrhein (als einem von drei Bündner Dörfern) kein Ausländer gemeldet sei. Somit dürfte Hinterrhein das erste und letzte Dorf am Rhein sein, das noch ausschließlich von Aboriginees bewohnt wird.

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Gleich anschließend ein Schweizer Rechenexempel: über ein Großprojekt mit „bäuerlichem Namen“ berichtet die NZZ: „Rhesi ist die Abkürzung für Rhein, Erholung und Sicherheit. Es steht für ein höchst ambitiöses Vorhaben, das den Hochwasserschutz im unteren Alpenrheintal verbessern soll. Die ETH Zürich schätzt die Kosten in einer Machbarkeitsstudie auf 600 Millionen Franken; sie dürften schliesslich wohl bei einer Milliarde Franken liegen. Noch befindet sich das Projekt im Stand der Voruntersuchung, bereits jetzt aber äussern neben den Bauern auch die vielen betroffenen Gemeinden dies- und jenseits des Rheins Ängste und Vorbehalte. Thema ist neben dem Kulturlandverlust auch die Sicherung des Grund- und Trinkwassers. Frühestens 2017 soll Baubeginn sein, die Realisierung dürfte 20 Jahre dauern. Unbestritten ist, dass der Hochwasserschutz im unteren Rheintal verbessert werden muss; das Schadenspotenzial im Fall von Überschwemmungen wird auf mindestens sechs Milliarden Franken geschätzt.“

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„Im Dorfgemeinschaftshaus von Götterswickerhamm sind die Kinder schon kreativ tätig. Mit Bunt- und Filzstiften bemalen sie eifrig Blätter. Es sind kleine Werke des Protestes, welche die jungen Künstler aufs Papier bringen – ein Protest gegen die Hundehaufen, die sich entlang des Leinpfades am Rhein in Massen finden lassen. “Der Hundekot nimmt überhand, und das nicht nur direkt am Rhein, sondern im ganzen Dorf”, erklärt Anneliese Rühl, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft “Unser Dorf hat Zukunft” in Götterswickerhamm.“ (Rheinische Post)

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„Vorarlberg hat ein neues Naturschutzgebiet am Alten Rhein in Hohenems. Der 4,8 Hektar große Abschnitt besteht überwiegend aus seichten Wasserflächen und Röhrichten und ist Lebensraum von über 20 teils stark gefährdeten Libellenarten sowie von einer Vielzahl von Schmetterlingen, Käfern und Reptilien. (…) Der Alte Rhein der “Hohenemser Kurve” ist der letzte naturnahe Rest von einst vielfältigen Feuchtgebietsabfolgen mit Stillgewässern zwischen der Mündung der Ill und dem Rheindelta. Er ist als Biotop und Erholungslandschaft von überregionaler Bedeutung ausgewiesen, mit einer besonders wichtigen Funktion als Brut- und Aufzuchtsgebiet für Vögel. Außerdem befindet sich dort eines der letzten Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel in Vorarlberg.“ (Der Standard)

Randnotiz (5)

Manche Informationen erreichen Rheinsein auf derart abenteuerlichem Weg, daß sie Gefahr laufen verloren zu gehen, bevor sie (hier) überhaupt zum Tragen kommen (können) – worin natürlich ein mehrfacher, von uns gern provozierter Reiz liegt: jener des (mithin steuerbaren) Zufalls, jener mittels schierer Verstandeskraft zu überbrückender Lückenhaftigkeit (Fiktionskatalyse), insonderheit jener drohenden Verlusts, der zu erhöhten Leistungen anstacheln mag oder, im Gegenteil, zu mehr Gelassenheit, etc. Solch methodischen Überlegungen zufolge betreibt Rheinsein (nebst zahlreichen anderen Informationskanälen) über all die tausend plus x Stromkilometer hinweg eine nicht näher verratene Anzahl toter Briefkästen, die, das versteht sich aufgrund unseres Personals und unserer finanziellen Möglichkeiten von selbst, weit überwiegend nur sehr sporadisch geleert werden. Sie werden aber, unseres Wissens zumindest, auch nur selten bestückt, und wenn sie bestückt werden, gehen häufig codierte Nachrichten auf hier nicht zu erläuternden Wegen nebenher, welche uns auf Neubestückungen hinweisen. Vor Monaten also machte uns eine Rheinsein-Korrespondentin aus der Nähe von N. auf ein möglicherweise befülltes Depot in der Nähe von S. aufmerksam: gut in der verabredeten Weise getarnt sei dort evtl. ein älterer Prachtbildband über das Rheindelta zur Ansicht vorhanden. Da ein Niederlande-Schwerpunkt hier aus logistischen Gründen noch auf sich warten lassen muß, vernachlässigten wir die Leerung des Depots bis zur nächsten Reise in die betreffende Region. Umso größer die Überraschung, daß a) der riesige (und nur mäßig getarnte) Band unversehrt an Ort und Stelle vorhanden war und b) das titelnde Rheindelta garnicht das niederländische, sondern das bodenseeische bezeichnete. Der Fotograf Bruno Würth aus Altenrhein setzt in “Das Rheindelta” seiner Heimat ein Denkmal in Fotografien, dazu versammelt er einige fremde und eigene Texte zur Geschichte dieser Landschaft, am Ende bekrönt von einem einsamen Gedicht über seine kumpaneiischen Gefühle zu einem Käuzchen. Der Band stammt aus den 70er Jahren, als das litaneihafte Bekenntnis zur Natur bei sich selbst für “bewußt” haltenden Menschen mit breiter Ansage die oberen Bereiche der ewigen Sinuskurve unserer Kultur so immanenter Modeskalen erreichte. Die enthaltenen Bilder präsentieren das Delta gern (ganz) leicht mystisch verschleiert, und entsprechen somit jenen Uraspekten, die dort, glücklicherweise, bis heute genauso wahrnehmbar sind. Eine Doppelung nicht zur Gänze, aber eine weitreichende Überschneidung jener 70er-Eindrücke aus dem toten Briefkasten also mit jenen des lebendigsten Spaziergangs durch Ried, Wald, Flußbett im Jahre 2010: wachsendes Gespür für Zyklik und die Unerreichbarkeit von Perfektion, das notwendige Aufgehen angestrebter Präzision in unmittelbar sie umgebender Unschärfe: Hineingreifen in diesen Nebel, Herausgreifen eines nassen Tiers, Blick in seine Augen, Erschrecken, Erkenntnis, erneutes Nebelaufkommen, dampfende Depots, das ganze Glück liegt auf dem Weg und ist kein Stück vermittelbar, ein Stück vielleicht schon, ein Bruchstück, ganz sicher sogar.