Presserückschau (April 2017)

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Blick in den Himmel
“Auf drei „Himmelsliegen“ bequem Platz nehmen und den Blick zum Himmel oder über den Rhein richten können Spaziergänger neuerdings am Skulpturenweg in der Schmittenau. Die im Übergangsgebiet zwischen Rhein-Camping und VfB-Platz erhöht über dem Rheinufer stehenden Liegen sind ein weiteres Teil des Projekts „Perlen an Rhein und Wutach“, mit dem das Stadtplanungsamt Punkte in den Blick der Öffentlichkeit rückt, welche die städtischen Freiräume besonders prägen.

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Fleischschmuggel in der Tram
“Nicht nur auf die Autofahrer, die nach dem Einkauf in Weil am Rhein und Umgebung zurück in die Schweiz fahren, werfen die Grenzwächter ein besonderes Auge, sondern auch auf die Fahrgäste in der Straßenbahn auf der grenzüberschreitenden Tramlinie 8. Dies verdeutlicht Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter der Grenzwachtregion I in Basel (…). Ja, es ist leider so, dass (…) regelmäßig versucht wird, Waren vom Ausland an der Schweizer Grenzwache vorbei nach Basel zu bringen, ohne die entsprechende korrekte Zollabfertigung zu machen. Die Bandbreite der Schmuggler ist dabei wirklich groß. Die setzt sich zusammen aus Schweizer und in der Schweiz wohnenden Ausländern, aus Frauen und Männern aus allen sozialen Schichten und aus allen Altersgruppen. (…) Bei unseren Kontrollen ertappen wir regelmäßig Schmuggler in der Tramlinie 8. (…) Da werden schon mal mehrere Kilogramm Fleisch in einem Einkaufstrolly verstaut und versucht, diese unverzollt über die Grenze bringen. (…)” (Weiler Zeitung)

3
Deutsch-französische Tram
“Zu den Klängen der Europahymne haben die Grenzstädte Straßburg und Kehl am Rhein ihre gemeinsame Tram gestartet. Es sei heute, wo Europa in Frage gestellt wird, wichtiger denn je, starke Signale zu geben, sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf Französisch vor der Jungfernfahrt. Er betonte, dass man trotz der wegen der Flüchtlingskrise wieder eingeführten Grenzkontrollen den Grundsatz offener Grenzen verteidigen müsse.” (Südost-News)

4
Atomkatastrofenprofylaxe
“In Belgien ist es keine Frage. Dort wird bereits an einem Plan gearbeitet, Jodtabletten prophylaktisch zu verteilen. Dies ist eine Sicherheitsvorkehrung, denn die Angst vor einem nuklearen Unfall im maroden Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich wächst. Aber nicht nur der belgischen Bevölkerung ist mulmig. Auch im deutsch-belgischen Grenzgebiet werden Katastrophenszenarien erörtert und Vorsorgepläne geschmiedet. Im Zentrum steht dabei derzeit die Verteilung von Kaliumiodidtabletten, im Volksmund schlicht Jodtabletten genannt. Alle Umland-Kreise, die Stadt Aachen, die Städteregion, die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg beabsichtigen, die Tabletten schon vor einem möglichen Unfall an die Bevölkerung auszugeben.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Bonner Blubbern
“Es plätschert und blubbert mitten im Rhein. Am (…) Ostersonntag war vom Rheinufer aus auf Höhe des Kameha Grand Hotels ein rätselhaftes Phänomen zu beobachten. Fast sieht es so aus, als hätte jemand den Stöpsel im Rheinbett gezogen. 8…) War etwa der weiße Beluga-Wal zurückgekehrt, der sich am 18. Mai 1966 im Rhein verirrt hatte und auf den Namen Moby Dick getauft wurde? Versteckt sich in den Tiefen des Rheinbetts etwa ein Ungeheuer, gar ein ferner Verwandter des Monsters von Loch Ness? Oder gibt es gar ein Gasleck in einer Leitung, die sich unter dem Rhein verbirgt? Des Rätsels Lösung ist glücklicherweise weitaus weniger spektakulär. Nach sorgsamer Recherche erklärt die Stadt, das “Geblubber” werde durch den Ablauf der Kläranlage Bad Godesberg verursacht.” (General-Anzeiger)

6
Schafrettung
“Die Kölner Feuerwehr ist (…) zum Rhein gerufen worden. Ein Schaf stand bis zu den Schultern im Wasser. Es kam nicht mehr allein heraus. (…) Das Schaf hing in Höhe der Westhovener Aue in den Steinen der Uferbefestigung mit einem Bein fest. Es konnte sich laut Feuerwehr nicht selbst befreien und war schwer erschöpft, als die Einsatzkräfte eintrafen. Die Feuerwehrleute retteten das Tier aus seiner misslichen Lage und umwickelten es mit Decken, damit es sich aufwärmen konnte. Der Schäfer nahm es schließlich wieder in Empfang.” (Rheinische Post)

7
Brennendes Auto
“Ein brennendes Auto ist in Köln-Merkenich (…) in den Rhein gerollt und von der Feuerwehr geborgen worden. Ein Schiffskapitän habe beobachtet, wie der Wagen am Hitdorfer Fährweg neben der Zufahrt zur Autofähre Langel ins Wasser gefallen sei (…). Der Vorfall ereignete sich (…) gegen 3.20 Uhr. (…) Das Auto sei bei der Bergung leer gewesen (…). Bei Eintreffen der Rettungskräfte sei ein weiteres Auto weggefahren.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Adenauers letzter Weg
“Die meisten anderen Ereignisse am Sterbeort finden vor den Augen der Rhöndorfer statt – und finden sofort ihre Kanäle in die Weltöffentlichkeit. Vielfach wird etwa beschrieben, wie der Kölner Kardinal Frings vor der Überführung ins Palais Schaumburg am 22. April (1967; Anm.; rheinsein) am Wohnhaus eintrifft, um mit der Familie am Sarg zu beten. Ins Kanzleramt bringt den Toten die einzige Lafette, über die der Bundesgrenzschutz verfügt. Adenauer nimmt denselben Weg wie zu seiner Amtszeit als Kanzler: Königswinter, Dollendorf, mit der Fähre über den Rhein und durch Plittersdorf zum Bundeskanzleramt. Tausende Menschen säumen die Strecke. Schulklassen, Sportvereine, Bergleute stehen Spalier. Schützen bilden unter Trommelwirbel die Ehrenwache an der Einfahrt zum Palais Schaumburg, wo der Leichnam übers Wochenende aufgebahrt und in der Nacht zu Montag über die Autobahn in den Kölner Dom überführt wird. Vor dem Vierungsaltar bleibt der Sarg stehen. Zehntausende Kölner nutzen dort die Gelegenheit, von ihrem Ehrenbürger Abschied zu nehmen.” (General-Anzeiger)

9
Rheintote
“Einsatzkräfte der Feuerwehr haben (…) eine Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Passanten (auf der Kennedybrücke) bemerkten den leblosen Körper im Wasser. (…) Dank eines Kayakfahrers, der ebenfalls auf die Person aufmerksam geworden war und die Fundstelle markierte, konnten Löschboote aus Bonn und Niederkassel den Mann schnell an Land bringen. (…) Vermutlich (…) sei der Tote bereits längere Zeit im Rhein getrieben. Die Polizei ist nun dabei, die Identität der Wasserleiche zu klären.” (General-Anzeiger)

“Die Feuerwehr Köln hat (…) eine Person leblos aus dem Rheinauhafen geborgen worden. Trotz sofortiger Reanimation durch Rettungskräfte und Notarzt starb der Mann noch im Rettungswagen. Ein Zeuge hatte die Feuerwehr alarmiert, nachdem die Person im Wasser verschwunden war. Mehrere Löschfahrzeuge inklusive einer Tauchergruppe, das Lösch- und Rettungsboot sowie der Rettungshubschrauber waren im Einsatz. (…) Ob es sich um einen Suizid oder Leichtsinn handelt, ist nicht bekannt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Leiche ist (…)aus dem Rhein bei Geiswasser (Höhe Niederrimsingen) geborgen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der deutschen Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit um den vermissten 36-jährigen Gleitschirmflieger aus Freiburg. Taucher der französischen Polizei haben eine männliche Person vier Kilometer nördlich von Geiswasser auf französischem Hoheitsgebiet im Rheinseitenkanal gefunden. Derzeit klären die französischen Behörden die Identität der Person.” (Badische Zeitung)

“Bei einem Ruder-Ausflug (…) ist ein 69-jähriger Mann in Köln-Stammheim tödlich verünglückt. Der Polizei zufolge wollte das Opfer gegen zehn Uhr in ein Boot einsteigen und mit den Vereinsmitgliedern von „RTHC Bayer Leverkusen“ über den Rhein rudern. Plötzliche Krämpfe führten dazu, dass er ins Wasser stürzte. Eine Kollegin sprang ihm hinterher. Doch erst 50 Meter weiter stromabwärts bekam sie den Ruderer zu fassen. Passanten halfen der Frau den 69-Jährigen ans Ufer zu ziehen. Ein Notarzt wurde per Rettungshubschrauber hinzugerufen. Die Wiederbelebungsversuche durch eine Herzrythmusmassage blieben erfolglos.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Rheinauhafen

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Rheinlocken


Einst hatten wir eine kleine Liste mit bescheuerten rheinischen Friseurladennamen begonnen, die bisher allerdings nicht die angestrebte Fortsetzung fand. (Einsendungen stets willkommen.)
Bescheuerte Friseurladennamen sind indes keine rheinische, nicht einmal (wie sich leicht denken ließe) eine deutschsprachige Spezialität. So fanden wir in Frankreich Beispiele für wortspielerische Haudraufkreativität wie etwa den wohlapostrofierten Damensalon Sist’hair in Boulogne-sur-Mer. Daß Boulogne als Transitort nach Großbritannien fungiert, könnte den sonst in Frankreich eher zurückhaltend eingesetzten englischen Einfluß dieser Wortkreation erklären. Im Hinterland fanden wir gleichwohl subtilere Beispiele vor, etwa den Salon Diminutif in Aulnoye-Aymeries.
Im gentrifizierten Kölner Rheinauhafen stießen wir jüngst auf den Friseursalon Rheinlocken. Dessen Glasfassade spiegelt den Rheinabschnitt gegenüber des Aurora-Gebäudes. Von außen betrachtet fließt auf diese Weise glitzernd der Rhein durch den Salon. Ein bescheuertes Wortspiel (reinlocken) ist in diesem Kompositum aufdringlich enthalten, dennoch wirkt der Name, der umgehend kulinarische Assoziationen (Donauwellen, Nockerln) weckt, nicht vordergründig geschmacklos, sondern eher klassisch-poetisch, wobei er reichlich Deutungsspielraum z.B. ins Biedermeierische, Wagnerianische oder Proletarische beläßt und somit auf ein breites Kundenspektrum abzuzielen scheint. Gegenüber des Friseurladens lag, als wir ihn entdeckten, die Panta Rhei II vertäut, eine Tatsache, die unsere Aufmerksamkeit zwischen beiden Objekten (denn wie museal präsentierte Schaustücke kamen uns Tankschiff und Salon im geleckten Ambiente vor) hin und her titschen ließ, bis vor unserem unsichtbaren Auge der Friseurladen auf dem zu Wogen mutierten Schiff davonschaukelte, einem fernen Blau, das sich nicht recht gegen diverse Grautöne durchzusetzen vermochte, entgegen.

Virtueller Rhein (3)

Andreas Gurskys Fotografie Rhein II (aus einer Serie von sechs Rheinbildern) zeigt den knapp unterhalb der Bildmitte horizontal dahinfließenden Niederrhein. Eingefaßt ist der metallisch-graue Fluß von parallel verlaufenden Grünstreifen. Die Grünstreifen im Vordergrund dürften einen grasbewachsenen Deich vorstellen, den ein geteerter Radweg durchzieht. Der Hintergrund dürfte aus Weide- oder Feldgrün bestehen. Darüber verläuft ein mattgrauer Himmel. Gurskys Rheinlandschaft besteht also aus sechs Streifen im jeweiligen Wechselspiel Grün-Grau. Das Bild eignet etwas Lebloses, Technisches, Formales und beläßt Fragen hinsichtlich des zu Sehenden; tatsächlich handelt es sich nicht um eine ursprüngliche Aufnahme. Mittels Bildbearbeitung wurden Spaziergänger mit Hunden und Gebäude aus dem Ensemble herausgerechnet. Gursky erklärte dazu sinngemäß, daß paradoxerweise eine fiktive Konstruktion erforderlich sei, um ein genaues Bild eines modernen Flußes zu liefern. Bei einer Auktion in New York wurde das “digitale Gemälde” 2011 mit einem Verkaufspreis von 3,1 Millionen Euro zur teuersten Fotografie der Geschichte. Das Bild können wir hier nicht zeigen – es ist im Netz ohne weiteres zu finden. Seine Berühmtheit führte zu zahlreichen Pastiches, einschließlich Darstellungen des “ursprünglichen” Aufnahmeorts. Was ein moderner Fluß sei, vermag allerdings auch das teuerste Foto der Welt nicht zu klären, zumindest nicht die Antworten komplett auf sich zu vereinen. Im schnieken, neugestalteten Kölner Rheinauhafen übernehmen unterdessen die Gebäude eine permanente Bildbearbeitung der fysischen Landschaft und passen den Fluß visuell den Bedürfnissen ihrer Nutzer an:

galerie gerdineGalerie Gerdine im Rheinauhafen: Außenfassade mit Brückenkörper als Werbeträger

Rheinflexion: Zusätzliche, wohlgestauchte Flußschlaufe im Rheinauhafen

Aufstand der Anwohner

Einen bemerkenswerten Artikel bringt der heutige Kölner Stadt-Anzeiger: es geht darin um den Konflikt zwischen Anwohnern des Rheinauhafens und Binnenschiffern. Der Rheinauhafen, mit seinen optisch herausragenden sogenannten Kranhäusern ein neugestaltetes Nobelviertel, ist seit seiner Erbauung vor über hundert Jahren Anlegehafen für die Binnenschifffahrt. Die beim An- und Ablegen der Frachtschiffe entstehenden Emissionen (Lärm, Diesel) hatten die Zuzügler offenbar nicht auf dem Plan. Nun gehen sie, laut Berichterstattung, teilweise rudelbildend mit Schimpftiraden und gezielten Lebensmittelwürfen gegen die überraschten Binnenschiffer vor. Köln scheint derweil angewidert bis amüsiert über das Verhalten seiner neuen Rheinauhafeneliten, erste Vorschläge kursieren, man solle zu deren Wohlbefinden doch künftig dem Rhein das Fließen nur zu bestimmten Uhrzeiten erlauben, ein beliebtes Szenario besteht auch in der Vorstellung, dieselben Anwohner den bei Hochwasser steigenden Fluß beschimpfen und mit Tomaten bewerfen zu sehen.