Sehnsucht und Kränkung

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liederbuch des eifelvereins

(Aus dem Liederbuch des Eifelvereins, 117 Eifel-, Wander- und Gesellschaftslieder mit Singweisen hrsg. im Auftrage des Eifelvereins von Hans Hoitz, 2. Auflage, Trier 1922)

Dem Erbprinzen von Weimar, als er nach Paris reiste. In einem freundschaftlichen Zirkel gesungen.

So bringet denn die letzte volle Schale
Dem lieben Wandrer dar,
Der Abschied nimmt von diesem stillen Thale,
Das seine Wiege war.

Er reißt sich aus den väterlichen Hallen,
Aus lieben Armen los,
Nach jener stolzen Bürgerstadt zu wallen,
Vom Raub der Länder groß.

Die Zwietracht flieht, die Donnerstürme schweigen,
Gefesselt ist der Krieg,
Und in den Krater darf man niedersteigen,
Aus dem die Lava stieg.

Dich führe durch das wild bewegte Leben
Ein gnädiges Geschick!
Ein reines Herz hat dir Natur gegeben,
O bring es rein zurück!

Die Länder wirst du sehen, die das wilde
Gespann des Kriegs zertrat;
Doch lächelnd grüßt der Friede die Gefilde
Und streut die goldne Saat.

Den alten Vater Rhein wirst du begrüßen,
Der deines großen Ahns
Gedenken wird, so lang sein Strom wird fließen
Ins Bett des Oceans.

Dort huldige des Helden großen Manen
Und opfere dem Rhein,
Dem alten Grenzenhüter der Germanen,
Von seinem eignen Wein.

Daß dich der vaterländ’sche Geist begleite,
Wenn dich das schwanke Brett
Hinüberträgt auf jene linke Seite,
Wo deutsche Treu vergeht.

(Friedrich Schiller)

Loreley im Regen und Deutsches Eck bei Nacht

Petersberg, Drachenfels,
Rolandseck und Oberwinter,
gegenüber Unkel.
Belgisches Frachtschiff “Pecunia”
flußaufwärts nördlich von Remagen, um 16 Uhr 40.
Bad Breisig rast vorbei (IC 2027).
Bei Strom-km 618 ein grauer
Hanomag-Trecker mit roten Rädern.
Namedy ca. zehn vor fünf. Roter
Barth-Traktor auf der Bundesstraße.
“Hotel Leyscher Hof” in weißen Großlettern
an die Uferbefestigung von Leutesdorf gepinselt.
Turm und Kirche von Andernach lassen sich
soeben erblicken, eh ein Güterzug
auf dem Gleis der Gegenrichtung
dazwischeneilt.
Weizen vor der Stadt Weißenthurm.
RWE-Kraftwerksturm, davor winzig wirkende Bagger.
In die Luft ragende Sand- und Kies-Verarbeitungsbänder
und Sand- und Kiesberge. Gemüsefelder,
gelbe Gleisreparaturfahrzeuge.
In Koblenz Hbf umgestiegen in den
RE 4298, Abfahrt 17 Uhr 26, Dieselzug, der nur sonntags fährt,
via Bingen mit Endhalt in Karlsruhe.
Schlösser am Hang,
Kirchen auf Hügeln,
Burgen auf Hügeln
(In den Tagen des Raubrittertums
mussten die Mädchen um ihre Unschuld fürchten,
umso mehr achteten darauf die Kirchen).
Rhensersprudel. Marksburg mit 3 Schornsteinen dahinter
(Blei- und Silberhütte Braubach).
Stromversorgung von Hausdach zu Hausdach.
Grüne Weinberge,
grüne Hügel,
angegrauter Himmel.
Km 574, der Rhein kurvt
südwärts nach links.
Dann Windräder auf Höhen,
eine Seilbahn am Hang,
kurz vor Boppard, genannt die Perle am Rhein.
“Bitte den Türbereich freigeben, damit wir abfahren können.”
“Einsteigen, bitte!”
“Sehr geehrte Fahrgäste, aufgrund von Kundenverhalten wird
sich unsere Abfahrt verzögern. Wir bitten, dies zu entschuldigen.”
Vor Stadtmauerresten die Bopparder Stadthalle. Tennisclub Rot-weiß.
Rechtsrheinisch ggü. weißgetüncht auf Ufermauer “Hotel/ Cafe Rheinkönig”.
Im Blickbereich Strom-km 567 zwei Burgen auf zwei Hügeln rechtsrheinisch.
Minuten später die Burgen Katz und Maus und Rheinfels.

Ausstieg in St. Goar.
Letzte Rückfahrmöglichkeit nach Koblenz um 00 Uhr 40.
Kurz vor 18 Uhr kreist ein ADAC-Hubschrauber
über St. Goarshausen, landet vor der Kirche.
Außengastronomiegäste in St. Goar filmen es mit ihren Smartphones.
Eine Mutter, ihr Kleines auf dem Arm, erklärt,
was ein Hubschrauber ist.
Der Schaufelraddampfer Goethe, 2013 Hundert Jahre
geworden, legt linksrheinisch an.
Beim Ablegen echoschallt
der schwere Schiffshornton vom Berg über
der Kirche St. Goarshausens wieder.
Vier ergraute ZZ Top-Fans.
“…Sitzplatzkarte übern Comjuter. Dat is jar nich’ jut. Ich hab’n
neues Hüftjelenk und muß mich viel bewegen.”
Drüben hebt der Hubschrauber ab, landet
wenige hundert Meter nördlich auf einer Wiese.
Die Goethe hat auf dem Rhein gedreht und
legt nun auch in St. Goarshausen ab.
Mit der Fähre Loreley VI übergesetzt, wobei man ein
rotes Armband bekommt als Nachweis, dass
die Rückfahrt bereits bezahlt ist (zus. 3,60 €).
Nach der Überfahrt einen vor einem Cafe sitzenden
Herrn gefragt, was los gewesen sei – Hubschrauber.
“Do is aner kollabiert, an der Fähr’.
Wor abä net so schlimm.”
Buslinie 535 Shuttlebus Loreley, wobei man ein zweites,
blaues Armband erhält, zum Nachweis, dass die Rückfahrt
bezahlt ist (in summa 5,50 €).
In den Berg rauf, vorbei an Hermannsmühle, Wasserwerk St. Goar,
ein Schild kündet vom kühlen Grunde.
Zwei Polizeikontrollen, 2 x 2 Streifenwagen, lässig stehen
ältere Beamte und eine Beamtin in der Landschaft.
Schon Western-mäßig.
Oben erstmal zu Fuß zur Felsspitze.
Bei Strom-km 554.
193,14 Meter über Normalnull und
125 Meter über dem Rhein, laut Schild.
Exotisches findet sich vor dem Eingang zur Freilichtbühne:
“Jeju Dolharbang”, von der Stadt Jeju in Korea (wohl Süd-?), welche der
“Region Loreley”, so der Gedenkstein, das “Kultursymbol”
“Dolharbang” schenkt, am 28.11.2009,
zwei steinerne Figuren, ein “Paar” aus
Zivilbeamten und “Militäroffizier”, die
zusammen die “Funktion eines Schutzgottes” hätten,
“der ein Dorf bewacht”. Unterzeichnet vom Bürgermeister in Jeju.
Die Figuren sind auch auf den zweiten Blick identisch.
Zu einem dritten bleibt keine Zeit,
da auf der Bühne Status Quo ihren Auftritt beginnen.
Also rein, um meinen Eindruck von vor 31 Jahren zu überprüfen.
Schon 1986 wippte ich, sechzehnjährig, mit, weil das
bei ihrer Art von Rock`n`Roll kaum zu vermeiden ist,
blieb aber eher beeindruckungsfrei. Ich respektiere sie.
Viele verehren sie.
Mit “Rockin’ all over the world” macht man auch alles richtig.
Gestandene Männer mit grauen Haaren und Halbglatze spielen
beseelt Luftgitarre.
Die jüngere Generation leicht in der Unterzahl.
Eher vereinzelt Mobiltelephone über die Köpfe gereckt
zwecks Videodokumentation.
Smartphonefilmen scheint eine Erinnerungstechnik
der Jüngeren zu sein, bis etwa Mitte 40.
Nicht, dass die Älteren keine Smartphones hätten, der Unterschied:
sie bleiben eher in der Tasche.
Mein Anwesenheitsgrund beginnt
staubtrocken
mit
“She got me under pressure,
she got me under preeesure”.
SWR 1 überträgt / zeichnet auf.
Mehrfach fallen mir dunkelhäutige Damen in
den T-Shirts des texanischen Trios auf.
ZZ Top spielen 12 Songs,
bis es weiter südlich überm Rheintal heftig blitzt.
Natürlich dabei “Gimme all your lovin’”
und “I’m bad, I’m nationwide”.
Irgendwann singt Billy F. Gibbons
“I’m shufflin` in Texas sand, but my head`s in Mississippi
on Loreley”
Gitarrentechniker Elwood Francis kommt als Gastmusiker
mit steel guitar auf die Bühne zu einem Song,
den Gibbons als “real country” ankündigt und als
“back to the real USA”.
(Nach Januar 2017 bedarf das kaum weiterer Worte.
Gerade ja auch wertkonservative Republikaner
hadern mit der Personalie der aktuellen Präsidentschaft.)
Bei “Sharp dressed man”,
es sind um die 15 Songs nun,
rücken die Blitze bedenklich näher.
“Legs” (“She’s my baby, she’s my baaaby”),
mit jeweils in weißen Plüsch gekleideten Bass- und Gitarrenkorpus
geht noch. Dann verschwinden die Musiker hinter
der Bühne, was als das übliche Ritual zwischen Gig und Zugabe
interpretiert werden kann.
Die Light Show imitiert sinnig das Wetterleuchten.
Die meisten wollen more,
nicht wenige strömen ob des einsetzenden Regens zum Ausgang.
Die Zugabe ist, natürlich, “La Grange”.
Allein dafür hat sich die Reise gelohnt.
Die Musiker kommen nicht dazu, sich zu verabschieden.
“Danke, ZZ Top. Sie hätten gern noch mehr gespielt.
Räumt jetzt bitte das Festivalgelände. Es kommt ein bißchen was.
Geht in Eure Fahrzeuge. Es geht um Eure Sicherheit.”
Wer nun automobil- bzw. wohnmobilfrei ist,
hätte gut daran getan, Schirme oder Regenzeug mitzubringen.
Die Schlangen vor den Shuttlebussen triefend nass.
Einer will mir meinen Taschenschirm (dm-Standard) abkaufen.
Für einen mittleren zweistelligen Betrag,
Freundlich lehne ich ab.
Letztlich verläuft alles geordnet.
Da ich Zeit habe (die Anschlusszüge nach Wuppertal
gehen erst morgen früh und ich bin auf eine Nachtwanderung
am Koblenzer Rheinufer eingerichtet),
erstmal raus aus der triefenden Menge.
In der Nähe untergestellt.
Eine auf freundliche Weise alkoholisierte Besuchergruppe
mit deren Smartphone fotografiert.
Einem gut abgefüllten Altrocker mit grauer Mähne
und Rauschebart war aufzuhelfen – er ist mit einer
Bierbank umgekippt.
Einige fliehen in eine Art Almhütte mit Ausschank,
der ob des Ansturms das Bier ausgeht.
Ein Tisch gröhlt los: “Wir lagen vor Madagaskar…”,
ein anderer Tisch stimmt lautstark ein.
Maßkrüge donnern auf Holz.
In die vermutlich viertletzte Shuttlebusfahrt
springe ich gerade noch, bekomme auch
die Fähre nach St. Goar.
Bei Regen nachts übern Fluss gesetzt.
Die Fährleute gelassen:
“Schiebt e bißchen. Mir wolle los.”

Den letzten Zug nach Norden bekommen.
Nachts um halb drei am Deutschen Eck
im Regen und das freiwillig.
Poetischer Reichtum.
Die wahre 1%-Gesellschaft.

(Ein Berichtgedicht von GrIngo Lahr vom 09. Juli 2017, exklusiv für rheinsein.)

Rheinmündung bei Katwijk (3)

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Diese aktuellen Bilder von der Mündung des Oude Rijn bei Katwijk schickt unser Korrespondent Rainer Vogel.

Der Wein

VIII
In lauen Sommernächten,
Wo alles wundersam,
Da war es, daß wir zechten
Bis daß der Morgen kam.
Ein Wetterleuchten zuckte
Bisweilen übern Rhein;
Das stille Mondlicht blickte
In unsre Becher hinein.

Es sang mit süßem Schalle
Im tiefen Stromestal
Die schöne Nachtigalle
Von ihrer Liebesqual.
Und um die Berge flogen
Die Nebel wunderbar:
Als käme angezogen
Eine luftige Geisterschar.

Die Lindenzweige rauschten
Um unsern Tisch herum:
Wir horchten und wir lauschten
Und wurden still und stumm.
Wohl halb im Traume blickten
Wir in den grünen Rhein;
Und bückten uns und nickten
Und schlummerten endlich ein.

(Ausschnitt aus Georg Weerths Langgedicht Der Wein)

Magrittes rheinischer Jungbrunnen

(von unserem Korrespondenten Roland Bergère)

Marcel Broodthaers stellte in der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf (16. Mai 1972 – 09. Juli 1972) das „Musée d’Art Moderne, Département des Aigles, Section des Figures: Der Adler vom Oligozän bis heute“ aus. Dazu gehörte ein Bild von René Magritte (Figure n°181 ) : La fontaine de Jouvence (1957).

Im Catalogue raisonné (*) des belgischen Malers ist Folgendes zu lesen: „In a letter dated 11 June 1957, Magritte asked Colinet (Paul Colinet, Mitglied der belgischen Surrealistengruppe) to provide a title for „another variant of „The fountain of youth“ which had the inscription read on the stone“, and make a sketch [...] which he described as „picture with things in stone, the sky is milky, distant objects are slightly veiled in a sort of mist“. Magritte’s fairly detailed description indicates that the painting was well finished, if not finished. An oblique to „la pierre et Coblence / the stone and Coblence“ in a letter written two days later establishes that Colinet provided the title without seeing the work. Magritte’s choice of Coblenz, the German town at the confluence of the Mosel and the Rhine, for the inscription on the stone tablet may well refer to the tomb of the eighteen-century French general François Marceau (**), who was killed in 1796 when in command of an army of Belgians.“

Auf dem Bild sind eine Stele mit einem Adlerkopf und der Inschrift „Coblenz“, ein versteinertes Blatt, eine Sphäre (sie gehört zu der gespaltenen Sorte) und mehrere Steinbrocken auf nackter Erde zu sehen. Abgebildet war das Gemälde, doch nur in Schwarzweiß. Als ich später las, daß es im Museum Ludwig hing, fuhr ich dorthin, um es anzuschauen und Notizen zu machen. Prompt kam eine Wächterin, die mich fragte ob ich mit einem Bleistift schreiben würde, was ich verneinte und ihr meinen Free Ink Roller präsentierte. Damit könne ich nicht schreiben, sagte sie freundlich, fast beschämt. Ich nahm eine anderen Stift aus meiner Jackentasche: einen Staedtler permanent lumocolor (wasserfest!). Da sie mich darauf hinwies, ich könne auch mit diesem Werkzeug nicht schreiben, holte ich nach und nach einen Kuli, einen Tintenfüller, einen Edding hervor: jedesmal bekam ich die gleiche Antwort, und langsam verstand ich warum: Es war nicht auszuschließen, daß ich damit ein Werk, absichtlich oder aus Ungeschick, beschädigen könnte. So etwas passiert eben. Doch wollte ich den Grund aus ihrem Munde hören und fragte: warum? Etwas verlegen verstummte die Wächterin, informierte mich aber dann, daß ich mir einen Bleistift an der Kasse leihen könne, was ich auch tat. Zum Bild zurückgekehrt winkte ich der Wächterin mit dem Bleistift. Sie wirkte erleichtert, lächelte und ging weiter. Während dieses ganzen Hin und Hers hatte ich bemerkt wie Besucher Werke fotografierten. Schön, das wollte ich auch. Ich griff zu meiner Kamera. Doch vor dem Bild saß eine Besucherin.
magritte_jungbrunnen_besucherin

Davon begeistert war ich natürlich nicht, wartete dennoch geduldig, daß sie sich zum nächstes Bild bewegte. Das tat sie nicht, im Gegenteil. Sie starrte und starrte, und träumte und starrte, schien allmählich selbst versteinert, wie das Blatt rechts der Stele. Farblich betrachtet passte ihr Pulli zu den Bildtönen. Wegen Bauarbeiten im Museum waren Laute von draußen zu hören (als solche nahm ich sie wahr, vielleicht ereigneten sie sich auch drinnen?). Eins davon schien mir von einem Straßenmusiker erzeugt zu werden, der einem Endlostape gleich „Knock knock knocking on heaven’s door“ sang. Ich stellte mir vor wie die Besucherin an die Stele klopfte, um das Wunder des Jungbrunnens zu erleben. Doch regte sie sich, falls das überhaupt möglich war, noch weniger als vorher. Ich ging in einen Nebenraum. Als ich zurück kam war die Besucherin verschwunden.
magritte_jungbrunnen René Magritte, La fontaine de jouvence (1957)

(*) David Sylvester, Sarah Whitfield: René Magritte, Catalogue raisonné, Volume III, 1993.
(**) In Höchstenbach verwundet, starb er in Altenkirchen. Bekanntlich starben die Offiziere der französischen Revolution gern im Rhein-Nähe.

Presserückschau (Juli 2017)

1
Die Göttin wartet
“In sich ruhend und ganz auf die eigene Person konzentriert sind die Skulpturen von Magorzata Chodakowska. Insofern passen die Werke der polnischstämmigen Künstlerin (…) sehr gut in das Konzept der Stille, dem sich die Hitdorfer Galerie Flowfineart verschrieben hat. (…) Inspiriert vom modernen Ausdruckstanz treibt sie ein Urbedürfnis nach Schönheit und Ästhetik an. Die starke Körperspannung vermittelt das Selbstbewusstsein einer Göttin. Zwei der weiblichen Akte von Magorzata Chodakowska sind diesen Sommer in Hitdorf zu Gast, eine Stehende im Erdgeschoss und eine Sitzende, mit einer Art Handtuchturban auf dem Kopf, liegt im oberen leeren Raum, als warte sie hier auf ihr Bad im Rhein, der in Sichtweite vor dem Fenster vorbei fließt. Die Figuren sind in Holz gearbeitet und anschließend in Bronze abgegossen.” (Rheinische Post)

2
Rosaroter Rhein
“Die Wasserschutzpolizei Mainz konnte (…) schnell Entwarnung geben: Es sind keine Chemikalien, die für die rosafarbenen Schimmer des Rheins gesorgt haben. Die Polizisten sind sich stattdessen sicher, dass die Verfärbung vom Roten Hang in Nierstein kommt. Dort besteht der Boden aus rotem Sandstein, Geologen nennen das „Rotliegend“. (…) Die Wasserschutzpolizei spricht von einem etwa fünf Meter breiten und 50 Meter langen Teppich. Der trieb dann Richtung Mainz, wo er nur noch teilweise gesehen wurde und sich dann auflöste. Die Wasserschutzpolizei sagt, das käme immer wieder mal vor, gerade wenn es lange trocken war und dann kräftig regnen würde.” (SWR)

3
Selfie
“Dieses Selfie wird sie wohl nie mehr vergessen: Eine (…) Touristin ist (…) in Chur während des Abdrückens mit der Handykamera in den Rhein gestürzt. (…) Das Missgeschick geschah unterhalb der Rheinbrücke beim Rheinsand (…). Beim Selfie-Machen verlor die 26-Jährige das Gleichgewicht und fiel in den Fluss. Rund einen Kilometer wurde sie von der Strömung mitgerissen. Bei einer Sandbank konnte sie sich auf einen Felsbrocken in Sicherheit bringen. Ein Rega-Helikopter befreite schliesslich die durchnässte Frau aus ihrer misslichen Lage. (…) Die Touristin wurde nach der ärztlichen Untersuchung an ihr Aufenthaltsdomizil zurückgeführt.” (Thurgauer Zeitung)

4
Synthetischer Strand
“Am Rheinufer in Sürth wurden (…) jede Menge winziger Plastikkügelchen angeschwemmt, höchstens fünf Millimeter groß sind sie im Durchmesser und überwiegend weiß. In einer Bucht nördlich des Godorfer Hafens (…) ist der Granulatstreifen besonders dicht gestreut. Aber auch noch rund fünf Kilometer weiter nördlich in Rodenkirchen liegen die Plastikpellets vereinzelt im Sand; sie sind von kleinen Kieselsteinen kaum zu unterscheiden. (…) Das nahe gelegene Chemieunternehmen Lyondell Basell stellt im Industriegebiet in Wesseling/Godorf solches Kunststoffgranulat her. (…) LB hat nach eigenen Angaben am Rheinufer in der vergangenen Woche eine Granulatprobe genommen und analysiert. (…) Es sei möglich, dass aufgrund der starken Regenfälle auch Plastikpartikel aus den Rückhalteeinrichtungen des Werkes herausgespült worden seien.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Herzlich willkommen zurück
“Ein letztes Mal kehrte er zurück an seinen Sehnsuchtsort: Helmut Kohl, aufgebahrt im Dom zu Speyer. Ein Ort, der Kohl als Privat- und als Staatsmann immer wichtig war. In der Totenmesse (…) im Dom erinnerte auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann an Kohls persönliche Beziehung zu dem Gotteshaus. Sie hatte damit begonnen, dass Kohl hier mit seiner Mutter im Zweiten Weltkrieg Zuflucht vor Fliegerbomben fand. Als Kanzler führte Kohl Staatsgäste aus aller Welt nach Speyer. (…) Zur (…) Totenmesse nach Speyer kam der Sarg (…) mit dem Schiff. Der Leichnam des Altkanzlers wurde mit der “MS Mainz” von Reffenthal über den Rhein gebracht. Eskortiert von mehreren Polizeibooten legte das Schiff (…) am Rheinufer in unmittelbarer Nähe des Speyerer Doms an. Am Zielort warteten schon mehrere Hundert Bürger. “Danke Helmut. Herzlich willkommen zurück in Speyer”, hatte ein 48-jähriger Speyerer mit roter Farbe auf ein weißes Leintuch geschrieben, das er an einer Brücke am Rhein aufgehängt hat.” (SWR)

6
Störfaktor
“Im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg haben am Montag zwei Polizisten den Austausch der Sicherheitsbehörden über Ländergrenzen hinweg als unzureichend kritisiert. “Der Rhein ist ein störender Faktor”, sagte ein 55-jähriger Staatsschützer aus dem rheinland-pfälzischen Ludwigshafen über die Zusammenarbeit mit baden-württembergischen Kollegen. “Was unsere Leute in Baden-Württemberg wissen, wüsste ich auch gerne.”" (Badische Zeitung)

7
Kampf der Giganten
“Seit acht Millionen Jahren kämpfen zwei Giganten im Schwarzwald. Sie ringen langsam, aber stetig und erbarmungslos. Zunächst ging es um das größere Gebiet, mittlerweile geht es um die Existenz. Die Rede ist von Rhein und Donau, (…) die im Schwarzwald den Kampf um die europäische Wasserscheide austragen. Experten räumen der Donau schlechte Chancen ein, denn der Rhein gräbt ihr beständig die Zuflüsse und Quellgebiete ab. Wer beim Wandern die Augen offen hält, kann mancherorts Schauplätze dieses Kampfes erkennen. (…)” (Badische Zeitung)

8
Seilbahn-Drama
“Nach der Rettung von 65 Menschen aus der Kölner Seilbahn sollen (…) die Untersuchungen zu dem Notfall beginnen. (…) Eine Gondel der Seilbahn hatte sich (…) verkeilt. Die Kölner Feuerwehr startete eine spektakuläre Rettungsaktion. Da ein Großteil der Kabinen über dem Rhein festhing, mussten zahlreiche Fahrgäste aus großer Höhe auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt werden. Andere Passagiere wurden über Drehleitern vom Ufer oder der Zoobrücke aus der beängstigenden Lage gerettet.” (Spiegel)

9
Rheintote
“Der nach dem Schwimmen im Rhein vermisste 18-Jährige ist tot. Er sei in Höhe des Mainzer Rathauses am Donnerstag aus dem Fluss geborgen worden, teilte die Polizei (…) mit. Der 18-Jährige hatte (…) mit anderen Jugendlichen und Betreuern einer Hilfeeinrichtung für unbegleitete Flüchtlinge einen Ausflug an den Rhein unternommen. Als ein Binnenschiff vorbei fuhr, ging er im Wasser unter. Eine Obduktion soll nun die genaue Todesursache klären.” (Hessenschau)

“(Speyer) Schrecklicher Fund (…) im Rhein: Beim Angeln wird im Hafenbecken eine männliche Leiche (41) im Wasser entdeckt! (…) Nur ein paar hundert Meter weiter befindet sich auch das Großaquarium „Sea Life“. Nach der Bergung durch die Feuerwehr kann der hinzugezogene Notarzt nur noch den Tod des Mannes feststellen. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt (…) mitteilt, handelt es sich bei dem Toten um einen 41-jährigen Mann aus Bellheim. Er konnte eindeutig anhand seines Personalausweises identifiziert werden. Aufgrund des Zustands der Leiche, ist von einer kurzen Verweildauer im Wasser auszugehen (…). Während die Kriminalpolizei die Ermittlungen vor Ort aufgenommen hat, wurde die Leiche sichergestellt und in ein Bestattungsinstitut gebracht. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat die Obduktion der Leiche angeordnet.” (Mannheim24)

“Ein Mann (54) ist (…) im Rhein ertrunken. Er war zusammen mit sieben weiteren Männern auf einem Motorboot auf dem Fluss unterwegs, als dieses (…) in der Nähe von Schaffhausen kenterte. Alle acht Passagiere fielen ins Wasser. Sieben Männer konnten sich selbstständig ans Ufer retten und blieben unverletzt (…). Der 54-Jährige blieb jedoch im Rhein zurück und konnte erst nach umfangreicher Suche mit Polizeitauchern nur noch tot aus dem Rhein geborgen werden. Gefunden wurde die Leiche (…) rund 1,5 Kilometer flussabwärts bei der Feuerthalen-Brücke (…). Der Unfall geschah offenbar bei einem Anlegemanöver, wie die Polizei in einer Mitteilung schreibt. Beim Bootsführer wurde eine Blut- und Urinprobe angeordnet.” (Blick)

“In Höhe des Fähranlegers bei Rheinberg-Orsoy ist (…) eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt und geborgen worden. Die Identität der Person ist noch unklar. (…) Neben der Wasserschutzpolizei, dem Rettungsdienst und der Rheinberger Feuerwehr (Löschgruppe Orsoy) war auch der Rettungshubschrauber Christoph 9 am Einsatzort. Die Feuerwehr konnte die Leiche von einem Boot aus bergen. Ob es sich um eine männliche oder um eine weibliche Leiche handelt, war noch nicht zu erfahren.” (Rheinische Post)

“Traurige Gewissheit zum Schicksal des Mannes, der (…) von der Mülheimer Brücke in den Rhein gesprungen war: Im Duisburger Stadtteil Alt-Walsum haben Passanten seinen toten Körper im Rhein treibend entdeckt. Die Wasserleiche ist (…) bereits obduziert und auch identifiziert worden. Es handelt sich um einen 38-Jährigen aus Köln.” (Express)

rotraum

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Das Kreismuseum Zons zeigt aktuell die Ausstellung Rhein-Reisende. Flussabwärts-Installationen von Joachim Römer, von dem rheinsein bisher hauptsächlich als Flaschenpostsammler Notiz nahm. Römers rheinische Flaschenpostfunde, gesäubert, datiert und edel in Rundvitrinen arrangiert, sind auch Teil der Zonser Ausstellung. Über Flaschen verschiedener Materialen und Größen hinaus sammelt Römer Anschwemmsel aller Arten, die er mehr oder weniger bearbeitet für Installationen, Schaukästen, Mosaiken oder als Filmintarsien verwendet. Kunststoffprodukte nehmen den weit überwiegenden Anteil der Funde ein, weisen auf aktuelle Kontaminationen der “deutschen Lebensader”. Römers handwerklich hochwertige Arbeiten transportieren Pop- und Trashkultur über rheinischen Humorlinien. Sie wirken unmittelbar und leicht zugänglich. Das beeindruckendste Werk der Ausstellung ist der rotraum (Bilder), der sowohl an James Turrells Perceptual Cells, als auch ein wenig an die Black Lodge aus Twin Peaks erinnert. Ein roter Teppich führt in eine Bretterkammer, die vollständig mit genuin rotem Rheintreibgut ausgekleidet ist. Kleine Leuchten sorgen für Schummerakzente. Wände, Boden und Decke gehen als Reliefs ineinander über. Die Farben erinnern an die Bandbreite der Rosenblüte, ihre Intensität löst sich in Funktionalität bzw Banalität einzelner Gegenstände (Ölbehälter, Feuerzeuge, Bälle, Dildos, Nupsis und Pinörkel), die sich wiederum zu wirren Landschaften mit psychedelischem Potential fügen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober 2017 im Kreismuseum Zons zu sehen. Öffnungszeiten: Di-Fr: 14-18 Uhr, Sa-So: 11-18 Uhr

Schweizerisch-österreichisches rheinsein

“Freitag 7. Juli bis Sontag 9. Juli 2017
Rheinbrücke Widnau/Lustenau

Während drei Tagen wird der Rhein zum Sein. Auf beiden Seiten bei der Rheinbrücke Widnau/Lustenau finden verschiedene Auftritte von Künstlern/innen statt. Umrahmt wird das Ganze mit Aktionen fürs Publikum und Gastronomie.

Tanzen, Musik hören, essen, erleben, chillen, fühlen, sehen, begegnen und einfach da sein und den Moment geniessen.”

Informationen zu den Programmpunkten auf der nun zweiten rheinsein-Website des deutschsprachigen Raumes.

Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

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König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

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Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Gewächshaus City

gewächshaus citygewächshaus city_3gewächshaus city_2De glazen stad, die Glasstadt wird im Niederländischen die nördliche Gegend der letzten Rheinkilometer in der Provinz Südholland genannt: umrandet von Kanälen reiht sich kilometerweit ein Gewächshaus ans andere. Das Gebiet heißt seit einer Gemeindereform im Jahr 2004 offiziell Westland und umfaßt die Gemeinden De Lier, ’s Gravenzande, Monster, Poeldijk, Ter Heijde, Naaldwijk, Honselersdijk, Maasdijk, Wateringen und Kwintsheul. Ein lokales Wiki nennt unter Regionalkultur an erster Stelle den Alkoholkonsum in sogenannten hokken, “verlängerten Wohnzimmern” auf Dachböden, in Scheunen, Kantinen oder Wohnwagen, Wochenendtreffpunkte mit privatem bis kommerziellem Charakter.

Marcel Broodthaers beschäftigt sich mit dem Rhein

(von unserem Korrespondenten Roland Bergère)

Neulich besuchte ich die sehenswerte Marcel Broodthaers-Retrospektive in Düsseldorf. In einer Vitrine lag ein Buch mit dem Titel: „En lisant Lorelei / Wie ich die Lorelei gelesen habe” von 1975. Die aufgeschlagenen Seiten zeigten drei Mal die gleiche Zeichnung (eine Familie vor einem Fernsehgerät versammelt), mit den Legenden: Programme I, Programme II, Programme III. Die Zeichnungen unterscheiden sich voneinander nur dadurch, was auf dem Bildschirm erscheint (schwer zu erkennen, auch im Katalog, alles recht klein gedruckt), bei Programme II steht eine Blumenvase auf dem Fernsehgerät. Auf der rechten Seite sind drei verschiedene Chromolithographien reproduziert, welche drei Ansichten der Lorelei zeigen. Dazu gehört ein textkritischer Apparat. Das Buch „En lisant Lorelei“ wurde 1974 in Basel ausgestellt, in einem gleichnamigen Raum.
Zu sehen waren auch vier „Zeichnungen“. Drei ohne Titel, eine mit der Legende: „Au bord du Rhin“. Drei der vier Zeichnungen stellen Meerjungfrauen dar. Eine, auf einem Felsen stehend, hält eine Baby-Meerjungfrau in ihren Armen, ein Matrose nähert sich dem Felsen mit einem Ruderboot. Die zweite hebt (so scheint es zumindest) die Deckel eines Topfs, welcher womöglich auf einem nicht dargestellten Herd steht. Im Vergleich zu den anderen ist ihr Fischschwanz nur angedeutet. Die dritte trägt einen dampfenden Topf. Die vierte (diejenige mit dem Titel „Au bord du Rhin“) sitzt am Fluß und trinkt eine Tasse Kaffee und hört nachdenklich (dafür spricht die Haltung der rechten Hand, die das Kinn stützt) einer zweiten Frau zu. Die vier Zeichnungen haben verschiedene Größen, sind auf das Jahr 1974 datiert und als Abziehbilder auf Papier bezeichnet, die mit Bleistift und Tusche überarbeitet worden sind.

broodthaers_au bord du rhin

Fotografieren war nicht erlaubt, doch wie eine Wächterin mir flüsterte: „Wenn ich nicht gerade hinschaue, können Sie es versuchen.“ (Später sah ich, wie sie in einem menschenleeren Raum auf die Begleitmusik eines Films Tanzschritte machte). Das Foto zu machen war natürlich nicht einfach. Sie war nicht die einzige Aufpasserin. Die Besucher (in geringerer Anzahl als Wächterinnen vorhanden) wurden von einem Raum zum anderen wortwörtlich verfolgt. Ein Aspekt des aufregenden Museumslebens, über den Broodthaers sich recht amüsieren hätte können.

marcel broodthaers_remonter le rhin

Marcel Broodthaers Werk „Musée d’art moderne – Département des aigles“ (1968-1972) wurde 2015 in Paris ausgestellt (Monnaie de Paris). Am Tag der Eröffnung fand ein Happening statt: ein Frachtkahn fuhr die Seine aufwärts, beladen mit Kisten, Koffern, Palmen, Säcken, usw… die am Ufer abgeladen und in den Ausstellungsräumen plaziert wurden. Die Aktion sollte, laut der Presse-Mitteillung, an zwei nicht realisierte Projekte Broodthaers erinnern: „L’Ile du Musée“ und „Bateau sur le Rhin“ (1971), eine Video-Aufnahme dokumentierte die Aktion.

Im Katalog der Retrospektive steht folgendes zu lesen:
„Die Einladung zur Teilnahme an einer Konferenz im Rahmen von between 6, die im Juni 1971 mit der britischen, nach Düsseldorf eingeladenen Art and Placement Group (APG) stattfand, nutzte Broodthaers zur Präsentation einer hochironischen Variante seiner Museumsidee. Mit dem Collage-Projekt einer unbewohnten Insel im Rhein (“Museumsinsel”) entwickelte er die Vorstellung einer einsamen nahe dem Lorelei-Felsen im Rhein gelegenen Insel als Ort eines Museums, die in größtem Widerspruch zu der von der APG vertretenen Absicht stand, Kunst in der Industriegesellschaft zu verankern und dabei auch vor den Chefetagen nicht Halt zu machen. Broodthaers’ isoliertes Museum entwarf einen Ort der Utopie, das in die Collage eingefügte Cover einer Schallplatte mit Richard Wagners Oper Das Rheingold wies auf die „musikalische Untermalung der Museuminsel hin.“
(Doris Krystof in: Marcel Broodthaers, Eine Retrospektive)

Ein Blog zeigt zwei Fotos, welche eindeutig im Zusammenhang mit der „Museumsinsel“ stehen. Roland Bergère hat sie aus rechtlichen Gründen für rheinsein nachskizziert:

marcel broodthaers_museuminsel_2

marcel broodthaers_museuminsel

Projet pour un musée sur une île déserte (1971)

Das Hungertuch

Ein zweijährlicher Preis, der von Künstlern an Künstler vergeben wird, die “mit experimentellem Pioniergeist im 21. Jahrhundert” zu neuem künstlerischen Terrain aufbrechen ist Das Hungertuch, vor 16 Jahren von Ulrich Peters initiiert. Bedacht werden die Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur mit besonderem Fokus auf interdisziplinär arbeitende Künstler. Dieses Jahr zählen zwei ständige rheinsein-Autoren zu den Preisträgern: Roland Bergère und Stan Lafleur, eine Auszeichnung also auch für rheinsein wie die Rheinische Post in einem Vorbericht zur heute in Neuss stattfindenden Preisverleihung schreibt:

“Das Hungertuch im Bereich Literatur wird der bekannte Spoken-Word-Performer und Lyriker Stan Lafleur (…) bekommen. Neben zahlreichen Buchveröffentlichungen, zuletzt: “Mini Welt”, gestaltet er seit 2009 sein gigantisches Netzprojekt rheinsein.de. Das Projekt strebt “eine komplexe, neuartige, literarisch basierte Hybridform um Faktisches und Fiktives zum Thema Rhein und zugleich die umfassendste zusammenhängende, stets wachsende Sammlung rheinischer Kulturgeschichte im Internet” an, wie er selbst es beschreibt. Dieser Blog enthält inzwischen über 2000 Beiträge, auch von anderen Autoren.”