Schwester Else

DER ANGRIFF AUF DÜSSELDORF – 11./12. JUNI 1943
(…) Als wir nach dem langen Alarm mit seiner ungeheuren Spannung, die ein Angriff in unmittelbarer Nähe immer mit sich brachte, wie betäubt aus dem Keller kamen, noch kaum fassen konnten, daß unsere Häuser unversehrt waren, gingen wir wie immer in solchem Fall auf den Söller. Aus den oberen Fenstern sahen wir, als die Sommersonne aufgegangen war, einen klarblauen Himmel. Nur über Düsseldorf lag es wie eine drohende schwarze Gewitterwolke. Da wußten wir, es mußte schlimm stehen. Schnell versuchten wir, wie stets nach den Angriffen in unserer Nähe, irgendeine Fahrmöglichkeit zu bekommen. Unsere Wagen waren ja seit den ersten Kriegstagen beschlagnahmt. (…) Je näher wir kamen, umso dunkler wurde es. Wie Nebel zog es vor die Sonne, die schließlich nur noch wie eine große Apfelsine, ohne jeden Schein, erschien; und der Brandgeruch wurde immer ätzender. Bis zum Hofgarten sind wir gekommen. Da lagen entwurzelte und abgeschlagene Bäume quer über der Straße. Kein Wagen konnte mehr fahren. Dort trennten wir uns, um so schnell wie möglich zu all unseren Stationen zu kommen. Noch heute sehe ich den einen der beiden Türme der Johanneskirche brennen, die glühende Spitze des Eisengerüstes umgebogen. Unten war alles abgesperrt. – Der Turm konnte jeden Augenblick stürzen. Wir durchquerten das abgesperrte Gebiet, mußten wir doch auf schnellstem Wege zur Stephanienstraße. In dieser Straße war es menschenleer. Unheimlich hörte man nur das Knistern und Krachen der Balken. Alle Häuser brannten. Man hatte es wohl aufgegeben, noch irgendwo zu retten und zu löschen. Als wir vor dem brennenden, hohen Hause unserer Handarbeitsschule standen, sagte Pastor Lüttichau nur ganz kurz: „Daß hier niemand mehr ist, das sehen wir ja, also weiter.“ Später trafen wir unterwegs unsere Schwestern – erschöpft, rauchgeschwärzt, mit entzündeten Augen, die Hauben dunkelgelb versengt – ein Anblick, wie wir ihn – ach, noch oft – gehabt haben, wenn wir gleich nach den Angriffen unsere Schwestern fanden. Diesen konnten wir damals nur raten, so schnell wie möglich in unser unversehrtes Kaiserswerth zu kommen. (…) Gehen konnte man nur mitten auf der Fahrstraße, weil die Flammen wie Sturmwind aus den brennenden Häusern in die Straße hinausschlugen, obgleich es ein ganz windstiller Tag war. (…) Dieses Mal (…) war das Evangelische Krankenhaus am Fürstenwall so mitgenommen, daß alle Kranken und die vielen Verletzten, die in der Nacht ambulant behandelt waren, in andere Krankenhäuser überführt werden mußten. Einen Anblick werde ich nie vergessen: Am Eingang stand ein Krankenwagen. Mehrere rauchvergiftete Kinder wurden herausgehoben. Unserer Schwester Else, selbst kaum kenntlich, so mitgenommen und rauchgeschwärzt sah sie aus, wurde ein Kleines in die Arme gelegt, dessen Kopf und Glieder schlaff herabhingen, und aus Schwester Elses traurigem, leisem Kopfschütteln sah ich, daß hier die Hilfe zu spät gekommen ist. (…) Alles, was an wirklich heldenhaftem Einsatz geleistet worden war in der Nacht – auch von ganz jungen Schülerinnen – erfuhren wir nach und nach: wie z. B. eine Schülerin so eifrig beim Löschen auf einer Station war, daß sie nicht bemerkt hatte, daß unter ihr bereits das Treppenhaus brannte. Schwester Else und andere rissen in größter Eile alles erreichbare Bettzeug in den Lichtschacht. So konnte sie durch den Sprung von oben gerettet werden. (…) Einen kurzen Augenblick standen wir erschüttert vor dem Kindergarten in der Ulmenstraße, von dem buchstäblich nichts mehr stand als die Grund-Eckpfeiler. (…) Als wir über unsere Stationen Bescheid wußten, eilten wir zurück nach Kaiserswerth, denn dahin strömte nun – mit und ohne Einladung – eine zahllose Schar Obdachloser. (…)

(aus: Schwester Karin von Ruckteschell – Gedenket, Duisburg 1960)

Roter Rhein (2)

Auwaldhütte, 14. April 1940
Am frühen Morgen weckten mich die Maschinengewehre vom Panzerwerk »Roter Rhein« – das neue in der oberen Scharte des Panzerturmes und das überschwere, das unseren rechten Flügel flankiert. Ich rief Erichson an und gab ihm Feuerbefehl. Dann fuhr ich, nachdem ich mich hastig angezogen hatte, mit dem Rade durch den Auwald nach vorn.
Kurz vor dem Stand geriet ich in eine Garbe, die in die Pappelstämme klatschte, und suchte eilig den Verbindungsgraben auf. Spinelli, der bereits an Ort und Stelle war und mit der Besatzung hinter der Betonwand des Bunkers stand, winkte mich richtig ein. Ich ließ zwei schwere Gewehre auf die Scharten richten und teilte Scharfschützen ein. Dann ging ich, um noch einen guten Richtschützen zuzuziehen, zu Erichson, in dessen Kampfraum ich den Krankenträger fand. Er war damit beschäftigt, Erichson zu verbinden, der stark am Halse blutete, auch hatte er drei Schützen, die durch Splitter verletzt waren, mit Jod betupft. Sie waren alle benommen wie Fische, die plötzlich an die Luft gezogen worden sind.
Ich hörte, daß ein Schartentreffer mit lautem Knall und einem Feuerstrahl im Raum auseinandergeflogen war. Andere Geschosse hatten das Maschinengewehr am Lauf getroffen und das Zielfernrohr gekappt, das auf dem Tische lag. Zum Glück war auch Erichson nur leicht verletzt, so daß ich mich gleich wieder zu jenem Stande begeben konnte, der unser Brennpunkt ist.
Die Garben strichen noch durch den Wald, in dem mir der Verbindungsgraben zustatten kam. Freilich war er noch nicht durchlaufend ausgebaut, so daß es auch Stücke zu überspringen gab. Sehr gut die Kalkulation an Strecken, an denen es so über Deckung geht. Der Geist stellt immer eine scharfe Wahrscheinlichkeitsrechnung an, ehe der Körper springt.
Vor dem Stande hatte Spinelli schon alles aufgebaut. Ich ging noch einmal an das Scherenfernrohr und visierte die Scharte an, aus deren Schlitz ein neues und stärkeres Gewehr als jenes vor unserer letzten Räucherung hervorragte. Nachdem ich den Richtschützen eingeschärft hatte, daß es von ihnen abhänge, ob der Beschuß ernsthaft erwidert würde oder nicht, gab ich das Feuer frei. In diesem Augenblick strichen drüben, wie vor einer Zauberhandlung, zwei Elstern mit leuchtend weißem und erzgrünem Schimmer von den Bäumen über die Kuppel ab.

(aus: Ernst Jünger – Gärten und Strassen [Sämtliche Werke, 1. Abteilung, Tagebücher Bd. 2 – Strahlungen I])

Roter Rhein

Auwaldhütte, 29. März 1940
Die Dinge lagen so, daß kurz nach Mittag ein Wachtmeister und ein Gefreiter von der nahen Artilleriebeobachtung gekommen waren, beide Neulinge am Ort. Der Wachtmeister äußerte den Wunsch, die von Geschoßeinschlägen besäte Stirnwand des Bunkers zu photographieren, und ohne auf die Warnungen des Unteroffiziers zu hören, stieg er, gefolgt von dem Gefreiten, über den hohen Aufwurf des Werkes zum Rheinufer hinab. Im gleichen Augenblick begann von drüben aus dem Panzerwerke »Roter Rhein«, in dem rabiate Burschen hausen, ein Maschinengewehr zu spielen, und die beiden Artilleristen blieben auf der grünen Böschung liegen, die weithin sichtbar ist. Der eine hatte noch gerufen, vom anderen hatte man nichts mehr gehört.
Nachdem ich den Ort besichtigt hatte, beschloß ich, die beiden zu bergen, was freilich auf dem Wege, den sie genommen hatten, unmöglich war. Vielmehr mußte links von dem Bunker ein breiter Drahtverhau zur Annäherung durchschnitten werden, und zwar derart, daß die Arbeit durch einen Saum von dürrem Gras getarnt wurde, das zwischen den Uferbäumen wuchs.
Inzwischen war auch Spinelli angekommen, und wir folgten den Leuten, die kriechend die Gasse schnitten, bis nach einer guten halben Stunde der Weg geöffnet war. Zwischen den Bäumen hingen noch einige Tarnmatten aus gelbem Rohr, die gegen den gröbsten Einblick deckten, dann waren bis zu den beiden liegenden Gestalten noch etwa fünfzehn Schritte zu tun. Die Feste »Roter Rhein« war gegen vierhundert Meter weit entfernt.

(aus: Ernst Jünger – Gärten und Strassen [Sämtliche Werke, 1. Abteilung, Tagebücher Bd. 2 – Strahlungen I])

Azolla

Bei Greffern, 18. November 1939
Seit vorgestern Hochwasser. Der Rhein schießt mit großer Geschwindigkeit dahin. Der Strom führt Balken, Flaschen, Kanister, tote Tiere mit. Wo er den Drahtverhau erreicht, setzt sich in Gürteln eine kleine Wasserpflanze an, deren zartgrüne Oberfläche durch angeperlte Luft versilbert wird. Es ist die amerikanische Azolla, die zu den Wasserfarnen zählt und bei uns an manchen Stellen in Massen verwilderte. Im Freien begegne ich ihr in Deutschland zum ersten Mal.
Zuweilen treiben auch Pontons und große Brückenteile den Strom hinab und ziehen von beiden Ufern lebhaftes Feuer an. Man merkt, daß in der Gegend an Waffen nicht Mangel herrscht. Wenn man sich auf der Erde auch sorglos zeigen darf, sind doch das Wasser und die Luft tabu.
Verschiedene Bunker vor dem Hochwasserdamm sind fast abgeschnitten und drohen zu versaufen, wenn das Wasser weiter steigt. Ich halte daher Floßsäcke und Schlauchboote bereit. Auch bauen die Pioniere Laufstege, die freilich den Nachteil haben, daß sie von drüben einzusehen sind. Sie werden daher mit Schilf getarnt. Ich benutze die Gelegenheit, mir beim Pionierdepot Schnittholz zu bestellen, da ich mir eine Hütte als Einsiedelei erbauen lassen will. Man muß sich einrichten.

(aus: Ernst Jünger – Gärten und Strassen [Sämtliche Werke, 1. Abteilung, Tagebücher Bd. 2 – Strahlungen I])

Rheinzitat

“Der Rhein is lang” (Freddy Schenk in der Tatort-Folge “Bermuda”)

Randnotiz (2)

Es müssen in einem Rheinepos neben den schönsten kenternden Kanutinnen (welche nachher auf Kenterschoppendionysien zu großen Worten und gern überrheinischer Strahlkraft auflaufen dürfen) natürlich auch Sprayer vorkommen, die gesamte Rheinschiene ist ja heuer besprayt, und so werden es wohl zwei drei vier Jungs sein müssen mit zackigen Bindestrichnamen (A-dam, B-boy, C-C, D-Bill – wird schon noch zackiger gehen…), nachts, die dann völlig abkapuzt oder zumindest unter irgendwelchen so und so rum aufgesetzten Käppis ihre leuchtenden THC-gestützten Bilder denken, während sie drahtig von Brücken hangeln oder sich von Güterzügen die Schlabberhosen schrabben lassen, ihre deformierten Blähstaben und knalligen Fabelfiguren da anbringen auf großflächigem Nachtssindallemauerngrau. Sie sind flink aufn Beinen (tragen immer den angesagtesten Turnschuh), aber die Treibgase der Normfarbdosen sind in den zum Dosenstehlen vorgesehenen Regalen von Mitarbeitern der Heimwerkerbedarfsgroßmärkte in geheimer Absprache mit städtischen Sprayerjägern (z.B. im gesamten Bonner Raum) mit einigem Unerlaubtem, das die Sprayer ein bißchen doof macht und sowieso Minisendern zur Ortung (im Dosenboden bzw den Klimperkugeln) versetzt, weswegen sie, dieweil sie sich an der Westseite des Lärmschutzwalls zu schaffen machen, noch bevor sie überhaupt raffen, daß der auch eine Ostseite besitzt, die von den Ausflugsschiffen her z.B. viel besser wahrgenommen würde (oder man müßte sich das alles halt ersma spiegelverkehrt vorstellen, also von der anderen Rheinseite aus, sodaß Drachenfels und Rolandsbogen übernacht die Plätze tauschten – was sie ja auch tun an bestimmten Tagen, deren Quersumme eine Primzahl ergibt), bevor die artists also in die nächste Stunde langen mit ihren spritzenden Armen, werden sie umstellt von ziemlich dicken Spezialkräften der Stadtverwaltung (in schwarzen Stadtverwaltungsblousons mit feisten Logos drauf), deren Motive jedoch keineswegs im Vorsjugendgerichtbringen oder gar Rückvergrauen der Lärmschutzwände bestehen, sondern schlicht und archaisch im Ausüben alttestamentarischer Racheformen, weswegen sie die Sprayer, dh deren Körper, unter befriedigten Lautäußerungen und handwerklich garnicht mal so schlecht, denn sie haben sogar in ihrer Freizeit unten im Hobbykeller geübt, von unten bis oben und wieder zurück mit städtischem Restlack besprayen, im Dunkeln, weswegen sie den ein oder andern Sohn oder Neffen auch erstmal garnicht erkennen, denen noch ein paar Verwaltungsparagrafen „ins face taggen“, das müßte nicht zwingend Bonn sein, das könnte fast überall spielen, als zeitgenössische Anwendung altgriechisch-trojanischer und nibelungischer Vorgaben.

Gorrh (8)

Aus Gorrhs raren Aufzeichnungen ein Tagebucheintrag (undatiert, keine Ortsangabe). Der Text fand sich im Besitz eines seiner Opfer und wird aktuell für die Gorrh-Archive präpariert:

Ich lag auf der Straße – im Computerspiel Rhenish Dreams – und ließ, Blick in den Himmel, mein Leben Revue passieren; als nahezu nahtlose Ergänzung zweier quarkfarbener Mittelstreifen lag ich da, dichter Verkehr, wie er uns immer schon vorausgesagt war. Es gab ja mehrere Leben: zu verbrauchen, mit Verdienstpunkten anzuschwellen, ich hatte mich in diesem zum Abliegen entschlossen (zumindest hatte ich davon auszugehen, daß es meine Entscheidung war, denn derjenige, der mich als Spielfigur betätigte, war mir scheints seit längerem abhanden gekommen und hätte, als schwäbisch-protestantischer Ingenieur, eine solche Meditationsfase auch kaum zugelassen). Das Asfaltband zog sich, von Jugend an gewöhnt: dünne gleichgültige Spur, deren Atome, kaum je erregt, in Austausch und Binden begriffen – während die Landschaft jenseits der Seitenstreifen hügelte, grünte, bleichte, flachte und touristische Mätzchen anstellte. Fahrzeuge rasten dadurch, aus den Fahrzeugen brachen, winzige Pünktchen, Menschen hervor und schossen in die Koordinatennetze, die ich aus meinen Spinndrüsen über sie warf. Während ich an den Rändern auspixelte, spürte ich meine unsägliche Erdverbundenheit. Den Blutdurst. Machtwillen. Meine priesterlichen Ambitionen. Orgasmische Energien durchströmten mein zweidimensionales Inneres, das zugleich mein Äußeres war, die Schwerkraft der Szene ließ nach, ich begann (in mir selbst, aber auch in Wahrheit) zu levitieren: zunächst schlugen Fersen (derer ich ziemlich viele besaß), Handballen (ebenfalls einige), Hinterbacken (dito) einen komplexen undeutschen Rhythmus auf die Straße, schon befand ich mich in Höhe der Beeren einer krautig gelösten Böschung, einem ginsterartig gestalteten Gebüsch voller versteckter Würmer und Viren. Ich mußte das alles zerstören oder mich tarnen: meine Superfähigkeiten transformierten mich automatisch in einen Wachtelkönig – aussterbend krexte ich unter den Leitplanken, bis Linie und Gewißheit zurückkehrten. Der Himmel, den ich so lange aus Rückenlage betrachtet hatte, bis sich die gesamte Welt darin wiederfand, befleißigte sich nun leidlich blauend der Wolkenbäusche aus den Kraftwerkschloten und einiger schwarzer Vögel, spielte sozusagen sich selbst in aller verfügbaren Reinheit (über deren relative Verfügbarkeit keinerlei Diskussion aufkam), es galt offenbar, den Sinn des Ganzen zu knacken, „Sinn“: drei Buchstaben auf ein Vierbuchstabenwort verteilt, klanglich ließ sich noch „ins“ assoziieren, aber ins was? Inszenierung? Sicherlich. Hm, mal ein Weilchen drüber nachdenken. Es liegt in meiner Hand. Ich werde die Sprachen wieder abschaffen. G.

Doppeldom

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(Foto: Paz Levinson)

Tod auf dem Rhein

Ludwigshafen entvölkert sich stückerweise, somit drastisch, nach und nach, zumindest in der Schiffsbauer- und Motorrennstallszene, und Kommissarin Odenthal joggt über/durch Pfälzer und badisch Beton`n`Unkraut aus Achtzigerjahreschablonen (Licht: Deutschlands schönstes Aschermittwochsgrau, von unentschiedenen Pastellwerten aufgelockert), aus denen auch die Haarschnitte des Personals rühren, unterfüttert das Ganze von schlaffördernden Kameraeinstellungen, Schnitten, Dialogen, produziert im laufenden Jahr 2010. Der Rhein: dargestellt als pissige Feindseligkeit oder vergrützte Hafenbrühe, befahren von einfältiger, pointenloser Wasserpolizei. Dann jene gesichtszerpickte Leiche („Möwen!“ – obgleich der Kopf nach unten im Schlamm lag: Schlammmöwen womöglich) aus dem Grundkurs Schminken und wieder schwappt da etwas von der Kamera degradiertes im Hintergrund, das in all seiner orkischen Reduziertheit dennoch unmöglich als Deutschlands Schicksalsstrom durchgehen darf. Viel zu pieselig. Würdelos. Klein. Kurz vorm Umschalten ein Umschalten in tiefere (tiefergelegte?) Gedanken, als simple Fragen formuliert: ist das alles etwa Absicht? Gemeint als Reminiszenz an den schlechten Geschmack und seine stilbildenden Ausgeburten unserer Jugendjahre? Gab es ein unausgesprochenes Regieexperiment? Wurde versucht, mit Helmut Kohls ästhetischen Maßstäben zu agieren? Mit David Hasselhoffs? Mit beider? Der Rhein floß schon durch einige Tatortfolgen (Duisburg, Düsseldorf, Köln), ein so abgebracktes Antlitz wie in diesem Ludwigshafen-Hockenheimer zeigte er dabei selten. Ähnlich wie damals die Achtzigerjahre löst sich dieser Tatort schließlich mehr oder weniger von selbst. Und bleibt trotzdem unangenehm hängen.

Panta Rhei (6)

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