Markgräflerland

Tempowechseln unterworfener Blick auf die Landschaft: Zug-, Fuß-, Baum-, Vogel-, Insekten- und Rheingeschwindigkeit. Aus der Zeitung lachen R(h)ein Adams – eine Bryan Adams Coverband. Was soll diesen Tag noch toppen? Im Zug bin ich umgeben von einzeln hervorgestoßenen Lautwolken, der örtliche Dialekt ist ursprünglich gediegener Ruhe verpflichtet, wird er für aufgeregtere Situationen verwendet, gleicht der Anwender schnell einem biomechanischen Blasebalg, der zischende Luftfetzen in die Gegend pumpt: „duweizzschz“, „schaemmemenett“, „pszzblsszufff“. Bald ist das Abteil gefüllt mit diesem dadaistischen Wahnsinn, eine Performance sondergleichen, in die sich auch noch einfältige Mutmaßungen pfälzischer Tageswanderer mischen: drinnen kreist die BILD – draußen buckelt und streckt sich gelassen der Tuniberg hinter wilden Kirschen, Wein, jungem Mais und Spargelkraut. Es tauchen Flecken auf wie Bad Krozingen, Müllheim oder Auggen. In Orten, in denen schon die Namensgebung schiefläuft, steigt man wohl besser garnicht erst aus. Allerdings stören sie auch kaum den luziden, stets sich selbst sublimierenden Anblick des Markgräflerlands mit seinen schrillen kleinen Klatschmohn-Emoticons (und ihrer wunderbaren Korrespondenz mit den signalgeringelten Schloten, drüben im Elsaß). Es sind sanft von Wind und Sonne bestrichene Anblicke, die dunklen Kirschen, drall und prall vor süßem Saft geben die erotischen Sprenkler in einem Tal, das Gott ganz nebenbei während einer wohlgelaunten Mußestunde entworfen haben mag. Die etwas später designte Menschheit mags ihm wiederum bis heut mit zahlreichen Wegkreuzen, Weinbergkapellen, Feldarbeit und Ausflugstätigeiten danken.