Presserückschau (August 2017)

1
Grusel-Schleim
“Ein gelber Schleim löste (…) einen Großeinsatz am Düsseldorfer Rhein aus. Die Feuerwehr rätselte, um was es sich bei der Substanz handeln könne, die kilometerweit am Ufer klebte. Das Landesumweltamt entnahm Proben (…). Jedoch berichtet die „Bild“, dass es sich bei dem Schlamm wahrscheinlich um Motoren-Fett handele. Die bestätigte ein Sprecher des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (…).” (Der Westen)
“Tagelang sorgte eine widerliche Schleim-Brühe am Rheinufer für Aufsehen (…). Lange war unklar, um was es sich bei der klebrigen Masse handelte. Besonders bei Düsseldorf, Dormagen, Monheim und Leverkusen wurde die Substanz angespült. (…) Eine Untersuchung von Proben durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat ergeben: Es ist ein Gemisch verschiedener Fette. Allerdings handelt es sich offenbar nicht um Betriebsfette von Schiffen, sondern um eine Zusammensetzung, die in ganz alltäglichen Produkten vorkommen wie etwa Butter, Olivenöl, Sonnenblumenöl und ähnlichem. Wie die Fettspur ins Wasser gelangen konnte, ist unterdessen noch unbekannt.” (Express)

2
Rhi-Schwumm
“Unter dunklen Gewitterwolken und bei schwüler Hitze haben sich in Basel 4500 Schwimmer in den Rhein gestürzt. Beim 37. Rheinschwimmen ließen sie sich (…) im 21 Grad warmen Wasser knapp zwei Kilometer flussabwärts zur Johanniterbrücke treiben. Blitze und Regen blieben aus und alle Teilnehmer sind unversehrt wieder an Land gekommen, wie die Organisatoren mitteilten.
Das Rheinschwimmen veranstaltet die Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Sie will damit für das Schwimmen in natürlichen Gewässern werben, aber auch auf damit verbundene Gefahren hinweisen.” (Südkurier)

3
Sprung
“Weil sich ein Tankschiff seinem Sportboot bedrohlich näherte, ist ein Angler in den Rhein gesprungen. Der Motor seines Bootes sei (…) in der Nähe von Bingen ausgefallen – ausgerechnet auf Höhe des Tankers, teilte die Wasserschutzpolizei mit. Versuche, den Motor zu starten, scheiterten. Als das Schiff noch rund 20 Meter von ihm entfernt war, ging der Angler von Bord. Ein Tourist am Ufer des Flusses sprang daraufhin mit einem Treibholz in den Rhein. Er habe den total erschöpften Mann gerettet, so die Polizei. Das Boot des Anglers wurde wenig später in einen Hafen gebracht.” (Welt)

4
Canyoning
“Viamala heißt „schlechter Weg“. Für die römischen Legionäre war der „schlechte Weg“ die Alternative zur Brennerroute, um an die nordischen Grenzen ihres Weltreiches zu gelangen. Später versuchten mittelalterliche Kaufleute, ihre Ochsenkarren entlang der steil aufragenden Felsen durch die Schlucht zu bugsieren. Manche stürzten in die Schlucht hinab. Heute nehmen die Reisenden nicht mehr den „schlechten Weg“ durch die Schlucht, sondern die schweizerische Autobahn A13. Manche fahren in Thusis-Süd ab und machen einen Zwischenstopp an der Aussichtsplattform, die an einer der spektakulärsten Stellen der Viamala hoch über dem Hinterrhein liegt. Wer an diesem sonnigen Sommermorgen hinabblickt in die Schlucht, sieht sechs Gestalten in Neoprenanzügen, die auf steilen Treppenstufen zum Fluss hinabsteigen. Von oben ist kaum vorstellbar, dass sich Sportler tatsächlich gefahrlos in das sprudelnde Wasser begeben können. Tatsächlich gehört die Viamala-Schlucht zu jenen Stellen in den Alpen, an denen Outdoor-Anbieter Canyoning-Touren veranstalten.” (Schwäbische)

5
Jahrmillionen
“Bis der Rhein seine heutige Fließrichtung gefunden hat, vergehen Millionen von Jahren. (…) Gemessen am Alter der Erde formt die geologische Erdneuzeit nur eine bescheidene Zeitspanne von rund 60 Millionen Jahren. Doch gerade in der jüngsten Tertiärstufe, vor etwa zehn Millionen Jahren, nahmen unsere umgebenden Gebirge, die Alpen, der Tafeljura, Kaiserstuhl und Hegauvulkane Gestalt an. Zwischen den ursprünglich zusammenhängenden Vogesen und dem Schwarzwald brach der Oberrheingraben ein. Erst danach veränderten sich die alten Flusssysteme mehrmals. Es bildeten sich unsere Flüsse in der heutigen Fließrichtung (…). Im Quartär überzogen vier Kaltzeiten weite Teile Europas. Sie modellierten durch Gewicht und Druck die unter dem Eis liegenden Landschaften. Die eisfreien Zonen wurden durch Regen und Schmelzwässer gestaltet und Stürme formten die heutigen Lössgebiete. Die Maximalvereisung der Risskaltzeit (etwa 340 000 bis 130 000 Jahre vor heute) brachte den riesigen Rhein-Aare-Gletscher von den Alpen bis in die Gegend von Möhlin, zwölf Kilometer unterhalb Bad Säckingen, wo die äußersten Moränen nachgewiesen wurden. (…) Der aus dem abtauenden Gletscher abströmende Fluss (Rhein) querte das Stadenhauser Feld nach Westen und floss durch das heutige Laufenburg/AG südlich der heutigen SBB-Linie ab.”
(Südkurier)

6
Fiktive Stadt
“Oberucken, ein idyllisches Städtchen, liegt im Herzen des Rhein-Sieg-Kreises zwischen Niederkassel und Sankt Augustin.
(…) Doch wer Oberucken sucht, wird es nicht finden: Die fiktive Stadt am Rhein steht lediglich im Zentrum einer gleichnamigen Comedy-Serie. Die handelt von der fettleibigen Witwe Adelheid und ihrem Lebensgefährten Bernd, der seit einem „Arbeitsunfall“ außerhalb der Arbeit frühverrentet ist. Die beiden werden auf eine harte Probe gestellt, nachdem Adelheids Schwester und Schwager bei einem Hausbrand versterben und ihr Neffe Niklas bei ihnen einzieht. Die Serie ist eine sogenannte Mockumentary, also eine offensive Karikatur der klassischen Dokumentation.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

7
Tinker Belles
“Rund 500 Tinker aus Irland sind aktuell in NRW unterwegs. Erst waren sie in Kevelaer, dann in Neuss. (…) Die irischen Landarbeiter aus Irland campen ohne Genehmigung mit ihren Caravans nahe der Rheinkniebrücke. Knapp bekleidete junge Mädchen und ihre Luxuskarossen sorgen für Aufsehen. Erlaubt ist das nicht.” (Der Westen)

8
Kindertheater
“Am (…) 1. Oktober 2017 (…) bringt das pappmobil Kindertheater das Theaterstück “Bin im Bett! Vater Rhein” auf die Bühne des Kindertheaters in Wanne Eickel (…). Vater Rhein selber beauftragt den Theaterdiener, die herrlichen Geschichten von den Ufern des größten deutschen Flusses zu erzählen.” (halloherne)

9
Rheintote
“Ein neun Jahre altes Mädchen ist (…) bei Duisburg in den Rhein gerutscht und untergegangen. Es sei wenig später in einem Krankenhaus gestorben, teilte die Polizei mit. Das Mädchen war mit seiner 35-jährigen Mutter und seinem sechs Jahre alten Bruder am Rheinufer unterwegs. Die Neunjährige saß den Angaben nach bei Friemersheim auf einem Stein und rutschte plötzlich ins Wasser.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Beim Baggern im Rhein machten Arbeiter in Rees (…) einen gruseligen Fund. Sie zogen einen menschlichen Oberkörper aus dem Wasser! Die Arbeiten fanden in einem mit dem Rhein verbundenen Baggerloch statt, als plötzlich der stark verweste Oberkörper auftauchte. Wohl weil die Leiche wohl schon länger im Rhein trieb, waren Unterkörper und Arme abgefallen, nur Torso und Kopf sind übrig. Die Identität der Leiche ist noch ungeklärt, genauso das Geschlecht. Die Kriminalpolizei Kleve hat Ermittlungen eingeleitet, die menschlichen Überreste werden zeitnah obduziert.” (Der Westen)

Rheinzander

Während unseres Aufenthalts in Istanbul ließen sich auf der Galatabrücke Tag für Tag mehr Angler erblicken, als wir, die letzten 30 Jahren zusammengenommen, am Rhein je ausmachen konnten. Vielleicht täuschte das Erscheinungsbild ein wenig – bei einem Verhältnis von einem halben Brückenkilometer über das Goldene Horn zu rund 1230 Flußkilometern herrscht am Rhein eine ungleich stärkere Ausdünnung als in Istanbul, einer extrem bevölkerten Stadt, in der der Anblick Schulter an Schulter stehender Brückenangler zur touristisch bestaunten Folklore gehört. Gehen die Istanbuler Angler vornehmlich auf Sardinen (ihre Schnüre sind in der Regel mit acht Haken bestückt, damit sich das Auswerfen überhaupt lohnt), wird am Rhein gerne nachts und an weniger urbanen Stellen nach Zandern geangelt. Das erfuhren wir im Anschluß an eine unserer Rhein-Meditationen.

rheinzanderUnser Gewährsmann mit einem imposanten, bei Rees an Land gezogenen Zander

Die größten Exemplare werden bis zu einem Meter lang. Wegen ihres festen, wohlschmeckenden Fleisches und der wenigen Gräten zählen Zander zu den beliebtesten Speisefischen aus dem Rhein. Wikipedia gelten sie als vorsichtige Naturen. Ein Rheinangler berichtet:

“Nachts werden die Zander etwas übermutig und trauen sich auch ins flache Wasser. Da kann es vorkommen, dass sehr große Fische einen halben Meter vor meinen Füßen, direkt an der Buhne beißen. Wenn man mal den Bogen raus hat, ist es nicht so wahnsinnig schwer einen Zander zu überlisten.
Im Schnitt fange ich einen Zander pro Angelausflug. So ein Ausflug dauert sechs bis acht Stunden. Manchmal fange ich nichts, dafür ein andermal zwei oder drei an einem Tag. Ich sitze ja auch gerne nur und starre auf’s Wasser. Dann läßt sich nichts fangen, weil der Köder aktiv mit der Spinnrute geführt werden muss. Der Fisch steht bei mir gar nicht so sehr im Mittelpunkt. Ich brauche die Ruhe am Rhein.
Zander beißen meist sehr beherzt zu, es geht dann ein ordentlicher Ruck durch die Rute, weil sich die geflochtene Schnur nicht dehnt. Mit geflochtener Schnur angelt man, weil sich mit ihr der Rheingrund ertasten lässt und auch schwächere Attacken, bei denen der Fisch nicht richtig zubeißt, zu spüren sind. Fangstellen sind bevorzugt kieselig und tief. Sandbuchten eignen sich nicht so sehr. Der bebleite Gummifisch wird über den Grund gezupft und wenn man Glück hat, macht es beim zigsten Wurf „Peng“. Das ist dann immer sehr gut für den Adrenalinspiegel.
Allerdings haben Zander nicht viel Kraft, ein Hecht oder eine Barbe können stärker kämpfen. Selbst ein großer Zander kann nach drei bis vier Minuten nicht mehr. Ich drille allerdings auch immer sehr hart, um dem Fisch diese Tortur nicht lange zumuten zu müssen.
Als Fänger eines “maßigen Fisches” (bei Rheinzandern ab 40 Zentimetern) bin ich gesetzlich verpflichtet, den Fisch mitzunehmen. Angeblich rauben große Zander zuviel. Hinter der Grenze in den Niederlanden lautet die Gesetzgebung gleich wieder anders.”

Presserückschau (Dezember 2015)

1
Daß unter verschiedenen Umständen Personen- und Lastkraftwagen in den Rhein gesteuert werden, haben wir in dieser Rubrik gelegentlich dokumentiert. Nun meldet der Schweizer Blick den Sturz einer Pferdekutsche in den Rhein bei Weite SG: “Der Fuhrmann war (…) mit seinem Einspänner auf der Naturstrasse dem Rhein entlang in Richtung Sevelen unterwegs (…). Im Bereich einer Holzhütte sei das Fuhrwerk auf mehrere Hunde getroffen, die sich jedoch ruhig verhalten hätten. Trotzdem sei das Zugpferd erschrocken und habe versucht, Kehrt zu machen. Dabei sei es rückwärts gestolpert und schliesslich mitsamt der Kutsche die Steinböschung hinunter ins Wasser gestürzt. Der Kutscher, der sich mit einem Sprung gerettet hatte, sei dem Gespann sofort hinterher geeilt und habe das Pferd aus der Beschirrung befreit. Das Tier habe sich in der Folge auf eine nahe gelegene Sandbank begeben, von wo es schliesslich wieder habe auf den Weg zurückgebracht werden können. (…) Die Kutsche habe durch einen Abschleppdienst aus dem Rhein geborgen werden müssen.” Der Klassiker ereignete sich kurz darauf in Remagen, wo sich ein Auto selbständig in Richtung Rhein auf den Weg begab, wie der Radiosender RPR1 vermeldet: “Nach rund 200 Metern versank der Wagen in den Fluten. Menschen befanden sich nicht im Auto. Ein Zeugin hatte den Vorfall an Heiligabend beobachtet und die Feuerwehr gerufen. Die hat das Auto inzwischen geborgen. Warum sich der Wagen selbständig machte, muss noch geklärt werden.”

2
Nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern der Universität Basel gehört der Rhein zu den weltweit am stärksten mit Plastikteilchen verunreinigten Gewässern. Da kaum ein Unternehmen Umweltverschmutzungen freiwillig zugebe, stünde nun an herauszufinden, woher die Kontaminationen stammten. Der Kölner Stadt-Anzeiger summiert: “Der Rhein sei der erste große Meereszufluss, der auf Plastikabfall untersucht wurde (…). (Im Artikelverlauf wird von vorherigen Untersuchungen der Donau auf Plastikpartikel berichtet; Anm. reinsein.) Andere Forschende hätten zuvor Ozeane, Seen und kleinere Flüsse unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler entnahmen bis zur Rheinmündung nahe Rotterdam an elf Standorten insgesamt 31 Proben an der Flussoberfläche. Dabei wurde Mikroplastik in einer durchschnittlichen Konzentration von 892 777 Partikeln pro Quadratkilometer gefunden. Zwischen Basel und Mainz waren es 202 900 Partikel. In der Gegend um Köln 714 053 und im Rhein-Ruhr-Raum im Mittel 2,3 Millionen Partikel. Der Spitzenwert von 3,9 Millionen Partikeln pro Quadratkilometer wurde in Rees gemessen, rund 15 Kilometer vor der niederländischen Grenze. Weiter meerwärts sanken die Mikroplastik-Werte wieder.”

3
“Eine Leiche am Rheinboulevard, eine möglicherweise Verdächtige, die in einem Penthouse unmittelbar am Deutschen Sport- und Olympia-Museum wohnt, eine Mittagspause mit Blick auf den Rhein und Kamera-Flüge über die Kranhäuser: Im Kölner „Tatort“ (…) ist der Rhein rein optisch ein Hauptdarsteller. Die Dreharbeiten für die aktuelle Folge „Benutzt“ fanden bereits im Oktober/November 2014 statt – also weit vor der offiziellen Eröffnung der Freitreppe des Rheinboulevards am 13. Juli dieses Jahres. Die Baustelle rings herum ist trotz der Dunkelheit während der Szene, in der Ballauf und Schenk die angespülte Leiche des Unternehmers Martin Lessnik begutachten, gut zu erkennen. Auch das Geländer ist noch nicht in seinem heutigen Zustand und wirkt wie ein Provisorium. Bei einem weiteren Besuch des Leichenfundorts, diesmal bei Tage, sind eindeutig die Bauarbeiten zu hören, es wirkt sogar, als ob sich Bauarbeiter etwas zurufen, ganz so, als ob sie sich nicht von den Dreharbeiten des „Tatort“-Teams stören ließen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Der Rhein in Wien: “Ihre „Weihnachtskonzerte“ (…) widmeten die Wiener Symphoniker diesmal ganz dem Rhein, und zwar in seinen romantischen Facetten. Zunächst beschwor man die subjektive Liebe zum Gewässer mit Robert Schumanns Dritter Symphonie in Es-Dur, sodann mit drei Ausschnitten aus Richard Wagners „Götterdämmerung“ sozusagen die mythologische Rolle des längsten deutschen Flusses. Die, chronologisch gesehen, letzte der vier Symphonien Schumanns, die sogenannte „Rheinische“, spiegelt die Anziehungskraft wider, die der Strom auf den Komponisten bis zum gescheiterten Selbstmordversuch ausübte. (…) Durchwegs dramatisch gestaltete sich der zweite und weitaus spektakulärere Teil des Abends, wobei man sich die Pointe versagen musste, dass Richard Wagner im ersten Teil seines „Rings des Nibelungen“ den Rhein in derselben Tonart strömen lässt wie Robert Schumann. Stattdessen erklangen „Siegfrieds Rheinfahrt“, „Trauermusik“ und „Schlussszene“ aus der „Götterdämmerung“.” (Die Presse)

5
Über den Brückenschluß der länderverbindenden Trambrücke zwischen Kehl und Strasbourg berichtet Baden Online: “Ein blauer Himmel und frühlingshafte Temperaturen waren (…) ein Grund mehr, um auf die Europabrücke zu gehen. Viele Schaulustige hatten sich dort und auf der Besucherterrasse am deutschen Rheinufer zur Mittagszeit versammelt, um den Brückenschluss der Tram-Brücke genau zu beobachten. Ein Mann mit Rollator und einer Kamera um den Hals ließ sich das Spektakel auch nicht entgehen. (…) Gegen 13 Uhr war es dann soweit: Der Brückenschluss erfolgte. Aber später als erwartet. Die Stadt teilte auf ihrer Homepage mit, dass der Wasserstand des Rheins mit Hilfe des Stauwehrs des französischen Stromversorgers EDF angehoben werden musste, damit das Einschwimmen des zweiten Trambrückenteils überhaupt vonstatten gehen konnte. Um 13.30 Uhr folgte ein weiterer symbolischer Moment: OB Toni Vetrano aus Kehl und Roland Ries aus Straßburg trafen sich mit ihren ersten Beigeordneten Alain Fontanel und Harald Krapp in der Mitte der Tram-Brücke. Nach einem Händedruck nahmen sich die beiden Oberbürgermeister sogar herzlich in den Arm – zwei Städte, die nun enger verbunden sind.”

Presserückschau (August 2015)

1
Anfang August beobachtet die Presse das Niedrigwasser im Rheinland, so der EXPRESS bei Bonn: “„Immer mal wieder taucht bei Niedrigwasser auch Kurioses auf“, so ein Sprecher der Wasserschutzpolizei (…). In Urfeld habe man 2003 sogar einmal ein komplettes Auto an einem Schiffsanleger gefunden. „Zum Glück saß niemand mehr drin“, so der Wasserpolizist. Auch Fahrräder, entsorgte Autobatterien, geknackte Zigarettenautomaten oder aufgebrochene Tresore gab der Rhein schon mehrfach frei.”

2
In Alphen aan den Rijn ist ein Bauteil für die Julianabrücke über den Oude Rijn von einem Schiff gekippt und zog die Baukräne nach sich. Die Großteile stürzten in eine Häuserfront, ein Hund soll bei dem Unglück getötet worden sein, die Meldungen schwanken desweiteren zwischen null und ungefähr zwanzig verletzten Menschen: “Waardoor de kranen omvielen, is nog onduidelijk. De kranen stonden op een drijvend dek en vervoerden samen het brugdeel. Volgens een ooggetuige wiebelde de ponton voordat hij omviel enorm. Een woordvoerder van de Veiligheidsregio zei dat het erop lijkt dat het brugdeel is gaan schuiven en dat daardoor de kranen omvielen.” (Nederlandse Omroep Stichting)

3
Das Rheinschwimmbad in Schwörstadt ist neuerdings durch einen Zaun vom Rhein abgegrenzt – aus Haftungsgründen, wie der SWR in einem dreiminütigen TV-Beitrag berichtet. In den sechzig Jahren seit sie, von ihrer Kindheit an, das Bad besuche, sei dort “noch nie jemand versoffe”, erzählt eine ältere Dame vor der Kamera, andere Badegäste fordern Aufstand und Rabatz, zum wenigsten jedoch ein Drehkreuz mit Haftungshinweisen, um nicht den weitläufigen Zaun umgehen zu müssen. Nach der Badesaison wollen sich die Schwörstädter Gemeindeverantwortlichen intensiver mit der Einzäunung beschäftigen.

4
Auf dem Rhein bei Düsseldorf sind bei einer Frontalkollision elf Menschen verletzt worden: “Die Feuerwehr zählte 230 Menschen an Bord (eines Kreuzfahrtschiffes), davon 180 Passagiere und 50 Besatzungsmitglieder. In der Gegenrichtung war ein mit Mais beladener Frachter unterwegs. Um 10.20 Uhr kam es dann zwischen dem Fähranleger in Langst-Kierst und der Flughafenbrücke zum frontalen Zusammenstoß. Angaben des Frachtschiffführers zufolge soll das Bugstahlruder versagt haben.” (Rheinische Post)

5
Über Szenen, die einem Actionfilm entstammen könnten, berichtet der Sarganserländer in typisch eidgenössischer Diktion: “Bei einem spektakulären Selbstunfall in Mastrils ist eine 25-jährige Lenkerin mit ihrem Auto in den Rhein gestürzt. (…) Die 25-Jährige fuhr von Mastrils kommend in Richtung Tardisbrücke. Auf der Höhe des Restaurant Tardis geriet sie mit ihrem Fahrzeug über den rechten Fahrbahnrand hinaus, steifte einen parkierten Lieferwagen, überquerte die Bushaltestelle und kollidierte mit einem Fahnenmasten. Von dort stürzte der Personenwagen die Rheinböschung hinunter, prallte auf das Rheinufer, worauf es das Fahrzeug überschlug und im Wasser auf dem Dach liegend zum Stillstand kam. Die Lenkerin, welche alleine im Fahrzeug sass, konnte den Unfallwagen verlassen. Glücklicherweise hörte ein Anwohner den Unfall, eilte zu Hilfe und konnte die Verunfallte aus dem Wasser ziehen.”

6
Noch mehr Presseaufmerksamkeit als bei seinem Abgang vor rund zwei Jahren erfuhr die Bergung eines Polizeiautos, das bei einer Personenkontrolle aufgrund loser Handbremse in den Rhein bei Bad Säckingen gerollt, untergegangen und von Polizeisuchtrupps nicht geortet werden konnte. Ein Schweizer Hobbytaucher, der das Fahrzeug an einer tiefen Rheinstelle bei Mumpf ausmachte und die deutsche Polizei informierte, soll am Telefon zunächst abgewiesen worden sein, bis er die Beamten auf Umweltschäden, die vom Wrack ausgehen könnten, aufmerksam machte. Über die Bergungsaktion berichtet das Boulevardblatt Blick: “Das versunkene deutsche Polizeiauto ist endlich gehoben – mit enormem Aufwand. Rund 50 Pontoniere des Schweizer Militärs mussten bei Mumpf AG mit einer Schwimmbrücke aushelfen. Daneben: ein Dutzend deutsche Polizisten. Unter Wasser: deren Taucher. Die Aktion war ein Kraftakt. Erst nach sechs Stunden hing das Wrack am Haken, landete endlich auf dem Trockenen. Die Deutschen wollten ihren Streifenwagen nicht lange begutachten und schickten ihn umgehend zum Verschrotten.”

7
Als Jahrhundertwerk feiert die WAZ in einem enthusiastischen Artikel die neue Reeser Flutmulde: “Fast sah es aus wie in Papenburg, wenn ein Kreuzfahrtschiff die Meyer-Werft verlässt. Die Köln-Düsseldorfer RheinFantasie, immerhin 85 Meter lang und 14 Meter breit, fuhr in die Flutmulde ein. Nur das Freideck war noch vom Reeser Ufer aus hinter dem Deich zu erkennen. Währenddessen näherte sich von der anderen Seite die Fähre einem über die Flutmulde gespannten schwarz-rot-goldenen Band. An Bord zum Festakt viel Prominenz, Minister, Staatssekretär, Bürgermeister, Verantwortliche der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und Gäste.”

Presserückschau (Februar 2015)

1
Mensch vs. Tier: “Im Kampf gegen die Mücken am Oberrhein wollen die Schnakenjäger demnächst auch eine ferngesteuerte “Drohne” einsetzen – wenn die Behörden grünes Licht geben. Das Fluggerät solle bei der Bekämpfung auf kleineren Flächen wie Regenrückhaltebecken verwendet werden und in diesen Fällen Flüge mit dem Hubschrauber überflüssig machen.” (morgenweb.de) Allerdings steht die Bewilligung noch aus: laut behördlichen Vorschriften dürfen Drohnen nicht schwerer als 25 Kilogramm sein. Die Kabs (Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) möchte jedoch ein Fluggerät einsetzen, das 60 Kilo Kampfmittel tragen kann.

2
Mensch vs. Tier (2): Unter der boulevarddadaistischen Überschrift “Ein neues WALzeichen fürs Revier” berichtet BILD von einer geplanten Skulptur, die rund 50 Jahre nach seinem Besuch an den Belugawal im Rhein erinnern soll und ergeht sich in weiteren Wortspielen: “Walkommen, Rhineheart: Dem weißen Wal, der 1966 vor den Ufern Duisburgs gesichtet worden war, will der Oberhausener Künstler Jörg Mazur jetzt ein Denkmal setzen.” Die Aufstellung der Stahlskulptur soll via Crowdfunding finanziell abgesichert werden und laut Mazur daran erinnern, daß das Auftauchen des Wals das Umweltschutzgesetz zur Renaturierung des Rheins ausgelöst habe: “Reinhart heißt nicht nur mein Vater, es bedeutet auch ,weiser Ratgeber‘ – und auf englisch wird es zum Herzen des Rheins…”

3
Abyss: “Von der Rheinbrücke bei Rees sind zwei junge Leute (…) in die Tiefe gestürzt. Sie hatten Glück: Beide landeten nicht im Fluss, sondern etwa vier Meter tiefer auf einem Vorsprung. Die jungen Leute mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. (…) Zum genauen Unfallhergang konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.”(Rheinische Post)

4
Noch ein Sturz: “Auf einem Tankschiff im Rhein ist (…) der Kapitän ums Leben gekommen. (…) Der 54-Jährige war in einen drei Meter tiefen Tank gestürzt, der Benzol enthalten hatte. Das Schiff lag in Höhe des Worringer Hafens vor Anker.” (Kölner Stadt-Anzeiger) Unklar war zunächst, ob der Niederländer an den Sturzfolgen oder an Giftdämpfen gestorben ist. In einer ersten Meldung hatte es geheißen, das Schiff sei bei Dormagen auf dem Rhein getrieben.

5
Mensch vs. Tier (3): “Platzverweis für Tiger in Not” war eine Woche vor Beginn des Straßenkarnevals eine Kölner Polizeimeldung überschrieben, die das Boulevardblatt EXPRESS als Steilvorlage aufnahm: “Über Notruf 110 wurde (…) ein hilfloser Tiger am Rheinufer gemeldet. Erwartungsvoll und mit Unterstützung der Feuerwehr näherten sich die Polizisten vorsichtig dem Einsatzort. Doch statt tierischer Laute klang betrunkenes Rufen entgegen… (…) Ein Jeck im Tigerkostüm hatte nachts auf seiner Trommel gespielt, als plötzlich ein Drumstick den Abflug machte. Katzenartig sprang er hinterher, kam aber die Böschung nicht wieder hochgekraxelt. Um sein Kiesbett herum strömte der Rhein. (…) Der Tiger soll nicht gefaucht haben…”

6
Maximallängentourismus: “Flusskreuzfahrten im „Fünf-Sterne Segment“ bietet laut Duisburg-Marketing (DMG) der Anbieter Scenic Cruises, der ausschließlich Gäste aus dem angelsächsischen Sprachgebiet (Australien, Kanada, USA, Großbritannien) an Bord habet. Die luxuriösen Schiffen tragen allesamt Namen von Edelsteinen (Jewel, Pearl, Diamond oder Jade) und sind 15 Tage auf der „Romantic Rhine & Moselle River Cruise“ von der Schweiz bis nach Amsterdam und entgegengesetzt auf Tour. Die Schiffe für die Kreuzfahrt auf Rhein und Mosel sind zwischen 2009 und 2015 erbaut worden, jeweils 135 Meter lang (die erlaubte Maximallänge auf dem Rhein) und haben drei Decks, zudem Lounges, Bars und Restaurants. Die Schiffe bieten 169 Passagieren Platz – viel Platz.” (Der Westen)

7
Kein Zustand: “Der Oberbürgermeister von Bingen Thomas Feser spricht sich für den Bau einer weiteren Rheinbrücke aus. Diese soll Bingen mit Rüdesheim verbinden. Feser reagiert damit auf das aktuelle Verkehrschaos rund um die Schiersteiner Brücke. Es sei kein Zustand, dass der Rhein im 21. Jahrhundert eine Grenze darstelle, die man nicht überwinden könne. (…) Auch eine Mautbrücke hält Feser nicht für ausgeschlossen. Kritik übte der Binger Oberbürgermeister an Umweltschützern, die sich gegen den Bau aussprechen. Er sei davon überzeugt, dass Flora und Fauna sich sehr schnell auf Veränderungen einstellen könnten.” (SWR)

Presserückschau (Januar 2015)

1
Tödlicher Sturz: Die Presse meldet jährlich etwa 25 Rheintote – damit dürften jedoch nicht alle Fälle erfaßt sein, in denen der Rhein ein Schicksal besiegelt. Einzelne Todesfälle erhalten besondere mediale Aufmerksamkeit, so der Unglücksfall einer jungen Frau, die in der Silvesternacht in Köln über Bord eines Schiffes ging: “Ein Gast, der in der Nacht zum Donnerstag mit Freunden auf dem Partyboot war, (…) erhebt schwere Vorwürfe: „Nach 0.30 Uhr ging es an Bord richtig rund. Neben mir haben sechs Typen auf einen eingetreten, der am Boden lag“, so der Kölner. Der tödliche Sturz ereignete sich um kurz vor 1 Uhr in der Nacht auf Höhe der Kölner Altstadt. An Bord gab es offenbar nicht nur eine Schlägerei: „Überall prügelten Typen aufeinander ein“, so der Augenzeuge. (…) Auch Drogen hätten an Bord eine Rolle gespielt: „Da wurde gekifft ohne Ende“” (Focus)

2
Waghalsiger Sprung: “Ein angeschossenes Wildschwein hat am Wochenende die Innenstadt von Oberwesel unsicher gemacht. Es wurde am Bahnhof und auf dem Marktplatz gesehen. Viele Passanten hatten nach Polizeiangaben den Notruf gewählt. Grund für die Flucht des Keilers könnte eine in der Nähe stattgefundene Treibjagd gewesen sein. Die Jäger waren dem Tier auf den Fersen bis es sich zu einem waghalsigen Sprung in den Rhein entschloss und ihn durchschwamm. Nach Polizeiangaben konnte das Tier den Jägern entkommen.” (SWR)

3
Russisch-orthodoxes Ritual: “Es ist eine Tradition in der russisch-orthodoxen Kirche: Zum Epiphania-Fest segnen Geistliche die Gewässer in ihrer Umgebung. In Bonn ist das natürlich der Rhein. Erstmals nahm Erzpriester Sokratis Ntallis von der orthodoxen Gemeinde in Limperich diese Segnung (…) auf der “Rheinnixe” vor. (…) Zuvor (…) hatte Ntallis die Göttliche Liturgie zelebriert. Dann wurde nahe des Beueler Fähranlegers, wo sich viele Gemeindemitglieder und Zuschauer eingefunden hatten, eine Segensfeier nach orthodoxer Tradition auf dem Oberdeck zelebriert. Am Ende warf (…) der Erzpriester (…) ein an einem Seil befestigtes Kreuz in den Rhein, das er anschließend wieder aus dem Wasser zog. Dieses Ritual erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und an die Bedeutung von Flüssen als Teil der lebendigen Schöpfung. (…) “Den Fluss zu segnen, bedeutet, alle zu segnen, die auf ihm unterwegs sind, aus welchen Gründen auch immer.”" (General-Anzeiger)

4
Massenkentern: Bei Wiesbaden findet im Januar eine traditionelle Rudersternfahrt statt. Bei stürmischem Wetter kenterten dieses Jahr sechs Boote mit jeweils fünf Insassen, die im Rhein zu verschwinden drohten. Der Hessische Rundfunk berichtet: “Auf dem Rückweg des gemütlichen Treffens mit gemeinsamem Eieressen bei Glühwein und Kinderpunsch im Mainzer Stadtteil Weisenau kenterten am Nachmittag bei Wiesbaden mehrere Boote. (…) Im Vereinsheim der Biebricher Rudersportler kümmerten sich Ärzte und Sanitäter um die frierenden Geretteten. Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden sieben Insassen der gekenterten Boote verletzt, zwei müssen demnach wegen Unterkühlung im Krankenhaus behandelt werden. (…) Als die Ruderer sich in Weisenau auf den Rückweg machten, sei es zwar windig, aber nicht bedenklich gewesen. (…) Die äußerst heftigen Böen und hohen Wellen, die später die Boote zum Kippen brachten, seien völlig überraschend gekommen. (…) Es sei auch nicht übermäßig viel Glühwein getrunken worden. Laut den Statuten gilt beim Rudern genauso wie beim Autofahren eine Grenze von 0,5 Promille Alkohol.”

5
Kalkars Flutmulde: “Gerade ist noch ein Schiff in die Flutmulden-Baustelle eingefahren, um ein paar schwere Steine abzuladen, mit denen der Bereich befestigt werden soll. Jetzt ist allerdings erst einmal Pause auf der Riesen-Baustelle am Rhein. Wegen des Hochwassers kann auf Reeserschanz erst einmal nicht mehr gearbeitet werden. (…) Wie berichtet, wird direkt gegenüber der Reeser Promenade ein riesiger Bypass für den Rhein angelegt. Dieser kilometerlange Kanal hat allerdings im oberen Teil nur bei einem gewissen Wasserstand eine direkte Verbindung zum Rhein. Ziel ist nämlich, dass bei Hochwasser die Schwelle zur Flutmulde überspült wird, so dass es einen Parallel-Kanal zum Strom gibt. Dadurch wird der Druck auf den Rheinboden und die Stadtmauer Rees gemindert. Aktuell ist die Schwelle um 2,50 Meter überflutet: Die Flutmulde ist also “angesprungen”", berichtet die Rheinische Post. Das schöne Wort “Flutmulde” war uns bis dato gänzlich unbekannt. Der erwähnte “Bypass” soll eine Länge von rund drei Kilometern bei 130 bis 180 Metern Breite erreichen.

6
Holzbrücke für Köln: “Sie könnte eine Top-Attraktion für die Stadt sein: Eine rund 430 Meter lange Holzbrücke verbindet den Rheinauhafen mit dem rechten Rheinufer. Hoch über dem Fluss schwingt sich elegant und schlank eine Holzkonstruktion mit rekordverdächtiger Länge. Was für viele schwer vorstellbar ist, ist technisch möglich, wie die 24-jährige Kölnerin Stefanie Gorgels bewiesen hat. Für ihre Abschlussarbeit als Ingenieurin an der Fachhochschule hat sie eine „Spannbandbrücke“ für Fußgänger und Radfahrer entworfen und berechnet. Geschätzte Baukosten: 3,4 bis 4 Millionen Euro.” (Kölner Stadt-Anzeiger) Die Brückenplanung greift eine Idee aus Albert Speers städtebaulichem Masterplan für Kölns auf, den Rhein mit zwei weiteren Brücken zum absoluten Zentrum der Stadt aufzuwerten. Ob der Plan jemals umgesetzt wird, bleibt allerdings fraglich.

Presserückschau (November 2014)

1
Gefährliches Angeln: Beim Nachtangeln im Rhein verschwunden ist Anfang des Monats ein Mann in Bonn wie der General-Anzeiger berichtet: “Auf den glitschigen Steinen einer Buhne ist ein 37-jähriger Angler in der Nacht gegen 2 Uhr ausgerutscht und in den Rhein gefallen. Sein Begleiter hatte noch versucht, den Mann aus dem Wasser zu ziehen – ohne Erfolg. Der Nichtschwimmer trieb im Rhein ab. Trotz der Suche mit Booten, am Ufer und mit einer Wärmebildkamera konnte der Mann bisher nicht gefunden werden.”

2
Karneval und Internet: Der Auslandssender Deutsche Welle berichtet vom Hauptereignis des Novembers an der rheinischen Heimatfront: “Jedes Jahr wird am 11.11. um 11 Uhr 11 der Karneval eingeläutet, der im Februar beim Straßenkarneval seinen Höhepunkt hat. Den größten Andrang hat die Party im karnevalsverrückten Köln. Bei milden Temperaturen haben sich auf dem Heumarkt in der Kölner Altstadt gut 70.000 Jecke eingefunden (…). Das Motto in diesem Jahr lautet “social jeck – kunterbunt vernetzt” und zeigt, dass Internet und soziale Medien nun auch im traditionellen Kölner Karneval angekommen sind. (…) Auch Düsseldorf startet mit einem großen Fest in die Session: Auf dem Marktplatz feiert das närrische Volk das Erwachen des Erzschelms “Hoppeditz”. Der klettert aus einem Fass und hält den Düsseldorfern eine bitterböse Eröffnungsrede. (…) In Mainz hat der traditionelle “Mainzer Carneval-Verein” (MCV) das närrische Grundgesetz verkündet. Tausende Karnevalisten konnten den Sternenmarsch der Garden verfolgen, sowie das Auftauchen der “Schwellköpp”, die Figuren mit den riesigen Köpfen, die zum Wahrzeichen des Mainzer Karnevals geworden sind.”

3
Süßer Rhein: Der SWR meldet die Essenz der Forschungsergebnisse von Andreas Fath, der im verstrichenen Sommer als einer von zwei Rheindurchschwimmern für Schlagzeilen gesorgt hatte. Auf seinem 28-tägigen Schwimmtrip hatte der Chemieprofessor, begleitet von einem Tross Studenten, Wasserproben aus dem Rhein entnommen: “Neben vielen mikroskopisch kleinen Kunststoffen fand er Arzneimittel und vor allem – das überraschte ihn selbst – Süßstoffe. (…) Tagtäglich nahmen die Forscher Wasserproben und untersuchten den Rhein auf insgesamt 600 unterschiedliche Stoffe. Ergebnis: Auch Kupfer, Blei, Titan oder Chrom schwimmen im Rhein herum, allerdings wurden stets sogar die Trinkwassergrenzwerte unterschritten.”

4
Fischgleichnis und Apokalypse: Von der Wiedereröffnung der Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier berichtet der Volksfreund: “Entstanden ist quasi ein neues kleines Museum, das die alte Schatzkammer im Nachhinein wie ein unwirtliches Kabuff erscheinen lässt: (…) Mit dabei Exponate, deren Namensnennung alleine schon reicht, um die Fachwelt in Entzücken zu versetzen: Handschriften wie die Trierer Apokalypse, das 1200 Jahre alte Evangeliar aus der Trierer Abtei St. Maria ad Martyres (das erstaunliche Parallelen zum Dubliner Book of Kells aufweist), das Mainzer Catholicon, der weltweit einmalige Fischkalender aus der Zeit um 1493, Originalhandschriften von Nikolaus Cusanus, Friedrich Spee, Johann Wolfgang von Goethe und Karl Marx.”

5
Die Schweiz beendet den Kalten Krieg am Rhein: “Switzerland has disarmed the last bridge over the Rhine river on its border with Germany, removing the last defensive traps built to stop an invasion by Communist armies during the Cold War (…). The Swiss army had since the 70s planted explosives under all large bridges over the Rhine that connect it with Germany in case its neighbour fell to armies of the Warsaw pact (…). The last bridge was disarmed on October 16. It was a historical wooden structure connecting the Swiss town of Stein with Bad Saeckingen in Germany. As late as 2005, the army hid TNT in a new motorway bridge connecting the neighbouring countries without knowledge of German authorities (…).” (Europe Online)

6
Tierische Invasion: “In Flüssen wie zum Beispiel dem Rhein leben eine Menge Tierarten, die da eigentlich gar nicht hingehören. Zum Beispiel bestimmte Fische, Muscheln, Schnecken oder Krebse. Sie alle kamen dort bis vor einigen Jahren noch überhaupt nicht vor. Die Tiere stammen aus anderen, oft fernen Ländern. Fast jeden Tag landen neue, fremde Tierarten im Wasser des Rheins”, schreibt die Thüringer Allgemeine und eröffnet damit ein Szenario von Pi mal Daumen 300 neuen Arten pro Jahr, von denen der Artikel halbwegs konkret allerdings nur die länger schon bekannten Grundeln aus dem ponto-kaspischen Raum nennt. Zahlreiche Arten, die häufig in Wassertanks von Schiffen eingeführt würden, überlebten die neue Umgebung nicht, heißt es weiter. Andere Arten brächten Krankheiten, die sich verheerend auf die heimische Fauna auswirkten.

7
Wildschweine vs Intercity: “Ein Intercity der Deutschen Bahn ist (…) bei Budenheim am Rhein mit einer Rotte von Wildschweinen zusammengestoßen. Dabei wurde der Zug so stark beschädigt, dass er nicht mehr weiterfahren konnte (…). Die rund 100 Passagiere mussten ihre Reise mit Taxen und einem Ersatzzug fortsetzen. Durch den Zwischenfall (…) kam es auf der Strecke von Koblenz nach Mainz zu massiven Behinderungen im Bahnverkehr. Verletzt wurde niemand”, meldet die Welt und dürfte dabei geflissentlich den ein oder anderen Verwundeten auf Seiten der Wildschweine übersehen haben.

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Verwaltung vs Deiche: Langsame Verwaltungsarbeit behindert den Deichbau am Niederrhein, berichtet Der Westen: “2014 sollte alles fertig sein, eigentlich – alle Deiche zwischen Düsseldorf und Emmerich stabil, sicher und auf dem technisch neuesten Stand. Die Sanierung der Hochwasserschutzanlagen am Rhein hinkt jedoch mächtig hinterher. 85 Kilometer Deichlinie müssen noch hergerichtet werden, weitere 33 sind noch nicht einmal untersucht. (…) Bei einer Konferenz (…) in Rees hatten Vertreter von Deichverbänden ihrem Ärger Luft gemacht. „Wenn bei uns der Deich bricht, liegt das daran, dass hier 20 Jahre geschlampt und geschlafen wurde“, meinte etwa der Emmericher Deichgräf Herbert Scheers. Allein am Rhein in Nordrhein-Westfalen werden ca. 1,4 Millionen Menschen sowie Sachwerte in Höhe von 125 Milliarden Euro durch Hochwasserschutzanlagen geschützt.”

Presserückschau (August 2014)

Indem die Berichterstattung über die Krisenherde Ukraine, Israel/Gaza und Syrien/Irak das diesjährige Sommerloch stopfte, hatten Flußmonster und Konsorten kaum Chancen auf mediale Öffentlichkeit. Die Meldungen des Augusts handeln von den Erfolgen der beiden Rheindurchschwimmer, alten Straßenkurvennamen und Lachsen, einer rasenden Plattform und einem Wärememodell:

1
Eine 40 Tonnen schwere schwimmende Bauplattform mit zahlreichen Geräten (Hebebock, Generator, Seilwinde) hat sich in Rossboden bei Chur bei starker Strömung aus ihrer Stahlseil-Verankerung gelöst und trat eine unaufhaltsame Reise mit rund 15 Stundenkilometern Richtung Bodensee an: “Auf ihrem Weg zwischen Chur und Hard touchierte sie mehrere Brückenpfeiler. Auf Schweizer Seite kam es laut der St. Galler Kantonspolizei zu fünf Kollisionen. Dabei verlor der Ponton einige Geräte.” (Südostschweiz) Von Passanten erstellte Videos im Netz zeigen wie das 9 mal 15 Meter messende Geschoß die Pfeiler der Vaduzer Holzbrücke ohne Berührung passiert, dafür mit gewaltigem Rumms auf andere Brückenfüße prallt. Die für den Brückenrückbau eingesetzte Plattform erreichte schließlich den Bodensee, wo Seepolizei und Feuerwehr die Bergung einleiten konnten.

2
Die Kehren des San Bernardino-Passes erhalten Namensschilder. Dies berichten einige Schweizer Zeitungen, am ausführlichsten jedoch die Website des Parc Adula: “Wie die Hinterrheiner Häuser alle ihren Namen haben, so von früher her auch die Kehren auf der Passstrasse, welche ehemals für die Existenz der Tal- und Dorfbevölkerung von äusserster Wichtigkeit war. Man musste sich genau darüber verständigen können, wovon man sprach, wenn man zum Beispiel als Ruttner oder Postpferdehalter etwas weiterzuleiten hatte – eine Schwierigkeit auf dem Weg, die Meldung über einen Unfall, ein Unglück. Der Unterhalt der Strasse war gerade im Winter eine grosse Herausforderung, manchmal ein Wagnis. Ein Lawinenunglück ereignete sich im Winter 1939 zwischen dem Obersten und dem Tschensch-Cheer. Der vordere Schlitten der passierenden Pferdepost wurde mitgerissen und verschüttet, der Postillion und ein Pferd verloren beim Unglück ihr Leben. Die herbeieilenden Helfer konnten nur eine Person lebend bergen.”

3
“Zwei schwere Wintersalme, die 1881 oberhalb von Rees gefangen wurden, kamen (…) in Berlin bei der Hochzeit des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., auf den Tisch” schreibt die Rheinische Post in Folge 21 ihrer vorbildlichen Sommerserie “Unser Rhein” mit Geschichten und geschichtlichen Rekursen über den Niederrhein im Großraum Düsseldorf und stromabwärts, in diesem Fall über die Umgestaltung des “Schnellen Brüters Kalkar” zum Vergüngungspark: “Wo Besucher im “Wunderland Kalkar” Achterbahn fahren und Pommes essen, gingen die legendären Rheinfischer bis vor circa 100 Jahren ihrer harten Arbeit nach. Häfen wie Grieth, heute Ortsteil von Kalkar, lebten von Fischerei und Schifffahrt. Der Name Grieth geht zurück auf “Gritt”, was Kies bedeutet. Und eben jene Kiesbänke, die zur Rheinmitte abfallen, waren ideale Fanggebiete für die Fischer, die ihre langen Netze dort leicht auslegen und einholen konnten und meist stattliche Lachse, genannt Salme, aus dem Rhein holten. Auf Stromkilometer 834,6 befand sich eine der besten Lachsfangstellen am Rhein. In Körben mit Eisstücken wurden die schönsten Exemplare an die Herrscherhäuser und Luxushotels in ganz Deutschland geliefert.”

4
“Der Schweizer Extremsportler und „Wasserbotschafter“ Ernst Bromeis hat es geschafft: Innerhalb von 44 Tagen – einschließlich Ruhezeiten – durchschwamm der 46-Jährige den gesamten Rhein. (…) Gestartet war er am 7. Juli im Lago die Dentro am Lukmanierpass (Kanton Graubünden), dem von der Nordsee am weitesten entfernten Punkt des Rheins. Mit seiner Schwimmaktion über 1247 Kilometer warb der Schweizer für die Umsetzung des Menschenrechts auf sauberes Wasser. Im Mai 2012 hatte er einen ersten Versuch nach rund 400 Kilometern aufgegeben – unter anderem weil ihm die seinerzeit niedrigen Wassertemperaturen zu schaffen machten. Zudem erwiesen sich die damaligen Tagesetappen von 40 Kilometer als zu anstrengend.” (Hessische/Niedersächsische Allgemeine)

5
Und auch der zweite Rheinschwimmer, Andreas Fath, hat im August seine letzte Etappe durchschwommen und die Nordsee erreicht: “Bei 17 Grad Wassertemperatur und neun Grad kalter Luft war er (…) zunächst zehn Kilometer bis zum Rotterdamer Hafen geschwommen und dort auf ein Boot der Hafenbehörde umgestiegen. Bei Hoek van Holland legte er dann die letzten fünf Kilometer bis zur Nordsee schwimmend zurück. Ende Juli hatte der 49 Jahre alte Chemieprofessor (…) seinen Schwimm-Marathon begonnen. In den 28 Tagen hatte ihn ein Team auf Booten auf der 1.231 Kilometer langen Strecke von der Quelle bis zur Mündung begleitet und Wasserproben entnommen. “Kein Tag war wie der andere”, sagte Fath nach seiner Ankunft. Überall hätten ihm Menschen zugejubelt und ihn ermutigt. Aufgeben sei für ihn nie eine Option gewesen: “Manchmal musste ich mich extra motivieren, aber das muss man ja manchmal auch, wenn man morgens zur Arbeit geht.”" (SWR) “Fath schilderte auch Eindrücke vom Rhein, die den meisten verborgen bleiben. “Unheimlich laut” sei der Strom, vor allem unter Wasser. Fortwährend rausche der Kies auf dem Grund, das klinge wie ein riesiges Glas voll Murmeln.” (Schwarzwälder Bote)

6
“Ein neues Wärmemodell für den Rhein von Basel bis Köln soll ein massenhaftes Fischsterben wie im Jahr 2003 verhindern. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) stellte (…) in Karlsruhe ein entsprechendes Gemeinschaftsprojekt mit Hessen und Rheinland-Pfalz vor. “Wassertemperaturmanagement” nennt sich das Vorhaben, mit dem bei Bedarf steuernd eingegriffen werden soll bei zu hohen Temperaturen. Für den Neckar gibt es ein solches Monitoring bereits seit Sommer 2005, für den Oberrhein bis Worms seit 2011″, schreibt die Badische Zeitung. Kühlere Wassertemperaturen sollen dabei durch Drosselungen der Kraftwerke und Auflagen für die Großindustrie entlang des Rheins erreicht werden. So könne allein die BASF Ludwigshafen als größter Wärmeeinleiter in Rheinland-Pfalz die Rheintemperatur um ein Grad Celsius beeinflussen.

Wesel steht Kopf: der Rhein fließt verkehrt

Eher selten torkeln Nachrichten aus Wesel bei rheinsein ein. Doch haargenau in Wesel ereignete sich, kaum beachtet von der Öffentlichkeit, mitten im schönsten Sommer eine bemerkenswerte Geschichte, die durchaus als Allegorie für Entstehungsprozesse, Sinn und Zweckgebundenheit menschlicher Handlungen und ihrer Systeme, also den Weg über den Zweifel zur Zufriedenheit, kurzum für unser glückliches Dasein verstanden werden darf. In Wesel steht nämlich neuerdings eine Granitskulptur, ein Brunnen in Flußform, welcher auf fünf Metern Länge den Rheinabschnitt zwischen Duisburg und Rees nachbildet und „nach dem Willen der Stadt und des Berliner Landschaftsarchitekten-Duos Birke-Zimmermann eines der Highlights der neuen Fußgängerzone werden soll” – wie die Rheinische Post Anfang August zu berichten wußte. Die Bauarbeiten an ihrem neuen städtischen Glanzlicht irritierten jedoch zahlreiche Weseler Bürger, und das nicht nur, weil sie zügig vonstatten gingen. Bald war der Rhein in Stein von Passanten umstanden, wir lauschen (unterhalb des Fotos, das ein Brunnendetail zeigt) kurz in ihre Dispute hinein:

rees

„Rees liegt dort, weiß jeder, der irgendwie hier sammamal, auch zujezogen is.“
„Jeder weiß, der Rhein fließt in die Richtung.“ (Gestikuliert.)
„Falsch.“
„Normalerweise müßte der andersrum gedreht werden.“

Was unsere zufällig belauschten Weseler Bürger mit ihren verdatterten Statements zum Ausdruck bringen möchten: wer den neuen Brunnen in Wesels Fußgängerzone betrachtet und die Fließrichtung des ihm eingravierten Rheinverlaufs mit der des tatsächlichen Rheins vergleicht, wird feststellen, daß der Brunnen nicht originalgetreu nach dem natürlichen Vorbild ausgerichtet steht. Oder mit des Bürgers Worten:

„Wesel steht Kopf.“

Wesels Stadtverwaltung läßt verlauten, das „Problem“ sei bekannt, man habe sich schon gewundert, mache jedoch „nur die Bauausführung“, die Zuständigkeit für das Problem liege also in Berlin, bei den Landschaftarchitekten. Die geben aus gemessener Ferne großmütig zu, daß eine „korrekte“ Lage des Brunnens quer zu sich selbst hätte stattfinden müssen. Der Bürger, der unterdessen die Bauarbeiter für ihre schnelle Brunnenaufstellung lobt, schüttelt den Kopf:

„Jetzt hat man die Karre in’n Dreck gefahren, jetzt man gucken wie sie da raus kommt. Das’s schwer. Da ham die sich wieder ne Sache geleistet. Dat jiptet garnich.“

Höchste Zeit für den erlösenden Auftritt der Bürgermeisterin von Wesel, Ulrike Westkamp:

„Wenn wir den Brunnen in Fließrichtung stellen, haben wir ein Modell. So (wie er jetzt steht; Anm.: rheinsein) haben wir ein Kunstobjekt.“ Der Weseler Bürger staunt und ahnt, warum er die Dame gewählt hat: ein beherzter Griff in die Kiste mit den richtigen Etiketten und die Sache ist geritzt. Die Bürgermeisterin von Wesel setzt noch einen drauf und beweist im niederrheinischen Hinterland geradezu Merkel’schen Führungsstil: „Das Kunstwerk ist ein Kunstwerk und alle werden sich daran erfreuen.“

Presserückschau (Mai 2013)

Erneut nimmt die Konfrontation von Mensch und Tier (aber auch von Mensch und Mensch) einen beträchtlichen Teil der Schwerpunkte in der Presseberichterstattung entlang der Rheinschiene ein. Hier in kurzen Zusammenfassungen die wichtigsten Meldungen des diesjährigen Wonnemonats:

1
Zu einem kalkulierten Skandal geriet die Tannhäuser-Premiere im Wagner-Jahr in Düsseldorf. Die WZ schreibt vom Aufstand des Opernpublikums: “„Geh in Therapie!“, „Aufhören!“ „Das ist keine Kunst!“ und immer wieder „Sch…!“ – lautstark haben Zuschauer in der Rheinoper ihrem Ärger und Entsetzen Luft gemacht. Provoziert von einem Bühnenbild, das Kammern zeigt, in denen nackte Frauen und Männer mit Nebel scheinbar vergast werden, einem Tannhäuser, der mit Nazibinde am Arm seine Familie exekutiert. Für einige gab es schon in der ersten halben Stunde kein Halten mehr. Türenknallend verließen sie die Oper. Der überwiegende Teil blieb. Nicht zuletzt, um Regisseur Burkhard C. Kosminski beim Schlussapplaus auf der Bühne niederzubuhen. Einige pöbelten ihn bei der anschließenden Premierenfeier rüde an.” Das Thema hielt sich schließlich den gesamten Monat in der Presse, nachdem die theatrale Aufführung von Intendant Christoph Meyer zugunsten einer rein konzertanten abgesetzt wurde, um das Gesundheitsrisiko des Publikums zu mindern, nachdem zahlreiche Premierenbesucher ärztliche Hilfe benötigt hätten.

2
Warum es am Rhein so schön ist, ist eine häufig beantwortete Frage. Die Frankfurter Rundschau reiht sich mit einem Bericht über die Ausstellung “Еrhabene Natur, vaterländischer Strom, romantischer Rhein” im Flörsheimer Heimatmuseum in den Reigen ein: “Sanft geschwungene Hügel, in Abendrot getauchte Burgen und Fischer, die sich vergnügt am Ufer unterhalten – in den Bildern des in Flörsheim geborenen Malers Christian Georg Schütz dem Älteren zeigt sich eine Idealvorstellung der Rheinlandschaften, in dessen Mittelpunkt stets der mächtige Fluss steht. Zusammen mit seinem Neffen und Patenkind Christian Georg Schütz dem Jüngeren prägte er Mitte des 18. bis ins erste Viertel des 19. Jahrhunderts die Idee der Rheinromantik und war daran beteiligt, den Rhein vom schnöden Transportweg zum Reiseziel für gut Betuchte zu stilisieren.”

3
Auf dem Koblenzer Bahnhofsvorplatz vor dem McDonalds-Restaurant hat ein Mann am Pfingstsonntag eine Ratte gehäutet und verspeist, berichtet die Rhein-Zeitung: „Anschließend sei er mit der Haut auf seinem Gesicht auf dem Bahnhofsvorplatz umhergelaufen.“

4
Am Pfingstmontag spielte ein Reh mit der Basler Bevölkerung Katz und Maus. An verschiedenen Stellen der Stadt, darunter im Rhein, sei das Tier auf- und abgetaucht wie die Basler Zeitung berichtet: „Es wurde schliesslich unter dem Applaus von Passantinnen und Passanten von Mitarbeitenden der Polizei aus dem Rhein gefischt und später im Wald bei Bettingen wieder ausgewildert, wie das Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt mitteilte.“

5
Bei Hinterrhein hat ein Wolf zunächst ein Reh und einige Tage später ein Schaf gerissen. Mit Hilfe seines Fernrohrs schoß ein Wildhüter Handyfotos des Räubers über seiner Wildbeute, von denen eines auf der Webpräsenz der Südostschweiz publiziert wurde. Die seit Generationen von Schafzucht lebenden Bewohner Hinterrheins befürchten unterdessen, daß die Obrigkeit den Wolf schützt, sodaß er nach und nach ihre Herden auffressen werde.

6
“Drogen, Waffen, Geldverschiebung – der deutsch-schweizerische Grenzübergang auf der A5 in Weil am Rhein ist das Tor zur EU und die Reuse für Schmuggelgut jeder Art”, konstatiert auto motor und sport und informiert seine Leserschaft über Arbeitsmethoden der Grenzwächter: “Sieben oder acht Mal hat der Zollbetriebsinspektor schon die Geldzählmaschine vor sich gefüttert, doch sie gibt immer wieder mit vernehmlichem Piepsen Fehlermeldungen von sich. Schließlich nimmt der Apparat doch noch die Arbeit auf und quittiert artig den Durchlauf der beiden Bündel mit 500-Euro-Scheinen: 100.000 Euro, die ein Mann aus Belgien bei sich trug, als er aus der Schweiz nach Deutschland einreisen wollte.”

7
Der Sonntag aus Freiburg berichtet von einer vertrackten Situation: nach EU-Richtlinien sei vom Baden an Hoch- und Oberrhein abzuraten, weil es insbesondere bei empfindlicheren Personen zu Haut- und Schleimhautreizungen oder Magen-Darm-Beschwerden führen könne, dieweil die Schweizer Behörden das Baden an genau denselben Stellen der Entscheidung des Bürgers überlassen. Immerhin: „Der Rhein ist so sauber, daß sich sogar der Lachs wieder darin wohlfühlt.“

8
Die “Rheinwoche” gilt als “längste Fluss-Segelregatta Europas”, klärt die Rheinische Post auf. Sie führt in drei Tagesetappen von Hitdorf über Krefeld und Rees nach Emmerich. Die Teilnehmer segeln um das “Blaue Band vom Rhein” und dürfen sogar auf Sensationen entlang der Rennstrecke hoffen: “Bei gutem Wetter bereitet auch die Jugendfeuerwehr der Stadt Rees im Rahmen ihres Pfingstzeltlagers den Seglern einen unvergesslichen Empfang. Denn in Höhe des Pegelturmes wollen die jungen Feuerwehrleute die vorbeifahrenden Schiffe mit einer spektakulären Wasserwand begrüßen.”

Scheiß-Rhein bei Bislich

„Das einzige Problem für Sabine Alt (Name geändert, Anm.: rheinsein) bei ihrem (…) Auftritt bei den Bislicher Landfrauen war die Anfahrt. Denn entgegen der Ratschläge ihres Navigationsgerätes wählte die beliebte Entertainerin (Berufsbezeichnung geändert, Anm.: rheinsein) und Weseler Eselorden-Trägerin, aus Keppeln bei Uedem kommend, den Weg über Wesel statt über Rees. „Wir waren schon in Xanten. Und Bislich ist dann ja nur noch ein Itzeken entfernt, wenn nur der Scheiß-Rhein nicht dazwischen wäre“, sagte sie unter dem Gelächter der etwa 150 Frauen, die sich im Saal der Gaststätte Brandt (Name geändert, Anm.: rheinsein) zum Herbstfest eingefunden hatten.“