The girl on a motorcycle (2)

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Alain Delon als Daniel, motorradfahrender, pfeiferauchender Jungdozent, hier bei der Arbeitsvorbereitung in einem luftigen Pavillon hoch über dem Neckar. Der Unterricht seiner vier Studenten findet in einem mondänen Ledersesselclub statt: “Das am meisten mißverstandene Wort auf der Welt ist… Liebe.” Dementsprechend verläuft seine Beziehung mit Rebecca (Marianne Faithfull), die sich verzweifelt an Daniel heranwirft und während ihrer Motorradpendelei zwischen Ehemann und Geliebtem ihre knappe, aber komplexe Lebensgeschichte aufarbeitet. Immer wieder rastet Rebecca auf ihren Touren zu/von Daniel im badischen Wald, Inspirationsquelle für zeittypische Exkurse etwa zum Soldatendasein (“ich frage mich, ob sie wissen, wie man Liebe macht”) oder zum Sonnenaufgang (“rise quickly, burn me”). Auf Rebeccas Wegen liegt der

neulauterburg

Grenzübergang Neulauterburg, ein vertrautes Bild unserer Jugend. Die Filmstory steuert indessen auf die längst anzunehmende Katastrofe hin. Bei einer weiteren Durchfahrt beschimpft Rebecca in Karlsruhe die Passanten (“Bastards! Bastards!”), ihre Instabilität tritt offener und offener zutage, in einer badischen Gaststube mit berlinerndem (“Mensch Meier, kiek ma die!”) Altherreninventar und einer rigoros herumschnauzenden Wirtin (“Frühstück? Kaffee?”) schreitet

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Rebecca bei zwei Kirsch zur inneren Abrechnung mit ihren Männern, die sie noch ein letztes Mal verwerfen wird. The girl on a motorcyle ist derzeit bei Youtube in der Originalversion eingestellt.

Marianne Faithfull heizt durch Karlsruhe

rheinbrücke

Die Bildeinstellung hat etwas horizontarm Seeisches, doch dürfte es sich um die Rheinbrücke bei Maxau handeln. Marianne Faithfull auf ihrer Harley ist in der Bildmitte nur als Schemen eines kopfstehenden Ts zu erkennen. Zwei Sekunden später erreicht sie die Stadt, von der im Film suggeriert wird, daß sie sich zwei

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Kilometer von Heidelberg entfernt befinde. Mannheim vielleicht? Diese Luftaufnahme gibt uns zu rätseln. In den nächsten Einstellungen finden wir

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starke Hinweise auf Karlsruhe: die typische Straßenbahn am rechten Bildrand und was da über Mariannes/Rebeccas rechter Schulter aufragt, sieht verdächtig nach der Verfassungssäule auf dem Karlsruher Rondellplatz aus. Marianne

frohsinn

jedenfalls scheint die Stadt zu gefallen. Und noch ein Hinweis auf Karlsruhe

zigarren-kohmtaucht über Mariannes rechter Schulter auf: Zigarren Kohm. Damit dürfte die Kulisse einwandfrei als Karlsruhe identifiziert sein. Zum Abschluß noch eine

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Haltungsstudie mit Albtalbahn und zwei Zuschauern, die vor lauter Staunen angesichts dieses historischen Moments ganz verwackelt erscheinen.

The girl on a motorcycle

Auf die Fragen der vergangenen Posts kamen leider keine zureichenden Antworten, womit das Loreley-Buch von Maurice Genevoix weiter im rheinsein-Jackpot gilben darf. Die erfragte Ausreißerschönheit ist natürlich keine geringere als England`s Rose 1968 herself:

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Marianne Faithfull. Im Film The girl on a motorcycle spielt sie die Rebecca, eine mit ihrem Motorrad zwischen zwei Männern pendelnde Frau. Wir erinnern uns an böse Kritiken, die in etwa besagten, man sehe in diesem Film über 90 Minuten nur eine dauergrinsende Marianne Faithfull auf einer stillstehenden Harley, hinter der irgendwelche (!) Landschaften vorbeizögen. In der Tat freut sich die Kamera außerordentlich über dieses Gesicht: nicht daß wir Marianne Faithfulls Spiel in diesem Film zum Studienfach erheben möchten, doch können wir der Kamera ihre Verliebtheit definitiv nicht verdenken! Generell ist schwer zu sagen, um welches Filmgenre es sich bei The girl on a motorcycle handelt: es finden sich Elemente von Motorrad-Roadmovie (eine stark weiblich inspirierte Vorwegnahme von Easy Rider), Erotikfilm (der deutsche Titel lautet Nackt unter Leder, Marianne Faithfull schlüpft tatsächlich splitternackt in ihre Ledermontur: “Skin… it`s like skin… I`m like an animal… uh-h-hm”), poetisch-provokativer 68er-Etude (“This place stinks of old wars”) mit einer monologisierenden Motorbiene oder auch eines seltenen Upper Rhine Valley-Psychedelia-Freakouts

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(hier im Bild eine der fürs Elsaß typischen, beidseits pappelgesäumten Landstraßen, in ungewohnter Farbgebung). Zurück zum Handlungsverlauf. Der Morgendämmer lichtet sich und Rebecca heizt auf dem angenehmen Klangteppich des Soundtracks, unterbrochen von gelegentlichen Jauchzern, auffliegenden Vögeln und von ihrer Sexyness faszinierten Grenzern dem vielromantisierten Städtchen Heidelberg entgegen, wo ihr Geliebter Daniel (Alain Delon) an der Universität über freie Liebe doziert:

such-architecture

“How beautiful my lover`s country is, humh-h-h – such architecture!”