Kohle und Rüben

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“Holländische Himmel türmen sich / über trüben Rübenhügeln / Knollenwällen” heißt es in unserem Gedicht Niederrhein (erschienen 2004 in: Neue Heimat) und “silberfarben / zieht der Rhein durchs Luftbild Schleifen / als wär der Landstrich zu verschenken”. Die rheinische Rübe trägt das Kraut, mit dem sie so häufig in einem Atemzug genannt wird, um zerfahrene Zustände (eine weitere rheinische Spezialität) zu beschreiben, bereits in sich: das Rübenkraut, auch als Rübensirup bzw unter der Handelsmarke Grafschafter Goldsaft bekannt. An der Rübe vorbei zieht, ebenfalls in Hügeln organisiert, die Kohle, ein weiterer traditioneller, regionaler Energieträger, aufgenommen von unserem Korrespondenten Rainer Vogel in Kaiserswerth.

Rheinmündung bei Katwijk (3)

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Diese aktuellen Bilder von der Mündung des Oude Rijn bei Katwijk schickt unser Korrespondent Rainer Vogel.

Szene bei Kaiserswerth

ansicht bei kaiserswerth

“als junger wollte ich mal einen roman schreiben, von einem mädel mit braunem haar, das an den kreidefelsen der küste an der ostsee entlangreitet, wo man bunte feuersteine findet, das mädel wird dann meine frau und reitet mit mir in ihr dorf, wo ihr stamm lebt, ein schwarm fische schwimmt rheinauf, einer rheinab, die aale schlängeln sich am schiff vorbei, in der ferne der flughafen, ausläufer der häuser und pappeln und gebüsche mit vogelnestern noch relativ nackt am rande des ortes kaiserswerth, pappeln, braune äcker gefurchtes feuchtes land, startende flugzeuge, gegenüber auch wieder pappeln und weiden, der lanker kirchturm, das schiff ist vermutlich ein tankschiff mit ethanol und fährt rheinauf nach dormagen, fast alles aus unserer kultur ist ja daraus gemacht, wem es gehört der hat auch geld und macht, millionen jobs in der industrie hängen davon ab, mikroplastik sammelt sich in den meeren, zerriebene kleinteile, rheinaufwärts geht es nach kölle und bis in die schweiz. in manchen der container auf den schiffen ist schmuggelgut, etwas zum rauchen und träumen, aus rotterdam, aus übersee, erreicht hier die gebraucher in den metropolen…”

(Ein Beitrag unseres Niederrhein-Korrespondenten Rainer Vogel)

Itter

Ein kleiner Nebenfluß des Rheins, die in Urdenbach im Düsseldorfer Süden in den Rhein mündende Itter, von unserem Niederrhein-Korrespondenten Rainer Vogel in Fotos erkundet:

itter_stauwehrIdyllisches Stauwehr auf Höhe der Heidberger Mühle zwischen Haan und Solingen

itter_begradigtBegradigte Itterpassage

ittertal_eishockeyEishockeymatch im Ittertal

itter_klärteich_grefrathWarnschild in der Nähe des Klärteichs bei Solingen-Gräfrath

itter_staustufeStaustufe: das geklärte Wasser wird zusätzlich belüftet

Der Rhein als Handwerker

artefakteMögliche Steinzeitfunde und prähistorische Werkzeuge aus dem Rhein, sprich: “Steinmesser, Steinbeile, Pfeilspitzen, einen versteinerten Wirbel und einen Reißzahn, einen kleinen Kiesel aus Flintstein mit Blautönen, vielleicht Kupfer in mineralischer Form”, präsentiert unser Korrespondent Rainer Vogel.

Wie sollten die Werkzeuge in den Rhein gelangt sein, oder anders gefragt: ist der Rhein selber als Werkzeugmacher tätig?

Unser Korrespondent beschreibt die Fundstücke ausführlich: “Unterschiedlich abgerundet durch Gebrauch oder das Wasser, verschiedene Gesteinsarten, sich häufend an bestimmten Stellen, auch unfertige Rohlinge von Beilen oder Klingen. Ein Stück aus einer Kristall-Druse, das man hätte als Reibe für Wurzeln, Knollen, Getreide oder auch färbendes Gestein nutzen können. Nebenher hat man Kalkstein in den Rhein aufgeschüttet als Wellenbrecher, vielleicht von den Kalksteinwerken aus Mettmann. Also entweder daher oder von hier am und im Rhein wie eine Art Kiesgrube der Steinzeit. Längliche versteinerte Schulpe von Tintenfischen hart wie Granit bilden ein gutes Ausgangsmaterial für Steinbeile. (Lang, schmal, liegt gut in der Hand, unten wird die Schneidkante nur von zwei bis drei Seiten an der Schmalseite geschliffen, man kann damit mit Wucht zuschlagen, mit Kraftwirkung.) Sie sind oben an der gleichen Stelle gekerbt, da hat man vielleicht mit Bast oder Lederriemen einen Stock darum gebunden, Messer und Faustkeile aus Stein liegen ergonomisch in der Hand. Basaltstücke, bearbeitet und poliert, rotes und graues Gestein, Quarze, Feuerstein, spröder Kalk, Koralle oder Knochen, frisch aufgeschlagen, jedoch scharfkantig.”

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Einer später eingeholten Expertise des Neandertal-Museums halten die Vermutungen unseres Korrespondenten nicht stand: “Die Steinsammlung bestand wohl überwiegend aus Flussgeröllen. Nur wenn die Steine direkt in einer von Steinzeitmenschen bewohnten Höhle sich aufgefunden hätten, wären es Artefakte gewesen.”

Doch offenbar nehmen sich Stenzeitmensch und Rhein als Werkzeugmacher nicht sonderlich viel. Daß der Rhein mit seinen schöpferischen Fähigkeiten u.a. als Kartograf (seiner selbst) und Künstler fungiert, haben wir zuvor bereits in unserer hauptsächlich am Alpenrhein angesiedelten Kiesel-Serie (hier ein Beispiel unter vielen) gezeigt.

Düssel

düssel_2Die Düssel, ein kleiner Fluß, der einer für Deutschland verhältnismäßig großen Stadt ihren Namen verlieh, als diese noch als Dorf an einem großen Fluß, dem Rhein, heranwuchs. “Der Name Düssel geht wahrscheinlich auf das germanische thusila zurück und bedeutet „brausen, rauschen, tosen“, althochdeutsch doson. Um 1065 wird der Bach als Tussale (die Brausende, Rauschende, Tosende) bezeichnet”, vermutet bzw. weiß Wikipedia. Die beschriebenen Eigenschaften lassen sich anhand des Fotos von Rainer Vogel, das einen Düsselabschnitt auf Höhe des Unterbacher Sees widergibt, im Ansatz vorstellen. Grundsätzlich wäre der Name Düssel, nicht zuletzt ob seines Tremas, bestens geeignet für eine überseeische Metal-Band mit Hang zu Germanismen. Der internationale Musikjournalismus könnte sich mit dem etymologischen Spannungsfeld zwischen Dussel und, sagen wir, Rüssel oder Schüssel/Schussel, auseinandersetzen, immer in Hinblick auf urdeutsche Kulte. Und würde in diesem Zusammenhang womöglich auf die in Vergessenheit geratene rheinische Lightspeed-White Noise-Band Schweinebraten stoßen. Doch so weit ist es nicht und also entwässert die Düssel bis auf diese Minute, fleißig und offiziell weitgehend unbeachtet wie vier graugesichtige Kommissionierer in den Henkel-Fabrikhallen, über ihre Düsseldorfer Deltaarme in den Rhein.

Niers

niers_5Nur zu kleinen Teilen fließt die Niers über die Maas in den Rhein; zuvor schleicht sie auf niederrheinischem Territorium in gemessenem Abstand zur deutsch-niederländischen Grenze möglichst unauffällig durch die Gegend.

niers in gochIn Goch findet sich ihr Ufer jäh mit geometrischem Schwung eingefaßt, umpflastert und mit Betontribünen versehen. Auf der Flußbühne üben die Möwen gerade eines ihrer kaum beachteten Revolutionsstücke. (Fotos: Rainer Vogel)

Flaschenpost (7)

rv_flaschenpostBrief aus einer Rheinflaschenpost, gefunden von unserem Korrespondenten Rainer Vogel. Der gedichtartige Text, eine handschriftlich verfaßte DIN A4-Seite landete in Höhe der Düsseldorfer Messe am Rheinufer an. Sonderlich weit gereist sein dürfte die Flaschenpost nicht, denn unser Korrespondent wurde bereits wenige Stunden nach dem Aufgabedatum fündig.

De vereeniging van den Rhijn met de Nordzee

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katwijk_vereeniging_2(Fotos: Rainer Vogel. rheinsein dankt!)

Rheinisch Moos

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Gesehen und sogleich abgelichtet von Rainer Vogel auf dem Pflaster der Inselstraße nahe des Standesamts Düsseldorf. rheinsein dankt!

Der Rhing

Nichts Neues selbst geschrieben
Nur dem vertrauten Strome nachgeguckt
Darauf noch ein Alt geschluckt…

Hat gut im Bauch gegluckt…
Ach Rhing…
Ziehn wir an einem String?

(Ein Gastbeitrag von Rainer Vogel. rheinsein dankt!)

Blessed by Rhenus

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Vom alten Vater Rhein abgesegneter Melodic Metal in der Teestube zu Kaiserswerth! What an Ausgehtipp! (Bild: Rainer Vogel)

Ente und Krokodil

ente-und-krokodilDie Geschichte der Rheinkrokodile darf fortgeschrieben werden. Passend zum ausklingenden Sommerloch gelang unserem Korrespondenten Rainer Vogel nahe der Kittelbachmündung bei Kaiserswerth gestern diese vielsagende Aufnahme eines spannungsgeladenen Dämmerungsidylls.

Strandgut

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Bei Wittlaer spie der Strom diese Vierfächer-Gefriertruhe aus. In den rheinischen Unterwasserfabriken werden ansonsten hauptsächlich linke Schuhe, Essensreste und Ready-mades hergestellt. (Bild: Rainer Vogel)

Hochwasser, Treidelstation

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Bei Wittlaer staut sich der Schwarzbach bei Hochwasser von der Rheineinmündung zurück. Den Mittelgrund befächern mächtige Hybrid-Pappeln. Hinter ihrem Gebreite und Gespreite versteckt sich ein Fachwerkhaus: die alte Treidelstation zwischen Wittlaer und Kaiserswerth, an welcher die Pferde, die die Kähne rheinaufwärts ziehen mußten, gewechselt wurden. Auch Napoleon soll hier in der Nähe seine Pferde ausgetauscht haben. (Bild und Info: Rainer Vogel)