Mein Rhein

für Stan Lafleur und Enno Stahl

Das Wort „erschlagen“ machte nie zuvor
mehr Sinn. Schwitzend stand ich schon
fünf Kilometer südwärts der Potemkin-

schen Treppen am Schwarzmeerstrand
fühlte nicht dasselbe, auch nicht als ich
in Lima den gewundenen Pfad nach unten

nahm, die achtzig Meter, der Pazifik
plusterte sich vor mir auf, die Neo-
prensurfer glänzten in der Abend-

dämmerung und selbst am weißen Strand
hinter der Hochhauszeile, Ipanema,
Rio, dieses Stelldichein der Straßenverkäufer,

und Badenixen, vielleicht auch die ein oder
andere weltbekannte Schönheit, die ich nicht
erkannte, auch am Ende Europas

am Cabo de Roca, wo Portugal den Atlantik
küsst, verspürte ich nicht dasselbe, meine
Freunde, wie an diesem verregneten Scheiß-

Tag in Düsseldorf, im verkaterten Nachgang
zu einem runden Geburtstag, an dem ich irrte
wie ein nichtgebriefter Tourist aus Fernost

durch die Gassen der Amüsiermeile. Froh
bin ich, da der Fluss nichts abverlangte und
mich mit einer alleeartigen Promenade

empfing, nass wurde ich trotzdem, doch
glücklich trocknete ich Knochen im grie-
chischen Café jenseits der Kaufmeile

ich dachte an die Glücklichen deren Portemonnaie
locker sitzt und an die Freunde, das Wasser
das ewig und drei Tage, den Fluss hinunter-

fließt, unbeeindruckt, vom Werk der Menschen,
den Knieproblemen, dem Hafenaushub, dem Turm,
dessen Beton erste Risse an den Tag legt

sich über alles andere schwingt oder den Elstern,
die Laute von sich geben, nicht singen, oder
demjenigen, der durchnässt einen Punkt setzt.

(Ein Gastbeitrag von Timo Berger, rheinsein dankt!)