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	<title>rheinsein &#187; Pfalz</title>
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	<description>stan lafleur schlafwandelt durch die rheinische sferiferie</description>
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		<title>Coryat`s Crudities</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 13:44:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Thomas Coryat, Verfasser von <em>Coryat`s Crudities</em>, einem extensiven Bericht über seine europäische Reise zu Beginn des 17. Jahrhunderts, gilt manchen Quellen als „der erste Tourist“. Das halten wir für unwahrscheinlich, großsprecherisch und witzlos. Dennoch haben wir Coryats Beschreibung einer glimpflich verlaufenen Begegnung mit Pfälzer Weinbauern vor rund 400 Jahren hier gerne präsentiert und sind auf der Suche nach weiteren seiner rheinischen Reiseerlebnisse. Sekundarquellen sprechen von Coryats Vorliebe für Hüpffroschmetafern und Hüpffroschvorkommensabgleiche, insbesondere Deutschland muß zu Coryats Besuchszeiten übervoll mit Hüpffröschen gewesen sein. Coryat soll als erster Bischof Hattos Geschichte nach England gebracht haben, wo sie dann auf Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte als willkommene <em>horror story</em> zur Kindererziehung gedient haben soll. Von der astronomischen Münsteruhr zu Straßburg soll Coryat so überwältigt gewesen sein, daß er in einem Überwindungsakt äußerster <em>britishness</em> den Einbau eines ähnlichen Fabrikats in die St. Paul`s Cathedral empfahl. In <em>Hillman`s Hyperlinked and Searchable Chamber`s Book of Days</em> steht wie „der exzentrische Coryat“ auf das Heidelberger Faß klettert, um es, Perkeo gleich, mit einem Glas Wein in der Hand als ein den sieben Weltwundern der Antike ebenbürtiges Menschenwerk zu beschreiben: „„When tie cellarer,“ says Coryat, „draweth wine out of the vessel, he ascendeth two several degrees of wooden stairs made in the form of a ladder, and so goeth up to the top; about the middle whereof there is a hung-hole or venting orifice, into the which he conveyeth a pretty instrument of some foot and a half long, made in the form of a spout, wherewith he draweth up the wine and so potmeth it after a pretty manner into a glass.““ Von diesen Gläsern soll Coryat einige genossen haben. Das Heidelberger Faß taucht  unterdessen ab und erst wieder bei Jules Verne in der Literatur auf. Wir suchen unterdessen in Coryats umfangreichen, nicht immer flüssig zu lesenden Berichten nach den Stellen mit den Hüpffröschen &#8211; und falls wir solche oder andere bezeichnende rheinische <em>crudities</em> finden sollten, stellen wir sie später hier ein.</p>
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		<title>tagebucheintrag</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Jan 2011 22:30:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>das alter schwächt die erinnerung, doch &#8211; kumpels, mein gott, kumpels! &#8211; wir machten das für einen öffentlichen sender &#8211; kein mensch wollte das hören &#8211; der markt war übersättigt &#8211; praktisch alles lief über subventionen &#8211; geld wurde aus geld geschaffen &#8211; sie hatten ihr perpetuum mobile &#8211; ach: wusztsein! &#8211; was sie hatten: begriffen sie nicht &#8211; schattenflackern, flattenschackern &#8211; wir gingen ins binger loch &#8211; hatten zahlreiche hydrofone dabei &#8211; wellenfeldsynthese &#8211; sollte nachher in sea world aquarien verquasisiert werden &#8211; grosze shows für publikum &#8211; unsere ersten aufnahmen: von strampelnden hinterbeinen eines schwimmenden nutrias &#8211; dem wir was injiziert hatten &#8211; drehte sich nur im kreis, das arme ding &#8211; flippte völlig aus &#8211; ging dann kreiselnd unter &#8211; wir hinterher &#8211; abkacken! &#8211; schweigen! &#8211;  in gröszerer tiefe: knarrende, knurrende, knarzende, knisternde fische &#8211; durchsichtiges geleezeug: ne art riesenplankton &#8211; rausch stellte sich ein &#8211; wie mit diesem glücksmittel: aus dem urin schwangerer wesen &#8211; oder halbwesen &#8211; pisskrebse, knallkrebse &#8211; die leuchteten &#038; grinsten &#8211; wir: einfach da durch &#8211; allmählich kamen wir lautdialogen auf die schliche &#8211; die unterhielten sich da unten! &#8211; ein sehr bärtiger mann namens ali breitner lebte dort &#8211; ogh, ogh, ogh: machte der ständig &#8211; seine art zu telefonieren oder ähnliches &#8211; superkavitierende unterwasserlaufkörper zischten &#8211; sozusagen mitten durch uns durch &#8211; cold fusion &#8211; wir gingen auf in der geschwindigkeit &#8211; eine eigene dimension &#8211; geschwindigkeit ist nicht das richtige wort &#8211; waren gefangen in einer bewegung auszerhalb jeden tempos &#8211; es ging vorwärts &#8211; wir schaufelten uns rein in die zukunft &#8211; es gab einen richtigen zugang zur zukunft dort unten &#8211; es gab vitrinen mit toten loreleien &#8211; aufgedunsen &#8211; zeitlos schön &#8211; die mucksten nicht mehr &#8211; nur bei näherem hinhören &#8211; kam noch was &#8211; ganz feine, fortlaufend aus einem einzigen ton gestrickte hooklines &#8211; euseuseuseupseu &#8211; seupseuseuseu &#8211; sollte was „bedeuten“ &#8211; bestimmten die redakteure nachher &#8211; bliesen das auf mit den üblichen akademismen &#8211; im grunde wars sprottenquatsch &#8211; was noch? &#8211; es war zuviel los dort unten &#8211; zuviel auflauf &#8211; mit gesundem menschenverstand läszt sich das &#8211; läszt sich kaum &#8211; war aber so &#8211; &#038; dann, völlig unvermutet: notausgang &#8211; ein schild &#8211; führte in die pfalz &#8211; aufs trockene </p>
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		<title>Der Rhein für die gebildeten Stände (4)</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Dec 2010 23:16:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Rheinübergänge haben von jeher den gegenseitigen Heeren wegen der Größe und Schnelligkeit des Stromes nicht unbedeutende Schwierigkeiten entgegengesetzt, die durch die nahe Gegenwart des Feindes noch vergrößert wurden. Julius Cäsar hatte bei seinem Kriegszuge gegen die Gallier eine Pfahlbrücke über den Rhein. Im dreißigjährigen Kriege ward dieser Fluß von den verschiedenen Heeren öfter auf Schiff- oder Floßbrücken überschritten; den Ort, wo es von Gustav Adolf oberhalb Oppenheim geschahe, bezeichnet noch jetzt eine steinerne Säule. Mehre Übergänge fanden in den Feldzügen gegen Ende des 17. Jahrh. und im 18. statt, wo sich besonders der des Prinzen von Lothringen bei Schreck 1744, noch mehr aber die spätern der franz. Generale während des Revolutionskrieges und nachher Napoleon&#8217;s auszeichnen. Im J. 1795 hatten die Östreicher das rechte Rheinufer mit 411 Geschützen in 98 Batterien besetzt, gegen die der franz. General Jourdan 476 Kanonen und Haubitzen aufstellte, von denen ein Theil den Übergang der Truppen, bei Urdingen und Neuwied unternommen, unterstützte und begünstigte. Ein zweiter Ubergang Jourdan&#8217;s an letzterm Orte 1796 war mit weniger Schwierigkeiten verknüpft, obschon auch diesmal die Franzosen unter dem Feuer des östr. Geschützes hinüberschiffen mußten. Um in demselben Jahre bei Kehl über den Rhein zu gehen, ließ Moreau die Brückenschanze bei Manheim vier Tage zuvor angreifen, indem er möglichst viel Geschütz und Truppen dazu verwendete und dadurch die Aufmerksamkeit des Feindes nach diesem Punkte lenkte. Unterdessen hatte er bei Gambsheim und Strasburg 27,500 M. zusammengezogen, die den gegenüberstehenden Östreichern weit überlegen waren, während das nahe Strasburg und die vielen Inseln, im Rheine die Vorbereitungen und den Übergang selbst begünstigten. Mehr Schwierigkeiten fand Moreau bei Sinsheim, unterhalb Strasburg, am 20. Apr. 1797, weil die Östreicher durch ihre bei dem Zollhause aufgestellten Kanonen die Landung der Franzosen hinderten und sie nachher aus dem endlich von ihnen besetzten Dorfe Sinsheim wieder herauswarfen, auch das Schlagen einer Brücke durch ihr Geschütz unmöglich machten, bis jene endlich weiter unterwärts dennoch eine Brücke zu Stande brachten und in dem Rench- und Kinzigthale vordrangen. Oberwärts Sinsheim ging Moreau im J. 1800 über den Rhein, der hier nur 360 F. breit ist, aber auf dem jenseitigen Ufer sumpfige Wiesen hat, wegen deren man die Brücke am Land hinbauen mußte, um über eine Sandbank nach dem trockenen Boden zu kommen. Der Übergang der Verbündeten über den Rhein im J. 1814 fand nur geringen Widerstand, obgleich die russ. Brücke bei der Pfalz einmal vom Wasser fortgeführt ward.</p>
<p>(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)</p>
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		<title>Rheinsein unterwegs (2)</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Nov 2010 13:09:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>„Jetzt 79 Kilometer geradeaus fahren“, empfahl der Bordroutenplaner. Es mußte sich um eine fantastische Abkürzung der ursprünglich avisierten Fahrtstrecke handeln. Unsere Kühlerhaube tauchte ein in sanfte Hügel, die vielleicht gar keine waren, so übergangslos wellten sie sich in die herbstgraue, von Fahlheit strotzende Gegend, die aus weitläufigen Feldern grauer Muttererde eintönige Panoramen strickte. Mitten in den Feldern standen schwarze Türme, in der Bauart jenen aus öffentlichen Schwimmbädern sehr ähnlich, nur daß sie lediglich ein einziges Sprungbrett in ca viereinhalb Metern Höhe boten. Für den Bungeesport war das deutlich zuwenig Fallhöhe, für den Wasserspringsport fehlte das Eintauchbecken am Fuße des Turms. Wir vermuteten ergo Stätten archaisch inspirierter Männlichkeitsriten der rheinhessischen Freiwilligen Feuerwehren in neuem Fungewand („Ackerjumping“, &#8220;Dunghupfen&#8221;, dergleichen), der Sog der Landstraße zog uns gen Süden, und ließ solcherlei Spekulation hinter der Heckscheibe zurück. Jenseits der Äcker deuteten gelegentliche McDonald`s-Minarette kleinere Weiler an, die zwischen dem rundumverglasten Großraumspeisesaal besagter Restaurantkette und dem jeweils  gegenüberliegenden Baumarkt zu liegen kamen. Auch wenn die schnurgerade Straße nicht danach aussah, führte sie uns durch jedes dieser aus der täuschenden Autoperspektive so verstreut anmutenden Dörflein. Wir notierten ihre Namen und Besonderheiten, soweit die Eile der Landstraße dies zuließ: Flemmborn (kurzfristige Heimat der Deutschen Weinkönigin 1973), Flümborn (mehrere Tage Heimat der Deutschen Weinkönigin 1982), Flornborn (Heimat der Großdeutschen Weinkönigin 1940, die 1954 rehabilitiert wurde und die Krone ehrenhalber zum zweiten Mal aufgesetzt bekam), Flomborn (hier gab es einmal einen schwer zu erklärenden Vorfall mit einem  Schwein, das aus eigenem Antrieb auf die Fleischwaage stieg), Esselborn (für eine Festwoche Heimat der Deutschen Weinkönigin 2005), Esselkessel, Esselkressel (ursprünglich eine britische Siedlung, von der niemand mehr weiß wie sie ins Rheinhessische gelangte), Restel (Heimat der Deutschen Fleischfachverkäuferinnenprinzessin 1999), Würstel (eine Weile lang Heimat der Deutschen Weinkönigin 1961) und Süppel (in dessen aktiver Heimatdialektgemeinschaft die ganzjährig hängenden Ausfahrtsbanner für die Weinfestareale der gesamten Region beschriftet werden: „Kummen gut häm!“). So fuhren wir und fuhren Stunde um Stunde stur geradeaus, sahen all diese Orte und die Windräder drunt in nicht allzufernen, doch unerreichbar scheinenden Senken, die der berühmte Rhein entlang der Autobahn durchfließen mochte, bemerkten wie die Äcker sich dem Himmel mengten in braunem Einheitsgrau und versuchten uns in den Riesling zu versetzen, der auf diesen Fluren zum Gedeih gezwungen uns eine gänzlich neue Perspektive auf sich als traubendes Lebewesen vermittelte. Wir fuhren und fuhren und die Bilder schienen sich zu gleichen, Ortschaften mit uns bekannt vorkommenden Namen wie Oberflomborn, Hinterflemmborn oder Westesselkressel zeigten uns ihre schönsten Rückseiten, dieweil wir sie, von der unerbittlichen Landstraße getrieben, der Länge nach in gradem Strich durchquerten. „Diese ganze Strecke muß man zu Fuß machen, nicht mit dem Auto“, ging es uns durch den Sinn, „ihre Schönheiten bekommt man vom Fahrzeug aus doch garnicht zu sehen und auch nicht bei den kurzen, Fischmords Limonadenkonsum verdankten Pausen am Landstraßenrand, wo der Wind so kräftig pustet, als stünde hier noch irgendwas, das er umblasen könnte.“ Wir mußten wohl eingenickt sein. Denn wir erwachten. Von Gepolter. „Was ist das?“ Reusch: „Kartoffeln.“ Tatsächlich: aus dem rückwärtigen Seitenfenster ließen sich vereinzelt dichtfliegende Kartoffelschwärme erblicken. Fischmord: „Wir haben es geschafft, wir sind raus aus Rheinhessen, wir haben eben die Pfälzer Grenze gequert.“ Die Straße war zwar noch dieselbe, hieß nun aber offiziell Deutsche Weinstraße. Von Kartoffelschwärmen eskortiert glitten wir mitten in die einsetzende Dunkelheit. </p>
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		<title>Einfalte Delineation (3)</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Oct 2010 08:33:09 +0000</pubDate>
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„Ein Stuk vor Ronggellen hinein mitten in der Viamala ist ein gräßlicher Durchpaß bey einem Ponte pensili, oder gleichsam in die Luft hinaus angesezten steinernen Bruk an einem ausgesprengten Felsen zu, über welche Bruk man nicht ohne Grausen durch eine gäche Felsen Kähle hinab siehet in die grausame Tiefe des Tobels. An diesem Ort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mordpfarrer<br />
„Ein Stuk vor Ronggellen hinein mitten in der Viamala ist ein gräßlicher Durchpaß bey einem Ponte pensili, oder gleichsam in die Luft hinaus angesezten steinernen Bruk an einem ausgesprengten Felsen zu, über welche Bruk man nicht ohne Grausen durch eine gäche Felsen Kähle hinab siehet in die grausame Tiefe des Tobels. An diesem Ort ist anno 1705 eine greuliche Mordthat verichtet worden, wie jederman beglaubt von einem Pfarrer; es ware nemlich Pfarrer in Farära ein Under-Engadiner M. ex M. Der hatte ein junges starkes Baurenmensch geschwängert. Am heil. Wienacht Fest theilt er noch selbsten in seiner Gemeind das heil. Nachtmal aus, nachdeme er den Bissen eingenommen hatte, fuhr der Teufel in ihne, wie in den Verräther Judas. Er gehet zu seiner schwangern Concubin oder Braut hin (dann er hatte ihr die Ehe versprochen) und beredet sie, er wolle mit ihr irgendwo heimlich Hochzeit halten und zu solchem End hin wollen sie morgens früh vor Tag mit einandern verreisen, welches sie noch Abends ihren Hausgenossen eröffnet. Was geschiecht? In der Nacht verreisen diese beide von Hauß mit einandern an bemeltes Ort, die Stein Bruk, allda pakt der durchteufelte Mörder das arme schwangere Mensch unvermuthet an und ersticht sie mit etlichen Messerstichen und schmeißt sie über die Bruk hinunder, durch die Felsenkähle in den Abyssum des wüsten Tobels, doch muß sich das Mensch noch vor ihrem End tapfer gewehrt haben, denn man fande im Schnee den Kampf Plaz völlig zerstampfet und etliche Resten Haar, die sie dem Mörder ausgerissen hatte &#8211; unden in den Felsen-Kähle bliebe auch noch ihr Halß Fazolettlin an einem Stäudlin behangen, zum Zeichen, dz es eine Weibs-Person gekostet. Er der Mörder eylet nach der That allsobald in Schamß zurück, gehet alldorten in eine Filial Kirchen nach Zillis, allwo Hr. Pfarrer Calleonard Predigt hielte, mit Nammen zu Ruschein; nach der Predig ruft ihm der Pfarrer, er solle auch kommen gen helfen singen; der Mörder parirt, doch ware er voller Schweiß und zitterte darbey, dz er das Buch nicht wohl halten konte. Dem Pfarrer kame die Sach suspect vor, bald nach vollendetem Gottes-Dienst stellte er ihn zurede, warum er so übel  aussehe und was seine blutige Schuhe bedeuten. Der elende Kerl befande sich in seinem Gewissen geschlagen und sagte, die Leuth haben ihn in Verdacht unverschuldeter weiß, als wann er das und das Mensch ermordet hätte etc. Der Pfarrer erseufzende und wohl sehende, wie viel die Gloken geschlagen, sagt: O du elender Mensch, mach dich bald ab den Augen und aus dem Land, dz dich niemand nimmer mehr sehe; er schiede allso von ihme und passirte selbige Nacht einen sonst Winterszeit unpassablen Berg, allso dz sich Jedermann darüber bestürzen müssen und niemand glauben können, daß es einem Menschen möglich gewesen wäre, durch den ungebrochnen Schnee über den Berg zu kommen, allso eschappirte er. Bald noch selbigen Tags wurde es in Schamß kund, dz an bemeltem Ort eine Mordthat geschehen. &#8211; Die Obrigkeit inquirirt bald, der Argwohn kam auf bemelten Mann, doch weil er entronnen, konte man nicht weiter; es war Jammer im Land über den Greuel und Aergernus. &#8211; Gegen dem Frühling bey anwachsendem Wasser wurde der Körper der Ermordeten durch den hindern Rhein aus seiner kalten Winterherrberg heraus geschwemet bis hinder Thusis under alta Rhaezia, allda ans Land geworfen gefunden. Die Oberkeit hat ihn sogleich visitiren lassen, da dann selbiger mit etlichen Stichen durchbohrt befunden worden, und da man den Leib aufgeschnitten, fande man in selbigem ein beynache ausgetragenes Knäblein. Der Körper wurde auch mit vieleren Thränen ehrlich zur Erden bestattet. Der Thäter indessen kam nach seiner Flucht hinaus in die Pfalz, bekam sogleich einen guten Dienst, heurathete, wurde Scholarcha und lebte äußerlich in gutem Wohlseyn. Als ich Pfarrer zu Malix ware, ist er einmal ins Vaterland kommen, logirte zu Chur beym Ochsen; er reiste zu Pferd und wohl mondirt und hatte keinen Scheu, seinen Nammen anzugeben, sagende: er sey der, den man vor Jahren in Schamß so greulich verleumdet gehabt. Die Sach komt bald in Schamß, allda war man in procinctu, ihne in seinem Vaterland oberkeitlich abzufordern. Seine Verwandte schmekten Feur und schafften ihn drei Tag nach seiner Ankunft wieder aus dem Land, er kehrte wieder in die Pfalz zu seiner Frau und Kindern und stirbt einige Jahre hernachen alldorten in seiner Würde als Scholarcha. Allso ist mir die ganze Historie erzählt worden. O wie sind die Verhängnisse Gottes so wunderbar und wie ist die Langmuth Gottes so groß, die Gefäße des Zorns zu ertragen. Wer hat des Herrn Sinn erkannt oder wer ist sein Rathgeb gewesen? O wie lang wartet die göttliche Langmuth auf der sündlich verkehrten Menschen-Kindern Buß und gestattet ihnen noch Zeit dazu, wie manche züchtiget er noch hie in Zeit, damit sie zur Buß getrieben werden? Wie manchen erweiset er alles Guts, damit sie seine Gerichte zur Buße leite? Wie manche läßt er auch in ihrer Sicherheit wie die Schlacht-Schaaf dahin laufen bis an ihr End, damit sie zum Gericht aufbehalten werden, zu empfangen, was ihrer Thaten werth ist. Wie unbegreiflich sind Gottes Wege und wie unerforschlich sind seine Gericht. Rom. Cap. 11.“</p>
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		<title>Zwischenbilanz (2)</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 18:14:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[„Der Rhein ist eine Mauer“, schreibt Matthias Kehle in seinem Lyrikblog und meint damit im Speziellen die literarischen Beziehungen zwischen Karlsruhe und Edenkoben, sicher etwas zu exemplarisch hochgerechnet auf die Kulturräume Badens und der Pfalz. Dennoch fällt auf, daß die einzelnen Rheinregionen eher auf kulturelle Eigenständigkeit und Abgrenzung bedacht sind (Ausnahmen bestätigen die Regel), als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Der Rhein ist eine Mauer“, <a href="http://matthiaskehle.blogspot.com/" target="_blank">schreibt Matthias Kehle in seinem Lyrikblog</a> und meint damit im Speziellen die literarischen Beziehungen zwischen Karlsruhe und Edenkoben, sicher etwas zu exemplarisch hochgerechnet auf die Kulturräume Badens und der Pfalz. Dennoch fällt auf, daß die einzelnen Rheinregionen eher auf kulturelle Eigenständigkeit und Abgrenzung bedacht sind (Ausnahmen bestätigen die Regel), als den gemeinsamen Strom auch zum gemeinsamen Nenner zu nehmen. Das zieht sich durch Kantone, Bundesländer, Départements und vermutlich auch niederländische Provinzen, da und dort, wohl proportional zur Breite des Betts und zur Enge des Tals, finden sinnige Schulterschlüsse mit den Bewohnern des direkt gegenüberliegenden Ufers statt, im Allgemeinen aber herrscht Nabelschau, auch im Repräsentativen, wo es nicht unangebracht ist, und so nimmt es mich immer weniger Wunder, daß dieses vorwiegend zwar in deutscher Sprache, aber in alle Richtungen durchlässig geführte Blog mittlerweile wohl, auch wenn dies anfangs garnicht beabsichtigt war, und trotz aller Lücken eines auf Notizencharakter angelegten Arbeitsjournals sowie einer recht chaotischen Linienführung, die umfassendste zusammenhängende Sammlung kultureller Zeugnisse zum Thema Rhein im Internet vorstellt. So frage ich mich nun allmählich auch nach den Interessen meiner Leser, denn es sind, entgegen aller Erwartungen, vor allem im Laufe der vergangenen zwölf Monate, etliche geworden. Ich frage mich weiter, ob es Sinn machte, die Kulturgeschichte des Rheins im Internet zu musealisieren, nach und nach auf Basis des hier Vorhandenen Lücken zu schließen, die Sache überregional/international zu institutionalisieren, eine virtuelle Rheinbibliothek zu schaffen sozusagen. Meine Archive sind voller Texte, die ein Privatmann garnicht ohne weiteres ins Netz stellen darf. Und in virtuellen wie realen Weiten weiß ich um auszuhebendes Material für mehrere Jahre.<br />
Dann wundere ich mich, daß klassische Produktionen, Derivate aus den hier angefallenen Texten wie das Rheinsein-Kartonbuch oder das erste, die alpenrheinischen Ursprünge behandelnde Rheinsein-Hörspiel in rheinfernen Metropolen wie Berlin und Wien stattfinden, und wundere mich auch wieder nicht, weil von dort, mit passendem Abstand, der hier gepflegte Blick aufs Ganze vielleicht verständlicher erscheint. Der Rhein könnte tatsächlich zur Mauer werden, die es einzurennen gilt, sobald mir die Mittel ausgehen (was derzeit deutlichst droht), um ihn weiter zu erforschen und, auch mithilfe all der Kollegen, die es seit Jahrhunderten in modischen Anwandlungen wie über alle Moden hinweg taten und tun, zu beschreiben. Davon werde ich nicht loslassen, solang der Fluß mich nur läßt.</p>
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		<title>Tod auf dem Rhein</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 09:35:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ludwigshafen entvölkert sich stückerweise, somit drastisch, nach und nach, zumindest in der Schiffsbauer- und Motorrennstallszene, und Kommissarin Odenthal joggt über/durch Pfälzer und badisch Beton`n`Unkraut aus Achtzigerjahreschablonen (Licht: Deutschlands schönstes Aschermittwochsgrau, von unentschiedenen Pastellwerten aufgelockert), aus denen auch die  Haarschnitte des Personals rühren, unterfüttert das Ganze von schlaffördernden Kameraeinstellungen, Schnitten, Dialogen, produziert im laufenden Jahr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ludwigshafen entvölkert sich stückerweise, somit drastisch, nach und nach, zumindest in der Schiffsbauer- und Motorrennstallszene, und Kommissarin Odenthal joggt über/durch Pfälzer und badisch Beton`n`Unkraut aus Achtzigerjahreschablonen (Licht: Deutschlands schönstes Aschermittwochsgrau, von unentschiedenen Pastellwerten aufgelockert), aus denen auch die  Haarschnitte des Personals rühren, unterfüttert das Ganze von schlaffördernden Kameraeinstellungen, Schnitten, Dialogen, produziert im laufenden Jahr 2010. Der Rhein: dargestellt als pissige Feindseligkeit oder vergrützte Hafenbrühe, befahren von einfältiger, pointenloser Wasserpolizei. Dann jene gesichtszerpickte Leiche („Möwen!“ &#8211; obgleich der Kopf nach unten im Schlamm lag: Schlammmöwen womöglich) aus dem Grundkurs Schminken und wieder schwappt da etwas von der Kamera degradiertes im Hintergrund, das in all seiner orkischen Reduziertheit dennoch unmöglich als Deutschlands Schicksalsstrom durchgehen darf. Viel zu pieselig. Würdelos. Klein. Kurz vorm Umschalten ein Umschalten in tiefere (tiefergelegte?) Gedanken, als simple Fragen formuliert: ist das alles etwa Absicht? Gemeint als Reminiszenz an den schlechten Geschmack und seine stilbildenden Ausgeburten unserer Jugendjahre? Gab es ein unausgesprochenes Regieexperiment? Wurde versucht, mit Helmut Kohls ästhetischen Maßstäben zu agieren? Mit David Hasselhoffs? Mit beider? Der Rhein floß schon durch einige Tatortfolgen (Duisburg, Düsseldorf, Köln), ein so abgebracktes Antlitz wie in diesem Ludwigshafen-Hockenheimer zeigte er dabei selten. Ähnlich wie damals die Achtzigerjahre löst sich dieser Tatort schließlich mehr oder weniger von selbst. Und bleibt trotzdem unangenehm hängen.</p>
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		<title>Spin am Rhein</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 09:31:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Im pfälzischen Bienwald läuft der Rhein auf den Spin. Jan Souman und seine Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen haben im Bienwald (dessen Name angeblich nichts mit Bienen zu schaffen hat, sondern auf keltische Wurzeln zurückzuführen ist und somit Waldwald bedeutet), unweit des Rheins, einige mit GPS-Empfängern ausgestattete Testpersonen durchs Gelände geschickt, die zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten kürzere Strecken möglichst schnurgerade hinter sich bringen sollten. Dies gelang ihnen nur, wenn sie Sonne oder Mond zur Kursbestimmung verfügbar hatten. Ansonsten, dh, wenn sie mit verbundenen Augen antraten oder keine äußerlichen Orientierungshilfen zur Verfügung standen, entwickelten selbst ein und dieselben Testpersonen nach spätestens 20 Metern Rechts- oder Linksdrall, bewegten sich in chaotischen Kurven und trafen immer wieder auf die eigenen Spuren. Im Durchschnitt entfernten sich die Testpersonen nicht mehr als 100 Meter von ihrem Ausgangspunkt. Der irritierende Einfluß von Bienwald und nahem Rhein mag durchaus vorhanden gewesen sein, ein Test in der tunesischen Sahara ergab jedoch vergleichbare Ergebnisse. Der schwedisch-amerikanische Navigationsexperte Erik Jonsson vertritt die Theorie, das Laufen im Kreis sei ein evolutionärer Mechanismus, der gewährleistet, daß fliehende Tiere letztlich wieder dorthin zurückkehren, wo sie sich auskennen. Das Fänomen jedoch scheint bisher wissenschaftlich ungeklärt. Für weitere Tests steht mittlerweile ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=bmWD1bIKc44">neu entwickeltes Laufband</a> zur Verfügung, das sich in alle Richtungen bewegen kann. Sobald der mit Cyberview-Brille ausgestattete und durch virtuelle Landschaften stiefelnde Proband seine Laufrichtung ändert, reagiert auch das Laufband: der Proband dreht sich auf der Stelle vorwärts tretend im Kreis. Wieviel Rhein und Bienwald diese virtuellen Landschaften enthalten, war bisher nicht zu erfahren. </p>
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		<title>Rheinelefant</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Aug 2009 11:53:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aus der Abteilung Zwischen- und Mischwesen, säuberlich protokolliert von Dielhelm, der selber allmählich mystische Gestalt annimmt: &#8220;Andere Merkwürdigkeiten der Naturgeschichte hat man in Gestalt verschiedener Glieder von fremden und ungeheuren grossen Thieren aus dem Grunde des Rheins hervorgebracht und gehören insonderheit dahin zweene grosse Fischzähne, welche in der Pfalz bei Roxheim in der Nachbarschaft von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus der Abteilung Zwischen- und Mischwesen, säuberlich protokolliert von Dielhelm, der selber allmählich mystische Gestalt annimmt: &#8220;Andere Merkwürdigkeiten der Naturgeschichte hat man in Gestalt verschiedener Glieder von fremden und ungeheuren grossen Thieren aus dem Grunde des Rheins hervorgebracht und gehören insonderheit dahin zweene grosse Fischzähne, welche in der Pfalz bei Roxheim in der Nachbarschaft von Worms / von den Fischern herausgezogen und von D. Joh. Pincer an den Grafen von Solms geschickt worden, der sie in dem Schloß zu Lich an einer eisernen Kette aufhängen lassen. Es waren solches Backenzähne, die sich in viele Wurzeln vertheilten und noch in einem Stücke des oberen Kienbackens fest sassen. Der Doct. Pincer will an jetzt gedachtem Kienbacken zwey grosse Löcher oder Röhren beobachtet haben, durch welche der Fisch das eingeschluckte Wasser wieder in die Höhe geworfen habe. Allein, weil er selbst gestehet, daß diese Röhren nicht mehr ganz gewesen, so kan es wohl seyn, daß sie dasjenige nicht waren, wofür man sie angesehen, und daß besagte Backenzähne eigentlich einem Elephanten zuzuschreiben sind. Wie man denn von diesem Thier hier und dar um selbige Gegenden im Rhein Gliedmassen gefunden hat. Bey dem Apothecker Gmelin in Tübingen befindet sich auch noch ein Unterkiefer eines Elephanten, der zwey Stunden von Mannheim aus dem Rhein gebracht worden, und dem Unicornu fossili gleichet. Er ist sehr mörb und wiegt fünf und dreysig Pfund. Ein dabei gefundenes Horn ist ganz porös oder löchericht, und mithin leicht, dergestalt, daß es nur achthalb Pfund wiegt, ob es gleich eine Länge von ohngefehr zwey Schuhen hat.&#8221; Es geht noch ein wenig weiter mit der Beschreibung eines Elefantenschädels aus dem Neckar unter Zuhilfenahme veterinärmedizinischer Fachtermini. In Dielhelms spätbarockem Bericht steckt, trotz wissenschaftlicher Ansätze, die ganze Ungeheuerlichkeit einer vergessenen Spezies. Verweisen möchte ich in diesem Zusammenhang unbedingt auf Andreas Louis Seyerleins Seeelefantenforschungen resp. -betrachtungen, die zwar (noch) keinen direkten Bezug zwischen Seeelefanten und Rheinelefanten nachweisen, der Wunderlichkeit des Wesens an sich jedoch <a href="http://andreas-louis-seyerlein.de/air/?p=5700">hier </a>und an weiteren Stellen in Seyerleins unikem Blog <em><a href="http://andreas-louis-seyerlein.de/ping/?page_id=18">particles</a></em> in hohem poetischen Maße gerecht werden.</p>
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		<title>Rheinfische (2)</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jul 2009 11:22:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gefunden im Vorbericht des Rheinischen Antiquarius: „Es hegt sonst dieser Strom allerhand Arten von Fischen in großem Ueberfluß, und man fängt darinnen unter andern leckerhaften Gattungen die wohlschmeckende Salmen / welche, wenn sie im Frühling aus der See, allwo sie klein und mager sind, heraufkommen, Lachse / hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gefunden im Vorbericht des Rheinischen Antiquarius: „Es hegt sonst dieser Strom allerhand Arten von Fischen in großem Ueberfluß, und man fängt darinnen unter andern leckerhaften Gattungen die wohlschmeckende Salmen / welche, wenn sie im Frühling aus der See, allwo sie klein und mager sind, heraufkommen, Lachse / hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst zu nach dem Meer wieder zuruckbegeben, erst Salmen genennet werden. So bald diese Fische in den Rheinstrom einlauffen, nehmen sie auch zu, und je höher sie steigen, je größer und zärter pflegen sie zu werden, so, daß ein Cöllnischer Lachs vor einem Dordrechtischen, und ein Maynzer vor einem Cöllnischen leicht zu erkennen, diesen allen aber ein Baßler vorzuziehen ist. Auch sind die Rheinstöre nicht unbekannt. Wie denn Marquart Freher schreibt, daß diese in der Pfalz nur auf die Fürstentafel gehörten. Zu Rom wurden diese Störe, welche man zu latein Acipenseres nennet, ehemals als eine sehr seltsame, dabey aber kostbare Speise, wie Athenäus und Macrobius bezeugen, nicht anders, als im Gepränge mit Pfeiffen und Kränzen auf die Kayserliche Tafel getragen. Sie werden sonderlich in Holland ohngefehr vom ersten April an, ein ganzes viertel Jahr hindurch, so häufig gefangen, daß man sie theils in Pückel schlägt und einsalzt, theils frisch an nahgelegene Nationen, insonderheit nach Engelland, verhandelt. Wenn der große Störfang aufhört, so geht es nochmals das ganze Jahr hindurch über die kleinen Störgen her, welche so schmackhaft sind, daß auch die Italiäner, wie ein gewisser Verfasser meldet, die Finger darnach lecken. Nebst diesen liefert der Rhein noch viele niedliche Fische auf der reichen Leute Tafel, worunter die namhaftesten zweyerley Arten Neunaugen sind, die man eingemacht in Deutschland Bricken und in Holland Muräl nennet. Die erste Art davon ist sehr groß und schön, die andere klein, nichts destoweniger aber von gutem Geschmack. Eigene Arten Rheinfische sind die stachelichten Hechte / die herrlichen Rheinkarpfen / deren einige mehrmalen wohl bey zwanzig Pfund schwer gefangen worden; ferner die gar großen, mittelmäßigen und kleinen köstlichen Barben oder Rothbärte, die starken und großen Aale, die Forellen / Schwalen, Weißfische, Bersing oder Persen / Nößling / Aalruppen, Schleyen / Grundeln, Kressen / Kroppen / Bißgurren oder Meergrundeln, Stinden / Zauen, u. d. gl. Aeschen oder Aschen hat der Rheinstrom sehr wenige, und zwar daher, weil diese Fische lieber in harten, frischen und felsigten Wassern gehen, so kalt sind und aus hohen Felsengebürgen herab fliessen. Dieweil auch dieser Fisch das ganze Jahr hindurch gesund und gut zu speisen ist; So soll daher das Sprüchwort von ihm entsprungen seyn: Der Aesch ist ein Rheingraf.“ Soweit der Antiquarius, der weiters von kommenden und gehenden Krebsen im Rhein berichtet, von Bibern und Fischottern, Schildkröten und sogar verirrten Wunderfischen aus weit entlegenen Meeren, auch Seehunde (die nicht etwa &#8220;Roggen oder Eyergen&#8221; legen, sondern anlande Welpen werfen, welche im Safte ihrer Jugend ein Achttagegeheul starten) und junge Meerschweine werden als Flußbewohner verzeichnet, bevor Dielhelm aufs rheinische Federwildbret kommt.</p>
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