Zwischenbilanz (2)

„Der Rhein ist eine Mauer“, schreibt Matthias Kehle in seinem Lyrikblog und meint damit im Speziellen die literarischen Beziehungen zwischen Karlsruhe und Edenkoben, sicher etwas zu exemplarisch hochgerechnet auf die Kulturräume Badens und der Pfalz. Dennoch fällt auf, daß die einzelnen Rheinregionen eher auf kulturelle Eigenständigkeit und Abgrenzung bedacht sind (Ausnahmen bestätigen die Regel), als den gemeinsamen Strom auch zum gemeinsamen Nenner zu nehmen. Das zieht sich durch Kantone, Bundesländer, Départements und vermutlich auch niederländische Provinzen, da und dort, wohl proportional zur Breite des Betts und zur Enge des Tals, finden sinnige Schulterschlüsse mit den Bewohnern des direkt gegenüberliegenden Ufers statt, im Allgemeinen aber herrscht Nabelschau, auch im Repräsentativen, wo es nicht unangebracht ist, und so nimmt es mich immer weniger Wunder, daß dieses vorwiegend zwar in deutscher Sprache, aber in alle Richtungen durchlässig geführte Blog mittlerweile wohl, auch wenn dies anfangs garnicht beabsichtigt war, und trotz aller Lücken eines auf Notizencharakter angelegten Arbeitsjournals sowie einer recht chaotischen Linienführung, die umfassendste zusammenhängende Sammlung kultureller Zeugnisse zum Thema Rhein im Internet vorstellt. So frage ich mich nun allmählich auch nach den Interessen meiner Leser, denn es sind, entgegen aller Erwartungen, vor allem im Laufe der vergangenen zwölf Monate, etliche geworden. Ich frage mich weiter, ob es Sinn machte, die Kulturgeschichte des Rheins im Internet zu musealisieren, nach und nach auf Basis des hier Vorhandenen Lücken zu schließen, die Sache überregional/international zu institutionalisieren, eine virtuelle Rheinbibliothek zu schaffen sozusagen. Meine Archive sind voller Texte, die ein Privatmann garnicht ohne weiteres ins Netz stellen darf. Und in virtuellen wie realen Weiten weiß ich um auszuhebendes Material für mehrere Jahre.
Dann wundere ich mich, daß klassische Produktionen, Derivate aus den hier angefallenen Texten wie das Rheinsein-Kartonbuch oder das erste, die alpenrheinischen Ursprünge behandelnde Rheinsein-Hörspiel in rheinfernen Metropolen wie Berlin und Wien stattfinden, und wundere mich auch wieder nicht, weil von dort, mit passendem Abstand, der hier gepflegte Blick aufs Ganze vielleicht verständlicher erscheint. Der Rhein könnte tatsächlich zur Mauer werden, die es einzurennen gilt, sobald mir die Mittel ausgehen (was derzeit deutlichst droht), um ihn weiter zu erforschen und, auch mithilfe all der Kollegen, die es seit Jahrhunderten in modischen Anwandlungen wie über alle Moden hinweg taten und tun, zu beschreiben. Davon werde ich nicht loslassen, solang der Fluß mich nur läßt.

Tod auf dem Rhein

Ludwigshafen entvölkert sich stückerweise, somit drastisch, nach und nach, zumindest in der Schiffsbauer- und Motorrennstallszene, und Kommissarin Odenthal joggt über/durch Pfälzer und badisch Beton`n`Unkraut aus Achtzigerjahreschablonen (Licht: Deutschlands schönstes Aschermittwochsgrau, von unentschiedenen Pastellwerten aufgelockert), aus denen auch die Haarschnitte des Personals rühren, unterfüttert das Ganze von schlaffördernden Kameraeinstellungen, Schnitten, Dialogen, produziert im laufenden Jahr 2010. Der Rhein: dargestellt als pissige Feindseligkeit oder vergrützte Hafenbrühe, befahren von einfältiger, pointenloser Wasserpolizei. Dann jene gesichtszerpickte Leiche („Möwen!“ – obgleich der Kopf nach unten im Schlamm lag: Schlammmöwen womöglich) aus dem Grundkurs Schminken und wieder schwappt da etwas von der Kamera degradiertes im Hintergrund, das in all seiner orkischen Reduziertheit dennoch unmöglich als Deutschlands Schicksalsstrom durchgehen darf. Viel zu pieselig. Würdelos. Klein. Kurz vorm Umschalten ein Umschalten in tiefere (tiefergelegte?) Gedanken, als simple Fragen formuliert: ist das alles etwa Absicht? Gemeint als Reminiszenz an den schlechten Geschmack und seine stilbildenden Ausgeburten unserer Jugendjahre? Gab es ein unausgesprochenes Regieexperiment? Wurde versucht, mit Helmut Kohls ästhetischen Maßstäben zu agieren? Mit David Hasselhoffs? Mit beider? Der Rhein floß schon durch einige Tatortfolgen (Duisburg, Düsseldorf, Köln), ein so abgebracktes Antlitz wie in diesem Ludwigshafen-Hockenheimer zeigte er dabei selten. Ähnlich wie damals die Achtzigerjahre löst sich dieser Tatort schließlich mehr oder weniger von selbst. Und bleibt trotzdem unangenehm hängen.

Spin am Rhein

Im pfälzischen Bienwald läuft der Rhein auf den Spin. Jan Souman und seine Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen haben im Bienwald (dessen Name angeblich nichts mit Bienen zu schaffen hat, sondern auf keltische Wurzeln zurückzuführen ist und somit Waldwald bedeutet), unweit des Rheins, einige mit GPS-Empfängern ausgestattete Testpersonen durchs Gelände geschickt, die zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten kürzere Strecken möglichst schnurgerade hinter sich bringen sollten. Dies gelang ihnen nur, wenn sie Sonne oder Mond zur Kursbestimmung verfügbar hatten. Ansonsten, dh, wenn sie mit verbundenen Augen antraten oder keine äußerlichen Orientierungshilfen zur Verfügung standen, entwickelten selbst ein und dieselben Testpersonen nach spätestens 20 Metern Rechts- oder Linksdrall, bewegten sich in chaotischen Kurven und trafen immer wieder auf die eigenen Spuren. Im Durchschnitt entfernten sich die Testpersonen nicht mehr als 100 Meter von ihrem Ausgangspunkt. Der irritierende Einfluß von Bienwald und nahem Rhein mag durchaus vorhanden gewesen sein, ein Test in der tunesischen Sahara ergab jedoch vergleichbare Ergebnisse. Der schwedisch-amerikanische Navigationsexperte Erik Jonsson vertritt die Theorie, das Laufen im Kreis sei ein evolutionärer Mechanismus, der gewährleistet, daß fliehende Tiere letztlich wieder dorthin zurückkehren, wo sie sich auskennen. Das Fänomen jedoch scheint bisher wissenschaftlich ungeklärt. Für weitere Tests steht mittlerweile ein neu entwickeltes Laufband zur Verfügung, das sich in alle Richtungen bewegen kann. Sobald der mit Cyberview-Brille ausgestattete und durch virtuelle Landschaften stiefelnde Proband seine Laufrichtung ändert, reagiert auch das Laufband: der Proband dreht sich auf der Stelle vorwärts tretend im Kreis. Wieviel Rhein und Bienwald diese virtuellen Landschaften enthalten, war bisher nicht zu erfahren.

Rheinelefant

Aus der Abteilung Zwischen- und Mischwesen, säuberlich protokolliert von Dielhelm, der selber allmählich mystische Gestalt annimmt: “Andere Merkwürdigkeiten der Naturgeschichte hat man in Gestalt verschiedener Glieder von fremden und ungeheuren grossen Thieren aus dem Grunde des Rheins hervorgebracht und gehören insonderheit dahin zweene grosse Fischzähne, welche in der Pfalz bei Roxheim in der Nachbarschaft von Worms / von den Fischern herausgezogen und von D. Joh. Pincer an den Grafen von Solms geschickt worden, der sie in dem Schloß zu Lich an einer eisernen Kette aufhängen lassen. Es waren solches Backenzähne, die sich in viele Wurzeln vertheilten und noch in einem Stücke des oberen Kienbackens fest sassen. Der Doct. Pincer will an jetzt gedachtem Kienbacken zwey grosse Löcher oder Röhren beobachtet haben, durch welche der Fisch das eingeschluckte Wasser wieder in die Höhe geworfen habe. Allein, weil er selbst gestehet, daß diese Röhren nicht mehr ganz gewesen, so kan es wohl seyn, daß sie dasjenige nicht waren, wofür man sie angesehen, und daß besagte Backenzähne eigentlich einem Elephanten zuzuschreiben sind. Wie man denn von diesem Thier hier und dar um selbige Gegenden im Rhein Gliedmassen gefunden hat. Bey dem Apothecker Gmelin in Tübingen befindet sich auch noch ein Unterkiefer eines Elephanten, der zwey Stunden von Mannheim aus dem Rhein gebracht worden, und dem Unicornu fossili gleichet. Er ist sehr mörb und wiegt fünf und dreysig Pfund. Ein dabei gefundenes Horn ist ganz porös oder löchericht, und mithin leicht, dergestalt, daß es nur achthalb Pfund wiegt, ob es gleich eine Länge von ohngefehr zwey Schuhen hat.” Es geht noch ein wenig weiter mit der Beschreibung eines Elefantenschädels aus dem Neckar unter Zuhilfenahme veterinärmedizinischer Fachtermini. In Dielhelms spätbarockem Bericht steckt, trotz wissenschaftlicher Ansätze, die ganze Ungeheuerlichkeit einer vergessenen Spezies. Verweisen möchte ich in diesem Zusammenhang unbedingt auf Andreas Louis Seyerleins Seeelefantenforschungen resp. -betrachtungen, die zwar (noch) keinen direkten Bezug zwischen Seeelefanten und Rheinelefanten nachweisen, der Wunderlichkeit des Wesens an sich jedoch hier und an weiteren Stellen in Seyerleins unikem Blog particles in hohem poetischen Maße gerecht werden.

Rheinfische (2)

Gefunden im Vorbericht des Rheinischen Antiquarius: „Es hegt sonst dieser Strom allerhand Arten von Fischen in großem Ueberfluß, und man fängt darinnen unter andern leckerhaften Gattungen die wohlschmeckende Salmen / welche, wenn sie im Frühling aus der See, allwo sie klein und mager sind, heraufkommen, Lachse / hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst zu nach dem Meer wieder zuruckbegeben, erst Salmen genennet werden. So bald diese Fische in den Rheinstrom einlauffen, nehmen sie auch zu, und je höher sie steigen, je größer und zärter pflegen sie zu werden, so, daß ein Cöllnischer Lachs vor einem Dordrechtischen, und ein Maynzer vor einem Cöllnischen leicht zu erkennen, diesen allen aber ein Baßler vorzuziehen ist. Auch sind die Rheinstöre nicht unbekannt. Wie denn Marquart Freher schreibt, daß diese in der Pfalz nur auf die Fürstentafel gehörten. Zu Rom wurden diese Störe, welche man zu latein Acipenseres nennet, ehemals als eine sehr seltsame, dabey aber kostbare Speise, wie Athenäus und Macrobius bezeugen, nicht anders, als im Gepränge mit Pfeiffen und Kränzen auf die Kayserliche Tafel getragen. Sie werden sonderlich in Holland ohngefehr vom ersten April an, ein ganzes viertel Jahr hindurch, so häufig gefangen, daß man sie theils in Pückel schlägt und einsalzt, theils frisch an nahgelegene Nationen, insonderheit nach Engelland, verhandelt. Wenn der große Störfang aufhört, so geht es nochmals das ganze Jahr hindurch über die kleinen Störgen her, welche so schmackhaft sind, daß auch die Italiäner, wie ein gewisser Verfasser meldet, die Finger darnach lecken. Nebst diesen liefert der Rhein noch viele niedliche Fische auf der reichen Leute Tafel, worunter die namhaftesten zweyerley Arten Neunaugen sind, die man eingemacht in Deutschland Bricken und in Holland Muräl nennet. Die erste Art davon ist sehr groß und schön, die andere klein, nichts destoweniger aber von gutem Geschmack. Eigene Arten Rheinfische sind die stachelichten Hechte / die herrlichen Rheinkarpfen / deren einige mehrmalen wohl bey zwanzig Pfund schwer gefangen worden; ferner die gar großen, mittelmäßigen und kleinen köstlichen Barben oder Rothbärte, die starken und großen Aale, die Forellen / Schwalen, Weißfische, Bersing oder Persen / Nößling / Aalruppen, Schleyen / Grundeln, Kressen / Kroppen / Bißgurren oder Meergrundeln, Stinden / Zauen, u. d. gl. Aeschen oder Aschen hat der Rheinstrom sehr wenige, und zwar daher, weil diese Fische lieber in harten, frischen und felsigten Wassern gehen, so kalt sind und aus hohen Felsengebürgen herab fliessen. Dieweil auch dieser Fisch das ganze Jahr hindurch gesund und gut zu speisen ist; So soll daher das Sprüchwort von ihm entsprungen seyn: Der Aesch ist ein Rheingraf.“ Soweit der Antiquarius, der weiters von kommenden und gehenden Krebsen im Rhein berichtet, von Bibern und Fischottern, Schildkröten und sogar verirrten Wunderfischen aus weit entlegenen Meeren, auch Seehunde (die nicht etwa “Roggen oder Eyergen” legen, sondern anlande Welpen werfen, welche im Safte ihrer Jugend ein Achttagegeheul starten) und junge Meerschweine werden als Flußbewohner verzeichnet, bevor Dielhelm aufs rheinische Federwildbret kommt.

Germersheim

Bei Wikipedia ist Germersheim als die Stadt des Flieders und der Nachtigall verzeichnet – ich kannte den Ort bisher lediglich en passant als einen des höllischen Gestanks und der enormen, in Deutschland führenden Selbstmordrate. Nun nähere ich mich Germersheim erstmals mit voller Absicht, um die ganze Wahrheit über das so gegensätzlich beleumundete Städtchen herauszufinden. Über die Rudolf-von-Habsburg-Spannbeton-Brücke pesen die Wagen mit Pfälzer Überlandspeed. Röhrende Auspuffe, geistige Zerdrängtheit, die bei Mach 2 in Freiheit umschlägt und nie wieder zurückkehrt. Die Karossen werden vom Horizont als winzige schwarze Endpunkte verschluckt. Neben den freiheitlich-breiten Fahrbahnen gibt es auf der Brücke schmale abgesperrte Wege für Fußgänger und Radfahrer. Das blaugestrichene Geländer korrespondiert farblich sowohl mit dem Himmel als auch mit dem Strom, die Brücke fungiert somit nicht nur als Verbindung zwischen Baden und der Pfalz, sondern auch zwischen Himmel und Erde, was manchen Germersheimer auf letzte Gedanken gebracht haben mag. Auf der Pfälzer Seite beginnt umgehend ein Verwirrspiel aus Hinweisschildern, die für sämtliche Ziele in alle, dh auch exakt gegensätzliche Richtungen weisen – wer diesen Schildern traut, bleibt am Ortsrand hängen und wird verrückt. Ganz in der Nähe verbreitet ein Klärwerk seine süßlichen Aromen (eine Art kräftigen Antimenschenspray) und treibt mich ebenso voran und davon wie die ausschließlich depressiven Gesichtszüge der Passanten, die eine Frage nach dem Weg vermutlich völlig entgleisen lassen würde. Es gibt in Germersheim keine wirklich weiten Wege und dennoch genug Platz für Wohnbaracken, die an die schlechteren Stadtviertel von Accra erinnern. Attraktion des Städtchens sind einige Meter Festungsmauer und ein paar ältere Garnisonsgebäude. Vor dem Arresthaus stehen depressiv wirkende Jugendliche mitten im Kärcherlärm der Brunnenreiniger und nuckeln an ultraschlanken Fluppen. In der Fußgängerzone herrscht gähnende Leere, immerhin existiert eine Fußgängerzone und sie wirkt individueller als die meisten anderen: zum einen verzichtet sie auf Ladenketten, die Plastikprodukte für 99 Cent verkaufen, zum anderen gibt es hier sowieso kein Publikum. Zentrale Attraktion Germersheims ist das von der Asfaltlobby gestützte Deutsche Straßenmuseum, vor dem zwei ausrangierte Planierwalzen stehen. Alles wirkt, als hätte Gott mit seiner Fliegenklatsche einmal kräftig auf das Städtchen draufgehauen. Da und dort zappelt noch etwas, jedoch so gut wie hoffnungslos. Auswärtige Radfahrer besuchen den Ort, stärken sich in der lokalen Gastronomie, um Germersheim dann möglichst schnell wieder hinter sich zu lassen. Die Stimmung ist selbst bei bester desinfizierender Sonnenstrahlung traurig und stark ansteckend. Unten am Rhein haben sich ein paar Menschen versammelt und starren hilflos auf den begradigten Strom. An der Eisenbahnbrücke ein Graffito: „BILD-Leser wissen mehr als die Wahrheit“

Rheingold

Google liefert bald anderthalb Millionen Treffer zum Suchbegriff „Rheingold“, in Kürze wohl sogar noch einen mehr. Zeit, die Quellenlage zu wechseln. Paul Hübner schreibt in seinem Buch Der Rhein – Von den Quellen bis zu den Mündungen: „Im Jahre 1943 stellte ein im Reichsauftrag der „Gesellschaft für Lagerstättenforschung“ eigens für die Goldwäscherei konstruierter Schwimmbagger mit dem bezeichnenden Namen „Rheingold“, der 120 Kubikmeter in der Stunde schaufeln konnte, bei Illingen zwischen Rastatt und Karlsruhe seine Arbeit zur Suche nach Gold aus dem Rhein ein. Die nach Berlin geschickten Schürfberichte gingen im Krieg verloren. Der Erfolg lohnte den Aufwand nicht.“ Ganze 300 Gramm Gold soll Göring auf diese Weise aus dem Fluss erbeutet haben, berichtet an anderer Stelle das Nachrichtenmagazin Focus. So werden Traditionen beschlossen. Das Rheingold hat schließlich in mythische Zeitalter reichende Wurzeln, sowohl jenes, das von früheren Oberrheinern aus dem Strom herausgewaschen, als auch jenes, das von einäugigen Rächern in ihn hineingekippt wurde. So kamen in der sagenhaften Pfalz früher Bergmännlein gern zum Rhein, weil es dort Gold und Silber gab. Wahrscheinlich nachts, denn: „Morgenrot ist Zwergentod“. Das wußten schon (oder: noch?) die Verfasser der Edda. Laut Hübner „beschrieb der Mönch Rogkerus ums Jahr 1100 bereits die Technik des Goldwaschens genauso, wie sie von den letzten Goldwäschern bei Rastatt bis ins 20. Jahrhundert geübt wurde. Der letzte oberrheinische Goldwäscher starb 1944. (Nun, vielleicht auch nur der vorerst letzte, Anm. des Lesers.) Rogkerus schildert, wie der goldhaltige Sand auf Holztafeln übergossen wird, damit der Sand weggeschwemmt, und das schwere Gold, das von Quecksilber aufgesogen wird, übrigbleibt. Selbst die Darstellung des Schmelzens des so gewonnenen Rheingolds entspricht in den Einzelheiten dem bei den badischen Goldwäschern angewandten Verfahren.“ Ob der Fluß auch den Nibelungenhort feingerieben und der Sonne zugewaschen hat? Oder wo steckt der? Eine Quelle geht davon aus: im Loreleyfels, der, bevor er durch einen Bergsturz sein elbisches Echo verlor, hohl und von Felselben bewohnt war. Müßte wohl gesprengt werden, der Fels, um das rauszufinden. Oder liegt der Schatz weitab des heutigen Stromverlaufs unter rheinhessischer bzw. rheinpfälzischer Erde? Da wäre viel Platz zum Probebohren. Vielleicht hocken da unten auch noch ein paar antike Fabelwesen, grimmige, schatzbeschützende, mit reißenden Fängen? Die man mal zutage fördern könnte. Oder ist der Nibelungenhort längst ins Prägegold eingegangen, als hintergründig waberndes Gegengewicht zu all dem Papier, mit dem wir heute vordergründig bezahlen?