Frühling am Rhein

Bimmelnde Schneeglöckchen, die Sonne knallte. Gelbe und violette Krokusse hatten ihre Rachen gen Himmel geöffnet. Was sollte das? Es fehlten die Insekten, die Sounds fehlten. Die Krokusse schrien stumm, die Schneeglöckchen so leise, so leise am Bimmeln, die Krokusse, als wollten sie schlucken, schlucken. Am Himmel, war das Smog? Schwarzer Matsch war das im Park, der quartschte, quartschte da an den Sohlen, die den Matsch ansaugten. Quartsch, quartsch, quartsch, so stappten meine Schritte quer über den Rasen, kickten Kroken, die krakig taten und krachten, ihrer Hälse und Näcken mittels Kicks beknickt. Das war der Frühling. So ging das los.
Am Fluß unten war das ein andres Panel. Das floß so von Bild zu Bild, der Fluß. Der kippte da von einem Panel zum nächsten, floß auch mal falschrum, brauchte man bloß kurz wegschauen, hastenichgesehenmäßig, floß dann wieder richtig rum, Frachter in die eine Richtung, Frachter in die andre Richtung, fast schon philosophisch, und dann floß das ganze unten oder oben auf der Seite ab, eschermäßig, großartig, mußte man nur umblättern, floß es wieder, majestätisch wie das ja so heißt, von vorn, war aber mittendrin beim Fließen, ich kannte mich kaum noch aus, der Fluß, das war ein Heft ohne Begrenzung und ich blätterte und blätterte, bis mir die Finger wässrig wurden.
Dann schnallte ich, daß es real war. Auf der Grenze vom Wasser und dem Ufermatsch schwabberte, gurkte, erpelte so ein Tier, weißnicht, Tier das aus einem Weblog entflohen sein mußte. Sah komisch aus. Komisch nicht. Sah aus wie was, was es nicht gibt, also fast noch nicht gibt. Aber, wenn es doch so aussieht, daß mans beschreiben kann, dachte ich, gibt es das schon, muß es das geben. Was denn sonst? Ich kanns aber nicht korrekt beschreiben, merkte ich, weswegen es das Tier vielleicht nicht gibt. Es war jedenfalls da. Es schwabberte auch nicht, lief vielmehr als hätte es sechs Beine, mit denen man schon laufen kann, als so ein Tier, notfalls in mehrere Richtungen gleichzeitig. Drüber zottete massives Dreckfell, vielleicht auch Stacheln, ich glaub mit kleinen weißen Blüten drin, Jasmin. Das alles halb im Wasser, halb im Matsch. Eine kiemende Ufersau, halber Luftvogel. Wie auch immer. Das Tier hatte völlig undefinierbare Form. Sackte nach oben hin aus vielleicht. Waberte und wabbelte aber auch ständig und wo es eben noch war, war auf einmal Leerstelle. Es gab Schleifspuren im Matsch von dem Tier. Die hätten auch von sonstwas sein können. Ich habe so ein Tier noch nie gesehen und es war definitiv so ein Tier. Warum mich das beschäftigte: weil ich die Tiere normalerweise kenne.
Aber dann war es weg und man weiß nicht, was man gesehen hat und da dachte ich: verdammt! Was glaubst du denn? Ist es so nicht immer? Du redest mit wem, dann ist alles weg. Und man ist ein paar Sekunden oder so näher dran am Tod. Das läßt sich ja rückwärts zählen. Das driftet nicht mal da hin, mal da hin. Das läuft ganz unerbittlich und linear. Den Scheiß mit den früheren Leben mal ausgenommen. Über den Fluß kam von drüben aus Sonnenstrahlen ein goldparmäniger Störstreifen. Das ging auf mich zu und durch mich durch. Es war wie eine zwokommafünf Kilo schwere Metallkugel im Hals, ich schluckte dran wie ein Froschkönig. Wenn wir wiedergeboren werden und wir werden immer mehr, und es gibt doch nur so wenige Buddhas, dann wird es logisch immer enger hier. Und komische Tiere tauchen auf. Weil der Mensch sich ja auch entwickelt, in mancher Hinsicht. Man hat ja jetzt diese Technoköpfe, die sitzen auf normalem Fleisch, haben aber Knopf im Ohr und quatschen in den Orbit. Und wenn sie am Ufer langspazieren geht ihr Gesülze auch bis Holland. Wasser trägt.

(Ein Gastbeitrag von Pernil Gelber. rheinsein dankt!)