Dem Erbprinzen von Weimar, als er nach Paris reiste. In einem freundschaftlichen Zirkel gesungen.

So bringet denn die letzte volle Schale
Dem lieben Wandrer dar,
Der Abschied nimmt von diesem stillen Thale,
Das seine Wiege war.

Er reißt sich aus den väterlichen Hallen,
Aus lieben Armen los,
Nach jener stolzen Bürgerstadt zu wallen,
Vom Raub der Länder groß.

Die Zwietracht flieht, die Donnerstürme schweigen,
Gefesselt ist der Krieg,
Und in den Krater darf man niedersteigen,
Aus dem die Lava stieg.

Dich führe durch das wild bewegte Leben
Ein gnädiges Geschick!
Ein reines Herz hat dir Natur gegeben,
O bring es rein zurück!

Die Länder wirst du sehen, die das wilde
Gespann des Kriegs zertrat;
Doch lächelnd grüßt der Friede die Gefilde
Und streut die goldne Saat.

Den alten Vater Rhein wirst du begrüßen,
Der deines großen Ahns
Gedenken wird, so lang sein Strom wird fließen
Ins Bett des Oceans.

Dort huldige des Helden großen Manen
Und opfere dem Rhein,
Dem alten Grenzenhüter der Germanen,
Von seinem eignen Wein.

Daß dich der vaterländ’sche Geist begleite,
Wenn dich das schwanke Brett
Hinüberträgt auf jene linke Seite,
Wo deutsche Treu vergeht.

(Friedrich Schiller)

Europa? Europa!!

Plan B aus Sicht eines Rheinländers
(nicht ganz) ernst gemeinte Einschätzung, Anfang Juli 2017

Die EU wird eher halten als zerbrechen.
Sonst wär’ ein Plan B: gemeinsamer Nenner.
Binnenhanse wecken: Wesel, Solingen
und andere Lebensadern in Ländern.

Durch Luxemburg fließt die Mosel. Die Maas
durch Liège. Aachen ist mit Vatikanstadt
verbunden. Die liegt in Rom. Rauf bis Xanten
alles römische Gründungen. Klare Kante

für’n Kerneuropa aus rheinischer Sicht.
Griechisch-römisch und christliches Erbe. Gewicht
genug, bestehende Länder zu stärken.

Deutsches Grundgesetz bleibt in Kraft, Wesenskern.
Bis hierhin alles realistisch dies.
Zudem: auch für Nato gilt Charta von Paris.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr)

Marcel Crépon über Franz Liszts Platane (2)

(…) Ich muss gestehen, liebes rheinsein, dass ich recht erstaunt, ja etwas dumm da stand, fasziniert zu sehen wie der Disput sich entflammte, so als ob die jeweilig vertretenen Ansichten aus reinem Schießpulver bestünden. Ich sah beide Liszt-Anhänger, kurz zuvor in der Kirche noch von Harmonien und Melodien durchtränkt tief in sich versunken, nun zwei Frachtern gleich mit voller Kraft voraus und bereit zum Aufprall. Wer zuerst Gewalt anwandte, vermag ich heute nicht mehr zu erinnern. Auf einmal standen sie in der wenig beleuchteten Außenseite der Kirche, und während der Mann sich seine errötete Wange mit der linken Hand rieb, ergriff die rechte das Haar der Frau, die sofort mit geballter Faust in des Gegners Magen zurückzuschlagen versuchte, doch nur die Rippen traf, jedoch nicht kräftig genug, um den Mann daran zu hindern sie an den Schulter zu packen und heftig zu schütteln, wobei er seine Deckung aufhob und den Weg frei gab für ein feindliches Knie, das zwischen seinen Beinen einen Totalschaden angerichtet hätte, wäre nicht der Wintermantel vorhanden gewesen, der auch dafür verantwortlich war, dass die Frau leicht ihr Gleichgewicht verlor, was sie jedoch zu ihrem Vorteil nutzte, um dem Mann einen Kinnhaken zu verpassen, der ihn einen Augenblick verunsicherte, doch ließ die Parade nicht auf sich warten, indem er, sich daran erinnernd, dass auch Frauen einen sensiblen Genitalbereich vorweisen, hinterlistig einen Fuß in die erwähnte Region erhob, was die Frau geahnt haben musste, denn sie schritt instinktiv und flink beiseite, und umschlang ihn, um weitere Angriff zu vereiteln, eine Taktik, die von ihm sofort imitiert wurde, und zwar so kräftig, dass beide zu Boden fielen, die Umarmung mit den Beinen erweiterten, was den Kampf als einen leidenschaftlichen, furiosen Liebesakt erscheinen ließ, in dem die von Eros und Thanatos freigesetzten Energien beide Liebenden im besten Fall annihilieren. So weit kam es jedoch nicht. Die Bellizisten honorierten einander mit weiteren Schlägen, Strangulationsversuchen, Rupfen, Beschimpfungen, wie eben nur der selbstlose Egoismus der Liebenden es zustande zu bringen vermag. Sollte ich eingreifen, oder dem Kampf seinen Lauf lassen? Ich erinnerte mich wie in Alice im Wunderland der Siebenschläfer die Aufmerksamkeit des irrsinnigen Teetrinkers zu sehr auf sich lenkte, und in eine Teekanne gestopft wurde. Das gleiche Schicksal hätte mir drohen können, in einer herumstehenden Mülltonne. Also schwieg ich, und schaute weiter. Bald ließen sowieso Heftigkeit und Präzision der Angriffe nach, bald lagen die Kontrahenten erschöpft, wie zwei von der Ebbe zurückgelassene Strandgüter. Es röchelte, sabberte, stöhnte, wimmerte, spuckte. “Eine Platane war es…”, seufzte dann der Mann, “ich weiß es, ich war dort”. Die Frau drehte ihm langsam den Kopf zu. “Ja, ich bin auf der Insel gewesen. Um auf die Insel zu gelangen, nutzte man damals eine Fähre mit Seilen. Den Betreiber fragte ich halb auf Englisch, halb mit Zeichensprache, ob er mich übersetzen könnte. Er verneinte, es sei denn, ich wolle zum Friedhof. Meine Absicht war es gewiss nicht, d.h. nicht wie dieser Charon es vielleicht meinte. Doch so war es: auf die Insel kam man nur, um die Toten zu besuchen (vielleicht hätte mich als Nachfahre der arme Trochet, oder der arme Toulié, die 1794 auf der Insel verstarben), zu beten oder wenn man im Mädcheninternat eingeschult ist. Damals war es auf jeden Fall so.” – “Und was geschah dann?” wollte die Frau wissen. “Den Rest des Nachmittags verbrachte ich in einer Gaststätte, beobachtete die Aktivität auf dem Fluss, machte Fotos.

nonnenwerth_platane4

Nachts wagte ich mich zur Insel. Zwischen ihr und dem Ufer ist der Rhein wirklich nicht breit, kaum 100 Meter und so gut wie ohne Strömung. Ich hatte also leichtes Spiel. Am Ufer angekommen waren es nur ein paar Schritte bis zur Plat…” – “Pap…” – “Sagen wir bis zum Baum”, unterbrach ich. “Und danach? Haben Sie sich wie ein billiger Verführer zu den Mädels geschlichen?” – “… ??????? Nein, ich kniete am Fuß des hoch ragenden Stammes, schloss die Augen, berührte die Rinde, die einst von Liszts Fingern angefasst wurde, und weinte. Nach einer Weile schwamm ich dann zurück, als fast das Blatt, das ich mitgenommen hatte, als ich kurz Luft schnappen wollte, vom Wasser weggespült worden wäre.” Die Unbekannte hörte schweigend zu, nickte mit dem Kopf, hielt dennoch an ihrer Pappel fest, bezeichnete sie als Todessymbol. Die Rheininselidylle verdüsterte sich allmählich, bis sie von “Nonnenwerth suicide”, von Vorahnung sprach und versicherte, dass Liszt, als er den mit bunten Bändern geschmückten Baum zu pflanzen gebeten wurde, eine Pappel sah, ähnlich denjenigen, die den Kenotaphen Rousseaus umstehen auf der Île des Peupliers, und er nicht den Kenotaphen sah, sondern, statt seines ersehnten Refugiums, das Grab seiner Liebe für Marie d‘Agoult. Es sei ja bei einer Pappel geblieben. Mit Volldampf habe Liszt vor seinem Geburtstag links und rechts die Rheinufer mit Konzerten bombardiert, seinen musikalischen Feldzug danach fortgesetzt, Berlin, Sankt Petersburg und wo sonst noch – und mit wem… Doch sei ein Wunder geschehen: aus der einen Pappel sei schließlich eine ganze Allee geworden, wie sie Christine von Hoiningen-Huene in ihren Erinnerungen… Der Mann stoppte die Lawine: “35, 40 Jahre später niedergeschrieben… Wer mag da zwischen Platane und Pappel unterscheiden? Die Beschreibungen eines Augenzeugen sind da zuverlässiger; Marie von Czettritz und Neuhauß spr…” – “Ja, von Austern, Leberpastete, Torten, Ananas, Wildschweinkopf kann diese Frau in ihren Briefen reden, von Thermometern, Medaillen, von bemalten Inseln, von in Drachen verwandelten Inseln oder was weiß ich? Sie mag das Äußerliche, das Unwichtige detailgetreu wiedergeben, was aber ist mit dem Innerlichen?” – “Meinen Sie, der Baum wäre äußerlich ein Populus gewesen, und im Inneren ein Platanus? Oder verstehe ich falsch? Welch Unding! Was zählt ist das Blatt, das ich gegen den Strom zurückeroberte und mit nach Hause nahm.” Um eine Fortsetzung des Kampfes zu unterbinden, schlug ich vor, wenn es dem Mann recht wäre, das Blatt anschauen zu dürfen. (…)

Fortsetzung folgt.

***

Marcel Crépon für rheinsein aus Paris. Im folgenden und abschließenden dritten Teil seines Berichts wird die Frage, ob es sich bei Liszts auf der Insel Nonnenwerth eigenhändig gepflanzten Baum um eine Platane oder Pappel handelt, endgültig entschieden.

Marcel Crépon über Franz Liszts Platane

Liebes rheinsein,

wie ein schlafgestörter Siebenschläfer durchstreifte ich die kalte, nasse Misere eines winterlichen Pariser Abends, und “blätterte”, in Erwartung den Müdigkeitsprozess in Gang zu setzen, im offenen Buch des Straßengeschehens: Wände, Fenster, Schaufenster, Stadtmöbel, bis ich vor einer Ladentür stehen blieb. Mehr als der programmatische Inhalt war es das Flattern eines fahlen grünen Plakats gewesen, welches meine Aufmerksamkeit erweckte hatte. Eine bescheidene Schwarz-Weiß-Fotokopie, mit Tesafilm auf der Scheibe befestigt, die mit anderen, auf Glanzpapier gedruckten vierfarbigen Ankündigungen, um die Gunst der Passanten konkurrierte. Ich beobachtete die Reaktion einer abgerissenen Ecke auf jeden Luftzug, die manchmal mit hektischen, manchmal mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen ausfiel, als in meinen Rücken eine weibliche Stimme erklang: “Mögen sie Liszt?”. Darüber nachgedacht hatte ich noch nie. Lausche ich Musik, ist das mehr zufällig als infolge irgendeiner Präferenz. Ich drehte mich um, bewegte die Gesichtsmuskel so, dass keine interpretierbare Äußerung möglich war, und skizzierte mit den Händen in der Luft geschickte, bedeutungslose Gebärden. Kurz: ich legte mich nicht fest, lenkte lieber auf die Programmgestaltung ab, laut der neben Liszt Stücke von Jean Cras und Antoine Mariotte musiziert werden sollten. Die Frau zog einen subtilen Bogen von „Die Nonnenzelle“ über „La Maison du Matin“ hin zu „Le Temple au Crépuscule“, irdische Einrichtungen, die den weltlichen Rumor einzudämmen wüssten, allein um der Welt einen würdigen Eintritt in den Geist zu gewähren. Es fiel mir aufrichtig schwer, ihren Gedanken zu folgen. Es reichte ja, wenn ich sie zum Konzert begleiten würde, neugierig zu hören was erklingen würde. Denn wie das Morgenhaus am Meer lachte und der Tempel sich vielleicht in einem Tümpel spiegelte, so war gewiss die Nonnenzelle vom Wind des Rheins belüftet. So stellte ich sie mir vor: karg eingerichtet und voller Demut, still, doch von erhabener Idiotie vibrierend, feucht vom Gebetsschweiss, eng, doch majestätisch wie die Kuppel des Panthéons, welche hinter den Dächern aufragte und der wir uns näherten. Fast am Ende der rue des Carmes angekommen, machte die Unbekannte ein Zeichen und wir gingen durch einen kleinen Hof bis zum Eingang einer Kirche, erbaut im XIV. Jahrhundert, umgebaut im XVII., und zuletzt 1733 im Barockstil neu errichtet. Darauf hatte die Revolution die Wappen ihrer letzten Gönner vom Portal gehämmert, und sie mal als Gefängnis, mal als Lager genutzt; 1925 wurde sie der syrisch-katholischen Kirche übergeben; aufgrund ihrer ausgezeichneten Akustik werden dort heute regelmäßig Konzerte veranstaltet, wie ich einem Informationsblatt entnehmen konnte, während die Unbekannte die Karten zahlte. Wir traten ein. Als wir wieder herauskamen, schwebte sie wortwörtlich. Ihre Bewunderung für Liszts Opus war in eine Art Verzückung übergegangen. Körperlos schien sie über das Pflaster zu gleiten. Lächelnd beschrieb sie, wie jeder Akkord, jede Note sie an das sanfte, zarte Geraschel von Blattwerk im Sommerwind erinnerte.
- So ist es, fügte ein uns folgender Melomane hinzu. Man könnte glauben, man säße unter Liszts Platane, deren Blätter von der Flussbrise gestreichelt werden und friedlich säuseln, und siehe da: aus des Wassers Welle taucht einsam die Klosterzelle auf, wie es im Gedicht Felix Lichnowskys so schön dargestellt wird.
- Welche Platane? fragte ich.
- Liszts Platane, sagte ich bereits, die er vor fast 200 Jahren auf der Insel Nonnenwerth…
- Es war aber eine Pappel, erwiderte die Unbekannte, die blitzartig auf den Boden der Realität zurückgefunden hatte.
- Eine Platane, Madame, 1841 vom Maestro eigenhändig, am Tag seines 30. Geburtstags gepflanzt.
- Warum nicht eine Kokospalme oder ein Gummibaum?!
- Liszt war ein Poet, kein Plantagenaufseher. (…)

Fortsetzung folgt.

***

Offenbar hielt sich Marcel Crépon vor kurzem in Paris auf. Das entnehmen wir einer ausführlichen, mit Fotos illustrierten Mail unseres treuen Leserreporters, die, einer großstädtischen Laune zufolge, den Aufenthalt Franz Liszts auf der Rheininsel Nonnenwerth zum Thema hat. Wir stellen Monsieur Crépons rheinisches Erlebnis zu Paris in drei Teilen vor. Soviel vorweg: Teil 2 wird eine furiose Kampfszene enthalten.

Quel dommage, monsieur, que nous soyons en Allemagne !

(…) Nous avions quitté les chemins briquetés de Hollande. Le pays était toujours très plat, très vert, mi-polders, mi-champs de cultures, avec, çà et là, de petits villages tranquilles, entourés joliment de bouquets de bois, et des petites maisons basses — fermes et laiteries — aux façades chaulées, aux toits de tuiles, dont le rouge jouait discrètement, sous un ciel gris perle, très profond et très doux.

Ce n’était plus la Hollande et ce n’était pas encore l’Allemagne. C’était un reste de Hollande dans très peu d’Allemagne, quelque chose d’intermédiaire qui donnait au paysage je ne sais quoi de plus gentiment mélancolique, un charme de chose très jeune ou très ancienne — je ne saurais dire — assez émouvant.

Et la route unie, sans une courbe, sans un ressaut, invitait à la vitesse.

Nul obstacle nulle part. Pas un caniveau, pas un dos d’âne : une piste bien entretenue de vélodrome. Scrupuleusement, les voitures que nous dépassions tenaient leur droite, et les charretiers, attentifs à leurs chevaux, nous saluaient au passage, sans servilité, presque en camarades.

Brossette me dit :

— Quel dommage, monsieur, que nous soyons en Allemagne !
— Pourquoi donc, Brossette ?
— Parce que je n’aime point ces gens-là… Et puis, monsieur, parce que voilà une route épatante où nous ferions facilement du quatre-vingt-dix… plus, peut-être…

Et, après un silence :

— C’est curieux !… Monsieur est bien sûr, au moins, que nous sommes en Allemagne ?
— Voyons !… Et la frontière ?… Tout à l’heure ?
Il haussa les épaules.
— Ça ? Une frontière ?… Oh ! là là !… Givet, oui… voilà une frontière… Mais du moment que monsieur est sûr ?

Et il grogna :

— Sale pays, tout de même !

Nous marchions lentement, comme dans une forêt enchantée, une forêt pleine d’embûches, de traquenards, de dangers, une forêt pleine d’ours, de tigres et de lions… Anxieux, nous interrogions l’horizon… Nous fouillions du regard, à droite et à gauche, la campagne, avec la peur de voir tout à coup surgir le casque à pointe du Règlement, avec la terreur de tout ce que devait cacher d’inconnu, de barbare, ce calme insidieux.

Et la 628-E8 était impatiente. On la sentait, toute frémissante d’élans retenus… Elle semblait encapuchonner son capot, comme un ardent étalon, son encolure, sous le mors qu’il mâche et qui le maîtrise. On eût dit vraiment qu’elle tirait sur le volant, comme un cheval sur ses guides… Je vis à l’horloge municipale d’un village qu’il était quatre heures et demie. Nous avions plus de deux cents kilomètres à faire, avant d’atteindre Dusseldorf, où nous eussions bien désiré arriver avant la nuit.

Pourquoi, à ce moment, songeai-je à la guerre de 70 ? Pourquoi justement, au lieu de ses horreurs, me revint à l’esprit cet épisode intime et consolant qu’au retour mon père m’avait conté ?

Il avait dû loger, pendant un mois, un général prussien, son état-major et sa suite. Très discret, d’une éducation parfaite, d’une bonne grâce très délicate, ce général n’avait pris de notre propriété que ce qui était indispensable à lui et à ses services. Il s’efforçait, par tous les moyens, de rendre moins humiliante, moins pénible, cette occupation, et il veillait à ce que rien – autant que cela était possible – ne fût changé des habitudes de la maison. Il se conduisait comme un hôte bien élevé, non comme un conquérant.

Un matin, il se fit annoncer chez mon père :

— Je viens d’apprendre, monsieur, lui dit-il, que vous avez un fils à l’armée de la Loire ?… Est-ce vrai ?
— Oui.
— Avez-vous de ses nouvelles ?
— Je n’en ai plus depuis longtemps déjà.
— Depuis quand, exactement ?
— Depuis Patay… soupira mon père.
— Ah !…

Puis :

— Voulez-vous me permettre de m’informer ?… Moi aussi, monsieur, j’ai des enfants… Je sais… Je sais… Cela ne vous désobligera pas que…
— Je vous en serai reconnaissant, au contraire… J’avoue que j’ai de grandes inquiétudes…

Le général demanda quelques renseignements complémentaires… et, saluant :

— À bientôt, j’espère…

Quelques jours après, il se présentait à nouveau… Il était tout souriant :

— J’ai des nouvelles de monsieur votre fils… Il est au Mans… Il se porte très bien… Je suis heureux d’avoir pu…

Puis :

— Je crois que nous touchons au terme de cette affreuse chose…

Puis encore :

— Voulez-vous me permettre de vous serrer la main ?

J’entendais encore mon père me dire qu’il n’avait jamais été plus touché par la bonté d’un homme, et que, jamais, il n’avait serré une main française avec autant de joie qu’il étreignit cette main allemande… C’est que mon père était, lui aussi, un brave homme… Dieu merci, il n’avait rien d’un héros de théâtre.

Sous l’impression de ce souvenir, je m’exaltai :

— Ma foi ! tant pis… m’écriai-je tout à coup… Arrivera ce qui pourra… Allons-y, Brossette, allons-y !

L’air était frais, la carburation excellente. La bonne C.-G.-V., lâchée, bondit et roula comme une trombe sur la route.

— L’accélérateur, Brossette !… Nous verrons bien…
— Sale pays ! répéta Brossette, en réglant ses gaz et donnant méthodiquement de l’avance à l’allumage.

En quelques minutes, nous fûmes à Emmerich, où nous traversâmes le Rhin, sur un bac à vapeur très puissant ; en quelques autres, à Clèves, dont nous escaladâmes les rues sinueuses et montueuses, à la grande joie des promeneurs – c’était un dimanche, – et sous la conduite d’un petit pâtissier, très fier d’être monté sur le marchepied, et qui nous mit gentiment sur notre chemin, de l’autre côté de la ville.

Ah ! quelle route !

Quelle route que cette route où nous mena le petit pâtissier de Clèves, la plus belle de ces belles routes du Rhin, construites par Napoléon, pour les affreux défilés de la guerre, et où, maintenant, passe ce que l’automobilisme apporte avec lui de civilisation moins rude, de sociabilité universelle et d’avenir pacificateur.

Elle était, cette route, bordée d’une double rangée de magnifiques ormes, avec du printemps très tendre, très jeune, entre leurs branches, une poussière de printemps, à peine rose, à peine verte, à la pointe de leurs branches ; elle était large, étalée, comme notre avenue des Champs-Élysées, douce et unie comme si elle eût été tendue de soie, et toute droite, si droite qu’on n’en voyait pas le bout, sinon, là-bas, tout là-bas, aux confins du ciel, un tout mince ruban jaune, un tout petit trait de pastel jaune que nous ne pouvions jamais atteindre… Et le soleil de cette fin de journée faisait avec les entrelacs de l’ombre, comme un tapis, tel que n’en tissèrent jamais les plus subtils artisans de la Perse.

Sur ce sol merveilleux, la machine, emportée au rythme d’un ronflement léger, régulier, infiniment doux – bruit d’ailes ou souffle de vent lointain – glissait, volait, ainsi qu’un oiseau rapide qui rase la surface immobile d’un lac.

Brossette ne disait plus rien, ne répondait plus à mes questions. Il était grave, regardait la route d’un œil légèrement bridé, et il écoutait chanter la belle chanson des cylindres.

Les champs me frappèrent par leur terre grasse, leur air cossu, leurs belles cultures, l’abondance de leurs troupeaux. Les villages, très propres, les seuils lavés, les fenêtres claires, les portes aux cuivres luisants avaient un aspect d’aisance tranquille. Partout cela sentait le travail, la sécurité, la richesse, je ne dis pas le bonheur, car le bonheur, c’est autre chose. Il ne se voit pas tout de suite aux yeux des hommes, comme le bien-être aux fenêtres des maisons. Il ne se voit qu’à la longue, il ne se voit pas souvent, il ne se voit presque jamais.

Nous prîmes de « la benzine » dans une petite ville dont je n’ai pas retenu le nom, ville de cinq mille habitants, à peu près, rebâtie, presque toute neuve, avec des rues larges, coupées de places ombragées, et des maisons où semblait régner un confort solide. Deux ponts, l’un tout neuf, l’autre très vieux, enjambaient, le premier, d’une seule courbe, le second, de deux arches gothiques, les deux bras d’une rivière, que bordaient de petites industries qu’à leur air actif et coquet l’on pressentait prospères.

Comme dans toute l’Allemagne, les édifices administratifs s’imposaient aux contribuables par leur monumentalité un peu effrayante, d’un goût horrible souvent, d’une opulence orgueilleuse et bien assise, toujours. Je m’étonnais grandement de voir, dans un endroit si peu important, tant de magasins de toute sorte, des boutiques de luxe, des soies drapées, des velours à traîne, des maroquineries étincelantes, des bijoux, des étalages de victuailles enrubannées, des charcuteries architecturales, ornées, comme des églises, un jour de fête. Partout l’abondance, la sensualité, la richesse.

Et je me disais :

— Ces objets ne sont pas là pour le simple plaisir de la montre. Il y a donc, dans ce petit pays, des gens qui les désirent et qui les achètent.

Je me disais encore, non sans mélancolie :

— Comme je suis loin de la France, des petites villes de France, de leurs rues mortes, de leurs maisons lézardées, de leurs boutiques sordides et fanées !… Chez nous, on ne travaille qu’à Paris, dans quelques grands centres, quelques villes du Nord, et dans le Sud-Est… Le reste s’étiole et meurt chaque jour. D’immenses richesses dorment inexploitées, partout. Qui donc, par exemple, songe à arracher aux Pyrénées le secret de leurs métaux ? Qui donc oserait confier des capitaux improductifs à cette jeunesse hardie qui, faute de trouver chez elle l’emploi de son activité et de sa force, est contrainte de s’expatrier et de travailler à l’enrichissement des autres pays ?… Comme je suis loin ici, de ces bons Français, rentiers et gogos, qui se disent toujours la lumière et la conscience du monde, et que je vois perpétuellement assis au seuil de leurs boutiques, devant la porte de leur demeure, abrutis et amers, crevant de leur paresse, s’appauvrissant de leur épargne, passant leurs lourdes journées à s’envier, se diffamer les uns les autres ! Nul effort individuel, nul élan collectif… Quand je reviens dans des régions traversées quelques années auparavant, je les retrouve un peu plus sales, un peu plus vieilles, un peu plus diminuées ; et chacun s’est enfoncé, un peu plus profondément, dans sa routine et dans sa crasse. Ce qui tombe n’est pas relevé. On met des pièces aux maisons, comme les ménagères en mettent aux fonds de culotte de leur homme. On ne crée rien. C’est à peine si on redresse un peu ce qui est par trop gauchi, si on remplace aux toits les ardoises qui manquent, les portes pourries, les fenêtres disloquées… N’ayant rien à faire, rien à imaginer, rien à vendre, rien à acheter, ils économisent… Sur quoi, mon Dieu !… Mais sur leurs besoins, leurs joies, leur dignité humaine, leur instruction, leur santé… Affreuses petites âmes, que ce grand mensonge antisocial, l’épargne, a conduites à l’avarice, qui est, pour un peuple, ce que l’artériosclérose est pour un individu. Ce n’est pas de leur bas de laine que la France a besoin, mais de leurs bras, de leur cerveau, de leur travail et de leur joie… Et ce n’est pas leur faute, après tout… On ne leur a jamais dit : « Vivez ! Travaillez ! » On leur a toujours dit : « Épargnez ! » Ils épargnent…

(aus Octave Mirbeau : La 628-E8, Bibliothèque Charpentier – Fasquelle, 1907)

Presserückschau (November 2016)

1
30 Jahre Sandoz-Katastrofe
“In der Nacht auf den 1. November 1986, kurz nach Mitternacht, ereignete sich die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Basler Pharmaindustrie: In der Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) brach ein riesiges Feuer aus.
Am Morgen heulten die Katastrophensirenen in Basel zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und wurden mit Polizeidurchsagen aufgefordert, ihre Fenster zu schliessen und Radio zu hören. Über 1300 Tonnen hochgiftige Chemikalien verbrannten in jener Nacht. Die Flammen und der orangegefärbte Himmel waren in der ganzen Region sichtbar. (…) Um 5 Uhr am Morgen hatten die Feuerwehrleute den Brand im Griff. (…) Das Löschwasser wurde vom Brandort mitsamt 20 Tonnen Chemikalien direkt in den Rhein geschwemmt. Der Fluss verfärbte sich rot, es kam zum grossen Fischsterben. Bis zur Nordsee war das Wasser vergiftet. Die gesamte Aalpopulation auf einer Länge von 400 Kilometern wurde ausgelöscht. (…) Das frische Wasser aus den Alpen spülte den Strom durch und die meisten Organismen konnten sich innerhalb einiger Monate erholen. (…) Doch der Dreck ist immer noch da. Nach 30 Jahren sind immer noch Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden messbar. (…) 2017 soll entschieden werden, ob die Messungen weitergeführt oder abgeschlossen werden, oder ob zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung vorgenommen werden müssen.” (Blick)

“Sandoz war ein Unglück, in gewisser Hinsicht aber auch ein Glücksfall. Das Bewusstsein für Umweltschutz stieg, Industrie und Politik wurden wachgerüttelt. Ich habe 1971 angefangen zu fischen. Damals roch man den Rhein, bevor man ihn sah. Als ich meinen ersten Fisch nach Hause brachte, sagte meine Mutter: Den essen wir nicht. Die Situation hat sich gebessert. Sandoz war aber ein gewaltiger Einschnitt. Die Äsche, die ganz empfindlich ist, war zum Beispiel schlagartig weg – der Bestand hat sich nie erholt. (…) Sandoz hat die Fischer hart getroffen. Es ging zwei Jahre, bis man wieder fischen konnte.” (Hans-Dieter Geugelin im Interview mit der Badischen Zeitung)

2
Eierstöcke
“Das größte Problem des Rheins sind mittlerweile die diffusen Schadstoffeinträge. Fast alle Pflanzenschutzmittel und gut die Hälfte der Schwermetalle, die im Fluss nachgewiesen werden können stammen aus diffuse Quellen. (…) Es machen sich mehr und mehr Hormone, Antibiotika, Schmerzmittel oder übermäßiges Blutfett, im Oberflächenwasser breit. Ein Teil dieser Wirkstoffe scheidet der Körper unverändert aus und es gelangt so ins Abwasser und in die Flüsse. Obendrein werfen viele Menschen überzählige Pillen in das Abwasser. Prof. Dr. Frank Sirocko vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz verweißt auf männliche Fische in Flüsse, denen Eierstöcke wachsen. Menschen scheinen noch nicht darunter zu leiden, denn im Trinkwasser sind die Dosierungen bislang zu gering für einen nachweisbaren Effekt.” (report-K)

3
Berliner Mauer
“Wegen des Hochwasserrückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört, das voraussichtlich 186 Millionen Euro kosten wird, streitet man derweil schon seit Monaten teilweise leidenschaftlich über die Knackpunkte: In Karlsruhe treibt Bürger vor allem das Vorhaben um, das an den Rhein grenzende Rheinstrandbad bei Daxlanden – ein beliebtes Erlebnisbad mit Rutsche – mit einer vier Meter hohen stählernen Spundwand zu „ummanteln“. Eine solche Wand ist auch für das angrenzende, in den 1930-er Jahren im Bauhausstil gebaute Naturschutzzentrum Rappenwört geplant. Erst im Sommer nannte Robert Mürb, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Waldfreunde, das Vorhaben eine neue Berliner Mauer.” (Stuttgarter Nachrichten)

4
Frankfurt am Rhein
“Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, und irgendwo am Vater Rhein liegt plötzlich Frankfurt/Main.“ So muss man den ollen Schlager von Vico Torriani selig wohl künftig singen. Und in der Commerzbank-Arena, pardon: Natürlich im Waldstadion schallt es künftig von den Rängen: „Eintracht vom Rhein, nur du sollst heute siegen…“ (…) Heutzutage befragt doch jedes Kind und jeder Weltreisende Google zum Beispiel danach, welcher Fluss da gerade an einem vorbeimäandert, während man am Ufer die Seele baumeln lässt, den Kölner Dom im Rücken. Wie also kommt der Rhein hier in den Main? Ganz einfach: Weil ein Online-Reisevermittler offensichtlich einen kleinen Vogel hat. „TravelBird“ heißt das niederländische Unternehmen. Und weil das Internet nun mal ein Dorf ist und Sydney von Santiago de Chile nur ein Klick entfernt, haben sich die Reisevögel aus Amsterdam halt mal im Fluss vertan. Ist nicht so schlimm.” (Frankfurter Neue Presse)

5
Nippeser Volksgarten
“Dass zwischen Nippeser Tälchen und Schillstraße einst ein Weiher lag, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Dieser war aus einer ehemaligen Rheinrinne entstanden, maß etwa 300 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite und wurde vom Grundwasser gespeist. Belegt ist der Teich, der mal größer, mal kleiner war, seit dem 13. Jahrhundert, vermutlich gab es ihn aber schon zur Römerzeit. Lange wurde der Weiher nur als Fischteich genutzt, mitunter brachen im Winter Brauereien Eis aus dem vereisten Gewässer heraus, um ihr Bier zu kühlen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

6
Bürgerliche Kampfschrift
“Die Deichwächter haben ein Buch zur Düsseldorfer Rheinlandschaft herausgebracht. Es dokumentiert deren Schönheit, widmet sich aber vor allem ihrer ständigen Bedrohung – durch ehrgeizige Planer und die Politik. (…) Und so führt das Buch auch durch eine selbst den meisten Düsseldorfern unbekannte Landschaft, die aus Löwenzahn, Storchenschnabel, aus dem Frühlingshungerblümchen dem Wiesenfuchsschwanz und dem Knaulgras besteht. Eine Miniatur-Welt, die das Biotop Rheinwiese bildet, die Grüne Lunge der Stadt Düsseldorf. Der Leser erfährt aber auch, wie die Menschen sich dem Fluss genähert haben und weiter nähern. Die Autoren beschreiben lohnende Ausflugsziele, architektonische Höhepunkte und widmen den Düsseldorfer Brücken ein Kapitel. Sie dokumentieren den Bau der Rheinuferpromenade und des Medienhafens und würdigen noch einmal den Schäfer Gerhard Siegfried, der jahrelang mit seiner Herde von Heerdt nach Lörick zog und 2015 verstarb.” (Rheinische Post)

7
Leistungsfähigerer Rheinkorridor
“„Der Rhein – die europäische Wasserstraße“ war das Leitmotiv der dritten Rheinanliegerkonferenz, auf der Politiker und Experten aus der Hafen- und Logistikbranche in den Düsseldorfer Rheinterrassen über Zukunft des Rheinkorridors für die Transport- und Logistikketten diskutierten. (…) Die Verkehrsminister der Rheinanliegerländer forderten zum verstärkten Ausbau des Rheins als Europas bedeutendste Verkehrs- und Wirtschaftsachse, dass die Infrastrukturprojekte des aktuellen Bundesverkehrswegeplans zügig umgesetzt werden müssten. So seien zur Steigerung der Transportkapazitäten auf dem Rhein vor allem bei Niedrigwasser die Beseitigung von Hindernissen und Untiefen in der Fahrrinne schnellstmöglich anzugehen. Dazu müsse das Planungspersonal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) projektorientiert, das heißt räumlich und zeitlich konzentriert, eingesetzt werden.” (Bundesverkehrsportal)

8
Nilgans
“Die Nilgans, deren ursprüngliche Heimat die afrikanische Fluss- und Binnenseenlandschaft ist, breitet sich in den letzten Jahren immer stärker in Europa aus. Sie gilt als sehr erfolgreiches Neozoen, welches zunehmend heimische Arten aus deren Lebensraum verdrängt. Über die Niederlande und Belgien, wo die Nilgans in Parks und Vogelgehegen gehalten wird, hat sich die Nilgans ausgewildert und verbreitet sich nun sprunghaft, vor allem entlang der Flusslandschaft des Rheins (Südkurier)

9
Seidenstraße
“Die Neue Seidenstraße endet in Duisburg – und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des Rhein-Kreises. Gemeint ist die Schienenverbindung, auf denen Güterzüge mehrmals pro Woche Waren von China nach Europa bringen – und umgekehrt. Die Transportzeit gegenüber dem Schiff wird halbiert, die Preise für Luftfracht deutlich unterboten. Die Neue Seidenstraße ist ein Lieblingsprojekt der chinesischen Regierung, insbesondere von Staatspräsident Xi Jinping, der 2014 eigens nach Duisburg reiste, um den ersten chinesischen Handelszug am Rhein zu begrüßen.” (Rheinische Post)

10
Wilde Schafsjagd
“Eine Herde von 30 Schafen hat (…) von der französischen Seite aus den Rhein in der Nähe des Altenheimer Hafens schwimmend überquert und damit einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Vier der Tiere habe die freiwillige Feuerwehr Neuried mit ihrem Mehrzweckboot retten müssen, berichtete (…) der Pressesprecher der freiwilligen Feuerwehr Neuried. Zwei Schafe konnten die 15 Feuerwehrleute am Wehr in Richtung Kehl nur noch tot bergen. Wieso die Tiere den Rhein überquert haben sei noch nicht bekannt.” (Baden Online)

Oder anders gezählt: “Vier der sechs Tiere konnten die Feuerwehrleute lebend an Land bringen, zwei davon mussten von einer herbeigerufenen Tierärztin wegen mehrerer Knochenbrüche noch am Einsatzort eingeschläfert werden. Außerdem fand die Feuerwehr auf dem Rhein noch zwei weitere tote Tiere.” (Badische Zeitung)

11
Reifenfriedhof
“In einer gemeinsamen Aktion haben die Stadtverwaltung und die Mondorfer Niederlassung des Wasser- und Schifffahrtsamts Köln jetzt zahlreiche Autoreifen beseitigt, die kürzlich im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort entdeckt worden waren. „Acht Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben einen ganzen Arbeitstag benötigt, um rund 150 Reifen aus dem Schlamm des Uferbereichs zu bergen, das sind etwa 80 Prozent der Altreifen, die dort vermutlich liegen“, schildert der städtische Beigeordnete Sebastian Sanders. Auf welche Weise die Reifen an das Niederkasseler Rheinufer gelangt sind, konnte bislang nicht geklärt werden. „Von der Lage der Reifen spricht aber einiges dafür, dass ein Großteil angeschwemmt wurde“, so Sanders. „Der Bereich ist vom Land aus nur schwer zugänglich, wir halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass jemand alte Reifen in größerem Stil vom Land aus in den Fluss entsorgt hat.“” (Kölner Stadt-Anzeiger)

12
Rheintoter
“Der Mannheimer Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder ist tot. Der 59-Jährige war Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. Von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß es, seine Leiche sei am Montagmorgen in Brühl bei Mannheim gefunden worden. Ein Passant hat sie am Rheinufer entdeckt. (…) Die Polizei geht von einem Suizid aus. Die Obduktion habe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll Raufelder in Flammen gestanden haben. Seine Leiche sei weniger Meter von seinem Fahrzeug entfernt gefunden worden.” (n-tv)

Presserückschau (September 2016)

1
“Die spektakuläre Lichtinstallation am Düsseldorfer Rheinturm könnte bald regelmäßig zu sehen sein. Nach der Premiere beim NRW-Fest soll der “Rheinkomet” zum neuen Wahrzeichen der Stadt werden – nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms. “Nach dem Echo, das wir bislang bekommen haben, sind wir überzeugt, dass der Rheinkomet das neue Wahrzeichen Düsseldorfs werden kann”, sagt Edmund Spohr von der Bürgerstiftung „Dus-Illuminated“. Aus vielen Städten im Umland seien positive Anrufe eingegangen. “Wir haben sogar einen Brief aus dem Vatikan bekommen, der die Installation als ‚Stern des Abendlandes‘ bezeichnet”, freut sich Spohr. Die Stiftung hat das Lichtspektakel gemeinsam mit dem Künstler Klaus Gendrung finanziert und auf die Beine gestellt. Die Idee zur Lichtshow liegt dagegen schon Jahre zurück, denn ursprünglich sollte der Rheinturm eine olympische Flamme zeigen, wenn die Olympia-Bewerbung der Stadt für die Spiele im Jahr 2012 Erfolg gehabt hätte.” (WDR)

2
Absturz: “Mehrere besorgte Bürgen hatten (…) den abgestürzten Heißluftballon beziehungsweise einen Feuerball oder gar ein unbekanntes Flugobjekt über der Rettbergsaue inmitten des Rheins gemeldet. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und ein Polizeihubschrauber machten sich sofort auf den Weg zu der großen Rheininsel (3100 Meter lang und bis zu 400 Meter breit).
Sie entdeckten den Heißluftballon, dessen Ballonfahrer sich für die Landung auf der Aue entschieden hatte, weil er das Rheinufer nicht mehr erreicht hätte. Alle drei Insassen des Ballons waren wohlauf und wurden mit einem Feuerlöschboot ans Ufer gebracht.” (Bild)

3
“Es ist kein schöner Anblick, der sich (…) Spaziergängern bietet, die an der Altenheimer Rheinbrücke unterwegs sind: Auf französischer Seite dümpeln Hunderte verendeter Fische – und auch auf der deutschen Rheinseite fällt das »Treibgut« auf. Das Fischsterben hat einen natürlichen Grund: Blaualgen. Die Untersuchungen auf französischer Seite sind (…) inzwischen abgeschlossen. Die Ursache des massiven Fischsterbens im Rhein liegt im Plobsheimer Becken gegenüber von Neuried-Müllen. Die toten Tiere werden über den Rhein hinweg ans Ortenauer Ufer geschwemmt. Angefacht durch die Hitze der vergangenen Wochen sind in den Tiefen des Beckens Blaualgen gewachsen. Diese bilden nicht nur einen markanten blauen Farbstoff, sondern auch Bakterien, die Fische und ihre Nahrung, den Plankton, nach und nach vergiften. Zudem binden die Algen den Sauerstoff im Wasser – die Umgebung wird für die Tiere und Einzeller lebensfeindlich.” (Baden Online)

4
Rheintote
“In Basel ist (…) ein unbekannter toter Mann aus dem Rhein geborgen worden. Passanten hatten (…) den vor dem Kleinbasler Ufer im Wasser treibenden Körper bemerkt und Alarm geschlagen. Bei der Wiesemündung konnten Polizei und Feuerwehr den Toten bergen. Bisherige Ermittlungen hätten ergeben, dass der Mann offensichtlich schon mehrere Tage im Rhein gelegen habe, teilte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mit. Identifiziert werden konnte er noch nicht.” (Aargauer Zeitung)

“Ein Mann ist (…) im Rhein bei Speyer ertrunken. Das bestätigte die Polizei dem SWR. Wasserschutzpolizei, DLRG und Feuerwehr seien im Großeinsatz gewesen. Taucher hätten den Mann aber nur noch tot bergen können. Die Identität des Opfers sowie der Unfallhergang sind noch unklar. Asylbewerber, die sich am Ufer des Rheins befanden, berichteten aber einem Kamerateam vor Ort, der Mann sei mit ihnen befreundet, er stamme aus Afghanistan und habe in ihrem Heim gelebt.”

“Furchtbare Gewissheit haben die Angehörigen des Mannes, der (…) beim Baden im Rhein verschwunden war: Helfer der Feuerwehr bargen (…) die Leiche des 46-Jährigen – just an der Stelle, wo er zwei Tage zuvor zum letzten Mal gesehen worden war. Die Schwester des Niederkasselers, so bestätigte die Polizei in Siegburg, hatte den Toten entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten war sie noch einmal ans Rheinufer gegangen, wo sie tatsächlich den leblosen Körper ihres Bruders im Wasser bemerkte.” (Kölnische Rundschau)

“Tot geborgen wurde ein 22-Jähriger, der (…) bei Köln-Rodenkirchen untergegangen war. Er sei bei Wesel tot im Wasser gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher.” (WDR)

“Ein 10-jähriger Bub ist (…) in Eglisau ZH im Rhein ums Leben gekommen. Er war zunächst mit Kollegen von einem drei Meter hohen Quai in den Fluss gesprungen. Später kletterte er auf einen Baum und versuchte, über ein Boot am Ufer zu springen. Dabei schlug der Junge mit eritreischen Wurzeln gemäss Angaben der Kantonspolizei Zürich auf dem Boot auf, fiel ins Wasser und tauchte nicht mehr auf. Taucher der Seepolizei bargen ihn rund eine Stunde später leblos in acht Metern Tiefe.” (Neue Luzerner Zeitung)

An historische Rheintote erinnert der Express: “Hans Doll ist pensionierter Kripo-Beamter. (…) Vor 60 Jahren war er einfacher Polizeibeamter und gerade dreißig mal 30. Er berichtet: “Ich arbeitete damals für die Wache am Wiener Platz. (…) Und ich war oft mit dem Kraftrad auf Streife.” (…) So auch im September 1956. (…) Plötzlich sah Doll am Ufer etwas liegen. „Ehrlich gesagt, konnte ich gar nicht genau erkennen, was es war. Aber es sah irgendwie menschenähnlich aus. Also bin ich die Böschung runter. Den Anblick, der sich mir bot – schrecklich. Den werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Da lagen die sterblichen Überreste eines Menschen – total aufgequollen.” (…) Doll schaffte es, den toten Arbeiter einen Meter aus dem Wasser zu ziehen. (…) Doll erinnert sich auch an die Gespräche auf der Dienststelle nach dem Unglück beim Bau der Severinsbrücke: “Damals erzählte man sich, dass ein toter Arbeiter im Pfeiler der Severinsbrücke einbetoniert worden sei – da gab es keinen Zweifel.” Am 21. September 1956 brechen die Stützen der Brückenpfeiler weg. Beton, Wasser und Geröll begraben die Bauarbeiter, die in einem Senkkasten arbeiten: Mindestens fünf sterben.”

Mooder Maas

Pariês det haet zien Seine
In Kölle is de Rien
D’n alde blauwe Donau.
Löp altiêd nog door Wien
Maar waat `t schoënste is
Det weite wéj beslis

Refrein:
Det is ôs Mooder
Jao det is Mooder Maas
Die schoëne Majjem
Die schoëne Mooder Maas
Wie bôks béj liefke
Wie greun béj graas
Zoë huërt béj Venlo
Os Mooder Maas

Merieke hilt van wandele
Maar noëts ens nao de hei
En nao ôs Floddergetske
Krieg ik um auk neet mei
Het zaet: det wetste bes
Ik heb maar ein adres

Mestreech haet ziene Vriethaof
Remund ‘ne “kaoie zit”
In Tegele prônk d’n oêles
En Venlo haet “de Pit”
Maar ein dingk gans allein
Det hebbe wéj gemein

(Als Gegenbild zu Vater Rhein dient Mutter Maas in einem Karnevalslied im Venloer Dialekt aus dem Jahr 1966, der Text stammt von Ad Pollux, die Musik von Fr. Wetjens)

Jacques Boucher de Perthes am Rheinfall

À peine débarqué à Schaffouse que je me réserve de voir au retour, je prends l’omnibus qui conduit à la chûte du Rhin. La route est très-accidentée et, en raison de la montée, demande une demi-heure. On a une très-belle vue à gauche, et je reconnais la place où je me suis promené avec mes frères en 1815. Depuis quarante-quatre ans, rien n’y est changé ; mais il n’en est pas de même à la chûte : on y a bâti, il y a environ vingt ans, un bel hôtel dont le nom, Schweizerhof, est difficile à prononcer pour un Français. Heureusement que celui du maître, F. Wegenstein, l’est un peu moins. De la maison, placée sur la cime de la montée, on domine le fleuve et le paysage.

En entrant dans le salon, je fus frappé de la magnificence du spectacle : c’est de ce point et de la terrasse qui est devant que la chûte apparaît dans toute sa splendeur. En face est le château de Laufen, nommé aujourd’hui la maison Bleuler, nom du peintre qui l’a acheté et réparé, et qui a obtenu du gouvernement l’autorisation de percevoir un franc sur chaque visiteur étranger, et soixante centimes sur le visiteur suisse. Le nombre de ces voyageurs s’élève annuellement de trente à quarante mille. Le peintre est mort. Sa veuve, devenue propriétaire, est Française et n’a qu’une fille. La dame, à sa perception, a ajouté un magasin de gravures représentant les vues et curiosités du pays, et des ouvrages qui les décrivent.

De la chambre où je suis logé, la vue est presqu’aussi belle que du salon ; mais je me demande si, dans cette chambre, on peut dormir, car, à ses beautés, la chûte joint un vacarme épouvantable ?

Le jardin de l’hôtel, qui s’étend jusqu’au bord du Rhin, n’est pas à cent pas de la cascade ; cependant je veux profiter de ce qui reste de jour pour la voir de plus près encore, et malgré une pluie battante, je descends la côte pour gagner la rive. De là, un bateau me conduit dans le remous du tourbillon où nous nous laissons balancer, recevant à la fois la pluie et les éclaboussures de la chûte.

Guidé par un domestique, j’escalade la rampe qui conduit à la maison Bleuler. Une entrée assez mesquine mène à une petite porte sur laquelle est inscrit le nom de la propriétaire. J’y suis reçu par un homme aux cheveux et aux yeux noirs, de taille moyenne, d’environ trente ans, bien mis et bien fait, mais à la mine des plus rébarbatives, ce qui ne l’empêche pas d’être fort poli : c’est, me dit mon conducteur, l’associé et, croit-on, le gendre futur de la maîtresse du logis.

Arrivé sur la terrasse, je m’y trouve en compagnie d’un cavalier, voyageur comme moi, et d’une femme fort élégante qui paraît être la sienne. De là, l’œil plonge sur la chûte, mais trop rapproché, on en perd les alentours. De ce point, elle me semble moins belle que de l’hôtel et du bateau. Une éclaircie nous apporte les rayons du soleil couchant, et vient égayer la scène un peu sévère.

D’un autre balcon, la vue est plus étendue, et gagne ainsi beaucoup.

Pour arriver au troisième balcon, on traverse un magasin où Mme Bleuler elle-même vous fait offre de ses dessins et de ses livres. Son air est plus riant que celui de son associé.

Nous pénétrons alors dans un pavillon où des verres de couleurs nous montrent la cascade sous divers aspects : nuit, jour, aurore, hiver, etc. Le soleil, qui se révèle encore, aide beaucoup à ces effets bien connus, mais qui plaisent toujours.

Nous descendons ensuite, en traversant le jardin, à un quatrième balcon au moyen duquel la cascade est vue en dessous ; enfin à un cinquième, plus bas encore, où l’on est en quelque sorte sous la cascade même. Le bruit est intolérable, et l’on reçoit pas mal d’eau. Là, on est tout près des trois roches à pic qui partagent le fleuve, et dont l’une semble prête à tomber, ce qui ne peut manquer d’arriver tôt ou tard. La veille, le domestique qui m’accompagne a passé, en se servant d’une échelle, d’une roche à l’autre, aidé par ce même batelier qui venait de me conduire. C’était la première fois qu’on tentait ce passage, opération fort inutile et imprudente. Le grand danger était de placer l’échelle par le poids de laquelle on pouvait être entraîné.

L’éclaircie n’ayant pas duré, nous repassons le Rhin par une pluie battante. Je rentre à l’hôtel passablement mouillé, mais moins que la jeune femme que j’avais rencontrée avec son mari, et dont le parapluie ne pouvait couvrir la crinoline.

Je n’avais, de toute la journée, pris qu’un petit pain ; il était six heures et demi, et je mourais de faim. On m’annonce que la table d’hôte est servie. Bonne nouvelle ! Je m’y rends. Il y a peu de monde. Je me trouve en face d’une Anglaise grande et belle, pompeusement vêtue, buvant du vin du Rhin à l’aide d’une pipette et abondamment.

Un peu plus loin, deux Anglais à figures distinguées se disputaient en français avec un garçon d’hôtel pour ne payer que vingt francs une voiture qui devait, cette nuit même, les conduire à quelques lieues de là, course dont on voulait vingt-cinq francs. Nos gentlemens, avec cette ténacité anglaise qui leur fait tenir à honneur de ne pas revenir sur un mot dit, ne voulurent jamais céder ; ils se remirent à table, et préférèrent rester à l’hôtel en dépensant probablement vingt francs ou plus pour cette prolongation de séjour, et ceci pour ne pas en payer cinq.

Bientôt entre une jeune femme assez petite et coiffée d’un chapeau rond à plume noire. Elle-même était vêtue de noir. Tout était bizarre dans sa toilette d’ailleurs très-fraîche et qui, quoique simple, annonçait la richesse. Mais l’étrangeté de ce costume n’était rien à côté de celle de sa figure : sans être belle, je n’en ai jamais vu de plus mobile et en même temps de plus expressive. Elle avait quelque chose de fascinateur qui attirait et qui effrayait. Ses sourcils noirs et épais, se joignant au-dessus d’yeux plus noirs encore, lui donnaient l’air, quand elle les fronçait, d’une conspiratrice ou d’une magicienne.

Un moment après, entra un jeune homme. Dès que je l’aperçus, je me dis qu’il ne pouvait être que l’amant, le frère ou l’époux de cette femme. Tout était en harmonie dans leurs costumes et leurs figures. Ils se mirent à table en parlant une langue qui m’était inconnue et que j’étais disposé à prendre pour un argot, car elle ne ressemblait à rien. En ce moment paraît un nouveau personnage de très-bonne mine. Celui-ci était un Français, on ne pouvait s’y tromper. Il connaissait la dame et son compagnon, car il les salua en français et lui répondirent de même, mais avec un accent étranger très-prononcé.

Bientôt une discussion s’élève entre ce nouveau venu et les Anglais sur le prince russe Demidoff. Le Français prétendait qu’il était fils d’un esclave ; les Anglais soutenaient le contraire, et le mari de la dame au chapeau était de leur avis. Comme, dans ma jeunesse, j’avais eu occasion de voir le père du prince actuel et que je connaissais aussi le fils dont M. de **, mon parent, avait épousé une sœur, je pris la parole. Les Anglais riaient sous cape en me voyant si bien renseigné, et ce fut un triomphe pour eux, surtout lorsqu’un autre Français, qu’à sa tournure je reconnus pour un militaire, se joignit à moi pour soutenir l’ancienne origine des Demidoff. Cet officier avait connu M. de ** et M. R**, dont il faisait un grand éloge. Il me donna sa carte, je lui présentai la mienne, et la connaissance fut ainsi faite : c’était le colonel de Prebois.

Le dîner était excellent, la conversation des plus animées. La dame noire et son mari étaient grecs de Constantinople. Ils voyageaient en touristes ; ils avaient vu la meilleure société de Paris et de l’Italie qu’ils connaissaient parfaitement. Nous causâmes jusqu’à dix heures et demie, et chacun fut se coucher.

Je passai une mauvaise nuit. Le bruit assourdissant de cette chûte qui tombe sous mes fenêtres, la pluie qui les bat de son côté, le vent qui s’en mêle, forment une cacophonie terrible qui me dit que le sommeil, s’il est possible ici, est au moins assez difficile. Cependant la fatigue l’emporte : par instant, je m’endors, mais ce n’est pas pour longtemps. Bientôt je me réveille en sursaut, croyant que la maison s’écroule et qu’une poutre me tombe sur la tête. Je m’apprêtais à gagner la campagne, quand je me rappelle que je suis dans un lit, à cent pas d’une cascade, et que la poutre n’est autre qu’un édredon trop chaud pour la saison et qui, en m’étouffant, m’a donné le cauchemar.

(Jacques Boucher de Perthes, Voyage à Aix-Savoie, Turin, Milan, retour par la Suisse, en 1859, Jung-Treuttel 1867)

Zaltbommel: Schriftsteller und Gespenster

Ohne Händedruck geht’s nicht im Fußball. So läuft’s auch beim Zaltbommeler Amateurverein N.I.V.O.-Sparta, der größte der Region Bommelerwaard, der bald zu einem zeitgemäßeren Gelände wechseln wird. Ausrangierte Tore sind zur Seite gestellt, ausgemusterte Materialien, wie zum Beispiel die Korbwagen, sind käuflich zu erwerben; die Trainingsplätze hingegen werden nur von der Fläche her zurückgelassen. Der Graswuchs ist von solcher Qualität, dass man die Böden zur Grundlage der neuen Plätze abzugraben vorhat.

Solches Unterfangen wirkt schon fast, als wäre da ein einfallsreicher Schriftsteller mit im Spiel gewesen, und tatsächlich, Vorstandsvorsitzender des Vereins war über längere Zeit ein Schriftsteller – der später maßgeblich an der Errettung des Traditionsvereins FC Den Bosch (aus ’s-Hertogenbosch) beteiligt war, zu der Zeit, als sich dort ein junger Ruud van Nistelrooij im Mittelfeld versuchte.
Dieser Jan Schouten verfasste damals aber noch keine Belletristik, sondern einflussreiche Sachbücher zu Themen wie soziale Kompetenz, Management, später zum Rheinischen Kapitalismus; wirkungsvoller noch ist die von ihm mit gegründete Firma, die sich über die ganze Welt verbreitet hat, ohne dafür den Hauptsitz in der alten Kleinstadt am Waal aufzugeben.

Dieses Schouten & Nelissen bietet Trainingsprogramme zur persönlichen Entwicklung als Grundlage für erfolgreiche Unternehmen an. Erste Anregung dazu fand der Diplompsychologe Schouten bei Experimenten in englischen Kohlebergwerken, die belegten, wie sehr informelle Betriebsstrukturen das Wohlergehen der Mitarbeiter fördern. Wer seine persönlichen Möglichkeiten nicht nach Abteilungen abgeschottet sieht, entwickelt sich freier und findet sich im sozialen Umfeld bequemer zurecht. Schoutens Hauptanliegen war die psychotherapeutische Komponente; später stellte sich heraus, dass derart strukturierte Betriebsamkeit auch wirtschaftlich ertragreicher ist, eine Einsicht die mit zur Idee des Rheinischen Kapitalismus beitrug. Auch wenn dieser Begriff an die Wirtschaftsordnung der Bonner Republik gemahnt, könnte man schon fast meinen, dass er auf Zaltbommel am Waal zurückverweist – als hätten im ehemaligen Schulgebäude von Schouten & Nelissen Philips und Marx wieder zu einander gefunden.

Jan Schouten, der, wenn auch im Rentenalter, gerade wieder ein Online-Projekt mit Kursen für weniger Betuchte herausgebracht hat, wirkt bei persönlicher Begegnung als ein leidenschaftlicher, nichtsdestotrotz bescheidener Mensch. Sein öffentliches Werben fürs Training sozialer Kompetenzen als gesellschaftlich relevant ab den 1970ern rühre sogar daher, dass es ihm selber an solcher gefehlt habe. Seine auf die Außenwelt visierte, geschäftliche Laufbahn sei mit der Empfindung einer inneren Einsamkeit einhergegangen, deren Grillen im Kopf ihm nur literarisch zu bewältigen erschienen.
Da betrifft es nicht unbedingt persönliches Wirrsal. Sein 2015 erschienener zweiter Roman De aanjagers greift ein verdrängtes Kapitel der jüngeren niederländischen Geschichte auf. Die Heldin Maria hat sich in heutiger Zeit den Spätfolgen zu stellen, die ihr eine selber nicht erlebte tragische Liebesgeschichte aus den ersten Nachkriegsjahren eingebracht hat. Herbeigeführt war die von der “Operation Black Tulip”, als der niederländische Staat aus Rachegelüsten eine größtmögliche Anzahl deutscher Staatsbürger in Nijmegener und Arnhemer Transitlager zusammenzuführen und abzuschieben versuchte.
Dieses Schicksal traf nicht nur Nazis und Nazi-Mitläufer, sondern auch solche, die mehr oder weniger aktiv Widerstand geleistet hatten, von ihrem Umfeld nie als Deutsche wahrgenommen, oder gar als Juden in die Niederlande geflüchtet waren – so wie in Schoutens Roman der Fall. Insgesamt wurden 3691 Deutsche abgeschoben. Die damit einhergehenden, oftmals gravierenden Ungerechtigkeiten wurden u.a. vom Erzbischof Jan de Jong (zu Kriegszeiten führende Stimme des Widerstandes) angeprangert, was mit zur allmählichen Einstellung des Programms, sowie zum späteren Totschweigen geführt hat. Die Heldin aus Schoutens Roman, die sich betont als Frau von Welt durch die Geschichte bewegt, wirkt als Sinnbild einer Gesellschaft, die sich in Äußerlichkeiten verliert ohne sich der eigenen Schuld an Ausgrenzung von Unschuldigen stellen zu wollen – was Maria letztendlich doch noch hinkriegt, als Vorbild für viele im Hier und Jetzt.

Ein anderer Zaltbommeler Schriftsteller heiratete selber eine rumänische Jüdin mit deutschem Pass um sie vor Inhaftnahme zu schützen. Da lebte dieser Johannes van de Walle (1912-2000) aber noch nicht im Zaltbommeler Bau namens De Trippen von 1610,

sondern als Journalist in der niederländischen Kolonie Curaçao, wo 1940 deutsche Staatsangehörige vorsorglich inhaftiert wurden. Da Curaçao nie von den Deutschen besetzt wurde, dauerte ihre Haft bis zum Kriegsende, woraufhin sie in die oben erwähnten Transitlager verlegt wurden. Genauso hätte es der Frau Van de Walle ergehen können.
In den Jahren 1942-1946, als Van de Walle selber von der niederländischen Exilregierung beauftragt war, die Bewohner der damaligen Kolonie Surinam zu den Kriegsumständen in den Niederlanden aufzuklären, geriet er von der Kolonialherrschaft immer tiefer angewidert. Bei seiner Heimkehr in die Niederlande wurde ein von ihm verfasster Bericht, der fürs allgemeine Wahlrecht in den Kolonien plädierte, nicht dankend abgenommen. Mehr noch als zuvor in den Kolonien, wurde Van de Walle zum Fremden im eigenen Land.
Seine fünf, zwischen 1956 und 1963 erschienenen Romane setzen sich mit dem Kolonialismus auseinander, aus der Perspektive hellhäutiger Außenseiter heraus, die sich mit den Umständen zurechtzufinden versuchen. Mal betrifft es Missionare, mal Goldgräber oder auch Großgrundbesitzer zu Zeiten der Abschaffung der Sklaverei. Van de Walle wird nachgesagt, sein Schreiben mache auch den Leser zum Außenseiter: Dies hat ihm nur ein beschränktes Interesse der niederländischen Leserschaft eingebracht, die sich eh kaum um die Umstände in den westlichen Kolonien scherte. Dort hingegen wurde er fleißig gelesen. Eine Neuauflage seiner Werke in den 1990ern brachte ihm ein denkwürdiges Fernsehinterview ein, führte aber erneut nicht zu allgemeiner Anerkennung, auch wenn er von der Kritik als Vorläufer von Gabriel García Márquez geehrt wurde. So gilt es nach wie vor, ihn zu entdecken.

Ein dritter Schriftsteller hält sich zur Entdeckung in einer Zaltbommeler Dachrinne bereit.

Die Betonskulptur zeigt ihn voll konzentriert bei der Arbeit, der er über Jahrzehnte nachgegangen ist, bevor er sich in der Dachrinne zu Ruhe setzte. Hier ist tatsächlich keine Phantasiefigur dargestellt, sondern die reale Person des Amsterdamer Sportjournalisten Ed van Opzeeland. Als erster niederländischer Fußballreporter vertrat er der Meinung, Zeitungen sollten sich nicht mit der bloßen Wiedergabe der Ergebnisse wichtiger Spiele begnügen: So fuhr er 1956 nach Paris, als dort das erste Europapokal-Endspiel ausgetragen wurde. Keine niederländische Zeitung zeigte sich aber interessiert, dem von ihm verfassten Bericht (zu Real Madrid : Stade de Reims 4:3) in ihren Kolumnen Platz einzuräumen. 1966 war das schon anders: Da landete er seinen größten journalistischen Coup, als zum ersten Mal ein niederländischer Verein es in die zweite Runde des Europapokals schaffte. Nach dem legendären, bei dichtem Nebel ausgetragenen Spiel in Liverpool, wo Ajax Amsterdam den FC Liverpool 5:1 zu schlagen vermochte, fügte er seinem Interview mit Ajax-Coach Rinus Michels eigenständig den Satz “Fußball ist Krieg” hinzu, der dann über Jahre weltweit als der von Michels gemünzte Inbegriff der (mittlerweile ins Stocken geratenen) niederländischen Spielauffassung galt. Im Übrigen hat Van Opzeeland, Verfasser von mehreren Büchern zu Sportthemen und öfters mit dem berühmten Fotografen Ed van der Elsken unterwegs, auch den Namen “Studio Sport” ausgedacht, das niederländische Pendant des Aktuellen Sportstudios.

Sein eigenes Dachrinnenpendant ist ein Werk des Künstlers Joris Baudoin,

lange in Zaltbommel, jetzt im nahegelegenen Heerewaarden wohnhaft. Es ist auch beileibe nicht die einzige Betonskulptur, mit der Baudoin (auch gerne als Joris Beton bezeichnet) eine Zaltbommeler Dachrinne ausgestattet hat: Seit 1994 hat er so viele solcher “Rinnengespenster” (“gootspoken”) hergestellt, dass eine spezielle Wanderroute des örtlichen Fremdenverkehrsamts an ihnen entlang führt. Sogar tauchen sie mittlerweile auch außerhalb Zaltbommels auf, bis hin nach Deutschland und Frankreich.
Anregung zu seinen poetisch-skurrilen Betonüberraschungen fand Baudoin bei den üppigen Figuren, mit denen die gotische Sankt-Johannes-Kathedrale in ‘s-Hertogenbosch ausgeschmückt ist. Die eigenen werden von ihm immer nach Maß des jeweiligen Baus und Auftraggebers hergestellt, mit einer bunten Palette zufolge. So gibt es Affen, Beginen, spielende Kinder, einen Korbflechter, ein Nilpferd, einen Drachen, Cupido, Schilfgespenster, einen Zahnarzt, eine zeigende Frau, und und und – so wie auch diesen Fotografen,

der bei Instandsetzungsarbeiten etwas nach unten weggesackt sein soll. Sein Einfassen der Welt findet aber unabänderlich in der Rinne des Fotogeschäfts statt, wo Baudoin regelmäßiger Kunde war, als er täglich die Fortschritte beim Bau der Nijhoff-Brücke fotografierte: Aus insgesamt 700 Dias stellte er einen anderthalbminutigen Filmstreifen her, in dem sich die Brücke in Windeseile errichtet.
Solches Durchhalten bezeugt die präzise Vorgehensweise Baudoins. Ohne jede Menge Skizzen und genaue Überprüfung der gewünschten Stelle gibt es keine Rinnengespenster. Auch ist die Platzierung der Skulptur nicht immer ohne Gefahr:

Dieses vergoldete Ferkel zum Beispiel konnte Baudoin nur im Korb eines Mastwagens mit Todesverachtung an Ort und Stelle bringen. Das Schwein, eigentlich gedacht als Geschenk zum vierzigsten Geburtstag des Kneipeninhabers, ließe sich übrigens auch getrost als ein Prosit betrachten auf die Zeit bis 1933, als die Hauptverkehrsstraße zwischen Utrecht und ‘s-Hertogenbosch, mit Inbegriff der örtlichen Waalfähre, noch durch Zaltbommel lief. Zur Erholung der Reisenden gab es damals am Markt gute sechzig Kneipen, weit mehr als heutzutage noch der Fall.
So umrunden wir jetzt noch mal die Ecke in Richtung Waal, dort wo es die Fähre gab: Unterwegs begegnen wir einem weiteren Baudoin-Gespenst, angeregt von einer versuchten Plastiknachahmung auf dem Dach der Frittenbude “Restauratie Tigo”: ein Fußballer im Tenue des Nijmegener Eredivisionisten NEC, Lieblingsvereins des Inhabers. Auf Geheiß von dessen Ehefrau hat Baudoin dem einen NEC-Fan hinzugefügt. An Tigo-Fritten ißt der sich gerne richtig satt.

***

Der niederländische Autor Lucas Hüsgen erkundet für rheinsein den – oder wie es heute häufiger in Gebrauch ist: die Waal, einen der niederländischen Rheinabschnitte. Hier zum zweiten Mal das Städtchen Zaltbommel.
(Zum Flußgeschlecht des/der Waal eine kurze Anmerkung: die deutsche Wikipedia weist die Waal als weiblich aus. In älteren Quellen hatten wir zuvor nur den männlichen Artikel gefunden. In französischer und spanischer Sprache ist der niederländische Rheinfortsatz jeweils männlich. Im Niederländischen ist de Waal weiblich, die männliche Bezeichnung zugelassen, der niederländische Artikel lautet im Maskulinum und Femininum gleich.)

Monsieur Crépon auf den Spuren von Victor Hugo

Es sind die schweren letzten Tage des Winters, die uns melancholisch stimmen, in denen die stetig wachsende Zahl unserer Toten im Bewußtsein rumort und wir uns fragen, wo die eine oder der andere Weggefährtin/Weggefährte abgeblieben sein mag. Mit den Februarblumen, die nichts als den März im Sinn haben, brechen zugleich die Pioniere des Frühlings aus der Erde, entstehen über Nacht verletzliche Krokuskolonien in den Parks, entlang grauer Hauptstraßen prozessieren bündelweise Osterglocken und künden Jesu Passion, die Bäume bilden baumelnde Primeln, ein fragiler Aufbruch, in den hinein datenstarke Post von Marcel Crépon uns erreicht, der zuletzt im elsässischen Rhinau für rheinsein auf Spurensuche sich begeben hatte, dann undercover ging, und nun mitten aus Paris sich mit erstaunlichen Erkenntnissen zurückmeldet, die wir in fünf Teilen voller Wunder und gelüfteter Geheimnisse präsentieren dürfen:

Liebes rheinsein,

“… mein Arm war sozusagen gelähmt, und mein Wille ohnmächtig, weder ihn, noch meine Hand oder einen Finger zu bewegen; dann bekam ich den Eindruck, jemand würde meinen Arm in Bewegung setzen, und gleich mit welcher Geschwindigkeit er agierte, konnte ich ihn daran nicht hindern. [...] Da diese Bewegungen denen des Schreibens ähnelten, holte meine Frau Papier und Stift [...], dann beruhigte sich meine Hand und zu unserem Erstaunen fing sie mit Schreibübungen an [...], erst waren es Striche, dann Pfosten… usw.” So in etwa schilderte einer Ihrer Landsleute (1) seine erste Erfahrung mit seiner Mediumnität, so beschrieb Mr. Prason fast mit den gleichen Worten seine Begegnung mit dem Rhein Hugos. Wie ich Mr. Prason traf, und was dann geschah, erzähle ich Ihnen nun.

Es fing beim “Ägypter” an, ein Buchantiquariat mitten in einer Betonwüste. Die Kundschaft ließe sich als “äußerst zurückhaltend” bezeichen. Wie konnte der “Ägypter” da überleben? Wie kam er, bzw. wie kamen die Einwohner auf seinen Spitznamen? Mit Edmund Purdom hatte er kaum Ähnlichkeit, eher sah er wie Georges Moustaki aus, vielleicht deshalb? Vielleicht waren es die Bücher, die die Wände tapezierten und dem Laden das Aussehen einen Grabkammer verliehen? Lange dachte ich, die Leute würden Regale mit Büchern füllen, um ihre Wohnzimmer zu isolieren, doch stellte ich beim “Ägypter” fest, daß dies nicht immer der Fall ist. Die kalorische Eigenschaft der Meisterwerke glich Null, es herrschte dort Winter wie Sommer eisige Kälte. Ein zweites Zimmer gab es im Keller, MILP (2) genannt. Dort stapelte sich in Kartons, Kisten, auf verstaubten Regalen ein Durcheinander an Gedrucktem. Das Chaos vor dem Chaos nach dem Chaos. Bloße, zusammengebundene geistige Papiertücher, wie der “Ägypter” giftete: kaum gelesen, schon weggeworfen und vergessen. Oder, betrachtete man das Hirn als Ausscheidungsorgan: reines, mehrlagiges, beschmiertes Klopapier. Nach Fäulnis leicht duftend verschwanden dort langsam die Früchte des Schreibens im Zeitalter seiner krebsartigen, endlosen Ausbreitung. In dieser Welt gab es nichts, worüber kein Wort verloren wurde, und nichts wurde niedergeschrieben, ohne ausgiebig schriftlich kommentiert zu werden.

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Vom gleichgültigen Blick des “Ägypters” verfolgt besuchte ich ab und an diesen Unort. In einer Ecke wußte ich einen Turm aus alten Ausgaben des JORF (3), den ich all zu gern durchblätterte, auf der Suche nach Perlen wie dieser:

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Die Zeiten in Rhinau sind mir unvergesslich geblieben, doch einen Ort, an dem ich schon einmal war, kann ich unmöglich ein zweites Mal besuchen. Ob es mit Instinkt oder mit mir unbekannten geomagnetischen Kräften zu tun hat? Auf jeden Fall ist es eine Art Fluch. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Rheinwasser, welches in der Nordsee verschwindet, irgendwann erneut im Tomasee fließen wird, ist zweifellos höher als die Wahrscheinlichkeit, daß ich Rhinau je wiedersehen werde. Aber die gute Frau Graff, wie hätte sie der Forderung gerecht werden können? Sie hätte ja eine Zeitreise vollbringen müssen, um vor Gericht erscheinen zu können und somit zu beweisen, daß sie zwar verschwunden, doch nicht verstorben war. Vor allem hätte sie erst die Anzeige lesen müssen… Meine Entdeckung ließ den “Ägypter” unberührt. Aus einem Lautsprecher mit parkinsonschem Innenleben zitterte und vibrierte eine Stimme mit viel Pathos und genauso vielen Aussetzern: “… silence du soir, … noir, … pour l’oreille … l’âme … de cette ombre disant … les eaux, … plaines … pleines …, dès que tout se tait, tout commence à parler.” (4)

- Meine Lieblingssendung: 7 um 11, also 7 Gedichte um 11 Uhr. Was Sie gerade hören, auch das was von Parasiten gefressen wird, stammt von Hugo, Victor.
- Hätte ich nicht erkannt, habe ihn auch kaum praktiziert.
- Kann man, muß man nicht, wie eine Nachbarin sagt. Er ist aber schwer zu vermeiden.
- Ich kann es. Was Poesie angeht, komme ich ganz gut damit (ich ließ die JORF-Seiten flattern) aus, dazu eine kleine wissenschaftliche Abhandlung und dabei versuchen, das Vornehmste zu begreifen, das übrige respektvoll beiseite zu lassen und über das restliche wohlwollend zu lächeln. Zur Zeit befasse ich mich mit Alfred Wegener, denn mich interessiert die Frage, ob die Kontinentaldrift auf den Gedanken zu übertragen wäre. (Fortsetzung folgt)

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(1) B. Cyriax, Wie ich ein Spiritualist geworden bin (Leipzig 1893). In: Gabriel Delanne, Le phénomène spirite (Paris, 1897).
(2) Mein Index librorum prohibitorum.
(3) Journal Officiel de la République Française.
(4) V. Hugo, Oeuvres complètes: Océan – Tas de pierres (Posth.)

Un fleuve devrait naître en public

„Que serait la terre sans les fleuves ? Les ponts fluviaux même les plus beaux perdraient les trois quarts de leur charme. On ne saurait plus au-dessus de quoi les bâtir. Louis XIV, au moment de passer le Rhin, se trouverait en face d’un terrain vague. Où se videraient les égouts de Paris ? Ou se suiciderait le comptable infidèle ? Le manque d’eau douce multiplierait les ravages de l’alcoolisme. On ne pourrait plus espérer revoir, comme au bon temps de 1910, le facteur distribuer le courrier en périssoire dans les boîtes de la rue Jacob.
On voit par là l’importance des fleuves. Ils vont tous se jeter dans la mer. C’est pourquoi ils naissent en montagne ; pour n’avoir pas de pente à remonter. On trouve, par exemple, en Haute-Loire, une dizaine de « vraies sources de la Loire ». Une petite fille fut refusée au Puy à son certificat d’études pour avoir dit que la Loire naissait « chez son papa ». C’était pourtant la vérité. La Loire sort dans ce pays d’un robinet d’étable. Il y a là une grosse imprudence de la part du gouvernement. Il suffirait que le propriétaire eut à se venger d’un batelier, disons d’Orléans pour qu’il ferme ce robinet. Voilà un fleuve à sec, le plus important de France. Les bateaux s’échouent dans les sables ; l’eau manque sur l’évier de la cuisine. Les femmes pleurent, les hommes sont aigris. Le gouvernement ne devrait jamais permettre aux fleuves de prendre naissance chez des particuliers. Un fleuve devrait naître en public.
La Seine est un fleuve historique. Et la Providence a voulu qu’elle arrose notre capitale. Si bien que le fleuve le plus célèbre de la France passe par sa plus illustre ville (c’est ce qu’on appelle le miracle français). Elle y coule entre deux remparts de vieilles pierres, de vieux livres et de jeunes peupliers, irisées de tâches de mazout sur lesquelles flotte une épluchure de mandarine.
Sous les ponts, les clochards, à plat ventre, rampent lentement, le bras tendu, vers un litre de rouge. L’eau sent le comptable suicidé.
Le soleil brille.
Et c’est ainsi qu’Allah est grand.“

(Alexandre Viallate, Chroniques de la Montagne 1962-1971)

Zwischen den Linien der Betuwe

Zwischen Kesteren und Ochten, im Landstrich die Betuwe, kreuzen sich zwei Linien, beide mit Bezug zu Deutschland, wenngleich gegensätzlich bewertbar. Die eine, die eher traurige, heiβt Betuwelinie und ist wesentlich älter als die zweite, die Betuweroute. Erstere ist der mittlere Teil des Verteidigungsgürtels, der sich einst vom IJsselmeer bis hin zur niederländisch-belgischen Grenze erstreckte. Jene Mischung aus Inundationsmöglichkeiten und Kasematten entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts, erlebte eine erste Höchstzeit, als die Niederlande sich in der Bismarck-Zeit von Preuβen bedroht sahen.
In den 1930ern wurde sie bei der erneuten Gefahr aus dem Osten weiter ausgebaut. Auch wenn diese Arbeit beim deutschen Überfall Mai 1940 noch nicht vollendet war, trug sie doch zu einer (wenn auch hauchdünnen) Verzögerung des Aufmarsches bei. 1944 wurde sie dann wieder bei der Abwehr gegen den Alliierten ins Spiel gebracht. In der heutigen Landschaft lässt sich die alte Trasse kaum noch erkennen; vor allem stehen hie und da noch Betonbunker, wie dieser eine aus den 1930ern in der Nähe von Kesteren.

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Dahinter zeigt sich einer der vielen Baumzuchtbetriebe der Region, die es dort nicht von ungefähr gibt. Die Betuwe ist von jeher das führende Obstanbaugebiet der Niederlande, auch wenn sich dessen Anblick seit den 1980ern erheblich geändert hat: Die althergebrachten Hochstammbäume wurden allmählich von gezüchteten Niedrigstammbäumen ersetzt, die bei der Ernte weniger Arbeitseinsatz erforderten und sich daher mehr rentierten. Leider wurde somit der Fortbestand mindestens einer Vogelart gefährdet: Der Pirol hält sich gerne in traditionellen Obstbaumplantagen auf, wo er es sich echt ungestört gut schmecken lassen kann. Seine Zahlen sind mittlerweile rückläufig. Seit ich 2012 im rumänischen Donaudelta einen Pirol habe erleben dürfen, liegen mir diese Hochstammobstbäume am Herzen: Zu Ehren seines melismatischen Gesangs und des knallgelben Blitzes seiner machtvollen Erscheinung habe ich ein ganzes Jahr lang einen solchen alten Baumgarten in der Nähe der eigenen Wohnung fotografiert. Aber auch in der Betuwe gibt es noch (und erneut) solche Baumgärten, sogar unmittelbar neben Baumgärten der neueren Sorte. Vielleicht fühlt sich der Pirol in der Betuwe auf Dauer dann doch wieder ungefähr so gut aufgehoben wie hier Stute und Fohlen.

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Am südlichen Ende der einstigen Betuwelinie genieβen Menschen die umfassende Sicherheit ihres Autos: Da, bei Ochten (das beim alliierten Aufmarsch so gut wie vollends zerstört wurde; dann später, 1995, kurz Weltruhm erlangte, als es, von Hochwasser und Deichdurchbruchsgefahr bedroht, evakuiert werden musste), dient eine breite Buhne der Waalbühne zur Tribüne. In besinnlicher Ruhe wird Ausblick gehalten übers unaufhörliche Bewegen der Schifffahrt. Dabei geht es wohl nicht immer so ruhig zu, wie ich es erleben durfte.

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Am Anfang des Abstiegs vom Deich her verkündet ein Schild, dass die Besucher selber ihre Abfälle mitnehmen sollen, da die Mülleimer aufgrund ständiger Verwüstung entfernt wurden. Irgendwas, so lässt sich denken, muss die Jugend in einem streng protestantischen und auch von der Nachkriegsarchitektur her erschreckend langweilig daherkommenden Ort wie Ochten doch unternehmen, um ihr Alter überhaupt zu spüren.
Einst konnte man wenigstens auf dem Rad oder zu Fuβ mit der Fähre in die Kneipen vom katholischen Ort Druten am anderen Ufer. Das ging auf dem Heimweg sogar nachts. 1975 war Schluss damit: Da wurde einige Kilometer westlich die Willem Alexanderbrücke eröffnet, die Fähre trotz groβem Ochtener Widerstand aus der Fahrt genommen, und nach Krimpen aan de IJssel verkauft, wo sie immer noch fährt. Am Kopfende des ehemaligen Ochtener Fährhafens befindet sich jetzt eine Cafeteria:

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Sie brüstet sich damit, nur vom Feinsten zu liefern, und wenn die Qualität der von mir verzehrten Fritten mit Erdnusssauce maβgeblich ist, kann ich sie nur herzlich empfehlen, umso mehr wo sie sich gegen die McDonald’s-Filiale gegenüber zu behaupten hat, am anderen Ortsende nahe der anderen kreuzenden Linie.
Zuerst aber fahren wir noch eine kurze Strecke westwärts. Nicht ganz zur Brücke hin, sondern zu einem Übernachtungsort: Kein Hotel, sondern ein Hafen. Entlang des Waal gibt es seit 2008 drei Übernachtungshäfen, da es beim zunehmenden Verkehrsaufgebot immer gefährlicher wurde, bei geworfenem Anker im Fluβ zu übernachten.

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So wurde auch eine ehemalige Sandabgrabung zwischen Ochten und dem Dorf IJzendoorn zu einem Hafen umfunktioniert. Als ich da bin, an einem Wochentag gegen vier am Nachmittag – allmählich tritt die Dunkelheit ein – , haben drei Schiffe festgemacht. Reichlich wenig, so scheint es, von der zuständigen Behörde erfahre ich später aber, es gäbe Nächte, besonders am Wochenende, wo gute fünfzig Schiffe anlegen. Der Hafen droht damit schon an seine Grenzen zu reichen.
Die Vögel sehen das ganz anders. Nicht nur beschreiben sie ihre wunderbaren Runden überm Hafenzugang,

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später sehe ich auch, wie sich Hunderte von ihnen auf den Landungsstegen tummeln. Im Hintergrund zeigen sich die Windturbinen, denen man sich nähert, sobald man sich auf der Brücke über jener anderen Linie in westöstlicher Richtung befindet: Das heiβt, es sind eigentlich zwei. Zur einen Seite die Autobahn A15, zur anderen die Bahntrasse namens Betuweroute. Sie führt nach Deutschland, um u.a. den Autobahn-Nachbarn beim erheblich zugenommenen Transportaufkommen ab Rotterdam zu entlasten. Aus mehreren Gründen war die Linie schon von Anfang der Planung an höchst umstritten, hat dann beim Bau den ursprünglichen Etat weit überschritten, hinkt jetzt in vollendeter Form auf mehreren Ebenen den technischen Erfordernissen hinterher, und immer noch ist der Anschluss ans deutsche Bahnnetz nicht so wie er eigentlich gedacht worden war.

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Es drohte allenthalben ein gleiches Debakel wie bei der Köln-Mindener Bahntrasse, die einst Hamburg und Paris über Wesel und Venlo zu verbinden hatte, jenem Anspruch aber nie gerecht wurde. So schlimm wird es aber nicht kommen: Seit 2011 ist das Gebrauchsvolumen endlich dabei auf den geplanten Stand zu geraten. Und an dem Tag, an dem ich dort war, habe ich tatsächlich einen Zug darüber hinweg fahren sehen. Da war ich zwar noch zu weit entfernt vom Viadukt zwischen Kesteren und Ochten, zwischen McDonald’s und Windturbinen, aber, so sieht man, es geht also doch.

(Ein Gastbeitrag von Lucas Hüsgen, der für rheinsein den Waal erkundet: diesmal den Landstrich Betuwe, dessen Name sich von den alten Batavern ableiten soll. Mehr über den niederländischen Autor und Übersetzer auf seiner Website.)