Der Rhein von oben (2)

Auf Arte läuft seit gestern und noch bis Freitag um jeweils 19.30 Uhr eine fünfteilige, jeweils dreiviertelstündige neue Rheindoku: Der Rhein von oben. Der Sender verspricht „das wohl ausführlichste Bild des europäischen Stroms, das je gezeigt wurde“. (Aus der Luft mit der Cineflex-Kamera gefilmt mag das sogar zutreffen – Ausführlichkeits-Interessenten empfehlen wir nichtsdestotrotz das Vergleichsstöbern in mittlerweile deutlich über 1200 rheinsein-Einträgen.)

Die erste Teilfolge, Der Alpenrhein, widmet sich, logisch, den Quellen des Vorder- und Hinterrheins und endet beim Einfluß in den Bodensee. Die Macher (Regie: Luzia Schmid) verfahren nach zuletzt bei Rheindokumentationen bewährtem Strickmuster: beeindruckende Luftaufnahmen zu seicht-pathetischer Musik wechseln mit Kurzportraits bzw -interviews von/mit Anwohnern.

„Den Rhein möcht ich noch einmal machen“ hören wir zu Beginn Ernst Bromeis, der im und vor dem Tomasee posiert und dessen gescheiterter Versuch den Fluß der Länge nach zu durchschwimmen vergangenen Mai für öffentliches Aufsehen (und ein paar rheinsein-Notizen) sorgte. Sogleich beschleicht uns Furcht, daß wir den x-ten Aufguß allzu bekannter Anekdötchen aufs Auge gedrückt bekommen sollen. Eine unnötige Furcht, wie wir erfreut feststellen dürfen. Die Bodenbeiträge erweisen sich als wohlgewählt, erfrischend und kompetent und das Team scheut bei seinen alpinen Erkundungen keine Seitenpfade in selten geschaute Nebentäler, die doch von elementarer Bedeutung für das Verständnis des Alpenrheins und somit des gesamten Rheinsystems sind und bei vergleichbaren Gelegenheiten gerne übersehen werden.

Zwischen dem energiewerkenden Ex-Abt von Disentis und der tauchenden Archäologin in Sipplingen findet sich Platz für kleine Erkenntnisse über hunderte Schmelzwässer, den italienischen Rheinanteil, historisch bedingte Kuriositäten und den unterseeischen Wasserfall der Bodenseeeinmündung, in deren Hintergrund wir für einen Augenblick sogar Paradise Island zu entdecken glaubten, wenngleich die kontroverse Insel in Der Rhein von oben (noch) keine Rolle spielte.

der rhein von oben_rheinalpen_04(Pressebild: © WDR/Vidicom)

Der vergleichsweise gediegene Zeitrahmen jedenfalls scheint dieser Dokumentation zu bekommen wie auch der allenthalben eingefangene Respekt und das Staunen vor der Kraft des Wassers. Einziger Wermutstropfen bleibt die musikalische Untermalung. Die gestern ausgestrahlte und die kommenden Folgen sind rheinsein eine Empfehlung wert.

Die erste Folge ist derzeit in der Arte-Videothek verfügbar.

Wiederholungen der ersten Folge auf Arte:
Montag, 18.03.2013 um 12:05 Uhr
Samstag, 30.03.2013 um 12:30 Uhr

Wem gehört Paradise Island?

Aufgrund eines Berechnungsfehlers an den Führungsdämmen der Vorarlberger Rheinmündung entsteht im Areal Rorschach-Bregenz-Lindau eine neue Bodenseeinsel von der anderthalbfachen Größe der Reichenau. Weil auf dem Bodensee, ein völkerrechtliches Unikum, keine Landesgrenzen gezogen sind, erwächst mit der neuen Insel, die bereits Flora und Fauna anlockt, zugleich ein Eldorado für Aktivisten und Spekulanten verschiedener Couleur. Während die ratlosen, weil nicht zuständigen Länderregierungen das Fänomen mittels Verschweigen zu kontrollieren trachten, taufen Naturschützer das unbedingt vor der Menschheit zu schützende Neuland vom Festland aus auf den Namen Wildau. Doch schon bald ist die Niemandsinsel von Menschen besetzt: eine Gruppe junger Leute will mitten im Bodensee, “auf Glückau”, ihre Gesellschaftsutopien austesten. Aus Protest gegen diese Okkupation setzen sich nun auch die Naturschützer auf der Insel fest, die, ihrer ursprünglichen Wildheit beraubt, kurzerhand in Schönau umbenannt wird. Alsbald werden beide Aktivistengruppen von Baulärm überrascht: in einer Nacht- und Nebelaktion läßt der für seine Beziehungen zu den Emiraten bekannte Baulöwe Wildgruber Fundamente für die Hochhäuser einer ganzen Bankenstadt auf “Paradise Island” anlegen. Denn Wildgruber spekuliert auf das Ende des Schweizer Bankgeheimnisses und setzt auf gigantische Geschäfte mit einer neuen Steueroase.

Die gesamte Geschichte von Udo Zindel über das wundersame Auftauchen von Neuland im Bodensee ist nachzuhören unter dem Titel Wem gehört Paradise Island? im Archiv der SWR2-Sendung Wissen.