Rheinmündung bei Katwijk (3)

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Diese aktuellen Bilder von der Mündung des Oude Rijn bei Katwijk schickt unser Korrespondent Rainer Vogel.

Catwik

Von diesem Orte komt der Rhein auf die Dörfer Valkenburg, so ein altes Schloß hat, ferner auf Morsdam und Catwick op Rhin, ein schönes Dorf anderthalb Meilen von Leyden, welches von Burgern, die von ihren Renten leben, und zu mehrerer Gemüthsberuhigung aus der Stadt gezogen sind, hingegen aber das Landleben erwehlet haben, stark bewohnet wird. Es ist mit einer schönen Kirche versehen, die in allen Unruhen verschonet geblieben und niemals, wie andern geschehen, geplündert worden.

Von Catwik op Rhin vollführt unser Rhein, der aber nunmehro, wie leicht zu erachten, keinem Strom oder schifbaren Fluß mehr gleich sieht, seinen Lauf noch ein Stük Wegs fort bis Catwik op Zee, ein Dorf in den Sandhügeln oder Dünen, ohnweit dem Gestade des Meers, drey Meilen, (einige sagen nur zwey) unterhalb Leyden, allwo er sich, eh er das Dorf erreichet, in die Dünen oder sandhügel dergestalt verkrieget und verlieret, daß man nicht sehen kan, wo er hingekommen. Folglich thut es dieser Strom heutiges Tages dem gemeinen Lauf der meisten Hauptflüsse nicht nach, wenn sich dieselben bey ihrem Ausfluß wiederum in das Meer ergiessen, aus dem sie vorher ihren Ursprung genommen haben. Inzwischen ist dieses von unserm Rheinstrom nicht zu verwundern, weil er nach so vielfältiger Abzapfung seines Wassers, so ihm nach und nach zu seinem gänzlichen Untergang gereichet, in seinem schwachen Lauf endlich fast ganz ohnmächtig wird, und sich daher auch 860. oder, nach anderer Vorgeben, 1170. und, wie die gewissesten sagen, 1360. wider die damals wütende und gewaltsam tobende See nicht beschützen konte; weswegen sein Einlauf ins Meer durch die viele ausgeworfene Sandhaufen, so die Holländer Duynen nennen, damals gänzlich verstopfet wurde.

Bey oben gedachtem Dorfe Catwik op Zee, welches von dem Meer und dessen Aufschwellen oftmals ziemlich Anstoß leidet, allwo auch unterhalb der Rhein, ehe dessen Ausfluß, wie gemeldet, ganz mit Sand verstopfet worden, in die See gelauffen, sieht man annoch ohnweit von dannen dessen äussersten Canal, den man den alten Rhein nennet. Aus diesem hatten ehemals die Herrn von Leyden auf einen Musketenschuß weit von der See, einen Graben geführt, in der Meinung, den alten Ausfluß dadurch wieder zu öfnen. Es wird aber selbiger Ort Het Mallegat oder das närrische Loch genant, weil dieser Anschlag nicht angegangen ist, indem man befunden haben soll, daß der Grund der See in selbiger Gegend höher als das Land selber gelegen sey, und zwar wegen des allda überaus vielen in dem Grund befindlichen und von Zeiten zu Zeiten zusammengehäuften Sandes. Inzwischen wollen andere behaupten, man habe vielmehr deswegen von diesem Vorhaben abgelassen, weil allzugroße Unkosten darzu erfordert worden, den Graben, welchen man durch lauter Sandberge geführet habe, für Verschüttungen zu verwahren und zu erhalten. Zwar wolllen auch noch einige andere wissen, als sey solches wegen der Stadt Amsterdam verboten worden, indem man besorget, wenn dieser Fluß wieder in seinen vorigen Gang käme, so möchte solches der Handlung selbiger Stadt zum Nachtheil gereichen. Inzwischen wird doch noch auf diesem Graben aus der See zum Salzsieden Wasser zugeführet.

(aus Dielhelm: Rheinischer Antiquarius)

Stille Rijn

Die südholländische Universitätsstadt Leiden wird durchflossen vom Oude Rijn (Alter Rhein), der sich auf dem Stadtgebiet in den Nieuwe Rijn (Neuer Rhein) abspaltet, ein Teilstück des Leidener Rheins wird als Stille Rijn (Stiller Rhein) bezeichnet. Was an Rheinwasser die Stadt verläßt, um wenige Kilometer westlich bei Katwijk in die Nordsee zu münden, wird erneut Oude Rijn genannt, wenngleich dessen letzte Meter wiederum technische Bezeichnungen wie Uitwateringskanaal, Berghaven, Binnenwatering und Buitenwatering tragen.

So verwirrend das niederländische Gewässersystem erscheint, soviel Schönheit strahlt es aus. Neben den Rheinabspaltungen dominieren Leidens Stadtbild zahlreiche Grachten, Singels und Kanäle, auf denen Hausboote und Gastronomieschiffe ankern. Selbst im diesig-vernieselten Novemberwetter wirken die wasserdurchzogenen Straßen einladend und geben der Stadt ein freundliches, entspanntes Gesicht. Das Bild entstand auf der Kippenbrug (Hühnerbrücke) und zeigt den Stille Rijn wie er seinem Namen zur Ehre gereicht.

Rheinmündung bei Katwijk

Die letzten Meter der kanalisierten Rheinmündung bei Katwijk trägt auch die nebenher verlaufende Straße den Namen Rijnmond.

Im Kanalbecken haben sich Sandstrände abgelagert, die Austernfischer und Möwen anziehen. Im Vergleich zur Mündung bei Rotterdam bildet die Entwässerung des Oude Rijn in die Nordsee nur ein Rinnsal.

Am Ende markieren ein paar aus dem Wasser ragende Steinbrocken den Übergang vom Fluß ins Meer. Dohlen und Möwen sind die letzten Rheinbewohner. Abwechselnd suchen sie nach Nahrung oder genießen den Ausblick auf die wallende See.

Presserückschau (August 2015)

1
Anfang August beobachtet die Presse das Niedrigwasser im Rheinland, so der EXPRESS bei Bonn: “„Immer mal wieder taucht bei Niedrigwasser auch Kurioses auf“, so ein Sprecher der Wasserschutzpolizei (…). In Urfeld habe man 2003 sogar einmal ein komplettes Auto an einem Schiffsanleger gefunden. „Zum Glück saß niemand mehr drin“, so der Wasserpolizist. Auch Fahrräder, entsorgte Autobatterien, geknackte Zigarettenautomaten oder aufgebrochene Tresore gab der Rhein schon mehrfach frei.”

2
In Alphen aan den Rijn ist ein Bauteil für die Julianabrücke über den Oude Rijn von einem Schiff gekippt und zog die Baukräne nach sich. Die Großteile stürzten in eine Häuserfront, ein Hund soll bei dem Unglück getötet worden sein, die Meldungen schwanken desweiteren zwischen null und ungefähr zwanzig verletzten Menschen: “Waardoor de kranen omvielen, is nog onduidelijk. De kranen stonden op een drijvend dek en vervoerden samen het brugdeel. Volgens een ooggetuige wiebelde de ponton voordat hij omviel enorm. Een woordvoerder van de Veiligheidsregio zei dat het erop lijkt dat het brugdeel is gaan schuiven en dat daardoor de kranen omvielen.” (Nederlandse Omroep Stichting)

3
Das Rheinschwimmbad in Schwörstadt ist neuerdings durch einen Zaun vom Rhein abgegrenzt – aus Haftungsgründen, wie der SWR in einem dreiminütigen TV-Beitrag berichtet. In den sechzig Jahren seit sie, von ihrer Kindheit an, das Bad besuche, sei dort “noch nie jemand versoffe”, erzählt eine ältere Dame vor der Kamera, andere Badegäste fordern Aufstand und Rabatz, zum wenigsten jedoch ein Drehkreuz mit Haftungshinweisen, um nicht den weitläufigen Zaun umgehen zu müssen. Nach der Badesaison wollen sich die Schwörstädter Gemeindeverantwortlichen intensiver mit der Einzäunung beschäftigen.

4
Auf dem Rhein bei Düsseldorf sind bei einer Frontalkollision elf Menschen verletzt worden: “Die Feuerwehr zählte 230 Menschen an Bord (eines Kreuzfahrtschiffes), davon 180 Passagiere und 50 Besatzungsmitglieder. In der Gegenrichtung war ein mit Mais beladener Frachter unterwegs. Um 10.20 Uhr kam es dann zwischen dem Fähranleger in Langst-Kierst und der Flughafenbrücke zum frontalen Zusammenstoß. Angaben des Frachtschiffführers zufolge soll das Bugstahlruder versagt haben.” (Rheinische Post)

5
Über Szenen, die einem Actionfilm entstammen könnten, berichtet der Sarganserländer in typisch eidgenössischer Diktion: “Bei einem spektakulären Selbstunfall in Mastrils ist eine 25-jährige Lenkerin mit ihrem Auto in den Rhein gestürzt. (…) Die 25-Jährige fuhr von Mastrils kommend in Richtung Tardisbrücke. Auf der Höhe des Restaurant Tardis geriet sie mit ihrem Fahrzeug über den rechten Fahrbahnrand hinaus, steifte einen parkierten Lieferwagen, überquerte die Bushaltestelle und kollidierte mit einem Fahnenmasten. Von dort stürzte der Personenwagen die Rheinböschung hinunter, prallte auf das Rheinufer, worauf es das Fahrzeug überschlug und im Wasser auf dem Dach liegend zum Stillstand kam. Die Lenkerin, welche alleine im Fahrzeug sass, konnte den Unfallwagen verlassen. Glücklicherweise hörte ein Anwohner den Unfall, eilte zu Hilfe und konnte die Verunfallte aus dem Wasser ziehen.”

6
Noch mehr Presseaufmerksamkeit als bei seinem Abgang vor rund zwei Jahren erfuhr die Bergung eines Polizeiautos, das bei einer Personenkontrolle aufgrund loser Handbremse in den Rhein bei Bad Säckingen gerollt, untergegangen und von Polizeisuchtrupps nicht geortet werden konnte. Ein Schweizer Hobbytaucher, der das Fahrzeug an einer tiefen Rheinstelle bei Mumpf ausmachte und die deutsche Polizei informierte, soll am Telefon zunächst abgewiesen worden sein, bis er die Beamten auf Umweltschäden, die vom Wrack ausgehen könnten, aufmerksam machte. Über die Bergungsaktion berichtet das Boulevardblatt Blick: “Das versunkene deutsche Polizeiauto ist endlich gehoben – mit enormem Aufwand. Rund 50 Pontoniere des Schweizer Militärs mussten bei Mumpf AG mit einer Schwimmbrücke aushelfen. Daneben: ein Dutzend deutsche Polizisten. Unter Wasser: deren Taucher. Die Aktion war ein Kraftakt. Erst nach sechs Stunden hing das Wrack am Haken, landete endlich auf dem Trockenen. Die Deutschen wollten ihren Streifenwagen nicht lange begutachten und schickten ihn umgehend zum Verschrotten.”

7
Als Jahrhundertwerk feiert die WAZ in einem enthusiastischen Artikel die neue Reeser Flutmulde: “Fast sah es aus wie in Papenburg, wenn ein Kreuzfahrtschiff die Meyer-Werft verlässt. Die Köln-Düsseldorfer RheinFantasie, immerhin 85 Meter lang und 14 Meter breit, fuhr in die Flutmulde ein. Nur das Freideck war noch vom Reeser Ufer aus hinter dem Deich zu erkennen. Währenddessen näherte sich von der anderen Seite die Fähre einem über die Flutmulde gespannten schwarz-rot-goldenen Band. An Bord zum Festakt viel Prominenz, Minister, Staatssekretär, Bürgermeister, Verantwortliche der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und Gäste.”

Uitwateringskanaal

katwijk_costaAls Entwässerungskanal mündet der Oude Rijn bei Katwijk in die Nordsee. (Bild: Costa “Quanta” Costa)

De vereeniging van den Rhijn met de Nordzee

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katwijk_vereeniging_2(Fotos: Rainer Vogel. rheinsein dankt!)