Presserückschau (Oktober 2012)

„Wer glaubt, die Bonn-Lobby bestünde nur aus drei Provinzdödeln, unterschätzt sie“, verrät die taz unter der martialischen Überschrift „Die Wacht am Rhein“ in einem ausführlichen Bericht über die Bonner Ministerienlobby und den Strukturwandel im ehemaligen Bundesdorf, dieweil uns der EXPRESS gewohnt knackig die Arbeitsweise der Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland nahebringt, welche in geduldiger Kleinarbeit Luftaufnahmen der Alliierten vor und nach den Kriegsbombardierungen auf „0,1 Millimeter große, schwarze Punkte“ begutachten, welche Blindgänger markieren können. Weitere nennenswerte Nachrichten des Oktobers:

1
Seit Wochen und Monaten berichtet die Rheinische Post in immer neuen, meist undurchsichtigen Artikeln vom Eisernen Rhein, einer historischen, weitgehend stillgelegten und nur noch von Güterverkehr frequentierten Bahntrasse zwischen den Häfen von Duisburg und Antwerpen, die evtl (evtl aber auch nicht) ausgebaut/wiederbelebt werden soll, was zu einer komplexen Gemengelage (Komgem) zwischen Politik, Industrie und Bürgerinitiativen in Belgien, den Niederlanden und am Niederrhein führt, welche die regional-interessierte Leserschaft, handelte es sich nicht um ausgemachte Flachlandregionen, als das berühmte Bergekreißen empfinden dürfte.

2
„Die Entscheidung über die Bewilligung von Schadensersatz für bei Dienstunfällen erlittene Sachschäden eines Beamten steht sowohl dem Grund wie auch der Höhe nach im Ermessen des Dienstherrn. Es ist ermessensgerecht, wenn der Dienstherr beim Verlust einer Brille nur die Aufwendungen, die nicht über die medizinischen Notwendigkeiten hinausgehen, bei der Berechnung des Schadensersatzes berücksichtigt“ urteilt laut rechtslupe.de das Verwaltungsgericht Koblenz über eine während eines Polizeieinsatzes im Rhein verlorengegangene Gleitsichtbrille. (Ein Wasserschutzpolizist war bei einer Schiffskontrolle in den Fluß gefallen.)

3
„Die Statue “Krieg” ist zurück am Niederwalddenkmal hoch über dem Rhein“, meldet Die Welt zum Monatsausklang. Zuvor sei die acht Tonnen schwere Bronzestatue ebenso wie zwei Reliefs und die Krone der Hauptfigur “Germania” in der Werkstatt einer sächsischen Denkmalpflegefirma in Ottendorf-Okrilla bei Dresden restauriert worden. Dabei sei auch eine bis knapp einen Millimeter dicke Schmutzschicht entfernt worden: „Der Schmutz wurde mit Spachteln, Chirurgenskalpellen und Ultraschallreinigern in Handarbeit entfernt.“

4
Über den lernfähigen Klärschlamm der BASF schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung: „Rund 3,5 Kubikmeter Abwasser pro Sekunde rauschen von der BASF aus rund um die Uhr in den Rhein: Eine Zahl, die Umweltschützern den Schweiß auf die Stirn treibt.“ Deshalb sei der Bakterienschlamm der BASF-Kläranlage etwas Besonderes: „Die darin enthaltene Bakterienfauna ist über mittlerweile fast vier Jahrzehnte hinweg darin geübt, problematische Abwasserstoffe zu verarbeiten und abzubauen. Der Klärschlamm ist gewissermaßen “lernfähig”, weil die darin lebenden Kleinstlebewesen auf unterschiedlichste chemische Belastungen gut trainiert sind. Normaler Klärschlamm aus kommunalen Kläranlagen stieße hier sehr schnell an seine Grenzen.“

5
Neuenburg am Rhein hofft laut einem Bericht der Badischen Zeitung, im Zuge der Landesgartenschau 2022 tatsächlich an den Rhein angeschlossen zu werden: „”Eine Stadt geht zum Rhein” – so lautete von Anfang an das Motto für das Projekt. Die Rheinkorrektur durch Johann Gottfried Tulla im 19. Jahrhundert, zudem die Autobahn und die Kreismülldeponie haben Neuenburg vom Fluss abgeschnitten. Das soll die Landesgartenschau korrigieren. Die Rheinauen sollen zum Naherholungsgebiet werden – als Bindeglied zwischen Stadt und Fluss. Und zwar über das Ende der Gartenschau hinaus.“

6
In Xanten soll lediglich der Altrhein (und nicht die ganze Stadt) wieder an den Rhein angeschlossen werden, so steht es in einer Pressemitteilung des NRW-Umweltministeriums: “Umweltminister Johannes Remmel und der Deichverband Poll haben vereinbart, die Planungsleistungen für das Planfeststellungsverfahren zum Anschluss des Xantener Altrheins an den Rhein durchzuführen. Das Projekt ist mit dem Bau des rheinfernen Deiches an der “Bislicher Insel” verbunden und dient gleichzeitig der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und dem Naturschutz im Naturschutzgebiet “Bislicher Insel”. Der Deichverband Poll hat in den Jahren 2003/2004 mit den Planungen für die oberstromige Anbindung des Altrheins im Bereich Wesel-Werrich begonnen. Dabei wurde deutlich, dass der Altrhein bei höheren Wasserständen im Rhein nur dann durchströmt wird, wenn auch die unterstromige Anbindung östlich des Restaurants “Zur Rheinfähre” verbessert wird.“

7
Last but not least berichtet das Hessen-Tageblatt von einer touristenfeindlichen Aktion mitten in der hochtouristischen Rüdesheimer Drosselgass. An einem Oktobersonntagfrüh gegen 2.15 Uhr habe eine sechsköpfige oberpfälzische Delegation zwei Einheimische angesprochen, „um zu erfahren wo um diese Uhrzeit noch etwas los sei.“ Daraufhin griffen die Einheimischen an, es kam zu einer Messerattacke, „Lebensgefahr ist nicht auszuschließen.“

Außerdem berichtet das neue deutschland über Baulärm im Mittelrheintal und der Landschaftsverband Rheinland stellt in personam Alois Döring fest, daß früher im Rheinland nicht alles besser war, was rheinsein definitiv bestätigen kann.