Szene bei Kaiserswerth

ansicht bei kaiserswerth

“als junger wollte ich mal einen roman schreiben, von einem mädel mit braunem haar, das an den kreidefelsen der küste an der ostsee entlangreitet, wo man bunte feuersteine findet, das mädel wird dann meine frau und reitet mit mir in ihr dorf, wo ihr stamm lebt, ein schwarm fische schwimmt rheinauf, einer rheinab, die aale schlängeln sich am schiff vorbei, in der ferne der flughafen, ausläufer der häuser und pappeln und gebüsche mit vogelnestern noch relativ nackt am rande des ortes kaiserswerth, pappeln, braune äcker gefurchtes feuchtes land, startende flugzeuge, gegenüber auch wieder pappeln und weiden, der lanker kirchturm, das schiff ist vermutlich ein tankschiff mit ethanol und fährt rheinauf nach dormagen, fast alles aus unserer kultur ist ja daraus gemacht, wem es gehört der hat auch geld und macht, millionen jobs in der industrie hängen davon ab, mikroplastik sammelt sich in den meeren, zerriebene kleinteile, rheinaufwärts geht es nach kölle und bis in die schweiz. in manchen der container auf den schiffen ist schmuggelgut, etwas zum rauchen und träumen, aus rotterdam, aus übersee, erreicht hier die gebraucher in den metropolen…”

(Ein Beitrag unseres Niederrhein-Korrespondenten Rainer Vogel)

Kamelopedischer Rhein

Rhein
(aus Kamelopedia, der freien Kamel-Enzyklopädie)

Der Rhein ist so eine Art Nil, nur nicht in Ägypten, sondern in der Schweiz, in Deutschland, in Frankreich und in Holland, wo er schon mal anders heißt und mündet dann nach einem gewagten Schlenker in Höhe des Kamelner Kreuzes irgendwo in den Nord-Ostsee-Kanal und drückt sich so vor der Begegnung mit dem wahren Egypten.

Über Jahrzehnte war der Rhein bei allen Fotografen sehr begehrt, als man noch an jeder seiner Biegungen Filme und Fotos in seinem Wasserlauf entwickeln konnte. Seitdem die Industrie aber so geizig geworden ist, und ihm keine Chemikalien mehr in diesem Umfang zuleitet, hat der Rhein seine Entwicklungsfähigkeit gänzlich eingebüßt.

Auch die Rheinschiffer haben sehr unter den Auflagen der Umweltbehörden zu leiden. Entgegen alter Traditionen und verbriefter Naturgesetze werden auch diese nun auf moderne Toiletten gezwungen, dürfen nicht mehr öffentlich schiffen und schon gar nicht meer in den Rhein rein. Seither ist auch nichts mehr mit groß Rheine machen, was den Schiffern besonders stinkt.

Köln liegt am Rhein, Kairo nicht und Bielefeld erst recht nicht (liegt ja noch nicht mal am Nil, dann schon eher an der Biele.)

Das Spiegelbild der Rhein ist natürlich der Rhaus.

Mme de Staël über Unterschiede im (gegenseitigen) intellektuellen Verständnis links und rechts des Rheins

“(…) Les hommes de génie de tous les pays sont faits pour se comprendre et pour s`estimer; mais le vulgaire des écrivains et des lecteurs allemands et français rappelle cette fable de la Fontaine, où la cigogne ne peut manger dans le plat, ni le renard dans la bouteille. Le contraste le plus parfait se fait voir entre les esprits développés dans la solitude et ceux qui sont formés par la société. Les impressions du dehors et le recueillement de  l`âme, la connaissance des hommes et l`étude des idées abstraites, l`action et la théorie donnent des résultats tout à fait opposés. La littérature, les arts, la philosophie, la religion des deux peuples, attestent cette différence; et l`éternelle barrière du Rhin sépare deux régions intellectuelles qui, non moins que les deux contrées, sont étrangères l`une à l`autre. (…)”

(aus: Oeuvres complètes de Mme de  Staël: De l`Allemagne. Seconde partie. De la littérature et des arts. Chapitre premier. Pourqoui les Français ne rendent-ils pas justice à la littérature allemande?)

“(…) La poésie française, étant la plus classique de toutes les poésies modernes, est la seule qui ne soit pas répandue parmi le peuple. Les stances du Tasse sont chantées par les gondoliers de Venise; les Espagnols et les Portugais de toutes les classes savent par cœur les vers de Calderon et de Camoëns. Shakspeare est autant admiré par le peuple en Angleterre que par la classe supérieure. Des poèmes de Goethe et de Bürger sont mis en musique, et vous les entendez répéter des bords du Rhin jusqu`à la Baltique. Nos poëtes français sont admirés par tout ce qu`il y a d`esprits cultivés chez nous et dans le reste de l`Europe, mais ils sont tout à fait inconnus aux gens du peuple et aux bourgeois même des villes, parce que les arts en France ne sont pas, comme ailleurs, natifs du pays même où leurs beautés se développent. (…)”

(Dortselbst. Chapitre XI. De la poésie classique et de la poésie romantique.)

“(…) Klopstock a souvent beaucoup de grâce sur des sujets moins sérieux: sa grâce tient à l`imagination et à la sensibilité; car dans ses poésies il n`y a pas beaucoup de ce que nous appelons de l`esprit; le genre lyrique ne le comporte pas. Dans, l`ode sur le rossignol, le poëte allemand a su rajeunir un sujet bien usé, en prêtant à l`oiseau des sentiments si doux et si vifs pour la nature et pour l`homme, qu`il semble un médiateur ailé qui porte de l`une à l`autre des tributs de louange et d`amour. Une ode sur le vin du Rhin est très-originale: les rives du Rhin sont pour les Allemands une image vraiment nationale; ils n`ont rien de plus beau dans toute leur contrée; les pampres croissent dans les mêmes lieux où tant d`actions guerrières se sont passées, et le vin de cent années, contemporain de jours plus glorieux, semble recéler encore la généreuse chaleur des temps passés.
Non – seulement Klopstock a tiré du christianisme les plus grandes beautés de ses ouvrages religieux, mais comme il voulait que la littérature de son pays fût tout à fait indépendante de celle des anciens, il a tâché de donner à la poésie allemande une mythologie toute nouvelle, empruntée des Scandinaves. Quelquefois il l`emploie d`une manière trop savante; mais quelquefois aussi il en a tiré un parti très-heureux, et son imagination a senti les rapports qui existent entre les dieux du Nord et l`aspect de la nature à laquelle ils président. (…)”

(Dortselbst. Chapitre XII. Des  poëmes allmands.)

Wir danken unserem Korrespondenten Roland Bergère fürs Aufstöbern und häppchengerechte Servieren. Mme de Staëls Gedanken ufern sehr viel weiter aus, als wir hier darstellen mögen, und sind tiefere Einblicke wert. Klopstock!, sagen wir nur. Der Originaltext findet sich ua bei Google Books.

Am Niederrhein (von Rainer Vogel)

Am Sonntag kamen noch Freunde zum Kaffee und Kartenspielen, inklusive Spaziergang zum Biergarten am Rhein in Wittlaer, „Aschlöksken“ im Volksmund genannt, früher sei dort die Asche gelöscht worden. Eine andere Erklärung für den Namen lautet: dass dort der Ort seit jeher sein Ende hat. Gegenüber vom Biergarten, auf der Meerbuscher/Krefelder Rheinseite sah ich immer Sandstrände und Auwälder, wo auch abends Leute an Lagerfeuern saßen. Da ich gestern frei hatte, fuhr ich mit dem Rad zur Kaiserswerther Rheinfähre, setzte dort über, hielt mich rechts, am dortigen Camperidyll vorbei, und fuhr auf holprigen Treckerspuren, Weidenalleen und vergessenen Reitwegen zu den gesuchten Buchten und Rheinstränden. In eine Bucht, in die man durch einen schmalen Pfad zwischen mannshohen Schilf gelangte, trat ich ein, um einen vorgelagerten Tümpel, Weiden mit freistehenden Wurzeln, eine Art Wilden Flieder, Löwenmäulchen zu entdecken, und das gegenüberliegende Ufer und in der Nähe lagernde Wildgänse zu fotografieren. Der Schweiß floss mir in Strömen herunter, meine Haut juckte aufgrund einer heftigen Sommerallergie, und ich fuhr weiter mit dem Rad, um die Bucht gegenüber dem Biergarten am Ende von Wittlaer zu finden, und mir ein mitgeführtes Alt am Strand zu genehmigen. Ich fand einen seitlich einströmenden Zufluss oder See, mit einer Unzahl von Jungfischen, die in Schwärmen vor meinem Schatten flüchteten, ein Graureiher stob krächzend auf, wer stört in seinem Revier? Keine Menschenseele weit und breit, bis auf einen Mann im Liegestuhl am Strand, die paar Angler am Ufer und auf den aufgeschütteten Felsbrocken im Rhein, unzählige Mücken und Bremsen. Ich fotografierte einen Korbstuhl ohne Beine im Sand, ein bis zwei rostige, im Sand verschüttete Öltonnen, auf einer lag eine längst geleerte, verlorene Geldbörse. Über die Mündung des Zuflusses am Rhein hatte jemand dicke Steine gelegt, sah fast wie ein Dammbau aus, bis auf einen riesigen Stein, den eigentlich keine Menschenhand bewegt haben konnte. Zwischen den Steinen die bleichen Schalen toter Krebse. Mir fiel der Roman ein, den ich in meiner Pubertät eigentlich hatte schreiben wollen, eine Geschichte über einen Wanderer, der am Strand der Ostsee entlang zieht, den magischen Feuerstein, den er sammelt, knirschend unter seinen Sohlen, am Ende seiner Wanderung ist er nicht mehr allein, reitet auf einem Wildpferd und hat eine junge Frau mit schwarzem Haar und braunen Augen an seiner Seite. Teile meines Traums haben sich wohl verwirklicht, jedenfalls habe ich auch jemanden gefunden. Der Held des Romans baut ein Haus, zeugt Kinder, geht in seinem Stamm auf. Parallelhandlung in einem Raumschiff, irgendwo im All. Die Erde ist mittlerweile von einer unkontrollierbaren Technologie beherrscht. Dann trinke ich nahe einer erloschenen Feuerstelle das Bier, auf einem Stein im Sand sitzend. In der Nähe ist ein Angler mit zwei von der Leine gelassenen Schäferhunden, weswegen ich mich ein wenig unwohl fühle. Drüben sitzen die Leute im Biergarten in Plastikstühlen am Weidenzaun, Galloway- Rinder grasen friedlich. Als der weiße Ausflugsdampfer der KD rheinaufwärts vorbeifährt, winken einige Leute den Menschen auf Deck zu. Später schlage ich mich in die Büsche, um eine Abkürzung zur nächsten Straße zu finden, und lande im undurchdringlichen Dickicht, wo ich mir die Schienbeine mit Brennnesseln verbrenne. Stiele wuchernder Riesenpflanzen knacken hohl unter meinen Füßen, als ich die Orientierung verliere. Endlich erreiche ich das Ufer wieder, wohin ich nach einer Kurve im Urwald wieder zurückfinde, und schiebe das Rad über den Sand, finde später eine Zufahrt. Doch erst nehme ich noch ein Bad im Rhein, um die Haut zu kühlen und den Juckreiz zu lindern. Als ich mich wieder anziehe finde ich ein bearbeitetes Stück braunen Feuerstein im Sand, in Form einer Pfeilspitze, und nehme den Stein in meinem Rucksack mit. Auf dem Rückweg fahre ich über Felder, Landstraßen, an dem großen Hafenbecken im Industriegebiet des Krefelder Rheinhafens vorbei, über die im Krieg gesprengte, wieder aufgebaute Uerdinger Brücke mit den schweren, genieteten Stahlträgern, erreiche ich die andere Rheinseite.

(Besten Dank für diesen Bericht an Rainer Vogel, Buchhändler in Kaiserswerth.)