Presserückschau (September 2016)

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“Die spektakuläre Lichtinstallation am Düsseldorfer Rheinturm könnte bald regelmäßig zu sehen sein. Nach der Premiere beim NRW-Fest soll der “Rheinkomet” zum neuen Wahrzeichen der Stadt werden – nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms. “Nach dem Echo, das wir bislang bekommen haben, sind wir überzeugt, dass der Rheinkomet das neue Wahrzeichen Düsseldorfs werden kann”, sagt Edmund Spohr von der Bürgerstiftung „Dus-Illuminated“. Aus vielen Städten im Umland seien positive Anrufe eingegangen. “Wir haben sogar einen Brief aus dem Vatikan bekommen, der die Installation als ‚Stern des Abendlandes‘ bezeichnet”, freut sich Spohr. Die Stiftung hat das Lichtspektakel gemeinsam mit dem Künstler Klaus Gendrung finanziert und auf die Beine gestellt. Die Idee zur Lichtshow liegt dagegen schon Jahre zurück, denn ursprünglich sollte der Rheinturm eine olympische Flamme zeigen, wenn die Olympia-Bewerbung der Stadt für die Spiele im Jahr 2012 Erfolg gehabt hätte.” (WDR)

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Absturz: “Mehrere besorgte Bürgen hatten (…) den abgestürzten Heißluftballon beziehungsweise einen Feuerball oder gar ein unbekanntes Flugobjekt über der Rettbergsaue inmitten des Rheins gemeldet. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und ein Polizeihubschrauber machten sich sofort auf den Weg zu der großen Rheininsel (3100 Meter lang und bis zu 400 Meter breit).
Sie entdeckten den Heißluftballon, dessen Ballonfahrer sich für die Landung auf der Aue entschieden hatte, weil er das Rheinufer nicht mehr erreicht hätte. Alle drei Insassen des Ballons waren wohlauf und wurden mit einem Feuerlöschboot ans Ufer gebracht.” (Bild)

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“Es ist kein schöner Anblick, der sich (…) Spaziergängern bietet, die an der Altenheimer Rheinbrücke unterwegs sind: Auf französischer Seite dümpeln Hunderte verendeter Fische – und auch auf der deutschen Rheinseite fällt das »Treibgut« auf. Das Fischsterben hat einen natürlichen Grund: Blaualgen. Die Untersuchungen auf französischer Seite sind (…) inzwischen abgeschlossen. Die Ursache des massiven Fischsterbens im Rhein liegt im Plobsheimer Becken gegenüber von Neuried-Müllen. Die toten Tiere werden über den Rhein hinweg ans Ortenauer Ufer geschwemmt. Angefacht durch die Hitze der vergangenen Wochen sind in den Tiefen des Beckens Blaualgen gewachsen. Diese bilden nicht nur einen markanten blauen Farbstoff, sondern auch Bakterien, die Fische und ihre Nahrung, den Plankton, nach und nach vergiften. Zudem binden die Algen den Sauerstoff im Wasser – die Umgebung wird für die Tiere und Einzeller lebensfeindlich.” (Baden Online)

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Rheintote
“In Basel ist (…) ein unbekannter toter Mann aus dem Rhein geborgen worden. Passanten hatten (…) den vor dem Kleinbasler Ufer im Wasser treibenden Körper bemerkt und Alarm geschlagen. Bei der Wiesemündung konnten Polizei und Feuerwehr den Toten bergen. Bisherige Ermittlungen hätten ergeben, dass der Mann offensichtlich schon mehrere Tage im Rhein gelegen habe, teilte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mit. Identifiziert werden konnte er noch nicht.” (Aargauer Zeitung)

“Ein Mann ist (…) im Rhein bei Speyer ertrunken. Das bestätigte die Polizei dem SWR. Wasserschutzpolizei, DLRG und Feuerwehr seien im Großeinsatz gewesen. Taucher hätten den Mann aber nur noch tot bergen können. Die Identität des Opfers sowie der Unfallhergang sind noch unklar. Asylbewerber, die sich am Ufer des Rheins befanden, berichteten aber einem Kamerateam vor Ort, der Mann sei mit ihnen befreundet, er stamme aus Afghanistan und habe in ihrem Heim gelebt.”

“Furchtbare Gewissheit haben die Angehörigen des Mannes, der (…) beim Baden im Rhein verschwunden war: Helfer der Feuerwehr bargen (…) die Leiche des 46-Jährigen – just an der Stelle, wo er zwei Tage zuvor zum letzten Mal gesehen worden war. Die Schwester des Niederkasselers, so bestätigte die Polizei in Siegburg, hatte den Toten entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten war sie noch einmal ans Rheinufer gegangen, wo sie tatsächlich den leblosen Körper ihres Bruders im Wasser bemerkte.” (Kölnische Rundschau)

“Tot geborgen wurde ein 22-Jähriger, der (…) bei Köln-Rodenkirchen untergegangen war. Er sei bei Wesel tot im Wasser gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher.” (WDR)

“Ein 10-jähriger Bub ist (…) in Eglisau ZH im Rhein ums Leben gekommen. Er war zunächst mit Kollegen von einem drei Meter hohen Quai in den Fluss gesprungen. Später kletterte er auf einen Baum und versuchte, über ein Boot am Ufer zu springen. Dabei schlug der Junge mit eritreischen Wurzeln gemäss Angaben der Kantonspolizei Zürich auf dem Boot auf, fiel ins Wasser und tauchte nicht mehr auf. Taucher der Seepolizei bargen ihn rund eine Stunde später leblos in acht Metern Tiefe.” (Neue Luzerner Zeitung)

An historische Rheintote erinnert der Express: “Hans Doll ist pensionierter Kripo-Beamter. (…) Vor 60 Jahren war er einfacher Polizeibeamter und gerade dreißig mal 30. Er berichtet: “Ich arbeitete damals für die Wache am Wiener Platz. (…) Und ich war oft mit dem Kraftrad auf Streife.” (…) So auch im September 1956. (…) Plötzlich sah Doll am Ufer etwas liegen. „Ehrlich gesagt, konnte ich gar nicht genau erkennen, was es war. Aber es sah irgendwie menschenähnlich aus. Also bin ich die Böschung runter. Den Anblick, der sich mir bot – schrecklich. Den werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Da lagen die sterblichen Überreste eines Menschen – total aufgequollen.” (…) Doll schaffte es, den toten Arbeiter einen Meter aus dem Wasser zu ziehen. (…) Doll erinnert sich auch an die Gespräche auf der Dienststelle nach dem Unglück beim Bau der Severinsbrücke: “Damals erzählte man sich, dass ein toter Arbeiter im Pfeiler der Severinsbrücke einbetoniert worden sei – da gab es keinen Zweifel.” Am 21. September 1956 brechen die Stützen der Brückenpfeiler weg. Beton, Wasser und Geröll begraben die Bauarbeiter, die in einem Senkkasten arbeiten: Mindestens fünf sterben.”

Griechischer Rhein

Vor allem weil die Handlung in Karlsruhe spiele, machte unser Kaiserswerther Korrespondent uns auf die Herbst-Neuerscheinung „Beim Griechen“ von Alexandros Stefanidis aufmerksam. Eine Familiengeschichte griechischer Einwanderer, die, aus der Perspektive des jüngsten Sohnes (A. S. eben), die deutsche Geschichte der letzten 40 Jahre spiegelt. „grills sind ok“, kam uns sogleich in den Sinn, die hauseigene 90er Jahre Trash-Eloge auf den Schnellimbiß als Restaurant des kleinen Mannes, darunter nicht wenige Griechen mit ihren gemischten Platten (Olympia-Teller), deren Fleischberge häufig alpine Ausmaße erreichten, welche uns wenige Studenten aus einfacheren Verhältnissen bei unseren sonntäglichen Besuchen in der Düsseldorfer Gyros- und Souvlaki-Szene für kleines Geld mit ausreichend Kalorien für eine ganze harte Studienwoche versorgten, teils begleitet von der Gastgeberlandkultur assimilierten gereimten Sinnsprüchen: „Dick und satt / wie schön is dat!“ – und dem unvermeidlichen Ouzo zum Abschluß. Doch der hier beschriebene Grieche wurzelt vor der Imbißschwemme und hat den Ouzo aufs Haus womöglich sogar erfunden: es handelt sich um das erste griechische Restaurant in Karlsruhe und seine direkten Nachfolger, deren letztes nach rund 40 Jahren vergangenes Jahr u.a. auch unter der Imbißwelle begraben wurde. Stefanidis ist sieben Jahre jünger als der Autor dieser Zeilen und ebenfalls gebürtiger/aufgewachsener Karlsruher. Karlsruher Kolorit kommt in seinem Buch kaum vor, die Handlung ist straff am Familienbetrieb ausgerichtet und reicht kaum einmal über dessen Hinterhof hinaus; dennoch finden wir, trotz des Altersunterschieds, einige Überschneidungen: die beinahe täglichen Zoobesuche als Kleinkind, später die Faszination für Yps-Hefte, die Unfähigkeit Rubik`s Cube aufzulösen, die Schauburg als bevorzugtes Kino. Hinzu kommen zwei historische Marken: die Ermordung Siegfried Bubacks, Wolfgang Göbels und Georg Wursters durch die RAF und die Versammlungen der frühen Grünen, die nach der Gründungsversammlung zu Udo Jürgens und peloponnesischem Roten in überlangen Wollpullovern bei der Stefanidis-Familie feierten. Alexandros Stefanidis erinnert sich an Jutta Ditfurth als schöne, intelligente Frau; meine Erinnerung ruft eine selbstzufriedene Populistin wach, deren platte Sprüche mich als Teenager zur Flucht aus einer frühen Versammlung bewogen. Ein paar stadtbekannte Namen überspannen den Altersunterschied, und ein paar türkische Vornamen, was das gemeinsame Kicken anbelangt, zu meiner Zeit noch im Verein, aus dem sich die türkischen Kinder aber zurückzogen, weil sie von der Mehrheit der deutschen Mitspieler nicht akzeptiert wurden: so bolzten sie in den folgenden Jahren mit dem jungen Alexandros in der Südstadt; heute dürften sie die ein oder andere Vereins-Jugendmannschaft dominieren. Ansonsten bleibt aus dem Buch, was Karlsruhe betrifft, noch das lakonische Statement, daß Karlsruhe eben nicht Berlin sei zu vermelden. Und was über Karlsruhe hinaus geht, nämlich praktisch alles an diesem Buch: daß selbst orientierungslos durch Statistiken kreuchende Gestalten wie Thilo Sarrazin mithilfe der Lektüre das Einnehmen simpler Vogelperspektiven erlernen könnten.