Mit der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz (3)

Wir steigen aus auf der Baar, um einherzuwandeln. Der Bordkaffee (1 Euro!) hat uns gepusht, es hält uns nicht länger auf dem Sitze. Allmählich zeigt sich die Nacht zur schwarzen Gänze und spendet feinen Niesel. Gorrh reibt die Straßenbeläge damit ab. Das gibt einen eigenartigen Geruch. Der Glanz des Tristen, an frischer Luft. Out of Bräunlingen. Aus der Dunkelheit heulen, plunksen, grummeln Wesen. Künden die Stunde der Landgaschthöf und Moschtschöpfle. In deren geräumigen Innern trachtentragende Serviertöchter überdimensionierte Wurstsalat-Portionen jonglieren. Deren geräumige Innere bauchige Fiolen bergen, in denen wiederum der Mirabellenbrand auf genauer Zimmertemperatur seine weitreichendsten Effekte heranalchimisiert. Deren geräumige Innere so geräumig sein müssen, weil die von den Wänden prangenden Trofäen sonst versehentlich die besten Gäste aufspießen würden: solch mächtiges Gehörn und Geweih trägt weit und breit einzig das sagenumwobene Schwarzwaldwild. Der Geist der Mirabelle schärft den unsern, wenngleich bisweilen attackiert vom Geist der Zibarte. Als das geräumige Gasthofinnere sich gegen alle Raumgesetze durch eine wabernde Tür verengt, betreten wir den kühlen glatten Abendhimmel, an dessen Ende der Mond in Form und Farbe einer wunderbaren Mirabelle lockt. Gorrh hat ihn dorthin geschnalzt, als letzten Tagesakt. Wir folgen dem Mond, er führt uns im Kreis, das geht ein paarmal gut, dann steigen wir wieder ein, wo wir niemals ausgestiegen sind, entlang der jungen Donau gleitet die Schwarzwaldbahn Richtung Immendingen, 658 Meter über dem Meer. So steht es am Bahnhof angeschrieben und wird seit geraumer Zeit nicht mehr korrigiert worden sein. Nun sind aber Meeresspiegel eine bewegliche Sache und 658 Meter zwar ein ordentliches Stück, aber nicht die Welt, in Klimafasen- und Tiefseedimensionen gedacht. Das künftige Immendinger Unterwasserbahnhofsschild wird 23 Meter unter dem Meer anzeigen. Wir fahren weiter nach Engen. Das seinen Namen verdientermaßen zu tragen und aus lauter Einfamilienhäusern zu bestehen scheint, eine Art dicht beieinanderstehende Herde Familienglücker, fürimmerisiert in traulichem Beton. Da wohnen Lackabs neben Lustigs, da wohnen aber auch noch ganz andere. Die freistehenden Vulkankegel des Hegaus wissen das schon länger. An Singen verwundert uns die Schinderhannes Bar. Ist Johannes Bückler damals tatsächlich soweit in den Süden ausgewichen, oder existiert am Ort eine zeitversetzte Sympathisantenszene unter Maggi- und Schiesser-Mitarbeitern? In Radolfzell schließlich das Anschwappen des Bodensees, begleitet von einem neobeckettschen Dialog unter Mittelstuflern: „Kennsch n Panker namens John?“ „Sein Koffer isch schon da.“ Die Wasservögel am Ufer sind teils wohl Skulpturen. Allensbach: das mit dem Institut? Jedenfalls das mit einigem Fachwerk. In neobeckettschem Stumpfsinn: „Kennsch n Panker namens Allen?“ „Sein Bach isch schon da.“ Einfahrt nach Konstanz, Queren des Seerheins. Die Stadt ist voller Dichter. Das kann ja noch was werden!

Mit der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz (2)

Weiter durchs Zweidichterdorf Hausach, das eigentlich fast ein Dreidichterdorf zu nennen wäre, weil es sich jedes Jahr über Monate hinweg zu den beiden ortsansässigen noch einen zusätzlichen Gastdichter leistet. Am Kinzigufer weiden Bungalows aus mallorquinischen Feriensiedlungen. Kein Mensch weiß wie sie dort hingelangt sind. Jetzt glotzen sie aus quadrischen Fensteraugen auf das reine saftig grüne Tal. Oh, wohnten wir doch gelegentlich dorten! (Wir glotzten ebenfalls aufs Tal und über die Hügel und in den Himmel sowieso und erhöhten die Hausacher Dichterdichte.) Es geht auf halb zwei Uhr nachmittags zu und schon senkt sich der Tag zur Neige, der folgende stundenlange neblicht-zwielichternde Abenddämmer gilt weithin als Spezialität und Alleinstellungsmerkmal des Schwarzwalds; unter einigem Zinnober („Sehr geehrte Fahrgäschte!“) wird der Zustieg der langersehnten Minibar samt fescher Oberkellnerin verkündet, der Zug schlängt sich in einem Anfall von Selbstmärklinisierung mitten durchs Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, in/ab Hornberg (wo das berühmte Schießen stattfand und eine der größten begehbaren Toilettenschüsseln der Welt steht) beginnen die 17.000 Tunnel, deren jeder seinen eigenen Namen trägt, die wir an einem unerfüllten Tag vielleicht einmal in den Fußnoten nachreichen werden. Hornbergs beheiztes Freibad wirkt tief im November so veralgt wie vergessen, die Kinzig umschäumts mit silbrig aufgeworfenen Parolen aus ihren wildwassernden Jugendtagen. Aus fernen und nahen Schwarzwaldritzen nebelts, dampfts und rauchts in vorbildhafter Urigkeit, schön ebenmäßig grau asfaltiert folgt die Landstraße ihrem Dao, das sie zwingt, bisweilen mit der Kinzig die Klingen zu kreuzen. Rasende Wechsel aus Tunneln und Tannengerippen machen die Reise zur Geisterbahnfahrt, umgeben von brütenden Nebelküchen, aus deren senkrecht entweichenden Schwaden wir nicht zu lesen vermögen, was wohl dort auf dem Herde steht. Triberg taucht auf, ein amerikanischer Vergnügungspark mit einigen der größten begehbaren Kuckucksuhren der Welt und zugefrorenen Wasserfällen (den höchsten Deutschlands). Im Triberg-Ambiente wird plötzlich klar, was die kräftig in ihrer Nebelbrühe rührenden Schwarzwaldtannen da auskochen: Schnee! Zum Beflocken ihrer selbst! Um wiederum ein Vorbild abzugeben für Schneekugelinventare. Eigenwillig und rätselhaft ist und bleibt die Natur. Doch schon dringt die Bahn in was ebeneres, beginnt die Baar, mit fast schon städtisch anmutendem Bebau, auch riechts nach früher Donau: St. Georgen. Ein Bächlein klein und fein und kühl mäandert die Brigach um Industriehallen, vorbei an Forellenhöfen mit holzrauchenden Schornsteinen, torft vor sich hin, wildert, salamandert, wächst und hält die Abgeschiedenheit, ihr gleichzeitig entfliehend, aus. Auf Villingen zu, wo der Neckar bei- und entspringt, um dem Rhein ein paar Brocken Schwäbisch beizubringen.

Mit der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz

Von Rhein zu Rhein solls gehen, durch flußgebende Spannungsfelder. Gschwind noch e Fleischkäsweckle beim Offeburger Bahnhofsbäcker, wo mehr en zugige Verschlag halber hauße ausm Bahnhof isch. Vom Bahnsteig aus läßt sich gut beobachten wie das Schienenkraut die Gleise entlangwächst. Offenburg ist unter Zugreisenden bekannt für seine Anschluß-Wartezeiten. Der Bahnsteig ansonsten völlig leer, bis auf uns und einen Schwarzen, die wir auf derselben Sitzbank an unsern Fleischbrötchen kauen. Kaum haben wir uns fünf Meter von der Bank entfernt, um Serviettöses zu entsorgen, erschallt mit Wucht eine Lautsprecherdurchsage: „Ein wichtiger Hinweis der Bahn: achten Sie auf Taschendiebe und lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt stehen!“ Welcher wichtige Hinweis würde wohl erschallen, wenn der Schwarze sich nun unser Gepäck schnappte und damit die Biege machte? „Das war prompt“, sagen wir in Richtung des jungen Mannes, „wir beide müssen gut aufpassen, was wir hier tun, wir werden videoüberwacht“. „Noi, die hen koi Kameras, nur Ferngläser, woisch, die moine mich, ich bin z`schwarz.“ Nur noch eine halbe Stunde und der Anschlußzug dürfte auftauchen. Allmählich füllt sich der Bahnsteig mit Frierenden. Ein freundlicher Rentner von der Bahnhofsmission begrüßt sie alle per Handschlag und mit aufmunternden Worten. Falls jemand zusammenbreche, werde er sich kümmern – und falls innert der nächsten beiden Stunden kein Zug käme, heißen Tee bringen. Der Zug kommt auf die Minute pünktlich. Offenburg zu verlassen, ist immer wieder schön. Sogleich meldet sich der charismatisch dialekttreue Zugbegleiter mit expressiven, diesmal reimfreien Erklärungen. Draußen Möschle Behälterbau (ja, b`halte denn die B`hälter au?) und Schulschluß in Gengenbach mit seinem kinzigenen „Flössermuseum“ (Dreisam, Kinzig, Murg etc – die hübschen Schwarzwaldaus(fall)flüßchen: wie geschwisterlich sie sich ähneln in ihren rasenbegrünten Eingedeichtheiten!). Ha! Schon tauchen sie auf: hübsche, nitzefitzelige, wie für Sagenländer erdachte Hügelchen und spürbar wirkt der Sog des Rhein-Donau-Neckar-Kraftfelds. Außerplanmäßige Stops der Panoramabahn: Tribute an heute selten gewordene Fänomene: aus den Hügeln über Biberach/Baden etwa steigt, vom Zugbegleiter plastisch moderiert, echter Köhlerhaufenrauch. Zudem muß der Lokführer auf dieser Strecke die Bahnübergänge eigenhändig sichern. Haslach („in Haslach gräbt man Silbererz“) heute: stellt man dort Präzisionsdrehteile her und das Zentrum besteht aus drei Supermarkthallen: ALDI, REWE, edeka.

Von den fliessenden wässern Teütsches lands.

ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.

(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)

Hausach

Die Lieblichkeit des Oberrheintals, abermals auf Schienen abgefahren. Paradierendes Tal: während der Kammmolch durch die regengefüllten Bombenkrater der Waldwelt wuselt, lauern im Wiesengrund bösartige Zecken auf Hunde-, Wild- und Menschenblut. So berichtet es die Zeitung, so wars bereits zu meiner Kindheit. Die Strecke Karlsruhe-Freiburg bietet im Frühjahr ein Prachtpanorama provinzieller Paradiesvorstellungen, sie tut dies auch zu allen anderen Jahreszeiten. Aprilsaftig büschelt das Grün, die Bäume pulvern mit Blütenkonfetti. Der Klee wächst zu mächtigen Gebilden, nirgendwo sonst prangt der Löwenzahn so orangegoldnen Kopfes. Unter der Erde grummelt der Spargel seine rhizomatischen Mantren und grenzt auf diese Weise seine Reviere von jenen des Engerlings ab. Greife kreisen, auf klare Areale abgepackte Industrie, dann wieder Grün mit aristokratischem Goldfasan. Mäßig bevölkerte Stilleben, die da und dort gemächlich in Bewegung kippen. Die Ansagen des Personals kommen hinterrücks, laut und in tiefstem Badisch, Herr K., der reimende Zugbegleiter, moderiert die Fahrt auf den Gängen, vertreibt den Dorfklatsch, mischt die Schwarzwaldgipfel neu: „Wann Sie naus zum Fenschder schauue / lings die Buggel, rechts die Aue / Des isch unser Badnerland / dodehinner isch net viel bekannt“. Offenburg fungiert als Verladestation, alle zwanzig Minuten wälzen sich Menschenmassen von Bahnsteig zu Bahnsteig, ansonsten ist es in Offenburg sehr ruhig, vielleicht handelt es sich bei Offenburg, mit Superlativen sollte paradoxerweise stets mäßig umgegangen werden, um eine der langweiligsten Großstädte der Welt. Der Zug biegt ins Kinzigtal, er will jetzt in den Schwarzwald hoch. Hausach ist bereits von Hügeln umgeben, Mehrstockbungalows mit Kinzigblick erinnern architektonisch an Touristenburgen, aber soviele Touristen hat Hausach nicht. Dabei könnte Hausach als literarischstes Dorf weit und breit vermarktet werden mit seinen zwei lokalen Dichtern, dem jüngst erstmals ausgeschriebenen Dorfschreiberposten und seinem „Leselenz“ genannten Lyrikfestival, doch die Oberen bevorzugen offenbar den neoliberal oder einfach nur seniorengerecht angehauchten Slogan „Kaufkraft City“. Kaufkraft mag in Hausach durchaus vorhanden sein; zu kaufen gibt es im Dorf allerdings nichts außergewöhnliches. Das merken auch die Ausflüglermassen im Fahrrad- oder Wanderstau am Kinzigufer. Die Sonne scheint lehrbuchgerecht, es ist Flößerfest, dh, ein traditionelles Holzfloß wird die Kinzig hinabgeschwemmt- und gelenkt, um mit Musik, Bier und Wurst in Hausach haltzumachen (die Hausacher Kaufkraft zu wecken) und an die guten alten Zeiten mit noch viel höherer Kaufkraft zu erinnern. Nach ein paar Stündchen legt das imposante Gebilde, vermittels eines zuvor angestauten Wasserschwalls, wieder ab, eventtechnisch paßgenau zu abgehackter Moderation und den blechernen Tönen des Badnerlieds, intoniert von der lokalen Blaskapelle. Rund um Hausach schwingen sich die Hügel zu sanften, den Abend beschattenden Bögen, vom Burgturm bewacht schwindet ein weiterer Tag, schleift seinen Schwanz durch Ein- und Ausgänge des malerischen Tals und läßt ein Pfund Tradition in der Luft stehen, das man mal auf seine Handycam bannen kann. Einer der beiden lokalen Lyriker zeigt mir – für alle, die immer schon wissen wollten, worüber Dichter sich bei ihren klandestinen Treffen so unterhalten – seine Fußballautogrammsammlung und ein Foto, das ihn Arm in Arm mit dem jungen Beckenbauer zeigt, schnell noch ein Glas Wein, dann geht’s der glitzernden Kinzig nach, die ihre Geheimnisse geschickt in klarstem Wasser löst und wohl etwas länger befragt werden muß, bevor sie Tieferes preisgibt.